a) Landstreitkräfte
Erläuterungen
- Bei der NATO sind die Streitkräfte Frankreichs mitgezählt, dies gilt auch für die nachfolgenden Gegenüberstellungen von Luftwaffe und Marine.
- Die Zahlen gelten für Gesamteuropa.
- Bei der NATO zählen alle Divisionen, die in Europa stationiert sind. Die höhere Zahl für 1980 ergibt sich allein aus Umstrukturierungen in Form der Verkleinerung von Verbänden.
- Beim Warschauer Pakt zählen alle sowjetischen und nichtsowjetischen Divisionen im westlichen Vorfeld der Sowjetunion sowie sowjetische Divisionen in neun europäischen Militärbezirken der Sowjetunion, deren Kräfte für einen Einsatz gegen die NATO bestimmt sind.
Jahr NATO WP — Divisionen 70 80 74 80 170 170 — Kampfpanzer 70 80 8 900 12 000 32 000 43 900 — Schützenpanzer 70 80 2 000 2 900 — 10 500 — Geschütze über 100 mm (ohne Mehrfachraketenwerfer) 70 80 6 400 8 200 11 800 15 100
Anmerkung
Die Veränderungen der Landstreitkräfte zwischen 1970 und 1980 sind insgesamt gekennzeichnet durch — Einführung neuer Technik, — qualitative Verbesserungen, — quantitativen Aufwuchs (Personal und Material).
(1) Neue Technik
Kampftruppen und Kampfunterstützungstruppen haben durch Einführung moderner Panzer, Schützenpanzer, Artillerie- und Flugabwehrgeschütze mit verbesserter Feuerkraft und teilweise auch verstärktem Panzerschutz eine erhebliche Kampfwertsteigerung erfahren. Die Stoßkraft der gepanzerten Angriffsverbände des WP ist damit wesentlich gestärkt worden.
(2) Qualitative Verbesserungen
Große Anstrengungen wurden unternommen, um qualitative Verbesserungen in der Rüstungstechnologie zu erreichen. Dabei wurden Fortschritte erzielt in der Nachtkampffähigkeit, in der Reichweitensteigerung und Treffwahrscheinlichkeit vor allem von Artillerie und Panzerabwehr. Parallel dazu wurden neue Munitionsarten entwickelt. Ein früher deutlicher technologischer Vorsprung der NATO ist durch diese Entwicklung geschrumpft.
(3) Quantitativer Aufwuchs
Der WP hat die Schlagkraft seiner Landstreitkräfte in den vergangenen zehn Jahren fortlaufend verbessert und durch Umgliederungen und Verstärkungen seinen operativen und taktischen Überlegungen angepaßt.
Ziel aller Maßnahmen war stets, seinen in hoher Präsenz gehaltenen Großverbänden die Fähigkeit zum Angriff auch unter konventionellen Bedingungen zu verschaffen und sie deshalb mit hoher Feuerkraft auszustatten.
Diesem Ziel diente zunächst eine Vermehrung der Kampfpanzer und Schützenpanzer, in der zweiten Hälfte der 70er Jahre auch der Artillerie und der Kampfhubschrauber. Parrallel dazu wurde durch Vermehrung und Modernisierung der Flugabwehrsysteme der Schutz der operativen Verbände gegen die NATO- Luftstreitkräfte verbessert.
Derzeit werden die Panzerregimenter durch Zuordnung weiterer Infante rie- und Artilleriekräfte zum selbständigen Kampf der verbundenen Waffen befähigt; sie erreichen damit annähernd die Kampfkraft einer deutschen Panzerbrigade.
b) Luftstreitkräfte
Erläuterungen
- Es zählen alle Fliegerkräfte einschließlich der Luftverteidigung.
- Bei der NATO zählen alle in Europa präsenten Kräfte.
- Beim WP zählen die Kampfflugzeuge im westlichen Vorfeld der Sowjetunion und in den europäischen Militärbezirken der Sowjetunion.
- Die WP-Zahl für 1970 enthält nicht die Marinefliegerkräfte. Werden diese dazugezählt, erhöht sich die Zahl auf 7900.
- Die Zahlen für 1980 enthalten auch Kampfhubschrauber. Diese sind bei der NATO in Mehrzahl Panzerabwehrhubschrauber.
Jahr NATO WP — Kampfflugzeuge 70 80 3 300 3 300 7 200 8 000
Anmerkung
Bei den sowjetischen Luftstreitkräften sind zwei Tatbestände besonders herauszustellen:
(1) Die Kampfflugzeuge der 70er Jahre gehörten z. T. der ersten, mit Masse der zweiten Generation an. Heute sind die sowjetischen Luftstreitkräfte etwa zu zwei Drittel mit Flugzeugen der dritten Generation ausgerüstet. Ihre Charakteristika sind eine etwa dreifach gesteigerte Waffenzuladung und Reichweite, des weiteren moderne Avionik, Schwenkflügelsysteme, elektronischer Eigenschutz sowie ein zunehmendes Maß an All- wetter- und Nachteinsatzfähigkeit.
In einzelnen Bereichen der Technologie modernen Serien- Flugzeugbaus ist jedoch nach wie vor der Spitzenstand der NATO noch nicht erreicht.
(2) Die Aufstellung von Kampfhubschrauberregimentern stellt eine erhebliche Stärkung für die Luftnahunterstützung der Landstreitkräfte dar. Die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten und die insbesondere dem Kampfhubschrauber HIND innewohnende Kampfkraft als variabler, hochbeweglicher Waffenträger hat die Flexibilität und Offensivfähigkeit der sowjetischen Streitkräfte auf dem Gefechtsfeld wesentlich verbessert.
c) Seestreitkräfte
Erläuterung
Die Seestreitkräfte sind weltweit dargestellt, da ihre Begrenzung auf regionale Seeräume für eine militärische Analyse unzulässig ist.
Jahr NATO WP (Flugzeug- und Hubschraubertäger) 70 80 31 18 2 4 Große Überwasserkampfschiffe (FK-Kreuzer, Kreuzer) 70 80 41 32 28 38 Zerstörer, Fregatten, Korvetten 70 80 492 320 229 321 Schnellboote (FK- u. Torpedoschnellboote ohne Wachboote) 70 80 186 157 254 327 Uboote gesamt 70 80 257 269 382 478 davon strategische FK-Uboote 70 80 45 50 61 88 FK-Angriffs-Uboote (diesel-/nuklear angetrieben) 70 80 43 85 58 69 Angriffs-Uboote (nuklear-/konventionell angetrieben) 70 80 169 134 282 321
Anmerkung
Die Änderung der maritimen Konzeption der Sowjetunion in der Mitte der sechziger Jahre prägte die vor allem qualitative Entwicklung der sowjetischen Seestreitkräfte. Die maritimen Rüstungsprogramme konzentrieren ihre Schwerpunkte auf den — Bau großer, hochseefähiger und stark bewaffneter Überwasserkampfschiffe und den — Bau nuklearangetriebener, z. T. übergroßer Uboote für nuklearstrategische Kriegführung, UJagd und die Bekämpfung von Kampfgruppen der NATO-Streitkräfte.
1980 hat die Sowjetunion mit der Fertigstellung von drei neuen Klassen an großen Überwasserkampfeinheiten und drei neuen Ubootklassen den Anspruch auf eine Marine globaler Bedeutung erneut unterstrichen. Dazu zählen das erste nuklearangetriebene Überwasserkampfschiff der Sowjetunion, der 25 000 t-Kreuzer KIROV mit weitreichenden Schiff-Schiff- und Schiff-Luft- Flugkörpern, zwei Zerstörer in Kreuzergröße (mit 8000 t) sowie ein neues U-Jagdschiff.
Eine weitere Kreuzerklasse mit 12 000 t und gleich starker Bewaffnung wie die der KIROV-Klasse befindet sich im Bau. Mit dem übergroßen Uboot der TYPHOON-Klasse erscheinen in den nächsten Jahren weitere, moderne Uboote, die eine höhere Zahl von ballistischen Flugkörpern und diese wiederum eine höhere Zahl an Gefechtsköpfen tragen werden.