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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Reaktionen der Bundesregierung auf das Rating der Greensill Bank AG

(insgesamt 6 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium der Finanzen

Datum

22.06.2021

Antwortdauer

21 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/3020801.06.2021

Reaktionen der Bundesregierung auf das Rating der Greensill Bank AG

der Abgeordneten Frank Schäffler, Christian Dürr, Dr. Florian Toncar, Bettina Stark-Watzinger, Markus Herbrand, Katja Hessel, Till Mansmann, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Britta Katharina Dassler, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Peter Heidt, Torsten Herbst, Dr. Gero Clemens Hocker, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Karsten Klein, Pascal Kober, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Michael Georg Link, Dr. Martin Neumann, Christian Sauter, Dr. Wieland Schinnenburg, Frank Sitta, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Katja Suding, Stephan Thomae, Manfred Todtenhausen, Dr. Florian Toncar, Sandra Weeser, Nicole Westig und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Der Aufsichtsratschef der Greensill Bank war gleichzeitig Mitglied im Advisory Board von Scope. Noch im September 2019 erteilte die Scope Ratings GmbH (Scope) der Greensill Bank AG (Greensill Bank) ein „Issuer Rating” von A-. Im März 2021 stellte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beim Amtsgericht Bremen einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die Greensill Bank. Das Amtsgericht Bremen hat daraufhin am 16. März 2021 ein Insolvenzverfahren eröffnet und einen Insolvenzverwalter bestellt. Am selben Tag stellte die BaFin den Entschädigungsfall für die Greensill Bank fest, da das Institut nicht mehr in der Lage war, sämtliche Einlagen seiner Kunden zurückzuzahlen (https://www.boersen-zeitung.de/banken-finanzen/rating-mit-geschmaeckle-651fab92-8016-11eb-8b32-8f1e42c1385f).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen6

1

Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, ob es einen exklusiven Rating-Auftrag an Scope durch die Greensill Bank gab?

Wenn ja, liegen der Bundesregierung Kenntnisse vor, dass die Greensill Bank durch den exklusiven Auftrag an Scope Einfluss auf das Rating nehmen konnte?

Wenn nein, gab es für die Greensill Bank auch ein Rating der GBB-Rating Bonitätsbeurteilung GmbH (GBB-Rating)?

Durften nur von der ESMA autorisierte Agenturen Ratings für die Greensill Bank veröffentlichen?

2

Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, ob Kommunen oder andere öffentliche Einrichtungen eine alternative Meinung bzw. „private Ratings” (gemäß CRAR) zur Greensill Bank eingeholt haben, wenn ja, welche?

3

Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, welche Rolle die Ratings von Scope bei den Kommunen für ihre Geldanlagen bei der Greensill Bank darstellten?

Welche Vorteile bot das Rating für die Greensill Bank qua Gesetz, sei es in der Versicherungs- oder Finanzwirtschaft?

Welche Ratings der Greensill Bank wurden nach Kenntnis der Bundesregierung für die Berechnung nach der Beitragsverordnung der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (Entschädigungseinrichtung) herangezogen?

Welcher Beitrag zur Entschädigungseinrichtung wurde von der Greensill Bank geleistet?

4

Welche privaten deutschen Banken waren nach Kenntnis der Bundesregierung im August 2020 von den durch die ESMA autorisierten Ratingagenturen besser geratet als die Greensill Bank?

5

Wann hat Scope nach Kenntnis der Bundesregierung zuletzt dem Central Repository (CEREP) der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde Daten über ihre bisherigen Ergebnisse gemäß EU-Verordnung über Ratingagenturen (CRAR) zur Verfügung gestellt, und wann wurden diese veröffentlicht?

Wer prüft unter welchen Aspekten die von Scope an das CEREP gelieferten Daten?

6

Liegen der Bundesregierung Indizien für einen Interessenskonflikt zwischen Scope und der Greensill Bank vor?

Welche Maßnahmen ergriff die Bundesregierung zum Schutz vor Interessenkonflikten bei Scope?

Gab es seit 2019 Kontakte der Bundesregierung zu Mitgliedern der „Boards” bei Scope (Honorary Board: Prof. Dr. Horst Köhler, Jean-Claude Trichet, José Manuel González, Pier Carlo Padoan und Leszek Balcerowicz. Board of Trustees: Gerd Häusler (Chair), Simon Fraser (Vice Chair), Lorenzo Bini Smaghi, Dr. Johannes Fritz, Dr. Dieter Schenk. Advisory Board (bis kurz nach der Insolvenz von Greensill Bank): Dr. Peter M. Haid (Chair), Maurice Thompson, Prof. Ewald Nowotny, François Tesch, Janusz Reiter, Alejandro Fernández de Araoz, Luigi Dante, Dr. Herbert Stepic, Dr. Michael Ollmann, Panfilo Tarantelli, Prof. Dr. Mark Binz, Francisco R. Rey, Torsten Hinrichs, Zaza Beradze, Yaroslav Issakov. Supervisory Board: Georg Graf Waldersee, Carsten Dentler, Sebastian Canzler)?

Berlin, den 5. Mai 2021

Christian Lindner und Fraktion

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