[Deutscher Bundestag Drucksache 17/693
17. Wahlperiode 11. 02. 2010 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Sevim Dağdelen, Petra Pau,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/576 –
Ergänzende Informationen zur Asylstatistik für das Jahr 2009
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Aus den von der Fraktion DIE LINKE. regelmäßig erfragten ergänzenden
Informationen zur monatlichen Asylstatistik geht unter anderem hervor,
welche enorme Bedeutung Widerrufsverfahren in der Entscheidungspraxis des
Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) haben. So wurden im
Jahr 2008 über 37 000 Widerrufsverfahren eingeleitet, d. h. weit mehr als die
etwa 22 000 neuen Asylverfahren desselben Jahres. In 6 172 Fällen kam es
dabei zum Widerruf einer in der Vergangenheit ausgesprochenen Asyl- bzw.
Flüchtlingsanerkennung. Es gab somit im Jahr 2008 fast ebenso viele
Widerrufe des Flüchtlingsstatus wie Anerkennungen (vgl. auch
Bundestagsdrucksache 16/11960, Frage 3).
Die offizielle monatliche Asylstatistik enthält auch keine Angaben zum Anteil
derjenigen Asylanträge, für die nach Auffassung der Bundesrepublik
Deutschland ein anderer EU-Mitgliedstaat im Rahmen der Dublin-II-Verordnung
zuständig ist. Dies ist in einem wachsenden Umfang, im ersten Halbjahr 2009
bei fast einem Drittel aller Asylanträge der Fall (vgl. Bundestagsdrucksachen
16/13942 und 16/13116). Ausgerechnet das ohnehin völlig überforderte
Griechenland wurde dabei mit über 1 500 Ersuchen bis September 2009 am
häufigsten wegen der Übernahme von Asylsuchenden aus Deutschland angefragt.
Flüchtlinge aus Afghanistan und Irak bildeten die mit Abstand größten
Gruppen unter den vom EU-Verteilungssystem betroffenen Asylsuchenden (vgl.
Bundestagsdrucksache 17/53, Frage 5). Hoch brisant an dem EU-
Verteilungssystem ist, dass die Gesamtschutzquote in Deutschland im Jahr 2008 in etwa
40 Prozent betrug (bei Flüchtlingen aus Afghanistan 44,7 Prozent und bei
Flüchtlingen aus dem Irak sogar 78,4 Prozent), während sie zum Beispiel in
Griechenland bei nur 0,2 Prozent lag.
Aus einer Pressemitteilung von Eurostat vom 8. Dezember 2009 geht hervor,
dass 25 Prozent aller Klagen gegen ablehnende Asylbescheide in Deutschland
im Jahr 2008 letztlich erfolgreich waren. Zu den 7 870 Anerkennungen durch
das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge kamen damit noch einmal
2 775 Anerkennungen durch die Gerichte hinzu. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 10. Februar 2010
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/693 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeDie Fragestellerinnen und Fragesteller haben erfreut zur Kenntnis
genommen, dass das Bundesministerium des Innern und auch der Bundesminister
des Innern in seiner Pressemitteilung vom 21. Januar 2010 zu den
Asylzahlen des Jahres 2009 an erster Stelle und in verständlicher Form auf die
Gesamtschutzquote (Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention
und subsidiär Schutzberechtigte) Bezug genommen hat, und nicht mehr auf
die nach der Grundrechtseinschränkung von 1993 nur noch geringe Zahl der
nach Artikel 16a des Grundgesetzes (GG) Asylberechtigten, obwohl sie
hierzu vor zwei Jahren ausdrücklich noch nicht bereit war (vgl.
Bundestagsdrucksache 16/7687, Antwort zu Frage 8).
Bedauerlich ist jedoch, dass in der genannten Pressemitteilung fälschlich von
fast 440 000 „Asylbewerbern“ im Jahr 1992 die Rede ist, obwohl sich die
Summe „440 000“ auf die Zahl der gestellten Asylanträge (nicht Personen!)
bezieht und bei einer realistischen Betrachtung und bei einer – seit 1995
üblichen – Trennung von Asylerst- und -zweitanträgen von etwa 272 000
Asylsuchenden im Jahr 1992 ausgegangen werden muss (vgl.
Bundestagsdrucksache 16/7687, Frage 15a).
1. Wie hoch war die Gesamtschutzquote (Anerkennungen nach § 16a GG, nach
§ 60 Absatz 1 des Aufenthaltsgesetzes – AufenthG – i. V. m. der Genfer
Flüchtlingskonvention – GFK – und von Abschiebungshindernissen nach
§ 60 Absatz 2, 3, 5 und 7 AufenthG) in der Entscheidungspraxis des BAMF
im vierten Quartal 2009, im Gesamtjahr 2009, und wie lauten die jeweiligen
Vergleichswerte für 2008 (in absoluten Zahlen und in Prozent, bitte auch
nach den zehn wichtigsten Herkunftsländern differenzieren)?
Die sog. Gesamtschutzquoten im Sinne der Frage können den nachfolgenden
Tabellen entnommen werden.
Oktober bis Dezember 2009
Gesamtschutz
Oktober bis Dezember 2008
Gesamtschutz
absolut in Prozent absolut in Prozent
Herkunftsländer gesamt 2 084 29,4 Herkunftsländer gesamt 1 975 38,7
darunter darunter
Irak 774 53,9 Irak 1 478 80,2
Afghanistan 397 53,6 Türkei 30 9,9
Iran 181 49,9 Iran 91 51,4
Kosovo 15 3,3 Vietnam 1 0,3
Türkei 60 11,5 Afghanistan 41 36,6
Russische Föderation 47 22,7 Kosovo 9 3,2
Syrien 34 17,3 Russische Föderation 27 13,7
Aserbaidschan 13 11,2 Syrien 42 22,5
Vietnam 4 1,4 Nigeria 2 2,7
Nigeria 7 4,2 Indien 0 0,0
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/6932. Wie viele Widerrufsverfahren wurden im vierten Quartal 2009 und im
Gesamtjahr 2009 eingeleitet, und wie lauten die jeweiligen Vergleichswerte für
2008 (bitte Gesamtzahlen angeben und nach den verschiedenen Formen der
Anerkennung und den zehn wichtigsten Herkunftsländern differenzieren)?
3. Wie viele Entscheidungen in Widerrufsverfahren mit welchem Ergebnis gab
es in den vorgenannten Zeiträumen (bitte Gesamtzahlen angeben und nach
den verschiedenen Formen der Anerkennung und den zehn wichtigsten
Herkunftsländern differenzieren, bitte auch die jeweiligen Widerrufsquoten
benennen)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.
Januar bis Dezember 2009
Gesamtschutz
Januar bis Dezember 2008
Gesamtschutz
absolut in Prozent absolut in Prozent
Herkunftsländer gesamt 9 726 33,8 Herkunftsländer gesamt 7 853 37,7
darunter darunter
Irak 5 727 64,0 Irak 5 794 78,4
Afghanistan 952 58,6 Türkei 130 9,4
Türkei 221 11,3 Vietnam 4 0,4
Kosovo 76 4,7 Kosovo 19 2,4
Iran 597 50,5 Iran 324 37,1
Vietnam 11 0,8 Russische Föderation 171 21,7
Russische Föderation 185 21,9 Syrien 115 18,6
Syrien 156 17,3 Serbien 21 2,3
Nigeria 23 4,2 Afghanistan 178 44,7
Indien 4 0,6 Nigeria 14 3,9
Oktober bis
Dezember 2009
angelegte
Widerrufsprüfverfahren
ENTSCHEIDUNGEN über Widerrufsprüfverfahren
insgesamt
Widerruf/
Rücknahme
Artikel 16a
GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
kein
Widerruf/
keine
Rücknahme
absolut
in
Prozent
absolut
in
Prozent
absolut
in
Prozent
absolut
in
Prozent
Herkunftsländer
gesamt 4 423 4 864 147 3,0 548 11,3 48 1,0 4 121 84,7
Irak 2 563 966 8 0,8 311 32,2 – 0,0 647 67,0
Türkei 422 2 040 90 4,4 105 5,1 5 0,2 1 840 90,2
Iran 215 182 5 2,7 20 11,0 2 1,1 155 85,2
Russische F. 155 151 – 0,0 14 9,3 5 3,3 132 87,4
Eritrea 152 145 – 0,0 – 0,0 – 0,0 145 100,0
Afghanistan 139 250 1 0,4 6 2,4 4 1,6 239 95,6
Syrien 97 86 1 1,2 2 2,3 – 0,0 83 96,5
Kosovo 96 175 16 9,1 37 21,1 10 5,7 112 64,0
Pakistan 59 118 – 0,0 1 0,8 – 0,0 117 99,2
Serbien 52 125 7 5,6 9 7,2 5 4,0 104 83,2
Drucksache 17/693 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeOktober bis
Dezember 2008
angelegte
Widerrufsprüfverfahren
ENTSCHEIDUNGEN über Widerrufsprüfverfahren
insgesamt
Widerruf/
Rücknahme
Artikel 16a
GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
kein
Widerruf/
keine
Rücknahme
absolut
in
Prozent
absolut
in
Prozent
absolut
in
Prozent
absolut
in
Prozent
Herkunftsländer
gesamt 3 378 8 698 270 3,1 846 9,7 32 0,4 7 550 86,8
Türkei 734 2 898 162 5,6 298 10,3 7 0,2 2 431 83,9
Irak 646 2 029 17 0,8 389 19,2 1 0,0 1 622 79,9
Iran 404 597 11 1,8 13 2,2 – 0,0 573 96,0
Russische F. 289 325 – 0,0 – 0,0 1 0,3 324 99,7
Afghanistan 232 1 299 9 0,7 34 2,6 4 0,3 1 252 96,4
Syrien 139 239 1 0,4 3 1,3 – 0,0 235 98,3
Kosovo 137 103 35 34,0 14 13,6 3 2,9 51 49,5
Aserbaidschan 92 103 – 0,0 1 1,0 – 0,0 102 99,0
Myanmar 92 38 – 0,0 – 0,0 – 0,0 38 100,0
Eritrea 72 68 – 0,0 1 1,5 – 0,0 67 98,5
Januar bis
Dezember 2009
angelegte
Widerrufsprüfverfahren
ENTSCHEIDUNGEN über Widerrufsprüfverfahren
insgesamt
Widerruf/
Rücknahme
Artikel 16a
GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
kein
Widerruf/
keine
Rücknahme
absolut
in
Prozent
absolut
in
Prozent
absolut
in
Prozent
absolut
in
Prozent
Herkunftsländer
gesamt 10 534 15 286 798 5,2 3 828 25,0 161 1,1 10 499 68,7
Irak 3 450 3 883 51 1,3 2 290 59,0 1 0,0 1 541 39,7
Türkei 1 690 5 540 491 8,9 932 16,8 33 0,6 4 084 73,7
Iran 751 765 31 4,1 46 6,0 2 0,3 686 89,7
Russische F. 629 499 3 0,6 41 8,2 13 2,6 442 88,6
Afghanistan 604 697 18 2,6 51 7,3 17 2,4 611 87,7
Eritrea 470 420 2 0,5 2 0,5 1 0,2 415 98,8
Kosovo 440 480 93 19,4 112 23,3 25 5,2 250 52,1
Syrien 354 358 7 2,0 26 7,3 – 0,0 325 90,8
Pakistan 278 281 1 0,4 1 0,4 – 0,0 279 99,3
Myanmar 180 241 – 0,0 2 0,8 – 0,0 239 99,2
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/6934. a) Welche Kapitel der Dienstanweisungen „Asylverfahrenssekretariat und
Asyl“ wurden als vertraulich eingestuft und werden mit welcher
Begründung auch auf Anfrage nicht offenbart (Nachfrage zu
Bundestagsdrucksache 17/53, Frage 4c)?
In der Dienstanweisung Asylverfahrenssekretariat ist eine vertrauliche
Behandlung des Kapitels „INPOL-E-Gruppen-Ausdrucke“ vorgesehen. Die Einstufung
als „Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch“ (VS-NfD) erfolgte in
Abstimmung mit dem Bundeskriminalamt, da die Inhalte und auch die Struktur des
INPOL-Datensystems als VS-NfD eingestuft sind.
In der Dienstanweisung Asyl sind die Kapitel „krankheitsbedingte
Abschiebungsverbote“, „Verfolgung in Anknüpfung an das Merkmal Religion“ und
„Verfolgung wegen Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe“ als
VS-NfD eingestuft. Die vertrauliche Behandlung dieser Kapitel ist erforderlich,
um zu verhindern, dass die Asylbewerber ihr Aussageverhalten entsprechend
anpassen, um einen für sie günstigeren Verfahrensausgang zu erreichen.
Außerdem ist in der Dienstanweisung Asyl das Kapitel „Sicherheit“ als VS-NfD
eingestuft. Das Kapitel regelt die Zusammenarbeit mit den Sicherheits- und
Strafverfolgungsbehörden des Bundes und der Länder. Enthalten sind
insbesondere Kriterienkataloge, welche Informationen zu übermitteln sind und welche
Personenhinweise für die Sicherheitsbehörden wertvoll sein können. Eine
Veröffentlichung könnte bewirken, dass der Sachvortrag beim BAMF den
bekanntgegebenen Vorgaben angeglichen bzw. verfälscht und dadurch die behördliche
Zusammenarbeit erschwert wird.
Januar bis
Dezember 2008
angelegte
Widerrufsprüfverfahren
ENTSCHEIDUNGEN über Widerrufsprüfverfahren
insgesamt
Widerruf/
Rücknahme
Artikel 16a
GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
kein
Widerruf/
keine
Rücknahme
absolut
in
Prozent
absolut
in
Prozent
absolut
in
Prozent
absolut
in
Prozent
Herkunftsländer gesamt 37 215 36 906 2 007 5,4 4 165 11,3 261 0,7 30 473 82,6
Irak 14 192 13 445 62 0,5 819 6,1 2 0,0 12 562 93,4
Türkei 8 368 7 564 1 362 18,0 1 990 26,3 51 0,7 4 161 55,0
Afghanistan 3 773 3 765 30 0,8 121 3,2 53 1,4 3 561 94,6
Iran 1 596 2 385 76 3,2 164 6,9 2 0,1 2 143 89,9
Russische F. 1 448 1 933 6 0,3 45 2,3 6 0,3 1 876 97,1
Syrien 883 1 314 14 1,1 20 1,5 1 0,1 1 279 97,3
Togo 677 681 21 3,1 518 76,1 2 0,3 140 20,6
Kosovo 660 307 92 30,0 95 30,9 10 3,3 110 35,8
Aserbaidschan 559 695 11 1,6 25 3,6 1 0,1 658 94,7
Ungeklärt 465 435 4 0,9 10 2,3 13 3,0 408 93,8
Drucksache 17/693 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeb) In welcher Weise ist die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs
(EuGH) zu Artikel 15c der EU-Qualifikationsrichtlinie in die
Herkunftsländer-Leitsätze zu Afghanistan, Irak, Somalia, Kongo und
Tschetschenien eingeflossen (Nachfrage zu Bundestagsdrucksache 17/53, Frage 4d),
insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Urteil des EuGH vom
17. Februar 2009 nach Auffassung der Bundesregierung „keine
unmittelbare Auswirkung“ auf die Entscheidungspraxis des Bundesamtes für
Migration und Flüchtlinge bei der Feststellung von Abschiebungsschutz
bei willkürlicher Gewalt gehabt haben soll (vgl. Bundestagsdrucksache
17/53, Frage 4f; bitte möglichst konkret und gegebenenfalls nach den
genannten Herkunftsländern differenziert beantworten)?
Nach Feststellung des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) mit Urteil vom
14. Juli 2009 (Az. 10 C 9.08) entsprechen die Ausführungen des Europäischen
Gerichtshofs (EuGH) in seinem Urteil vom 17. Februar 2009 (Az. C 465/07)
weitgehend dem, was das BVerwG in seinen Urteilen vom 24. Juli 2008
(Az. 10 C 43/07 u. a.) ausgeführt hat.
Die grundlegende Entscheidung des BVerwG vom 24. Juli 2008 erging vor der
Entscheidung des EuGH. Diese hatte daher, wie auch das BVerwG in der zitierten
Entscheidung vom 14. Juli 2009 feststellt, in erster Linie nur bestätigenden
Charakter.
Es bleibt somit bei der in der genannten Bundestagsdrucksache 17/53 in der
Antwort zu Frage 4d dargestellten Auslegung des § 60 Absatz 7 Satz 2 des
Aufenthaltsgesetzes (AufenthG), mit dem Artikel 15 Buchstabe c der Richtlinie
2004/83/EG des Rates (sog. Qualifikationsrichtlinie – QualfRL) umgesetzt
wurde.
Sie wird in den Herkunftsländer-Leitsätzen und damit in der
Entscheidungspraxis auch für Afghanistan, Irak, Somalia, die Demokratische Republik Kongo
und Russland umgesetzt.
c) Wie ist die Auffassung der Bundesregierung, das Urteil des EuGH habe
keine unmittelbare Auswirkung auf die Entscheidungspraxis des
Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge bei der Feststellung von
Abschiebungsschutz bei willkürlicher Gewalt gehabt, zu begründen vor
dem Hintergrund, dass die Quote beim subsidiären Schutz seit der
EuGH-Entscheidung (d. h. ab März 2009) bei durchschnittlich 5,5
Prozent liegt, während sie im Vergleichszeitraum des Vorjahres mit 2,8
Prozent nur etwa halb so hoch und auch im langjährigen Vergleich zumeist
unter 3 Prozent lag?
Statistisch gesehen ergibt sich die in der Frage angesprochene Steigerung der
Quote für subsidiären Schutz hauptsächlich aus einer Steigerung nationalen
subsidiären Schutzes und nicht des europarechtlichen Schutzes nach Artikel 15
Buchstabe c QualfRL. Im Jahr 2008 betrug die Quote positiver Entscheidungen
zum subsidiären Schutz 2,7 Prozent; bei der Erhebung wurde noch nicht
zwischen europarechtlichem und nationalem subsidiären Schutz differenziert.
Im Jahr 2009 ergibt die differenzierte Schutzquote 1,4 Prozent für
europarechtlichen subsidiären Schutz und 4,2 Prozent für nationalen subsidiären Schutz.
d) Wie hoch war die Anerkennungsquote beim subsidiären Schutz für die
Länder Afghanistan, Irak, Somalia, Kongo und Tschetschenien in den
Monaten März bis Dezember 2009 (bitte nach Ländern getrennt
angeben), und wie hoch war die entsprechende Quote für die Monate März bis
Dezember 2008 (bitte ebenfalls nach Ländern getrennt angeben)?
Die Quoten des bei Entscheidungen des Bundesamtes für Migration und
Flüchtlinge von März bis Dezember 2009 gewährten subsidiären Schutzes lauten:
Afghanistan 41,7 Prozent, Irak 2,5 Prozent, Somalia 22,3 Prozent,
Demokratische Republik Kongo 22,0 Prozent, Russische Föderation (Volkszugehörigkeit
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/693Tschetschenien) 3,6 Prozent. Für den Zeitraum März bis Dezember 2008:
Afghanistan 12,6 Prozent, Irak 1,1 Prozent, Somalia 22,8 Prozent, Demokratische
Republik Kongo 15,5 Prozent, Russische Föderation (Volkszugehörigkeit
Tschetschenien) 5,0 Prozent.
5. Wie viele Verfahren im Rahmen der Dublin-II-Verordnung (DublinV)
wurden im vierten Quartal 2009 und im Jahr 2009 insgesamt eingeleitet, und wie
lauten die Vergleichswerte für das Jahr 2008 (bitte in absoluten Zahlen und
in Prozentzahlen die Relation zu allen Asylerstanträgen sowie die
Quote der auf EURODAC-Treffern basierenden Verfahren angeben)?
Die Angaben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.
a) Welches waren in den benannten Zeiträumen die zehn am stärksten
betroffenen Herkunftsländer, und welches die zehn am stärksten
angefragten EU-Mitgliedstaaten (bitte in absoluten Werten und in Prozentzahlen
angeben)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.
Asylerstanträge
Übernahmeersuchen (ÜE)
an die
Mitgliedstaaten gesamt
Prozentualer
Anteil der ÜE
zu den
Asylerstanträgen
Prozentualer
Anteil der ÜE
mit EURODAC-
Treffer
4. Quartal 2009 7 380 2 795 37,9 66,4
4. Quartal 2008 5 421 1 877 34,6 63,2
2009 27 649 9 129 33,0 65,6
2008 22 085 6 363 28,8 62,5
4. Quartal 2009
Herkunftsländer
Übernahmeersuchen 4. Quartal 2008
Herkunftsländer
Übernahmeersuchen
absolut in Prozent absolut in Prozent
Afghanistan 650 23,3 Irak 372 19,8
Irak 313 11,2 Russische Föderation 210 11,2
Russische Föderation 284 10,2 Afghanistan 160 8,5
Georgien 237 8,5 Kosovo 133 7,1
Kosovo 207 7,4 Serbien 107 5,7
Serbien 85 3,0 Türkei 95 5,1
Türkei 85 3,0 Iran 62 3,3
Iran 82 2,9 Algerien 55 2,9
Syrien 77 2,8 Syrien 44 2,3
Ungeklärt 64 2,3 Bosnien u. Herzegowina 41 2,2
Drucksache 17/693 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode4. Quartal 2009
ÜE an Mitgliedstaaten
Übernahmeersuchen 4. Quartal 2008
ÜE an Mitgliedstaaten
Übernahmeersuchen
absolut in Prozent absolut in Prozent
Griechenland 780 27,9 Griechenland 305 16,2
Polen 446 16,0 Italien 241 12,8
Ungarn 217 7,8 Polen 209 11,1
Italien 209 7,5 Schweden 200 10,7
Frankreich 192 6,9 Frankreich 193 10,3
Schweden 181 6,5 Österreich 138 7,4
Österreich 141 5,0 Ungarn 110 5,9
Norwegen 98 3,5 Belgien 100 5,3
Belgien 91 3,3 Niederlande 67 3,6
Schweiz 71 2,5 Spanien 52 2,8
1. Januar bis
31. Dezember 2009
Herkunftsländer
Übernahmeersuchen 1. Januar bis
31. Dezember 2008
Herkunftsländer
Übernahmeersuchen
absolut in Prozent absolut in Prozent
Afghanistan 1 776 19,5 Irak 1 212 19,0
Irak 1 249 13,7 Russische Föderation 887 13,9
Russische Föderation 797 8,7 Serbien 510 8,0
Kosovo 671 7,4 Türkei 329 5,2
Georgien 567 6,2 Afghanistan 302 4,7
Serbien 413 4,5 Kosovo 292 4,6
Türkei 317 3,5 Algerien 199 3,1
Algerien 247 2,7 Syrien 172 2,7
Iran 239 2,6 Iran 166 2,6
Syrien 232 2,5 Indien 147 2,3
1. Januar bis
31. Dezember 2009
ÜE an Mitgliedstaaten
Übernahmeersuchen 1. Januar bis
31. Dezember 2008
ÜE an Mitgliedstaaten
Übernahmeersuchen
absolut in Prozent absolut in Prozent
Griechenland 2 288 25,1 Polen 806 12,7
Polen 1 053 11,5 Griechenland 800 12,6
Italien 842 9,2 Frankreich 781 12,3
Schweden 790 8,7 Italien 769 12,1
Frankreich 778 8,5 Schweden 590 9,3
Ungarn 723 7,9 Österreich 459 7,2
Österreich 501 5,5 Belgien 353 5,5
Belgien 371 4,1 Ungarn 281 4,4
Norwegen 274 3,0 Niederlande 241 3,8
Spanien 207 2,3 Tschechische Republik 238 3,7
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/693b) Wie viele Dublin-Entscheidungen mit welchem Ergebnis (Zuständigkeit
eines anderen EU-Mitgliedstaats bzw. der Bundesrepublik Deutschland,
Selbsteintritt nach Artikel 3 Absatz 2 DublinV, humanitäre Fälle nach
Artikel 15 DublinV) gab es in den benannten Zeiträumen?
Entscheidungen über Dublin-Verfahren werden beim Bundesamt für Migration
und Flüchtlinge nach den in der folgenden Tabelle aufgeführten Kategorien
erfasst. Die Zahl der Selbsteintritte wird statistisch nicht erhoben.
c) Wie viele Überstellungen nach der Dublin-II-Verordnungen wurden in
den benannten Zeiträumen vollzogen (bitte in absoluten Werten und in
Prozentzahlen angeben und auch nach den zehn wichtigsten
Herkunftsländern und EU-Mitgliedstaaten differenzieren)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.
4. Quartal
2009
4. Quartal
2008
1. Januar bis
31. Dezember
2009
1. Januar bis
31. Dezember
2008
Ablehnungen durch den
Mitgliedstaat gesamt 435 349 1 585 1 492
Zustimmungen des
Mitgliedstaates gesamt 2 074 1 213 6 321 4 407
davon Ablehnungen
nach Artikel 15 Dublin II 5 4 16 25
davon Zustimmungen
nach Artikel 15 Dublin II 15 2 28 8
4. Quartal 2009
Herkunftsländer
Überstellungen 4. Quartal 2008
Herkunftsländer
Überstellungen
absolut in Prozent absolut in Prozent
gesamt 861 gesamt 648
darunter: darunter:
Georgien 132 15,3 Irak 124 19,1
Irak 123 14,3 Russische Föderation 94 14,5
Russische Föderation 89 10,3 Serbien 43 6,6
Kosovo 74 8,6 Kosovo 39 6,0
Afghanistan 39 4,5 Afghanistan 32 4,9
Türkei 33 3,8 Algerien 25 3,9
Algerien 27 3,1 Syrien 25 3,9
Serbien 27 3,1 Türkei 23 3,5
Iran 26 3,0 Georgien 20 3,1
Libanon 25 2,9 Sri Lanka 18 2,8
Drucksache 17/693 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode4. Quartal 2009
an Mitgliedstaaten
Überstellungen 4. Quartal 2008
an Mitgliedstaaten
Überstellungen
absolut in Prozent absolut in Prozent
gesamt 861 gesamt 648
darunter: darunter:
Polen 209 24,3 Italien 111 17,1
Italien 107 12,4 Schweden 101 15,6
Schweden 102 11,8 Polen 79 12,2
Ungarn 84 9,8 Frankreich 65 10,0
Frankreich 70 8,1 Belgien 46 7,1
Norwegen 47 5,5 Griechenland 40 6,2
Österreich 44 5,1 Österreich 37 5,7
Belgien 44 5,1 Ungarn 28 4,3
Griechenland 32 3,7 Norwegen 23 3,5
Schweiz 28 3,3 Niederlande 21 3,2
1. Januar bis
31. Dezember 2009
Herkunftsländer
Überstellungen 1. Januar bis
31. Dezember 2008
Herkunftsländer
Überstellungen
absolut in Prozent absolut in Prozent
gesamt 3 027 gesamt 2 535
darunter: darunter:
Irak 546 18,0 Irak 529 20,9
Russische Föderation 333 11,0 Russische Föderation 471 18,6
Georgien 262 8,7 Serbien 207 8,2
Kosovo 233 7,7 Türkei 122 4,8
Serbien 160 5,3 Algerien 83 3,3
Afghanistan 128 4,2 Syrien 76 3,0
Türkei 119 3,9 Sri Lanka 75 3,0
Algerien 112 3,7 Afghanistan 73 2,9
Iran 82 2,7 Kosovo 69 2,7
Nigeria 75 2,5 Iran 65 2,6
1. Januar bis
31. Dezember 2009
an Mitgliedstaaten
Überstellungen 1. Januar bis
31. Dezember 2008
an Mitgliedstaaten
Überstellungen
absolut in Prozent absolut in Prozent
gesamt 3 027 gesamt 2 535
darunter: darunter:
Polen 483 16,0 Polen 425 16,8
Schweden 410 13,5 Italien 335 13,2
Italien 374 12,4 Schweden 300 11,8
Frankreich 297 9,8 Frankreich 269 10,6
Ungarn 279 9,2 Griechenland 222 8,8
Griechenland 200 6,6 Belgien 152 6,0
Österreich 193 6,4 Österreich 147 5,8
Belgien 168 5,6 Niederlande 109 4,3
Norwegen 123 4,1 Ungarn 92 3,6
Niederlande 88 2,9 Tschechische Republik 85 3,4
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/6936. Wie viele Asylanträge wurden im vierten Quartal 2009, im Gesamtjahr 2009
und in den Vergleichszeiträumen des Jahres 2008 nach § 14a Absatz 2 des
Asylverfahrensgesetzes (AsylVfG) von Amts wegen für hier geborene (oder
eingereiste) Kinder von Asylsuchenden gestellt, wie viele Asylanträge
wurden in den genannten Zeiträumen von bzw. für Kinder(n) unter 16 Jahren
bzw. von Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren bzw. von unbegleiteten
minderjährigen Flüchtlingen gestellt (bitte jeweils in absoluten Zahlen und
in Prozentzahlen in Relation zur Gesamtzahl der Asylanträge sowie die
Gesamtzahl der Anträge unter 18-Jähriger und sich überschneidende
Teilmengen angeben)?
Die Angaben hierzu können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.
Teilmengen sind eingerückt zur beinhaltenden Menge angegeben. Bei Anträgen
nach § 14a Absatz 2 des Asylverfahrensgesetzes (AsylVfG), die nur Kinder
unter 16 Jahre betreffen, kann statistisch nicht unterschieden werden, ob ein Kind
hier geboren oder eingereist ist.
1. Oktober 2009 bis
31. Dezember 2009
1. Oktober 2008 bis
31. Dezember 2008
absolut
Verhältnis zu
Asylerstanträge
gesamt
absolut
Verhältnis zu
Asylerstanträge
gesamt
Asylerstanträge gesamt 7 380 5 421
Asylerstanträge von Minderjährigen
unter 18 Jahre insgesamt 2 467 33,4 % 1 671 30,8 %
Asylerstanträge von Minderjährigen
unter 16 Jahre 1 969 26,7 % 1 322 24,4 %
unbegleitete Minderjährige
unter 16 Jahre 110 1,5 % 91 1,7 %
Anträge gem. § 14a Absatz 2
AsylVfG 404 5,5 % 391 7,2 %
Asylerstanträge von Minderjährigen
von 16 bis unter 18 Jahre 498 6,8 % 349 6,4 %
unbegleitete Minderjährige
(16 bis unter 18 Jahre) 268 3,6 % 134 2,5 %
1. Januar 2009 bis
31. Dezember 2009
1. Januar 2008 bis
31. Dezember 2008
absolut
Verhältnis zu
Asylerstanträge
gesamt
absolut
Verhältnis zu
Asylerstanträge
gesamt
Asylerstanträge gesamt 27 649 22 085
Asylerstanträge von Minderjährigen
unter 18 Jahre insgesamt 9 359 33,9 % 7 302 33,1 %
Asylerstanträge von Minderjährigen
unter 16 Jahre 7 625 27,6 % 5 996 27,2 %
unbegleitete Minderjährige
unter 16 Jahre 405 1,5 % 324 1,5 %
Anträge gem. § 14a Absatz 2
AsylVfG 1 864 6,7 % 2 202 10,0 %
Asylerstanträge von Minderjährigen
von 16 bis unter 18 Jahre 1 734 6,3 % 1 306 5,9 %
unbegleitete Minderjährige
(16 bis unter 18 Jahre) 899 3,3 % 439 2,0 %
Drucksache 17/693 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode7. Welche statistischen Angaben zur Entscheidungspraxis der (Ober-)
Verwaltungsgerichte im Bereich Asyl wurden für das Jahr 2009 in welchem Turnus
erhoben, und wie lauten die entsprechenden Angaben für 2009
(gegebenenfalls soweit bereits vorliegend) insbesondere zur Zahl der Klagen und
Anträge und zur Zahl und Quote der Anerkennung, Ablehnung bzw.
Erledigung von Klagen und Anträgen wegen Asyl-, Flüchtlings- bzw.
Abschiebungsschutz (bitte auch nach den zehn wichtigsten Herkunftsländern
differenzieren)?
Statistische Angaben über eingelegte und anhängige Rechtsmittel sowie
Gerichtsentscheidungen werden monatlich mit einer Verzögerung von ca. 2 Monaten
jeweils für den Kalendermonat sowie kumuliert für das aufgelaufene Jahr getrennt
nach Antragsart erstellt. Die Angaben hierzu können der nachfolgenden Tabelle
entnommen werden.
Erst- und Folgeanträge
Januar bis November
2009
eingelegte
Klagen,
Berufungen,
Revisionen
Gerichtsentscheidungen
Artikel 16a/
Flüchtlingsschutz/
subsidiärer Schutz
Ablehnungen
sonst.
Verfahrenserledigungen
(z. B.
Rücknahmen)
absolut
in
Prozent
absolut
in
Prozent
absolut
in
Prozent
Herkunftsländer gesamt 8 732 7 357 839 11,4 2 019 27,4 4 499 61,2
darunter
Irak 1 977 904 71 7,9 207 22,9 626 69,2
Türkei 911 920 132 14,3 226 24,6 562 61,1
Kosovo 528 374 10 2,7 92 24,6 272 72,7
Syrien 469 317 40 12,6 130 41,0 147 46,4
Afghanistan 464 367 76 20,7 18 4,9 273 74,4
Iran 402 585 102 17,4 134 22,9 349 59,7
Russische Föderation 292 378 33 8,7 142 37,6 203 53,7
Nigeria 265 211 7 3,3 96 45,5 108 51,2
Serbien 234 293 14 4,8 88 30,0 191 65,2
Aserbaidschan 224 167 22 13,2 43 25,7 102 61,1Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]