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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Die Afrikanische Schweinepest und die Versorgung mit Schweinefleisch
(insgesamt 13 Einzelfragen)
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
Datum
13.08.2019
Antwortdauer
18 Tage
Aktualisiert
26.07.2022
Offizielle Quellen und Volltext
Die verlinkten PDFs stammen direkt vom Dokumentenserver des Deutschen Bundestages.
BT19/1195226.07.2019
Die Afrikanische Schweinepest und die Versorgung mit Schweinefleisch
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/11952
19. Wahlperiode 26.07.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Karlheinz Busen, Carina Konrad, Frank Sitta, Nicole Bauer,
Dr. Gero Clemens Hocker, Renata Alt, Jens Beeck,
Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber,
Daniel Föst, Thomas Hacker, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand,
Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek,
Gyde Jensen, Dr. Christian Jung, Thomas L. Kemmerich, Dr. Marcel Klinge,
Daniela Kluckert, Pascal Kober, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte,
Roman Müller-Böhm, Dr. Martin Neumann, Hagen Reinhold, Bernd Reuther,
Dr. Wieland Schinnenburg,Matthias Seestern-Pauly, Judith Skudelny,
Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Katja Suding,
Michael Theurer, Stephan Thomae, Sandra Weeser, Nicole Westig
und der Fraktion der FDP
Die Afrikanische Schweinepest und die Versorgung mit Schweinefleisch
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie entwickelte sich der Selbstversorgungsgrad in Deutschland bei
Schweinefleisch innerhalb der letzten zehn Jahre nach Kenntnis der
Bundesregierung?
2. Welche Staaten stellen nach Kenntnis der Bundesregierung die
bedeutendsten Handelspartner Deutschlands auf dem Markt für Schweinefleisch
innerhalb dieses Zeitraums dar?
3. Wie wird sich die globale Nachfrage nach Schweinefleisch nach Kenntnis
der Bundesregierung zukünftig entwickeln?
Welche Staaten werden dabei einen besonderen Nachfrageanstieg
verzeichnen?
4. Welche Folgen für den Markt von Schweinefleisch wird die aufgrund der
Afrikanischen Schweinepest hervorgerufene prognostizierte steigende
Nachfrage aus China nach Einschätzung der Bundesregierung kurz-, mittel-
und langfristig mit sich bringen (www.tagesschau.de/wirtschaft/china-
schweinepest-deutschland-101.html)?
5. Welche kurz-, mittel- und langfristigen Folgen für den Markt von
Schweinefleisch hat die rückläufige Zahl an Lebenseinfuhren von Schlachtschweinen
nach Einschätzung der Bundesregierung (www.tagesschau.de/wirtschaft/
china-schweinepest-deutschland-101.html)?
6. Wie schätzt die Bundesregierung die Entwicklung der Schweinehaltung in
Deutschland ein, die voraussichtlich aufgrund verschärfter
Produktionsbedingungen zurück gehen wird (www.topagrar.com/markt/news/
deutschlandist-der-fuenftgroesste-schweinehalter-der-welt-11544997.html)?
7. Wie bewertet die Bundesregierung die Tatsache, dass laut einer Umfrage
über die Hälfte der Sauenhalter in Deutschland in den nächsten zehn Jahren
aus der Produktion aussteigen möchte, und wird dies nach Einschätzung der
Bundesregierung Einfluss auf die heimische Versorgung mit Ferkeln haben
(www.schweine.net/news/isn-umfrage-deutsche-ferkelerzeuger-steigen-aus.
html)?
8. Aus welchen Staaten erscheint es nach Einschätzung der Bundesregierung
wahrscheinlich, den absehbaren Versorgungsengpass mit Ferkeln durch
steigenden Import zu kompensieren?
9. Mit welchen Preiseffekten bei Schweinefleisch für die Verbraucher in
Deutschland rechnet die Bundesregierung vor dem Hintergrund einer
steigenden Nachfrage aus China?
10. Welche Rolle spielen Tierwohlaspekte bei der chinesischen Nachfrage nach
Schweinefleisch nach Einschätzung der Bundesregierung?
Wird nach Einschätzung der Bundesregierung Schweinefleisch, welches
nach Standards des staatlichen Tierwohllabels erzeugt wurde, eine besondere
Bedeutung zukommen, und wird dieses derzeit schon mit einer höheren
Zahlungsbereitschaft auf Exportmärkten nachgefragt?
11. Was unternimmt die Bundesregierung, um den gestiegenen Erzeugerpreis
nachhaltig stabilisieren zu können (www.ikz-online.de/wirtschaft/
wirtschaftin-nrw/edeka-und-toennies-schweinefleisch-und-wurst-werden-teurer-id226
153033.html)?
12. Geht die Bundesregierung davon aus, dass osteuropäische Länder ihre
Schweinebestände in naher Zukunft zurückfahren und möglicherweise
deutsches oder westeuropäisches Schweinefleisch stärker nachfragen werden, da
sich die Afrikanische Schweinepest in Osteuropa ähnlich ausbreiten wird,
wie es derzeit in China der Fall ist?
13. Wie hoch ist die Nachfrage osteuropäischer Länder nach in Deutschland
produziertem Schweinefleisch?
a) Ist die Nachfrage in den osteuropäischen Ländern nach Schweinefleisch
aus Deutschland oder Westeuropa seit dem Ausbruch der Afrikanischen
Schweinepest in Osteuropa gestiegen?
b) Welches Interesse würden die Verbraucher der osteuropäischen Länder
nach Einschätzung der Bundesregierung an Schweinefleisch bekunden,
das nach den Standards des deutschen Tierwohllabels erzeugt wurde?
Berlin, den 26. Juni 2019
Christian Lindner und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
BT19/1235713.08.2019
auf die Kleine Anfrage - Drucksache 19/11952 - Die Afrikanische Schweinepest und die Versorgung mit Schweinefleisch
AntwortAntwort
Volltext (unformatiert)
[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
vom 9. August 2019 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/12357
19. Wahlperiode 13.08.2019
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Karlheinz Busen, Carina Konrad,
Frank Sitta, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/11952 –
Die Afrikanische Schweinepest und die Versorgung mit Schweinefleisch
1. Wie entwickelte sich der Selbstversorgungsgrad in Deutschland bei
Schweinefleisch innerhalb der letzten zehn Jahre nach Kenntnis der
Bundesregierung?
Übersicht 1 zeigt die Entwicklung des Selbstversorgungsgrades mit
Schweinefleisch in Deutschland in den Jahren 2009 bis 2018.
Übersicht 1: Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch in Deutschland
Jahr Selbstversorgungsgrad in Prozent1)
2009 109,0
2010 110,0
2011 114,4
2012 116,8
2013 116,2
2014 116,8
2015 118,8
2016 119,4
2017 120,4
20182) 119,2
1) Gesamterzeugung in Prozent des Gesamtverbrauchs.
2) Vorläufig.
Quelle: BLE
2. Welche Staaten stellen nach Kenntnis der Bundesregierung die
bedeutendsten Handelspartner Deutschlands auf dem Markt für Schweinefleisch
innerhalb dieses Zeitraums dar?
Die Übersichten 2 und 3 zeigen die deutschen Ein- und Ausfuhren von
Schweinefleisch im Zeitraum von 2009 bis 2018. Aufgeführt sind die in diesem Zeitraum
wichtigsten Herkunfts- und Bestimmungsländer.
Übersicht 2: Deutsche Einfuhren von Schweinefleisch1) in den Jahren 2009 bis
2018 (in Tausend Tonnen)
Region/Land 2009 2010 2011 2012 2013
Einfuhren insgesamt 961,9 972,3 978,3 979,4 977,8
davon
EU 955,0 967,7 973,8 974,9 974,2
darunter
Dänemark 301,9 332,2 355,7 338,2 325,4
Belgien 309,7 310,9 320,2 327,3 346,8
Niederlande 172,9 159,3 124,0 119,0 112,4
Spanien 71,8 57,1 55,0 66,4 64,2
Drittländer 7,0 4,7 4,5 4,5 3,7
Region/Land 2014 2015 2016 2017 20182)
Einfuhren insgesamt 991,9 922,2 919,6 912,3 884,5
davon
EU 989,5 919,7 917,5 910,2 882,8
darunter
Dänemark 341,7 330,9 314,6 298,8 320,3
Belgien 334,5 307,8 294,2 289,6 245,3
Niederlande 121,3 110,4 107,5 125,4 119,1
Spanien 62,3 57,7 61,3 55,4 51,9
Drittländer 2,5 2,5 2,1 2,1 1,7
1) KN-Warennummer 0203 (Schweinefleisch frisch, gekühlt, gefroren).
2) Vorläufig.
Quelle: Statistisches Bundesamt
Übersicht 3: Deutsche Ausfuhren von Schweinefleisch1) in den Jahren 2009 bis
2018 (in Tausend Tonnen)
Region/Land 2009 2010 2011 2012 2013
Ausfuhren insgesamt 1.463,3 1.578,1 1.702,6 1.693,0 1.731,3
davon
EU 1.310,6 1.346,7 1.406,3 1.363,2 1.414,7
darunter
Italien 282,4 300,0 333,9 310,7 332,0
Polen 191,0 197,1 208,5 196,9 183,2
Niederlande 155,7 165,5 167,5 160,9 171,3
Österreich 125,8 122,2 117,2 104,0 95,1
Tschechische Rep. 74,3 93,2 100,7 105,9 112,9
Vereinigtes Königreich 88,1 81,5 76,1 97,2 110,1
Rumänien 58,5 48,9 45,2 38,4 43,6
Drittländer 152,7 231,5 296,4 329,9 316,6
darunter
VR China 0,3 7,2 26,0 77,8 76,4
Südkorea 0,0 8,0 38,7 35,4 30,0
Philippinen 0,9 5,4 3,4 3,4 10,6
Japan 0,0 - 0,2 1,1 5,8
Südafrika 2,6 8,8 14,2 9,8 8,8
Serbien 1,5 1,1 0,6 1,5 1,3
Ukraine 17,2 13,4 16,0 30,0 16,6
Malaysia 0,0 1,7 3,4 4,4 4,8
Hongkong 28,6 22,0 25,7 15,2 18,6
Russland 81,6 133,1 133,0 101,2 88,9
Region/Land 2014 2015 2016 2017 20182)
Ausfuhren insgesamt 1.757,0 1.778,0 1.882,8 1.837,0 1.780,8
davon
EU 1.466,4 1.421,5 1.400,2 1.419,9 1.330,0
darunter
Italien 375,2 366,7 352,5 343,8 338,5
Polen 172,8 175,2 175,0 183,3 163,7
Niederlande 158,0 164,4 183,9 209,0 132,3
Österreich 102,6 90,6 108,6 111,0 109,6
Tschechische Rep. 114,8 106,4 95,3 97,5 102,8
Vereinigtes Königreich 100,9 88,7 73,8 75,9 80,6
Rumänien 57,6 68,0 61,2 60,7 64,8
Drittländer 290,6 356,5 482,6 417,0 450,7
darunter
VR China 82,3 168,3 277,4 168,0 180,3
Südkorea 66,3 65,9 77,7 94,9 110,0
Philippinen 29,8 25,9 32,5 34,9 34,7
Japan 13,1 13,2 24,1 29,2 32,2
Südafrika 9,5 13,0 7,3 10,1 16,8
Serbien 3,3 3,6 5,0 7,2 8,9
Ukraine 5,7 1,3 1,3 1,1 5,9
Malaysia 5,9 5,9 7,4 7,0 7,5
Hongkong 19,7 6,7 8,9 24,7 4,1
Russland 4,0 - - - -
1) KN-Warennummer 0203 (Schweinefleisch frisch, gekühlt, gefroren).
2) Vorläufig.
Quelle: Statistisches Bundesamt
3. Wie wird sich die globale Nachfrage nach Schweinefleisch nach Kenntnis
der Bundesregierung zukünftig entwickeln?
Welche Staaten werden dabei einen besonderen Nachfrageanstieg
verzeichnen?
Den aktuellsten Prognosen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) und der Food and Agriculture Organization (FAO)
folgend (OECD/FAO; OECD-FAO Agricultural Outlook 2019-2028) wird der
globale Schweinefleischverbrauch von 119,4 Millionen Tonnen im Mittel der Jahre
2016 bis 2018 auf 128,8 Millionen Tonnen im Jahre 2028 zunehmen. Dabei wird
für die entwickelten Länder eine Zunahme von 41,2 auf 42,8 Millionen Tonnen
und für die Entwicklungsländer eine Zunahme von 78,3 auf 86,0 Millionen
Tonnen erwartet. Ein besonders starker absoluter Nachfrageanstieg wird für die
Länder China, Vietnam, Mexiko, Brasilien, Philippinen, Kolumbien, Südkorea und
Argentinien erwartet, wobei die Prognosen für das Nachfrageverhalten Chinas in
Anbetracht der aktuellen Ausbrüche Afrikanischer Schweinepest (ASP) große
Unsicherheiten enthalten. Das chinesische Landwirtschaftsministerium geht dem
o. g. OECD/FAO-Bericht folgend davon aus, dass die Importe im Jahr 2020 auf
2,1 Millionen Tonnen steigen werden. China geht davon aus, seine
Inlandsproduktion ab 2021 deutlich zu steigern, so dass 2024 das Produktionsniveau von
2018 wieder erreicht werde.
4. Welche Folgen für den Markt von Schweinefleisch wird die aufgrund der
Afrikanischen Schweinepest hervorgerufene prognostizierte steigende
Nachfrage aus China nach Einschätzung der Bundesregierung kurz-, mittel-
und langfristig mit sich bringen (www.tagesschau.de/wirtschaft/china-
schweinepest-deutschland-101.html)?
Die zunehmende Nachfrage Chinas nach Schweinefleisch trug maßgeblich dazu
bei, dass die Erzeugerpreise für Schweineschlachtkörper in Deutschland im März
und April 2019 deutlich angestiegen sind. Die Verbraucherpreise verhielten sich
jedoch bislang saisontypisch und liegen nur unwesentlich über dem Vorjahr. Dem
OECD/FAO-Bericht 2019 folgend ist am Weltmarkt für Schweinefleisch, der
mehr oder weniger starken Schwankungen ausgesetzt sein wird, verglichen mit
dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2018 etwa bis zur Mitte des kommenden
Jahrzehnts mit tendenziell steigenden, danach bis zum Ende des
Prognosezeitraums 2028 mit sinkenden nominalen Preisen zu rechnen. Mit
Produktionsausweitungen wird insbesondere in Brasilien und den USA gerechnet. Diese
Prognosen können für bestimmte Teile des Schlachtkörpers durchaus unterschiedlich
ausfallen. So nehmen Pfoten, Ohren und Schnauzen am chinesischen
Schweinefleischmarkt immer eine Sonderrolle ein, da sie für die chinesischen
Verbraucherinnen und Verbraucher eine Delikatesse darstellen.
5. Welche kurz-, mittel- und langfristigen Folgen für den Markt von
Schweinefleisch hat die rückläufige Zahl an Lebenseinfuhren von Schlachtschweinen
nach Einschätzung der Bundesregierung (www.tagesschau.de/wirtschaft/
china-schweinepest-deutschland-101.html)?
Von 2008 bis 2018 nahm die Zahl der insgesamt eingeführten Schlachtschweine
von rund 4,7 Millionen um 27,9 Prozent auf rund 3,4 Millionen Tiere ab (Zahl
für 2018 vorläufig). Die Lebendimporte kamen fast ausschließlich aus anderen
EU-Mitgliedstaaten und zu 96 Prozent aus den angrenzenden Ländern Belgien,
Niederlande und Dänemark. Die Zahl der Importe folgt dem jeweiligen Umfang
von Angebot und Nachfrage.
6. Wie schätzt die Bundesregierung die Entwicklung der Schweinehaltung in
Deutschland ein, die voraussichtlich aufgrund verschärfter
Produktionsbedingungen zurück gehen wird (www.topagrar.com/markt/news/
deutschlandist-der-fuenftgroesste-schweinehalter-der-welt-11544997.html)?
Die Schweinehaltung wird sich in Deutschland weiterhin den Bedingungen des
Marktes stellen und ihren Produktionsumfang an der Nachfrage ausrichten. Dabei
werden veränderte Produktionsbedingungen ebenso zu berücksichtigen sein wie
globale Effekte wie der Brexit oder ASP-Ausbrüche in Asien.
7. Wie bewertet die Bundesregierung die Tatsache, dass laut einer Umfrage
über die Hälfte der Sauenhalter in Deutschland in den nächsten zehn Jahren
aus der Produktion aussteigen möchte, und wird dies nach Einschätzung der
Bundesregierung Einfluss auf die heimische Versorgung mit Ferkeln haben
(www.schweine.net/news/isn-umfrage-deutsche-ferkelerzeuger-steigen-aus.
html)?
Zum Strukturwandel im Schweinesektor wird auf die Antwort der
Bundesregierung zu den Fragen 1 bis 3 der Kleinen Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN auf Bundestagsdrucksache 19/8685 „Zukunft der Sauenhaltung“
verwiesen. Die Bundesregierung geht davon aus, dass sich der Ferkelmarkt durch
Mengen- und Preisanpassungen auf den Strukturwandel des Sektors und die
nationalen und globalen Herausforderungen, zu denen insbesondere veränderte
Rahmenbedingungen im Hinblick auf Tierschutz und Tierwohl aber auch die
globalen Effekte wie Brexit und ASP gehören, einstellen wird.
8. Aus welchen Staaten erscheint es nach Einschätzung der Bundesregierung
wahrscheinlich, den absehbaren Versorgungsengpass mit Ferkeln durch
steigenden Import zu kompensieren?
Im Jahre 2018 importierten deutsche Schweinehalter nach vorläufigen Zahlen
10,5 Millionen Ferkel, wobei 4,4 Millionen Ferkel aus den Niederlanden und
6,1 Millionen Ferkel aus Dänemark kamen. Es ist davon auszugehen, dass der
Bedarf an Ferkeln in Deutschland auch zukünftig maßgeblich aus diesen Ländern
gedeckt werden wird.
9. Mit welchen Preiseffekten bei Schweinefleisch für die Verbraucher in
Deutschland rechnet die Bundesregierung vor dem Hintergrund einer
steigenden Nachfrage aus China?
Auf die Antwort zu Frage 4 wird verwiesen.
10. Welche Rolle spielen Tierwohlaspekte bei der chinesischen Nachfrage nach
Schweinefleisch nach Einschätzung der Bundesregierung?
Wird nach Einschätzung der Bundesregierung Schweinefleisch, welches
nach Standards des staatlichen Tierwohllabels erzeugt wurde, eine besondere
Bedeutung zukommen, und wird dieses derzeit schon mit einer höheren
Zahlungsbereitschaft auf Exportmärkten nachgefragt?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
11. Was unternimmt die Bundesregierung, um den gestiegenen Erzeugerpreis
nachhaltig stabilisieren zu können (www.ikz-online.de/wirtschaft/
wirtschaftin-nrw/edeka-und-toennies-schweinefleisch-und-wurst-werden-teurer-id22
6153033.html)?
Die Bundesregierung sieht keine Veranlassung für spezielle Maßnahmen zur
Stabilisierung der Erzeugerpreise für Schweineschlachtkörper.
12. Geht die Bundesregierung davon aus, dass osteuropäische Länder ihre
Schweinebestände in naher Zukunft zurückfahren und möglicherweise
deutsches oder westeuropäisches Schweinefleisch stärker nachfragen werden, da
sich die Afrikanische Schweinepest in Osteuropa ähnlich ausbreiten wird,
wie es derzeit in China der Fall ist?
Die jüngste Entwicklung der Schweinebestände in osteuropäischen Ländern
erschließt sich aus Übersicht 4. Es ist zu erwarten, dass sich diese Entwicklung
zunächst einmal fortsetzen wird.
Die epidemiologischen und wirtschaftlichen Bedingungen sowie die
Bekämpfungs- und Präventionsmaßnahmen in den betroffenen Ländern Osteuropas
differieren deutlich von der Situation in China, so dass die Bundesregierung davon
ausgeht, dass eine Verbreitung der ASP, wie dies in China derzeit der Fall ist, in
der Hausschweinepopulation Gesamtosteuropas nicht zu befürchten ist. Die
Bundesregierung geht auch davon aus, dass es in den Ländern Osteuropas derzeit zu
keiner verstärkten Nachfrage nach deutschem bzw. westeuropäischem
Schweinefleisch kommen wird.
Übersicht 4: Schweinebestände osteuropäischer Länder in den Jahren 2016 –
2018 (in Tausend Tieren)
EU-MS 2016 2017 2018 Veränderung 2017/2018 (%)
Bulgarien 616 593 655 +10,4
Estland 266 289 290 +0,4
Lettland 336 321 305 -4,9
Litauen 664 612 572 -6,5
Polen 11.107 11.908 11.028 -7,4
Rumänien 4.708 4.406 3.957 -10,2
Slowakei 586 614 627 +2,1
Tschechien 1.479 1.532 1.508 -1,6
Ungarn 2.907 2.870 2.872 +0,1
Quelle: EUROSTAT
13. Wie hoch ist die Nachfrage osteuropäischer Länder nach in Deutschland
produziertem Schweinefleisch?
Zur Beantwortung werden die von den osteuropäischen Ländern aus Deutschland
eingeführten Mengen an Schweinefleisch (KN-Warennummer 0203)
herangezogen. Insgesamt importierten die Länder Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland,
Litauen, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik und
Ungarn 2018 nach vorläufigen Zahlen 478 392 Tonnen Schweinefleisch aus
Deutschland. 2017 waren es 468 400 Tonnen (Quelle: EUROSTAT). Dies
entspricht jeweils gut einem Viertel der deutschen Ausfuhren an Schweinefleisch.
a) Ist die Nachfrage in den osteuropäischen Ländern nach Schweinefleisch
aus Deutschland oder Westeuropa seit dem Ausbruch der Afrikanischen
Schweinepest in Osteuropa gestiegen?
Ausbrüche der ASP in Hausschweinebeständen wurden von den osteuropäischen
Ländern der EU bislang aus den baltischen Staaten, Polen, Rumänien, Bulgarien
und der Slowakei gemeldet. Die Slowakei meldete den ersten Ausbruch Ende Juli
2019. Dies erlaubt zum jetzigen Zeitpunkt keinen Vergleich von Einfuhrzahlen
vor und nach dem Schweinepestausbruch, weshalb die Slowakei bei den
vorgenommenen Berechnungen unberücksichtigt blieb. Von den Ländern Westeuropas
wurden solche in die Berechnungen einbezogen, die nennenswerte Mengen an
Schweinefleisch exportieren (Anteil von mindestens 3 Prozent an den gesamten
EU-Ausfuhren von Schweinefleisch in 2018). Dies waren Belgien, Dänemark,
Deutschland, Frankreich, Niederlande und Spanien.
Um den möglichen Einfluss eines Schweinepestausbruchs in Haustierbeständen
auf die von den betroffenen Ländern getätigten Schweinefleischeinfuhren
festzustellen, wurden jeweils die Importmengen von Schweinefleisch (KN-
Warennummer 0203) im Jahr vor dem festgestellten Ausbruch (2013 für Lettland, Litauen
und Polen; 2014 für Estland; 2016 für Rumänien; 2017 für Bulgarien) mit den
Einfuhrmengen von Schweinefleisch des Jahres 2018 (aktuellstes Jahr, für
welches Außenhandelsdaten vorliegen) verglichen (Datenquelle: EUROSTAT).
Danach führten die genannten sechs osteuropäischen Länder im Jahr vor dem
jeweils ersten dort festgestellten Schweinepestausbruch in Hausschweinebeständen
insgesamt 271 145 Tonnen Schweinefleisch aus Deutschland ein. Im Jahr 2018
waren es insgesamt 278 743 Tonnen (Anstieg um 7 598 Tonnen).
Aus den Ländern Westeuropas wurden von diesen Ländern im Jahr vor dem
jeweils ersten festgestellten Schweinepestausbruch in Hausschweinebeständen
839 747 Tonnen Schweinefleisch eingeführt, im Jahr 2018 waren es
1 053.115 Tonnen (Anstieg um 213 368 Tonnen, davon Lettland: + 3 357
Tonnen; Litauen: -10 683 Tonnen; Polen: +153 215 Tonnen; Estland: +2 269 Tonnen;
Rumänien: +54 722 Tonnen; Bulgarien: +10 487 Tonnen).
Ob und inwieweit die Schweinepestausbrüche tatsächlich Einfluss auf den –
insbesondere bei den Einfuhren aus den westeuropäischen Ländern – festgestellten
Anstieg der Einfuhrmengen haben, lässt sich nicht eindeutig klären. Der bilaterale
Außenhandel wird von einer Vielzahl von Faktoren mit teilweise
unterschiedlicher Wirkungsrichtung beeinflusst; eine isolierte Betrachtung des Einflusses
einzelner Faktoren erlauben die Außenhandelszahlen nicht.
Zu berücksichtigen ist zudem, dass sich – bis auf Rumänien – die absolute Zahl
der festgestellten Schweinepestausbrüche bei Hausschweinen auf einem eher
geringen Niveau bewegte.
b) Welches Interesse würden die Verbraucher der osteuropäischen Länder
nach Einschätzung der Bundesregierung an Schweinefleisch bekunden,
das nach den Standards des deutschen Tierwohllabels erzeugt wurde?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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