[Deutscher Bundestag Drucksache 17/1006
17. Wahlperiode 15. 03. 2010 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Jan Korte,
Christine Buchholz, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/866 –
Polizei- und Zolleinsätze im Ausland (Stand viertes Quartal 2009)
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Auslandseinsätze von Polizeibeamtinnen und -beamten entwickeln sich
immer mehr zu einem Mittel deutscher und EU-Außenpolitik. Die Militärdoktrin
der Europäischen Union, die sogenannte Europäische Sicherheitsstrategie,
sieht ausdrücklich den kombinierten Einsatz militärischer und ziviler (d. h.
auch polizeilicher) Mittel vor, um „einen besonderen Mehrwert“ zu erzielen.
Diese Entwicklung ist aus mehreren Gründen besorgniserregend.
So leistet sie der Vermischung von polizeilichen und militärischen
Zuständigkeiten Vorschub. Die Grenzen zwischen Polizei und Militär drohen zu
verschwimmen. Das gilt umso mehr, als gerade bei Einsätzen in Kriegs- und
Krisengebieten Polizisten immer wieder in lebensbedrohliche Situationen
kommen. Diese dienen dann wiederum als Legitimation für eine Aufrüstung
der Polizei, bis hin zu Überlegungen, schwerbewaffnete Einheiten der
Bundespolizei speziell für Auslandseinsätze aufzustellen.
Hinzu kommt, dass für polizeiliche Auslandseinsätze keinerlei
parlamentarische Zustimmung erforderlich ist. Je nach Rechtsgrundlage ist noch nicht
einmal die Information des Deutschen Bundestages vorgeschrieben. Damit wird
ein wichtiger Bereich der Außenpolitik der parlamentarischen Kontrolle
entzogen. Bedenklich ist dies vor allem wegen der gerade bei Einsätzen in
Kriegs- und Krisengebieten stets vorhandenen Eskalationsgefahr.
Ähnliches gilt für Einsätze von Zollbeamtinnen und -beamten. Auch für ihre
Entsendung ins Ausland ist keine Zustimmung des Bundestages erforderlich.
Mit einigem Unverständnis bewerten die Fragesteller die Tatsache, dass die
Bundesregierung auf die bisherigen einschlägigen Anfragen der Fraktion DIE
LINKE. keine Angaben zu sicherheitsrelevanten Vorfällen machen konnte
oder wollte, denen deutsche Polizeibeamte in ihren Missionen ausgesetzt
waren. Nach Ansicht der Fraktion DIE LINKE. gehört die Erfassung solcher
Vorfälle zur Sorgfaltspflicht der Bundesregierung. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 11. März 2010
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/1006 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeVo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Kleine Anfrage beinhaltet Fragen, die im Wesentlichen identisch sind mit
den Fragen der Kleinen Anfragen der Fraktion DIE LINKE. vom 1. September
2008 (Bundestagsdrucksache 16/10182), vom 20. November 2008
(Bundestagsdrucksache 16/11009), vom 9. Dezember 2008 (Bundestagsdrucksache
16/3341), vom 22. April 2009 (Bundestagsdrucksache 16/12773), vom 27. Juli
2009 (Bundestagsdrucksache 16/13849) und vom 12. November 2009
(Bundestagsdrucksache 17/26).
Zur Vermeidung von Wiederholungen wird insoweit auf die Antworten der
Bundesregierung vom 17. September 2008 (Bundestagsdrucksache 16/10252),
vom 8. Dezember 2008 (Bundestagsdrucksache 16/11314), vom 5. Januar 2009
(Bundestagsdrucksache 16/11548), vom 11. Mai 2009 (Bundestagsdrucksache
16/12968), vom 14. August 2009 (Bundestagsdrucksache 16/13897) und vom
27. November 2009 (Bundestagsdrucksache 17/84) verwiesen. Veränderungen
werden ergänzend dargestellt.
1. An welchen bi- und multilateralen Missionen sind derzeit deutsche
Polizistinnen und Polizisten (bitte aufgliedern nach Bundesländern,
Zugehörigkeit zu Bundespolizei/Bundeskriminalamt – BKA) sowie Zollbeamtinnen
und - beamte beteiligt?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen. Veränderungen
sind nachfolgend dargestellt:
a) Welche rechtliche Grundlage hat die Mission, wer ist Missionsträger
bzw. wer hat gegebenenfalls das Mandat erteilt, welche
Mandatsobergrenze ist vorgesehen, und welche tatsächliche Gesamtstärke hat die
Mission derzeit?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen. Veränderungen
sind nachfolgend dargestellt:
Stärken: (Stand: 1. März 2010)
UNMIK EUPM EUMM
GEO
UNMIL UNMIS UNAMID EUPOL
COPPS
EU
BAM
Rafah
EU
BAM
MD/UA
GPPT
AFG
EUPOL
AFG
EULEX
Bundespolizei 0 2 8 1 3 4 1 1 1 53 7 15
BKA 0 0 0 0 0 0 0 0 0 2 1 2
Zoll 0 0 0 0 0 0 0 0 9 0 0 1
Länderpolizeien 1 5 5 4 2 1 2 0 0 72 22 61
Gesamt 1 7 13 5 5 5 3 1 10 127 30 79 286
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/1006b) Welchen Auftrag haben die Polizistinnen und Polizisten sowie
Zollbeamtinnen und -beamten?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
c) Wann wird die Mission voraussichtlich beendet sein?
2. Wie viele deutsche Polizistinnen und Polizisten sowie weiteres ziviles
Personal (bitte aufgliedern nach Bundesländern, Zugehörigkeit zu
Bundespolizei/BKA sowie entsendenden Dienststellen) bzw. Zollbeamtinnen und
-beamte sind dabei jeweils eingesetzt?
a) Welche konkreten Aufgaben verrichten sie dort (bitte jeweils die
einzelnen Personalzahlen angeben)?
b) An welchen Orten sind sie eingesetzt?
c) In welchen Stäben, Einrichtungen und Stellen sind sie tätig (bitte
jeweils die einzelnen Personalzahlen angeben)?
d) Wie bewertet die Bundesregierung die Relation von
Mandatsobergrenze, derzeitigem tatsächlichem Gesamtumfang und dem Umfang der
deutschen Beteiligung?
e) Inwieweit beabsichtigt die Bundesregierung eine Veränderung
hinsichtlich der Art und/oder des Umfangs der deutschen Beteiligung, und bis
wann soll diese umgesetzt sein (bitte gegebenenfalls konkrete Angaben
und Zahlen zu den einzelnen Missionen machen)?
Zu den Fragen 2a, 2b und 2e
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
Mission Derzeitige Gesamtstärke
Polizei/Zoll
UNMIK, Kosovo 7
UNMIL, Liberia 1 357
UNMIS, Sudan 646
UNAMID, Sudan 2 848
EUPOL AFG, Afghanistan 172
EU BAM MD/UA, Moldau/Ukraine 102
EULEX, Kosovo 1 117
EUPOL COPPS, Paläst. Autonomiegebiete 27
EU BAM Rafah 16
EUPM BuH, Bosnien-Herzegowina 88
EUMM, Georgien 76
Mission Derzeitiges Mandatsende
EUBAM Rafah 24. Mai 2010
EUBAM Moldau/Ukraine 30. November 2011
EUPM 31. Dezember 2011
Drucksache 17/1006 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeZu Frage 2c
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen. Veränderungen
sind nachfolgend dargestellt:
Zu Frage 2d
Deutschland beteiligt sich mit einer Gesamtstärke von 286 eingesetzten
Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten (PVB)/Zollbeamtinnen und -beamten
angemessen.
3. Wie viele der im Rahmen des German Police Project Teams sowie EUPOL
in Afghanistan eingesetzten deutschen Polizeibeamten sind Kurzeit- bzw.
Langzeitexperten?
Im German Police Project Team sind 84 Kurzzeit- und 43 Langzeitexperten
eingesetzt. Bei der Mission EUPOL Afghanistan gibt es diese Unterscheidung nicht.
Anzahl Bund/Land Einsatzort Tätigkeit
15 BPOL Kabul, Mazar-e Sharif,
Feyzabad
Leitender Polizeiberater, Sachbearbeiter Lage/Analyse/
Sicherheit, Bearbeiter Logistik, IT-Administrator,
Berater Flughafen, Verbindungsbeamter CTSC-A/
NTM-A, Leiter Mentorenteam Akademie, FDD-
Koordinator, PTC-Koordinator, Leiter Führungsstab
Außenstelle, Projektkoordinator, Leiter Außenstelle,
Bearbeiter Personal
11 NW Kabul, Mazar-e Sharif,
Kunduz, Feyzabad
Stellvertreter; Gesamtkoordinator FDD/Training,
Projektkoordinator; Sachbearbeiter Personal;
Trainingsberater; Leiter Außenstelle, Trainingskoordinator;
FDD-Koordinator, Bearbeiter Logistik
4 NI Kabul Gesamtkoordinator Bau, Bearbeiter Lage/Analyse/
Sicherheit/Sachbearbeiter Logistik, PTC-Koordinator
2 BKA Kabul Leiter Führungsstab, Projektkoordinator
3 BY Kabul, Feyzabad Bearbeiter Lage/Analyse/Sicherheit, Bearbeiter
Logistik, Koordinator Training/FDD
1 TH Kabul Bearbeiter Logistik
2 BR Mazar-e Sharif Stellvertreter Leiter Außenstelle; Trainingskoordinator
3 HE Mazar-e Sharif Sachbearbeiter Personal, Sachbearbeiter Logistik,
Trainingskoordinator
1 SN Mazar-e Sharif Bearbeiter Logistik
1 HH Kunduz Projektkoordinator
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/10064. Wie viele Verbindungsbeamtinnen und -beamte des BKA halten sich
derzeit in welchen Ländern auf (bitte jeweils die Einsatzländer und -orte
sowie die zugehörige Zahl von Beamtinnen/Beamten angeben)?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen. Aktuell sind
68 BKA-Verbindungsbeamte an 55 Standorten in 52 Staaten eingesetzt.
Veränderungen sind nachfolgend dargestellt:
5. Wie viele deutsche Polizeibeamte werden derzeit im Ausland als
a) Dokumentenberater,
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen. Veränderungen
sind nachfolgend dargestellt:
b) Sicherheitsbeamte,
c) grenzpolizeiliche Verbindungsbeamte,
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
d) Unterstützungskräfte sowie Berater in Fragen der Grenzsicherheit
eingesetzt (bitte jeweils, d. h. zu jedem Unterpunkt Einsatzland und -ort
sowie die Zahl der eingesetzten Polizeibeamten nennen und angeben,
ob sie vom BKA, der Bundespolizei oder einer Länderpolizei gestellt
werden)?
6. Wie viele deutsche Polizeibeamte wurden im Jahr 2009 im Rahmen der
Europäischen Agentur für die operative Zusammenarbeit an den
Außengrenzen (FRONTEX) eingesetzt
a) als Dokumentenberater im Rahmen welcher Operationen, und an
welchen Standorten,
b) als Mitarbeiter in der Warschauer Zentrale (bitte mit der jeweiligen
Funktion auflisten),
c) als Teilnehmer von Operationen zur Überwachung und Kontrolle der
Außengrenzen, die deutsches Gerät aus der FRONTEX-„tool box“
bedienen (bitte mit Einsatzstandort und jeweiligem Tätigkeitsprofil),
d) als Mitglied der Rapid Border Intervention Teams (RABIT) und
e) welche Melde- und Berichtswege zwischen diesen Beamten und deren
deutscher Führungsstelle bestehen für die einzelnen operativen Bereiche?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
Land/Ort Anzahl der Verbindungsbeamten
Südafrika/Pretoria 1
Panama/Panama-Stadt 1
Land/Ort Anzahl
Jordanien, Amman 2
Ägypten, Kairo 2
Türkei, Ankara 1
Land/Ort Anzahl
Libanon, Beirut 2 BPOL
Drucksache 17/1006 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode7. Wie viele deutsche Polizeibeamte werden zum gegenwärtigen Zeitpunkt
im Rahmen der Europäischen Agentur für die operative Zusammenarbeit
an den Außengrenzen (FRONTEX) eingesetzt
a) als Dokumentenberater im Rahmen welcher Operationen und an
welchen Standorten,
b) als Mitarbeiter in der Warschauer Zentrale (bitte mit der jeweiligen
Funktion auflisten),
c) als Teilnehmer von Operationen zur Überwachung und Kontrolle der
Außengrenzen, die deutsches Gerät aus der FRONTEX-„tool box“
bedienen (bitte mit Einsatzstandort und jeweiligem Tätigkeitsprofil),
d) als Mitglied der Rapid Border Intervention Teams (RABIT)?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
8. Welche Informationen liegen der Bundesregierung vor bezüglich
sicherheitsrelevanter Vorfälle, in die deutsche Polizistinnen und Polizisten sowie
Zollbeamtinnen und -beamte im Jahr 2009 involviert bzw. denen sie
ausgesetzt waren?
Wie viele deutsche Polizistinnen und Polizisten wurden im Jahr 2009
während ihrer Auslandsaufenthalte verletzt oder getötet (bitte nach
Aufenthaltsländern darstellen und Fälle von Fremdverschulden schildern)?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
9. Wie bewertet die Bundesregierung die politische und militärische
Gefährdungslage in den jeweiligen Einsatzgebieten (bitte Veränderungen
darstellen)?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen. Veränderungen
sind in den Einsatzgebieten eingetreten, die nachfolgend dargestellt sind:
Politische Lage
UNMIL (Liberia)
Insgesamt hat der Friedensprozess seit Einrichtung von UNMIL Fortschritte
gemacht. Die politischen Verhältnisse in Liberia bleiben aber fragil, wie
gewalttätige Auseinandersetzungen mit religiösem Hintergrund am 26. Februar
im Norden Liberias gezeigt haben. Die für 2011 anstehenden Parlaments- und
Präsidentschaftswahlen werfen bereits ihre Schatten voraus. Nach allgemeiner
Einschätzung besteht derzeit aber nur ein geringes Risiko, dass die VN-Mission
in einen gewaltsamen Konflikt verwickelt werden könnte. Im September wurde
die Reduzierung der Truppenstärke von UNMIL um ca. 2 000 Soldaten bis Mai
2012 entschieden, der weitere Abbau soll erst nach den Wahlen 2011 erfolgen.
Die Polizeikomponente der Mission wird vorerst nicht reduziert. Gleichzeitig
hat der VN-Sicherheitsrat am 15. September 2009 einstimmig die weitere
Verlängerung des UNMIL-Mandats bis zum 30. September 2010 beschlossen.
UNAMID/UNMIS (Sudan)
Die Lage in Darfur ist weiterhin instabil. Unter katarischer Vermittlung haben
die Regierung des Sudan und die Rebellengruppe „Justice and Equality
Movement“ (JEM) am 23. Februar 2010 in Doha ein Rahmenabkommen und ein
Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Die Auseinandersetzungen
zwischen der Regierung des Sudan und der Rebellengruppe Sudan Liberation
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/1006Army unter Abdelwahid Nur haben hingegen wieder deutlich zugenommen.
Übergriffe auf Flüchtlingscamps und kriminelle Angriffe auf Transporte und
Personen (Vergewaltigungen, Raubüberfälle und Diebstähle) sind
gleichbleibend hoch. Auch UNAMID ist davon betroffen.
Die Sicherheitslage im Einsatzgebiet von UNMIS im Südsudan ist angespannt,
insbesondere wegen einer Reihe immer wieder aufflammender tribaler
Konflikte. Der Nord-Süd-Friedensprozess zur Umsetzung des umfassenden
Friedensabkommens (CPA) im Sudan geht voran, Der Schwerpunkt liegt derzeit
auf den für April 2010 geplanten Wahlen.
EUPOL/Deutsches bilaterales Polizeiberaterteam (Afghanistan)
Innerhalb des zivilen Wiederaufbaus Afghanistans messen die afghanische
Regierung und die internationale Gemeinschaft dem Aufbau und der Ausbildung
der Polizei zentrale Bedeutung bei. Ziel ist, die Sicherheitsverantwortung im
Land schrittweise an funktionierende afghanische Institutionen zu übertragen.
Dazu leisten EUPOL und das bilaterale deutsche Polizeiberaterteam wichtige
Beiträge. Die Sicherheitslage in Afghanistan bleibt stark angespannt, die
Bedrohung in weiten Landesteilen ist unverändert erheblich. Bei der Verteilung
der sicherheitsrelevanten Zwischenfälle auf die Regionen wird das aus den
Vorjahren bekannte Bild der „Zweiteilung Afghanistans“ bestätigt. Mehr als
90 Prozent der Vorfälle entfallen auf den Süden und Osten (hier insbesondere
auf die Provinzen an bzw. nahe der pakistanischen Grenze), weniger als zehn
Prozent auf den Westen, den Norden und die Landeshauptstadt Kabul. Die
Bedrohungslage im Raum des Provincial Reconstruction Team (PRT) Kunduz ist
und bleibt durch Aktivitäten der gegnerischen Kräfte (Opposing Military
Forces) erheblich. Hier haben sich die sicherheitsrelevanten Zwischenfälle
2009 im Vergleich zum Vorjahr auch deutlich erhöht.
EUPOL COPPS/EUBAM (Palästinensische Autonomiegebiete)
Die Bemühungen zum Wiederanstoß des Nahostfriedensprozesses werden
fortgeführt. Es besteht grundsätzlich uneingeschränkte Bewegungsfreiheit
innerhalb der Westbank für Angehörige der Polizeimission. Aufgrund des immer
wieder auch in bewaffnete Auseinandersetzungen eskalierenden Konfliktes
zwischen Israel und den Palästinensern sowie wegen des
innerpalästinensischen Konfliktes zwischen Hamas und Fatah liegt aktuell auch im
Westjordanland ein erhöhtes Sicherheitsrisiko vor. Missionsangehörige sind
aufgefordert, Punkte gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Israelis und
Palästinensern und zwischen palästinensischen Fraktionen zu meiden. Darüber
hinausgehende spezifische Risiken bestehen für die Polizeimission aber nicht.
Für den Gazastreifen gilt eine Reisewarnung. Seit dem Ende der israelischen
Militäroffensive am 18. Januar 2009 herrscht im Gazastreifen eine fragile
Waffenruhe. Eine Gefährdung durch mögliche Kampfhandlungen und
Entführungen westlicher Ausländer sind dort weiterhin nicht auszuschließen. In
israelischen Städten in der Grenzregion zum Gazastreifen besteht weiterhin das
Risiko von sporadischem Raketenbeschuss.
Militärische Lage
Die Bedrohungslage in Kabul wird mit „mittel“ bewertet.
Drucksache 17/1006 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode10. Welche mittlerweile abgeschlossenen Ausbildungsmaßnahmen für
ausländische Sicherheitskräfte haben deutsche Polizeibeamtinnen und -
beamte seit Beantwortung der letzten diesbezüglichen Anfrage
(Bundestagsdrucksache 17/84) begonnen bzw. an welchen waren sie beteiligt?
a) Wie lauteten die Bezeichnungen der Maßnahmen, und wo fanden sie
statt?
b) Was waren die Ziele der Maßnahmen, wann haben sie begonnen, und
wann wurden sie beendet?
c) Wie vielen und welchen ausländischen Sicherheitskräften wurde
welche Art der Ausbildung gewährt?
d) Worin bestanden die Aufgaben und Tätigkeiten der deutschen
Polizeibeamtinnen und -beamten, und in welchen Stäben, Einrichtungen und
sonstigen Stellen waren sie vertreten?
e) Wie viele deutsche Polizeibeamtinnen und -beamte waren jeweils an
den Maßnahmen beteiligt (bitte für die einzelnen Maßnahmen
detailliert ausweisen)?
f) Welche Kosten entstanden der Bundesrepublik Deutschland für die
Ausbildungsmaßnahmen, und aus welchen Haushaltstiteln wurden
diese bestritten?
Zu den Fragen 10b und 10d
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen. Veränderungen
sind nachfolgend dargestellt:
Bundespolizei
Land Bezeichnung Zeitraum Maßnahme Kosten Ort
Aserbaidschan Multiplikatorenschulung
zu Maßnahme 1
28.09.–02.10.2009 Lehrgang 2 135 € Berlin
Bosnien und
Herzegowina
Multiplikatorenausbildung
Beweissicherung und
Dokumentation, Einsatztraining
und Diensthundeausbildung
01.03.–13.03.2009 Lehrgang 6 259,49 € Sarajewo
Bosnien und
Herzegowina
Einsatzbegleitende
Fortbildung
23.04.–02.05.2009 Lehrgang 4 809,57 € Sarajewo
Bosnien und
Herzegowina
Ausbildung für
Diensthundemultiplikatoren der Border
Police
02.05.–09.05.2009 Lehrgang 294,40 € Sarajewo
Bosnien und
Herzegowina
Multiplikatorenausbildung in
den Bereichen Polizeitraining
und Ausbildung
geschlossener Einsatz
16.08.–25.08.2009 Lehrgang 7 090,37 € Sarajewo
Georgien Multiplikatorenschulung
„EU-/Schengenrecht und
dessen Umsetzung in
nationales Recht“
21.09.–25.09.2009 Lehrgang 4 516,68 € Georgien
Georgien Seminar „Schiffssicherung“
und „SAR-Einsatz“
20.09.–26.09.2009 Seminar 9 093,78 € Neustadt/
Holstein
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/1006Georgien Multiplikatorenschulung
„Grenzmanagement,
Grenzüberwachung, Einsatz von
Streifen“
26.10.–30.10.2009 Lehrgang 4 009,26 € Georgien
Kroatien Lehrgang zum Erkennen und
Bekämpfen von
Urkundenfälschungen
12.10–16.10.2009 Lehrgang 1 602,90 € Zagreb
Kroatien Multiplikatorenschulung
im Erkennen von
Urkundenfälschungen
04.10–14.05.2009 Lehrgang 2 127,26 € Zagreb
Serbien Ausbildung Bootsführer,
mit Prüfung
16.11.–11.12.2009 Lehrgang 39 041,94 € Sankt
Augustin
Türkei Lehrgang „Tatortarbeit
bei Großschadensereignissen
im Bahnverkehr“
28.09.–02.10.2009 Lehrgang 4 868,58 € Ankara
Türkei Lehrgang „Bekämpfung der
Urkundenkriminalität“
Basisbzw.
Fortgeschrittenenlehrgang
28.09.–02.10.2009 Lehrgang 2 014,46 € Ankara
Ukraine Durchführung eines Seminars
von Spezialisten der
Bundespolizei zum Thema
Schleusung/GASIM
28.09.–02.10.2009 Seminar 2 295,61 € Kiew
Ukraine Durchführung eines Seminars
von Spezialisten der
Bundespolizeidirektion St. Augustin
im Rahmen der Vorbereitung
auf die
Fußballeuropameisterschaft „EURO-2012“
22.09.–26.09.2009 Seminar 771,76 € Kiew
Weißrussland Lehrgang Bekämpfung der
Urkundenkriminalität und
des Dokumentenmissbrauchs
10.05.–15.05.2009 Lehrgang 3 384,03 € Minsk
Weißrussland Seminar an der
Bundespolizeiakademie zur Thematik
„Personalgewinnung,
Ausbildung und Fortbildung von
Polizeivollzugsbeamten“
31.08.–04.09.2009 Seminar 1 375,20 € Lübeck
Weißrussland Seminar „Bekämpfung
illegale Migration“
11.10.–18.10.2009 Seminar 3 466,00 € Minsk
Weißrussland Seminar Einweisung
Diensthundewesen
24.08.–28.08.2009 Seminar 2 671,33 € Minsk
Land Bezeichnung Zeitraum Maßnahme Kosten Ort
Drucksache 17/1006 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeBundeskriminalamt
Deutsches bilaterales Polizeiberaterteam Afghanistan
Zu Frage 10a
Kriminalpolizeiliche Aus- und Fortbildungen, insbesondere Tatortarbeit;
verbandspolizeiliche Fortbildung und polizeiliche Grundausbildung an den
deutschen Trainingsstätten (PTC) im Norden AFG. Zudem beteiligt sich
Deutschland am FDD Programm seit Januar 2009. Derzeit werden in acht Distrikten
rund 400 afghanische Polizisten ausgebildet und nachbetreut. Das deutsche
FDD-Engagement findet bisher ausschließlich in den Provinzen Balkh und
Badakhshan (Norden AFG) statt.
Land Bezeichnung Zeitraum Maßnahme Kalkulation Ort
Türkei Datenträgerauswertung 14.11.–21.11.2009 Lehrgang 3 000 € Ankara
Nigeria Moderne Ermittlungs- und
Fahndungsmethoden
16.11–20.11.2009 Lehrgang 12 000 € Lagos
Mazedonien Tatortarbeit
bei Kapitaldelikten
23.11.–04.12.2009 Lehrgang 13 000 € Skopje
Kasachstan Tatortarbeit
bei Kapitaldelikten
30.11.–11.12.2009 Lehrgang 14 000 € Astana
Marokko Zahlungskartenkriminalität 30.11.–04.12.2009 Lehrgang 5 000 € Rabat
Albanien Rauschgiftkriminalität
(Schwerpunkt Kontrollierte
Lieferungen)
07.12.–11.12.2009 Lehrgang 5 000 € Tirana
Ägypten Verhandlungen in Fällen
von Geiselnahmen und
Entführungen
09.12.–17.12.2009 Lehrgang 9 000 € Kairo
Russland Ausbildung afghanischer
Drogenpolizisten in Moskau
im Rahmen Nato-
Russlandrates
14.12.–17.12.2009 Lehrgang 3 000 € Moskau
Kamerun Tatortarbeit
bei Kapitaldelikten
14.12.–18.12.2009 Lehrgang 10 000 € Yaoundé
Pakistan Operative Ermittlungen und
Technik
12.01.–15.01.2010 Lehrgang 2 000 € Islamabad
Uganda Polizeiliche Einsatztaktiken
und Methoden
18.01.–22.01.2010 Lehrgang 6 000 € Masindi
Dominkanische
Republik
Verhandlungen in Fällen
von Geiselnahmen und
Entführungen
15.02.–26.02.2010 Lehrgang 10 000 € Santo
Domingo
Südafrika Zahlungskartenkriminalität 22.02.–05.03.2010 Workshop 10 000 € Kapstadt und
Johannesburg
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/1006Zu Frage 10c
Im Jahr 2009 wurden insgesamt 3 600 afghanische Polizisten ausgebildet.
Derzeit (Stand: 1. März 2010) befinden sich 930 Polizisten in Ausbildung, die
von deutschen Polizeibeamten durchgeführt wird.
Zu Frage 10e
2009 waren im bilateralen Polizeiprojekt insgesamt 142 Polizeibeamte und -
beamtinnen als Trainingsexperten eingesetzt.
11. Welche Ausbildungsmaßnahmen für ausländische Sicherheitskräfte
führen deutsche Polizeibeamtinnen und -beamte gegenwärtig durch bzw. an
welchen sind sie beteiligt?
a) Wie lautet die Bezeichnung der Maßnahmen, und wo finden sie statt?
b) Was ist Ziel der Maßnahmen, wann haben sie begonnen und bis wann
sind sie voraussichtlich beendet?
c) Wie vielen und welchen ausländischen Sicherheitskräften wird welche
Art der Ausbildung gewährt?
d) Worin bestehen die Aufgaben und Tätigkeiten der deutschen
Polizeibeamtinnen und -beamten, und in welchen Stäben, Einrichtungen und
sonstigen Stellen sind sie vertreten?
e) Wie viele deutsche Polizeibeamtinnen und -beamte sind jeweils an
den Maßnahmen beteiligt?
f) Welche Kosten entstehen dem Bund für die Ausbildungsmaßnahmen,
und aus welchen Haushaltstiteln werden diese bestritten?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen. Veränderungen
sind nachfolgend dargestellt:
Bundespolizei
Gegenwärtig finden keine Maßnahmen der Ausbildungshilfe statt.
Bundeskriminalamt
Land Bezeichnung Zeitraum Maßnahme Kalkulation Ort
Kolumbien Tatortarbeit bei
Kapitaldelikten
08.03.–19.03.2010 Lehrgang 25 000 €
Empfängerland
Drucksache 17/1006 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode12. Welche Ausbildungsmaßnahmen für ausländische Sicherheitskräfte sind
für die nächste Zukunft geplant, welche Kosten werden dem Bund dafür
entstehen, und aus welchen Haushaltstiteln sollen diese bestritten werden
(bitte nach dem Schema der vorangegangenen Frage beantworten)?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen. Veränderungen
sind nachfolgend dargestellt:
Bundespolizei
Land Bezeichnung Zeitraum Maßnahme kalkulierte
Kosten
Ort
Albanien 1 Woche Schulung
Urkundenfälschung, Grundlehrgang
2010 Lehrgang 3 000 € Tirana
Albanien 1 Woche Schulung
Urkundenfälschung,
Aufbaulehrgang
2010 Lehrgang 3 000 € Tirana
Aserbaidschan Schiffssicherung/
Rettungstraining/SAR
2. Quartal Lehrgang 6 500 € Neustadt/
Holstein
Aserbaidschan Internationales
Führungskräfteseminar/
Managementseminar
3. Quartal Seminar 2 000 € Lübeck
Bosnien und
Herzegowina
Erkennen von
Urkundenfälschungen, Grundlehrgang
2010 Lehrgang 3 000 € Sarajevo
Bosnien und
Herzegowina
Multiplikatorenausbildung
in: Schießausbildung,
Einsatztraining etc.
12.09.–23.09.2010 Lehrgang 6 500 € Sarajevo
Bosnien und
Herzegowina
Multiplikatorenausbildung
in: Beweissicherung,
Dokumentation,
Diensthundeführerausbildung etc.
24.04.–04.05.2010 Lehrgang 6 500 € Capljina
Bosnien und
Herzegowina
Multiplikatorenausbildung
in:
Diensthundeführerausbildung, Einsatzmaßnahmen
aus besonderem Anlass etc.
06.06.–16.06.2010 Lehrgang 6 500 € Bijejina
Georgien Multiplikatorenschulung
Grenzmanagement
Grenzüberwachung, Einsatz von
Streifen
II. Quartal Lehrgang 5 000 € Pirna
Georgien Schiffssicherung/
Rettungstraining/SAR
III. Quartal Lehrgang 5 000 € Neustadt/
Holstein
Georgien Internationales
Führungskräfteseminar/
Managementtraining
IV. Quartal Seminar 5 000 € Lübeck
Kroatien 4 Schulungen Luftsicherheit
an den kroatischen Flughäfen
2010 Lehrgang 7 000 € Kroatien
Kroatien 5 Tage Durchführung der
Maßnahmen in der 2.
Kontrolllinie und Durchführung
der Luftsicherheitsaufgaben
2010 Lehrgang 4 000 € Stuttgart
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/1006Montenegro Schulung im Bereich
Aufgabenwahrnehmung an einem
Flughafen und Evaluierung
IST-Stand zur Vorbereitung
Maßnahme 2
2010 Lehrgang 2 000 € Podgorica,
Tivat
Serbien Luftsicherheit Schulung 2010 Lehrgang 4 000 € Frankfurt/
Main
Serbien Lehrgang Erkennung
von Urkundenfälschungen
2010 Lehrgang 3 000 € Belgrad
Serbien Multiplikatorenschulung
Urkunden
2010 Lehrgang 4 000 € Belgrad
Serbien Flughafenpartnerschaft
Belgrad–Stuttgart
2010 Lehrgang 2 500 € Stuttgart
Serbien Seminar
Korruptionsbekämpfung
2010 Seminar 2 500 € Belgrad
Türkei „Risikoanalyse und
Schleusungskriminalität“ durch
Bundespolizeiakademie
02.–07.05.2010 Seminar 2 300 € Ankara
Türkei Lehrgang Bekämpfung
Urkundenkriminalität
Basis/
Fortgeschrittenenlehrgang in Ankara
2010 Lehrgang 2 200 € Ankara
Ukraine Langfristige Entsendung von
Lehrkräften (Polizeitrainer)
an die Akademie des
Grenzdienstes der Ukraine
2. Quartal Lehrgang 4 200 € Ukraine
Ukraine Seminar zum Thema Lösung
von Konfliktsituationen an
Grenzübergangsstellen
3. Quartal Seminar 2 500 € Ukraine
Usbekistan Schulung
Luftsicherheit/Flughafensicherheit
2010 Lehrgang 8 000 € Taschkent
Weißrussland Lehrgang für
Hubschrauberpiloten –
Nachtflugausbildung/BIF
2010 Lehrgang 5 000 €
Weißrussland
Weißrussland Seminar Risikoanalyse 3. Quartal Seminar 2 200 € Lübeck
Weißrussland Seminar Verhinderung der
illegalen Migration
2010 Seminar 2 200 € Minsk
Weißrussland Seminar zur
Dokumentensicherheit
2010 Seminar 1 600 € Minsk
Land Bezeichnung Zeitraum Maßnahme kalkulierte
Kosten
Ort
Drucksache 17/1006 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeBundeskriminalamt
13. In welchem Rahmen sind außerdem noch deutsche Polizistinnen und
Polizisten bzw. Zollbeamtinnen und -beamte im Ausland eingesetzt, und
welche Tätigkeiten verrichten sie dort (bitte nach Einsatzländern und -
orten sowie Zugehörigkeit zu Bundesländern/BKA/Bundespolizei
aufgliedern)?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
Land Bezeichnung Zeitraum Maßnahme Kalkulation Ort
Äthiopien Polizeiliche Einsatztaktiken
und Methoden
15.03.–19.03.2010 Lehrgang 6 000 €
Empfängerland
Liberia Bekämpfung der
Rauschgiftkriminalität
16.04.–25.04.2010 Lehrgang 8 000 €
Empfängerland
Nigeria Identifizierung
von Anschlagsopfern
29.05.–06.06.2010 Lehrgang 14 000 €
Empfängerland
Gabun Tatortarbeit
bei Kapitaldelikten
31.05.–04.06.2010 Lehrgang 10 000 €
Empfängerland
Gambia Bekämpfung der
Rauschgiftkriminalität
11.06.–20.06.2010 Lehrgang 8 000 €
Empfängerland
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ISSN 0722-8333]