[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
12. Februar 2019 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/7824
19. Wahlperiode 14.02.2019
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Michael Espendiller,
Dr. Götz Frömming, Nicole Höchst, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
der AfD
– Drucksache 19/6997 –
Deutscher Beitrag zu Forschungen zur friedlichen Nutzung der Kernenergie
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Das Siebte Energieforschungsprogramm der Bundesregierung – Innovationen
für die Energiewende sieht auch für die Zeit nach der Kernenergienutzung für
die Stromerzeugung im Jahr 2022 in Deutschland die Notwendigkeit einer
Fortführung von Forschungsarbeiten zur Kernenergie.
Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD steht die Verpflichtung:
„Wir werden ein Konzept zum perspektivischen Erhalt von Fachwissen und
-personal für Betrieb, Rückbau und zu Sicherheitsfragen bei Nuklearanlagen
sowie für Zwischen- und Endlagerung erarbeiten […]. Wir wollen, dass
Deutschland bei der Reaktorsicherheit in Europa dauerhaft Einfluss ausübt – auch nach
dem Ausstieg aus der nationalen Nutzung der Kernenergie.“
Diese Absicht ist von der Einsicht getragen, dass bis zum Ende dieses
Jahrhunderts europa- und weltweit Kernkraftwerke (KKW) einen wesentlichen Beitrag
zur Stromversorgung leisten werden.
„Der Koalitionsvertrag muss nun umgesetzt werden, denn neue Strukturen und
Kompetenzzentren können nicht über Nacht entstehen“, sagt der Präsident des
Deutschen Atomforums, Manfred Güldner (siehe F.A.Z., 19. November 2018;
S. 17).
Deutschland möchte mit seinem Alleingang bis zum Jahr 2050 den Anteil der
so genannten erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch von 36,2 auf
mindestens 80 Prozent erhöhen (siehe Sechster Monitoring-Bericht „Energie
der Zukunft“, Bundestagsdrucksache 19/3040). Da Teile der deutschen Politik
auch den Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2030 anstreben, werden dann
die entstehenden Versorgungslücken mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit durch die europäischen Nachbarn gedeckt werden müssen.
Hier kann und darf Deutschland seine europäischen Nachbarn nicht allein
lassen, weil der Betrieb von KKW in Europa auch deutsche Sicherheitsinteressen
berührt.
Viele der bestehenden und auch die derzeit im Bau befindlichen KKW der
dritten Generation basieren u. a. auf deutschen Forschungsarbeiten, Entwicklungen
und Konstruktionen.
1. Welchen substanziellen Beitrag zu Aufbau, Weiterentwicklung und Erhalt
der wissenschaftlich-technischen Kompetenz und der Nachwuchsförderung
im Bereich der nuklearen Sicherheitsforschung und Reaktorforschung leistet
die Bundesregierung heute und in der Umsetzung des Siebten
Energieforschungsprogramms?
Die Bundesregierung fördert die nukleare Sicherheit- und Entsorgungsforschung
sowohl im Rahmen der Projektförderung als auch institutionell mit erheblichen
Mitteln. So wurden die Ausgaben für die Nukleare Sicherheits- und
Entsorgungsforschung im Rahmen der Energieforschungsprogramme der Bundesregierung
von 54,33 Mio. Euro im Haushaltsjahr 2006 auf 87,48 Mio. Euro im
Haushaltsjahr 2017 gesteigert (vgl. Bundesbericht Energieforschung 2018). Mit diesen
Mitteln werden Projektfördermaßnahmen des Bundesministeriums für Wirtschaft
und Energie (BMWi) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
(BMBF) sowie die institutionelle Förderung der Helmholtz-Gemeinschaft
Deutscher Forschungszentren durch das BMBF im Bereich der nuklearen Sicherheits-
und Entsorgungsforschung finanziert.
Die Bundesregierung leistet durch diese kontinuierliche Förderung seit vielen
Jahren wesentliche Beiträge zu Aufbau und Weiterentwicklung der
wissenschaftlich-technischen Kompetenz und Nachwuchsförderung und hat diese strategische
Zielstellung mit der Veröffentlichung des 7. Energieforschungsprogramms der
Bundesregierung nochmals bekräftigt. Denn angesichts des möglichen
grenzüberschreitenden Charakters der Betriebsrisiken liegt es auch langfristig im
deutschen Sicherheitsinteresse, die Entwicklungen im benachbarten Ausland
hinsichtlich bestehender und geplanter Anlagen auch aus fachlicher Sicht verfolgen zu
können.
Die Aus- und Weiterbildung von insbesondere Doktorandinnen und Doktoranden
sowie Masterstudentinnen und Masterstudenten erfolgt im Rahmen der
bundesseitig geförderten Projekte in der Regel durch Hochschulen und Einrichtungen
der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren sowie weitere
außeruniversitäre Forschungsstellen. In Einzelfällen werden
Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler auch im Rahmen einer Kooperation
zwischen Hochschulen und Unternehmen ausgebildet. Hierzu wird im Übrigen auf
die Antwort zu den Fragen 10 bis 12 verwiesen.
Ein weiteres Instrument neben der allgemeinen Forschungsförderung ist die
Ressortforschung. Die Ressortforschung hat zum Ziel, wissenschaftliche
Erkenntnisse für die sachgerechte Erfüllung der Ressortaufgaben zu gewinnen. Sie trägt
damit auch zum allgemeinen Erkenntnisgewinn bei.
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sowie die Bundesanstalt
für Materialforschung und -prüfung führen als nachgeordnete Behörden des
BMWi Ressortforschung auf dem Gebiet der Endlagerung bzw. der Sicherheit
von Transport- und Lagerbehältern durch.
Der Forschungsrahmen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und
nukleare Sicherheit (BMU) auf dem Gebiet der nuklearen Sicherheit und des
Strahlenschutzes wird jährlich durch einzelne Forschungs- und
Entwicklungsvorhaben konkretisiert. Diese sind Bestandteil des Ressortforschungsplans, auf
dessen Grundlage die Forschungsmittel bewirtschaftet werden. Dem Bundesamt für
kerntechnische Entsorgungssicherheit stehen darüber hinaus zusätzliche Mittel
zur Finanzierung von Forschungsvorhaben im Bereich der nuklearen Entsorgung
und zur Wahrnehmung seiner gesetzlichen Aufgaben zur Verfügung.
Neben der Vergabe und fachlichen Begleitung von Forschungsaufträgen führen
das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit und das Bundesamt für
Strahlenschutz Ressortforschung auch als Eigenforschung durch.
2. Ist aus Sicht der Bundesregierung garantiert, dass sich deutsche
Forschungseinrichtungen und Forscher international an der Erforschung und
Entwicklung neuer Typen von Kernkraftwerken beteiligen?
Wenn ja, auf welchen Gebieten?
Eine öffentlich geförderte Beteiligung deutscher Forschungseinrichtungen und
Forscherinnen und Forscher an der Erforschung und Entwicklung neuer Typen
von Kernkraftwerken kann nur insoweit stattfinden, wie sie mit der Entscheidung
Deutschlands, aus der gewerblichen Nutzung der Kernenergie zur
Stromerzeugung auszusteigen, vereinbar ist. Die Forschung zur Entwicklung neuer
Reaktorkonzepte wird seitens der Bundesregierung nicht unterstützt.
Im 7. Energieforschungsprogramm sind der Erhalt und Ausbau
sicherheitstechnischer Kompetenz zur Beurteilung und Weiterentwicklung der Sicherheit
nuklearer Anlagen im Ausland einschließlich neuer Reaktorkonzepte, die sich
international in Entwicklung befinden und deren sicherheitstechnische Konzeption sich
von den in Deutschland betriebenen Anlagen unterscheidet, explizit als ein
strategisches Ziel der Fördermaßnahmen der Bundesregierung aufgenommen.
Angesichts des möglichen grenzüberschreitenden Charakters der Betriebsrisiken liegt
es auch langfristig im deutschen Sicherheitsinteresse, die Entwicklungen im
benachbarten Ausland hinsichtlich bestehender und geplanter Anlagen auch aus
fachlicher Sicht verfolgen zu können. Deutsche Forschungsstellen sind ebenso in
internationale Forschungsarbeiten eingebunden, die sich mit Fragestellungen zur
Sicherheit neuer Reaktoren befassen. Im Wesentlichen zu nennen sind hierbei das
EURATOM-Programm für Forschung und Ausbildung, Forschungsprojekte im
Rahmen der OECD/NEA (Nuclear Energy Agency der Organisation for
Economic Co-operation and Development) sowie die Zusammenarbeit im Rahmen der
Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO).
3. Welche außeruniversitären Forschungsinstitute befassen sich nach Kenntnis
der Bundesregierung heute in ihren Forschungsarbeiten mit Fragestellungen
zur nuklearen Sicherheitsforschung und Reaktorsicherheit (bitte nach Max-
Planck-Gesellschaft – MPG –, Helmholtz Gemeinschaft – HGF – und
Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried-Wilhelm-Leibniz – WGL – aufgliedern)?
Derzeit befassen sich folgende außeruniversitäre Forschungseinrichtungen mit
Fragestellungen zur nuklearen Sicherheitsforschung (Reaktorsicherheits- und/
oder Entsorgungsforschung):
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. (MPG):
keine
Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V. (HGF):
o Forschungszentrum Jülich (FZJ),
o Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR),
o Karlsruher Institut für Technologie (KIT),
o Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungszentrum (GFZ),
o Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Leipzig
Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V. (WGF):
Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, Marburg
Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V. (FhG):
o Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut (EMI),
o Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM),
o Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik (IWM),
o Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren (IZFP)
Darüber hinaus tragen weitere Organisationen wesentlich zur Forschung im
Bereich der nuklearen Sicherheitsforschung (Reaktorsicherheits- und/oder
Entsorgungsforschung) bei, wie z. B. die Gesellschaft für Anlagen- und
Reaktorsicherheit (GRS) gGmbH.
4. An welchen internationalen Projekten im Rahmen von EURATOM und
OECD/NEA (Nuclear Energy Agency) beteiligt sich Deutschland im
Rahmen der nuklearen Sicherheitsforschung und Reaktorsicherheit?
Im Rahmen des EURATOM-Programms für Forschung und Ausbildung
beteiligen sich deutsche Forschungsstellen an folgenden laufenden
Forschungsprojekten:
Akronym Titel
ADVISE ADVanced Inspection of Complex StructurEs
ANNETTE Advanced Networking for Nuclear Education and Training and Transfer of Expertise
ATLASplus Advanced Structural Integrity Assessment Tools for Safe Long Term Operation
Beacon Bentonite mechanical evolution
Cebama Cement-based materials, properties, evolution, barrier functions
CHANCE Characterization of conditioned nuclear waste for its safe disposal in Europe
CONCERT European Joint Programme for the Integration of Radiation Protection Research
CORONA II Enhancement of training capabilities in VVER technology through establishment of
VVER training academy (CORONA II)
CORTEX Core monitoring techniques and experimental validation and demonstration
DISCO Modern spent fuel dissolution and chemistry in failed container conditions
ESFR-SMART European Sodium Fast Reactor Safety Measures Assessment and Research Tools
FASTNET FAST Nuclear Emergency Tools (FASTNET)
GEMINI Plus Research and Development in support of the GEMINI Initiative
Akronym Titel
GEMMA GEneration IV Materials MAturity
GENIORS GEN IV Integrated Oxide fuels Recycling Strategies
HoNESt History of Nuclear Energy and Society
IL TROVATORE Innovative cladding materials for advanced accident-tolerant energy systems
INCEFA – PLUS INcreasing Safety in NPPs by Covering gaps in Environmental Fatigue Assessment
INSIDER Improved Nuclear SIte characterization for waste minimization in Decommissioning and
dismantling operations under constrained EnviRonment
IVMR In-Vessel Melt Retention Severe Accident Management Strategy for Existing and Future
NPPs
LEU-FOREvER Low Enriched Uranium Fuels fOR REsEarch Reactors
M4F Multiscale modelling for fusion and fission materials
MEDIRAD Implications of Medical Low Dose Radiation Exposure
McSAFE High-Performance Monte Carlo Methods for SAFEty Demonstration – From Proof of
Concept to realistic Safety Analysis and Industry-like Applications
MEACTOS Mitigating Environmentally Assissted Cracking Through Optimisation of Surface
Conditions
MIND Development of the safety case knowledge base about the influence of microbial
processes on geological disposal of radioactive wastes
Modern2020 Development and Demonstration of monitoring strategies and technologies for geological
disposal
MYRTE MYRRHA Research and Transmutation Endeavour
NARSIS New Approach to Reactor Safety ImprovementS
NOMAD Nondestructive Evaluation (NDE) System for the Inspection of Operation-Induced
Material Degradation in Nuclear Power Plants
SAMOFAR A Paradigm Shift in Reactor Safety with the Molten Salt Fast Reactor
sCO2-HeRo The supercritical CO2 Heat Removal System
SESAME Thermal hydraulics Simulations and Experiments for the Safety Assessment of MEtal
cooled reactors
SITEX-II Sustainable network for Independent Technical EXpertise of radioactive waste disposal –
Interactions and Implementation
SOTERIA Safe long term operation of light water reactors based on improved understanding of
radiation effects in nuclear structural materials
SPRINT SNETP Programming for Research and Innovation in Nuclear Technology
TeaM Cables European Tools and Methodologies for an efficient ageing management of nuclear power
plant Cables
TRANSAT TRANSversal Actions for Tritium
THERAMIN Thermal treatment for radioactive waste minimisation and hazard reduction
Im Folgenden sind die internationalen Forschungsprojekte unter
Schirmherrschaft der OECD/NEA, an denen deutsche Forschungsstellen beteiligt sind,
tabellarisch aufgelistet:
Akronym Titel
ARC-F Analysis of Information from Reactor Building and Containment Vessel and Water
Sampling in Fukushima Daiichi Nuclear Power Station Project
ATLAS-2 Advanced Thermal-hydraulic Test Loop for Accident Simulation Project
BIP-3 Behaviour of Iodine Project
CIP Cabri International Project
CODAP Component Operational Experience, Degradation and Ageing Programme
FIRE Fire Incidents Records Exchange (FIRE) Project
HALDEN Halden Reactor Project
HEAF-2 High Energy Arcing Fault Events Project
HYMERES-2 Hydrogen Mitigation Experiments for Reactor Safety Project
ICDE International Common-cause Failure Data Exchange (ICDE) Project
LOFC Loss of Forced Cooling Project
PKL-4 Primary Coolant Loop Test Facility Project
PRISME-3 Fire Propagation in Elementary, Multi-room Scenarios Project
SCIP-3 Studsvik Cladding Integrity Project
STEM-2 Source Term Evaluation and Mitigation Project
THAI-3 Thermal-hydraulics, Hydrogen, Aerosols and Iodine Project
5. Wie gewährleistet die Bundesregierung, dass deutsche Forscher ihre
sicherheitstechnischen Kompetenzen bei der Beurteilung und Weiterentwicklung
ausländischer nuklearer Anlagen einbringen, einschließlich neuer
Reaktorkonzepte, die sich international in Entwicklung befinden und deren
sicherheitstechnischen Konzepte sich von in Deutschland betriebenen Anlagen
unterscheiden?
Auf die Antwort zu den Fragen 2 und 4 wird verwiesen.
6. Beteiligen sich deutsche Forschungseinrichtungen nach Kenntnis der
Bundesregierung aktuell oder in Zukunft auch an der kerntechnischen
Sicherheitsforschung, die sich auf den am 29. Juni 2018 ans Netz gegangenen und
auf Basis des deutsch-französischen Reaktorprinzips „Europäischer
Druckwasserreaktor (EPR)“, „Taishan 1“ bezieht (wenn ja, dann bitte
Forschungseinrichtung und -arbeiten benennen)?
7. Werden nach Kenntnis der Bundesregierung begleitende Arbeiten zur
kerntechnischen Sicherheitsforschung durch deutsche Forschungseinrichtungen
mit Blick auf die beiden im Bau befindlichen Anlagen im finnischen
Olkiluoto (Reaktor soll Anfang 2019 beladen werden) und dem französischen
Flamanville (Reaktor soll baugleich mit dem chinesischen „Taishan“ sein)
durchgeführt (wenn ja, dann bitte Forschungseinrichtung und -arbeiten
benennen)?
Die Fragen 6 und 7 werden gemeinsam beantwortet.
Im Rahmen der projektgeförderten Reaktorsicherheitsforschung oder
Ressortforschung der Bundesregierung werden generische sicherheitstechnische
Fragestellungen adressiert, die anlagenübergreifend für das jeweils betrachtete
Reaktorkonzept von Interesse sind.
Hierbei werden auch Forschungsarbeiten zur Sicherheit von Kernreaktoren der
dritten Generation (einschließlich der sogenannten Generation III+), zu der der
Europäische Druckwasserreaktor (EPR) gehört, durchgeführt.
8. Welche Schritte hat die Bundesregierung bereits unternommen, um ein in
sich geschlossenes Konzept zum perspektivischen Erhalt von Fachwissen
und -personal für Betrieb, Rückbau und zu Sicherheitsfragen bei
Nuklearanlagen sowie für Zwischen- und Endlagerung zu erarbeiten?
Mit der Veröffentlichung des 7. Energieforschungsprogramms im September
2018 hat die Bundesregierung die strategischen Zielstellungen der
Forschungsförderung des BMWi und des BMBF in der Nuklearen Sicherheitsforschung, auf
den Gebieten Reaktorsicherheits-, Entsorgungs- und Endlagerforschung sowie
Strahlenforschung benannt. Zusätzlich hat das BMBF mit dem Förderkonzept
„FORKA – Forschung für den Rückbau kerntechnischer Anlagen“ einen neuen
Rahmen für die Rückbauforschung erarbeitet. Eine der zentralen Zielstellungen
aller genannten Fördermaßnahmen ist der perspektivische Erhalt von Fachwissen
und -personal. Das förderpolitische Handeln der Bundesregierung stellt somit
eine wesentliche Säule des Kompetenzerhalts dar.
Die Ressortforschung des BMU ist eine weitere Säule des Kompetenzerhalts auf
dem Gebiet der nuklearen Sicherheit und des Strahlenschutzes. Zur Bereitstellung
der erforderlichen Informationen und des maßgeblichen Fachwissens ist auch die
Ressortforschung perspektivisch ausgerichtet und bildet somit einen wichtigen
Baustein für die frühzeitige Ermittlung neuer Herausforderungen.
Begleitend und ergänzend berücksichtigt die Bundesregierung die Erkenntnisse
der wesentlichen, auf den genannten Themengebieten aktiven
Kompetenzverbünde: Kompetenzverbund Kerntechnik (KVKT), Deutsche Arbeitsgemeinschaft
Endlagerforschung (DAEF) und Kompetenzverbund Strahlenforschung (KVSF).
So sind Erhalt und Weiterentwicklung des sicherheitstechnischen Knowhows in
der Kerntechnik wesentliche Zielstellungen des KVKT. Zu diesem Zweck führt
der KVKT neben den Kompetenzen führender Forschungszentren und
Hochschulen auch die spezifischen sicherheitstechnischen Kompetenzen von
Gutachterorganisationen und der kerntechnischen Industrie zusammen.
9. Wie fördert die Bundesregierung die Forschung zu alternativen
Langzeitlagerkonzepten für radioaktive Reststoffe bzw. Abfälle, insbesondere in Bezug
auf die nunmehr noch wahrscheinlich viele Jahrzehnte andauernde
oberirdische Zwischenlagerung, welche für solch lange Zeiträume ursprünglich nicht
vorgesehen war?
Das BMWi fördert im Rahmen seines Förderkonzeptes „Forschung zur
Entsorgung radioaktiver Abfälle“ Forschungsarbeiten zu den Auswirkungen
verlängerter Zwischenlagerzeiten auf Abfälle und Behälter. Im Fokus stehen die
Untersuchung von Alterungseffekten und Schädigungsmechanismen,
Monitoringverfahren sowie die Bereitstellung von Analyse- und Bewertungsmethoden
insbesondere für Abfälle, Behälter und Gebäudestrukturen. Zusätzlich werden
Forschungsarbeiten zu ausgewählten Fragestellungen alternativer
Entsorgungsstrategien zur Endlagerung in einem Bergwerk sowie im Ausland verfolgter
Entsorgungsstrategien gefördert.
Der Einsatz von Methoden und Werkzeugen der Reaktorsicherheitsforschung für
diese Themenbereiche ist im 7. Energieforschungsprogramm explizit als
strategisches Ziel genannt.
Im Jahr 2018 wurden in den genannten Bereichen 15 Vorhaben mit insgesamt
1,6 Mio. Euro gefördert.
Das BMU fördert als oberste Bundesbehörde seit vielen Jahren die nationale
Forschung in dem Bereich verlängerte Zwischenlagerung und unterstützt eine
Mitwirkung bzw. Kooperation fachkompetenter Organisationen, die sich in seinem
Auftrag bei den internationalen Organisationen wie IAEO und OECD/NEA
einbringen und neue Aspekte zur längerfristigen Zwischenlagerung aufgreifen bzw.
Erfahrungsaustausch betreiben. Ein Ergebnis daraus ist ein Ansatz zur
Identifizierung von sicherheitstechnisch relevanten Wissenslücken für einen
längerfristigen Zwischenlagerzeitraum.
Das Fördervolumen lag im Zeitraum 2016 bis 2018 bei 1,1 Mio. Euro.
10. Welche Maßnahmen unternimmt die Bundesregierung, um die Zahl der
Lehrstühle an den Hochschulen, an denen Fachkräfte für Reaktortechnik,
Reaktorsicherheits-, Zwischenlager- und Endlagerforschung ausgebildet
werden, bedarfsgerecht zu erhalten bzw. auszubauen?
11. Welche Forschungskooperationen zwischen Hochschulen und
außeruniversitären Forschungseinrichtungen werden im Bereich der nuklearen
Sicherheitsforschung und Reaktorforschung durch die Bundesregierung gefördert?
12. Durch welche Maßnahmen kann aus der Sicht der Bundesregierung die
wissenschaftliche Exzellenz der kerntechnischen Fächer an den Hochschulen
erhalten werden?
Die Fragen 10 bis 12 werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung finanziert im Rahmen der Reaktorsicherheits- und
Entsorgungsforschung Forschungsvorhaben an Hochschulen und trägt damit zur
Finanzierung von Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeitern sowie zur
Bestandssicherung der auf diesen Themengebieten aktiven Lehrstühle bei. Die konkrete
Entscheidung über die Einrichtung oder Schließung von Lehrstühlen richtet sich nach
dem Hochschulrecht der Länder. Im Rahmen der durch die
Landeshochschulgesetze gewährleisteten Hochschulautonomie steht das Berufungsrecht – und damit
die Entscheidung über die fachliche Ausrichtung eines Lehrstuhls – regelmäßig
den Hochschulen zu.
Insbesondere werden im Rahmen der Projektförderung des BMWi eine Vielzahl
von Forschungskooperationen zwischen Hochschulen und außeruniversitären
Forschungsstellen gefördert. Diese Kooperationen werden regelmäßig in Form
von Verbundvorhaben realisiert, in denen mehrere Forschungseinrichtungen ein
gemeinsames Projekt mit abgestimmten Zeit- und Arbeitsplänen bearbeiten.
Zusätzlich haben sich in einigen Forschungsbereichen projektübergreifende
Kooperationen zwischen den hier relevanten Hochschulen und außeruniversitären
Forschungsstellen etabliert.
Darüber hinaus wird mit dem Blick auf internationale Forschungskooperationen
die Mitarbeit deutscher Hochschulen an Projekten des EURATOM-Programms
für Forschung und Ausbildung sowie in multilateralen Forschungsvorhaben der
OECD/NEA unterstützt bzw. gefördert.
Die im Jahr 2018 durch das BMWi geförderten nationalen Verbundvorhaben mit
Beteiligung von Hochschulen und außeruniversitären Forschungsstellen sind im
Folgenden nach Förderkennzeichen (FKZ) tabellarisch aufgelistet. Die Laufzeit
der Projekte erstreckt sich in der Regel über mehrere Jahre und beschränkt sich
nicht nur auf das dargestellte Jahr 2018.
Für den Bereich der Reaktorsicherheitsforschung:
FKZ Kürzel Titel Zuwendungsempfänger
1501473A-D CHF-Verbund CFD-Methoden zur Berechnung der
kritischen Wärmestromdichte
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Technische
Universität Dresden, ANSYS Germany GmbH, Technische
Universität München
1501476A-B
Ultraschallprüfung von
Mischnähten
Verbesserung und Qualifizierung der
Ultraschallprüfung von Mischnähten im
Primärkreis von KKW
Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten
Forschung e. V., Universität Stuttgart – Otto-Graf-Institut –
Materialprüfungsanstalt
RS1535A,
1501492B-D
EASY Integrale experimentelle und analytische
Nachweise der Beherrschbarkeit von
Auslegungsstörfällen allein mit passiven
Systemen
Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS)
gGmbH, Framatome GmbH, Technische Hochschule
Deggendorf, Technische Universität Dresden, Rheinisch-
Westfälische Technische Hochschule Aachen
1501498A-B Zuverlässigkeit-
Zerstörungsfreie Prüfung
(ZFP)
Zuverlässigkeitsbewertung von Bauteilen
mit Schweißverbindungen unter
Berücksichtigung von realistischen Testfehlern
bei der Ultraschallprüfung
Universität Stuttgart – Otto-Graf-Institut –
Materialprüfungsanstalt, Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der
angewandten Forschung e. V.
1501502A-D SMARTTEST Evaluierung von Verfahren zum Testen
der Informationssicherheit in der
nuklearen Leittechnik durch smarte
Testfallgenerierung
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Friedrich-
Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Hochschule
Magdeburg-Stendal (FH), Framatome GmbH
1501538A,
RS1550B
SimSEB Weiterentwicklung der Analysemethoden
zur Simulation der Schädigung und der
induzierten Erschütterungen in
Stahlbetonstrukturen infolge stoßartiger Belastungen
Technische Universität Kaiserslautern, Gesellschaft für
Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) gGmbH
(Anmerkung: FZK 1501538A (TU Kaiserslautern) wird der
Entsorgungsforschung zugeordnet.)
1501545A-B H2-CO Entwicklung von Verbrennungsmodellen
und Kriterien für H2-CO-Luftschichten mit
partiellem Einschluss
Technische Universität München, Pro-Science –
Gesellschaft für wissenschaftliche und technische
Dienstleistungen mbH
1501563A-B Bruchdynamik Bruchdynamik Phase 3: Untersuchung des
Masterkurven-Konzepts bei dynamischer
Rissbeanspruchung
Universität Stuttgart – Otto-Graf-Institut –
Materialprüfungsanstalt, Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der
angewandten Forschung e. V.
1501567A-B Polysafe Zerstörungsfreie Charakterisierung und
Überwachung von Alterungsphänomenen
in Kabelisolationen im Kontext der
Reaktorsicherheit
Universität Stuttgart – Otto-Graf-Institut –
Materialprüfungsanstalt, Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der
angewandten Forschung e. V.
1501569A-B Ermüdung II Untersuchungen zum Einfluss
bauteilrelevanter Beanspruchungen auf die
Ermüdungsfestigkeit austenitischer und
ferritischer Stähle einschließlich
Schweißverbindungen
Universität Stuttgart – Otto-Graf-Institut –
Materialprüfungsanstalt, Framatome GmbH
Für den Bereich der Entsorgungsforschung:
FKZ Kürzel Titel Zuwendungsempfänger
02E11193A-B ELSA-II Schachtverschlüsse für Endlager für
hochradioaktive Abfälle: Konzeptentwicklung für
Schachtverschlüsse und Test von Funktionselementen von
Schachtverschlüssen
Technische Universität Bergakademie Freiberg,
BGE TECHNOLOGY GmbH
02E11344A-D UMB Umwandlungsmechanismen in Bentonitbarrieren Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit
(GRS) gGmbH, Helmholtz-Zentrum Dresden –
Rossendorf e. V., Universität Greifswald, Technische
Universität München
02E11415A-H GRaZ Geochemische Radionuklidrückhaltung an
Zementalterationsphasen
Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Helmholtz-
Zentrum Dresden – Rossendorf e. V., Karlsruher
Institut für Technologie (KIT), Universität des
Saarlandes, Technische Universität München, Universität
Potsdam, Technische Universität Dresden, Ruprecht-
Karls-Universität Heidelberg
02E11446A-E WEIMOS Weiterentwicklung und Qualifizierung der
gebirgsmechanischen Modellierung für die HAW-
Endlagerung im Steinsalz
Dr. Hampel, IfG Institut für Gebirgsmechanik
GmbH, Leibniz Universität Hannover, Technische
Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig,
Technische Universität Clausthal
02E11476 A-B GRUSS Grundwasserströmung und Stofftransport in
komplexen realen Systemen
Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit
(GRS) gGmbH, Johann Wolfgang Goethe-
Universität Frankfurt am Main
02E11526 A-B CREATIEF Untersuchungen zu Chancen und Risiken der
Endlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle
und ausgedienter Brennelemente in tiefen
Bohrlöchern
BGE TECHNOLOGY GmbH, Technische
Universität Bergakademie Freiberg
02E11547A-C SOTEC-
radio
Konzepte und Maßnahmen zum Umgang mit
soziotechnischen Herausforderungen bei der Entsorgung
radioaktiver Abfälle
Öko-Institut Institut für angewandte Ökologie e. V.,
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Freie
Universität Berlin
02E11567A-B BenVaSim Internationales Benchmarking zur Verifizierung
und Validierung von TH2M-Simulatioren
insbesondere im Hinblick auf fluiddynamische Prozesse
in Endlagersystemen
Technische Universität Clausthal, Gesellschaft für
Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) gGmbH
02E11587A-B Sandwich-
VP
Vertikales hydraulisches Dichtsystem nach dem
Sandwich-Prinzip – Vorprojekt
Karlsruher Institut für Technologie (KIT),
Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS)
gGmbH
02E11637A-C SpannEnd Geomechanisch-numerische Modellierungen zur
Charakterisierung des tektonischen
Spannungszustandes für die Entsorgung radioaktiver Abfälle in
Deutschland
Technische Universität Darmstadt, Helmholtz-
Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum,,
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
02E11708A-D KOMPASS Kompaktion von Salzgrus für den sicheren
Einschluss
Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit
(GRS) gGmbH, BGE TECHNOLOGY GmbH, IfG
Institut für Gebirgsmechanik GmbH, Technische
Universität Clausthal
1501518 A-B DCS-
Monitor
Grundlegende F&E-Arbeiten zu Methoden der
Zustandsüberwachung von Transport und
Lagerbehältern für abgebrannte Brennelemente und
wärmeentwickelnde hochradioaktive Abfälle bei verlängerter
Zwischenlagerung
Technische Universität Dresden, Hochschule Zittau/
Görlitz
1501538A,
RS1550B
SimSEB Weiterentwicklung der Analysemethoden zur
Simulation der Schädigung und der induzierten
Erschütterungen in Stahlbetonstrukturen infolge
stoßartiger Belastungen
Technische Universität Kaiserslautern, Gesellschaft
für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) gGmbH
(Anmerkung: FZK RS1550B (GRS) wird der
Reaktorsicherheitsforschung zugeordnet.)
RS1553A,
1501543B
ProbBau Methodik zur zuverlässigkeitsorientierten
Nachrechnung und Bewertung bestehender
kerntechnischer Bauwerke mit verlängerter Nutzungsdauer
Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit
(GRS) gGmbH, Technische Universität
Kaiserslautern
Das BMBF fördert im Rahmen seiner ausdrücklich auf Nachwuchsförderung
ausgerichteten Projektförderung Forschungsverbundvorhaben zwischen HGF-
Einrichtungen, Hochschulen und Unternehmen, die oft mit den oben beschriebenen,
BMWi-geförderten Verbundvorhaben vernetzt sind. Die im Jahr 2018 durch das
BMBF geförderten nationalen Verbundvorhaben mit Beteiligung von
Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind im Folgenden nach
Förderkennzeichen (FKZ) tabellarisch aufgelistet. Die Laufzeit der Projekte
erstreckt sich in der Regel über mehrere Jahre und beschränkt sich nicht nur auf das
dargestellte Jahr 2018.
Für den Bereich der Reaktorsicherheitsforschung:
FKZ Kürzel Titel Zuwendungsempfänger
02NUK027A-E SINABEL Verbundprojekt SINABEL: Sicherheit der
Nasslager für abgebrannte Brennelemente:
Experimentelle Analyse, Modellbildung und
Validierung für System- und CFD-Codes
TU Dresden, Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf,
Hochschule Zittau/Görlitz
02NUK041A-D PANAS Verbundprojekt PANAS: Untersuchungen zu
passiven Nachzerfallswärme-Abfuhrsystemen
TU Dresden, Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf,
Framatome GmbH, Technische Hochschule
Deggendorf
Für den Bereich der Entsorgungsforschung:
FKZ Kürzel Titel Zuwendungsempfänger
02NUK039A-E ThermAc Verbundprojekt ThermAc: Aufklärung von
Thermodynamik und Speziation von Actiniden
bei höheren Temperaturen in Kombination von
Schätzmethoden, spektroskopischen und
quantenchemischen Methoden
Karlsruher Institut für Technolgie (KIT), Helmholtz-
Zentrum Dresden-Rossendorf, Universität Heidelberg,
Forschungszentrum Jülich, TU München
02NUK046A-C FENABIUM Verbundprojekt FENABIUM: Struktur-
Wirkungsbeziehungen zwischen f-Elementen und
organischen Ligandsystemen mit
naturstoffbasierten Bindungsfunktionen in Hinblick auf
eine mögliche Mobilisierung in der Umwelt
TU Dresden, Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf,
Universität Leipzig
02NUK051A-E TRANS-
LARA
Verbundprojekt TRANS-LARA: Transport-
und Transferverhalten langlebiger
Radionuklide entlang der kausalen Kette Grundwasser-
Boden-Oberfläche-Pflanze unter
Berücksichtigung langfristiger klimatischer Veränderungen
Universität Hannover, Helmholtz-Zentrum Dresden-
Rossendorf, Universität Jena, Universität Bremen,
Öko-Institut – Institut für angewandte Ökologie e. V.
13. Gehört die Erforschung von Möglichkeiten zur Endlagerung
wärmeentwickelnder Abfälle und/oder zur Wiederaufarbeitung oder Transmutation nach
Auffassung der Bundesregierung ebenfalls zum Bereich „Reaktorsicherheit
in Europa“?
Wenn nein, weshalb nicht, und wenn ja, in welcher konkreten Form beteiligt
sich die Bundesregierung an der Weiterentwicklung zugehöriger Konzepte?
Das 7. Energieforschungsprogramm weist die Schaffung einer erweiterten,
fundierten Wissens- und Entscheidungsbasis durch Untersuchungen zu alternativen
Entsorgungsstrategien und zu im Ausland präferierten Entsorgungsoptionen als
eines der strategischen Ziele der Bundesregierung aus.
Obwohl diese Untersuchungen dem Bereich der Entsorgungsforschung
zuzuordnen sind, sollen hier auch Methoden und Werkzeuge der
Reaktorsicherheitsforschung zum Einsatz kommen.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 9 verwiesen.
14. Ist nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen der internationalen
Zusammenarbeit die Expertise und Kompetenz auch deutscher
Forschungseinrichtungen im Zusammenhang der Stilllegungsentscheidung betreffend das
französische KKW Fessenheim abgerufen worden?
Wenn nein, worauf führt die Bundesregierung dies zurück, und wenn ja, zu
welchen Fragestellungen konnten sich deutsche Forschungseinrichtungen
einbringen?
15. Ist nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen der internationalen
Zusammenarbeit die Expertise und Kompetenz auch deutscher
Forschungseinrichtungen im Zusammenhang mit einem sicheren Betrieb der französischen
KKW-Anlagen in Tihange und Cattenom abgerufen worden, oder ist dies für
die Zukunft absehbar?
Wenn nein, worauf führt die Bundesregierung dies zurück, und wenn ja, zu
welchen Fragestellungen konnten sich deutsche Forschungseinrichtungen
einbringen?
Die Fragen 14 und 15 gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung unterstützt mit ihrer Forschungsförderung explizit die
Mitwirkung deutscher Forschungsstellen und Expertinnen und Experten in
internationalen Forschungsprojekten und Gremien (siehe hierzu auch die Antwort zu den
Fragen 2 und 4). Dabei bringen die beteiligten deutschen
Forschungseinrichtungen ihre Expertise und Kompetenz zu sicherheitstechnischen Fragestellungen,
auch Anlagen im Ausland betreffend, regelmäßig ein. Denn angesichts des
möglichen grenzüberschreitenden Charakters der Betriebsrisiken liegt es auch
langfristig im deutschen Sicherheitsinteresse, die Entwicklungen im benachbarten
Ausland hinsichtlich bestehender und geplanter Anlagen auch aus fachlicher
Sicht verfolgen zu können.
Ein Beispiel mit Relevanz für französische Anlagen, darunter auch das KKW
Cattenom, ist die durch BMWi geförderte Beteiligung der GRS an
Untersuchungen am französischen Modellcontainment VeRCoRs (Vérification réaliste du
confinement des réacteurs). Untersucht wird hierbei die Integrität von
Containmentstrukturen französischer Bauart.
Darüber hinaus greift die Forschungsförderung aktuelle sicherheitstechnisch
relevante Fragestellungen auf, die sich für Anlagen im Ausland ergeben. So werden
bereits seit dem Jahr 2015 durch das BMWi Forschungsarbeiten an der
Universität Stuttgart und der RWTH Aachen gefördert, die wissenschaftliche
Fragestellungen zu den Befunden in den Reaktordruckbehältern der belgischen Reaktoren
Doel-3 und Tihange-2 aufgreifen (FZK 1501499: „Untersuchungen zur
Integritätsbewertung von Rissfeldern in dickwandigen Schmiedestücken“; FZK
1501513A-B: „Experimentelle und numerische Untersuchungen zu
Mehrfachrissen in Komponenten der druckführenden Umschließung“). Die in den
Forschungsvorhaben erzielten Ergebnisse werden zwischen den deutschen und
belgischen Expertinnen und Experten ausgetauscht.
16. Wie viele KKW-Anlagen befinden sich nach Kenntnis der Bundesregierung
derzeit weltweit in der Bau- oder Planungsphase (Angaben bitte nach
Ländern aufschlüsseln)?
Nach Angabe der IAEO befinden sich derzeit weltweit 55 Kernreaktoren in der
Bauphase. Die Neubauten verteilen sich auf folgende Staaten: Argentinien (1
Reaktor), Bangladesch (2), Brasilien (1), China (11), China (Taiwan) (2,
Bauarbeiten nach Kenntnis der Bundesregierung unterbrochen), Finnland (1), Frankreich
(1), Indien (7), Japan (2), Korea, Republik (5), Pakistan (2), Russische Föderation
(6), Slowakei (2), Türkei (1), Vereinigte Arabische Emirate (4), Vereinigtes
Königreich (1), Ukraine (2, Bauarbeiten nach Kenntnis der Bundesregierung
unterbrochen), Vereinigte Staaten (2) sowie Weißrussland (2).
Bei weiteren 81 Kernreaktoren ist derzeit nach Angabe der IAEO ein Bau geplant.
Andere Organisationen berichten teilweise eine hiervon abweichende Anzahl, da
die Kriterien, ab wann ein angedachtes Projekt die Planungsphase erreicht hat,
nicht einheitlich gewählt werden.
17. Ist es nach Kenntnis der Bundesregierung beabsichtigt, im Rahmen der
internationalen Zusammenarbeit die Expertise und Kompetenz auch deutscher
Forschungseinrichtungen für einen sicheren Betrieb dieser KKW-Anlagen
abzurufen, oder erwartet die Bundesregierung dies für die Zukunft?
Gibt es in dieser Hinsicht irgendwelche Kooperationen oder
wissenschaftlichen Austauschforen, auf denen auch deutsche Forschungseinrichtungen
aktive und gefragte Gesprächsteilnehmer wären?
Wenn nein, worauf führt die Bundesregierung dies zurück, und wenn ja, zu
welchen Fragestellungen bringen sich deutsche Forschungseinrichtungen
dort ein oder wollen sich einbringen?
Das 7. Energieforschungsprogramm weist den Erhalt und Ausbau
sicherheitstechnischer Kompetenz zur Beurteilung und Weiterentwicklung der Sicherheit
nuklearer Anlagen im Ausland einschließlich neuer Reaktorkonzepte, die sich
international in Bau oder Entwicklung befinden, als eine strategische Zielstellung
der Reaktorsicherheitsforschung der Bundesregierung aus. Entsprechend
unterstützt die Bundesregierung die Einbindung deutscher Forschungsstellen und ihrer
Expertinnen und Experten in internationale Forschungsprojekte und Gremien,
soweit dies mit der Entscheidung Deutschlands, aus der gewerblichen Nutzung der
Kernenergie zur Stromerzeugung auszusteigen, vereinbar ist. Die Forschung zur
Entwicklung neuer Reaktorkonzepte wird seitens der Bundesregierung nicht
unterstützt. Wesentlich hierbei ist insbesondere die aktive und konstruktive
Mitarbeit in den multilateralen und internationalen Organisationen Euratom, OECD/
NEA und IAEO. Diese Mitarbeit stellt gleichzeitig einen maßgeblichen Beitrag
dar, um dauerhaften Einfluss Deutschlands auf die Reaktorsicherheit in Europa
und weltweit zu gewährleisten.
Hinsichtlich der Ausgestaltung der Mitarbeit wird im Übrigen auf die Antwort zu
den Fragen 2, 4, 6 und 7 sowie 14 und 15 verwiesen.
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ISSN 0722-8333]