Die Situation des Studienfachs Zahnmedizin war wiederholt Gegenstand von Beratungen in den Gremien des Planungsausschusses für den Hochschulbau nach dem Hochschulbauförderungsgesetz und des Wissenschaftsrates. Die Dringlichkeit gezielter Maßnahmen in diesem Bereich wurde angesichts der starken Nachfrage nach Studienplätzen und dem prognostizierten Zahnarztbedarf mehrfach unterstrichen, u. a. im Gesamtprogramm Medizin, das vom Planungsausschuß für den Hochschulbau bereits am 6. Dezember 1971 beschlossen wurde, ferner in den Empfehlungen des Wissenschaftsrates zum Ausbau der zahnmedizinischen Forschungs- und Ausbildungsstätten vom 11. Mai 1973. Im Hinblick auf die unbefriedigenden Fortschritte bei der Verwirklichung der gemeinsam empfohlenen und beschlossenen Maßnahmen hat der Bundesminister für Bildung und Wissenschaft unter Beteiligung des Bundesministers für Jugend, Familie und Gesundheit Anfang 1977 mit Vertretern von Wissenschaftsorganisationen, Verbänden und weiteren Sachverständigen über die Situation der Zahnmedizin beraten.
In Auswertung dieses Gesprächs hat der Bundesminister für Bildung und Wissenschaft am 15. April 1977 „Vorschläge und Anregungen zur Verbesserung der Situation von Forschung und Lehre in der Zahnmedizin" vorgelegt. Diese Vorschläge wurden den Ländern, Wissenschaftsorganisationen und anderen Stellen, die eine Mitverantwortung für die Situation in der Zahnmedizin tragen, übermittelt. Sie haben insbesondere Eingang in den vom Planungsausschuß für den Hochschulbau am 22. Juni 1977 verabschiedeten 7. Rahmenplan für den Hochschulbau gefunden und zu folgenden Beschlüssen des Planungsausschusses geführt:
- Ausbauvorhaben mit Baubeginn bis einschließlich 1978 werden mit besonderer Priorität gefördert.
- Der Planungsausschuß fordert die Länder auf, die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen, um die Inbetriebnahme von Vorhaben der Zahnmedizin unter personellen Aspekten zu sichern.
- Der Planungsausschuß fordert die Länder auf, im Rahmen anstehender Umbau- und Neubaumaßnahmen besonderes Gewicht darauf zu legen, daß die sachliche und technische Ausstattung der Zahnkliniken einem Niveau entspricht, das geeignet ist, junge Zahnärzte zur Aufnahme einer Tätigkeit in diesen Einrichtungen zu bewegen. Dabei ist auch darauf zu achten, daß hinreichend nicht-wissenschaftliches Personal für die Unterstützung der Aufgaben in Forschung, Lehre und Krankenversorgung zur Verfügung steht.
- Der Planungsausschuß bittet die Länder in Auswertung der Erfahrungen mit der Kapazitätsverordnung der Länder mit höchster \Dringlichkeit Optimierungsprozesse einzuleiten, die eine Abstimmung der personellen, sachlichen und baulichen Maßnahmen mit dem Ziel einer effizienten Nutzung der vorhandenen Kapazitäten sicherstellen.
- Der Planungsausschuß bittet den Wissenschaftsrat, sich mit den besonderen Problemen des wissenschaftlichen Nachwuchses der Zahnmedizin zu befassen und eine Empfehlung zur Entschärfung der Nachwuchssituation und zur weiteren Ausbauplanung zu erarbeiten.
Nach Auffassung der Bundesregierung liegen die eigentlichen Probleme im Studienfach Zahnmedizin darin begründet, daß trotz der im Verhältnis zu anderen Disziplinen ungewöhnlich günstigen Möglichkeiten des wissenschaftlichen Fortkommens bei jungen Zahnärzten wenig Interesse besteht, in einer Zahnklinik auf begrenzte oder auch längere Zeit tätig zu werden.
Nach der vom Bundesminister für Bildung und Wissenschaft in Auftrag gegebenen Untersuchung zur „Analyse und Bewertung von Daten und Methoden zur Kapazitätsermittlung im Studiengang Zahnmedizin" (1977) verweilt die Mehrzahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter an Zahnkliniken nur ein bis zwei Jahre, ist also nur begrenzt für Lehraufgaben heranzuziehen; an 19 Zahnkliniken waren 1976 71 Stellen für Hochschullehrer nicht oder im Hinblick auf die ausgewiesene Qualifikation nicht angemessen besetzt. Dieser Zahl stehen nach der gleichen Untersuchung lediglich 29 Habilitanden gegenüber. Nach einer neuen Erhebung des Wissenschaftsrates ist nach Angaben der Länder im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau eine Ausweitung der Zahl der zahnmedizinischen Behandlungsstühle um 75 v. H. in den nächsten Jahren vorgesehen. Zur personellen Ausstattung der geplanten räumlichen Kapazität dürften bei Anlegung der Orientierungswerte des Wissenschaftsrates mehr als 800 Stellen für wissenschaftliches Personal zu besetzen sein. Dies zeigt, daß Maßnahmen zur Gewinnung und Sicherung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Zahnmedizin dringlich sind.
Allerdings muß angesichts des starken Gefälles zwischen dem Einkommen eines an einer Zahnklinik tätigen Zahnarztes und eines freipraktizierenden Zahnarztes darauf hingewiesen werden, daß die Möglichkeiten der öffentlichen Hand, Anreize für eine Tätigkeit an einer Zahnklinik zu schaffen, begrenzt sind. Schon heute ist zu erkennen, daß z. B. die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft angebotenen Forschungsförderungsmöglichkeiten bzw. die Möglichkeiten des Graduiertenförderungsgesetzes zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Zahnmedizin nicht ausgeschöpft werden. Das Einkommensgefälle, das nicht durch finanzielle Leistungen an Mitarbeiter der Zahnkliniken durch die öffentliche Hand beseitigt werden kann, ruft schwerwiegende Strukturprobleme hervor, die die Funktionsfähigkeit der zahnmedizinischen Ausbildungsstätten und damit schließlich die zahnärztliche Versorgung der Bevölkerung beeinträchtigen könnten.
Angesichts der begrenzten Zuständigkeiten des Bundes, der für die Personalausstattung der Hochschulen gegebenen alleinigen Zuständigkeit der Länder, der den Hochschulen eingeräumten Autonomie und Verantwortung sowie der besonderen Verantwortung von Kultus- und Gesundheitsbehörden ist es schwierig, schnell und durchgreifend zu einer Entschärfung der Situation zu kommen. Es bestehen nach Auffassung der Bundesregierung jedoch für die Hochschulen und Länder Möglichkeiten, die Attraktivität der Tätigkeit an einer Zahnklinik zu erhöhen, um zumindest schrittweise eine Verbesserung der sehr schwierigen Situation zu erzielen.
Zu den aufgeworfenen Fragestellungen im einzelnen nehme ich wie folgt Stellung: