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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Bildungs- und Gesundheitschancen von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Pandemie

(insgesamt 31 Einzelfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

06.04.2021

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2770818.03.2021

Bildungs- und Gesundheitschancen von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Pandemie

der Abgeordneten Pascal Kober, Michael Theurer, Johannes Vogel (Olpe), Jens Beeck, Carl-Julius Cronenberg, Matthias Nölke, Peter Heidt, Grigorios Aggelidis, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Daniel Föst, Otto Fricke, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Gyde Jensen, Dr. Martin Neumann, Dr. Thomas Sattelberger, Matthias Seestern-Pauly, Judith Skudelny, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Linda Teuteberg, Manfred Todtenhausen, Gerald Ullrich, Nicole Westig und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Seit Mitte Dezember 2020 waren in Deutschland die Kindertageseinrichtungen und Schulen größtenteils geschlossen. Erst Mitte Februar 2021 kam es zu Öffnungen. Bereits während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 waren Kinder und Jugendliche mit einer langen Phase von Schließungen der Kindertageseinrichtungen und Schulen konfrontiert.

Die Auswirkungen dieser Schließungen, aber auch der Corona-Pandemie im Allgemeinen, sind noch nicht vollständig abzusehen. Es mehren sich jedoch die Befürchtungen von Experten. So stellt der Gründer des christlichen Kinder- und Jugendwerks „Arche“ Bernd Siggelkow fest, dass Grundschülerinnen und Grundschüler zukünftig über unzureichende Grundkenntnisse verfügen werden. Er spricht sogar von einer „abgehängten Generation“. Kinder aus Hartz-IV-Haushalten seien besonders betroffen (vgl. https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-kinder-kinderbonus-arche-koalitionsausschuss-100.html).

Der Kinderärzte-Präsident Jörg Dötsch forderte bereits Ende Januar dieses Jahres, Kindertageseinrichtungen und Schulen in Brennpunkten sofort zu öffnen. Bereits bestehende Bildungslücken würden durch den Lockdown deutlich größer werden, auch weil niemand da sei, der dies auffangen könnte. Auch die physische Gesundheit leide: Kliniken in sozial schwächeren Gegenden hätten erheblich mehr Probleme mit verschleppten Erkrankungen, Fällen von Vernachlässigungen und auch Misshandlungen (vgl. https://www.tagesspiegel.de/wissen/warnung-vor-folgen-des-lockdowns-kitas-und-schulen-in-brennpunkten-muessen-sofort-geoeffnet-werden/26856206.html).

Bei den Schuleingangsuntersuchungen in der Region Hannover gab es im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Kinder mit Übergewicht. Auch die sprachlichen Fähigkeiten, Deutschkenntnisse und Feinmotorik der Fünf- bis Sechsjährigen hätten sich verschlechtert (vgl. https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Corona-Pandemie-Arzt-warnt-vor-Folgen-fuer-Kinder,kinder1750.html).

Eine Auswertung von Daten der DAK in Berlin zeigt, dass sich im ersten Halbjahr 2020 die Psychiatrieeinweisungen von Kindern und Jugendlichen nahezu verdoppelt haben. Die Kliniken berichten über eine Zunahme von Aggressionen, Essstörungen, Depressionen, Drogenmissbrauch bis hin zu Suizidalität (vgl. https://www.welt.de/wissenschaft/article226432247/Corona-Mehr-Kinder-und-Teenager-brauchen-psychiatrische-Hilfe.html).

Die Fragenstellenden möchten sich mit dieser Kleinen Anfrage einen Überblick über die Bildungs- und Gesundheitschancen von Kindern und Jugendlichen, insbesondere derer aus Hartz-IV-Haushalten, während der Corona-Pandemie verschaffen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen31

1

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, welche Auswirkungen die Schließungen von Kindertageseinrichtungen und Schulen auf die physische und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen haben bzw. langfristig haben werden?

2

Hat die Bundesregierung eigene Studien in Auftrag gegeben, um die langfristigen Auswirkungen der Schließungen von Kindertageseinrichtungen und Schulen auf die physische und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu evaluieren?

Wenn ja, bis wann ist mit Ergebnissen zu rechnen?

Wenn nein, weshalb nicht?

3

Wie hat sich die Zahl von psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2019 entwickelt (bitte die monatsgenaue Entwicklung der Jahre 2021, 2020 und 2019 angeben)?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Haushalten, die Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) beziehen?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Haushalten, die Leistungen nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XII) beziehen?

4

Welche Planungen gibt es seitens der Bundesregierung, um auf den von Experten vermuteten steigenden Bedarf zur Behandlung von psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zu reagieren?

5

In wie vielen Fällen mussten Kinder und Jugendliche aufgrund einer psychischen Erkrankung nach Kenntnis der Bundesregierung stationär aufgenommen werden (bitte die monatsgenaue Entwicklung der Jahre 2021, 2020 und 2019 angeben)?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Haushalten, die Leistungen nach SGB II beziehen?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Haushalten, die Leistungen nach SGB XII beziehen?

6

Aufgrund welcher Diagnosen werden Kinder und Jugendliche in einer psychiatrischen Klinik behandelt (bitte jeweils die zehn häufigsten Diagnosen für die Jahre 2019, 2020 und 2021 nennen)?

7

In wie vielen Fällen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung eine oder mehrere der sogenannten U-Untersuchungen für Kinder und Jugendliche nicht wahrgenommen (bitte die monatsgenaue Entwicklung der Jahre 2021, 2020 und 2019 angeben)?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Kindern und Jugendlichen, die in Haushalten, die Leistungen nach SGB II beziehen, leben?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Haushalten, die Leistungen nach SGB XII beziehen?

8

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht entwickelt (bitte die monatsgenaue Entwicklung der Jahre 2021, 2020 und 2019 angeben)?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Haushalten, die Leistungen nach SGB II beziehen?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Haushalten, die Leistungen nach SGB XII beziehen?

9

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit einer Essstörung entwickelt (bitte die monatsgenaue Entwicklung der Jahre 2021, 2020 und 2019 angeben)?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Haushalten, die Leistungen nach SGB II beziehen?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Haushalten, die Leistungen nach SGB XII beziehen?

10

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Drogenmissbrauch durch Kinder und Jugendliche entwickelt (bitte die monatsgenaue Entwicklung der Jahre 2021, 2020 und 2019 angeben)?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Haushalten, die Leistungen nach SGB II beziehen?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Haushalten, die Leistungen nach SGB XII beziehen?

11

Was unternimmt die Bundesregierung, um zu verhindern, dass sich die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen verschlechtert?

12

Wie häufig traf sich die Bundeskanzlerin mit Vertretern von Kinder- und Jugendärzten seit 2019 (bitte die Treffen seit 2019 dokumentieren)?

13

Wie häufig traf sich der Bundesminister für Gesundheit mit Vertretern von Kinder- und Jugendärzten seit 2019 (bitte die Treffen seit 2019 dokumentieren)?

14

Wie häufig traf sich der Bundesminister für Arbeit und Soziales mit Vertretern von Kinder- und Jugendärzten seit 2019 (bitte die Treffen seit 2019 dokumentieren)?

15

Mit welchen Expertinnen und Experten stand die Bundesregierung im Austausch, um die Auswirkungen der Kita- und Schulschließungen auf Kinder und Jugendliche abzuwägen (bitte die Treffen seit März 2020 dokumentieren)?

16

Werden nach Ansicht der Bundesregierung bestehende Bildungslücken von Schülerinnen und Schülern durch die Schulschließungen weiter vergrößert?

17

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, welche Auswirkungen die Schließungen von Kindertageseinrichtungen und Schulen auf die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen haben bzw. langfristig haben werden?

18

Hat die Bundesregierung eigene Studien in Auftrag gegeben, um die langfristigen Auswirkungen der Schließungen von Kindertageseinrichtungen und Schulen auf die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen zu evaluieren?

Wenn ja, bis wann ist mit Ergebnissen zu rechnen?

Wenn nein, weshalb nicht?

19

Wie bewertet die Bundesregierung die Gefahr, dass Grundschülerinnen und Grundschüler aufgrund der Kita- und Schulschließungen zukünftig über nicht ausreichende Grundkenntnisse verfügen könnten?

20

Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die sprachlichen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen entwickelt (bitte die monatsgenaue Entwicklung der Jahre 2021, 2020 und 2019 angeben)?

21

Was unternimmt die Bundesregierung, um zu verhindern, dass bestehende Bildungslücken weiter vergrößert werden?

22

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl von Gewaltstraftaten im häuslichen Kontext mit Kindern oder Jugendlichen als Opfer seit 2019 entwickelt (bitte die monatsgenaue Entwicklung der Jahre 2021, 2020 und 2019 angeben)?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Haushalten, die Leistungen nach SGB II beziehen?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Haushalten, die Leistungen nach SGB XII beziehen?

23

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Nutzung von sogenannten Hilfetelefonen für Kinder und Jugendliche seit 2019 entwickelt (bitte die monatsgenaue Entwicklung der Jahre 2021, 2020 und 2019 angeben)?

24

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Nutzung von Beratungsstellen zur Prävention von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche seit 2019 entwickelt (bitte die monatsgenaue Entwicklung der Jahre 2021, 2020 und 2019 angeben)?

25

Hält die Bundesregierung die bisherigen Maßnahmen zum Schutz von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche noch für ausreichend?

26

Wie häufig traf sich die Bundeskanzlerin mit Vertretern von Kinderschutzorganisationen (bitte die Treffen seit 2019 dokumentieren)?

27

Wie häufig traf sich der Bundesminister für Gesundheit mit Vertretern von Kinderschutzorganisationen (bitte die Treffen seit 2019 dokumentieren)?

28

Wie häufig traf sich der Bundesminister für Arbeit und Soziales mit Vertretern von Kinderschutzorganisationen (bitte die Treffen seit 2019 dokumentieren)?

29

Wie viele Haushalte, in denen minderjährige Kinder leben, werden nach Kenntnis der Bundesregierung regelmäßig durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendämter zu Hause besucht (bitte die monatsgenaue Entwicklung der Jahre 2021, 2020 und 2019 angeben)?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Haushalten, die Leistungen nach SGB II beziehen?

Wie hoch ist jeweils der Anteil von Haushalten, die Leistungen nach SGB XII beziehen?

30

Wie stellen die Jugendämter nach Kenntnis der Bundesregierung sicher, dass hilfebedürfte Familien trotz geltender Corona-Schutzverordnungen ausreichend persönlich betreut werden und Hilfe erhalten?

31

Hatte die Bundesregierung einen „Kindergipfel“ durchgeführt, oder gab es Planungen zur Durchführung eines solchen Gipfels, um die Folgen der Corona-Pandemie und Hilfen für Kinder und Jugendliche zu erörtern?

Wenn ja, wer war daran beteiligt bzw. sollte daran beteiligt werden?

Wenn nein, warum nicht?

Berlin, den 17. März 2021

Christian Lindner und Fraktion

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