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Kleine AnfrageWahlperiode 11Beantwortet

Bauberufe - Berufe mit Zukunft (G-SIG: 11005108)

Entwicklung der Beschäftigung am Bau, insbesondere bei Baufacharbeitern, seit 1975, Maßnahmen gegen drohenden Facharbeitermangel, u.a. Verbesserung der sozialen Sicherung, Überarbeitung von Ausbildungsordnungen und Verstetigung der Baukonjunktur

Fraktion

SPD

Ressort

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung

Datum

28.05.1990

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 11/690911.04.90

Bauberufe - Berufe mit Zukunft

der Abgeordneten Müntefering, Conradi, Großmann, Häuser, Menzel, Dr. Niese, Dr. Osswald, Reschke, Scherrer, Weiermann, Büchner (Speyer), Daubertshäuser, Dr. Vogel und der Fraktion der SPD

Vorbemerkung

Bauindustrie und Bauhandwerk der Bundesrepublik Deutschland stehen in den 90er Jahren vor großen Aufgaben, die mit den derzeitigen Kapazitäten nicht bewältigt werden können. 3,5 bis 5 Millionen neue Wohnungen müssen gebaut werden. Der Wirtschaftsbau und die Aufträge der öffentlichen Hände nehmen zu. Die Bauinvestitionen werden insgesamt stark wachsen. Dies gilt auch für den Tiefbau, der vor allem im Umweltschutz, aber auch im Verkehrsbereich große Investitionsvolumen zu bewältigen haben wird.

Die jahrelange Streichungs- und Kürzungspolitik der Bundesregierung bei Bauinvestitionen, vor allem im Wohnungsbau, hat zu einem großen Nachholbedarf und zu einem Schrumpfen der bauwirtschaftlichen Kapazitäten geführt. Viele hochqualifizierte Fachkräfte sind wegen scheinbar schlechter Zukunftsaussichten abgewandert. Diese Politik rächt sich jetzt.

Nach dem Tiefststand von Anfang 1989 werden die Kapazitäten langsam wieder erweitert. Der Maschinenpark ist modern und noch nicht voll ausgelastet. Die Produktivität steigt.

Entscheidend wird sein, ob in Bauindustrie und Bauhandwerk auch in Zukunft ausreichend Fachkräfte für die Bewältigung der Aufgaben zur Verfügung stehen. Bereits jetzt kommt es regional zu Engpässen bei Fachkräften. Es liegt auch im öffentlichen Interesse, die Bauberufe attraktiver zu machen und so einen drohenden Mangel an Baufacharbeitern vermeiden zu helfen.

Dies wird um so dringlicher, als auch in der DDR großen Aufgaben im Neubau und bei Instandsetzung und Modernisierung eine zu kleine Zahl von Fachkräften gegenübersteht, so daß im Laufe der nächsten Jahre von dort keine Entlastung für unseren Baumarkt zu erwarten ist.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen16

1

Wie hat sich seit 1975 die Zahl der am Bau Beschäftigten und speziell die der Baufacharbeiter entwickelt?

2

Wie ist die Altersstruktur in den Bauberufen, und mit welchen altersbedingten Abgängen pro Jahr ist in den 90er Jahren zu rechnen?

3

Wie viele Bauarbeiter scheiden infolge Frühinvalidität vorzeitig aus dem Beruf aus, und wie ist das Unfallrisiko in der Bauwirtschaft im Vergleich zu anderen Branchen?

4

Wie hat sich die Zahl der Auszubildenden in Bauberufen in den letzten Jahren entwickelt, und wie lange bleiben ausgebildete Baufacharbeiter durchschnittlich in ihrem erlernten Beruf?

5

Wie hoch ist das durchschnittliche Jahresbruttoeinkommen eines Bauarbeiters im Vergleich zu dem von Industriearbeitern im allgemeinen?

6

Wie viele der am Bau Beschäftigten waren in den letzten fünf Jahren ganzjährig in einem Arbeitsverhältnis und wie viele wurden in Winter-Arbeitslosigkeit entlassen?

Welche Einkommensausfälle sind dadurch entstanden?

7

Wie hoch ist im Durchschnitt der Jahre die Zahl der schlechtwetterbedingten Ausfallzeiten der am Bau Beschäftigten?

8

Wie viele der in Bauberufen angebotenen Lehrstellen konnten im letzten Jahr nicht besetzt werden?

1

Welche konkreten Schritte hat die Bundesregierung seit der Warnung des Bundesministeriums für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (Pressemitteilung vom 7. April 1988) vor einem drohenden Facharbeitermangel am Bau zur Vermeidung dieses Mangels unternommen?

2

Welche weiteren Maßnahmen sind beabsichtigt?

3

Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung zur Verbesserung des Unfall- und Gesundheitsschutzes in den Bauberufen?

4

Ist die Bundesregierung bereit, Umschulung von Arbeitnehmern aus anderen Branchen in Bauberufe verstärkt zu unterstützen?

5

Ist die Bundesregierung bereit, für ein ganzjährig gesichertes Einkommen der Beschäftigten in Bauberufen sich an der Finanzierung der Sozialabgaben während der witterungsbedingten Ausfallzeiten zu beteiligen und so das Interesse der Unternehmen an zeitweisen Entlassungen während der Wintermonate zukünftig zu vermeiden?

6

Ist die Bundesregierung bereit, junge Bauarbeiter vom Wehrdienst zu- befreien und eine vergleichbare Regelung genereller Art der DDR-Regierung auch für Wehrpflichtige in der DDR vorzuschlagen?

7

Beabsichtigt die Bundesregierung, die Ausbildungsordnungen für Bauberufe zu überarbeiten, und ist daran gedacht, dabei mehr Weiterqualifizierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten zu schaffen?

8

Teilt die Bundesregierung die Auffassung, daß eine Verstetigung der Baukonjunktur, vor allem aber eine kontinuierliche Bauinvestitionspolitik der öffentlichen Hände, die Attraktivität der Bauwirtschaft erhöht?

Bonn, den 28. März 1990

Müntefering Conradi Großmann Häuser Menzel Dr. Niese Dr. Osswald Reschke Scherrer Weiermann Büchner (Speyer) Daubertshäuser Dr. Vogel und Fraktion

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