Verbreitung des COVID-19-Virus über Aerosole
der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Michael Theurer, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Christine Aschenberg-Dugnus, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Carl-Julius Cronenberg, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Peter Heidt, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Dr. Gero Clemens Hocker, Manuel Höferlin, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Karsten Klein, Pascal Kober, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Michael Georg Link, Dr. Martin Neumann, Hagen Reinhold, Frank Schäffler, Frank Sitta, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Benjamin Strasser, Katja Suding, Linda Teuteberg, Stephan Thomae, Manfred Todtenhausen, Dr. Florian Toncar, Gerald Ullrich, Sandra Weeser, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Das COVID-19-Virus verbreitet sich vorwiegend über die Luft, über sogenannte Aerosole. Diese können über die Atemluft oder über Husten oder Niesen in die Umwelt gelangen.
In einem Positionspapier hat die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) ihre wissenschaftliche Sicht auf die Verbreitung von COVID-19 und die bisher getroffenen und möglichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie dargestellt (https://www.info.gaef.de/positionspapier). Besonders stark sei das Infektionsrisiko in geschlossenen Räumen, während im Freien „so gut wie keine Infektionen durch Aerosolpartikel“ stattfinden. Allerdings könnten bei größeren Menschenansammlungen Tröpfcheninfektionen auftreten.
Von zentraler Bedeutung sei es aber, Innenräume richtig und regelmäßig zu lüften, um dort die Aerosolkonzentration zu vermindern. Lüftungsanlagen (sofern nicht im Umluftbetrieb) oder Luftfilter können hierzu einen Beitrag leisten, so die Fachgesellschaft weiter.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen7
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus dem Positionspapier der GAeF vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der Einschätzung der GAeF, dass einfache medizinische Masken einen deutlich schlechteren Schutz als etwa FFP2-Masken vor COVID-19 bieten, insbesondere vor dem Hintergrund, dass sowohl medizinische Masken als auch FFP2-Masken von der Bundesregierung empfohlen bzw. vorausgesetzt werden?
Wie bewertet die Bundesregierung die Bewertung der GAeF, dass im Freien ein Infektionsrisiko durch Aerosole so gut wie nicht besteht und nur das Risiko einer Tröpfcheninfektion, insbesondere bei größeren Menschenansammlungen ohne Einhaltung von Mindestabständen und/oder ohne Tragen einer Schutzmaske besteht?
Aus welchen Gründen gilt in vielen Bundesländern auf Grundlage von MPK-Beschlüssen eine Maskenpflicht im Freien an Orten, an denen keine großen Menschenansammlungen zu erwarten sind, wie etwa auf Supermarktparkplätzen oder teilweise für Jogger (https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/coronavirus/Oberverwaltungsgericht-bestaetigt-Maskenpflicht-fuer-Jogger,corona7394.html)?
Aus welchen Gründen sind Menschen auch Treffen im Freien weitestgehend untersagt (meist ein Haushalt + eine weitere Person), wenn im Freien bei eingehaltenen Abständen und dem Tragen von Schutzmasken so gut wie kein Infektionsrisiko besteht?
Warum besteht die Bundesregierung auf nächtlichen Ausgangssperren, obwohl selbst Juristen des Bundeskanzleramts diese Maßnahme in Zweifel ziehen (Bild.de, Vehlewald, 16. April 2021, „Eigene Experten zerfetzen Merkels Ausgangssperre“)?
Welches Infektionsrisiko besteht nachts, das tagsüber nicht besteht?
Kann es durch nächtliche Ausgangssperren dazu kommen, dass private Feiern oder Treffen zeitlich ausgedehnt werden und Menschen sich länger in Gruppen in Innenräumen aufhalten?
Welche Bedenken haben die Juristen im Bundeskanzleramt genau angeführt?
Was unternimmt die Bundesregierung, um Menschen zu motivieren, sich möglichst viel im Freien aufzuhalten, wo die Virusübertragung durch Aerosole sehr unwahrscheinlich ist?
Welche konkreten Anreize werden hierfür gesetzt, und plant die Bundesregierung in diesem Bereich Maßnahmen?
Könnten private Treffen unter Einhaltung der Abstandsregeln im Freien dafür sorgen, dass Menschen sich weniger in gefährdeten Innenräumen aufhalten?
Wie bewertet die Bundesregierung die Schließung der Außengastronomie, insbesondere vor dem Hintergrund, dass nach Einschätzung der Fragesteller im Freien bei Einhaltung der Abstandsregeln keine nennenswerte Infektionsgefahr besteht?
Was unternimmt die Bundesregierung, um die Raumluft in öffentlichen und privaten Gebäuden zu verbessern (beispielsweise Fördermaßnahmen für Luftfilteranlagen)?
Wie beurteilt die Bundesregierung den Vorschlag der GAeF, den CO2-Gehalt der Luft als indirekten Anhaltspunkt für eine notwendige Lüftung zu verwenden und hier Empfehlungen abzugeben, vor allem vor dem Hintergrund, dass CO2-Messgeräte kostengünstig verfügbar sind?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den Ausführungen der GAeF zu Luftfiltergeräten und Lüftungsanlagen, bzw. welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung hieraus für ihr eigenes Handeln?
Was unternimmt die Bundesregierung, um die Aerosolforschung zu unterstützen und zu stärken?