[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Torsten Herbst, Frank Sitta,
Oliver Luksic, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/27395 –
Auswirkungen des Wintereinbruchs im Februar 2021 auf den Schienenverkehr in
Deutschland
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Im Zusammenhang mit dem Wintereinbruch ab Sonntag, dem 7. Februar
2021, kam es in weiten Teilen Deutschlands aufgrund von Schneefällen und
tiefen Temperaturen zu massiven Einschränkungen im Schienenverkehr.
Sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr waren viele Strecken in ganz
Deutschland teilweise für mehrere Tage nicht befahrbar. So war etwa die ICE-
Strecke zwischen Berlin und München im Bereich der Bundesländer Sachsen-
Anhalt, Sachsen und Thüringen für mindestens vier Tage nicht befahrbar
bevor erste Erkundungsflüge und Räumarbeiten entlang der Strecken
durchgeführt wurden (
https://www.mdr.de/thueringen/ice-schnellfahrstrecke-erfurt-lei
pzig-halle-raeumung-schnee-eis-100.html). Bereits ab Samstag, dem 6.
Februar 2021, habe die Deutsche Bahn AG (DB AG) „vorsorglich einige
Zugverbindungen aus dem Fahrplan genommen, um zu verhindern, dass Züge mit
Reisenden auf freier Strecke liegen bleiben“ (
https://www.wiwo.de/unternehm
en/dienstleister/ausgefallene-zuege-die-neue-schnee-strategie-der-deutschen-b
ahn-/26893190.html). Auch mehrere Tage nach den starken Schneefällen
waren noch nicht alle Strecken wieder befahrbar.
Einigen Medienberichten war deutliche Kritik an der Kälte- und
Schneestrategie der DB Netz zu entnehmen. So machte etwa der Verband privater
Güterbahnen NEE (Netzwerk Europäischer Eisenbahnen) in einem Brief an den
Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Andreas Scheuer auf
das „organisatorische Versagen“ bei der DB Netz aufmerksam. Insbesondere
im Vergleich zu den europäischen Nachbarländern sei der deutsche Betreiber
der Schieneninfrastruktur besonders schlecht auf das winterliche Wetter
eingestellt gewesen. Der „Wirtschaftswoche“ liegen nach eigenen Angaben zudem
Berichte vor, dass „diverse Weichenheizungen außer Betrieb“,
„Weichenheizungen abgeklemmt“, „zu wenig Kräfte zum Weichenfreifegen“ sowie nur
ungenügendes technisches Gerät vorhanden gewesen seien. Zudem hätte
„Schneepflugbedienpersonal“ gefehlt und auch der Arbeitsstab Infrastruktur
der DB Netz AG sei „nicht erreichbar“ gewesen (
https://www.wiwo.de/untern
ehmen/dienstleister/kritik-am-schneemanagement-der-deutschen-bahn-aber-ni
emand-hat-einen-besen/26906360.html).
Deutscher Bundestag Drucksache 19/28262
19. Wahlperiode 06.04.2021
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr und digitale
Infrastruktur vom 1. April 2021 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Welche Strecken bzw. Streckenabschnitte sowie Bahnhöfe und
Haltepunkte waren wurden aufgrund der Schneefälle teilweise oder komplett
gesperrt, und wie lange hielt die jeweilige Sperrung an (bitte jeweils
einzeln angeben und nach Bundesland aufschlüsseln)?
Bezüglich der beeinträchtigten Streckenabschnitte im Streckennetz der DB
Netz AG wird auf Anlage 1 verwiesen. Nach Auskunft der Deutschen Bahn
AG (DB AG) sind hier alle Abschnitte angegeben, die gesperrt, teilweise
gesperrt oder aus anderen Gründen nicht oder nur sehr eingeschränkt zur
Verfügung standen.
Bezüglich der ausschließlich aufgrund von Eis/Glätte oder Schnee erfolgten
Stationssperrungen und Sperrungen einzelner Bahnsteige wird auf die Anlage 2
verwiesen.
2. Wie viele Zugverbindungen sind im Zusammenhang mit den
Schneefällen und der kalten Witterung im Februar komplett oder teilweise
entfallen (bitte nach Bundesland aufschlüsseln)?
Nach Auskunft der DB AG sind aufgrund der Folgen des Sturms Tristan
Anfang Februar 2021 im Zusammenhang mit Schneefällen und kalter Witterung
gemäß der Trassenpreisabrechnung insgesamt rund 30 000 Zugfahrten komplett
oder teilweise ausgefallen, bzw. durch die Eisenbahnverkehrsunternehmen
(EVU) storniert worden. Eine Aufschlüsselung nach Bundesländern ist durch
langlaufende und oft bundeslandübergreifende Verkehre nicht darstellbar.
3. Wie viele eingefrorene Weichen lagen nach Kenntnis der
Bundesregierung den Zugausfällen zugrunde?
Nach Auskunft der DB AG wurden 708 weichenbezogene Störfälle im
Zusammenhang mit dem Wintereinbruch im Februar 2021 erfasst.
4. In welcher Art und Weise und in welchem Umfang hat sogenannter
Eisregen zu den Beeinträchtigungen im Schienenverkehr beigetragen, und
wie hat die DB Netz AG nach Kenntnis der Bundesregierung darauf
reagiert?
Nach Auskunft der DB AG kann der Niederschlag von gefrierendem Regen
(„Eisregen“) zu großen Einschränkungen im Eisenbahnbetrieb führen. Weichen
und Oberleitungsanlagen können in kurzer Zeit zufrieren, in den Spurrillen von
Bahnübergängen kann sich Eis absetzen. Die Wahrscheinlichkeit des
Liegenbleibens von Zügen aufgrund vereister Oberleitungen und Weichenstörungen
ist in solchen Fällen außergewöhnlich hoch.
Nach Auskunft der DB AG ist ein vorsorgliches Zurückhalten von Zügen
sinnvoll.
5. Wie hoch ist der Anteil beheizter Weichen im Streckennetz der DB Netz
AG, und wie hat sich diese Zahl in den vergangenen zehn Jahren
entwickelt (bitte nach Bundesland aufschlüsseln)?
Nach Auskunft der DB AG werden 48 628 betrieblich besonders wichtige
Weichen der DB Netz AG beheizt.
Im Jahr 2009 waren bereits circa 43 700 Weichen und Kreuzungen mit
elektrischer Weichenheizung ausgerüstet. In der folgenden Auflistung ist nach
Auskunft der DB AG der Staus Quo zu den beheizten Weichen je Bundesland zu
entnehmen:
Bundesland beheizte Weichen
Brandenburg 819
Berlin 3.030
Baden-Württemberg 6.408
Bayern 7.829
Bremen 1.211
Hessen 3.391
Hamburg 2.166
Mecklenburg-Vorpommern 1.948
Niedersachsen 3.590
Nordrhein-Westfalen 7.402
Rheinland-Pfalz 2.072
Schleswig-Holstein 672
Saarland 978
Sachsen 3.770
Sachsen-Anhalt 2.184
Thüringen 1.158
Summe 48.628
6. Wie hoch ist der Anteil „intelligenter“ Weichen mit digitaler Diagnose
(DIANA) im Streckennetz der DB Netz AG, und wie hat sich diese Zahl
in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte nach Bundesland
aufschlüsseln)
Nach Auskunft der DB AG sind über 28 000 Weichen im Streckennetz der DB
Netz AG mit einer Weichenantriebsdiagnose ausgestattet und über DIANA
verbunden. Die Ausrüstung erfolgte von 2016 bis 2020:
7. Wie hoch ist der Anteil Weichen mit Antriebsabdeckung im Streckennetz
der DB Netz AG, und wie hat sich diese Zahl in den vergangenen zehn
Jahren entwickelt (bitte nach Bundesland aufschlüsseln)?
Nach Auskunft der DB AG sind bundesweit insgesamt 13 914 Weichen
zusätzlich mit einer Verschlussfachabdeckung ausgestattet.
Eine vergangenheitsbezogene Entwicklung liegt der DB AG nicht vor. Der
Status Quo in den einzelnen Bundesländern ist der folgenden Tabelle zu
entnehmen:
Bundesland
Weichen mit
Verschlussfachabdeckungen
Brandenburg 190
Berlin 848
Bundesland
Weichen mit
Verschlussfachabdeckungen
Baden-Württemberg 2.545
Bayern 1.746
Bremen 284
Hessen 677
Hamburg 278
Mecklenburg-
Vorpommern 660
Niedersachsen 896
Nordrhein-Westfalen 2.066
Rheinland-Pfalz 416
Schleswig-Holstein 182
Saarland 262
Sachsen 1.479
Sachsen-Anhalt 896
Thüringen 489
Summe 13.914
8. Wie viele Weichenheizungen waren in der Woche ab dem 8. Februar
2021 außer Betrieb oder abgeklemmt (bitte in absoluten Zahlen sowie als
Anteil aller Weichenheizungen angeben und nach Bundesland
aufschlüsseln)?
Nach Auskunft der DB AG sind der DB Netz AG keine Außerbetriebnahmen
von Weichenheizungsanlagen im dem Zeitraum bekannt. Während der
Winterperiode werden Anlagen nur im Ausnahmefall, z. B. wenn durch Bauarbeiten
an Weichen erforderlich, außer Betrieb genommen. Dabei wird für den
Zeitraum der eingeschränkten Funktion, entsprechend dem Regelwerk (Technische
Mitteilung zu Bauweichen und deren Betrieb in der Winterzeit), ausreichendes
Räum- und Sicherungspersonal eingesetzt.
Temporäre Außerbetriebnahmen im Rahmen von dringlichen Instandsetzungen
werden nach Auskunft der DB AG nicht dokumentiert, da diese Weichen
aufgrund der Instandhaltungsmaßnahme nicht befahrbar sind. Die Maßnahmen
werden regional umgesetzt und die oben beschriebenen Ersatzmaßnahmen
eingeleitet. Die im Rahmen von Störungsbeseitigungen beschriebenen
Ersatzmaßnahmen, wie die Beistellung von zusätzlichem Räumpersonal, ersetzt die
Weichenheizung für den Fall einer Außerbetriebnahme und die Befahrbarkeit des
Streckenabschnitts bleibt erhalten.
9. Über wie viel ausgebildetes Schneepflugbedienpersonal verfügt die DB
AG gegenwärtig, und wie hat sich diese Zahl in den vergangenen zehn
Jahren verändert?
Nach Auskunft der DB AG stehen für die Bedienung der Schneepflüge und
Schleudern der schweren Schneeräumtechnik rund 300 Bediener zur
Verfügung. Die Bediener werden bedarfsorientiert ausgebildet. Die Personalzahlen
unterliegen in der zehnjährigen Historie nur leichten Schwankungen. Die
leichte Schneeräumtechnik wird aus dem Pool der Instandhaltungsmitarbeiter
bedient. Diese besetzen die Fahrzeuge im täglichen Einsatz.
10. Kann die Bundesregierung Medienberichte über die Nicht-Erreichbarkeit
des Arbeitsstabes Infrastruktur der DB Netz bestätigen, und falls ja,
welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus?
Nach Auskunft der DB AG waren im Rahmen des Wintereinbruchs mehrere
Arbeitsstäbe aktiv. Der überregional koordinierende „Zentrale Arbeitsstab“ war
vom 6. Februar 2021, 12:00 Uhr, bis 12. Februar 2021, 14:00 Uhr, aktiv.
Im Rahmen des Großstörungsmanagements fanden zudem regelmäßige EVU-
Telefonkonferenzen statt – im oben genannten Zeitraum insgesamt elf – in
denen zusätzliche Möglichkeiten zur Abstimmung bestanden. Weitere
Erkenntnisse liegen der Bundesregierung nicht vor.
11. Wie viele Spurloks, Schneepflüge und Schneeschleudern bzw.
Schneefräsen standen der DB Netz Anfang Februar 2021 zur Verfügung?
a) Wie hat sich diese Zahl in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?
b) Wie viele dieser Spurloks, Schneepflüge und Schneeschleudern bzw.
Schneefräsen waren im Rahmen der Schneefälle im Einsatz?
c) Wie viele dieser Spurloks, Schneepflüge und Schneeschleudern bzw.
Schneefräsen befinden sich jeweils im Eigenbesitz der DB Netz, und
wie viele waren gemietet?
d) Ab welcher Schneehöhe wurden jeweils Spurloks, Schneepflüge und
Schneeschleudern bzw. Schneefräsen eingesetzt?
Die Fragen 11 bis 11d werden gemeinsam beantwortet.
Nach Auskunft der DB AG verfügt die DB Netz AG über 75 Fahrzeuge der
leichten und schweren Schneeräumtechnik; davon 47 Schneepflüge und
Schneeschleudern sowie 28 Instandhaltungsfahrzeugen mit winterrelevanter
Anbautechnik.
Nach Auskunft der DB AG hat sich die Gesamtzahl der zur Verfügung
stehenden Fahrzeuge seit 2011 um 27 Fahrzeuge auf heute 75 Fahrzeuge erhöht. Ab
dem Jahr 2011 wurden 19 Fahrzeuge der BR 744, genannt BAMOWAG, mit
leichter Schneeräumtechnik ausgerüstet. Beginnend mit der Beschaffung der
neusten Generation von Instandhaltungsfahrzeugen wurden weiterhin neun
Fahrzeuge der MISS Fahrzeuge mit leichter Schneeräumtechnik ausgestattet.
Altersbedingt wurde im Jahr 2017 ein Fahrzeug der schweren
Schneeräumtechnik ausgemustert.
Nach Auskunft der DB AG waren im Rahmen der Schneefälle in den stark
betroffenen Regionen insgesamt 30 Fahrzeuge im Einsatz. Zusätzliche wurden
acht Fahrzeuge aus den umliegenden Regionen dorthin verlegt, um zu
unterstützen. Mit 13 Spurloks wurden kontinuierlich Einsätze durchgeführt, um die
Strecken verfügbar zu halten.
Alle 75 Fahrzeuge der schweren und leichten Schneeräumtechnik befinden sich
nach Auskunft der DB AG im Eigentum der DB Netz AG. Traktionen für
Spurlokfahrten werden planmäßig bei internen und externen EVU angemietet.
Nach Auskunft der DB AG werden Schneepflüge, -schleudern und -fräsen ab
einer Schneehöhe von mehr als 40 cm oberhalb der Schienenoberkante zur
Beseitigung des Schnees eingesetzt. Bei Bedarf werden präventive Fahrten
durchgeführt. Unterhalb dieser Schneehöhe werden Spurlokfahrten eingetaktet, um
die Strecken befahrbar zu halten.
12. Bis zu welchen Minustemperaturen sind die ICE- bzw. IC-Züge der
Deutschen Bahn AG funktions- bzw. betriebsfähig (bitte nach Baureihe
aufschlüsseln)?
Nach Auskunft der DB AG sind die Züge der DB Fernverkehr AG in der Regel
für eine Temperaturuntergrenze von -20°C bis -25°C ausgelegt. Für betriebliche
Entscheidungen zum Einsatz der Fahrzeuge spielen jedoch noch weitere
Wettereinflüsse sowie auch Aspekte wie die Sicherheit der Fahrgäste eine Rolle. So
hat die DB AG beim Wintereinbruch Anfang Februar 2021, aufgrund der
meteorologischen Vorwarnungen in den stark belasteten Regionen, zur Sicherheit
für die Reisenden einzelne Fernverkehrslinien vorsorglich vorübergehend
eingestellt. Gleichzeitig wurden Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen für
die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten (Übernachtungsmöglichkeiten,
Aufenthaltszüge, verstärktes Servicepersonal an den Bahnhöfen sowie
Kulanzregelung für vom Wintereinbruch betroffene Reisende).
13. Wie viele Fernzüge der Deutschen Bahn AG mussten im Februar
aufgrund von Eis- oder Schneeschäden repariert werden?
Nach Auskunft der DB AG wurden im Februar 2021 61 Fahrzeuge der DB
Fernverkehr AG aufgrund von Schnee-, Frost- oder Eisschäden,
instandgehalten wobei die Schäden unterschiedlich stark waren und zum großen Teil
innerhalb weniger Tage behoben werden konnten.
14. Wie viele Mitarbeiter waren im Auftrag der DB Netz AG zur
individuellen Weichenertüchtigung und zum Weichenfreifegen im Rahmen der
Schneefälle im Einsatz (bitte nach Bundesland aufschlüsseln)?
In der Kalenderwoche (KW) 6 waren nach Auskunft der DB AG rund 44 000
externe Winterdienstpersonale in den stark betroffenen Regionen im Einsatz,
um witterungsbedingte Störungen zu vermeiden bzw. zu beheben. Zusätzlich
waren täglich rund 2 750 und somit in der Summe rund 19 000 interne
Mitarbeiter der DB Netz AG in der KW 6 im Einsatz. Die Aufschlüsselung erfolgt
nach Auskunft der DB AG in Regionen:
Region DB Netz DB Netz externe
Personale
(Summe KW 6)
Einsatz DB Netz
(Summe KW 6)
Mitte
(HE, RP) 3.087 1.050
Nord
(HB, NI, SH, HH) 6.786 5.250
Ost
(BB, BE, MV) 5.826 1.400
Süd
(BY) 5.330 0
Südost
(SN, TH, ST) 12.019 6.300
Südwest
(BW, SL, RP) 2.565 0
West
(NW) 8.354 5.250
Summe 43.967 19.250
15. Wie hat sich die Anzahl der Abtau- und Enteisungsanlagen für Züge im
Besitz der DB AG in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?
Nach Auskunft der DB AG wurden in den letzten zehn Jahren bei der DB
Regio AG, einschließlich der Töchter, 30 Außenreinigungsanlagen um die
Funktion einer Enteisungs-/Abtauanlage erweitert oder mit der Funktion neu errichtet.
13 weitere Gebäude (Zelte, Nebenhallen etc.) konnten als Enteisungs-/
Abtauanlagen ausgestattet und genutzt werden und zusätzlich wurden weitere 41
Warmluftgebläse für den Werkstattbereich beschafft und zur Enteisung bzw. zum
Abtauen in den Werkstatthallen genutzt.
Die Anzahl der Abtau- und Enteisungsanlagen der DB Fernverkehr AG lag laut
DB AG bis 2018 konstant bei acht. Im Jahr 2018 ist mit der Inbetriebnahme des
Werkes Köln-Nippes die neunte Anlage hinzugekommen.
16. Wurden in Erwartung der erschwerten Wetterbedingungen zusätzliche
Mitarbeiter zur individuellen Weichenertüchtigung im Voraus eingeplant,
und wenn ja, wie viele?
Für die manuelle Schneeräumung an Weichen, Bahnübergängen, Dienst- und
Rangierwegen, Rettungswege- und -plätze stehen nach Auskunft der DB AG in
der Wintersaison 2020/21 täglich ca. 16 100 Räum- und Sicherungskräfte
planmäßig zur Verfügung. Fällt das Winterereignis extremer aus – vermehrte
Neuschneefälle und starke Schneeverwehungen – können weitere interne Personale
(ca. 5 100) aus der örtlichen Instandhaltung an Einsatzstellen disponiert
werden.
17. In welcher Art und Weise haben die DB AG und die DB Netz AG mit
dritten Eisenbahnverkehrsunternehmen zusammengearbeitet, um die
Streckenertüchtigung zu gewährleisten?
Nach Auskunft der DB AG wurde im Falle des Wintereinbruchs im Februar
2021 nach dem Eingang der entsprechenden Wetterwarnung durch den
Deutschen Wetterdienst – gemäß der entsprechenden Richtlinien – bereits am
Donnerstag, 4. Februar 2021 zu einer Telefonkonferenz mit den EVU eingeladen.
Die EVU wurden hier vorab über die prognostizierte Wetterlage informiert, auf
mögliche präventive Maßnahmen seitens der EVU hingewiesen und die
Beteiligung der EVU an Einsätzen von Putz- und Spurloks zum „Freifahren“ der
Gleise und Oberleitungsanlagen erbeten.
Eine weitere EVU-Telefonkonferenz zur Vorbereitung des Ereignisses fand am
Freitag, 5. Februar 2021, statt, bevor ab 6. Februar 2021 – mit Eintritt des
Ereignisses – weitere regelmäßige EVU-Telefonkonferenzen gemäß eines
Kommunikationsplans folgten. Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 10
verwiesen.
18. Welche Erfahrungen hat die Deutsche Bahn AG bei dem Wetterereignis
gemacht, und welche konkreten Lehren hat sie daraus für zukünftige
Schnee-, Eis- und Kälteereignisse gezogen?
Nach Auskunft der DB AG wurden Reisende und Öffentlichkeit frühzeitig über
Bahn.de, DB Apps, in Bahnhöfen sowie einem eigens eingerichteten
Presseblog kontinuierlich informiert. Umfangreiche Kulanzregelungen für Reisende
kamen zur Anwendung. In Verbindung mit einer kunden- und
sicherheitsorientierten Verringerung der Verkehrsmenge durch die EVU konnte nach Auskunft
der DB AG die Sicherheit der Reisenden sichergestellt, ein Liegenbleiben von
Zügen auf offener Strecke mit unzumutbaren Evakuierungen verhindert und die
schnelle Wiederaufnahme des Betriebes erleichtert werden.
Außerdem ermöglichte der längste durchgängige Einsatz der
Großstörungsstäbe seit Einführung des Verbundprozesses „Großstörungen managen“ in
Verbindung mit einem massiven Einsatz von Schneeräumkräften und
Räumfahrzeugen – u. a. zur Entstörung im Netz und an Bahnhöfen, gepaart mit dem Einsatz
von DB Mitarbeiter in Aufenthaltszügen zur Kundenbetreuung – eine gezielte
Reaktion auf das Störgeschehen.
Dennoch wurden Handlungsbedarfe bei der DB AG identifiziert, die aktuell
geschäftsfeldübergreifend im Verbund-Lessons Learned zusammengeführt und in
Maßnahmen überführt werden. So soll u. a. für zukünftige Schnee-/Eis-/
Kälteereignisse die Integration von Güterverkehrszugangspunkten und
Werksanschlüssen in die Entstörungspriorisierung untersucht und Prognosen zur
Wiederbefahrbarkeit der Strecken sowie Nutzbarkeit der Anlagen und
Güterverkehrsanschlüsse verbessert werden. Auch soll eine stets aktuelle Pflege
zugbezogener Informationen sichergestellt und die Verständlichkeit der
Kundenkommunikation zu Störungen weiter verbessert werden.
19. Welche Umsatzschäden sind der DB AG sowie privaten
Eisenbahnverkehrsunternehmen durch die eingeschränkte Verfügbarkeit der
Schieneninfrastruktur entstanden?
Nach Auskunft der DB AG sind durch die Extremwetterlage Anfang Februar
2021 Umsatzverluste in Höhe von 67 Mio. Euro entstanden.
Zu Umsatzschäden privater EVU liegen der Bundesregierung keine eigenen
Erkenntnisse vor.
20. Wie lange kann sich die DB Netz AG nach Auffassung der
Bundesregierung auf den Tatbestand der höheren Gewalt berufen, um nicht für die
Schäden der eingeschränkten Verfügbarkeit der Schieneninfrastruktur
haften zu müssen?
21. Kann dieser Tatbestand der höheren Gewalt nach Auffassung der
Bundesregierung auch länger als 24 Stunden nach Beginn der Wetterlage
anhalten?
Falls ja, ab wann wäre dies nicht mehr der Fall?
Die Fragen 20 und 21 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Bundesregierung kann keine allgemeingültige Aussage zum Bestehen und
zur Dauer eines Ereignisses der höheren Gewalt treffen.
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 9 – Drucksache 19/28262
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 11 – Drucksache 19/28262
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 13 – Drucksache 19/28262
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]