[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Matthias Gastel, Lisa Badum, Stefan
Gelbhaar, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 19/31990 –
Entwicklung der Fahrzeiten im Schienennetz
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Fahrzeit ist ein wichtiger Parameter für die Verkehrsmittelwahl. Kürzere
Fahrzeiten eines Verkehrsmittels führen zu entsprechenden Verlagerungen auf
dieses Verkehrsmittel. Insbesondere Fahrzeitverkürzungen auf der Schiene
gehen oftmals mit einer veränderten Moduswahl einher, wobei sie auch
Einflüsse auf die Zielwahl und sogar auf die Erzeugung von Verkehr haben.
Aus klimapolitischer Sicht ist dies relevant, da durch eine Verkürzung der
Fahrzeiten im Schienenverkehr Verkehre auf die klimafreundliche und
energieeffiziente Schiene verlagert werden können und damit zum einen
Treibhausgase eingespart werden können, zum anderen kann die Beförderung mit
möglichst geringem Energieaufwand im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln
erfolgen.
Durch den Neu- und Ausbau von Schienenstrecken in Deutschland konnten
Fahrzeiten reduziert werden. Allerdings gibt es auch gegenläufige
Entwicklungen, beispielsweise eine wieder ansteigende Fahrzeit nach Inbetriebnahme
von Neu- und Ausbaustrecken (z. B. Hamburg – Berlin: 2006 minimale
Fahrzeit 93 Minuten
https://www.fernbahn.de/datenbank/suche/?zug_id=2006010
1002 (zur besseren Vergleichbarkeit 2006, da 2005 ab Zoologischer Garten);
2020 minimale Fahrzeit 103 Minuten
https://www.fernbahn.de/datenbank/suc
he/?zug_id=20200100600; Deutschlandtakt dritter Zielfahrplan minimale
Fahrzeit 101 Minuten
https://www.fernbahn.de/datenbank/suche/?zug_id=203
00101094).
In der Entscheidung der planmäßigen Fahrzeit sind viele Überlegungen zu
betrachten wie beispielsweise zusätzliche Reserven für den Abbau bzw.
Vermeidung von Verspätungen, der Energieverbrauch, die Anforderungen des
Deutschlandtakts, aber auch die sich dadurch erhöhende Reisezeit.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/32554
19. Wahlperiode 23.09.2021
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr und digitale
Infrastruktur vom 22. September 2021 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Wie berechnet die Deutschen Bahn AG den Regelzuschlag (vgl.
https://f
ahrweg.dbnetze.com/resource/blob/1359520/a15c08803ce7991655355a0
2a87438ed/produktbeschreibung_fahrzeitberechnung-data.pdf)?
Wie hat sich der prozentuale Anteil des Regelzuschlags in den letzten
zehn Jahren (bitte Jahresscheiben angeben) entwickelt?
Nach Auskunft der Deutschen Bahn AG (DB AG) ist der Regelzuschlag ein
gleichmäßig verteilter prozentualer Zuschlag zur reinen Fahrzeit. Die Höhe
dieses Zuschlags ist von der Traktionsart (Diesel- oder Elektrobetrieb) und von
der zulässigen Geschwindigkeit des Zuges abhängig. Da der Regelzuschlag
somit auf Basis von Zugparametern berechnet wird, gibt es keine Entwicklungen
bzw. zeitliche Ganglinien.
2. Macht die DB Fernverkehr AG zusätzliche Fahrzeitzuschläge?
Wenn ja, in welcher Höhe?
Ist diese Unterscheidung streckenabhängig?
Wie war die Entwicklung dieser Fahrzeitzuschläge in den letzten zehn
Jahren (bitte Jahresscheiben angeben)?
Nach Auskunft der DB AG entwickelt die DB Fernverkehr AG Fahrpläne mit
hoher Betriebsqualität und möglichst kurzen Reisezeiten. Gemäß den Vorgaben
der DB Netz AG werden Bau- und Regelzuschläge in den Fahrplan
eingearbeitet. In bestimmten Fällen plant man weitere Reserven ein, z. B. um für
Anschlüsse aus anderen Fern- oder Nahverkehrszügen die Mindestumsteigezeit
gewährleisten zu können oder wegen Einfahrslots bei hoch ausgelasteten
Bahnhöfen. Die Fahrplanerstellung koordiniert die DB Netz AG, die
Wechselwirkungen zwischen den Zugtrassen des Fern-, Nah- und Güterverkehrs
berücksichtigt.
3. Wie entwickelten sich die Verspätungen der DB Fernverkehr AG in den
letzten zehn Jahren (bitte Jahresscheiben angeben)?
Die Entwicklung im Zeitraum von 2011 bis 2020 ist in der nachfolgenden
Tabelle dargestellt:
Jahr
Pünktlichkeit
DB Fernverkehr AG
in Prozent
2011 80,0
2012 79,1
2013 73,9
2014 76,5
2015 74,4
2016 78,9
2017 78,5
2018 74,9
2019 75,9
2020 81,8
Quelle: DB AG
4. Wie entwickelten sich die Verspätungen der DB Regio AG in den letzten
zehn Jahren (bitte Jahresscheiben angeben und nach Ländern
differenzieren)?
Nach Auskunft der DB AG liegen keine Daten vor dem Jahr 2014 vor. Die
Tabelle zeigt die Pünktlichkeiten aufgeteilt nach Ländern für die DB Regio AG.
in Prozent 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Baden-Württemberg 94,2 94,0 93,4 93,4 92,7 92,2 94,8 94,8
Bayern 94,9 94,2 94,9 94,5 93,7 93,4 95,0 93,9
Berlin 92,9 92,3 97,3 96,9 97,3 97,8 98,3 98,0
Brandenburg 93,1 92,5 94,5 94,9 95,3 95,6 96,4 95,9
Bremen 85,2 86,3 86,8 87,3 86,0 90,4 92,3 89,7
Hamburg 92,7 91,3 91,8 91,4 89,0 96,7 97,5 98,1
Hessen 91,6 90,5 91,8 91,5 90,9 91,5 93,5 92,9
Mecklenburg-Vorpommern 95,8 95,7 96,9 96,0 96,6 96,8 97,5 97,7
Niedersachsen 93,7 92,9 93,7 93,4 92,3 93,2 93,9 92,7
Nordrhein-Westfalen 93,0 92,5 93,1 92,4 91,3 92,1 92,7 92,7
Rheinland-Pfalz 94,4 93,0 94,2 93,6 92,7 93,5 95,1 95,2
Saarland 96,0 95,6 96,1 95,4 95,3 96,5 96,0 95,4
Sachsen 96,4 95,1 96,0 95,9 95,5 96,5 97,4 97,7
Sachsen-Anhalt 94,4 91,2 93,3 94,2 94,6 95,6 96,6 95,8
Schleswig-Holstein 93,4 91,7 93,7 92,0 87,9 92,6 93,6 94,3
Thüringen 93,7 92,6 94,3 95,7 95,9 96,3 96,7 95,9
Quelle: DB AG, für 2021 ist das erste Halbjahr dargestellt
5. Gibt es bei der Deutschen Bahn AG zusätzliche Fahrzeitaufschläge für
hochbelastete Strecken oder Knoten?
Wenn ja, wie hoch sind diese?
11. Wie entwickelte sich der Regelzeitzuschlag für Fahrten zwischen Berlin
Hbf und Hamburg Hbf zwischen 2006 und 2020 (bitte jeweils absolut
und relativ angeben sowie auch für Deutschlandtaktfahrzeit angeben)?
12. Wie entwickelten sich die zusätzlichen Fahrplanpuffer für Fahrten
zwischen Berlin Hbf und Hamburg Hbf zwischen 2006 und 2020?
17. Wie entwickelte sich der Bauzuschlag im Fahrplan auf der Strecke Berlin
Hbf – Hamburg Hbf von 2006 bis 2020 (auch getrennte Angaben zu
Streckenabschnitten möglich)?
Die Fragen 5, 11, 12 und 17 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Neben dem Regelzuschlag als prozentualem Zeitzuschlag, der im Verhältnis zur
physikalischen Fahrzeit steht, werden nach Auskunft der DB AG Bauzuschläge
als absolute Minutenwerte in die Fahrzeiten eingearbeitet, um kurzfristig
auftretende Beeinträchtigungen von kleineren Baumaßnahmen oder
Langsamfahrabschnitten abzufangen. Die Bauzuschläge werden punktuell vor größeren
Knotenbahnhöfen eingebaut. Diese Zuschläge sind vom baulichen Zustand der
Strecken abhängig und nicht vom Belastungsgrad. Eine Auswertung ist nicht
möglich, da sich die infrastrukturellen Erhaltungsstände von Strecken und
Knotenbahnhöfen und damit die Bauzuschläge unterscheiden. Nach Auskunft
der DB AG gibt es keine weiteren Fahrplanpuffer.
Im Übrigen wird auf die Antworten zu den Fragen 1 und 10 verwiesen.
6. Gibt es Planungen, in Zukunft die Gewichtung zwischen Pünktlichkeit
und Fahrzeit zu ändern?
7. Wann wurde die aktuelle Gewichtung „Pünktlichkeit vor Fahrzeit“
seitens der DB beschlossen (bitte die betreffenden Konsultationen
angeben)?
Die Fragen 6 und 7 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Nach Auskunft der DB AG gibt es keine Gewichtung im Sinne von
Fahrplanparametern.
8. Was ist die kürzeste erreichbare Fahrzeit (inklusive Regelzuschlag, ohne
weitere Zuschläge) zwischen folgenden Städten (ohne Zwischenhalt)
a) Hannover – Berlin Hauptbahnhof (Hbf),
b) Frankfurt – Berlin Hbf via Kassel,
c) Frankfurt – Berlin Hbf via Erfurt,
d) Hamburg – Köln,
e) Frankfurt – Stuttgart,
f) Nürnberg – Stuttgart,
g) Nürnberg – Berlin,
h) München – Nürnberg,
i) Hannover – Hamm,
j) Hamm – Düsseldorf,
k) Hamm – Köln,
l) Köln – Frankfurt,
m) Stuttgart – München?
Nach Auskunft der DB AG ergeben sich folgende kürzeste erreichbare
Fahrzeiten für die Strecken:
• Hannover – Berlin Hbf eine Stunde und 31 Minuten,
• Frankfurt – Berlin Hbf via Kassel drei Stunden und 47 Minuten,
• Frankfurt – Berlin Hbf via Erfurt drei Stunden und 29 Minuten,
• Hamburg – Köln drei Stunden und16 Minuten,
• Frankfurt – Stuttgart eine Stunde und 14 Minuten,
• Nürnberg – Stuttgart eine Stunde und 54 Minuten,
• Nürnberg – Berlin zwei Stunden und 33 Minuten,
• München – Nürnberg 59 Minuten,
• Hannover – Hamm eine Stunde und11 Minuten,
• Hamm – Düsseldorf 55 Minuten,
• Hamm – Köln eine Stunde 23 Minuten,
• Köln – Frankfurt 58 Minuten und
• Stuttgart – München eine Stunde und 57 Minuten.
9. Was ist die minimal fahrbare Zeit (inklusive Regelzuschlag) ohne
wietere Pufferzuschläge und unter steter Ausfahrung der maximalen
Geschwindigkeit zwischen Berlin Hbf und Hamburg Hbf?
Nach Auskunft der DB AG beträgt die minimal fahrbare Fahrzeit 1 Stunde und
35 Minuten.
10. Aus welchen Gründen verlängerte sich die Fahrzeit zwischen Berlin Hbf
und Hamburg Hbf zwischen 2006 und 2020?
Nach Auskunft der DB AG verlängerte sich die Fahrzeit zwischen Berlin Hbf
und Hamburg Hbf zwischen den Jahren 2006 und 2020 wegen des Zustands der
Strecke (Alter und Verschleiß) und den daraus resultierenden Bauzuschlägen.
Auch veränderte Fahrzeugeigenschaften wie beispielsweise bei der
Bremsdynamik oder ein wechselnder Fahrzeugeinsatz der Eisenbahnverkehrsunternehmen
von Lok bespannten Zügen zu Triebzügen können beitragen.
Zudem sind zum Teil zur Verbesserung der Betriebsqualität längere Haltezeiten
eingeplant worden.
13. Wie hoch war der Anteil verspäteter Fernverkehrszüge 2006, wie hoch
2020 (wenn möglich ausschließlich Fernverkehrszüge ohne
Zwischenhalte außerhalb von Berlin und Hamburg)?
Wie ist für Fernverkehrszüge die Entwicklung der Verspätung auf dieser
Strecke (bitte für 2006 und 2020 angeben jeweils in beide Richtungen)?
Nach Auskunft der DB AG werden erst seit dem Jahr 2015 relationsscharfe
Daten der DB Fernverkehr AG hierzu erhoben.
Im Jahr 2020 lag die Pünktlichkeit auf der Relation Hamburg – Berlin
(ausschließlich Fernverkehrszüge ohne Zwischenhalte außerhalb von Berlin und
Hamburg) bei 86,1 Prozent. Die Pünktlichkeit auf den einzelnen
Streckenabschnitten ist in den nachfolgenden Tabellen ausgewiesen:
Hamburg Berlin
Streckenabschnitt (von – bis) Pünktlichkeit
Hamburg-Altona – Hamburg Dammtor 93,7
Hamburg Dammtor – Hamburg Hbf 93,2
Hamburg Hbf – Berlin-Spandau 86,8
Berln-Spandau – Berlin Hbf 86,7
Berlin Hbf – Berlin Südkreuz 90,2
Berlin Hamburg
Streckenabschnitt (von – bis) Pünktlichkeit
Berlin Südkreuz – Berlin Hbf 87,7
Berlin Hbf – Berlin-Spandau 90,6
Berlin-Spandau – Hamburg Hbf 82,0
Hamburg Hbf – Hamburg Dammtor 80,1
Hamburg Dammtor – Hamburg-Altona 76,9
Quelle: DB AG
14. Wie entwickelte sich die Auslastung der Strecke Berlin Hbf – Hamburg
Hbf zwischen 2006 und 2020 (bitte jeweils mindestens durchschnittliche
Auslastung, minimale und maximale Auslastung unter Angabe des
Streckenabschnitts angeben)?
Wie entwickelt sich die Auslastung dieser Strecke im Rahmen des
Deutschlandtakts?
16. Wie viele Züge des Schienenpersonennahverkehrs verkehren pro Tag auf
den Strecken zwischen Berlin Hbf – Hamburg Hbf (2006 und 2020,
jeweils auch getrennte Angabe zu Streckenabschnitten)?
Die Fragen 14 und 16 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Anzahl aller Züge des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV),
Schienenpersonenfernverkehrs (SPFV) sowie des Schienengüterverkehrs (SGV) und der
sonstigen Züge über beide Richtungen Berlin Hbf – Hamburg Hbf sind der
folgenden Tabelle zu entnehmen. Zur Auswertung wurde der Streckenabschnitt
bei Dergenthin herangezogen. Die Daten sind die Mittelwerte von Dienstag bis
Freitag aus der jeweiligen 43. Kalenderwoche („aufkommensstarke” Woche).
Jahr
Anzahl Züge
gesamt pro Tag
Anzahl Züge
SGV pro Tag
Anzahl Züge
SPNV pro Tag
Nennleistung
pro Tag
Auslastung
gesamt pro Tag
2010 158 94 18 261 61
2015 140 64 22 261 54
2020 162 82 20 261 62
Quelle: DB Netz
Die Zugzahlen im Abschnitt Dergenthin sind im 20 Prozent Quantil Median
und 80 Prozent Quantil Median der folgenden Tabelle zu entnehmen. Ältere
Daten als 2016 sind systemseitig nicht verfügbar. Bei diesen Daten handelt es
sich um Mittelwerte eines Wochenschnittes auf Basis der jeweiligen
Jahreswerte.
Alle Verkehrsarten:
Fahrplanjahr 20 Quantil Median 80 Quantil
2016 101 126 138
2017 107 129 141
2018 119 140 155
2019 123 144 161
2020 109 131 151
Quelle: DB Netz
Die im Rahmen der volkswirtschaftlichen Bewertung des Gesamtplanfalls
Deutschlandtakt ermittelte Verkehrsbelastung kann aus dem entsprechenden
Projektdossier entnommen werden (abrufbar unter:
https://downloads.ctfasset
s.net/scbs508bajse/4k7eoC8AXcRCCdzngTDYKp/a48ad12ca02b754418b1456
f9e2bbf3e/Bewertung_der_Infrastrukturma__nahmen.pdf).
15. Wie viele Güterzüge verkehren pro Tag zwischen Berlin Hbf – Hamburg
Hbf (2006 und 2020, jeweils auch Angaben zu Streckenabschnitten
möglich), und verteilt sich die entsprechende Belegung im Tagesgang (bitte
für einen Werktag und Werte für 2006, 2010, 2015 und 2020 angeben)?
Nach Auskunft der DB AG sind ältere Daten als 2016 systemseitig nicht
verfügbar. Für die Berechnung wurde für den Abschnitt Dergenthin ein
Wochenschnitt auf Basis der jeweiligen Jahreswerte gebildet. Für das Jahr 2016
verkehrten auf der Strecke im Durchschnitt 53 Züge des SGV, 56 im Jahr 2017, 68
im Jahr 2018, 71 im Jahr 2019 und 63 Züge im Jahr 2020.
Die entsprechende Belegung im Tagesgang verteilt sich insbesondere auf den
hoch ausgelasteten Tageszeitraum.
18. Wie entwickelte sich die planmäßige Wartezeit von Zügen der DB
Fernverkehr zwischen Berlin Hbf und Hamburg (für Züge ohne Halt
außerhalb von Berlin und Hamburg) zwischen 2006 und 2020?
Nach Auskunft der DB AG liegt im Fernverkehr die Wartezeit, die zu Zwecken
der Sicherung von Anschlüssen für Reisende gewährt werden kann, bei 3
Minuten. Im Einzelfall entscheiden die Zuständigen über das Warten auf
Anschlüsse.
19. Sind Maßnahmen zur Erhöhung der Streckenkapazität oder zur erneuten
Reduzierung der Fahrzeit zwischen Hamburg und Berlin geplant?
Wenn ja, welche?
Nach Auskunft der DB AG sind auf der Strecke Hamburg–Berlin kleine und
mittlere Maßnahmen geplant. Dies umfasst die Errichtung von 740m-langen
Überholgleisen (Neustadt (Dosse), (Schwarzenbek, Hamburg-Bergedorf) aus
dem 740m-Netz-Programm. Darüber hinaus soll im Rahmen des
Klimaschutzprogramms ein 740m-langes Überholgleis in Hamburg-Aumühle und eine
zusätzliche Weichenverbindung in Hagenow Land realisiert werden. Ferner sind
weitere Maßnahmen zur Umsetzung des Deutschlandtakts geplant. Diese
können aus der bewerteten Maßnahmenliste zum Gesamtplanfall Deutschlandtakt
eingesehen werden (abrufbar unter:
https://assets.ctfassets.net/scbs508bajse/7D
CXM4rOA6vEJzh8jw1DxN/0f2a84cfe964f6ad1d63e54b8ee7b7c4/sma-entwur
f-massnahmen-planfall-deutschlandtakt.pdf).
20. Wie hoch ist der Energieverbrauch für einen Fernverkehrszug (bitte für
die eingesetzten Triebzüge bzw. Fernverkehrsgarnituren angeben, bitte
jeweils unter Angabe der Sitzplätze) zwischen Hamburg und Berlin
(ohne Halte außerhalb von Berlin und Hamburg) bei fahrplanmäßiger
Fahrt beziehungsweise bei Ausfahren der maximalen Geschwindigkeit?
Nach Auskunft der DB AG beträgt der Energieverbrauch der Baureihe 412
(ICE 4 12-Teiler, 830 Sitzplätze) auf der Strecke zwischen Hamburg
Hauptbahnhof und Berlin Hauptbahnhof (mit Halt in Berlin-Spandau) bei
fahrplanmäßiger Fahrt durchschnittlich 3.916 kWh. Bei Fahrten mit einer straffen
Fahrweise, die einen Verspätungsabbau sicherstellen, ist ein Energieverbrauch von
durchschnittlich 4.095 kWh zu verzeichnen. Der Betrachtungszeitraum für die
Auswertung ist April bis Juli 2021.
21. Aus welchen Gründen veränderte sich die Fahrzeit für den Zug Köln –
Hamburg (Abfahrt jeweils – etwas schwankend – nach 6:15 Uhr Köln
Hbf) von 3:17 Uhr (1995) auf 3:36 Uhr (2020) (Quellen jeweils fern-
bahn.de)?
Nach Auskunft der DB AG betrug die Fahrzeit des ICE 639, der außerhalb
durchgehender Vertaktungen verkehrte, im Jahr 1995 auf dieser Strecke 3
Stunden und 15 Minuten.
Seitdem hat es sukzessive wesentliche Mehrverkehre über alle Verkehrsarten
auch auf dem Laufweg dieser Züge gegeben. Als besonders belastet sind dabei
die Knoten Köln und Hamburg anzusehen, wofür zusätzliche Fahrzeitreserven
vorgesehen werden. Darüber hinaus müssen Fahrzeitverlängerungen aufgrund
von Bautätigkeiten berücksichtigt werden.
22. Konnte durch die Verlängerung der Fahrzeit eine Erhöhung der
Pünktlichkeit erreicht werden?
Wie hat sich in diesem Zeitraum die Auslastung der befahrenen
Streckenabschnitte geändert?
23. Welche Streckenabschnitte bewirken eine Verlängerung der Fahrzeit?
Sind auf diesen Maßnahmen geplant?
Die Fragen 22 und 23 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Nach Auskunft der DB AG liegen der DB Netz AG dazu keine Untersuchungen
bzw. Auswertungen vor.
24. Sind in Zukunft weitere Nonstop-Sprinterverbindungen zwischen
Großstädten mit unter vier Stunden Fahrzeit geplant (im Deutschlandtakt sind
solche Verbindungen nicht vorgesehen – dort Reisezeit von stets über
vier Stunden (vgl. deutschlandtakt.de)?
Der vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur beauftragte
Zielfahrplan Deutschlandtakt stellt das Grundgerüst für einen optimal
abgestimmten integralen Taktfahrplan im gesamten deutschen Schienenverkehr dar
und bildet die Grundlage für die künftige Infrastrukturplanung des Bundes und
die optimale Nutzung des Netzes. Die Bedienung der im Zielfahrplan
hinterlegten Fernverkehrslinien obliegt den am Markt agierenden Verkehrsunternehmen.
Die DB Fernverkehr AG prüft basierend auf Fahrzeugverfügbarkeit,
Infrastruktur und Trassenbelegung kontinuierlich zusätzliche Sprinterverbindungen in
Ergänzung zu den Taktzügen zwischen den Metropolen. Beispiele hierfür sind
die Ausweitung der Sprinterverbindungen zwischen Berlin und München seit
Dezember 2017 oder die neu geplanten Sprinterverbindungen Bonn – Köln –
Berlin oder Düsseldorf – Köln – Frankfurt Flughafen – Nürnberg – München
ab Dezember 2021.
25. Gibt es aktuell noch ICE-Züge zwischen Frankfurt und Berlin ohne
Zwischenhalt?
Wenn ja, wie viele?
Wenn nein, wann ist die Einführung eines solchen Angebots geplant?
Nach Auskunft der DB AG gibt es eine ICE-Verbindung am Tag von Frankfurt
nach Berlin ohne Zwischenhalt (Fahrtstrecke über Göttingen in 3:54 Std.). Seit
der Teil-Inbetriebnahme von Neu- und Ausbaustrecken im Zuge des
Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nummer 8 (VDE 8) im Dezember 2015 verkehren
die Sprinterzüge zwischen Frankfurt und Berlin über Erfurt und Halle (Saale).
Die Reisezeit beträgt unter vier Stunden. Die Anzahl der Sprinterverbindungen
auf dieser Strecke wurde in den letzten Jahren sukzessive auf derzeit bis zu
sieben vertaktete Fahrten pro Tag und Richtung ausgebaut.
26. Aus welchen Gründen verlängerte sich die Fahrzeit zwischen Stuttgart
und München von 1995 (2:04 Uhr) bis 2020 (2:13 Uhr – die meisten ICE
2:16 Uhr, Quelle jeweils fernbahn.de)?
Nach Auskunft der DB AG wurde die Haltezeit in Ulm und Augsburg von eine
auf zwei Minuten verlängert. Zusätzlich wurde ein weiterer Halt in München-
Pasing aufgenommen. Die Fahrzeitverlängerung der Fahrzeit im Bereich Ulm
ergibt sich aus den umfangreichen Spurplananpassungen der letzten Jahre.
Gleichzeitig schwankt die Fahrzeit Ulm-Augsburg, da eine Fahrzeitreserve im
Fahrplan aufgrund der Einpassung in die Taktfahrpläne und Knoten eingeplant
ist.
Das Mengengerüst des SPNV wurde seit 1995 wesentlich erhöht wurde. Dies
kann Kompromisse in der Fahrplangestaltung des schnelleren SPFV und des
langsameren SPNV im Mischbetrieb auf gleichen Gleisen erfordern, wie z. B.
eine Harmonisierung der Fahrgeschwindigkeiten auf Kosten der Fahrzeiten für
den SPFV. Nach Auskunft der DB AG ist hier eine signifikante Abhilfe nur
durch zusätzliche Infrastrukturen gerade für schnellfahrende Verkehre möglich,
wie sie auf den bestehenden Neubaustrecken schon praktiziert oder derzeit
geplant werden.
27. Wie hoch ist die vorgesehene maximale Geschwindigkeit auf der Strecke
zwischen Flughafen Fernbahnhof und Siegburg/Bonn bei
fahrplanmäßiger Fahrt des schnellsten (gemäß Fahrzeit – auch Durchfahrt durch
Siegburg möglich) auf der Strecke verkehrenden Zugs ohne Verspätung?
Nach Auskunft der DB AG beträgt die maximale Geschwindigkeit auf der
Strecke Flughafen Fernbahnhof und Bonn/Siegburg 300 km/h im ICE3.
28. Wie hoch ist der Energieverbrauch eines ICE 3 (BR 403 – Einzeltraktion,
bitte Sitzplätze angeben) zwischen Siegburg/Bonn und Frankfurt
Fernbahnhof Flughafen bei fahrplanmäßiger Fahrt und bei Ausfahren der
maximalen Geschwindigkeit?
Wie gestaltet sich jeweils die Fahrzeit?
Wie stark steigt der Energieverbrauch verhältnismäßig bei einer
Doppeltraktion BR 403?
Nach Berechnung mit dem Programm Trassenfinder der DB Netz AG (https://
www.trassenfinder.de/) beträgt der Energieverbrauch der Baureihe 403 (ICE 3,
444 Sitzplätze) auf der Strecke zwischen Siegburg/Bonn und Frankfurt
Flughafen Fernbahnhof bei fahrplanmäßiger Fahrt durchschnittlich 1.398 kWh. Die
Fahrzeit Siegburg/Bonn – Frankfurt Fernbahnhof Flughafen beträgt
durchschnittlich 39 Minuten; die Fahrzeit Frankfurt Flughafen Fernbahnhof –
Siegburg/Bonn beträgt durchschnittlich 36 Minuten. Der Energieverbrauch bei einer
Doppeltraktion (888 Sitzplätze) beträgt bei fahrplanmäßiger Fahrt
durchschnittlich 2.766 kWh (verhältnismäßiger Anstieg gegenüber der Einfachtraktion von
rund 98 Prozent).
Bei Fahrten mit einer straffen Fahrweise, die einen Verspätungsabbau
sicherstellen, ist ein Energieverbrauch von durchschnittlich 1.467 kWh zu
verzeichnen. Die durchschnittliche Fahrzeit beträgt in diesem Fall 36 Minuten
(Siegburg/Bonn – Frankfurt Flughafen Fernbahnhof) bzw. 35 Minuten
(Frankfurt Flughafen Fernbahnhof – Siegburg/Bonn). Der Energieverbrauch bei einer
Doppeltraktion (888 Sitzplätze) beträgt in diesem Fall durchschnittlich
2.904 kWh (verhältnismäßiger Anstieg gegenüber der Einfachtraktion von rund
98 Prozent).
29. Wie hoch ist der Energieverbrauch eines ICE 4 (12-teilig, bitte der
Sitzplätze angeben) zwischen Siegburg/Bonn und Frankfurt Fernbahnhof
Flughafen bei fahrplanmäßiger Fahrt und bei Ausfahren der maximalen
Geschwindigkeit?
Wie hoch ist jeweils die Fahrzeit?
Nach Berechnung mit dem Programm Trassenfinder der DB Netz AG beträgt
der Energieverbrauch der Baureihe 412 (ICE 4 12-Teiler, 830 Sitzplätze) auf
der Strecke zwischen Siegburg/Bonn und Frankfurt Flughafen Fernbahnhof bei
fahrplanmäßiger Fahrt durchschnittlich 2.131 kWh. Die Fahrzeit Siegburg/
Bonn – Frankfurt Flughafen Fernbahnhof beträgt durchschnittlich 44 Minuten;
die Fahrzeit Frankfurt Flughafen Fernbahnhof – Siegburg/Bonn beträgt
durchschnittlich 44 Minuten.
Bei Fahrten mit einer straffen Fahrweise, die einen Verspätungsabbau
sicherstellen, ist ein Energieverbrauch von durchschnittlich 2.201 kWh zu
verzeichnen. Die durchschnittliche Fahrzeit beträgt in diesem Fall 42 Minuten
(Siegburg/Bonn – Frankfurt Flughafen Fernbahnhof) bzw. 41 Minuten
(Frankfurt Flughafen Fernbahnhof– Siegburg/Bonn).
30. Wie häufig mussten in den letzten fünf Jahren Trassenanmeldungen des
Nah- und Güterverkehrs zurückgestellt werden, weil Züge des
Fernverkehrs (alle Unternehmen, nicht nur DB Fernverkehr) Trassenkonflikte
verursacht haben (bitte jeweils für die Jahre getrennt angeben; wenn
insgesamt unter 20 Fälle bitte jeweilige Konstellation angeben, bitte auch
betreffende Relation bzw. Strecke angeben)?
Nach Auskunft der DB AG ist für die Konfliktlösung von sich konkurrierenden
Trassenanmeldungen für die DB Netz AG das geltende Regelwerk nach
Eisenbahnregulierungsgesetz (ERegG) maßgeblich. Das oberste Ziel ist es,
einvernehmliche Lösungen mit den Zugangsberechtigten zu erarbeiten, sonst werden
diskriminierungsfrei gesetzlich definierte Vergabekriterien nach ERegG
angewendet.
31. Wie häufig soll die kürzlich angekündigte Sprinterverbindung München
– Frankfurt/Flughafen verkehren (
https://www.inside-digital.de/news/deu
tsche-bahn-lufthansa-ice-sprinter)?
Was ist die Fahrzeit zwischen München und Frankfurt sowie zwischen
Nürnberg und Frankfurt?
Nach Auskunft der DB AG sind ab 12. Dezember 2021 zwei
Sprinterverbindungen pro Tag und Richtung zwischen München und Frankfurt Flughafen
vorgesehen. Die Fahrtzeit zwischen München und Frankfurt Flughafen beträgt
rund 3 Stunden, zwischen Nürnberg und Frankfurt Flughafen rund 2 Stunden.
32. Ergeben sich aufgrund der Sprinterverbindung München – Frankfurt/
Flughafen Trassenkonflikte mit anderen Zügen des Fern-, Nah- und
Güterverkehrs?
Wenn ja, wie viele, und wie werden diese gelöst?
Nach Auskunft der DB AG sind die Sprinterverbindungen konfliktfrei für den
Fahrplan 2022 konstruiert (Netzfahrplanerstellung abgeschlossen). Zuvor
aufgekommene Trassenkonflikte wurden im Zuge der Netzfahrplanerstellung 2022
einvernehmlich und diskriminierungsfrei gelöst.
33. Wie häufig soll die angekündigte Sprinterverbindung Bonn/Köln –
Berlin verkehren (
https://www.wa.de/nordrhein-westfalen/ice-sprinter-nrw-b
erlin-hamm-hauptbahnhof-bonn-koeln-halt-deutsche-bahn-verbindung-z
r-90238950.html)?
Nach Auskunft der DB AG sind ab 12. Dezember 2021 drei
Sprinterverbindungen pro Tag und Richtung auf der Strecke Bonn Hbf – Köln Hbf – Berlin ohne
weitere Zwischenhalte vorgesehen. Die Fahrzeit zwischen Köln Hbf und Berlin
Hbf wird voraussichtlich knapp unter 4 Stunden betragen.
34. Ergeben sich durch die Sprinterverbindung Bonn/Köln – Berlin
Trassenkonflikte, insbesondere mit dem Nahverkehr?
Wenn ja, welche, und wie sollen diese gelöst werden?
Nach Auskunft der DB AG benötigen die neuen Sprinterverbindungen nur
geringfügige und abgestimmte Anpassungen des SPNV, ausschließlich im
Bereich des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe. Diese konnten im
Einvernehmen mit der Geschäftsführung des NWL ohne wesentliche
Angebotsverschlechterung für Nahverkehrskunden gelöst werden. Im Detail sind
dies: eine Verschiebung der Regionalbahn RB 71 um wenige Minuten zwischen
Brackwede und Herford ohne Halt- oder Anschlussverluste; eine Überholung
des Regionalexpresses RE 6 in Gütersloh ohne Halt- oder Anschlussverluste.
Der abgestimmte zweistündliche Haltentfall des RE 6 in Hamm-Heessen wird
vom Fahrplan 2024 auf Fahrplan 2022 dreimal pro Tag und Richtung
vorgezogen; zudem wird der RE 13 in Schwerte ohne Halt- oder Anschlussverluste
überholt.
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ISSN 0722-8333]