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Kleine AnfrageWahlperiode 11Beantwortet

Hochauflösendes Fernsehen (HDTV) (G-SIG: 11005074)

Europäische Technologie- und Industriepolitik, Entwicklung von HDTV, Einführung einer einheitlichen weltweiten Norm, Satellit und Kabel als Übertragungsmedium, Zusammenarbeit mit den USA und Osteuropa, finanzielle und institutionelle Förderung von HDTV, Kultur- und medienpolitische Aspekte, audiovisuelles EUREKA

Fraktion

SPD

Ressort

Bundesministerium für Forschung und Technologie

Datum

03.05.1990

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 11/660107.03.90

Hochauflösendes Fernsehen (HDTV)

der Abgeordneten Dr. Glotz, Vosen, Börnsen (Ritterhude), Catenhusen, Bernrath, Dr. Böhme (Unna), Dr. Klejdzinski, Kolbow, Kretkowski, Paterna, Faße, Bulmahn, Fischer (Homburg), Ganseforth, Grunenberg, Lohmann (Witten), Nagel, Seidenthal, Vahlberg, Dr. Vogel und der Fraktion der SPD

Vorbemerkung

Das hochauflösende Fernsehen stellt einen technischen Sprung dar, der wie die Einführung der Compact Disc einen zentralen Bereich der Unterhaltungselektronik revolutionieren kann. Schnelligkeit und Ausmaß der Ablösung des gegenwärtigen Fernsehsystems durch das Fernsehen der Zukunft können heute noch nicht sicher abgeschätzt werden. Es werden von der Entwicklung und Einführung des hochauflösenden Fernsehens aber erhebliche Auswirkungen auf die unterhaltungselektronische und informationstechnische Industrie ausgehen.

Wir fragen die Bundesregierung:

A. Europäische Technologie- und Industriepolitik

  • Wie soll erreicht werden, daß — die europäische Industrie rechtzeitig die Technologie des hochauflösenden Fernsehens (HDTV) beherrscht, d. h. Komponenten und Geräte für die Einführung der HDTV-Dienste entwickeln kann; — der europäische Vorschlag für ein Zeilenfolgesystem mit 1 250 Zeilen und 50 vollständigen Bildern pro Sekunde als einheitliche weltweite Norm für die Herstellung und den Austausch von HDTV-Programmen angenommen wird; — die deutschen Rundfunk- und Fernsehanstalten öffentlichen Rechts sich an einem gemeinsamen Normvorschlag beteiligen?

2.

  • Teilt die Bundesregierung die Auffassung, daß die Situation in der Bundesrepublik Deutschland dadurch gekennzeichnet ist, daß — die Endgerätehersteller auf die Sicherstellung der HDTV-Übertragung sowie den Beginn von Programmproduktionen warten; — die Programmproduzenten auf garantierte Übertragung sowie das Erscheinen von Endgeräten auf dem Markt warten und — die für die Übertragungsseite verantwortlichen Stellen der Deutschen Bundespost auf die Zusicherung der Endgerätehersteller warten, daß ihre Produkte rechtzeitig auf dem Markt sind?

3. Werden im Jahre 1992 HDTV-Vorführungen stattfinden, so z. B. anläßlich der Olympischen Spiele in Barcelona oder der Weltausstellung in Sevilla?

4. Können bzw. sollen nach der Vorstellung der Bundesregierung „geschlossene Systeme" (Computer-Design, Telemedizin, Fernunterricht, Filmüberspielung in Lichtspielhäusern, interaktives Video) als Vorreiter für die HDTV - Einführung dienen und gibt es hierzu in der Bundesrepublik Deutschland Vorbereitungen?

5. Welche Notwendigkeit sieht die Bundesregierung in der Etablierung der D2-MAC-Norm als Zwischen- und Vorstufe für ein HDTV-Fernsehen?

Welchen Stellenwert besitzt in der Strategie der USA und Japans ein technischer Zwischenschritt vom heutigen Fernsehen zum hochauflösenden Fernsehen?

Teilt die Bundesregierung die Sorge, daß durch die Etablierung der D2-MAC-Norm die Durchsetzung einer HDTV-Norm im internationalen Vergleich aufgeschoben, behindert werden könnte?

6.

  • Wird der TV-Sat ein reiner Versuchssatellit oder ein Satellit mit Markt sein?
  • Wird die nächste Satellitengeneration im Rahmen von EUTELSAT multilateral oder bilateral entwickelt werden, oder ist an eine weitere nationale Generation gedacht?

7. Welche Vorstellungen hat die Bundesregierung über das Verhältnis von Satellit und Kabel als Übertragungsmedium für die Verteilung von HDTV-Programmen?

8. Welche Wechselbeziehungen sieht die Bundesregierung zwischen der Glasfaserverkabelung und dem HDTV?

9. In welcher Weise, seit wann und mit welchen Mitteln wird in der Bundesrepublik Deutschland Forschung im Bereich „Hochauflösendes Fernsehen" gefördert?

10. Welche Vorstellungen und Absichten hat die Bundesregierung, um das bei der EG-Kommission in Vorbereitung befindliche Aktionsprogramm HDTV zu beeinflussen?

Welche Abgrenzung besteht zum EUREKA-HDTV-Programm und welche Absichten hat die Bundesregierung, dieses Programm weiter zu gestalten?

B. HDTV und Außenwirtschaftspolitik

  • Welche Vorstellungen und welche Handlungsabsichten hat die Bundesregierung, um den europäischen HDTV - Standard in der internationalen Fernmeldeunion zur Weltnorm zu machen?
  • Wie soll dem Übergewicht des Technologiemonopols Japans begegnet werden?

2. Wie beurteilt die Bundesregierung die Möglichkeiten für ein europäisch-amerikanisches Zusammengehen, nachdem die amerikanische Seite vom japanischen Standard abgegangen ist?

  • Welches Konzept hat die Bundesregierung, um die europäisch-amerikanische Zusammenarbeit vorwärts zu bringen?
  • Denkt die Bundesregierung beispielsweise daran, wechselseitig Systeme oder Komponenten-Know-how auszutauschen (europäische Gerätekette „Studio — Übertragung — Endgeräte" gegen US-Beiträge zur Miniaturisierung)?
  • Aus welchen Gründen gibt es bislang noch keine ständige europäisch-amerikanische Konsultationsgruppe?
  • Welche Vorstellungen und Handlungsabsichten hat die Bundesregierung, um mit Osteuropa und insbesondere der Sowjetunion eine partnerschaftliche Zusammenarbeit im audiovisuellen Hochtechnologiebereich zu erreichen?
  • Gibt es bereits konkrete Schritte, mit denen der Gedankenaustausch zwischen deutschen/europäischen und sowjetischen Fachleuten für das hochauflösende Fernsehen vorangetrieben wird?
  • Unter welchen Bedingungen ist die Sowjetunion bereit, den im Rahmen von EUREKA-HDTV entwickelten HDTV Standard zu übernehmen?
  • Welche Vorstellungen und welche Handlungsabsichten hat die Bundesregierung, um zu verhindern, daß in dem zunehmend konfliktträchtiger werdenden, weltweiten elektronischen Handelswettbewerb die Qualität der politischen Beziehungen allgemein weltweit tangiert wird?
  • Welche Vorstellungen hat die Bundesregierung in Sonderheit zu dem Problem entwickelt, daß die Interessen der Dritten Welt bei diesen Konflikten angemessen berücksichtigt werden?

C. HDTV und der organisatorisch-institutionelle Rahmen

  • Welche Stelle innerhalb der Bundesregierung koordiniert die Politik im Bereich des hochauflösenden Fernsehens?
  • Welche Ressorts sind bei HDTV beteiligt?
  • Welche Stelle oder welche Stellen haben die Übersicht über den Gesamtzusammenhang, der aus „Konsumelektronik", „hochwertiger Komponentenentwicklung", „Glasfaser/Satelliten-Verteilung" und „Programmproduktion" besteht?

2. Gibt es ein Konzept der Bundesregierung zur Bestellung eines hochkarätigen Beraterkreises (Round table) mit Industrie, Wissenschaft, Gewerkschaften und gesellschaftlichen Gruppen zur Begleitung des HDTV-Projekts?

3. Welche Finanzmittel sind (aus welchen Ressorts?) bisher in die Entwicklung von HDTV geflossen und sollen in den nächsten drei Jahren noch fließen?

4. Wer sind die projektbezogenen bzw. institutionellen Zuwendungsempfänger und welche Mittel für welche Projekte haben sie bisher bzw. werden sie in den nächsten drei Jahren erhalten?

5. Welche Mittel sind aus außerdeutschen Finanzierungs - quellen nach Kenntnis der Bundesregierung bisher in deutsche HDTV-Entwicklungen geflossen?

D. HDTV und kultur- und medienpolitische Aspekte

  • Welche Maßnahmen werden in der Bundesrepublik Deutschland von wem getroffen, damit die europäische Film- und Fernsehindustrie für ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt für hochauflösendes Fernsehen erforderliche Kapazitäten, Erfahrungen und Dimensionen erlangt?
  • Welches ist das Ergebnis der Konferenz zum audiovisuellen EUREKA, die im Oktober in Paris stattfand?
  • Ist die Schaffung eines nach außen offenen audiovisuellen Raums im Sinne von EUREKA die richtige Konstruktion, die ein flexibles, von der Privatinitiative bestimmtes Vorgehen erlaubt, das auch das Mitwirken von Partnern außerhalb der Gemeinschaft zuläßt?
  • Welches Interesse hat die Bundesrepublik Deutschland hinsichtlich des deutschen Sprach- und Kulturraums und der Wirkung eines „audiovisuellen EUREKA" in die Länder Osteuropas hinein, und was tut sie, um eine kulturbzw. medienpolitische Teilung Europas zu verhindern?

Fragen22

1

Wie soll erreicht werden, daß — die europäische Industrie rechtzeitig die Technologie des hochauflösenden Fernsehens (HDTV) beherrscht, d. h. Komponenten und Geräte für die Einführung der HDTV-Dienste entwickeln kann; — der europäische Vorschlag für ein Zeilenfolgesystem mit 1 250 Zeilen und 50 vollständigen Bildern pro Sekunde als einheitliche weltweite Norm für die Herstellung und den Austausch von HDTV-Programmen angenommen wird; — die deutschen Rundfunk- und Fernsehanstalten öffentlichen Rechts sich an einem gemeinsamen Normvorschlag beteiligen?

2

Teilt die Bundesregierung die Auffassung, daß die Situation in der Bundesrepublik Deutschland dadurch gekennzeichnet ist, daß — die Endgerätehersteller auf die Sicherstellung der HDTV-Übertragung sowie den Beginn von Programmproduktionen warten; — die Programmproduzenten auf garantierte Übertragung sowie das Erscheinen von Endgeräten auf dem Markt warten und — die für die Übertragungsseite verantwortlichen Stellen der Deutschen Bundespost auf die Zusicherung der Endgerätehersteller warten, daß ihre Produkte rechtzeitig auf dem Markt sind?

3

Werden im Jahre 1992 HDTV-Vorführungen stattfinden, so z. B. anläßlich der Olympischen Spiele in Barcelona oder der Weltausstellung in Sevilla?

4

Können bzw. sollen nach der Vorstellung der Bundesregierung „geschlossene Systeme" (Computer-Design, Telemedizin, Fernunterricht, Filmüberspielung in Lichtspielhäusern, interaktives Video) als Vorreiter für die HDTV - Einführung dienen und gibt es hierzu in der Bundesrepublik Deutschland Vorbereitungen?

5

Welche Notwendigkeit sieht die Bundesregierung in der Etablierung der D2-MAC-Norm als Zwischen- und Vorstufe für ein HDTV-Fernsehen?

Welchen Stellenwert besitzt in der Strategie der USA und Japans ein technischer Zwischenschritt vom heutigen Fernsehen zum hochauflösenden Fernsehen?

Teilt die Bundesregierung die Sorge, daß durch die Etablierung der D2-MAC-Norm die Durchsetzung einer HDTV-Norm im internationalen Vergleich aufgeschoben, behindert werden könnte?

6

Wird der TV-Sat ein reiner Versuchssatellit oder ein Satellit mit Markt sein?

Wird die nächste Satellitengeneration im Rahmen von EUTELSAT multilateral oder bilateral entwickelt werden, oder ist an eine weitere nationale Generation gedacht?

7

Welche Vorstellungen hat die Bundesregierung über das Verhältnis von Satellit und Kabel als Übertragungsmedium für die Verteilung von HDTV-Programmen?

8

Welche Wechselbeziehungen sieht die Bundesregierung zwischen der Glasfaserverkabelung und dem HDTV?

9

In welcher Weise, seit wann und mit welchen Mitteln wird in der Bundesrepublik Deutschland Forschung im Bereich „Hochauflösendes Fernsehen" gefördert?

10

Welche Vorstellungen und Absichten hat die Bundesregierung, um das bei der EG-Kommission in Vorbereitung befindliche Aktionsprogramm HDTV zu beeinflussen?

Welche Abgrenzung besteht zum EUREKA-HDTV-Programm und welche Absichten hat die Bundesregierung, dieses Programm weiter zu gestalten?

11

Welche Vorstellungen und welche Handlungsabsichten hat die Bundesregierung, um den europäischen HDTV - Standard in der internationalen Fernmeldeunion zur Weltnorm zu machen?

Wie soll dem Übergewicht des Technologiemonopols Japans begegnet werden?

12

Wie beurteilt die Bundesregierung die Möglichkeiten für ein europäisch-amerikanisches Zusammengehen, nachdem die amerikanische Seite vom japanischen Standard abgegangen ist?

13

Welches Konzept hat die Bundesregierung, um die europäisch-amerikanische Zusammenarbeit vorwärts zu bringen?

Denkt die Bundesregierung beispielsweise daran, wechselseitig Systeme oder Komponenten-Know-how auszutauschen (europäische Gerätekette „Studio — Übertragung — Endgeräte" gegen US-Beiträge zur Miniaturisierung)?

Aus welchen Gründen gibt es bislang noch keine ständige europäisch-amerikanische Konsultationsgruppe?

14

Welche Vorstellungen und Handlungsabsichten hat die Bundesregierung, um mit Osteuropa und insbesondere der Sowjetunion eine partnerschaftliche Zusammenarbeit im audiovisuellen Hochtechnologiebereich zu erreichen?

Gibt es bereits konkrete Schritte, mit denen der Gedankenaustausch zwischen deutschen/europäischen und sowjetischen Fachleuten für das hochauflösende Fernsehen vorangetrieben wird?

Unter welchen Bedingungen ist die Sowjetunion bereit, den im Rahmen von EUREKA-HDTV entwickelten HDTV Standard zu übernehmen?

15

Welche Vorstellungen und welche Handlungsabsichten hat die Bundesregierung, um zu verhindern, daß in dem zunehmend konfliktträchtiger werdenden, weltweiten elektronischen Handelswettbewerb die Qualität der politischen Beziehungen allgemein weltweit tangiert wird?

Welche Vorstellungen hat die Bundesregierung in Sonderheit zu dem Problem entwickelt, daß die Interessen der Dritten Welt bei diesen Konflikten angemessen berücksichtigt werden?

16

Welche Stelle innerhalb der Bundesregierung koordiniert die Politik im Bereich des hochauflösenden Fernsehens?

Welche Ressorts sind bei HDTV beteiligt?

Welche Stelle oder welche Stellen haben die Übersicht über den Gesamtzusammenhang, der aus „Konsumelektronik", „hochwertiger Komponentenentwicklung", „Glasfaser/Satelliten-Verteilung" und „Programmproduktion" besteht?

17

Gibt es ein Konzept der Bundesregierung zur Bestellung eines hochkarätigen Beraterkreises (Round table) mit Industrie, Wissenschaft, Gewerkschaften und gesellschaftlichen Gruppen zur Begleitung des HDTV-Projekts?

18

Welche Finanzmittel sind (aus welchen Ressorts?) bisher in die Entwicklung von HDTV geflossen und sollen in den nächsten drei Jahren noch fließen?

19

Wer sind die projektbezogenen bzw. institutionellen Zuwendungsempfänger und welche Mittel für welche Projekte haben sie bisher bzw. werden sie in den nächsten drei Jahren erhalten?

20

Welche Mittel sind aus außerdeutschen Finanzierungs - quellen nach Kenntnis der Bundesregierung bisher in deutsche HDTV-Entwicklungen geflossen?

21

Welche Maßnahmen werden in der Bundesrepublik Deutschland von wem getroffen, damit die europäische Film- und Fernsehindustrie für ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt für hochauflösendes Fernsehen erforderliche Kapazitäten, Erfahrungen und Dimensionen erlangt?

22

Welches ist das Ergebnis der Konferenz zum audiovisuellen EUREKA, die im Oktober in Paris stattfand?

Ist die Schaffung eines nach außen offenen audiovisuellen Raums im Sinne von EUREKA die richtige Konstruktion, die ein flexibles, von der Privatinitiative bestimmtes Vorgehen erlaubt, das auch das Mitwirken von Partnern außerhalb der Gemeinschaft zuläßt?

Welches Interesse hat die Bundesrepublik Deutschland hinsichtlich des deutschen Sprach- und Kulturraums und der Wirkung eines „audiovisuellen EUREKA" in die Länder Osteuropas hinein, und was tut sie, um eine kulturbzw. medienpolitische Teilung Europas zu verhindern?

Bonn, den 6. März 1990

Dr. Glotz Vosen Börnsen (Ritterhude) Catenhusen Bernrath Dr. Böhme (Unna) Dr. Klejdzinski Kolbow Kretkowski Paterna Faße Bulmahn Fischer (Homburg) Ganseforth Grunenberg Lohmann (Witten) Nagel Seidenthal Vahlberg Dr. Vogel und Fraktion

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