Überstunden in Deutschland
der Abgeordneten Jutta Krellmann, Klaus Ernst, Fabio De Masi, Susanne Ferschl, Jan Korte, Thomas Lutze, Pascal Meiser, Thomas Nord, Bernd Riexinger, Sabine Zimmermann (Zwickau) und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Während viele Menschen keine existenzsichernde Arbeit haben, kämpfen Millionen Beschäftigte täglich gegen die Uhr: Ihr Leben ist bestimmt von Arbeitszeitverdichtung und Überstunden. Gemäß der Befragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zu „guter Arbeit“ wünschen sich 36 Prozent der Beschäftigten Arbeitszeiten von unter 35 Stunden in der Woche und 29 Prozent wünschen sich 35 bis 40 Stunden (vgl. DGB 2015: DGB-Index Gute Arbeit). Hinter diesen Zahlen stecken höchst unterschiedliche Zeitwünsche, die durch sehr unterschiedliche Arbeitsverhältnisse und Lebensrealitäten geprägt sind. Überstunden können diesen Wünschen zuwiderlaufen.
Laut DGB wird die Mehrheit der Überstunden nicht bezahlt und den Beschäftigten entgingen dadurch im Jahr 2016 20 Mrd. Euro Lohn und Gehalt (www.dgb.de/themen/++co++160441c6-66de-11e7-8afd-525400e5a74a). Überstunden sind aus Sicht der Fragestellenden problematisch, da sie zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse verhindern und gesundheitsschädigend wirken, weil mit zunehmender Dauer der Arbeitszeit mit einem Anstieg von gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu rechnen ist (vgl. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2009: „Lange Arbeitszeiten und Gesundheit“).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen17
Wie viele Überstunden (gesamt, unbezahlt, bezahlt) wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2017 geleistet, und wie war die Zahl jeweils in den vergangenen zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Arbeitsstunden als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach tarifgebunden und nicht tarifgebunden, Geschlecht, Ost/West, Bundesländern differenzieren)?
Wie viele Überstunden (gesamt, unbezahlt, bezahlt) wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2017 in atypischen und wie viele in Normalarbeitsverhältnissen geleistet, und wie war die Zahl jeweils in den vergangenen zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Arbeitsstunden als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach tarifgebunden und nicht tarifgebunden, Geschlecht, Ost/West, Bundesländern differenzieren)?
Wie viele Überstunden (gesamt, unbezahlt, bezahlt) wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2017 im Bereich der Leiharbeit und wie viele von befristet Beschäftigten mit und ohne Sachgrund geleistet, und wie waren die Zahlen jeweils in den vergangenen zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Arbeitsstunden als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach tarifgebunden und nicht tarifgebunden, Geschlecht, Ost/West, Bundesländern differenzieren)?
Wie viele Überstunden (gesamt, unbezahlt, bezahlt) wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2017 in Vollzeitbeschäftigung, wie viele in Teilzeitbeschäftigung und wie viele in Minijobs geleistet, und wie waren die Werte jeweils in den vergangenen zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Arbeitsstunden als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach tarifgebunden und nicht tarifgebunden, Geschlecht, Ost/West, Bundesländern differenzieren)?
Wie viele Überstunden (gesamt, unbezahlt, bezahlt) wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2017 von Niedriglohnbeziehenden geleistet, und wie groß war die Zahl jeweils in den vergangenen zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Arbeitsstunden als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach tarifgebunden und nicht tarifgebunden, Geschlecht, Ost/West, Bundesländern differenzieren)?
Wie viele Überstunden (gesamt, unbezahlt, bezahlt) wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2017 in tarifgebundenen und nicht tarifgebundenen Betrieben sowie von Beschäftigten, die unter bzw. nicht unter einen Tarifvertrag fallen, geleistet, und wie war die Zahl jeweils in den vergangenen zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Arbeitsstunden als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach tarifgebunden und nicht tarifgebunden, Geschlecht, Ost/West, Bundesländern differenzieren)?
Wie viele Überstunden (gesamt, unbezahlt, bezahlt) wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2017 differenziert nach Wirtschaftszweigen und Berufsgruppen geleistet, und wie waren die Zahlen jeweils in den vergangenen zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Arbeitsstunden als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach tarifgebunden und nicht tarifgebunden, Geschlecht, Ost/West, Bundesländern differenzieren)?
Wie viele Überstunden (gesamt, unbezahlt, bezahlt) wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2017 differenziert nach dem Anforderungsniveau der Klassifikation der Berufe (KldB) 2010 geleistet, und wie waren die Zahlen jeweils in den vergangenen zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Arbeitsstunden als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach tarifgebunden und nicht tarifgebunden, Geschlecht, Ost/West, Bundesländern differenzieren)?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der bezahlten und unbezahlten Überstunden von Beschäftigten in Deutschland nach Stellung im Beruf (Beamte, Angestellte, Arbeiter) im Jahr 2017 und den zehn Jahren zuvor?
Wie hoch war im Jahr 2017 nach Kenntnis der Bundesregierung die Summe des durch unbezahlte Überstunden vorenthaltenen Lohns der Beschäftigten, und wie hoch war diese Summe jeweils in den zehn Jahren zuvor?
Welche steuerlichen Mehreinnahmen würden nach Einschätzung der Bundesregierung daraus resultieren, dass die unbezahlten Überstunden regulär entlohnt würden (die letzten zehn Jahre bitte jährlich ausweisen und nach Steuerart und Gläubiger differenzieren)?
Welche jährlichen Mehreinnahmen hätten die Sozialversicherungen nach Einschätzung der Bundesregierung, wenn die unbezahlten Überstunden regulär entlohnt würden (die letzten zehn Jahre bitte jährlich ausweisen und nach Zweig der Sozialversicherung differenzieren)?
Wie hoch ist der Anteil der bezahlten und unbezahlten Überstunden am gesamtwirtschaftlichen Arbeitszeitvolumen nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2006 (bitte für jedes Jahr einzeln darstellen)?
Wie viele bezahlte und unbezahlte Überstunden hat ein einzelner abhängig Beschäftigter nach Kenntnis der Bundesregierung durchschnittlich seit dem Jahr 2006 geleistet (bitte Angaben pro Jahr und Woche für die einzelnen Jahre)?
Wie vielen Vollzeitäquivalenten (bei einer 38,5 Stundenwoche) entsprechen die insgesamt im Jahr 2016 geleisteten Überstunden, und wie hoch war die Zahl jeweils in den vergangenen zehn Jahren (bitte sowohl für die Überstunden insgesamt ausweisen als auch nach bezahlten und unbezahlten Überstunden differenzieren; bitte sowohl die Datenreihen der Arbeitszeitrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung einerseits als auch des Mikrozensus andererseits darstellen)? Welche der beiden oben genannten Datenreihen, die unter anderem die Anzahl der geleisteten Überstunden ermitteln, nutzt die Bundesregierung für ihre Einschätzungen?
Welche Schlussfolgerung zieht die Bundesregierung aus der in der Einleitung erwähnten Aussage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) dazu, wie viel Lohn und Gehalt den Beschäftigten durch unbezahlte Überstunden entgangen ist?
Welche Gründe für das Anfallen von Überstunden gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung, und wie verteilen sich die geleisteten Überstunden auf diese Gründe? Welche Studien sind der Bundesregierung hierzu bekannt, und zu welchem Ergebnis kommen diese?