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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Einsamkeit und die Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit

(insgesamt 15 Einzelfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

23.05.2019

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/988007.05.2019

Einsamkeit und die Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit

der Abgeordneten Dr. Andrew Ullmann, Michael Theurer, Renata Alt, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Britta Katharina Dassler, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Olaf in der Beek, Konstantin Kuhle, Oliver Luksic, Benjamin Strasser, Katja Suding, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Weltweit steigt die Zahl der Menschen, die sich einsam fühlen. Experten sprechen von einer „Einsamkeits-Epidemie“ in Industriestaaten, die zu erheblichen gesamtwirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen führe (Worsley, A. S.: Loneliness is a much more modern phenomenon than you might think, 2018). Studien zeigen, dass Einsamkeit das Risiko für chronischen Stress, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen, Demenz und einen frühen Tod erhöhen. Die Auswirkungen des Gefühls des Alleinseins auf die Mortalität verdeutlicht eine Studie der Brigham Young University. Darin zeigt sich, dass Einsamkeit in Bezug auf die Gesamtmortalität so schädlich ist wie Rauchen oder Adipositas (Holt-Lunstad, J., Smith, T. B., Laytibm B. J.: Social Relationships and Mortality Risk: A Meta-analytic Review, 2010).

In Japan, Großbritannien, Dänemark und Australien wird Einsamkeit bereits als ein ernstzunehmendes Problem für die öffentliche Gesundheit wahrgenommen und mit verschiedensten Maßnahmen dagegen vorgegangen (The Economist: Loneliness is a serious public-health problem, 2018). In Großbritannien beispielsweise wurde 2018 ein Ministerium für Einsamkeit eingerichtet (New York Times: U.K. Appoints a Minister for Loneliness, 2018). Auf der Website des Ministeriums heißt es, Einsamkeit sei auf dem Weg, „Großbritanniens gefährlichste Erkrankung zu werden“.

Auch in Deutschland sind viele Menschen von der Einsamkeit betroffen. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Splendid Research aus dem Jahr 2017 fühlen sich 12 Prozent der Deutschen häufig oder ständig einsam (Splendid Research GmbH: Wie einsam fühlen sich die Deutschen, 2017). Das Gefühl ist in allen Altersgruppen verbreitet. Besonders häufig fühlen sich Menschen in den Mittdreißigern einsam. Unter ihnen sind 18 Prozent betroffen. Auch eine Studie aus dem Jahr 2016 von der Ruhr-Universität Bochum zeigt, dass besonders Menschen zwischen 30 und 34 Jahren und über 65 Jahren das Gefühl der Einsamkeit empfinden (Luhmann, M., Hawkley, LC.: Age differences in loneliness from late adolescence to oldest age, 2016, DOI: 10.1037/dev0000117). Die die Bundesregierung tragende Koalition hat nun Maßnahmen zur Bekämpfung der Einsamkeit in allen Altersgruppen im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD für die 19. Legislaturperiode angekündigt (Koalitionsvertrag, S. 118).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen15

1

Wie viele Menschen in der Bundesrepublik Deutschland sind nach Kenntnis der Bundesregierung von Einsamkeit betroffen? Wie haben sich diese Zahlen in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte nach Jahren und Altersgruppen aufschlüsseln)?

2

Stellt nach Auffassung der Bundesregierung Einsamkeit ein Problem für die öffentliche Gesundheit in der Bundesrepublik Deutschland dar?

3

Wie bewertet die Bundesregierung das Ausmaß des Problems von Einsamkeit für die öffentliche Gesundheit in der Bundesrepublik Deutschland?

4

Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die gesundheitlichen und gesamtwirtschaftlichen Kosten, die infolge der Vereinsamung der Bevölkerung auftreten?

5

Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus dem hohen Anteil von Menschen in den Mittdreißigern, die sich einsam fühlen? Welchen Handlungsbedarf sieht die Bundesregierung?

6

Wird nach Auffassung der Bundesregierung ausreichend viel gegen das Phänomen der Vereinsamung unternommen?

7

Welche konkreten Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um gegen das Phänomen Einsamkeit vorzugehen?

8

In welchem Umfang und mit welchen Mitteln werden Initiativen gefördert?

9

Werden Initiativen gefördert, die konkret auf Menschen in den Mittdreißigern abzielen? Wenn nicht, warum nicht?

10

Welche konkreten Strategien und Konzepte werden zukünftig umgesetzt, um Einsamkeit in allen Altersgruppen vorzubeugen?

11

Plant die Bundesregierung, eine Koordinationsstelle für Einsamkeit einzurichten?

12

Ist nach Auffassung der Bundesregierung die Gründung eines eigenen Ressorts, wie es in Großbritannien der Fall ist, sinnvoll, um gegen das Phänomen der Einsamkeit vorzugehen?

13

Was kann nach Auffassung der Bundesregierung auf globaler Ebene unternommen werden, um dem weltweiten Gesundheitsproblem der Einsamkeit entgegenzuwirken?

14

Welche Initiativen gegen die Vereinsamung erachtet die Bundesregierung auf globaler Ebene als sinnvoll?

15

Welche Initiativen werden bereits von der Bundesregierung unterstützt, und in welchem Umfang?

Berlin, den 2. Mai 2019

Christian Lindner und Fraktion

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