[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Uwe Kekeritz,
Ottmar von Holtz, Agnieszka Brugger, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 19/25909 –
Lage in der Provinz Cabo Delgado in Mosambik und die Auswirkungen auf die
deutsche Entwicklungszusammenarbeit
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Seit März 2017 kommt es in der Provinz Cabo Delgado in Mosambik zu
Angriffen auf die Zivilbevölkerung durch militante Gruppen. Die Gruppen
bezeichnen sich als Teil des Islamischen Staates (IS) und sind als Ahlu Sunnah
Wa-Jama oder Al-Shabab in der Region bekannt. Schätzungsweise sind bereits
2 500 Menschen in den Konflikten umgekommen. Willkürliche Angriffe,
Entführungen und öffentliche Enthauptungen haben international Entsetzen
ausgelöst (
https://apps.derstandard.de/privacywall/story/2000121692423/mosamb
ik-wird-von-terrormilizen-und-dem-ressourcenfluch-heimgesucht).
Besonders seit der Eroberung der Stadt Mocimba Da Praia durch die
Aufständischen im März 2020 fliehen Bewohnerinnen und Bewohner mit Booten
entlang der Küste des Indischen Ozeans in die Provinzhauptstadt Pemba. Dabei
kommt es immer wieder zu Unglücken. Zuletzt ertranken im November 38
Menschen (
https://taz.de/Buergerkrieg-im-Norden-Mosambiks/!5726969/).
Der Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR)
rechnet aktuell mit über 300 000 Binnengeflüchteten. Ein großer Teil lebt in
Unterkünften in Pemba unter prekären Bedingungen (
https://www.unhcr.org/news/b
riefing/2020/11/5fae44df4/civilians-bear-brunt-violence-mozambiques-cabo-d
elgado.html).
Das mosambikanische Militär gibt an, gegen den Terror vorzugehen,
allerdings berichten verschiedene Quellen, dass viele Orte ohne Gegenwehr
angegriffen wurden. Auch wird wiederholt von Übergriffen des mosambikanischen
Militärs auf die Zivilbevölkerung berichtet (
https://www.fr.de/politik/terror-fu
er-seelenheil-13639854.html).
Cabo Delgado war bereits vor den aktuellen Entwicklungen Schauplatz eines
Konfliktes zwischen der Oppositionspartei Resistência Nacional
Moçambicana (RENAMO) und der Regierungspartei Frente de Libertação de
Moçambique (FRELIMO), der mit dem 2019 geschlossenen Friedensabkommen
offiziell bei-gelegt wurde (
https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laend
er/mosambik-node/friedensprozess/223753&).
Deutscher Bundestag Drucksache 19/26804
19. Wahlperiode 19.02.2021
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 19. Februar 2021 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Zudem wurde Mosambik im vergangenen Jahr zunächst im südlichen und
zentralen Küstenteil durch den Zyklon Idai und die Region Cabo Delgado zwei
Monate später durch den Zyklon Kenneth verwüstet, was die humanitäre Krise
noch verschärfte (
https://reliefweb.int/report/mozambique/mozambique-worl
d-cannot-ignore-growing-violence-and-humanitarian-crisis). Cabo Delgado
gehört aktuell zu den am stärksten von Hunger betroffenen Provinzen in
Mosambik und gilt als nationales Epizentrum der Corona-Pandemie (
https://ta
z.de/Islamismus-in-Mosambik/!5716023/).
Die Pressefreiheit wurde von der Regierung wiederholt eingeschränkt und der
Zugang zur Region Cabo Delgado bleibt Medienvertreterinnen und
Medienvertretern und Berichterstatterinnen und Berichterstattern weitgehend
verwehrt (
https://www.dw.com/de/neues-massaker-in-nord-mosambik/a-5555
7233).
Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz und der UNHCR berichten von
Schwierigkeiten, in der Region Nothilfe zu leisten. Laut unterschiedlicher
Quellen möchte der mosambikanische Staat verhindern, dass international auf
den Konflikt mit den islamistischen Gruppen eingewirkt wird (
https://www.va
ticannews.va/de/welt/news/2020-11/mosambik-konflikt-islamisten-fluechtling
e-capo-delgado-armut.html).
Im starken Kontrast zur humanitären Notlage gilt Cabo Delgado aufgrund
seiner großen Rohstoffvorkommen als wirtschaftliche Hoffnung Mosambiks. Es
werden Gasvorkommen im Wert von 500 Mrd. Dollar vor der Küste geschätzt,
zudem Reserven von Steinkohle, Graphit, Gold, Tantal, Beryllium, Diamanten
und Rubinen (
https://www.gtai.de/gtai-de/trade/branchen/branchenbericht/mo
sambik/mosambik-intensiviert-suche-nach-mineralischen-rohstoffen-151692).
Für die Region droht der Rohstoffreichtum jedoch zum Fluch zu werden: Der
Abbau der Rohstoffe führt zu Umweltzerstörung und bedroht die Biodiversität
vor der Küste. Es wird von Landnahmen mit wenig oder keiner Kompensation
für die lokale Bevölkerung berichtet. Die von der Fischerei abhängige lokale
Bevölkerung verliert so den Zugang zur Küste und damit ihre
Lebensgrundlage. Gleichzeitig profitieren die Menschen vor Ort kaum von den Erlösen aus
dem Abbau der Ressourcen (
https://1bps6437gg8c169i0y1drtgz-wpengine.net
dna-ssl.com/wp-content/uploads/2017/12/2016.09.14_Mozambique_LNG_Tri
p_Report.pdf). Dennoch wirbt die Regierung Mosambiks internationale
Investoren an. Europäische Unternehmen wie Total und Exxon sind bereits in Cabo
Delgado aktiv, Siemens hat eine Zusammenarbeit mit Total bestätigt (
https://w
ww.offshore-energy.biz/siemens-gets-mozambique-lng-turbines-job/). Die
Investitionen werden unter anderem von den deutschen
Versicherungskonzernen Allianz und Munich Re versichert (
https://urgewald.org/medien/allianz-w
eltweit-groessten-versicherer-oel-gasindustrie). Im Frühjahr 2021 ist eine
Delegationsreise deutscher Investoren zur Messe „Mosambik Oil & Gas“
angekündigt (
https://germanyafrica.com/2020/10/05/german-investors-announc
e-mozambique-investment-mission-targeting-lng-other-gas-projects-and-servi
ces-during-mozambique-gas-power/).
Vor dem Hintergrund des komplexen, dynamischen Konfliktes in der Region
stellen sich Fragen hinsichtlich des Engagements der Bundesregierung vor
Ort.
1. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über das derzeitige
Konfliktgeschehen?
Cabo Delgado ist eine der ärmsten und am wenigsten entwickelten Regionen
Mosambiks. Netzwerke organisierter Kriminalität sind weitverbreitet. Zudem
haben zwei als terroristisch eingestufte Organisationen territoriale Kontrolle
über Teile der Provinz erlangt: die lokale Gruppe „Ansar al-Sunna“ und der von
außen in die Provinz eingedrungene Islamische Staat Provinz Zentralafrika
(ISPZ). Seit 2017 nimmt die Gewalt gegen Zivilbevölkerung und
Sicherheitskräfte in Cabo Delgado zu und kulminierte im Sommer 2020. Mit der
drohenden Verfestigung terroristischer Strukturen ist eine weitere Verschlechterung
der Sicherheitslage sehr wahrscheinlich, die anhaltend hohe Opferzahlen
fordern sowie die humanitäre Lage verschärfen und weitere
Flüchtlingsbewegungen auslösen könnte. Zudem könnte sich Cabo Delgado zu einem
Rückzugsraum des internationalen Terrorismus entwickeln. Kämpfer als terroristisch
eingestufter Gruppierungen dringen immer wieder von Cabo Delgado nach
Tansania vor. Südafrikas Regierung ist über ein Eindringen extremistischer Elemente
sehr besorgt.
2. Welche Kenntnisse hat sie über Getötete, Verwundete, Vertriebene und
Geflüchtete in der Region Cabo Delgado?
Der Bundesregierung liegen zu dieser Frage keine eigenen Informationen vor.
Die Internationale Organisation für Migration (IOM) beziffert die Zahl der
Binnenflüchtlinge in Cabo Delgado auf 554 085 Personen. Hinzu kommen rund
46 000 Binnenflüchtlinge, die Zuflucht außerhalb Cabo Delgados in den
Provinzen Nampula, Niassa, Sofala und Zambesia gefunden haben. Insgesamt gibt
es laut IOM rund 600 000 Binnenflüchtlinge. Schätzungen gehen von bislang
über 2 500 Getöteten im Konflikt in Cabo Delgado aus.
3. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Rolle folgender
Akteure im Konflikt:
a) Mitglieder von islamistischen Terrororganisationen wie Al-Shabab
und dem IS aus dem In- und Ausland,
Die Bundesregierung beobachtet in Cabo Delgado Überschneidungen zweier
islamistisch-terroristischer Phänomene. Die ersten Angriffe in Cabo Delgado
im Jahr 2017 wurden nach Erkenntnissen der Bundesregierung von der lokalen
Gruppierung „Ansar Al-Sunna“, auch „Al-Shabaab“ genannt, verübt und
richteten sich sowohl gegen mosambikanische Sicherheitskräfte als auch gegen die
Zivilbevölkerung.
Seit Sommer 2019 ist vermehrt eine Präsenz des ISPZ zu beobachten, der die
Angriffe in Cabo Delgado auch gezielt für seine Propaganda nutzt. Die Präsenz
wird auf IS-Kämpfer im unteren dreistelligen Bereich geschätzt, während für
die lokale Gruppierung von Kämpferzahlen im mittleren dreistelligen Bereich
ausgegangen wird. Insgesamt ist eine opportunistische Aneignung des
Konflikts durch den sogenannten IS zu beobachten, um Präsenz im südlichen
Afrika reklamieren zu können. Darüber hinaus nutzen lokale Gruppen die
Bezeichnung „IS“, um stärker wahrgenommen zu werden. Mit der zunehmenden
Vereinnahmung des Konflikts durch ISPZ hat sich der Modus Operandi verändert.
Die von den IS-Kämpfern durchgeführten Angriffe richten sich nunmehr in
erster Linie gegen die mosambikanischen Sicherheitskräfte. Angriffe auf die
Zivilbevölkerung werden weiterhin von „Ansar Al-Sunna“ verübt.
b) Sicherheitsbehörden, Militär und Polizei aus Mosambik,
Anfang 2021 wurde beschlossen, dass die dem Verteidigungsministerium
unterstehenden Streitkräfte künftig für Operationen gegen die islamistischen
Aufständischen in Cabo Delgado verantwortlich sind und nicht mehr die dem
Innenministerium unterstellten Polizeikräfte. Den mosambikanischen
Sicherheitskräften wurden seit Beginn des bewaffneten Konflikts wiederholt
Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Die mosambikanische Regierung bestreitet
das.
c) Sicherheitsbehörden, Militär und Polizei aus angrenzenden Staaten
wie Tansania und Staaten der Afrikanischen Union (AU),
Nach Kenntnis der Bundesregierung spielen Sicherheitsbehörden, Polizei und
Militär aus angrenzenden Staaten und/oder der Afrikanischen Union (AU)
bislang keine Rolle im Konflikt in Cabo Delgado. Aufgrund der Zuspitzung der
Sicherheitslage an der südlichen Grenze von Tansania zu Mosambik hat die
tansanische Regierung dort ihre Verteidigungsbereitschaft verstärkt. Mehrere
tansanische Dörfer an der Grenze wurden zwangsgeräumt. Tansania und
Mosambik haben in einem Memorandum of Understanding ihre engere
Zusammenarbeit entlang der gemeinsamen Grenze bekräftigt, etwa mit gemeinsamen
Patrouillen und intensiviertem Informationsaustausch. Mosambik hat Ende
2020 auch mit Malawi eine engere Kooperation im Sicherheitsbereich
vereinbart.
d) ausländische Sicherheitsfirmen wie Wagner aus Russland und Dyck
Advisory Group aus Südafrika,
Die Bundesregierung verweist auf Medienberichte über einen Einsatz der
Sicherheitsfirma Wagner in Cabo Delgado ab Herbst 2019. Danach soll sich die
Firma nach Verlusten aus dem Konfliktgebiet zurückgezogen haben. Über die
Medienberichterstattung hinausgehende Informationen zu einem Einsatz der
privaten südafrikanische Sicherheitsfirma Dyck Advisory Group in Cabo
Delgado liegen der Bundesregierung nicht vor.
e) Sicherheitspersonal ausländischer Investoren in der Region,
Laut Medienberichten ist Sicherheitspersonal der französischen Firma Total
zum Eigenschutz der im Aufbau befindlichen Total-Anlagen zur Förderung von
Flüssiggas eingesetzt. Über Medienberichterstattung hinaus liegen der
Bundesregierung hierzu keine Informationen vor.
f) Mitglieder der Konfliktpartei RENAMO?
Mitglieder der Resistência Nacional Moçambicana (RENAMO) sind nicht
Konfliktpartei in Cabo Delgado.
4. Welche Auswirkungen hat die Gewalt nach Kenntnis der
Bundesregierung auf
a) die Zivilbevölkerung vor Ort?
Die Zivilbevölkerung leidet in besonderem Maße unter der Gewalt in Cabo
Delgado. In einer gemeinsamen Erklärung vom 20. Januar 2021 sprachen die in
Mosambik vertretenen Organisationen der Vereinten Nationen (VN) von einer
„sich verschärfenden humanitären Krise“ in Cabo Delgado: „In Verbindung mit
den Folgen der COVID-19-Pandemie ist die Krise noch schwieriger
geworden“, stellen die VN-Organisationen fest und beschreiben die Lage als eine
„komplexe Sicherheits-, menschenrechtliche, humanitäre und
entwicklungspolitische Herausforderung“ (
https://news.un.org/en/story/2021/01/1082552). Im
Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen.
b) Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidiger
sowie die Zivilgesellschaft vor Ort?
Ein grundsätzliches Problem in den Konfliktgebieten Cabo Delgados ist die
fehlende Zugangserlaubnis der mosambikanischen zu den betreffenden
Konfliktzonen etwa für Nichtregierungsorganisationen, Journalistinnen und
Journalisten, Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger. Vor diesem
Hintergrund sind belastbare Informationen zu den Auswirkungen auf die
Zivilgesellschaft nur bedingt verfügbar. Als gesichert gilt jedoch, dass die Menschen, die
bislang noch nicht die Konfliktregion verlassen haben, weiterhin gefährdet
sind. Die mosambikanische Regierung verdächtigt sie, mit den Islamisten zu
sympathisieren, die sie wiederum als potenzielle Regierungskämpfer
betrachten.
In der Zivilgesellschaft in Cabo Delgado hat die katholische Kirche eine
besondere Rolle. Der Bischof von Pemba, der Provinzhauptstadt Cabo Delgados,
führt kontinuierlich einen Dialog mit der örtlichen islamischen Geistlichkeit.
Darüber hinaus unterstützen der Bischof und die katholische Kirche im
Rahmen ihrer Möglichkeiten die Binnenvertriebenen in den Lagern im Süden Cabo
Delgados sowie in den angrenzenden Provinzen Niassa und Nampula. Über
seine Aktivitäten hat Bischof Lisboa Mitte Dezember 2020 ausführlich vor dem
Auswärtigen Ausschuss des Europäischen Parlaments (virtuell zugeschaltet)
berichtet.
c) internationale Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit?
Internationale Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit (unter
anderem UNICEF und das Welternährungsprogramm WEP) sind in Cabo Delgado
zur Unterstützung und Versorgung der Zivilbevölkerung tätig. Die
Unterstützung zielt nach Kenntnis der Bundesregierung im Wesentlichen auf die aus der
Konfliktregion vertriebene Bevölkerung, die in Lagern oder bei Verwandten
Zuflucht gefunden haben. Zugang zur Konfliktregion selbst ist aufgrund von
Vorgaben der mosambikanischen Regierung nicht möglich.
d) die Zusammenarbeit mit deutschen und europäischen Unternehmen
vor Ort?
Nach Informationen der Bundesregierung hat ein Unternehmen mit
Deutschlandbezug seine Sicherheitsvorkehrungen vor Ort verstärkt. Das französische
Unternehmen Total hat eine Absichtserklärung mit der mosambikanischen
Regierung unterzeichnet, die die Aufstellung einer gemeinsamen Task Force
vorsieht, um die Sicherheit der Aktivitäten des LNG-Gasprojekts Mosambik zu
gewährleisten, das von Total im Gebiet 1 des Rovuma-Beckens geleitet wird.
Nach Angriffen nahe der LNG-Industriezone von Total wurden 500 Total-
Mitarbeiter in die Provinzhauptstadt Pemba evakuiert. Weitere Informationen
liegen der Bundesregierung nicht vor.
5. Welche entwicklungspolitischen Projekte setzt die Bundesregierung in
der Region Cabo Delgado um (bitte nach Vorhaben, finanziellem
Umfang der letzten fünf Jahre, Partner bzw. Durchführungsorganisation
auflisten)?
Derzeit werden in der Provinz Cabo Delgado keine Projekte durch
Organisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit durchgeführt, die vom
Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ)
finanziert sind. Die letzten Aktivitäten eines regionalen Vorhabens zur
Einkommens- und Beschäftigungsförderung von Jugendlichen („Employment
for Development“) wurden im April 2020 eingestellt, das Büro der Deutschen
Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in der Provinzhauptstadt
Pemba bereits im Dezember 2018 geschlossen. Für ein Vorhaben im Bereich
nachhaltige Fischerei, das durch den WWF durchgeführt wird, wurde 2020 die
Verlegung in eine andere Provinz entschieden.
Im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des
Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) werden
Aktivitäten in der Provinz Cabo Delgado im Rahmen eines regionalen Vorhabens zur
„Verbesserung der sozioökologischen Widerstandsfähigkeit von Küsten und
Meeren sowie des Schutzes der biologischen Vielfalt im westlichen Indischen
Ozean“ (Projektlaufzeit: April 2019 bis März 2023) unterstützt. Das Projekt
wird von der Durchführungsorganisation IUCN unter anderem in Mosambik
umgesetzt. In Mosambik ist der Durchführungspartner die Associação do Meio
Ambiente (AMA) und der politische Partner das Ministerium für Meer,
Binnengewässer und Fischerei. Das Fördervolumen beträgt 4 124 185,00 Euro
gemeinsam für die Länder Mosambik, Kenia, Seychellen und Tansania.
6. In welchem Umfang hat die deutsche Bundesregierung Maßnahmen der
humanitären Hilfe in der Region Cabo Delgado sowohl anlässlich des
Zyklons Kenneth als auch anlässlich des gewaltsamen Konfliktes in den
Jahren 2019 und 2020 finanziert (bitte nach Empfängerorganisation und
finanziellem Umfang auflisten), und in welchem Rahmen wurden
Strukturen, die mit diesen Hilfen errichtet wurden, im aktuellen Konflikt nach
Kenntnis der Bundesregierung wieder zerstört?
Die Bundesregierung unterstützt seit 2019 in Mosambik humanitäre
Ernährungshilfe für Menschen in Not im Rahmen einer Regionalförderung des
Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen in Höhe von 6,4 Mio. Euro, um
den humanitären Bedarf nach dem Zyklon Kenneth sowie aufgrund der
bewaffneten Auseinandersetzung in Cabo Delgado zu decken. Die WEP-
Regionalförderung umfasst neben Mosambik außerdem Eswatini, Madagaskar, Sambia und
Simbabwe. Außerdem wurde seit 2019 auch die Koordinierung von
humanitären Hilfsmaßnahmen in Mosambik landesweit gestärkt durch eine Förderung
des Regionalbüros für das südliche und östliche Afrika des Büros der Vereinten
Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA RO-
SEA) in Höhe von einer Mio. Euro. Weitere Hilfsmaßnahmen der
Bundesregierung im Rahmen des darüber hinaus bereits im März 2019 aufgetretenen
Zyklons Idai wurden in den am stärksten betroffenen Regionen im Süden
Mosambiks umgesetzt.
Nach Kenntnis der Bundesregierung wurden im Rahmen der deutschen
humanitären Hilfe keine Strukturen in Cabo Delgado geschaffen, die im aktuellen
Konflikt zerstört wurden.
7. Welche Auswirkungen hat die Gewalt auf Projekte der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit?
Vom BMZ durchgeführte Vorhaben sind nicht durch die Gewalt in der Provinz
Cabo Delgado betroffen. Der bewaffnete Konflikt hat indirekt Auswirkungen
auf das vom BMU finanzierte Vorhaben „Verbesserung der sozioökologischen
Widerstandsfähigkeit von Küsten und Meeren sowie des Schutzes der
biologischen Vielfalt im westlichen Indischen Ozean“, da die Durchführung der
Aktivitäten in der Cabo Delgado Provinz durch die Ankunft einer großen Anzahl an
Flüchtlingen beeinträchtigt ist. Eine Neuorientierung der Projektaktivitäten in
Mosambik wird aktuell mit der Durchführungsorganisation geprüft.
a) Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus der
Gewalteskalation bezüglich der deutschen Entwicklungszusammenarbeit?
Die Durchführung von Vorhaben im Rahmen der bilateralen staatlichen
Entwicklungszusammenarbeit in Cabo Delgado wird aufgrund der instabilen
Sicherheitslage gegenwärtig als nicht durchführbar angesehen. Das BMZ prüft
eine Förderung nichtstaatlicher Organisationen durch Mittel der
strukturbildenden Übergangshilfe zur Unterstützung von intern Vertriebenen.
Darüber hinaus werden gegenwärtig die Aktivitäten in benachbarten Provinzen
ausgebaut, die stabilisierend für die Region wirken können. So werden in der
Provinz Nampula Maßnahmen zur Förderung der Jugendbeschäftigung und
-ausbildung durchgeführt.
b) Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus der
Gewalteskalation bezüglich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit?
Die Bundesregierung beobachtet die politische und wirtschaftliche Situation in
Mosambik aufmerksam und passt bei Bedarf die für die Übernahme von
Exportkreditgarantien maßgebliche Länderbeschlusslage an. Aktuell bestehen
Deckungsmöglichkeiten in Einzelfällen sowie für Projektfinanzierungen und
sonstige Strukturierte Finanzierungen. Für Geschäfte mit dem öffentlichen Sektor
gelten die Grundsätze der nachhaltigen Kreditvergabe der OECD (Sustainable
Lending). Bei Prüfung neuer Anträge auf Investitionsgarantien wird auch die
politische und wirtschaftliche Situation im Anlageland analysiert. Diese
beeinflusst entsprechend die Entscheidung des Bundes bei der Garantieübernahme.
8. Welche Möglichkeiten diplomatischer Interventionen sieht die
Bundesregierung angesichts der aktuellen Konflikteskalation in der Provinz
Cabo Delgado?
Die Ursachen des Konflikts in Cabo Delgado sind nach Einschätzung der
Bundesregierung in der sozioökonomischen Exklusion, Armut und
Perspektivlosigkeit der dortigen Bevölkerung zu suchen. Rein sicherheitspolitische
Maßnahmen werden den Konflikt nicht befrieden können. Es bedarf vielmehr eines
umfassenden Engagements seitens der mosambikanischen Regierung und der
internationalen Gemeinschaft. Den Nachbarstaaten Mosambiks, insbesondere
Tansania, und der Southern African Development Community (SADC), kommt
dabei eine entscheidende Rolle zu.
Die Bundesregierung sucht vermehrt das Gespräch mit der mosambikanischen
Regierung, sowohl bilateral als auch über die Europäische Union. Letztendlich
hängt der Erfolg der diplomatischen Bemühungen der internationalen
Gemeinschaft von der Bereitschaft der mosambikanischen Regierung ab, konkrete
Unterstützungsbitten zu formulieren und Kooperationsangebote anzunehmen.
9. Wie bewertet die Bundesregierung den Friedensprozess nach Abschluss
des Friedensabkommens 2019, im Kontext des Konfliktes in Cabo
Delgado?
Das Friedensabkommen vom August 2019 wird im so genannten DD+R-
Prozess (Disarmement, Demobilisation + Reintegration) sukzessive umgesetzt.
Circa 30 Prozent der ehemaligen RENAMO-Kämpfer in Zentralmosambik sind
bereits entwaffnet und demobilisiert. Trotz Corona-Pandemie geht der Prozess
unter dem Sonderbeauftragten des Generalsekretärs der VN, Botschafter
Manzoni, weiter. Zum Konflikt in Cabo Delgado gibt es keine Berührungspunkte.
10. Welche konkreten Aktivitäten und Maßnahmen zur Deeskalation und
zum Schutz der Zivilbevölkerung hat die Bundesregierung im
Zusammenhang mit dem gewaltsamen Konflikt in Cabo Delgado bereits
ergriffen?
Die Bundesregierung hat 2020 im Rahmen eines präventiven und
deradikalisierenden Ansatzes ein Vorhaben des Büros der Vereinten Nationen für Drogen-
und Verbrechensbekämpfung (UNODC) zur Stärkung von
Rechtstaatsprinzipien bei der Strafverfolgung von Terroristen und gewaltbereiten Extremisten mit
einem Betrag in Höhe von umgerechnet ca. 277 000 Euro gefördert. 2021 soll
dies mit der Unterstützung eines UNODC-Folgeprojekts zur Stärkung des
Justizsektors in der Terrorismusbekämpfung mit einem Betrag in Höhe von
umgerechnet ca. 620 000 Euro vertieft und ausgebaut werden. Darüber hinaus wird
sich die Bundesregierung verstärkt in den Bereichen humanitäre Hilfe,
Unterstützung des zivilen Sicherheitssektors und Grenzmanagement,
Deradikalisierung und Entwicklungszusammenarbeit engagieren. Entsprechende
Projektanträge liegen der Bundesregierung vor.
11. Auf welche Weise ist die Bundesregierung in die Aushandlung eines
Sicherheitsabkommens zwischen der Europäischen Union (EU) und
Mosambik bezüglich der Unruhen in Cabo Delgado involviert?
Verhandlungen im Sinne der Fragestellung werden derzeit nicht geführt.
12. Wie konnte sich die Bundesregierung in ihrer aktuellen Rolle als EU-
Ratsvorsitzende einbringen, um ein gemeinsames, abgestimmtes
Vorgehen der EU-Mitgliedstaaten und der EU-Außenpolitik gegenüber den
beteiligten Konfliktparteien herbeizuführen?
Die Bundesregierung ist im Rahmen der zu Verfügung stehenden Gremien an
Gesprächen zwischen der Europäischen Union und Mosambik beteiligt. Sie
bringt sich etwa im Rahmen der Ratsarbeitsgruppen Afrika (COAFR) und
internationale Aspekte der Terrorismusbekämpfung (COTER) oder im
Politischen und Sicherheitspolitischen Komitee in die Diskussion ein und formuliert
dort ihre Position. Am 12. Oktober 2020 befasste sich der Rat für Auswärtige
Angelegenheiten der Europäischen Union mit der Sicherheitslage in
Mosambik. Auch vor Ort im Mosambik arbeitet die Bundesregierung über die
Botschaft in Maputo eng mit den EU-Mitgliedsstaaten und der EU-Delegation
zusammen, um eine gemeinsame Strategie zu entwickeln.
13. Welche Rolle sieht die Bundesregierung für die Institutionen und
zivilgesellschaftlichen Gruppen im Rahmen einer zivilen Konfliktbearbeitung
angesichts der Kriegssituation in Cabo Delgado?
Die Organisationen der Vereinten Nationen (VN),
Nichtregierungsorganisationen sowie zivilgesellschaftliche Gruppen erfüllen eine Schlüsselaufgabe im
Rahmen der Versorgung der Binnenvertriebenen mit Nahrung, Unterkunft und
medizinischer Versorgung. Ansonsten wird auf die Antwort zu Frage 4b
verwiesen.
a) Mit welchen Trägern ziviler Konfliktbearbeitungskompetenzen ist die
Bundesregierung bezüglich des Krieges in Cabo Delgado in Kontakt?
Kontakte im Sinne der Fragestellung bestehen derzeit nicht.
b) Welche Initiativen ziviler Konfliktbearbeitung auf Cabo Delgado
bezogen sind der Bundesregierung darüber hinaus bekannt, und wie
werden jene ggf. unterstützt?
VN-Institutionen, Nichtregierungsorganisationen und die katholische Kirche
unterstützen die Binnenvertriebenen in den Lagern im Süden Cabo Delgados
sowie in den angrenzenden Provinzen Niassa und Nampula. Weitere Initiativen
sind der Bundesregierung nicht bekannt.
14. Welche Initiativen zur Herbeiführung von sofortigen
Waffenstillstandsverhandlungen zwischen den Konfliktparteien in Cabo Delgado hat die
Bundesregierung innerhalb der Vereinten Nationen bereits ergriffen,
unterstützt oder geplant?
Die Bundesregierung bringt sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten in die
Gestaltung von Strategien zu Terrorismusbekämpfung und Sicherheitspolitik ein und
verweist auf ihre Antwort zu Frage 12.
Seitens der Vereinten Nationen ist bislang keine Initiative zur Herbeiführung
von sofortigen Waffenstillstandsverhandlungen geplant.
15. Welchen Einfluss hat die transnationale Komponente nach Einschätzung
der Bundesregierung auf das lokale Konfliktgeschehen, etwa im Hinblick
auf organisierte Kriminalität und Schmuggel (beispielsweise von Heroin)
entlang der Küstenregion?
Wenngleich der Bundesregierung keine belastbaren Informationen über
Verbindungen der islamistischen Gruppierungen zur grenzüberschreitenden
Organisierten Kriminalität in der Region vorliegen, ist davon auszugehen, dass die
Präsenz von Netzwerken Organisierter Kriminalität zur generellen Instabilität
in der Region beitragen.
Eine Ausweitung des Konflikts auf Nachbarstaaten wie Tansania, Malawi oder
Simbabwe ist nicht auszuschließen, wie auch der erste von aus Mosambik
vorgerückten Islamisten verübte Anschlag in Tansania im Oktober 2020
verdeutlicht. Die durchlässige und weitgehend unbewachte Grenze zwischen
Mosambik und Tansania begünstigt diese Entwicklung.
16. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung spezifische
Unterstützungsmaßnahmen für Journalistinnen und Journalisten in der Region Cabo
Delgado, deren Arbeit im Bereich der Aufdeckung von
Menschenrechtsverletzungen in den letzten Jahren nach Ansicht der Fragesteller stark
eingeschränkt wurde?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen über
Unterstützungsmaßnahmen für Journalistinnen und Journalisten vor.
17. Welche Rolle spielt nach Einschätzung der Bundesregierung der
vergangene Bürgerkrieg (1977 bis 1992) für die aktuelle Eskalation,
beispielsweise in Form von alten Waffenbeständen, und welche Aktivitäten
unterstützt die Bundesregierung im Bereich der Sicherheitssektorreform in
Mosambik?
Der aktuelle Konflikt in Cabo Delgado steht in keinem direkten Bezug zum
Bürgerkrieg zwischen FRELIMO und RENAMO (1977 bis 1992) in
Mosambik. In Cabo Delgado sind diese beiden Parteien keine Konfliktparteien.
18. Welche Möglichkeiten haben die Regionalorganisationen Southern
African Development Community (SADC) und AU aus Sicht der
Bundesregierung, sich für eine friedliche Beendigung der Gewalt einzusetzen,
und inwiefern unterstützt die Bundesregierung diese Akteure dabei?
Aus Sicht der Bundesregierung könnten die Regionalorganisationen indirekt
oder direkt Einfluss nehmen auf die Situation in Cabo Delgado. Gremien der
SADC haben sich bereits mehrfach mit dem Konflikt in Cabo Delgado befasst.
Voraussetzung für eine aktive Rolle der Regionalorganisationen ist jedoch die
Kooperationsbereitschaft der mosambikanischen Regierung. Diesen Ansatz
thematisiert die Bundesregierung gegenüber der mosambikanischen Regierung,
zuletzt in einem Gespräch zwischen Staatssekretär Miguel Berger und der
mosambikanischen Außenministerin Veronica Macamo am 15. Februar 2021. Der
mosambikanische Staatspräsident Filipe Jacinto Nyusi hat ausländischen
Truppen im Land unlängst eine Absage erteilt. Die Bundesregierung hat bislang
keine Maßnahmen zur Unterstützung der Regionalorganisationen ergriffen. Im
Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 21 verwiesen.
19. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Situation von
Frauen und Kindern in den Konfliktzonen von Cabo Delgado, und hat sie
zugunsten dieser besonders vulnerablen Gruppen besondere
Hilfsprogramme initiiert bzw. unterstützt, und wenn ja, in welchem finanziellen
Umfang?
Die Situation in Cabo Delgado erhöht erheblich die Schutzrisiken und
insbesondere Risiken sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt. Frauen und
junge Mädchen leiden besonders unter dem Verlust ihrer sozialen Netzwerke
sowie der Trennung von Familienmitgliedern durch Flucht und Vertreibung.
Verstärkt wird dies durch die Lebensbedingungen am neuen Wohnortprekäre,
beengte Wohnverhältnisse und unsichere sanitären Anlagen. Der Konflikt, die
Vertreibung und der Verlust allen Besitzes und aller Einkommensquellen drängt
Mädchen oft in Früh- oder Zwangsheiraten. Konflikte haben zu einer erhöhten
häuslichen und pflegerischen Verantwortung von Frauen und Mädchen geführt.
Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter machen ca. 30 Prozent der
Vertriebenen in Cabo Delgado aus.
Um auf die besonderen Bedürfnisse von Frauen und Kindern einzugehen, prüft
das BMZ eine Förderung nichtstaatlicher Organisationen durch Mittel der
strukturbildenden Übergangshilfe zur Unterstützung von intern Vertriebenen,
das insbesondere die Lebenskontexte von Frauen und Mädchen berücksichtigt.
20. Plant die Bundesregierung spezielle Hilfsmaßnahmen bzw.
Unterstützung für Geflüchtete und Binnenvertriebene?
Wenn ja, in welchem Umfang, und in eigener Verantwortung oder über
den UNHCR?
Wenn nein, warum nicht?
Die Bundesregierung beobachtet die humanitäre Lage in Cabo Delgado und
steht im ständigen Austausch mit ihren humanitären Partnern vor Ort. Wegen
der kritischen Ernährungsunsicherheit in Cabo Delgado liegt der Fokus der
deutschen humanitären Hilfe in der Region auf flexibler Ernährungshilfe für
vulnerable Personen über das Welternährungsprogramm der Vereinten
Nationen. Die Bundesregierung führt aktuell Planungsgespräche mit humanitären
Partnerorganisationen, einschließlich IOM und dem Flüchtlingshilfswerk der
Vereinten Nationen (UNHCR), bei denen auch eine mögliche weitere
Unterstützung für vom Konflikt betroffene Menschen in Cabo Delgado thematisiert
wird.
21. Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über diplomatisches oder
militärisches Einschreiten in den Konflikt durch
a) afrikanische Staaten bzw. Regionalorganisationen?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen über ein militärisches
Einschreiten durch afrikanische Staaten oder militärische Kontingente der
Regionalorganisationen vor.
Die SADC hat sich im vergangenen Jahr im Format seiner sicherheits- und
verteidigungspolitischen Troika auf Präsidialebene mehrfach mit der Lage in Cabo
Delgado beschäftigt. Für Januar 2021 war ein weiteres Treffen in Maputo
geplant, das jedoch aufgrund der sich zuspitzenden COVID-19-Lage in
Mosambik kurzfristig abgesagt werden musste. Die Entwicklung von
Handlungsmöglichkeiten für SADC hängen vom politischen Willen der beteiligten Akteure ab.
Einige SADC-Mitgliedsstaaten beklagen bislang ein fehlendes Konzept der
mosambikanischen Regierung sowie mangelnden Informationsfluss zur Lage in
Cabo Delgado.
Die AU befasst sich in unregelmäßigen Abständen mit der Situation in
Mosambik, zuletzt auf der Außerordentlichen Versammlung der Staats- und
Regierungschefs der AU unter dem Thema „Silencing the Guns in Africa“. Die
Bundesregierung unterstützt die AU, insbesondere die Abteilung für Frieden
und Sicherheit über diverse Programme bei der Ausführung ihrer Aufgaben.
Aufgrund der Verschärfung der Sicherheitslage an der mosambikanisch-
tansanischen Grenze hat Mosambik mit Tansania eine engere Zusammenarbeit
entlang der gemeinsamen Grenze bekräftigt und Ende 2020 auch mit Malawi
engere Kooperation im Sicherheitsbereich vereinbart, vgl. Antwort zu Frage 3c.
Informationen zu Maßnahmen anderer Nachbarländer Mosambiks liegen der
Bundesregierung nicht vor.
b) die internationale Gemeinschaft?
Ein direktes Eingreifen seitens der VN zur Konfliktbeilegung ist der
Bundesregierung nicht bekannt. Nachdem 2020 Vorwürfe gegen mosambikanische
Sicherheitskräfte publik wurden, Menschenrechtsverletzungen gegen die
Zivilbevölkerung begangenen zu haben, forderte VN-Generalsekretär Guterres eine
umfassende Aufarbeitung und Aufklärung der Vorfälle. Das
Welternährungsprogramm leistet umfangreiche humanitäre Hilfe für Geflüchtete und
Binnenvertriebene.
Die US-Regierung hat der mosambikanischen Regierung Unterstützung im
Sicherheitsbereich angeboten.
c) China und Russland?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen über ein diplomatisches oder
militärisches Einschreiten Russlands und Chinas in den Konflikt vor.
d) europäische Staaten bzw. die Europäische Union?
Sowohl europäische Staaten als auch die Europäische Union haben ihre
Bemühungen in den vergangenen Monaten deutlich verstärkt. Die Europäische Union
wird Cabo Delgado 2021 bis 2027 zu einem zentralen Zielgebiet ihrer
Entwicklungszusammenarbeit machen. Der vernetzte Ansatz soll humanitäre Hilfe, EZ-
und friedensfördernde Elemente enthalten, ebenso wie Erziehung, Arbeit und
Bildung. Auch das EU-Engagement zur Terrorismusbekämpfung vor Ort soll
ausgeweitet werden. Darüber hinaus beabsichtigt die EU, ganzheitliche
Präventionsansätze, Training von Sicherheitskräften und „good governance“ zu
unterstützen. Ende Januar 2021 reiste der portugiesische Außenminister Santos Silva
im Auftrag des Hohen Vertreters der EU für Außen- und Sicherheitspolitik
Borrell nach Mosambik und führte Gespräche mit hochrangigen Vertreterinnen und
Vertretern der mosambikanischen Regierung. Staatspräsident Nyusi begrüßte
die Unterstützungsbereitschaft der Europäischen Union. Mosambik benötigt in
erster Linie Ausbildungshilfe für seine Streitkräfte und Unterstützung beim
Aufbau von Spezialkräften. Der Europäische Auswärtige Dienst (EAD)
bewertet derzeit die Lage und bereitet einen politischen Rahmen und mögliche
Handlungsoptionen vor, die den EU-Mitgliedsstaaten zur Entscheidung vorgelegt
werden.
Portugal und Frankreich engagieren sich verstärkt bilateral in Mosambik.
Portugal hat enge politische, kulturelle und wirtschaftliche Verflechtungen und
setzt das Thema Cabo Delgado im Rahmen seiner EU-Präsidentschaft mit dem
Ziel einer verstärkten Kooperation, bilateral sowie im Rahmen der EU, auf die
Agenda. Der Fokus der Unterstützung liegt auf Training, Ausbildung und
Ausstattung der mosambikanischen Armee. Frankreichs Interessen sind wegen der
geografischen Nähe zum Überseedepartement Mayotte und der französischen
Investitionen im Gassektor durch den Konflikt unmittelbar berührt. Frankreich
hat Mosambik eine engere sicherheitspolitische Kooperation angeboten, u. a.
mit einem Abkommen über maritime Sicherheit.
22. Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung die
Rohstoffvorkommen, insbesondere die örtlichen Gasvorkommen in dem Konflikt
in Cabo Delgado, und inwiefern ist Deutschland Importland bzw. die EU
Importeur solcher Rohstoffe?
Die Rohstoffvorkommen in der Region sind aus Sicht der Bundesregierung
keine direkten Konfliktreiber in Cabo Delgado. Die Ursachen für den Konflikt in
Cabo Delgado sind vielmehr in erster Linie sozioökonomischer Natur in einer
der ärmsten Regionen des Landes. Es wird dennoch entscheidend sein, dass die
mosambikanische Regierung bei der Verwendung der Gaseinnahmen
größtmögliche Transparenz an den Tag legt. Eine intransparente Verwendung, die
nicht auch der lokalen Bevölkerung zugutekommt, dürfte das Gefühl der
Marginalisierung und Perspektivlosigkeit der lokalen Bevölkerung weiter
verstärken, einer weiteren Radikalisierung Vorschub leisten und somit den Konflikt
befeuern.
Nach Kenntnis der Bundesregierung erfolgt kein Import von Erdgas aus
Mosambik nach Deutschland oder in die Europäische Union.
23. Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über Landnahme und
Umsiedelung der Zivilbevölkerung in der Region Cabo Delgado für den
Ausbau der Rohstoffförderung?
Nach Kenntnis der Bundesregierung kam es im Zuge der Gasexploration durch
das Unternehmen Anadarko (deren Konzession mit einer Fläche von mehr als
13 580 km2 im Jahr 2009 an Total verkauft wurde) zur Umsiedlung von 556
Haushalten (circa 2 446 Personen). Weiterhin wurden innerhalb der Konzession
der Montepuez Rubin Mine 102 Haushalte (circa 500 Personen) umgesiedelt.
24. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über finanzielle
Unterstützung europäischer Investoren für das mosambikanische Militär (
https://w
ww.foei.org/wp-content/uploads/2020/06/Gas-in-Mozambique_Friends-
of-the-Earth_Executive-Summary_English.pdf, S. 3 f.)?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen im Sinne der Fragestellung
vor.
25. Welche deutschen Unternehmen, Investoren, Banken und
Versicherungskonzerne sind nach Kenntnis der Bundesregierung in Mosambik aktiv
(bitte nach Geschäftseinheit, Sektor und Ort der Tätigkeit auflisten)?
Es besteht keine Verpflichtung für deutsche Firmen, Investoren, Banken und
Versicherungskonzerne, ihre Geschäftstätigkeit im Ausland anzuzeigen. Eine
Antwort im Sinne der Fragestellung ist der Bundesregierung daher nicht
möglich.
26. Welche in Mosambik tätigen Unternehmen unterstützt die
Bundesregierung mit Instrumenten der Außenwirtschaftsförderung, wie
Exportgarantien, Bürgschaften etc. (bitte nach Unternehmen, Tätigkeitsfeld sowie Art
und Volumen der Förderung auflisten)?
Im Jahr 2020 hat die Bundesregierung im Einzeldeckungsbereich keine
Lieferungen und Leistungen mit Exportkreditgarantien abgesichert. Im
Sammeldeckungsbereich hat die Bundesregierung 2020 unter der Ausfuhr-Pauschal-
Gewährleistung (sogenannte APG) Umsätze in Höhe von 1,3 Mio. Euro
abgesichert. Die Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung ist ein speziell für und besonders
von Kleinen und Mittelständische Unternehmen (KMU) genutztes
Absicherungsinstrument. Aussagen zum Sektor können bei Sammeldeckungen nicht
gemacht werden, da keine einzelnen Geschäfte, sondern Umsätze abgesichert
werden. Die Namen der Antragsteller unterliegen den verfassungsrechtlich
geschützten Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen der betroffenen Unternehmen
und können daher nicht genannt werden. Für Mosambik bestehen derzeit zwei
Investitionsgarantien des Bundes mit einer Kapitaldeckung von insgesamt
21 Mio. Euro. Die vom Bund übernommenen Investitionsgarantien bestehen
für ein Projekt eines deutschen Unternehmens im Bereich der administrativen
Dienstleistungen. Die Benennung kann zum Schutz von Betriebs- und
Geschäftsgeheimnissen nicht erfolgen.
27. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über Proteste der lokalen
Bevölkerung gegen den Abbau von Rohstoffen (bitte nach Ort, Ausmaß
der Proteste und Art des Rohstoffabbaus auflisten)?
Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung auch Proteste gegen die
Geschäftspraktiken deutscher Unternehmen (wenn ja, bitte nach
Unternehmen, Tätigkeitsbereich und Ort der Proteste auflisten)?
Die Bundesregierung hat keine eigenen Kenntnisse über Proteste der lokalen
Bevölkerung gegen den Abbau der Rohstoffe. Proteste gegen deutsche
Unternehmen sind nicht bekannt.
28. Inwiefern unterstützte bzw. unterstützt die Bundesregierung die
Beteiligung von Siemens am „Mozambique LNG Project“ von Total (
https://w
ww.energyvoice.com/oilandgas/africa/lng-africa/272104/siemens-lng-tur
bines-mozambique/)?
Die Bundesregierung hat keine Garantien für Exportkredite, ungebundene
Finanzkredite (UFK) oder Direktinvestitionen für das in vorgenannter Frage
stehende Projekt übernommen.
29. Hält die Bundesregierung das „Mozambique LNG Project“ für vereinbar
mit den Pariser Klimaschutzzielen?
Die Bundesregierung fokussiert ihre Förderung im Energiesektor in
Entwicklungs- und Schwellenländern auf Projekte, die zu einer Transformation des
Energiesektors im Sinne des Pariser Abkommens führen. Die Auswirkungen
des Vorhabens ‚Mozambique LNG Project‘ auf die Klimabilanz des Landes
lassen sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht abschließend beurteilen. Das
Projekt „Mozambique LNG Projekt“ lässt positive wirtschaftliche Effekte für
Mosambik vermuten, stellt jedoch keinen direkten Transformationsbeitrag der
internen Energieversorgung hin zu erneuerbaren Energien dar. Darüber hinaus
wird auf die Antworten der Bundesregierung auf die Schriftlichen Fragen 114
auf Bundestagsdrucksache 19/15365 und 162 auf Bundestagsdrucksache
19/15250 des Abgeordneten Uwe Kekeritz verwiesen.
30. Welche Unternehmen aus welchen Sektoren planen sich nach Kenntnis
der Bundesregierung an der Wirtschaftsdelegation nach Pemba im
kommenden Jahr zu beteiligen, und inwiefern ist die Bundesregierung in die
Vorbereitung involviert (
https://germanyafrica.com/2020/10/05/german-i
nvestors-announce-mozambique-investment-mission-targeting-lng-
othergas-projects-and-services-during-mozambique-gas-power/)?
Dazu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor. Weder die
bezeichnete Wirtschaftsdelegation nach Pemba/Mosambik noch eine Beteiligung von
Unternehmen daran sind der Bundesregierung bekannt.
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ISSN 0722-8333]