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Kleine AnfrageWahlperiode 11Beantwortet

Ersatz synthetischer Stoffe durch agrarische Naturrohstoffe (G-SIG: 11001814)

Chemische Nutzung agrarischer Rohstoffe, Förderungswürdigkeit, Verbreiterung des entsprechenden Rohstoffangebots, Berücksichtigung auf EG-Ebene, agrar- und umweltpolitischer Nutzen

Fraktion

SPD

Ressort

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Datum

06.06.1988

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 11/213715.04.88

Ersatz synthetischer Stoffe durch agrarische Naturrohstoffe

der Abgeordneten Adler, Jansen, Kißlinger, Koltzsch, Müller (Schweinfurt), Oostergetelo, Pfuhl, Sielaff, Wimmer (Neuötting), Wittich, Dr. Vogel und der Fraktion der SPD

Vorbemerkung

Angesichts der Belastung unserer Ökosysteme, die bei der Herstellung, der Wiederverwendung und der Entsorgung von Erzeugnissen der synthetischen Chemie auf der Grundlage von fossilen Rohstoffen verursacht werden, verdienen die Möglichkeiten des Einsatzes von agrarischen Naturrohstoffen und die darauf aufbauenden industriellen Produktionsverfahren zunehmende Beachtung. Solche Naturrohstoffe (insbesondere pflanzliche Polisacchharide, Öle und Fette, Holz und Faserstoffe) können in vielen Fällen synthetische Ausgangsprodukte ersetzen; der Umgang mit ihnen, vor allem die Entsorgung, ist aus ökologischer Sicht positiv zu bewerten.

Damit könnte die chemische Nutzung agrarischer Rohstoffe (insbesondere im Zusammenhang mit der Biotechnologie) der Industrie neue Perspektiven eröffnen und zumindest einen Teilbeitrag zur Verringerung der Agrarüberschüsse leisten.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen9

1

a) In welchen Bereichen der — Herstellung, — Wiederverwertung, — Entsorgung von Erzeugnissen der synthetischen Chemie (Verpakkungsmaterial, Bau- und Werkstoffe, Textilien u. a.) würde die Substitution von synthetischen durch agrarische Rohstoffe zu vergleichsweise positiven Umweltwirkungen führen?

b) Welche positiven Umwelteffekte sind das und wie kommen sie zustande?

2

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung von der Entwicklung der chemischen Nutzung agrarischer Rohstoffe in der Bundesrepublik Deutschland, in der EG und in den wichtigsten Industrieländern der Welt?

Wieweit werden entsprechende Fragestellungen im Rahmen von nationalen und EG-Programmen zur Vorausschau und Bewertung technologischer Entwicklungen berücksichtigt, und welche Ergebnisse liegen bereits vor?

3

Welche Rahmenbedingungen (z. B. Grundlagenforschung, Rohstoffqualitäten, Wettbewerbsfähigkeit) stehen der Entwicklung der chemischen Produktion auf der Grundlage agrarischer Rohstoffe entgegen?

Wie werden sich diese Rahmenbedingungen in Zukunft entwickeln?

4

Hält die Bundesregierung die Entwicklung der chemischen Nutzung von agrarischen Rohstoffen aus umwelt-, rohstoff-, wirtschafts- und agrarpolitischer Sicht für förderungswürdig, und welche Förderungsmaßnahmen hat sie mit welcher Zielsetzung unternommen?

5

Welche Rolle spielen bei der Entwicklung der chemischen Nutzung von agrarischen Rohstoffen

a) einfache agrarische Rohstoffe für Biokonversionsverfahren (z. B. Stärke, Zuckér, Öle und Fette, Zellulose) zur Erzeugung umweltfreundlicher und wirtschaftlich wettbewerbsfähiger Massenprodukte,

b) spezifische Pflanzeninhalts- und -speicherstoffe sowie tierische Stoffwechselprodukte als hochwertige Grundstoffe für technische, pharmazeutische u. a. Verwendungen (z. B. diätetische Stoffe, Wirkstoffe, chemische Grundstoffe, Spezialchemikalien) und

c) Abfallstoffe und Nebenprodukte der landwirtschaftlichen Erzeugung?

5.2 Welche Möglichkeiten bestehen zur Verbreiterung des Angebots entsprechender Rohstoffpflanzen und zur Anreicherung spezifischer Inhaltsstoffe und Stoffwechselprodukte durch züchterische Maßnahmen?

5.3 Wie werden entsprechende Forschungsfragen und forschungspolitische Ziele in Programmen der EG berücksichtigt?

Welche Haltung nimmt die Bundesregierung dazu ein, und wieweit sind Einrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland daran beteiligt?

6

Erwägt die Bundesregierung gesetzliche oder administrative Maßnahmen (z. B. im Rahmen des Umweltrechts), um die Substitution von synthetischen durch agrarische Grundstoffe in bestimmten Fällen aus umweltpolitischen Gründen zu fördern?

b) Welche weiteren Möglichkeiten zur Förderung der Markteinführung umweltpolitisch günstig zu beurteilender und wirtschaftlich interessanter neuer Entwicklungen auf der Basis agrarischer Rohstoffe werden von der Bundesregierung gesehen, und welche Maßnahmen sind geplant?

7

Welche agrarpolitischen Auswirkungen, insbesondere hinsichtlich Einkommen und Beschäftigung in der Landwirtschaft, wären mit einem zunehmenden Einsatz von agrarischen Rohstoffen in der Chemie verbunden?

b) Welche strukturellen Hemmnisse im Bereich der Erzeugung, Be- und Verarbeitung sowie Vermarktung agrarischer Rohstoffe stehen einer Nutzung vorhandener Möglichkeiten entgegen, und welche Maßnahmen sind geplant, um diese zu überwinden?

c) Wieweit können dabei regionalpolitische Ziele berücksichtigt werden?

8

Wie beurteilt die Bundesregierung aus umwelt-, rohstoff-, wirtschaftlich- und agrarpolitischer Sicht die verstärkte technische Verwendung von Holz als Werk- und Gerüststoff?

b) Welche Entwicklungen zeichnen sich in diesem Bereich ab?

c) Welche Entwicklungen sollen gefördert werden?

9

Wie beurteilt die Bundesregierung aus umwelt-, rohstoff-, wirtschaftlich- und agrarpolitischer Sicht den Einsatz von Pflanzenfasern als Textilrohstoffe und Werkstoffe?

b) Welche Entwicklungen zeichnen sich in diesem Bereich ab?

c) Welche Entwicklungen sollen gefördert werden?

Bonn, den 15. April 1988

Adler Jansen Kißlinger Koltzsch Müller (Schweinfurt) Oostergetelo Pfuhl Sielaff Wimmer (Neuötting) Wittich Dr. Vogel und Fraktion

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