Methanemissionen der Tierhaltung
der Abgeordneten Dr. Gero Clemens Hocker, Frank Sitta, Carina Konrad, Karlheinz Busen, Nicole Bauer, Dr. Christoph Hoffmann, Renata Alt, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Reginald Hanke, Peter Heidt, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Dr. Christian Jung, Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Dr. Martin Neumann, Dr. Stefan Ruppert, Christian Sauter, Matthias Seestern-Pauly, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Katja Suding, Stephan Thomae, Dr. Florian Toncar, Sandra Weeser und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
In der öffentlichen Wahrnehmung werden Kühe gerne als „Klima-Killer“ dargestellt (https://www.welt.de/wissenschaft/video199492382/Klimakiller-Eine-Kuh-ist-in-etwa-so-klimaschaedlich-wie-ein-Kleinwagen.html), denn der Methanausstoß von Wiederkäuern und insbesondere Kühen ist Mitverursacher für den Treibhauseffekt. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) fordert daher, den Ausstoß von Methan (CH4) drastisch zu mindern (https://www.bmu.de/faq/zum-umsteuern-ist-es-eh-schon-zu-spaet/). Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erklärt, dass einer Anpassung der Tierbestände dabei eine entscheidende Bedeutung im Kampf gegen den Klimawandel zukomme (https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Nachhaltige-Landnutzung/Klimawandel/_Texte/Klimamaßnahmen.html). Studien zufolge ist die Nutztierhaltung aber nicht nur Verursacher von Emissionen, sondern kann etwa durch ein entsprechend angepasstes Weidemanagement sogar zur Kohlenstoffspeicherung im Boden beitragen (https://www.nature.com/articles/srep04444.pdf).
Um die im Pariser Klimaabkommen von 2015 vereinbarten Ziele zu erreichen, müssen Treibhausgase und ihr Erwärmungspotenzial möglichst genau erfasst und Wechselwirkungen berücksichtigt werden. Eine Möglichkeit, die Klimawirksamkeit von Methan zu beschreiben, liegt im Global Warming Potential (GWP). Das GWP dient dazu, die komplexen Auswirkungen verschiedener Gase auf die globale Erwärmung vergleichbar zu machen und beschreibt, wie viel Energie die Emissionen von einer Tonne Gas über einen bestimmten Zeitraum im Verhältnis zu den Emissionen von einer Tonne Kohlendioxid (CO2) absorbieren (https://www.epa.gov/ghgemissions/understanding-global-warming-potentials#Learn%20why). Besonders gängige Maßzahlen sind das GWP20 und GWP100. GWP20 beschreibt das Erwärmungspotenzial in einem Zeitraum von 20 Jahren, GWP100 im Zeitraum von 100 Jahren (https://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/reports/Climate-metrics-for-ruminant-livestock.pdf). Der Weltklimarat (IPCC) bezieht sich in seinen Analysen und Berichten auf den Standard des GWP100. Die Klimawirksamkeit des Methans fällt je nach Betrachtungszeitraum (20 oder 100 Jahre) unterschiedlich aus (https://www.epa.gov/ghgemissions/understanding-global-washing-potentials#Learn).
Generell bleibt bei der Betrachtung jedoch meist unberücksichtigt, dass sich die Gesamtmenge der Methanemissionen im Gegensatz zu CO2-Emissionen nicht unendlich aufsummiert, sondern Methan nach rund zehn Jahren in der Atmosphäre zu Formaldehyd, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid zerfällt. Diese Gase haben andere Treibhauseffekte als das ursprünglich emittierte Methan (https://link.springer.com/article/10.1007/BF03039368).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen10
Wie steht die Bundesregierung zum Vorhaben des BMU, den Ausstoß von Methan „drastisch“ abzubauen (https://www.bmu.de/faq/zum-umsteuern-ist-es-eh-schon-zu-spaet/)?
Durch welche Maßnahmen beabsichtigt die Bundesregierung ggf., die Reduktion der Methanemissionen umzusetzen?
Wie beabsichtigt die Bundesregierung ggf., die Forderungen des BMEL nach einer Reduzierung der Tierbestände umzusetzen (https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Nachhaltige-Landnutzung/Klimawandel/_Texte/Klimamaßnahmen.html)?
Wie bewertet die Bundesregierung das Potenzial der CH4-Sequestrierung, also der Einlagerung von im Methan gebundenem Kohlenstoff in den Boden durch ein gezieltes Weidemanagement (https://www.nature.com/articles/srep04444.pdf, https://www.nature.com/articles/srep40857.pdf)?
Welche Forschungsprogramme sind der Bundesregierung bezüglich der CH4-Sequestrierung durch die Nutztierhaltung bekannt, und welche Rückschlüsse zieht sie daraus für ihre politischen Vorhaben (bitte nach Forschungsinstitut und Forschungsprogramm aufschlüsseln)?
Welchen Anteil haben nach Kenntnis der Bundesregierung die deutschen Methanemissionen an den gesamten deutschen Treibhausgasemissionen auch im Vergleich zum Anteil der weltweiten Methanemissionen an den weltweiten Treibhausgasemissionen, und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?
Welchen Anteil hat nach Kenntnis der Bundesregierung die deutsche Rinderhaltung und Milchviehhaltung am Klimawandel, und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?
Welche weiteren Quellen sind nach Kenntnis der Bundesregierung neben der Nutztierhaltung für die Methanemissionen weltweit und deutschlandweit verantwortlich (bitte nach Quelle und Anteil aufschlüsseln)?
Auf welcher Maßzahl (GWP20 oder GWP100 oder weiterer) basieren die von der Bundesregierung veröffentlichten Daten bezüglich des Treibhauspotenzials von Methanemissionen, und wie bewertet sie diese Maßzahl?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu Wirkungen von Methan nach der Verfallszeit vor, und welche Schlüsse zieht sie daraus für die Auswirkung von Methan als Treibhausgas?