[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Michael
Theurer, Grigorios Aggelidis, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/24056 –
Schmerzmittelmissbrauch bei Jugendlichen
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Medienberichten zufolge ist das opioidhaltige Schmerzmittel Tilidin in den
letzten Jahren bei Jugendlichen in Deutschland zur Modedroge geworden
(
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/schmerzmittel-tilidin-geb
orgenes-gefuehl-quaelender-entzug/26229212.html). Das synthetische Opioid
ist zur Behandlung von starken und sehr starken Schmerzen zugelassen und
kann körperlich abhängig machen, weshalb es z. B. in den USA verboten ist.
Der Drogen- und Suchtbericht 2019 gibt keine Informationen über die
Prävalenz des Gebrauchs opioidhaltiger Schmerzmittel. Dem Bericht zufolge
scheint es bisher kein Präventionsprojekt für Medikamentenmissbrauch und
Medikamentenabhängigkeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu
geben.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung nimmt die Berichterstattung über die Zunahme der
missbräuchlichen Schmerzmitteleinnahme bei Jugendlichen in Deutschland ernst.
Der vom Fragesteller zitierte Artikel führt jedoch auch aus, dass die skizzierten
Daten weder vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG), noch dem GKV-
Spitzenverband, noch von der Bundesvereinigung Deutscher
Apothekerverbände nachvollzogen werden können. Im Rahmen des Jahrestreffens im November
2020 zum Early Warning System bei der Deutschen Beobachtungsstelle für
Drogen und Drogensucht wiesen Szenevertreter auf eine erhöhte Relevanz des
Konsums von Tilidin hin. Das im Juni 2019 abgeschlossene und aus Mitteln
des Innovationsfonds geförderte Projekt ProMeKa, das u. a. Ausmaß und
Trends der problematischen Medikation von Opioid-Analgetika (OA)
beleuchten sollte, hat, bezogen auf die Gesamtbevölkerung, im Zeitraum 2011 bis 2016
eine Steigerung der Verschreibungen von 4,5 Prozent auf 4,9 Prozent
festgestellt (
https://innovationsfonds.g-ba.de/downloads/projekt-dokumente/13/2020-
06-25_ProMeKa_Ergebnisbericht.pdf). Die Bundesärztekammer beabsichtigt
zudem als Reaktion auf die Ergebnisse des Projektes ProMeKa die daraus
gewonnenen Erkenntnisse in der ärztlichen Fort- und Weiterbildung weiterhin
verstärkt zu adressieren. Auch die Bundesregierung setzt ihre Anstrengungen
Deutscher Bundestag Drucksache 19/24523
19. Wahlperiode 20.11.2020
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Gesundheit vom 19. November
2020 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
fort, Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und bei Bedarf durch
zielgruppenspezifische Maßnahmen zu reagieren. Zudem verfolgt sie durch vom Bund
durchgeführte bzw. geförderte Lebenskompetenzprogramme (z. B. Kinder stark
machen; Klasse 2000 etc.) Kinder zu stärken, die Entwicklung hin zu
selbstbestimmten Persönlichkeiten zu unterstützen und dadurch auch den Einstieg von
Kindern und Jugendlichen in einen missbräuchlichen Schmerzmittelkonsum zu
verhindern.
1. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die jährliche Prävalenz
von Medikamentenmissbrauch und Medikamentenabhängigkeit in
Deutschland seit 2010 (bitte nach Geschlecht, Altersgruppe und
Medikamentenklasse aufschlüsseln)?
Im Epidemiologischen Suchtsurvey (ESA) wurden sowohl 2012 als auch 2018
Medikamentenmissbrauch und -abhängigkeit nach DSM-IV-Kriterien
(Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) in den letzten 12 Monaten
erhoben. Im Jahr 2012 betrug die Prävalenz für Medikamentenmissbrauch
insgesamt 8,9 Prozent und für Medikamentenabhängigkeit 4,5 Prozent; im Jahr
2018 waren dies für Medikamentenmissbrauch 7,8 Prozent und für
Medikamentenabhängigkeit 3,5 Prozent (siehe Tabelle 1 und Tabelle 2).
Differenziert nach Medikamentenklassen zeigte sich, dass der Großteil des
Medikamentenmissbrauchs durch Schmerzmittel bedingt ist (2012: 8,7 Prozent;
2018: 7,6 Prozent), wohingegen Schlaf- bzw. Beruhigungsmittel jeweils eine
deutlich geringer Prävalenz in beiden Jahren aufwiesen (2012: 0,8 Prozent bzw.
0,8 Prozent; 2018: 0,4 Prozent bzw. 0,3 Prozent). Vergleichbare Tendenzen
waren bei Medikamentenabhängigkeit zu finden (siehe Tabelle 1 und Tabelle 2).
Bei Medikamentenmissbrauch gab es einen geringen Unterschied zwischen
Männern und Frauen in den Erhebungsjahren 2012 und 2018, wohingegen bei
Medikamentenabhängigkeit bzw. bei Schmerzmittelabhängigkeit der Anteil an
Frauen in beiden Jahren 2012 und 2018 höher war als bei Männern (siehe
Tabelle 1 und Tabelle 2).
Bei Medikamentenmissbrauch zeigten vor allem die Personen im Alter von 21
bis 49 Jahre eine höhere Prävalenz in 2012 und 2018 als die jüngeren oder
älteren Personen (siehe Tabelle 3), wohingegen bei Medikamentenabhängigkeit
tendenziell die 30 bis 60-Jährigen eine höhere Prävalenz zeigten als die
jüngeren Personen (siehe Tabelle 4).
Die Prävalenz nach Geschlecht siehe Tabelle 1 (Missbrauch) und 2
(Abhängigkeit) bzw. nach Altersgruppen siehe Tabelle 3 (Missbrauch) und Tabelle 4
(Abhängigkeit).
Tabelle 1: 12-Monats-Prävalenz des Medikamentenmissbrauchs nach DSM IV
in den letzten 12 Monaten nach Geschlecht (Gesamtstichprobe) (Prozent)
Missbrauch nach
DSM-IV
2012 2018
Gesamt Männer Frauen Gesamt Männer Frauen
Medikamente 8.9 8.8 9.0 7.8 8.2 7.4
Schmerzmittel 8.7 8.5 8.8 7.6 7.9 7.2
Schlafmittel 0.8 0.8 0.8 0.4 0.5 0.3
Beruhigungsmittel 0.8 0.8 0.8 0.3 0.4 0.2
Quelle: ESA, IFT Institut für Therapieforschung
Tabelle 2: 12-Monats-Prävalenz der Medikamentenabhängigkeit nach DSM IV
in den letzten 12 Monaten (Gesamtstichprobe) (Prozent)
Abhängigkeit nach
DSM-IV
2012 2018
Gesamt Männer Frauen Gesamt Männer Frauen
Medikamente 4.5 4.0 5.0 3.5 3.1 4.0
Schmerzmittel 3.4 3.0 3.7 3.2 2.7 3.6
Schlafmittel 0.8 0.8 0.9 0.4 0.5 0.3
Beruhigungsmittel 1.4 1.4 1.3 0.5 0.7 0.3
Quelle: ESA, IFT Institut für Therapieforschung
Tabelle 3: 12-Monats-Prävalenz des Medikamentenmissbrauchs nach DSM IV
in den letzten 12 Monaten nach Alter (Gesamtstichprobe) (Prozent)
Altersgruppen Erhebungsjahr2012 2018
Medikamente
18-20 7.0 6.4
21-24 9.4 9.8
25-29 11.4 10.3
30-39 11.6 8.7
40-49 9.4 8.0
50-59 6.9 5.7
60-64 5.5 4.9
Schmerzmittel
18-20 6.9 6.0
21-24 9.4 10.2
25-29 10.5 9.8
30-39 11.8 8.5
40-49 9.1 7.9
50-59 6.7 5.5
60-64 5.2 4.3
Schlafmittel
18-20 0.4 0.5
21-24 0.4 0.6
25-29 1.1 0.6
30-39 0.5 0.5
40-49 0.8 0.4
50-59 1.2 0.3
60-64 0.5 0.3
Beruhigungsmittel
18-20 0.2 0.2
21-24 0.7 0.6
25-29 1.6 0.4
30-39 0.6 0.2
40-49 0.7 0.1
50-59 0.9 0.4
60-64 0.6 0.8
Quelle: ESA, IFT Institut für Therapieforschung
Tabelle 4: 12-Monats-Prävalenz der Medikamentenabhängigkeit nach DSM IV
in den letzten 12 Monaten nach Alter (Gesamtstichprobe) (Prozent)
Altersgruppen Erhebungsjahr2012 2018
Medikamente
18-20 2.4 2.6
21-24 3.1 3.7
25-29 2.7 3.1
30-39 4.2 3.5
40-49 5.8 3.9
50-59 5.2 3.1
60-64 3.4 4.0
Schmerzmittel
18-20 2.1 2.2
21-24 1.9 2.7
25-29 1.9 2.8
30-39 3.0 3.1
40-49 4.5 3.6
50-59 4.0 2.6
60-64 2.6 3.6
Schlafmittel
18-20 0.5 0.5
21-24 0.8 1.5
25-29 0.7 0.1
30-39 1.0 0.5
40-49 1.0 0.4
50-59 0.9 0.3
60-64 0.2 0.2
Beruhigungsmittel
18-20 0.5 0.3
21-24 0.6 0.3
25-29 0.5 0.3
30-39 1.2 0.6
40-49 1.8 0.7
50-59 2.0 0.4
60-64 0.8 0.3
Quelle: ESA, IFT Institut für Therapieforschung
2. Wie häufig wurden opioidhaltige Schmerzmittel wie Tilidin nach
Kenntnis der Bundesregierung jährlich seit 2010 verschrieben (bitte nach
Geschlecht und Altersgruppe aufschlüsseln)?
Nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Gesamtverordnungen von
Opioidanalgetika nach definierten Tagesdosen (DDD) für die Jahre 2009 bis
2019. Daten zu Geschlecht, Altersgruppen und Medikamentenklassen liegen
der Bundesregierung für diese Jahre nicht vor.
Jahr Mio. DDD
2009 379
2010 387
2011 395
2012 401
2013 394
2014 408
2015 409
2016 421
2017 423
Jahr Mio. DDD
2018 436
2019 439
Quelle: Arzneiverordnungsreport 2020
3. Wie viele Todesfälle im Zusammenhang mit opioidhaltigen
Schmerzmitteln, z. B. durch die kombinierte Einnahme von Tilidin und Alkohol, sind
der Bundesregierung jährlich seit 2010 bekannt?
Die gewünschten Informationen zu den Todesfällen im Zusammenhang mit der
Einnahme von opioidhaltigen Schmerzmitteln wie z. B. Tilidin in Verbindung
mit Alkohol liegen in der Todesursachenstatistik nicht vor.
Das Bundeskriminalamt (BKA) erhebt seit dem Jahr 2015 die Daten zu
Todesfällen in Verbindung mit Opiat-/Opioid basierten Arzneimitteln.
Für die Jahre 2015 bis 2019 wurden folgende Fallzahlen an Vergiftungen
registriert, bei denen todesursächlich opioid-/opiathaltige Arzneimittel waren:
2015 2016 2017 2018 2019
Monovalente Vergiftungen an Opiat-/
Opioid basierten Arzneimitteln
30 39 43 30 32
davon Fentanyl 28 35 42 25 25
Polyvalente Vergiftungen an Opiat-/Opioid
basierten Arzneimitteln (Opiat-/Opioid
basierte Arzneimittel i. V. m. anderen Stoffen)
74 79 84 54 58
davon Fentanyl 59 60 68 28 34
Quelle: BKA
4. Plant das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM),
auch Tilidin Retardtabletten in das Betäubungsmittelgesetz
aufzunehmen, und wenn ja, wann?
Die Entscheidung über die Änderung bzw. die Aufnahme von Stoffen in die
Anlagen I bis III zu § 1 Absatz 1 Betäubungsmittelgesetz (BtMG) obliegt nicht
dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), sondern
der Bundesregierung mittels Rechtsverordnung nach Anhörung von
Sachverständigen nach § 1 Absatz 2 BtMG.
Eine Änderung der Position Tilidin bzgl. Zubereitungen mit verzögerter
Wirkstofffreisetzung bedarf zunächst einer Befassung des
Sachverständigenausschusses.
Der Sachverständigenausschuss für Betäubungsmittel nach § 1 Absatz 2 BtMG
und § 7 Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) tagt bei Bedarf; in der Regel
zweimal jährlich. Er beschließt Empfehlungen zur Änderung oder Ergänzung
der in den Anlagen I bis III zu § 1 Absatz 1 BtMG aufgeführten Stoffe und
Zubereitungen und der Liste der Stoffgruppen in der Anlage des NpSG. Die
Tagesordnung der nächsten Sitzung steht noch nicht fest.
5. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung seit 2013 getroffen, um
den Missbrauch von Medikamenten bei Jugendlichen und jungen
Erwachsenen einzudämmen?
a) Zu welchen messbaren Erfolgen haben diese Maßnahmen bislang
jeweils geführt?
b) Welche Kosten sind bislang für die einzelnen Maßnahmen
angefallen?
c) Welche Maßnahmen in diesem Bereich sind in Zukunft geplant?
6. Welche Präventionsprojekte für Medikamentenmissbrauch und
Medikamentenabhängigkeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat der
Bund seit 2013 gefördert oder selbst durchgeführt?
Die Fragen 5 und 6 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Auf Bundesebene fördert insbesondere die Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung (BZgA) Lebenskompetenzprogramme, die im frühen Kindes- und
Jugendalter in den Lebenswelten Kita, Schule und Kommune eingesetzt
werden. Diese Programme stärken die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern
und Jugendlichen nachhaltig. Sie wirken unabhängig von konkreten
Suchtstoffen präventiv und verhindern in vielen Fällen den Einstieg in den
Substanzkonsum. Die BZgA evaluiert ihre Maßnahmen regelmäßig und passt sie neuen
Entwicklungen an. Die kausale Wirkung von einzelnen Maßnahmen in einer
komplexen Welt mit vielen Einflussfaktoren zu evaluieren, ist jedoch nur
eingeschränkt möglich. Die Ergebnisse der regelmäßig durchgeführten
Drogenaffinitätsstudie lassen jedoch positive Trends bei den meisten Suchtstoffen erkennen.
Folgende Programme zur Förderung von Lebenskompetenzen unterstützt die
BZgA konkret:
Kinder stark machen!
Das Programm „Kinder stark machen“ fördert die Fähigkeit von Kindern und
Jugendlichen, sich in Konfliktsituationen gesundheits- und risikobewusst
verhalten zu können. Das Programm beinhaltet zudem eine Mitmach-Aktion für
Erwachsene, die Verantwortung für Kinder tragen. Diese Aktion stärkt deren
Kompetenz zur Förderung der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. Im
Zeitraum 2013 bis 2020 wurde dieses Programm mit ca. 8,4 Mio. Euro
unterstützt.
Klasse 2000
Ziel des Programms ist die Förderung einer positiven Haltung zu einem aktiven
und gesunden Leben frühzeitig zu unterstützen und zu fördern. Im Fokus steht
die Förderung des Gesundheitsbewusstseins und der Kenntnisse über
Körperfunktionen, Ernährung und Bewegung. Das Programm unterstützt Kinder
dabei, persönliche und soziale Kompetenzen zu entwickeln (Problemlöse-,
Stressbewältigungs- und Kommunikationsstrategien). Primäre Zielgruppe des
Programms sind die Schulklassen 1 bis 4. Die BZgA hat dieses Programm des
Vereins Klasse 2000 im Zeitraum 2017 bis 2020 mit ca. 1,9 Mio. Euro
unterstützt. Evaluationsberichte können unter dem Link
https://www.gruene-liste-pr
aevention.de/nano.cms/datenbank/programm/12 abgerufen werden.
Eigenständig werden
Im Fokus dieses Programms steht die Gesundheitsförderung, die Sucht- und
Gewaltprävention sowie die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern in den
Klassenstufen 1 bis 6. Ziel ist die Schulung von sozialen und persönlichen
Fertigkeiten bei Kindern um z. B. eine positive Einstellung zu sich selbst zu
finden. Es werden Kompetenzen vermittelt, wie Konflikte durch Verhandeln
gelöst und wie eigene Gefühle und Bedürfnisse richtig eingeschätzt und
verbalisiert werden können. Die Kinder lernen sich negativem Gruppendruck zu
widersetzen und sich später bewusst gegen Drogen und für eine gesunde
Lebensweise zu entscheiden. Das Programm enthält auch Module zur Qualifizierung
von Lehrpersonal und Eltern. Die BZgA fördert dieses Projekt in der Zeit vom
1. Juli 2017 bis 30. Juni 2021 mit 297.468 Euro. Evaluationsergebnisse können
unter dem Link
https://www.gruene-liste-praevention.de/nano.cms/datenbank/p
rogramm/45 abgerufen werden.
Die Förderung dieser Projekte erfolgt fortlaufend.
Zudem informiert die BZgA in ihrem Informations- und Beratungsportal zur
Prävention des Konsums illegaler Drogen „drugcom.de“ auch über einzelne
Medikamente, wie z. B. Tilidin und beobachtet die Szene. Im November 2020
hat das Portal daher die aktuellen Entwicklungen in seinem Artikel
„Deutschrap auf Tilidin“ (
https://www.drugcom.de/newsuebersicht/topthemen/)
aufgegriffen und über den Diskussionsstand berichtet.
Eine häufig im Zusammenhang mit missbräuchlichem Schmerzmittelkonsum
genannte Gruppe sind die Studierenden. Das BMG hat daher in der Zeit von
1. Juli 2013 bis 31. Dezember 2015 das Projekt „Dein Masterplan“ (
www.dein-
masterplan.de) mit insgesamt 302.000 Euro gefördert. Das Projekt bietet
Studierenden eine Hilfestellung im Studienalltag und zeigt Wege auf, wie durch
sportliche Aktivität, gesunde Ernährung sowie erfolgreiche Lern- und
Stressbewältigungsstrategien der Einstieg in den Konsum vermeintlich
leistungssteigernden Substanzen oder anderer Suchtstoffe vermieden werden kann. Das
erfolgreich evaluierte Projekt wird seit Auslaufen der Bundesförderung von einer
gesetzlichen Krankenkasse finanziert.
Auch die vom BMG institutionell geförderte Deutsche Hauptstelle für
Suchtfragen (DHS) ist seit vielen Jahren mit Projekten im Bereich
Medikamentenmissbrauch und –abhängigkeit aktiv. Die von der DHS erstellten Flyer und
Broschüren richten sich an eine breite Leserschaft und damit auch an die
Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Details können der folgenden
Übersicht entnommen werden:
Broschürentitel Kurzbeschreibung und
Zielgruppe
Aktuelle
Auflage
Auflagenhöhe
seit 2013
Medikamente – ab wann sind sie
riskant?
Ein Heft in Leichter Sprache
Wie nimmt man Medikamente richtig
ein? Wann werden sie riskant?
Das Heft informiert Interessierte und
Betroffene in Leichter Sprache über
Medikamente, die abhängig machen
können.
2. Auflage,
2019
60.000
Die Sucht und ihre Stoffe –
Opiat- und Opioid-
Schmerzmittel
Das Faltblatt informiert über die
wichtigsten Fakten zu Opiat- und
Opioid-Schmerzmitteln:
Was sie sind, was sie gefährlich macht
und wie eine Sucht entsteht.
Geeignet für den schnellen Überblick.
12. Auflage,
2020
370.000
Broschürentitel Kurzbeschreibung und
Zielgruppe
Aktuelle
Auflage
Auflagenhöhe
seit 2013
Die Sucht und ihre Stoffe –
Benzodiazepine und Z-Drugs
(Beruhigungs- und Schlafmittel)
Das Faltblatt informiert in Kürze über
die wichtigsten Fakten zu
Benzodiazepinen und Z-Drugs (Beruhigungs-
und Schlafmittel): Was sie sind, was
sie gefährlich macht und wie eine
Sucht entsteht.
12. Auflage,
2020
360.000
Basisinformationen –
Medikamente
Diese Broschüre enthält umfassende
Informationen zum Thema
Medikamentenmiss-brauch und -
abhängigkeit. Sie richtet sich an
Interessierte und Fachkräfte, die einen ersten
Überblick bekommen möchten.
11. Auflage,
2020
230.000
Suchtmedizinische Reihe – Band
5 Medikamentenabhängigkeit
Der Band enthält umfangreiches
Grundwissen zu
Medikamentenabhängigkeit: Ein Kompendium für
Ärzte & Ärztinnen und psychosoziale
Berufsgruppen in der
psychotherapeutischen Versorgung & der Sozialarbeit.
4. Auflage,
2020
115.000
Quelle: DHS
Darüber hinaus unterstützt die DHS mit ihrer Beratungsstellensuche
www.such
thilfeverzeichnis.de betroffene Menschen bei der Suche eines passenden
Hilfeangebotes in ihrer Nähe.
Die DHS unternimmt zudem in Zusammenarbeit mit Dritten (z. B.
Krankenkassen) weitere Aktivitäten zur Vorbeugung von Medikamentenmissbrauch und
-abhängigkeit. Die Projekte selbst (Sachkosten, Personalkosten in Teilen)
werden dabei durch die Förderinstitution finanziert, durch die Einbindung in die
Arbeit der institutionell geförderten Geschäftsstelle besteht auch hier eine
Unterstützung des Bundes (z. B. durch Overheadkosten, Raummiete und Betrieb
der Geschäftsstelle, fachliche Leitung durch die Geschäftsführung und in Teilen
Personalkosten). Beispielhaft wird auf folgende Maßnahmen hingewiesen:
• 4-K-Kampagne
Gemeinsam mit der BARMER und der Bundesärztekammer (BÄK) hat die
DHS die „4-K-Kampagne“ entwickelt. Ziel dieser Aufklärungskampagne ist es,
Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzte und Apothekerinnen und
Apotheker über die Risiken von Schlaf- und Beruhigungsmitteln zu informieren.
„4-K“ steht für „Klare Indikation“, „Kleinste notwendige Dosis“, „Kurze
Anwendung“ und „Kein schlagartiges Absetzen“. Ein Fokus wird gelegt auf
Benzodiazepine, also Schlaf- und Beruhigungsmittel. Im Rahmen dessen wurden
zahlreiche Informationsmaterialien für Betroffene, Ärztinnen und Ärzte sowie
Apothekerinnen und Apotheker verfasst. Weiterhin stehen dazu Kurzvideos
und Interviews mit Expertinnen und Experten zur Verfügung. Weitere
Informationen unter
https://www.medikamente-und-sucht.de/fachleute-und-forschung/
projekte/4-k-kampagne.html
• Internetseite
www.medikamente-und-sucht.de
Zielsetzung der Internetseite
www.medikamente-und-sucht.de ist, allen
interessierten Personen auf einer zentralen Informationsplattform Unterstützung und
Beratung zu Themen rund um die Vorbeugung, Hilfe und Lösung von
Problemen mit Medikamenten anzubieten. Darüber hinaus leistet diese
Informationsplattform einen Beitrag, die Vernetzung verschiedener Akteure im Arbeitsfeld
zu fördern und für größere Transparenz zu sorgen, indem eine möglichst
umfassende Darstellung des Arbeitsfeldes angeboten wird. Die Seite richtet sich
an Personen, die Medikamente einnehmen, von Abhängigkeit betroffene oder
gefährdete Menschen, deren Angehörige und alle weiteren Interessierten.
Fachliche Informationen werden auch für Personen mit beruflichem Interesse an
dem Thema angeboten, für medizinisches Personal, Ärztinnen und Ärzte,
Apothekerinnen und Apotheker, Pflegekräfte, Suchtberaterinnen und Suchtberater
sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Verbänden und Fachorganisationen
im Gesundheitswesen, aus Beratungsstellen und Behandlungseinrichtungen
sowie wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Auch an Medienschaffende,
Journalistinnen und Journalisten und in der Öffentlichkeitsarbeit Tätige finden
Informationen zum Thema. Für das Jahr 2019 können 266.468 Besucher und
310.657 Seitenaufrufe verzeichnet werden.
• Videoreihe „Medikamente und Sucht“
Die DHS hat in 2017 eine Videoreihe zum Thema Medikamente und Sucht
gestartet. Die jeweils etwa zweiminütigen Clips richten sich vor allem an
Interessierte, Angehörige und Betroffene und informieren über Themenbereiche
wie Vorbeugung, Abhängigkeit, Therapie und Selbsthilfe.
Inzwischen stehen 16 Videos auf YouTube zur Verfügung.
Link zur YouTube-Playlist:
https://www.youtube.com/playlist?list=PLGWyDlx2vqVvLqv4lK2tJHUVtFu2
O_fgt
7. Welche Forschungsprojekte zum Medikamentenmissbrauch und
Medikamentenabhängigkeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen
unterstützt die Bundesregierung aktuell?
Aktuell führt der Bund keine Forschungsprojekte mit dem Schwerpunkt
„Medikamentenmissbrauch und –abhängigkeit bei Jugendlichen und jungen
Erwachsenen“ durch.
8. Was wird unternommen, um weitere Kenntnisse über den Missbrauch
von opioidhaltige Schmerzmittel bei Jugendlichen und jungen
Erwachsenen zu erzielen?
Das BMG bereitet derzeit ein Fachgespräch mit Expertinnen und Experten zum
Thema „Berichterstattung zum Medikamentenkonsum“ vor. Ziel des Gesprächs
wird sein, bestehende Systeme (z. B. den Epidemiologischen Suchtsurvey –
ESA) zu bewerten, Wissenslücken zu identifizieren und ein System zu
entwickeln, das Daten zu relevanten Fragestellungen in unregelmäßigen Abständen
liefert. Zudem hat das BMG aktuell eine Bekanntmachung veröffentlicht, mit
dem Ziel ein neues Projekt zu implementieren, das ein nachhaltiges Monitoring
von neuen Konsumtrends von psychoaktiven Stoffen und Medikamenten
anstrebt. Diese Systeme sollen negative Entwicklungen beim missbräuchlichen
Medikamentenkonsum frühzeitig transparent machen und Informationen für die
Analyse von Fehlentwicklungen liefern. Auf der Basis dieser Erkenntnisse
können gezielte Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen ergriffen werden.
9. Plant die Bundesregierung die Förderung und Durchführung von
weiteren Studien und Präventionsprojekten in diesem Bereich, und wenn ja,
wann?
Die Förderung der in den Antworten zu den Fragen 5 und 6 genannten Projekte
wird fortgesetzt.
10. Welche Mengen von illegalen Medikamenten kommen nach
Einschätzung der Bundesregierung jedes Jahr in Deutschland in Umlauf (bitte
nach Medikamentenklasse aufschlüsseln)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine statistischen Daten vor.
11. Wie viele gefälschte Rezepte kommen nach Einschätzung der
Bundesregierung jedes Jahr in Deutschland in Umlauf?
Wie begegnet die Bundesregierung diesem Problem?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Daten vor.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]