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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Vermeidung von Mykotoxinen - Gewährleistung von Vorsorge auf dem Feld

(insgesamt 14 Einzelfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

30.07.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2113717.07.2020

Vermeidung von Mykotoxinen – Gewährleistung von Vorsorge auf dem Feld

der Abgeordneten Carina Konrad, Frank Sitta, Dr. Gero Clemens Hocker, Karlheinz Busen, Nicole Bauer, Dr. Christoph Hoffmann, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Hartmut Ebbing, Daniel Föst, Otto Fricke, Reginald Hanke, Peter Heidt, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Reinhard Houben, Olaf in der Beek, Dr. Christian Jung, Dr. Marcel Klinge, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Michael Georg Link, Alexander Müller, Roman Müller-Böhm, Dr. Wieland Schinnenburg, Matthias Seestern-Pauly, Judith Skudelny, Dr. Hermann Otto Solms, Michael Theurer, Stephan Thomae, Dr. Florian Toncar, Gerald Ullrich, Sandra Weeser und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Mykotoxine sind von Schimmelpilzen gebildete Stoffwechselprodukte, die aufgrund ihrer Giftigkeit (Toxizität) in Lebens- und Futtermitteln unerwünscht sind. Sie sind für Menschen selten akut gesundheitsschädigend, können jedoch krebserregend und erbgutschädigend wirken. Mykotoxine unterliegen daher strengen Höchstgehaltsregelungen.

Zur Überwachung der Einhaltung der Höchstmengen wurden seitens der Mitgliedstaaten „Nationale Kontrollprogramme“ aufgelegt. Diese sollen regelmäßiges und repräsentatives Rückstandsmonitoring durchführen.

„Mykotoxine können primär durch Schimmelbefall der landwirtschaftlichen Rohprodukte in die Lebensmittelkette gelangen, wenn beispielsweise das Getreide vor der Ernte von Feldpilzen befallen wird, oder wenn durch falsche Lagerung, Transport oder Weiterverarbeitung das Wachstum von Schimmelpilzen gefördert wird (Lagerpilze). Während der weiteren Verarbeitung wird das Pilzmyzel so zerkleinert und fein verteilt, dass es im Endprodukt für den Konsumenten nicht mehr sichtbar ist […] Eine sekundäre Mykotoxinkontamination kann durch Verschimmeln der Zwischen- und Endprodukte auf allen Stufen der Herstellung, des Handels und im privaten Haushalt eintreten. An der verfärbten Pilzkolonie kann der Konsument ein mögliches Mykotoxinrisiko erkennen […] Wird mykotoxinhaltiges Futter an Nutztiere verfüttert, können einige Mykotoxine in unveränderter oder metabolisierter Form (Zwischenprodukte) in verschiedenen Organen abgelagert oder ausgeschieden werden. Auf diese Weise können Lebensmittel tierischer Herkunft, wie z. B. Milch und Fleisch mit Mykotoxinen kontaminiert sein, ohne dass das Produkt selbst verschimmelt ist. Dieser Prozess wird auch als „carry over“ bezeichnet. Diese Art der Kontamination ist äußerlich nicht erkennbar.“ (https://www.laves.niedersachsen.de/lebensmittel/rueckstaende_verunreingungen/mykotoxine-153451.html).

„In Abhängigkeit von der Toxinart und der aufgenommenen Menge kann die Wirkung der Mykotoxine aufgrund von cancerogenen, mutagenen, immunsuppressiven, teratogenen, nephrotoxischen und östrogenen Eigenschaften akut und/oder chronisch toxisch sein. Sie können beim Menschen zu unterschiedlichen Krankheiten führen, wie z. B. die Entstehung von Krebs begünstigen, Nieren und Leber schädigen, das Immunsystem beeinträchtigen oder Durchfall und Erbrechen verursachen.

Durch sein extrem hohes cancerogenes (= krebserregendes) Potential besitzt Aflatoxin B1 das größte Gefährdungspotential aller Mykotoxine. Da akute Vergiftungen durch vergleichsweise hohe Mykotoxinkonzentrationen ausgelöst werden, sind diese in Mitteleuropa und anderen entwickelten Staaten aufgrund der allgemein guten Lebensmittelqualität und häufigen Kontrollen sehr selten. Hingegen kam es aufgrund von schlechten Wachstums-, Lagerungs- und Transportbedingungen sowie durch besondere Essgewohnheiten insbesondere in subtropischen und tropischen Gebieten Afrikas und Asiens durch den Verzehr von stark mit Aflatoxinen belasteten Erdnüssen oder Maisprodukten immer wieder zu akuten Vergiftungen mit Todesfällen.“ (ebd.).

Daher liegt in allen Produktionsstufen ein Augenmerk auf der Vermeidung der Entstehung von Pilzen, um negativen gesundheitlichen Auswirkungen vorzubeugen. „Maßnahmen zur Kontrolle des Wachstums von Feldpilzen umfassen den Einsatz von geeigneter Bodenbearbeitungsmaßnahmen (wie Pflügen, und Mulchen), die Einhaltung geeigneter Fruchtfolgen, die Auswahl resistenter Pflanzensorten, die Applikation von Fungiziden (im konventionellen Anbau), die Standortwahl sowie den rechtzeitigen Erntezeitpunkt.“ (https://www.lw-heute.de/mykotoxine-erkennen-vermeiden).

„Mykotoxingehalte in kontaminierten pflanzlichen Produkten können nach der Ernte durch physikalische und chemische Verfahren reduziert werden. Während chemische Verfahren technisch aufwendig sind und eine Veränderung der Futtermittelinhaltsstoffe ausgeschlossen werden muss, ermöglichen physikalische Reinigungsverfahren, wie das Aussortieren verpilzter Körner oder das Entspelzen, eine relativ einfache Reduktion der Mykotoxingehalte. Bei Futtermitteln, die zur Erhöhung des Faseranteils mit Spelzen angereichert werden, kann hier allerdings eine Konzentrierung erfolgen. Alternativ kann die biologische Verfügbarkeit von Mykotoxinen in belasteten Futtermitteln durch den Einsatz von Mykotoxinbindern beziehungsweise –umwandlern reduziert werden.“ (https://www.lw-heute.de/mykotoxine-erkennen-vermeiden).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen14

1

Wie viele Getreideproben wurden seit 2005 in Deutschland insgesamt auf Mykotoxine untersucht, und wie viele dieser Proben überschritten die zugelassenen Höchstgehalte (bitte jährlich für die häufigsten Mykotoxine inklusive der Höchstgehalte –die im jeweiligen Jahr gültig waren, und Erläuterung, wenn es Bewertungsänderungen gab – nach Getreidearten aufgeschlüsselt und gesamt auflisten)?

2

Wie viele konventionell erzeugte Getreideproben wurden seit 2005 in Deutschland auf Mykotoxine untersucht, und wie viele dieser Proben überschritten die zugelassenen Höchstgehalte (bitte analog zu Frage 1 auflisten)?

3

Wie viele ökologisch erzeugte Getreideproben wurden seit 2005 in Deutschland auf Mykotoxine untersucht, und wie viele dieser Proben überschritten die zugelassenen Höchstgehalte (bitte analog zu Frage 1 auflisten)?

4

Wie bewertet die Bundesregierung die Ergebnisse aus den Fragen 1 bis 3 mit Blick auf den gesundheitlichen Verbraucherschutz bei der Verwendung von belastetem Getreide (oberhalb der zugelassenen Höchstgehalte) a) für den menschlichen Verzehr bei durchschnittlichem Verzehrverhalten eines Erwachsenen bzw. bei Kindern, b) für die Verwendung als Futtermittel in der täglichen Futterration von Nutztieren?

5

Welche gesetzlichen Grenzwerte sind für Futtermittel bei Mykotoxinen definiert (bitte für Deutschland und nach Kenntnis der Bundesregierung für die EU-Mitgliedstaaten auflisten)?

6

Wie bewertet die Bundesregierung die Entwicklung der Mykotoxingehalte im Zeitverlauf seit 2015 in Deutschland?

7

Welche Forschungsprojekte zur Reduktion und Vermeidung von Mykotoxinen im Getreideanbau unterstützt die Bundesregierung aktuell (bitte nach Anbauverfahren – konventionell und ökologisch – auflisten)?

8

Wie bewertet die Bundesregierung das Vorkommen von Mykotoxinen in Lebensmitteln mit Blick auf das Vorsorgeprinzip?

9

Wie bewertet die Bundesregierung den witterungsbedingten Einfluss auf das Mykotoxinvorkommen?

10

Welche Maßnahmen zur Vermeidung der Entstehung von Mykotoxinen auf dem Feld hält die Bundesregierung im Rahmen der Ackerbaustrategie als geeignet im konventionellen und im ökologischen Anbau?

11

Welche Bedeutung haben nach Kenntnis der Bundesregierung fungizide Wirkstoffe zur Vermeidung von Mykotoxinbildung auf dem Acker?

12

Wie viele Wirkstoffe stehen nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit im ökologischen und konventionellen Getreideanbau zur Fusarienbekämpfung zur Verfügung (bitte getrennt aufführen)?

a) Wie war die Entwicklung der zur Verfügung stehenden Wirkstoffgruppen in den letzten fünf Jahren?

b) Wie viele Wirkstoffgruppen werden im Jahr 2021 zur Verfügung stehen?

13

Wie bewertet die Bundesregierung die Entwicklung der Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Mykotoxinen bei abnehmender konventionell bearbeiteter Ackerfläche?

14

Wie bewertet die Bundesregierung den Einsatz von Mykotoxinbindern bzw. Mykotoxinumwandlern in Futtermitteln?

Berlin, den 2. Juli 2020

Christian Lindner und Fraktion

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