Wirtschaftsbeziehungen der Bundesrepublik Deutschland mit Südafrika
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Verheugen, Bindig, Brück, Duve, Ganseforth, Großmann, Dr. Hauchler, Dr. Holtz, Koschnick, Leidinger, Luuk, Dr. Niehuis, Dr. Osswald, Schanz, Schluckebier, Dr. Schmude, Dr. Timm, Toetemeyer, Weisskirchen (Wiesloch), Bulmahn, Gansel, Dr. Vogel und der Fraktion der SPD
Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft, Dr. von Wartenberg, hat mit Schreiben vom 20. Juni 1989 — V C 7 — 932 949 — namens der Bundesregierung die Kleine Anfrage wie folgt beantwortet:
I. Finanzbeziehungen
Fragen und Antworten38
Wie hoch sind die Verbindlichkeiten der Republik Südafrika im öffentlichen und privaten Bereich gegenüber Kreditinstituten aus der Bundesrepublik Deutschland?
Die Verbindlichkeiten der Republik Südafrika sowie von in Südafrika und Namibia ansässigen Schuldnern gegenüber Kreditinstituten in der Bundesrepublik Deutschland betragen per Ende 1988 insgesamt 968 Mio. DM. In dieser Zahl sind die Verbindlichkeiten gegenüber Auslandsfilialen deutscher Kreditinstitute nicht enthalten. Einschließlich der dort verbuchten Verbindlichkeiten beläuft sich der Gesamtbestand an Verbindlichkeiten der Republik Südafrika und von in Südafrika und Namibia ansässigen Schuldnern per Ende 1988 auf 1 330 Mio. DM.
Wie setzen sich diese Verbindlichkeiten zusammen und inwieweit sind sie in den Jahren 1989, 1990, 1991 und darüber hinaus fällig?
Die Verbindlichkeiten setzen sich wie folgt zusammen (per Ende 1988) : kurzfristige Verbindlichkeiten: 240 Mio. DM langfristige Verbindlichkeiten: 728 Mio. DM. Einschließlich der Verbindlichkeiten gegenüber Auslandsfilialen deutscher Kreditinstitute: kurzfristige Verbindlichkeiten: 340 Mio. DM langfristige Verbindlichkeiten: 990 Mio. DM.
Über die Fälligkeiten in den einzelnen Jahren liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
Welche deutschen Kreditinstitute haben in den Jahren 1986, 1987 und 1988 Anleihen oder Kredite an den südafrikanischen Staat, staatliche oder halbstaatliche Einrichtungen in der Republik Südafrika oder an die südafrikanische Wirtschaft bewilligt oder sich am Management internationaler Anleihen oder Kredite beteiligt?
Der Kapitalverkehr mit dem Ausland ist in der Bundesrepublik Deutschland prinzipiell keinen Kontrollen unterworfen.
Die deutschen Banken gestalten ihre Geschäftsbeziehungen auch zu Südafrika in eigener Verantwortung. Die Bundesregierung führt keine Statistiken, aus denen sich die Neukreditvergabe einzelner deutscher Kreditinstitute ablesen ließe. Auch wenn das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen diese Daten bei den Kreditinstituten abfragen würde, dürften die Angaben wegen der für die Bankaufsicht gesetzlich geregelten Verschwiegenheitspflicht nicht veröffentlicht werden.
In den Jahren 1986, 1987 und 1988 hat kein deutsches Kreditinstitut die Konsortialführerschaft bei der Begebung von Anleihen südafrikanischer Emittenten übernommen. Ob sich deutsche Kreditinstitute in anderer Form am Management internationaler Anleihen beteiligt haben, ist der Bundesregierung nicht bekannt.
Welche Geschäftsbeziehungen unterhalten bundeseigene Kreditinstitute mit Südafrika?
Von den bundeseigenen Kreditinstituten unterhält die Kreditanstalt für Wiederaufbau Geschäftsbeziehungen mit Südafrika. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau gewährt an dort gebietsansässige Kreditnehmer durch Gewährleistungen des Bundes gesicherte Darlehen im Zusammenhang mit Ausfuhrgeschäften inländischer Unternehmen gemäß § 2 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes über die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Die Bundesregierung weist darauf hin, daß die Bekanntgabe einzelner Kreditdaten sowie von Länderobligen nicht zulässig ist.
In welcher Größenordnung sind in den Jahren 1986, 1987 und 1988 Hermes-Bürgschaften für Geschäfte mit Südafrika bewilligt worden?
Wie hoch ist das Gesamtvolumen der zur Zeit für Südafrika - Geschäfte bewilligten Hermes-Bürgschaften?
Die Bundesregierung kann aus Gründen der Vertraulichkeit keine Zahlenangaben über den Umfang der in den Jahren 1986, 1987 und 1988 gewährten Hermesdeckungen für Geschäfte mit Südafrika öffentlich bekanntgeben. Sie ist jedoch bereit, die zuständigen Ausschüsse des Deutschen Bundestages hierüber zu unterrichten.
Welche Haltung nimmt die Bundesregierung zu den bevorstehenden Umschuldungsverhandlungen mit Südafrika ein?
Über bevorstehende Umschuldungsverhandlungen zwischen Südafrika und dem Pariser Club liegen der Bundesregierung keine Informationen vor; Südafrika hat bisher sämtliche Zahlungsverpflichtungen aus öffentlichen oder öffentlich garantierten Krediten pünktlich erfüllt.
Welches Volumen hatte der Außenhandel der Bundesrepublik Deutschland mit der Republik Südafrika (Import und Export) in den Jahren 1986, 1987 und 1988?
Der Umfang des Außenhandels der Bundesrepublik Deutschland mit der Republik Südafrika für den Zeitraum 1986 bis 1988 ergibt sich aus der folgenden Tabelle (Angaben in Mio. DM) :
- 1986 Einfuhr 2 881,2 Ausfuhr 4 191,0 Umsatz 7 072,2
- 1987 Einfuhr 2 241,9 Ausfuhr 4 553,0 Umsatz 6 794,9
- 1988 Einfuhr 3 024,9 Ausfuhr 5 867,1 Umsatz 8 892,0
- Quelle: Statistisches Bundesamt
Wie stellte sich die Entwicklung des Außenhandels der Bundesrepublik Deutschland mit Südafrika 1986, 1987 und 1988 im Vergleich zum Außenhandel der USA, Großbritanniens, Japans, Italiens und Frankreichs mit Südafrika dar?
Umfang und Entwicklung des Außenhandels wichtiger OECD Staaten mit Südafrika sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt (Angaben in Mio. US-Dollar; die Veränderungen gegenüber Vorjahr sind jeweils in Klammern mit Vorzeichen in v. H. angegeben) :
- 1986 USA GB J I F D
- Einfuhr 2 385,6 1 225,2 1 265,6 1 914,0 487,2 1 094,4 (+14,5) (-6,6) (-32,9) (+4,2) (-23,8) (+17,7)
- Ausfuhr 1 178,4 1 249,2 1 368,0 350,4 404,4 1 940,4 (-3,7) (-4,9) (+32,9) (+6,6) (+4,7) (+14,8)
- Umsatz 3 564,0 2 474,4 2 633,6 2 264,4 891,6 3 034,8 (+7,8) (-5,8) (-9,6) (+4,6) (-13,1) (+15,8)
- 1987 USA GB J I F D
- Einfuhr 1 353,6 1 088,4 2 455,2 1 785,6 580,8 1 120,8 (-43,3) (-11,2) (+94,0) (-6,7) (+19,2) (+2,4)
- Ausfuhr 1 282,8 1 556,4 1 881,6 454,8 465,6 2 545,2 (+8,9) (+24,6) (+37,6) (+29,8) (+15,1) (+31,2)
- Umsatz 2 636,4 2 644,8 4 336,8 2 240,4 1 046,4 3 666,0 (-26,0) (+6,9) (+64,7) (-1,1) (+17,4) (+20,8)
- 1988 USA GB J I F D
- Einfuhr 1534,8 1455,6 1 954,8 2180,4 708,0 1726,8 (+13,4) (+33,7) (-20,4) (+22,1) (+21,9) (+54,1)
- Ausfuhr 1 692,0 1 917,6 2 047,2 627,6 580,8 3 331,2 (+31,9) (+23,2) (+8,8) (+38,0) (+24,8) (+30,9)
- Umsatz 3 226,8 3 373,2 4 002,0 2 808,0 1 288,8 5 058,0 (+22,4) (+27,6) (-7,7) (+25,3) (+23,2) (+38,0)
- Quelle: OECD, Monthly Statistics, Serie A, Januar/April/Mai 1989
Wie setzten sich die deutschen Importe aus Südafrika und die Exporte nach Südafrika geordnet nach Warengruppen zusammen? Wie war speziell die Entwicklung bei der Einfuhr von Kohle, Gold, strategischen Mineralien und Agrarprodukten aus Südafrika von 1986, 1987 und 1988?
Die Zusammensetzung des Außenhandels der Bundesrepublik Deutschland mit Südafrika nach Warengruppen ergibt sich aus der folgenden Übersicht (Angaben in 1 000 DM):
- 1986 1987 1988
- Einfuhr Ernährungswirtschaft Lebende Tiere 146 129 94 Nahrungsmittel tierischen Ursprungs 14 010 21 488 27 028 Nahrungsmittel pflanzlichen Ursprungs 355 744 362 990 371 331 Genußmittel 4 000 3 230 3 892 Gewerbliche Wirtschaft Rohstoffe 804 752 537 277 667 627 Halbwaren 1 154 745 924 606 1 563 654 Vorerzeugnisse 173 715 173 543 179 299 Enderzeugnisse 291 969 158 333 170 991 (Rückwaren/Ersatzlieferung 82 159 61 049 40 958)
- Ausfuhr Ernährungswirtschaft Lebende Tiere 222 443 1 762 Nahrungsmittel tierischen Ursprungs 19 479 25 200 22 007 Nahrungsmittel pflanzlichen Ursprungs 23 512 26 103 34 370 Genußmittel 23 077 10 632 11 042 Gewerbliche Wirtschaft Rohstoffe 23 418 32 573 32 099 Halbwaren 123 071 136 826 147 752 Vorerzeugnisse 637 838 634 088 768 862 Enderzeugnisse 3 325 221 3 673 971 4 842 179 (Rückwaren/Ersatzlieferung 15 183 14 411 7 050)
- Die Entwicklung der Einfuhr von Kohle, Gold und bestimmten Mineralien im Zeitraum 1986 bis 1988 ergibt sich aus der folgenden Tabelle (die Veränderungen gegenüber Vorjahr sind jeweils in Klammern mit Vorzeichen in v. H. angegeben): (Angaben in 1 000 DM)
- 1986 1987 1988
- Einfuhr Steinkohle einschl. Preßkohle 357 869 167 172 178 505 (-12,6) (-53,3) (+6,8)
- Gold für gewerbl. Zwecke 459 449 216 077 611 318 (+102,4) (-53,0) (+182,9)
- Chromerze 23 664 20 814 22 076 (-15,5) (-12,0) (+6,1)
- Manganerze 2 069 18 503 35 944 (-5,1) (+794,3) (+94,3)
- Platin unbearbeitet 59 114 226 012 280 404 (+27,6) (+282,3) (+24,1)
- Vanadiumerze und Kobalterze wurden im Zeitraum 1986 bis 1988 nicht importiert. — Die Einfuhr von Gütern der Ernährungswirtschaft ist in der Gliederung nach Warengruppe (s. oben) enthalten.
- Quelle: Statistisches Bundesamt
Wie beurteilt die Bundesregierung diese Entwicklung?
Die Bundesregierung bleibt bei ihrer generellen Ablehnung von Wirtschaftssanktionen als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele. Als eines der am stärksten mit der Weltwirtschaft verflochtenen Länder liegt eine Politisierung und damit Instrumentalisierung des Außenhandels nicht im Interesse der Bundesrepublik Deutschland. Der Außenwirtschaftsverkehr ist daher grundsätzlich frei (§ 1 Abs. 1 Außenwirtschaftsgesetz/AWG). Es gibt keinen allgemeinen Handelsboykott gegen Südafrika. Die im Rahmen der Vereinten Nationen und der Europäischen Politischen Zusammenarbeit eingegangenen internationalen Verpflichtungen sind von der Bundesregierung voll umgesetzt worden und werden strikt angewandt. Das Ausmaß des Handels in den nicht von diesen restriktiven Maßnahmen erfaßten Bereichen ist abhängig von der konjunkturellen Entwicklung in Südafrika und der Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Anbieter. Die Bundesrepublik Deutschland ist traditionell ein wichtiger Handelspartner Südafrikas; dies entspricht ihrer Stellung als führende Handelsnation der Welt. Im übrigen gilt, daß im vergangenen Jahr die Ausfuhren wichtiger OECD-Länder nach Südafrika deutlich angestiegen sind. Das gleiche gilt für die Einfuhr aus Südafrika, mit Ausnahme Japans, dessen Einfuhr 1988 um 20 Prozent zurückging, nachdem sie im vorangegangenen Jahr um 94 Prozent zugenommen hatte.
Hat die Bundesregierung in den Jahren 1986, 1987 und 1988 Ausfuhrgenehmigungen für Lieferungen nach Südafrika nach Anlage I, Teil A, B und C der Ausfuhrliste des Außenwirtschaftsgesetzes erteilt? Falls ja, in welcher Größenordnung sind die Genehmigungen erteilt worden und wie verteilen sie sich auf die einzelnen Teile (A, B und C) der Ausfuhrliste? Falls Lieferungen nach Teil A erfolgt sind, um welche handelt es sich dabei?
Die Gesamtwerte der erteilten Ausfuhrgenehmigungen für den Export von Waren des Teils I der Ausfuhrliste — Anlage AL zur Außenwirtschaftsverordnung — nach Südafrika betrugen 1986 93 Mio. DM 1987 130 Mio. DM 1988 107 Mio. DM.
Die Genehmigungen betrafen nahezu ausschließlich Waren des Abschnitts C im Teil I der Ausfuhrliste. Soweit in besonders gelagerten Einzelfällen Genehmigungen für Waren anderer Abschnitte des Teils I erteilt wurden, handelt es sich auch hierbei ausnahmslos um nichtmilitärische Güter, die vom Waffenembargo der Vereinten Nationen (Entschließung 418 des Sicherheitsrats vom 4. November 1977) nicht erfaßt werden. Der Bundesregierung ist es aus rechtlichen Gründen verwehrt, Angaben zu einzelnen Liefergeschäften offenzulegen.
An welchen Messen in der Bundesrepublik Deutschland sind südafrikanische Aussteller im Jahr 1988 beteiligt gewesen?
Nach Angaben der jeweiligen Messegesellschaft waren folgende Beteiligungen zu verzeichnen:
- Berlin Int. Tourismusbörse Berlin
- Frankfurt Int. Frankfurter Frühjahrsmesse
- Int. Frankfurter Herbstmesse
- Musikmesse Frankfurt
- automechanika
- Frankfurter Buchmesse
- IKA-HOGA Int. Fachmesse Hotelerie + Gastronomie, Int. Kochkunstausstellung
- Hannover Hannover Messe Industrie
- Köln Int. Eisenwaren-Messe
- München Inhorgenta München Int. Fachmesse für Uhren, Schmuck, Edelstein und Silberwaren
- ISPO Herbst Int. Fachmesse für Sportartikel und Sportmode
- Mode-Woche-München Frühjahr
- Mode-Woche-München Herbst
- IHM Int. Handwerksmeese
- electronica Int. Fachmesse für Bauelemente und Baugruppen der Elektronik
- Nürnberg IWA Int. Fachmesse für Jagd- und Sportwaffen
- INTERZOO Int. Fachmesse für den Zoofachhandelsbedarf
Wie beurteilt die Bundesregierung die Beteiligung südafrikanischer Aussteller an Messen in der Bundesrepublik Deutschland?
Der Messeplatz Bundesrepublik Deutschland ist mit seiner Internationalität sowohl auf der Aussteller- als auch auf der Besucherseite für die deutsche und die ausländische Industrie ein unverzichtbares Marketinginstrument. Diese hervorgehobene Position spiegelt den Stellenwert unserer Industrie im weltwirtschaftlichen Vergleich wider. Sie kann nur gehalten werden, wenn sich die Beteiligung an Messen und die Zulassung zu Messen durch die Messegesellschaften an wirtschaftlichen Erwägungen orientiert.
Wie stellt die Bundesregierung sicher, daß nicht mit Hilfe von Exportkrediten der MW und Hermes-Bürgschaften in Bereichen wie Maschinenbau und Elektrotechnik militärisch nutzbare Güter nach Südafrika gelangen?
Exporte der deutschen Wirtschaft werden, soweit eine Hermes-Deckung beantragt wird, sorgfältig geprüft, insbesondere auch im Hinblick auf die Warenart und außenwirtschaftsrechtliche Genehmigungsvorbehalte. Soweit im Einzelfall Hinweise für eine militärische Nutzung der zu liefernden Güter bestehen, wird keine Deckung gewährt.
Ist die Bundesregierung bereit, die Verweigerung von Hermes-Bürgschaften für Exporte nach Südafrika in Erwägung zu ziehen?
Die Bundesregierung gewährt Hermes-Deckungen für Exporte nach Südafrika, soweit dies risikomäßig vertretbar erscheint.
Warum enthält die Zusammenfassung der Berichte über die Anwendung des EG-Verhaltenskodex keine Zahlenangaben über die Aufstiegsmöglichkeiten schwarzer Arbeitnehmer (Punkt 4) und zu den freiwilligen Sozialleistungen (Punkt 5)?
In Punkt 4 und 5 des Berichtes der Bundesregierung zum EG-Verhaltenskodex sind Zahlenangaben über die Anzahl der Unternehmen enthalten, die Ausbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten sowie freiwillige Sozialleistungen bereitstellen (Seite 3 der Drucksache 11/3802).
Welche Rechtsvorschriften oder mietrechtlichen Bestimmungen in Südafrika rechtfertigen die Aufrechterhaltung von Rassentrennung am Arbeitsplatz in mehreren der berichtenden Unternehmen (Punkt 6)?
Nach Angaben aller berichtenden Unternehmen besteht eine Rassentrennung am Arbeitsplatz nicht mehr.
Kann oder muß nicht diesen Unternehmen eine Übertretung solcher Vorschriften zugemutet werden? Was kann die Bundesregierung tun, um die Rechtsstellung der deutschen Unternehmen in solchen Fällen zu verbessern?
Siehe Antwort zu Frage III.2.
Werden die Unternehmen, die bislang keine Berichte über die Anwendung des EG-Verhaltenskodex abfassen, von der Bundesregierung einzeln und direkt zur Berichterstattung aufgefordert?
Die Bundesregierung fordert über den BDI und den DIHT die Unternehmen auf, an der Berichterstattung teilzunehmen.
Setzt sich die Bundesregierung entsprechend der Forderung des Bundesaußenministers für eine gemeinsame Aktion zu den von der IG Metall erarbeiteten Mindeststandards und für eine Ausweitung der Empfehlungen der EPZ ein?
Die Bundesregierung hat sich im Rahmen der EPZ für eine Integration des Forderungskataloges der IG Metall in den EG-Verhaltenskodex eingesetzt. Trotz Unterstützung durch eine Reihe anderer Mitgliedstaaten der Gemeinschaft konnte hierüber ein Konsens aber nicht erzielt werden. Die Außenminister haben jedoch bei ihrem Treffen am 12. Juni 1989 in Luxemburg in einem grundsätzlichen Dokument zur Südafrika-Politik der Zwölf die Initiative der IG Metall als einen positiven Beitrag zur Überwindung der sozialen Folgen der Apartheid gewürdigt.
Was tut die Bundesregierung, um alle deutschen Firmen, die in Südafrika tätig sind, zur Einhaltung des von ihr akzeptierten EG-Verhaltenskodex zu veranlassen?
Die Bundesregierung appelliert regelmäßig an die Unternehmen, den EG-Verhaltenskodex einzuhalten. Daß diese Appelle erfolgreich sind, zeigt die Berichterstattung.
Ist der Bundesregierung bekannt, wie sich der Tourismus aus der Bundesrepublik Deutschland in die Republik Südafrika in den Jahren 1986, 1987 und 1988 entwickelt hat?
Die Zahl der Besucher aus der Bundesrepublik Deutschland in Südafrika betrug in den Jahren 1986: 45 383 1987: 56 260. Neuere Zahlen liegen der Bundesregierung nicht vor.
Wie beurteilt die Bundesregierung diese Entwicklung?
Die Bundesregierung respektiert, daß der Bürger auch bei seiner Urlaubsplanung eigenverantwortlich handelt. Die Bundesregierung schätzt die völkerverbindende Funktion des Tourismus hoch ein. Sie begrüßt die Tatsache, daß deutsche Bürger bei Auslandsreisen unmittelbare Eindrücke von politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zuständen in allen Ländern der Welt, einschließlich Südafrika, gewinnen. Vertreter gesellschaftlicher Gruppen, von Kirchen und Gewerkschaften sowie Abgeordnete, nutzen gleichermaßen die Chancen, sich persönliche Einblicke zu verschaffen und zwischenmenschliche Kontakte zu begründen oder zu vertiefen.
In welchem Umfang ist das im Besitz der Deutschen Bundesbahn befindliche Reisebüro DER oder andere direkt oder indirekt im Bundesbesitz befindliche Unternehmen an der Vermittlung von touristischen Reisen nach Südafrika beteiligt?
Wie beurteilt die Bundesregierung die Mitwirkung des DER und evtl. anderer Bundesunternehmen an der Vermittlung von Tourismus-Reisen nach Südafrika?
Die Eigentumsverhältnisse von Unternehmen, die sich im Wettbewerb am Markt betätigen, rechtfertigen nach Auffassung der Bundesregierung keine differenzierende Behandlung.
Zur Bewertung der touristischen Beziehungen wird auf die Antwort zu Frage IV. 2 verwiesen.
Wie hat sich das Passagieraufkommen der Deutschen Lufthansa auf Flügen nach Südafrika in den Jahren 1986, 1987 und 1988 entwickelt?
Das Passagieraufkommen der Deutschen Lufthansa hat sich im Flugverkehr mit Südafrika in den letzten Jahren wie folgt entwickelt: 1986: 65 722 1987: 72 871 1988: 83 563
Hat die Bundesregierung die Absicht, zusätzliche Flugverbindungen der Deutschen Lufthansa oder anderer deutscher Luftverkehrsunternehmen nach Südafrika zu genehmigen?
Der Bundesregierung liegen gegenwärtig Anträge deutscher Luftverkehrsunternehmen auf Ausweitung ihrer Angebote oder Aufnahme neuer Dienste nach Südafrika nicht vor.
Wie hoch ist der Wert der deutschen Direktinvestitionen in der Republik Südafrika?
Der Bestand der Direktinvestitionen aus der Bundesrepublik Deutschland in Südafrika betrug Ende 1987 1453 Mio. DM.
Wie viele Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen sind in der Republik Südafrika tätig?
Nach der Bestandsstatistik über deutsche Direktinvestitionen im Ausland gab es Ende 1987 317 deutsche Anlageunternehmen (Tochtergesellschaften, Beteiligungen an südafrikanischen Firmen mit mindestens 25 Prozent) in Südafrika.
Wie hoch ist die Zahl a) der weißen b) der schwarzen Beschäftigten in südafrikanischen Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen?
Bei einer geschätzten Gesamtzahl von rd. 45 000 Bechäftigten sind ungefähr die Hälfte Schwarze und ca. 35 Prozent Weiße.
Wie hoch ist der Anteil der schwarzen Beschäftigten auf der mittleren und oberen Management-Ebene in südafrikanischen Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen?
Die Bundesregierung verfügt hierzu über keine statistischen Angaben. Nach den Aussagen der Unternehmen in der EG-Kodexberichterstattung steigt der Anteil kontinuierlich.
Welche Bemühungen hat die Bundesregierung unternommen, um die südafrikanischen Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen zu bewegen, die Vorschläge der IG Metall zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den südafrikanischen Betrieben anzunehmen?
Die Bundesregierung hat die Zielrichtung der Initiative der IG Metall, die mit dem Anliegen des EG-Verhaltenskodex übereinstimmt, begrüßt und an alle in Südafrika engagierten deutschen Unternehmen appelliert, über den Forderungskatalog in Verhandlungen mit den südafrikanischen Gewerkschaften einzutreten. Mehrere große Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen haben die Anwendung des Katalogs inzwischen in einer Grundsatzvereinbarung mit der Gewerkschaftsseite zugesagt; die konkrete Umsetzung der Standards ist speziellen Abkommen zwischen den Unternehmen und den lokalen Gewerkschaftsvertretern vorbehalten worden.
Welche deutschen Firmen haben sich in den Jahren 1986, 1987 und 1988 aus Südafrika ganz zurückgezogen oder Beteiligungen an Unternehmen in Südafrika aufgegeben oder reduziert?
Aus Gründen der Geheimhaltung von Einzelangaben ist eine Bekanntgabe deutscher Unternehmen, die in Südafrika investiert, sich zurückgezogen oder Beteiligungen an Unternehmen aufgegeben oder reduziert haben, nicht zulässig.
Nach der Bestandsstatistik ist die Zahl der Unternehmen insgesamt von 328 (1985) auf 317 (1987) zurückgegangen.