[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Stephan Protschka, Berengar Elsner
von Gronow, Franziska Gminder und der Fraktion der AfD
– Drucksache 19/21598 –
Johne’sche Krankheit – ein Erreger mit vermutlich zoonotischem Potenzial
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Johne’sche Krankheit, auch Paratuberkulose genannt, ist eine durch
Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis (MAP) hervorgerufene und in
Deutschland nach der Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten
(TKrMeldpflV) berichtspflichtige Erkrankung mit chronisch verlaufenden,
nicht therapierbaren Darmentzündungen. Die damit einhergehenden
Durchfälle führen im weiteren Verlauf zur Abmagerung bis hin zur Kachexie und
letztendlich zum Tod der Tiere. Die Johne’sche Krankheit kommt weltweit und
somit flächendeckend auch in Deutschland vor und betrifft überwiegend
domestizierte Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen, aber auch
Wildwiederkäuer wie Rot- und Rehwild (
https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/tiere/tier
seuchen/uebersicht-seuchen/alle-tierseuchen/paratuberkulose.html;
https://ww
w.fli.de/de/institute/institut-fuer-molekulare-pathogenese-imp/referenzlabore/
nrl-fuer-paratuberkulose/). Das bekannte Wirtsspektrum hat sich zudem in den
letzten Jahren deutlich erweitert und umfasst nunmehr auch andere Tierarten
wie beispielsweise Schweine, Kaninchen, Füchse, Marderartige, Kamele (Alt-
und Neuweltkamele) und Affen (
https://www.lgl.bayern.de/tiergesundheit/tier
krankheiten/bakterielle_pilzinfektionen/paratuberkulose/doc/paratuberkulose_
ag.pdf; S. 14 ff.). Infizierte Tiere zeigen aufgrund der langen Inkubationszeit
von zwei bis zehn Jahren oft keine typischen Krankheitssymptome. Jedoch
scheiden sie den Erreger auch vor Einsetzen der Symptomatik massenhaft
über den Kot sowie während der klinischen Phase auch über Milch und
Kolostrum aus und stellen somit ein erhöhtes Infektionsrisiko dar (ebd.). Auch
die intrauterine Übertragung des Erregers auf das Kalb ist insbesondere bei
klinisch kranken Tieren möglich (ebd.). Ältere Tiere infizieren sich
maßgeblich über kotkontaminiertes Futter bzw. Wasser oder auf der Weide (ebd.). In
der Regel findet die Infektion innerhalb der ersten 30 Lebenstage statt, danach
entwickelt sich eine zunehmende Altersresistenz (ebd.). Vor allem in
Milchviehbeständen führt die Paratuberkulose durch eine verminderte
Milchleistung, einen verringerten Schlachterlös durch Abmagerung bis hin zur völligen
Untauglichkeit des Schlachttierkörpers, erhöhte Krankheitsanfälligkeit sowie
diesbezüglicher Tierverluste zu erheblichen wirtschaftlichen Ausfällen (ebd.).
Wesentliche Voraussetzung für die Bekämpfung von MAP-Infektionen ist die
Senkung des Infektionsdrucks durch geeignete Hygienemaßnahmen und
frühzeitiger Entfernung erkrankter Tiere aus der Herde. Als erstes Bundesland ver-
Deutscher Bundestag Drucksache 19/22168
19. Wahlperiode 07.09.2020
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
vom 7. September 2020 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
abschiedete Niedersachsen am 1. November 2017 seine Paratuberkulose-
Verordnung (Nds. ParaTb-VO) und verpflichtet somit alle Rinderhalter zur
jährlichen Untersuchung ihrer Tiere (
http://www.nds-voris.de/jportal/;jsessioni
d=4B9B5418C4A32FB8795550BA8327F716.jp11?quelle=jlink&query=Para
TbSchV+ND&psml=bsvorisprod.psml&max=true&aiz=true#jlr-ParaTbSchV
NDrahmen).
Auf Bundesebene veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung und
Landwirtschaft (BMEL) am 1. August 2014 Empfehlungen für hygienische
Anforderungen an das Halten von Wiederkäuern vom 7. Juli 2014 im
Bundesanzeiger (BAnz. AT 1. August 2014 B1), wobei schwerpunktmäßig auch auf
den Umgang mit Paratuberkulose in Rinder-, Schaf- und Ziegenherden
eingegangen wird (
https://www.bundesanzeiger.de/ebanzwww/contentloader?state.
action=genericsearch_loadpublicationpdf&session.sessionid=d0b26ea76abe4b
304e263b98fa50a2a1&fts_search_list.destHistoryId=26231&fts_search_list.s
elected=43459939d8210a8a&state.filename=BAnz%20AT%2001.08.2014%
20B1; S. 11 ff.).
Weiterhin verdichten sich Hinweise bezüglich eines möglichen
Zoonosecharakters der Erkrankung. So wird eine Beteiligung von MAP bei der
Pathogenese von Morbus Crohn (MC), einer chronisch entzündlich verlaufenden
Darmerkrankung des Menschen, schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts
diskutiert (
https://www.vetion.de/fokus/Paratuberkulose-beim-Rind/10/). Anfang
des 21. Jahrhunderts konnte MAP bereits in dem Blut von MC-Patienten
nachgewiesen werden (
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S014
067360417058X?via%3Dihub).
1. Wie hoch ist nach Kenntnisstand der Bundesregierung die Prävalenz für
das Auftreten einer MAP-Infektion bei Rindern, Ziegen und Schafen in
Deutschland sowohl in der Stallhaltung als auch in der Freilandhaltung
(bitte die jeweiligen Prävalenzen seit dem Jahr 2010 aufgeschlüsselt nach
Nutztier und Haltungsform angeben)?
Es wird auf die Anlage verwiesen.
2. Wie hoch ist nach Auffassung der Bundesregierung die Prävalenz für das
Auftreten einer MAP-Infektion bei Wildwiederkäuern wie Rot-, Reh- und
Damwild (bitte die jeweiligen Prävalenzen seit dem Jahr 2010
aufgeschlüsselt nach Art angeben)?
Es wird auf die Anlage verwiesen.
3. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie hoch der
Durchseuchungsgrad der deutschen Rinder-, Ziegen- und Schafbestände, auch im
Hinblick auf mögliche regionale Unterschiede, ist?
a) Wenn ja, wie hoch ist der Durchseuchungsgrad der jeweiligen
Nutztierbestände, und lassen sich diesbezüglich regionale Muster
erkennen?
Die Fragen 3 und 3a werden gemeinsam beantwortet.
Der Durchseuchungsgrad der Nutztierbestände wird in Deutschland nicht
systematisch erfasst. Im Tiergesundheitsjahresbericht 2011 wurden die Ergebnisse
einer Abfrage durch das Nationale Referenzlabor (NRL) für Paratuberkulose
am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bei den Untersuchungseinrichtungen
verschiedener Bundesländer veröffentlicht. Es wurden die Bundesländer
einbezogen, in denen zum damaligen Zeitpunkt freiwillige Programme oder Studien
zur Kontrolle der Paratuberkulose durchgeführt wurden. In dieser Abfrage
wurde darum gebeten, die Ergebnisse der kulturellen Kotuntersuchungen bei
Rindern auf den Erreger der Paratuberkulose, Mycobacterium avium subsp.
paratuberculosis (MAP), aus den Jahren 2005-2010 mitzuteilen. Diese
Untersuchungsdaten weisen auf regionale Unterschiede in der Prävalenz infizierter
Herden und infizierter Einzeltiere hin (s. Tabelle 1). Es zeichnete sich ab, dass
der Anteil der betroffenen Betriebe und der Durchseuchungsgrad der Bestände
in Bayern niedriger war als in den anderen Bundesländern, aus denen Daten zur
Verfügung gestellt wurden.
Die Zahlen können jedoch nur als Orientierungswerte betrachtet werden, da die
Auswahl der Betriebe in den einzelnen Bundesländern nicht nach den gleichen
Kriterien erfolgte.
Auszug aus dem Tiergesundheitsjahresbericht 2011:
Es liegen keine Erkenntnisse über den Durchseuchungsgrad der Schaf- und
Ziegenbestände in Deutschland vor.
b) Wenn nein, plant die Bundesregierung, ein flächendeckendes
Monitoring- bzw. Screening-Programm ins Leben zu rufen, um die
Durchseuchungsrate auf nationaler Ebene innerhalb der genannten
Nutztierarten ermitteln zu können und etwaige
Interventionsmaßnahmen zu veranlassen?
In Niedersachsen wurde 2017 ein verpflichtendes Paratuberkulose-
Verminderungsprogramm, die Niedersächsische Verordnung zum Schutz der Rinder
gegen die Paratuberkulose (Nds. ParaTb-VO) in Kraft gesetzt, das ein
regelmäßiges Screening aller Zuchtrinder auf Paratuberkulose beinhaltet. Die Verordnung
schreibt eine mindestens jährliche Untersuchung jedes über 24 Monate alten
Zuchtrindes auf Antikörper gegen MAP, bzw. die Untersuchung von zwei
Bestandsmilchproben aus Sammelmilch von jeweils höchstens 50 Tieren im
Abstand von drei bis neun Monaten, vor (Nds. GVBl. 2017, 431).
Darüber hinaus werden in mehreren Bundesländern Deutschlands freiwillige
Paratuberkulose-Programme mit unterschiedlicher Zielstellung durchgeführt.
Im Rahmen dieser Programme findet kein flächendeckendes Screening der
Rinderbestände auf Paratuberkulose statt, sondern nur die Untersuchung der
beteiligten Betriebe. Nachfolgend sind die Bundesländer aufgelistet, in denen
freiwillige Programme durchgeführt werden:
a) Erkennung und Zertifizierung MAP-unverdächtiger Herden/Betriebe
• Hessisches Paratuberkulose-Untersuchungsprogramm für Milchvieh-
und Mutterkuhbetriebe, HEMAP,
www.HEMAP.de
b) Bekämpfungsprogramme
• Programm zur Bekämpfung der Paratuberkulose in Rinderbeständen in
Mecklenburg-Vorpommern, AmtsBl. M-V 2016 S 671
• Programm des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und
Verbraucherschutz und der Sächsischen Tierseuchenkasse zur Kontrolle der
Paratuberkulose in Sachsen, SächsABl 2015 Nr. 2, S. 36, geändert durch
SächsABl 2020 Nr. 4, S. 82
• Programm zur Bekämpfung der Paratuberkulose in Rinderbeständen in
Thüringen, ThürStAnz Nr. 26/2015 S 1087-1093
• Paratuberkulose der Rinder, Leitlinie des Landes Nordrhein-Westfalen
für den Schutz und die Sanierung von Rinderbeständen, RdErl. d.
Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz – II C 2-2181-3667 v. 17.08.2000
• Rheinland-Pfalz: Sockentupfer-Programm des
Rindergesundheitsdienstes: Ein neuer Ansatz in der Paratuberkulose-Bekämpfung,
https://lua.rl
p.de/fileadmin/lua/Downloads/Tiere/Tierseuchen_und_Tiergesundheit/F
lyer_-_Sockentupfer-Programm_des_RGD.pdf
• Richtlinie zur Bekämpfung der Paratuberkulose in Rinderbeständen des
Landes Brandenburg, Erlass des Ministeriums der Justiz und für Europa
und Verbraucherschutz vom 14. Juni 2016 Az.: MDJ-
V32-2311/57+1#151752/2016
4. Ist der Bundesregierung bekannt, über welche Expositionspfade sich
Menschen mit dem MAP-Erreger infizieren können (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
a) Wenn ja, welche Ansteckungswege sind hier zu nennen, und wie
lassen sich derartige Infektionsrisiken zukünftig vermeiden?
Die Fragen 4 und 4a werden gemeinsam beantwortet.
Als mögliche Expositionspfade kommen der Verzehr insbesondere nicht
pasteurisierter Milch erkrankter Tiere und daraus hergestellter Rohmilchprodukte
in Frage. Daneben findet sich der Erreger auch (über die Ausscheidungen der
Tiere) in Gewässern und Böden. Weitere Expositionsmöglichkeiten sind der
direkte Kontakt mit erkrankten Tieren und die Exposition gegenüber
kontaminiertem Fleisch. Eine Exposition ist dabei aber nicht mit einer Infektion
gleichzusetzen. Im Gegensatz zu Wiederkäuern erkranken Menschen nicht an der
Johne'schen Krankheit.
Eine Reduktion der Exposition gegenüber potentiell pathogenen Keimen
erfolgt durch Erhitzungsprozesse (Pasteurisierung). Programme zur Bekämpfung
der Paratuberkulose in Rinderbeständen (siehe auch Frage 3b) basieren in erster
Linie auf Hygienemaßnahmen und erfordern ein jahrelanges konsequentes
Vorgehen.
b) Wenn nein, möchte die Bundesregierung Maßnahmen ergreifen, um
die genauen Wege einer Ansteckung mit MAP zu identifizieren und so
das Risiko einer möglichen Ansteckung der Bevölkerung zu
verhindern (wenn ja, bitte ausführen)?
Auf die Antwort zu Frage 4a wird verwiesen.
5. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung antimykobakterielle
Arzneimittel in der Therapie von Morbus Crohn wirksam, oder beruht die teilweise
beobachtete Wirksamkeit der bislang eingesetzten Kombinationspräparate
lediglich auf ihrem allgemeinen antibakteriellen Effekt (vgl.
https://www.l
gl.bayern.de/tiergesundheit/tierkrankheiten/bakterielle_pilzinfektionen/par
atuberkulose/doc/paratuberkulose_ag.pdf, S. 26)?
Nach den aktuellen Therapieleitlinien der zuständigen medizinischen
Fachgesellschaften in Deutschland, Europa und den USA haben antimykobakterielle
Arzneimittel bisher keine überzeugende und dauerhafte Wirksamkeit bei der
Behandlung des Morbus Crohn gezeigt.
6. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Stämme der Erreger, die bei
Paratuberkuloseerkrankten Tieren gefunden werden, identisch mit denen,
die bei Morbus-Crohn-Patienten nachgewiesen werden?
Die Untersuchung einiger Bakterienstämme, die durch kulturelle Anzucht von
MAP aus menschlichem Darmgewebe gewonnen werden konnten, ergab
teilweise eine große Ähnlichkeit zu beim Tier gewonnenen Erreger-Isolaten, so
dass es als möglich erachtet wird, dass Erregerstämme sowohl beim Tier als
auch beim Mensch vorkommen können. Ein Vergleich der Stämme der Erreger,
die bei an Paratuberkulose erkrankten Tieren gefunden werden, und der
Erreger, die bei Morbus Crohn-Patienten nachgewiesen werden, ist nur mit Hilfe
der molekularen Typisierung möglich. Dies erfordert, dass die betreffenden
Stämme als Isolat vorliegen, also mittels kultureller Anzüchtung aus dem
Probenmaterial isoliert werden konnten. Obwohl MAP mittels PCR oder in-situ
Hybridisierung bei bestimmten Patienten mit Morbus Crohn nachgewiesen
wurde, ist die Zahl der MAP-Stämme, die mittels kultureller Anzüchtung
isoliert werden konnten, gering (Atreya et al., 2014). Weltweit wurden nur wenige
MAP-Isolate humanen Ursprungs molekular charakterisiert, es deutet sich
dabei eine enge genetische Ähnlichkeit zu tierischen Isolaten an (Atreya et al.,
2014). In einer Studie, in die Proben von 21 deutschen und 42 norwegischen
Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn n=14,
Ulzerative Kolitis n=49) und 21 Kontrollpersonen aus Deutschland ohne
Darmerkrankungen eingingen, wurde genetisches Material von MAP bei 33 Prozent der
Kontrollpersonen, 20 Prozent der Patienten mit ulzerativer Kolitis und 7
Prozent der Morbus Crohn-Patienten nachgewiesen (Rath et al., 2011). In der
Stammsammlung des Nationalen Referenzlabors für Paratuberkulose des
Friedrich-Loeffler-Instituts ist nur ein humanes MAP-Isolat vorhanden, das von
einem klinisch gesunden Menschen aus Hessen kulturell isoliert wurde. Dieses
Isolat weist einen Genotyp auf, der bisher bei Tieren in Deutschland nicht
gefunden wurde. Es lässt sich jedoch der großen Gruppe der Typ-C-Isolate
(MAP-Rindertyp) zuordnen.
Eine unmittelbare Übertragung von MAP vom Tier auf den Menschen mit
einem spezifischen epidemiologischen Link ist nach Kenntnis der
Bundesregierung nicht beschrieben.
Anlagen/Referenzen:
Atreya R, Bülte M, Gerlach G-F, Goethe R, Hornef M, Köhler H, Meens J,
Möbius P, Roeb E, Weiss S on behalf of the ZooMAP consortium. 2014. Facts,
myths and hypotheses on the zoonotic nature of Mycobacterium avium
subspecies paratuberculosis. Intern. J. Med. Microbiol. 304:858.
http://dx.doi.org/10.1
016/j.ijmm.2014.07.006
Rath T, Roderfeld M, Blöcher S, Rhode A, Basler T, Akineden Ö,
Abdulmawjood A, Halwe JM, Goethe R, Bülte M, Roeb E, 2011. Presence of intestinal
Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis (MAP) DNA is not
associated with altered MMP expression in ulcerative colitis. BMC Gastroenterol.
11:34. doi:10.1186/1471-230X-11-34
7. Ist nach Kenntnis der Bundesregierung eine Infektion mit MAP am
Krankheitsgeschehen der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung
Morbus Crohn beteiligt (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Eine kausale Beteiligung von MAP an der Entstehung von Morbus Crohn ist
nach Kenntnis der Bundesregierung unbewiesen. Einige Studienergebnisse
scheinen auf ein zoonotisches Potential hinzuweisen. Da MAP auch bei
gesunden Individuen nachweisbar ist, scheint allein eine MAP-Infektion nicht
ausreichzureichen, um einen Morbus Crohn auszulösen.
8. Wie hoch ist der Grad der Kontamination von Milch und daraus
hergestellten Lebensmitteln mit dem MAP-Erreger, wie stark sind andere
Lebensmittel wie Fleisch und Wurstwaren mit MAP belastet (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller, bitte nach Lebensmittel bzw. Lebensmittelgruppen
und dem jeweiligen Grad der Kontamination aufschlüsseln)?
In ausführlichen experimentellen Untersuchungen in den Jahren 2006 bis 2010
am Max Rubner-Institut (MRI) wurde geprüft, ob und wie sich Mykobakterien
in handelsüblicher Milch unter Einfluss verschiedener Erhitzungsverfahren
vermehren können. Das Ergebnis: Mykobakterien werden bei den gängigen
Erhitzungsverfahren für Milch weitgehend minimiert.
Mykobakterien können sich nur im Wirt vermehren. Die Erregerkonzentration
reduziert sich bei der Herstellung von Milch also sofort automatisch und im
Verlauf der Verarbeitung immer weiter. Die Experten der
Bundesforschungseinrichtungen gehen deswegen davon aus, dass Mykobakterien – wenn überhaupt
– nur in sehr geringen Keimzahlen über die verarbeitete Milch vom Menschen
aufgenommen werden. Für die Verarbeitung von Fleisch gilt ähnliches, d. h.
durch Erhitzungsprozesse wird ein mögliches Vorkommen des Erregers
deutlich reduziert.
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 7 – Drucksache 19/22168
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 9 – Drucksache 19/22168
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 11 – Drucksache 19/22168
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]