[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Petra Sitte, Anke Domscheit-Berg,
Nicole Gohlke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 20/990 –
Blockchain im Geschäftsbereich der Bundesregierung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Bei der Blockchain-Technologie handelt es sich um ein Verfahren zur
gemeinsamen Haltung von Datenbanken mit kryptographisch signierten Einträgen
ohne zentrale Validierung unter Einsatz von Verfahren der dezentralen
Konsensfindung. Aufmerksamkeit hat diese vor allem in den letzten zehn Jahren
als Basistechnologie von Kryptowährungen wie Bitcoin erhalten, seit einiger
Zeit wird ihre Verwendung aber auch in diversen anderen Anwendungsfeldern
beworben.
Die Bundesregierung hat 2019 eine Blockchain-Strategie beschlossen (https://
www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Digitale-Welt/blockchain-strategi
e.pdf), in der sie feststellt, die Blockchain-Technologie ermögliche „ein breites
Feld an innovativen Anwendungsmöglichkeiten und neuen
Kooperationsformen“, und ankündigt, Blockchain-Lösungen in verschiedenen Bereichen zu
fördern und einzusetzen. Auch im neuen Koalitionsvertrag zwischen SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP finden sich entsprechende Passagen,
wie beispielsweise eine Machbarkeitsstudie für ein „Grundbuch auf der
Blockchain“.
Der Einsatz von Blockchain-Technologien ist aus verschiedenen Gründen
Kritik ausgesetzt. Dazu gehören der enorme Energieverbrauch insbesondere von
„proof of work“-Verfahren (allein die Kryptowährung Bitcoin verbraucht
bereits mehr Energie als die gesamte Ukraine, siehe
https://de.statista.com/infogr
afik/18608/stromverbrauch-ausgewaehlter-laender-im-vergleich-mit-dem-
desbitcoins/), aber auch die Einschätzung, dass fast alle potentiellen
Anwendungen besser mit etablierten Technologien abgebildet werden können (so etwa
der Sachverständige Jürgen Geuter in seiner Stellungnahme zur öffentlichen
Anhörung des Ausschusses Digitale Agenda zum Thema vom 28. November
2018).
Auch das Kompetenzzentrum Öffentliche IT von Fraunhofer FOKUS stellt in
seinem Whitepaper „Mythos Blockchain: Zwischen Hoffnung und Realität“
(
https://www.oeffentliche-it.de/documents/10181/14412/Mythos+Blockchain
+-+Zwischen+Hoffnung+und+Realit%C3%A4t) fest, dass „der wirkliche
Durchbruch und der weitreichende Einsatz der Blockchain […] weiter auf sich
warten“ lassen. Weiter werden dort Untersuchungen zitiert, nach denen es sich
bei der Mehrheit der sogenannten Blockchain-Projekte in der Industrie gar
Deutscher Bundestag Drucksache 20/1313
20. Wahlperiode 06.04.2022
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz
vom 4. April 2022 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
nicht um Blockchains im technischen Sinne handle, sondern um „Blockchain
Memes“ bzw. „Blockchain-Imitate“, bei denen der Blockchain-Begriff
unabhängig von seiner technischen Bedeutung andere organisatorische
Transformationen repräsentiere.
Nach Einschätzung der Fragestellenden ist angesichts all dessen derzeit nicht
abzusehen, was überhaupt sinnvolle Einsatzmöglichkeiten für die Blockchain-
Technologie in der öffentlichen Verwaltung sein könnten, zumal sich die
Probleme der dezentralen Konsensfindung dort in der Regel gar nicht stellen.
1. Welche Bundesministerien (inklusive Bundeskanzleramt sowie
nachgeordnete Behörden) setzen aktuell Blockchain-basierte Systeme bzw.
Anwendungen ein, und in welchen dortigen Abteilungen werden diese
konkret und wofür eingesetzt (bitte die Antworten auf alle Fragen jeweils für
jedes Bundesministerium inklusive Bundeskanzleramt sowie
nachgeordnete Behörden separat nach Geschäftsbereich aufführen)?
a) Handelt es sich dabei jeweils um eine Blockchain im Sinne eines
Distributed-Ledger-Systems mit Konsensbildung zwischen mehreren
Parteien oder um eine „Blockchain-Imitation“ im Sinne des in der
Vorbemerkung der Fragestellenden zitierten Fraunhofer-Papiers?
b) Welches Verfahren der Konsensbildung kommt dabei jeweils zum
Einsatz („proof of work“, „proof of stake“ etc.)?
c) Zwischen welchen Parteien wird im Rahmen dieses Verfahrens jeweils
Konsens über welche Umstände hergestellt?
d) Soweit ein „proof of work“-Verfahren oder vergleichbar
rechenintensives Verfahren der Konsenbildung verwendet werden, wie hoch ist
jeweils der damit verbundene Energieverbrauch, und soweit es sich um
begrenzte Pilotprojekte handelt, wie hoch wäre der Energieverbrauch
bei einem flächendeckenden Einsatz?
e) Welche Daten werden dabei jeweils auf der Blockchain gespeichert,
inwieweit handelt es sich um personenbezogene Daten, und wie wird
in diesem Fall rechtlichen Ansprüchen auf Korrektur und Löschung
Rechnung getragen?
f) Aus welchem Grund fiel jeweils die Entscheidung für eine
Blockchain-Lösung, und welche Vorteile wurden insbesondere gegenüber
anderen kryptographischen und Datenbanktechnologien ohne
komplexe Verfahren der Konsensbildung gesehen?
g) Welche Kosten sind jeweils mit dem Einsatz verbunden?
2. Sind die oben genannten Systeme bzw. Anwendungen intern oder extern
entwickelt worden (bitte nach System bzw. Anwendung, Auftraggeber,
Auftragnehmer, Jahr sowie Kosten und Umfang der Leistung
aufschlüsseln)?
a) Falls extern, wurden die Systeme bzw. Anwendungen ausgeschrieben,
und wenn nein, warum nicht?
b) Ist für die genannten Systeme bzw. Anwendungen von Anfang an eine
Blockchain-Lösung vorgesehen gewesen, und wenn ja, warum?
Die Fragen 1 und 2 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Ressort: Bundesministerium für Wirtschafts- und Klimaschutz (BMWK)
Behörde: Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
Cloud nach Onlinezugangsgesetz in der Abteilung Qualitätsinfrastruktur (OZG-
QI-Cloud). Einsatzweck ist das Prototyping einer digitalen
Qualitätsinfrastrukturplattform auf der Grundlage der Blockchain-Technologie. Ein weiteres
Verfahren der QI (QI-Digital) ist derzeit in Planung.
Konkret zu Frage 1:
Zu Frage 1a: Distributed-Ledger-Technologie (DLT) mit Konsensbildung.
Zu Frage 1b: Byzantine Fault Tolerance.
Zu Frage 1c: BAM intern, Kompetenzzentrum H2 Safety@BAM Projekt
Wasserstofftankstelle und Kompetenzzentrum AM@BAM Projekt Additive
Fertigung, zu Prozessqualität, Digitaler Kalibrierschein, Digitaler Produktpass.
Zu Frage 1d: Nicht einschlägig, da kein Arbeitsnachweis-Verfahren (Proof of
Work).
Zu Frage 1e: Testdaten, sensorische Daten, Produktdaten; keine
personenbezogenen Daten.
Zu Frage 1f: Bei der Digitalisierung der Zusammenarbeit mehrerer Parteien bei
der Herstellung, dem Betrieb und der Zertifizierung bietet die Permissioned-
Blockchain-Technologie technische Vorteile für den Austausch öffentlicher und
privater Daten sowie für die Implementierung von Geschäftsprozessen. Durch
„Smart Contracts“ können „Smart Standards“ für Produktzertifizierung,
vorausschauende Wartung und Umweltüberwachung durchgesetzt werden.
Zu Frage 1g: Unbekannt.
Konkret zu Frage 2:
Die Entwicklung fand intern statt.
Zu Frage 2b: Die Permissioned-Blockchain-Technologie wurde nach einer
technischen Studie der verfügbaren Lösungen gegenüber anderen Lösungen
ausgewählt.
Behörde: Bundesnetzagentur (BNetzA)
Die BNetzA stellt über einen Knoten der europäischen Blockchain-
Diensteinfrastruktur (EBSI) grenzüberschreitende Verwaltungsleistungen bereit
(Abteilungen 1 und IS). Dieses Projekt ist aktuell in der Erprobungsphase.
Konkret zu Frage 1:
Zu Frage 1a: DLT mit Konsensbildung.
Zu Frage 1b: Proof-of-Authority IBFT 2.0.
Zu Frage 1c: Mitglieder der Europäischen Blockchain-Partnerschaft (EBP),
also Europäische Union, EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen und
Liechtenstein. Der Konsensgegenstand ist nicht abschließend spezifiziert, zurzeit sind
projektiert: Digitale Identitäten, Bildungsabschlüsse, ausgewählte Aspekte des
sogenannten Dublin-Verfahrens.
Zu Frage 1d: Nicht einschlägig, da kein Arbeitsnachweis-Verfahren (Proof of
Work).
Zu Frage 1e: Datentypen sind nicht abschließend spezifiziert. Es werden auch
personenbezogene Daten verarbeitet. DSGVO-Anforderungen werden durch
Kontenbetreiber und Anbieter sichergestellt, die Europäische Kommission
verpflichtet die Knotenbetreiber zu Datenschutz-Grundverordnungs-(DSGVO-)-
konformem Betrieb und kann gegebenenfalls Knotenbetreiber ausschließen.
Zu Frage 1f: Blockchain-basierte Dienste haben das Potenzial, mehr
dezentralisierte, vertrauenswürdige und nutzerorientierte digitale Dienste zu ermöglichen
und neue Geschäftsmodelle zu fördern. Bei gleichzeitiger Wahrung der
Datenintegrität wird damit hohes Maß an Kontrolle der Daten durch Bürgerinnen und
Bürger sowie Organisationen ermöglicht, wodurch u. a. Transparenz und
Überprüfbarkeit verbessert werden können.
Zu Frage 1g: Zu Gesamtkosten der EBSI liegen der Bundesregierung keine
Informationen vor. Bei der Bundesnetzagentur sind Kosten in Höhe von rd.
25 000 Euro Anschaffungskosten für Hardware angefallen sowie laufend
350 Euro Strom im Jahr und zwei Arbeitsstunden pro Monat.
Konkret zu Frage 2:
Das System wurde von der Europäischen Kommission entwickelt. Die
Europäische Blockchain-Partnerschaft dient der Entwicklung und Anwendung von
Blockchain-Diensten.
Ressort: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Behörde: BMBF
BMBF betreibt in der Abteilung 6 eine Blockchain „COVIM ImmunoHub“, die
dem Schwarmlernen dient.
Konkret zu Frage 1:
Zu Frage 1a: DLT mit Konsensbildung.
Zu Frage 1b: Permissioned.
Zu Frage 1c: Universitätskliniken, Gegenstand des Konsenses ist Parameter-
Merging.
Zu Frage 1d: Nicht zutreffend da kein Arbeitsnachweis-Verfahren (Proof of
Work).
Zu Frage 1e: Nur ML-Modell-Parameter, keine personenbezogenen Daten.
Zu Frage 1f: Dezentrales Lernen auf klinischen Daten ohne zentrale Instanz.
Zu Frage 1g: nicht einzeln ausweisbar, ist in Community Version integriert.
Konkret zu Frage 2:
Die Entwicklung erfolgte extern.
Zu Frage 2a: Die externen Entwicklungskosten betrugen 8 000 Euro. Die
Anbindung und technische Integration über eine Programmierschnittstelle (API)
zu den im Projekt durch das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative
Erkrankungen e.V. (DZNE) erstellten Web-Applikation für das Datenmanagement und
der im durch das DZNE oder deren Partner im Projekt erstellten Algorithmen.
Die Verwaltung der Algorithmen übernimmt dabei die Web-Applikation. Der
Schwarm wird im Projekt virtualisiert im Netzwerk des DZNE auf einer
Systemumgebung realisiert. Da Hewlett Packard Enterprise (HPE) der einzige
Anbieter von Schwarmlernen war, fand keine Ausschreibung statt.
Zu Frage 2b: Die Nutzung von Blockchain zur Sicherung der Dezentralität
stand von Beginn an fest.
3. Welche entsprechenden Einsätze sind in der Zukunft geplant (bitte soweit
möglich analog den Fragen 1 und 2 mit Unterfragen beantworten)?
Ressort: BMBF
Behörde: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Das BIBB plant in der Abteilung 3 den Einsatz diverser DLT-Systeme im
Kontext digitaler Plattformen zu beruflicher Weiterbildung:
• APOLLO
• KUPPEL
• MyEduLife
• OnCaPflege
• TRIPLEADAPT.
Da die Systeme allesamt noch in der Planung sind, gelten die nachfolgenden
Antworten für alle fünf genannten Systeme:
Antworten analog zu Frage 1:
Zu Frage 1a: DLT mit Konsensbildung.
Zu Frage 1b: Noch nicht spezifiziert.
Zu Frage 1c: U. a. Weiterbildungsinteressierte, Lernende; Konsensgegenstand
ist Speichern der Kompetenzprofile und der digitalen Zertifikate.
Zu Frage 1d: Unklar da Konsensmechanismus noch offen.
Zu Frage 1e: Es werden textbasierte Zertifikate bzw. Hashwerte gespeichert
sowie personenbezogene Daten. Welche genau und die Umsetzung der DSGVO-
Anforderungen sind noch offen.
Zu Frage 1f: Vertrauenswürdigkeit, Manipulationssicherheit,
Datensouveränität, schnelle Überprüfbarkeit.
Zu Frage 1g: Offen.
Antworten analog zu Frage 2:
Die Systeme werden intern bzw. gemeinsam mit Partnern entwickelt.
Zu Frage 2a: Es fallen keine externen Entwicklungskosten an.
Zu Frage 2b: Der Einsatz von Blockchain-Technologie stand von Beginn an
fest.
Ressort: Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI)
Behörde: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
Im BAMF wird in den Abteilungen 2 und 5 das System FLORA zum Zweck
der Koordinierung der behördenübergreifenden Prozesse im Zusammenhang
mit der Durchführung von Asylverfahren im nationalen und europäischen
Kontext geplant. Die Pilotierung wurde erfolgreich abgeschlossen, der
Produktivbetrieb befindet sich aktuell in der Vorbereitung.
Antworten analog zu Frage 1:
Zu Frage 1a: DLT mit Konsensbildung.
Zu Frage 1b: Raft.
Zu Frage 1c: Zwischen dem BAMF und den jeweilig zuständigen
Ausländerbehörden wird Konsens über die Transaktionen zu Statusänderungen im
Asylverfahren erzielt. Gegenstand des Konsenses sind Transaktionen zu
Statusänderungen in Asylverfahren.
Zu Frage 1d: Nicht einschlägig, da kein Arbeitsnachweis-Verfahren (Proof of
Work).
Zu Frage 1e: Auf der Blockchain werden keine personenbezogenen Daten
gespeichert. Es handelt sich um Daten, die auf Personen beziehbar sind, solange
offchain die Mappings existieren. Durch diese Trennung von Daten auf der
Blockchain und den Offchain-Mappings kann über die Korrektur bzw.
Löschung des Mappings dem Anspruch auf Löschung bzw. Korrektur
nachgekommen werden, da insbesondere nach der Löschung des Mappings eine
ausreichende Anonymisierung vorliegt. Dieses Verfahren wurde gemeinsam mit dem
Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI)
konzeptioniert und es bestehen keine Bedenken gegen den Einsatz.
Zu Frage 1f: Der Grund des Einsatzes ergibt sich aus den vielfältigen Vorteilen
des Einsatzes einer Blockchain-Technologie. Diese sind u. a., dass flexiblere
Anbindungsvarianten durch Partner möglich sind; Anpassung von
Bestandssystemen nicht unbedingt nötig sind; das System selbst relativ leicht anpassbar ist;
der Föderalismus gelebt wird; jede Partei die Zuständigkeit für seine Daten
behält; Prozessvarianten gut umsetzbar sind; Verantwortung/Zuständigkeit an
den Standorten gestärkt wird.
Zu Frage 1g: 100 000 Euro Betriebskosten pro Jahr.
Antworten analog zu Frage 2:
Die Blockchain-Applikation wurde zwischen August 2018 und August 2021
extern entwickelt. Auftraggeber war das BAMF für eine Anwendung im
Asylbereich. Konkrete Auftragnehmer waren verschiedene Firmen über den
Projektverlauf: T-Systems MMS, IBM, Atos, T-Systems. Vertragspartner waren
SVA und Atos mit den oben gelisteten Subauftragnehmern. Die
Entwicklungskosten belaufen sich auf 6,2 Mio. Euro.
Durch die angegebenen externen Firmen wurde die Blockchain-Infrastruktur
mit den jeweiligen Schnittstellen zu anderen Systemen entwickelt.
Zu Frage 2a: Die Leistungen der externen Firmen wurde aus einem
Rahmenvertrag abgerufen, der zuvor ausgeschrieben wurde.
Zu Frage 2b: Ja, siehe Antwort zu Frage 1 f.
Ressort: Bundeskanzleramt (BKAmt)
Nutzung von Blockchain in der Abteilung 6 innerhalb des „Ökosystems
Digitale Identitäten“. DLT wird genutzt als hochverfügbare Infrastruktur wie eine
dezentrale PKI (Public Key Infrastructure). Es kommt ein energetisch
effizientes und sicheres Konsens-Protokoll zur Anwendung (kein Proof of Work, kein
Proof of Stake). Die Software wurde basierend auf Open Source Code
entwickelt, eine Weiterentwicklung wird extern erfolgen.
Antworten analog zu Frage 1:
Zu Frage 1a: DLT mit Konsensbildung.
Zu Frage 1b: Redundant Byzantine Fault Tolerance.
Zu Frage 1c: Bislang vier Knotenbetreiber (mit eigenem Investment): Deutsche
Bahn, BWI, esatus, IBM.
Alle im „Ökosystem Digitale Identitäten“ an den Anwendungsfällen beteiligte
Unternehmen können das Netzwerk für ihre Anwendungsfälle nutzen.
Gegenstand des Konsenses sind Transaktionen wie vor allem:
Nyms (Anlegen Public DIDs (Decentralized Identifier und dessen
Berechtigung);
Claim Definition (welche Nym darf welches Schema schreiben);
Schema Erstellung (Anlegen der Metadaten eines Schemas, wie z. B.
Attributnamen);
Revocation Registry Definition (Public Key, maximale Anzahl Credentials pro
Registry, Claim Definition) und Revocation Registry Entry (Akkumulatorstand
und issued/revoked Index).
Zu Frage 1d: Nicht einschlägig, da kein Arbeitsnachweis-Verfahren (Proof of
Work).
Zu Frage 1e: Es werden keine Personendaten auf dem Ledger gespeichert,
sondern nur Schemata, Vertrauensanker und anonyme Revozierungsinformationen.
Zu Frage 1f: Hyperledger Indy/Aries erfüllt Anforderungen (u. a. Selective
Disclosure).
Zu Frage 1g: Kostenangabe nur für Gesamtprojekt möglich.
Antworten analog zu Frage 2:
Die Erstentwicklung ist intern erfolgt.
Zu Frage 2a: Die Weiterentwicklung wird von der Firma SVA GmbH
durchgeführt.
Zu Frage 2b: Die Nutzung von DLT war eine Konsequenz der
Frameworkauswahl.
Ressort: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und
Verbraucherschutz (BMUV)
Behörde: Umweltbundesamt (UBA)
In der Abteilung V3 wird eine Machbarkeitsstudie für eine Registerarchitektur
auf DLT-Basis durchgeführt. Einsatzzweck ist das Emissionshandelsregister.
Antworten analog zu Frage 1:
Zu Frage 1a: DLT mit Konsensbildung (Private Ethereum oder Cosmos).
Zu Frage 1b: Proof of Authority.
Zu Frage 1c: B Konsortium: ein geschlossenes und permissioned System aus
vertrauenswürdigen Node-Betreibern, Gegenstand sind die Transaktionen der
Netzwerkteilnehmer.
Zu Frage 1d: Nicht einschlägig, da kein Arbeitsnachweis-Verfahren (Proof of
Work).
Zu Frage 1e: Kein Live-Betrieb; theoretisch wurde in der Studie zum
Datenschutz Folgendes festgehalten: Das Settlement-Layer des Ethereum Protokolls
ist sehr sicher. Potenzielle Angriffsvektoren würden sich z. B. durch
fehlerhaften Smart-Contract-Code eröffnen. Allerdings können Peer-Reviews oder
Audits dieses Risiko minimieren, zumal durch Heranziehung von bewährten
Standards aus Open-Source Smart-Contract-Code-Bibliotheken auf
Erfahrungswerte zurückgegriffen werden kann.
Zu Frage 1f: Kein Einsatz, nur theoretische Machbarkeitsstudie: Ziel der Studie
ist die Bewertung, ob DLT für die Umsetzung eines Emissionshandelsregisters
in effizienter Art und Weise geeignet ist. Daraus kann abgeleitet werden, ob ein
Verbleib bei einer klassischen Architektur mit zentraler relationaler Datenbank
die sinnvollere Wahl wäre.
Zu Frage 1g: Keine Betriebskosten, da Machbarkeitsstudie.
Frage 2 kann hier nicht analog beantwortet werden, da das Projekt noch in einer
theoretischen Phase (Machbarkeitsstudie) ist.
Behörde: UBA
Implementierung einer Blockchain-Technologie in das bestehende
Herkunftsnachweissystem in der Abteilung V1, Fachaufsicht hat das BMWK.
Einsatzzweck ist die Stromkennzeichnung. Zurzeit noch in der theoretischen
Ausarbeitung eines Konzepts; ein praktischer Feldversuch ist in Planung.
Antworten analog zu Frage 1:
Zu Frage 1a: DLT – private Blockchain ConsenSys Quorum | ConsenSys auf
Ethereum-Basis, perspektivisch möglicher Umzug auf Ethereum öffentlich oder
privat – sinnvoll erst nach Ethereum Update.
Zu Frage 1b: ZKP (Zero-Knowledge-Proof).
Zu Frage 1c: Konsortium der Uni Bayreuth, Stiftung Umweltenergierecht,
Forschungsstelle für Energiewirtschaft und Fraunhofer Institut.
Zu Frage 1d: Nicht einschlägig, da kein Arbeitsnachweis-Verfahren (Proof of
Work).
Zu Frage 1e: Kein Live-Betrieb: private Daten sollen nicht erfasst werden, alle
in das Netzwerk eingespeisten Daten werden vorher verschlüsselt und im
System nicht offengelegt, Daten werden durch ZKP validiert, ohne den Inhalt der
Daten offenzulegen.
Zu Frage 1f: Vereinfachung und Individualisierung des Zertifikatehandels,
granulare Zertifikate, Möglichkeit der Ex-ante-Ausstellung statt ex post,
Datensicherheit, Ausfallsicherheit des Systems – Raft (crash-fault-tolerant) und IBFT
(byzantine fault tolerant).
Zu Frage 1g: Keine Betriebskosten, da noch in Konzeptionsphase.
Frage 2 kann hier nicht analog beantwortet werden, da das Projekt noch in einer
theoretischen Phase (theoretische Konzepterstellung) ist.
4. Welche entsprechenden Einsätze wurden in der Vergangenheit
durchgeführt (bitte soweit möglich analog den Fragen 1 und 2 mit Unterfragen
beantworten), und warum wurden diese jeweils beendet?
Keine.
5. An welchen weiteren Forschungsvorhaben, Projekten und Reallaboren mit
Blockchain-Bezug beteiligten sich die Bundesministerien (inklusive
Bundeskanzleramt und nachgeordnete Behörden) bzw. initiierten oder
unterstützten sie diese seit Beginn der vergangenen 19. Wahlperiode (bitte
tabellarisch für jedes Bundesministerium, inklusive Bundeskanzleramt
sowie nachgeordnete Behörden, nach Forschungsvorhaben, Projekt und/oder
Reallabor, Kosten sowie Jahr und nach Beginn und Ende aufschlüsseln)?
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ISSN 0722-8333]