[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Katja Suding, Nicole Bauer,
Grigorios Aggelidis, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/27643 –
Die Entwicklung von psychischer und physischer Gewalt in der Corona-
Pandemie
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Im Zuge der Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie
verstärken sich die Anzeichen, dass häusliche Gewalt in Familien zunimmt (
https://w
ww.rnd.de/gesundheit/corona-und-hausliche-gewalt-frauen-und-familien-leide
n-besonders-unter-dem-lockdown-BQ3SN3C67FBETILUACMFFOS5I
Y.html).
Auch Äußerungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend, dass „[...] sich Befürchtungen bestätigen, wonach im Zuge der
Ausgehbeschränkungen und Quarantänemaßnahmen mit einer Zunahme an
Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zu rechnen ist“ (
https://www.tagesspiege
l.de/politik/gewalt-gegen-kinder-in-der-corona-krise-verletzungen-wie-bei-aut
ounfaellen/25834490.html), sind für die Fragesteller Anlass, die
Bundesregierung nach deren Erkenntnissen und Einschätzungen im Bereich häuslicher
Gewalt in Familien zu befragen. Auch die teilweise Schließung von stationären
Einrichtungen der Jugendhilfe und die damit verbundenen
Gefährdungssituationen von Kindern und Jugendlichen sowie die angespannte Kapazitäten von
Frauenhäusern sind Gründe, nach der zahlenmäßigen Entwicklung der Sorgen
und Gefahren von Betroffenen zu fragen, um diese noch besser zu schützen
(
https://sz.de/1.4899381, https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-angespannte-w
ohnsituation-verschaerft-lage-in-frauenhaeusern-90207548.html).
Während das familiäre Umfeld jederzeit ein Brennpunkt für Gefahren durch
physische und psychische Gewalt sein kann, so wurde spätestens seit der
#MeToo-Debatte bekannt, dass auch die Kultur- und Medienbranche ein
gefährliches Umfeld sein kann. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur
und Medien (BKM) hat im Zuge dessen eine unabhängige Vertrauensstelle mit
auf den Weg gebracht, die unter der Bezeichnung Themis am 1. Oktober 2018
ihre Arbeit aufgenommen hat (
https://themis-vertrauensstelle.de/). Betroffene
aus der deutschen Film-, Fernseh- und Theaterbranche finden dort die
Möglichkeit, sich juristisch und psychologisch beraten zu lassen.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/28238
19. Wahlperiode 06.04.2021
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend vom 31. März 2021 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Wie hat sich die Anzahl der Beraterinnen und Berater bei dem
Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ seit Januar 2020 bis heute entwickelt (bitte
nach Monaten und Geschlecht aufschlüsseln)?
Im Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis zum 1. März 2021 sah der
Personalbestand beim Hilfetelefon wie folgt aus (Anzahl der Beraterinnen; ohne die
Beurlaubten):
Datum Anzahl der Beraterinnen
1. Januar 2020 84
1. Februar 2020 84
1. März 2020 88
1. April 2020 86
1. Mai 2020 85
1. Juni 2020 91
1. Juli 2020 95
1. August 2020 94
1. September 2020 92
1. Oktober 2020 89
1. November 2020 89
1. Dezember 2020 93
1. Januar 2021 93
1. Februar 2021 92
1. März 2021 93
Eine Aufschlüsselung nach Geschlecht ist entbehrlich, da ausschließlich Frauen
eingestellt werden dürfen.
2. Wie hat sich die Anzahl der eingehenden Beratungskontakte sowie die
Anzahl der durchgeführten Beratungsleistungen, telefonisch und online
via Chat, E-Mail etc., bei dem Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ seit
September 2019 bis heute monatlich entwickelt?
Für das Jahr 2021 liegt eine Auswertung der Beratungskontakte nach
Kontakten per Telefon, E-Mail oder Chat auf monatlicher Basis noch nicht vor. Für die
Monate Januar und Februar 2021 sind daher nur die „Beratungskontakte
gesamt“ angegeben.
Beratungskontakte
gesamt
Beratungskontakte
telefonisch
Beratungskontakte E-Mail
Beratungskontakte Termin-
Chat
Beratungskontakte Sofort-
Chat
September 2019 3.547 3.158 60 21 308
Oktober 2019 3.611 3.225 57 11 318
November 2019 3.786 3.386 61 7 332
Dezember 2019 3.924 3.453 72 17 382
Januar 2020 3.828 3.365 66 16 381
Februar 2020 3.570 3.186 61 10 313
März 2020 3.751 3.280 79 17 375
April 2020 4.650 4.096 116 16 422
Mai 2020 4.837 4.278 136 21 402
Juni 2020 4.509 4.034 88 20 367
Juli 2020 4.532 4.069 90 16 357
August 2020 4.712 4.230 79 14 389
September 2020 4.097 3.691 66 14 326
Oktober 2020 3.979 3.528 67 15 369
Beratungskontakte
gesamt
Beratungskontakte
telefonisch
Beratungskontakte E-Mail
Beratungskontakte Termin-
Chat
Beratungskontakte Sofort-
Chat
November 2020 4.511 4.054 83 8 366
Dezember 2020 4.432 3.951 97 18 366
Januar 2021 4.921 -- -- -- --
Februar 2021 4.338 -- -- -- --
3. Wie hat sich die Anzahl der eingehenden Beratungskontakte sowie die
Anzahl der durchgeführten Beratungsleistungen, telefonisch und online
via E-Mail, bei der Vertrauensstelle Themis für Betroffene aus der
Kultur- und Medienbranche seit dem 1. Oktober 2018 bis heute
monatlich entwickelt?
Am 1. Oktober 2018 startete die unabhängige und überbetriebliche
Beratungsstelle THEMIS gegen sexuelle Belästigung und Gewalt mit ihrer Arbeit. Im
Jahr 2020 fanden 404 Beratungen statt, 90 Beratungen bzw. 29 Prozent mehr
als im Jahr 2019 (314 Beratungen). Insgesamt lässt sich feststellen, dass die
Anzahl der Beratungen stark gestiegen ist. Eine monatliche Statistik liegt der
Bundesregierung nicht vor.
4. Wie viele der eingehenden Beratungskontakte bei dem Hilfetelefon
„Gewalt gegen Frauen“ lassen sich jährlich nach Kenntnis der
Bundesregierung kategorisiert jeweils Hilferufen aufgrund psychischer Übergriffe,
Angst vor physischen Übergriffen und vollzogener physischer Übergriffe
zuordnen?
Eine getrennte Erfassung von Angst vor physischen Übergriffen und
vollzogenen physischen Übergriffen erfolgt nicht. Im Jahr 2018 waren 1.660
Beratungskontakte zu physischer Gewalt und 2.120 Beratungskontakte zu psychischer
Gewalt zu verzeichnen. Im Jahr 2019 waren es 1.801 Beratungskontakte zu
physischer Gewalt und 2.409 Beratungskontakte zu psychischer Gewalt. Im
Jahr 2020 gab es 2.045 Beratungskontakte zu physischer Gewalt und 2.611
Beratungskontakte zu psychischer Gewalt. Dabei handelt es sich jeweils um
Übergriffe, die außerhalb von Paarbeziehungen stattfinden. Beratungskontakte zu
physischer und psychischer Gewalt innerhalb von Paarbeziehungen oder
ehemaligen Paarbeziehungen werden beim Hilfetelefon als Häusliche Gewalt
erfasst. Innerhalb der Kategorie Häusliche Gewalt wird nicht nach einzelnen
Gewaltformen unterschieden.
5. Wie hat sich die Anzahl der Beraterinnen und Berater bei dem
Hilfetelefon „Nummer gegen Kummer“ seit Januar 2020 bis heute entwickelt
(bitte nach Monaten und Geschlecht aufschlüsseln)?
Für die Angaben zu den ehrenamtlichen Beraterinnen und Beratern der
Angebote von Nummer gegen Kummer e. V. (NgK) liegen keine Entwicklungsdaten
vor. Einmal jährlich (Stichtag 31. Dezember) melden alle Standorte die Anzahl
an Beraterinnen und Berater an NgK (siehe nachfolgende Tabelle):
Zielgruppe: Kinder und Jugendliche
Nummer gegen
Kummer (Telefon,
Mail, Chat)
Berater und
Beraterinnen 2020
Männer % Frauen % Gesamt %
Kinder- und
Jugendtelefon
ausgebildete
Ehrenamtliche
347 13,9 2.156 86,1 2.503 100
Online-Beratung
(Mail/Chat)
ausgebildete
Ehrenamtliche
17 20,0 68 80,0 85 100
Gesamt 364 14,1 2.224 85,9 2.588 100
Stand: 31. Dezember 2020
6. Wie hat sich die Anzahl der eingehenden Beratungskontakte sowie die
Anzahl der durchgeführten Beratungsleistungen, telefonisch und online
via Chat, E-Mail etc., bei dem Hilfetelefon „Nummer gegen Kummer“
seit Januar 2020 bis heute monatlich entwickelt?
Im Zeitraum von Januar 2020 bis Februar 2021 haben insgesamt 534.131
Kinder und Jugendliche die „Nummer gegen Kummer“ kontaktiert, davon 513.960
Kinder und Jugendliche in der Telefonberatung und 20.171 in der Online-
Beratung (E-Mail/Chat). Aus diesen Kontakten entwickelten sich insgesamt
128.506 Beratungen, in denen ein intensives Gespräch oder eine Online-
Beratung mit Kindern und Jugendlichen zu ihren Problemen bzw.
verschiedenen Themen geführt wurde. Während sich die Anzahl der Beratungen am
Kinder- und Jugendtelefon mit 112.444 dabei ungefähr auf dem hohen
Vorjahresniveau bewegt hat (–2,8 Prozent im Vergleich zu Januar 2019 bis Februar
2020), verzeichnete die Online-Beratung für Kinder und Jugendliche mit
16.062 Beratungen eine deutliche Steigerung (+29,5 Prozent im Vergleich zu
Januar 2019 bis Februar 2020).
Die Einzelaufschlüsselung nach Monaten zeigt die nachfolgende Tabelle:
Zielgruppe: Kinder- und Jugendliche
Kinder- und
Jugendtelefon (KJT)
Anrufe KJT Beratungen KJT sonstige
Kontakte
Januar 2020 41.785 8.564 33.221
Februar 2020 35.386 7.847 27.539
März 2020 37.726 8.238 29.488
April 2020 37.957 8.700 29.257
Mai 2020 37.679 8.405 29.274
Juni 2020 38.563 8.463 30.100
Juli 2020 37.688 8.385 29.303
August 2020 31.868 7.207 24.661
September 2020 35.240 7.903 27.337
Oktober 2020 34.973 7.747 27.226
November 2020 38.084 7.918 30.166
Dezember 2020 37.079 7.669 29.410
Januar 2021 34.847 7.661 27.186
Februar 2021 35.085 7.737 27.348
Gesamt 513.960 112.444 401.516
Online-Beratung:
Mail/Chat (OB)
Kontakte OB Beratungen OB sonstige Kontakte
Januar 2020 1.176 1.000 176
Februar 2020 1.171 973 198
März 2020 1.275 1.046 229
April 2020 1.584 1.265 319
Mai 2020 1.738 1.380 358
Juni 2020 1.617 1.235 382
Juli 2020 1.374 1.095 280
August 2020 1.489 1.200 288
September 2020 1.304 1.029 275
Oktober 2020 1.291 1.018 273
November 2020 1.482 1.161 321
Dezember 2020 1.633 1.296 337
Januar 2021 1.609 1.262 347
Februar 2021 1.428 1.102 326
Gesamt 20.171 16.062 4.109
Angebote Nummer gegen
Kummer insgesamt (Telefon,
Mail/Chat)
Gesamt Kontakte Gesamt Beratungen
Januar 2020 42.961 9.564
Februar 2020 36.557 8.820
März 2020 39.001 9.284
April 2020 39.541 9.965
Mai 2020 39.417 9.785
Juni 2020 40.180 9.698
Juli 2020 39.062 9.480
August 2020 33.357 8.407
September 2020 36.544 8.932
Oktober 2020 36.264 8.765
November 2020 39.566 9.079
Dezember 2020 38.712 8.965
Januar 2021 36.456 8.923
Februar 2021 36.513 8.839
Gesamt 534.131 128.506
7. Wie hat sich die Anzahl der Beraterinnen und Berater bei dem
„Elterntelefon” seit Januar 2020 bis heute entwickelt (bitte nach Monaten und
Geschlecht aufschlüsseln)?
Für die Angaben zu den ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater der
Angebote von Nummer gegen Kummer e. V. liegen keine Entwicklungsdaten vor.
Einmal jährlich (Stichtag 31. Dezember) melden alle Standorte des Elterntelefons
die Anzahl der Beraterinnen und Berater an NgK (siehe nachfolgende Tabelle):
Zielgruppe: Eltern
Nummer gegen
Kummer (Telefon)
Berater und
Beraterinnen 2020
Männer % Frauen % Gesamt %
Elterntelefon ausgebildete
Ehrenamtliche
101 12,0 739 88,0 840 100
Nummer gegen
Kummer (Telefon)
Berater und
Beraterinnen 2020
Männer % Frauen % Gesamt %
hauptamtliche
Beraterinnen und Berater
0 0,0 4 100,0 4 100
Gesamt 101 3,9 743 28,7 844 100
Stand: 31. Dezember 2020
8. Wie hat sich die Anzahl der eingehenden Beratungskontakte sowie die
Anzahl der durchgeführten Beratungsleistungen, telefonisch und online
via Chat, E-Mail etc. , bei dem „Elterntelefon” seit Januar 2020 bis heute
monatlich entwickelt?
Im Zeitraum von Januar 2020 bis Februar 2021 haben insgesamt 39.393
Ratsuchende das Elterntelefon der „Nummer gegen Kummer“ kontaktiert
(+39,6 Prozent im Vergleich Januar 2019 bis Februar 2020). Aus diesen
Kontakten entwickelten sich insgesamt 21.027 Beratungen am Elterntelefon, in
denen ein intensives Gespräch mit den Rat- und Unterstützungssuchenden zu
ihren spezifischen Problemen oder Themen geführt wurde. Die Anzahl der
Beratungen am Elterntelefon hat damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine
deutliche Steigerung zu verzeichnen (+64 Prozent im Vergleich zu Januar 2019
bis Februar 2020).
Die Einzelaufschlüsselung nach Monaten zeigt die nachfolgende Tabelle:
Zielgruppe Eltern:
Elterntelefon Anrufe ET Beratungen ET sonstige Kontakte
Januar 2020 1.810 1.032 778
Februar 2020 1.864 955 909
März 2020 2.504 1.169 1.335
April 2020 3.339 1.813 1.526
Mai 2020 3.237 1.824 1.413
Juni 2020 3.235 1.802 1.433
Juli 2020 2.742 1.492 1.250
August 2020 2.667 1.409 1.258
September 2020 2.714 1.605 1.109
Oktober 2020 2.864 1.570 1.294
November 2020 3.153 1.595 1.558
Dezember 2020 3.251 1.523 1.728
Januar 2021 3.122 1.681 1.441
Februar 2021 2.891 1.557 1.334
Gesamt 39.393 21.027 18.366
9. Wie hat sich die Anzahl der Beraterinnen und Berater bei dem
Hilfetelefon „Sexueller Missbrauch“ seit Januar 2019 bis heute entwickelt (bitte
nach Monaten und Geschlecht aufschlüsseln)?
Die folgenden Zahlen beziehen sich auf das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch.
Die Zahlen in der Klammer stellen die Anzahl der Fachkräfte sowohl beim
Hilfetelefon Sexueller Missbrauch als auch beim berta-Telefon (Beratung und
telefonische Anlaufstelle für Betroffene organisierter sexualisierter und ritueller
Gewalt) dar:
2019 2020 2021
Monat weiblich männlich weiblich männlich weiblich männlich
Januar 13 5 13 (17) 5 15 (20) 7
Februar 13 5 12 (16) 5 15 (20) 7
März 13 5 12 (16) 5 16 (21) 7
April 13 5 12 (16) 5
Mai 13 (17) 5 12 (16) 5
Juni 13 (17) 5 12 (16) 5
Juli 13 (17) 5 12 (16) 5
August 13 (17) 5 12 (16) 5
September 13 (17) 5 15 (19) 7
Oktober 13 (17) 5 15 (19) 7
November 13 (17) 5 15 (19) 7
Dezember 13 (17) 5 15 (19) 7
Stand 18. März 2021
10. Wie hat sich die Anzahl der eingehenden Beratungskontakte sowie die
Anzahl der durchgeführten Beratungsleistungen, telefonisch und online
via Chat, E-Mail etc., bei dem Hilfetelefon „Sexueller Missbrauch“ seit
Januar 2019 bis heute monatlich entwickelt?
Angenommene Anrufe Briefe u. Mails
Monat 2019 2020 2021 2019 2020 2021
Januar 386 379 452 58 62 56
Februar 323 423 420 99 55 73
März 351 337 111 32
April 389 387 90 85
Mai 248 381 57 85
Juni 270 591 34 98
Juli 329 513 41 78
August 310 463 29 55
September 346 459 55 48
Oktober 322 499 45 80
November 323 423 29 60
Dezember 277 361 32 45
Gesamt 3874 5216 680 783
11. Wie viele der insgesamt eingehenden Beratungskontakte bei dem
Hilfetelefon „Sexueller Missbrauch“ lassen sich jährlich nach Kenntnis der
Bundesregierung kategorisiert jeweils Hilferufen aufgrund psychischer
Übergriffe, Angst vor physischen Übergriffen und vollzogenen
physischen Übergriffen zuordnen?
Hierzu liegen keine differenzierten Erkenntnisse vor. Das Hilfetelefon
„Sexueller Missbrauch“ ist eine Anlaufstelle für Menschen, die sexualisierte Gewalt in
Kindheit und Jugend erfahren haben, die Entlastung, Beratung und
Unterstützung suchen, die sich um ein Kind sorgen, einen Verdacht haben oder Fragen
zum Thema sexueller Kindesmissbrauch stellen möchten.
12. Wie viele der insgesamt eingehenden Beratungskontakte bei den
Hilfetelefonen „Gewalt gegen Frauen“, „Nummer gegen Kummer“,
„Elterntelefon”, und „Sexueller Missbrauch“ stehen nach Kenntnis der
Bundesregierung im Zusammenhang mit Problemen, Belastungen oder
Herausforderungen durch die Corona-Pandemie?
Beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ erfolgt keine systematische
Erfassung, wie viele Beratungskontakte im Zusammenhang mit Problemen,
Belastungen oder Herausforderungen durch die Corona-Pandemie stehen.
Für das Hilfetelefon „Sexueller Missbrauch“ lassen sich keine differenzierten
Aussagen dazu treffen. Allerdings kann man auf der Grundlage der in der
Antwort zu Frage 10 dargestellten Zahlen feststellen, dass während des ersten
Lockdowns in der Corona-Pandemie, von März bis Mai 2020, die Anrufe beim
Hilfetelefon signifikant zurückgegangen sind, während die schriftlichen
Meldungen (Briefe und E-Mails) zugenommen haben. Dies deutet darauf hin, dass
während des Lockdowns die Möglichkeiten, sich telefonisch Hilfe und
Beratung zu holen – beispielsweise bei Verdacht – aufgrund der Präsenz weiterer
Familienangehöriger/Mitbewohnerinnen oder Mitbewohner eingeschränkt sind.
Seit April 2020 ist es in der Statistikerfassung aller Beratungsangebote des
Hilfetelefons „Nummer gegen Kummer“ möglich, noch zusätzliche Angaben zu
jeder Beratung im Hinblick auf Probleme, Belastungen und Herausforderungen
durch die Corona-Pandemie zu machen. Danach kann man festhalten, dass im
Zeitraum von April 2020 bis Februar 2021 am Kinder- und Jugendtelefon und
in der Online-Beratung der „Nummer gegen Kummer“ insgesamt 9.693
Beratungen (dies sind 9,6 Prozent aller Beratungen) und am Elterntelefon der
„Nummer gegen Kummer“ 4.509 Beratungen (dies sind 25,2 Prozent) im
direkten Zusammenhang mit der Corona-Pandemie geführt wurden.
13. Welche Anstrengungen unternimmt die Bundesregierung ungeachtet der
Länderzuständigkeit, sich nach der aktuellen Lage der Verfügbarkeit von
Plätzen in Frauenhäusern, beispielsweise stichprobenartig oder durch
Abfragen bei den Landesregierungen, zu erkundigen, um eigene
Einschätzungen treffen und ggf. Hilfen entwickeln zu können?
a) Welche konkreten positiven Schlüsse leitet die Bundesregierung ab?
b) Welche konkreten Probleme identifiziert die Bundesregierung?
Die Fragen 13 bis 13b werden gemeinsam beantwortet.
Um die Länder bei ihrer Aufgabe der Weiterentwicklung der Hilfeinfrastruktur
für gewaltbetroffene Frauen mit ihren Kindern stärker zu unterstützen, hat das
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im
September 2018 den Runden Tisch „Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen“ von
Bund, Ländern und Kommunen eingerichtet. Ziel der Beratungen ist es,
gemeinsam den bedarfsgerechten Ausbau und die adäquate finanzielle
Absicherung der Arbeit von Frauenhäusern und entsprechenden ambulanten Hilfs- und
Betreuungsmaßnahmen voranzubringen. In Vorbereitung der Beratungen des
Runden Tisches von Bund, Ländern und Kommunen „Gemeinsam gegen
Gewalt an Frauen“ hat das BMFSFJ im Jahr 2018 die Zahl der Frauenhausplätze
durch eine Abfrage bei den Ländern ermittelt. Aktuell werden am Runden
Tisch die Möglichkeiten einer bundesgesetzlichen Regelung zur Finanzierung
des gesamten Hilfesystems – bestehend aus Schutzeinrichtungen und
Fachberatungsstellen – beraten. Ziel soll sein, dass Bund, Länder und Kommunen in der
nächsten Sitzung am Runden Tisch im Mai 2021 hierzu eine gemeinsame
Position beraten und beschließen können. Das Ergebnis des Runden Tisches soll in
der kommenden Legislatur umgesetzt werden.
Auch unabhängig von den Beratungen am Runden Tisch „Gemeinsam gegen
Gewalt an Frauen“ ist es dem BMFSFJ ein wichtiges Anliegen, dass
gewaltbetroffene Frauen mit ihren Kindern zuverlässig und möglichst niedrigschwellig
Schutz vor Gewalt und Beratung erhalten können. Bundesministerin Franziska
Giffey ist daher zu dieser Thematik, insbesondere seit Beginn der Corona-
Pandemie, in einem regelmäßigen Austausch mit dem
Frauenunterstützungssystem und den Bundesländern, die in erster Linie für die finanzielle
Absicherung von Schutz- und Beratungsangeboten für gewaltbetroffene Frauen mit
ihren Kindern zuständig sind.
Aus dem Austausch mit dem Frauenunterstützungssystem heraus hat sich das
Projekt Hilfesystem 2.0 entwickelt, das von der Frauenhauskoordinierung e. V.
umgesetzt wird. Das Projekt zielt darauf ab, Frauenhäuser und
Fachberatungsstellen in einem professionellen Umgang mit den digitalen Herausforderungen
der Corona-Pandemie zu unterstützen. Hierfür werden mehr als 3 Mio. Euro
bereitgestellt. Im Zentrum stehen die Verbesserung der technischen
Ausstattung, die erforderliche Qualifizierung der Mitarbeitenden in diesem
Zusammenhang sowie Dolmetschleistungen für die Beratung gewaltbetroffener
Frauen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]