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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Aspekte des Tierwohls bei importiertem Geflügelfleisch und heimisch produzierten Erzeugnissen im Vergleich
(insgesamt 18 Einzelfragen)
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
Datum
22.08.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1209701.08.2019
Aspekte des Tierwohls bei importiertem Geflügelfleisch und heimisch produzierten Erzeugnissen im Vergleich
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12097
19. Wahlperiode 01.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Carina Konrad, Frank Sitta, Grigorios Aggelidis, Renata Alt,
Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Karlheinz Busen,
Christian Dürr, Dr. Marcus Faber, Katja Hessel, Reinhard Houben, Ulla Ihnen,
Dr. Christian Jung, Thomas L. Kemmerich, Konstantin Kuhle, Oliver Luksic,
Till Mansmann, Alexander Müller, Roman Müller-Böhm, Matthias Seestern-Pauly,
Bettina Stark-Watzinger, Michael Theurer, Gerald Ullrich, Nicole Westig,
Katharina Willkomm und der Fraktion der FDP
Aspekte des Tierwohls bei importiertem Geflügelfleisch und heimisch
produzierten Erzeugnissen im Vergleich
Pro Kopf werden in Deutschland jährlich insgesamt rund 60 Kilogramm Fleisch
und Fleischprodukte verzehrt. Wachsende Bedeutung im Hinblick auf die
deutschen Verzehrgewohnheiten von Fleisch erlangt Geflügelfleisch. Der Anteil von
Geflügelfleisch am gesamten Fleischkonsum stieg in den letzten Jahren stetig an
und lag im Jahr 2018 bei etwa zwölf Kilogramm (https://de.statista.com/themen/
1315/fleisch/#dossierSummary__chapter1). Um die wachsende Nachfrage in
Deutschland bedienen zu können, ist die Erhöhung der heimischen Produktion
erforderlich, insofern auf einen zunehmenden Import von Produkten aus anderen
Staaten verzichtet werden soll. Die Haltung von Geflügel in Deutschland sieht
sich oftmals weitgehender Kritik im Hinblick auf Tierwohl und Ausgestaltung
der Haltungsbedingungen ausgesetzt. Aus Sicht der Fragesteller bieten moderne
Haltungssysteme mit innovativen Ansätzen und digitalen Lösungen im Stall
vermehrt die Möglichkeit, eine bessere Tiergesundheit und somit auch ein Mehr an
Tierwohl in der Tierproduktion zu erlangen. Falls die steigende Nachfrage nicht
durch die Produktion im Inland gedeckt werden kann, und folglich ein Import von
Geflügelfleisch stattfindet, so müssen nach Auffassung der Fragesteller auch die
ausländischen Produktionsbedingungen in den Fokus der Betrachtung rücken.
Die Verantwortung für eine möglichst tiergerechte Haltung macht jedoch nicht
an deutschen Grenzen halt, die Haltungsbedingungen des Produktionsstandortes
werden bei einem Fleischimport in gewisser Weise mit importiert. Da Auflagen
und Anforderungen an die Tierhaltung direkte Auswirkungen auf die
Kostenstrukturen der Produktion zulassen, lässt sich vermuten, dass höhere Auflagen
und Vorgaben die Geflügelerzeugung verteuern, wohingegen niedrige Standards
eine günstigere Produktion zulassen. Solche Unterschiede in den
Produktionskosten und somit auch Haltungsbedingungen werden aus Sicht der Fragesteller
langfristig zu einer Abwanderung der Tierhaltung und Verlagerung der Produktion in
Staaten mit niedrigeren Auflagen führen, sofern ein uneingeschränkter Import
möglich und der Verbraucher über die Herkunft der Erzeugnisse und den damit
einhergehenden Produktionsbedingungen nicht vollumfänglich informiert ist.
Aus diesem Grund ist es aus Sicht der Fragesteller anzustreben, dass zumindest
auf europäischer Ebene einheitliche Tierhaltungsstandards gelten und sich
Verbraucher vollumfänglich über Herkunft und die mit den verbundenen
Haltungsbedingungen im Erzeugerland informieren können. Entscheidende Kriterien, die
nach einer Studie im Auftrag des Zentralverbandes der Deutschen
Geflügelwirtschaft die Haltungsbedingungen vergleichbar erscheinen lassen, können
Besatzdichte, der Zugang zu Futter und Wasser, das Stallklima, die Einstreu, der
Antibiotika- und Medikamenteneinsatz, die Stallhygiene, die Ausstallung und der
Transport, die Schlachtung, die Eingriffe am Tier, die Futtermittelkennzeichnung,
die Ausbildung und Sachkunde des Personals sowie die Emissionen bei der
Geflügelfleischerzeugung sein (www.zdg-online.de/uploads/tx_userzdgdocs/Studie_
Gefluegelwirtschaft_weltweit.pdf).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie entwickelte sich der deutsche Selbstversorgungsgrad von
Geflügelfleisch nach Kenntnis der Bundesregierung innerhalb der letzten zehn Jahre
(bitte den Selbstversorgungsgrad nach Hühner-, Enten-, Gänse- und
Truthahnfleisch sowie für Gesamt-Geflügelfleisch aufführen)?
2. Wie hoch ist der Anteil der deutschen Geflügelproduktion an der
Geflügelproduktion in der Europäischen Union insgesamt nach Kenntnis der
Bundesregierung?
Wie hat sich der deutsche Anteil innerhalb der letzten zehn Jahre verändert?
3. Aus welchen Staaten erfolgt nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit ein
Import von Geflügelfleisch nach Deutschland (bitte nach Exportstaat und
deutschem Importvolumen des jeweiligen Geflügelerzeugnisses angeben)?
4. Bei welchen eingangs genannten Kriterien zu Haltungs- und
Produktionsbedingungen in der Geflügelproduktion (Besatzdichte, der Zugang zu Futter
und Wasser, das Stallklima, die Einstreu, der Antibiotika- und
Medikamenteneinsatz, die Stallhygiene, die Ausstallung und der Transport, die
Schlachtung, die Eingriffe am Tier, die Futtermittelkennzeichnung, die Ausbildung
und Sachkunde des Personals sowie die Emissionen bei der
Geflügelfleischerzeugung) können nach Kenntnis der Bundesregierung Unterschiede
innerhalb der EU-Erzeugerstaaten verzeichnet werden?
5. Wie bewertet die Bundesregierung die in Deutschland rechtlich geltenden
Haltungsbedingungen in der Geflügelproduktion in Bezug auf das Tierwohl
im Vergleich zu anderen EU-Staaten?
In welchen Punkten geht die nationale Gesetzgebung Deutschlands über EU-
Vorgaben hinaus?
6. Liegt der Bundesregierung ein EU-weites Monitoring vor, welches den
Antibiotikagebrauch ausgehend von EU-Verordnung 1831/2003, in jedem EU-
Mitgliedstaat erfasst, und wie gestaltet sich der Einsatz von Antibiotika in
der Geflügelproduktion in Deutschland im EU-weiten Vergleich?
7. Wie bewertet die Bundesregierung die Kriterien zu Haltungsbedingungen in
der Geflügelproduktion (Besatzdichte, den Zugang zu Futter und Wasser, das
Stallklima, die Einstreu, den Antibiotika- und Medikamenteneinsatz, die
Stallhygiene, die Ausstallung und den Transport, die Schlachtung, die
Eingriffe am Tier, die Futtermittelkennzeichnung, die Ausbildung und
Sachkunde des Personals sowie die Emissionen bei der
Geflügelfleischerzeugung), und können nach Kenntnis der Bundesregierung Unterschiede
innerhalb der EU-Erzeugerstaaten verzeichnet werden?
8. Für welche Drittstaaten gelten nach Kenntnis der Bundesregierung
Zollvergünstigungen beim Import von Geflügelfleisch in die EU?
9. Wie bewertet die Bundesregierung die Haltungsbedingungen in der
Geflügelproduktion in jenen Nicht-EU-Staaten, nach denen in Frage 8 gefragt
wird?
10. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über die Vorwürfe an
ukrainischen Geflügelproduzenten, wonach geltende Importbestimmungen
durch Einfuhr von minderwertig eingestuften Geflügel-Teilstücken und
Verarbeitung dieser zu Edelteilen nach Einfuhr in die EU umgangen werden, vor
(https://kurier.at/politik/ausland/hendl-schummelimport-aus-der-ukraine-mit-
eu-hilfe/400458490)?
11. Welche Maßnahmen wurden seitens der Bundesregierung ergriffen, diese
Tatbestände abzustellen?
12. Wie und in welchem Umfang wurden ukrainische Fleischproduzenten nach
Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen von Krediten durch die
Europäische Investitionsbank unterstützt?
Wurden diese Unterstützungen von der Bundesregierung mitgetragen?
13. Wie schätzt die Bundesregierung die in der Ukraine geltenden
Bestimmungen zu Haltungs- und Produktionsbedingungen in der Geflügelproduktion
(Besatzdichte, den Zugang zu Futter und Wasser, das Stallklima, die
Einstreu, den Antibiotika- und Medikamenteneinsatz, die Stallhygiene, die
Ausstallung und den Transport, die Schlachtung, die Eingriffe am Tier, die
Futtermittelkennzeichnung, die Ausbildung und Sachkunde des Personals sowie
die Emissionen bei der Geflügelfleischerzeugung) im Vergleich zu den in
Deutschland und der EU geltenden Richtlinien ein, und hält die
Bundesregierung diese für vergleichbar?
14. Strebt die Bundesregierung die Schaffung einer putenspezifischen Richtlinie
innerhalb der Geflügelhaltung auf EU-Ebene an?
Wenn ja, wie weit ist nach Kenntnis der Bundesregierung der derzeitige
Stand der Umsetzung?
15. Wie und nach welchen Vorgaben muss importiertes Geflügel-Frischfleisch
in Deutschland einer Herkunftskennzeichnung unterzogen werden (bitte
differenziert nach Import aus einem anderen EU-Staat und aus einem Nicht-
EU-Staat angeben)?
16. Wie und nach welchen Vorgaben muss importiertes und verarbeitetes
Geflügelfleisch in Deutschland einer Herkunftskennzeichnung unterzogen werden
(bitte differenziert nach Import aus einem anderen EU-Staat und aus einem
Nicht-EU-Staat angeben)?
17. Wie und nach welchen Vorgaben muss importiertes Geflügelfleisch im
Außer-Haus-Verzehr (bei Zubereitung in Kantinen, Restaurants) einer
Herkunftskennzeichnung unterzogen werden?
18. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil an Importware
bei Geflügelfleisch im sogenannten Außer-Haus-Verzehr bei Restaurants
und Kantinen?
Berlin, den 18. Juli 2019
Christian Lindner und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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