[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU
– Drucksache 20/1593 –
Transparenz bei der Impfstoffkampagne und Evidenz bei der Grundlage für die
Formulierung der Impfziele
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Nach seiner Amtsübernahme im Dezember 2021 hat der Bundesminister für
Gesundheit Dr. Karl Lauterbach nach eigenen Angaben zusammen mit dem
Krisenstab im Bundeskanzleramt eine „Impfstoff-Inventur“ durchgeführt und
einen Mangel an Impfstoffen gegen COVID-19 festgestellt. Für die Monate
Januar bis März 2022 sei nicht genug Impfstoff bestellt worden (
https://www.
bild.de/politik/inland/politik-inland/lauterbach-schlaegt-nach-inventur-alarm-
impfstoff-reicht-nicht-fuer-booster-kamp-78544862.bild.htm).
Als Ergebnis dieses vermeintlichen Mangels bestellte die Bundesregierung in
der Folge zusätzlich zu den bereits beschafften Impfstoffen weitere Impfstoffe
im Wert von 2,2 Mrd. Euro (
https://www.tagesschau.de/inland/corona-lauterba
ch-impfstoffmangel-beschaffung-millionen-dosen-101.html).
Seit Wochen geht die Zahl der täglich verabreichten Impfungen immer weiter
zurück (
https://impfdashboard.de/). Die von der Bundesregierung
ausgegebenen Ziele einer Impfquote in der Allgemeinbevölkerung von 80 Prozent und
insgesamt 60 Millionen weiterer verabreichter Impfungen bis Ende Januar
2022 seit dem 18. November 2021 wurden bis zum heutigen Tage nicht
erreicht (
https://www.zeit.de/wissen/2022-01/olaf-scholz-impfziele-corona-impf
ung-bundesregierung;
https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Scholz-Ziel-
erreicht-30-Millionen-Corona-Impfungen-seit-18-November-425662.html).
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung unterstützt seit Pandemiebeginn die Portfolio-
Impfstoffstrategie der Europäischen Kommission. Strategisch wurde dabei auf ein
breites Portfolio an verschiedenen Firmen und Technologien gesetzt (insgesamt
wurden acht Impfstoffe basierend auf vier unterschiedlichen Technologien
bestellt), um die Erfolgsaussicht einer schnellen Verfügbarkeit wirksamer und
sicherer Impfstoffe zu erhöhen und das Risiko möglicher Fehlschläge und
Lieferschwierigkeiten zu minimieren. Diese Strategie hat sich bewährt, wie die gute
Versorgungssituation in der EU bereits zum Jahresbeginn 2021 trotz der Aus-
Deutscher Bundestag Drucksache 20/1920
20. Wahlperiode 16.05.2022
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Gesundheit vom 13. Mai 2022
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
fälle und Verzögerungen bei den Impfstoffkandidaten von CureVac, Sanofi,
Valneva und Novavax zeigt.
Gleichwohl kam es Ende des vergangenen Jahres zu akuten Bedarfsspitzen auf
nationaler Ebene und es konnten nicht alle Bestellungen beliefert werden.
Um dennoch das Tempo in der Impfkampagne während der Delta-Welle in
Deutschland aufrecht erhalten zu können, wurden ca. 10 Millionen Impfdosen
von Europäischen Mitgliedstaaten übernommen. Darüber hinaus wurde eine
Option aus dem bereits bestehenden EU-Vertrag mit Pfizer/BioNTech in Höhe
von 80 Millionen Dosen gezogen, primär um für das zweite Halbjahr 2022 für
alle Eventualitäten gerüstet zu sein und – sofern verfügbar – an Virusvarianten
angepassten Impfstoff zu erhalten.
1. Wie begründet die Bundesregierung, dass nach Kenntnis der
fragestellenden Fraktion seit Mitte Dezember 2021 keine aktuellen Informationen
über Liefer- und Bestelldaten der einzelnen Hersteller und
Leistungserbringer veröffentlicht werden, und wie beabsichtigt sie, die
Öffentlichkeit künftig wieder transparent darüber zu informieren?
Die Bundesregierung hat relevante Daten zur Distribution der COVID-19-
Impfstoffe regelmäßig an die Beteiligten bei Bund und Ländern sowie die
beteiligten Verbände kommuniziert. Diesen stand jederzeit eine transparente,
verlässliche und planbare Größe der zu verimpfenden Impfstoffe zur Verfügung.
Durch die im Dezember 2021/Januar 2022 getätigten zusätzlichen
Beschaffungen konnte der nationalen Bevölkerung bereits nach einer kurzen
Überbrückungszeit wieder genügend Impfstoff zur Verfügung gestellt werden. Hierüber
sowie über die Möglichkeit, sich niedrigschwellig impfen lassen zu können, hat
die Bundesregierung die Öffentlichkeit regelmäßig informiert.
2. Welche Mengen an Impfstoffen lagerten zum Stichtag 31. März 2022
zentral beim Bund sowie nach Kenntnis der Bundesregierung beim
pharmazeutischen Großhandel (bitte einzeln nach Hersteller, unter Angaben
in Einzeldosen sowie damit möglicher Auffrischimpfungen und den
Verfalldaten, aufschlüsseln)?
Zum Stichtag 31. März 2022 wurden in den zentralen Lagern des Bundes
insgesamt ca. 22,7 Millionen Impfstoffdosen Comirnaty® (BioNTech) für
Personen ab 12 Jahren sowie ca. 7,5 Millionen Impfstoffdosen Comirnaty®
(BioNTech) für Kinder von 5 bis 11 Jahren bevorratet. Außerdem wurden in
den zentralen Lagern des Bundes insgesamt ca. 43,7 Millionen Primedosen
Spikevax® (Moderna), ca. 2,3 Millionen Dosen COVID-19-Vaccine Janssen®
(J&J) sowie ca. 0,7 Millionen Dosen Nuvaxovid® (Novavax) gelagert.
Mit Stand vom 31. März 2022 stand im 2. Quartal 2022 der Ablauf des
Haltbarkeitsdatums von insgesamt ca. 9,2 Millionen Impfstoffdosen bevor. Hierbei
wurden die Angaben in den Zulassungsunterlagen mit Stand vom 31. März
2022 berücksichtigt. Aus diesem Grund ist die Verlängerung der Haltbarkeit für
den Impfstoff der Firma BioNTech/Pfizer im Ultratiefkühlbereich von 6 auf
12 Monate, die Anfang April von der Europäischen Arzneimittel-Agentur
genehmigt wurde, noch nicht einbezogen worden. Auch ist eine weitere
Verlängerung der Haltbarkeit des Impfstoffs Spikevax® (Moderna) denkbar.
Beim vollversorgenden pharmazeutischen Arzneimittelgroßhandel wurden zum
o. g. Stichtag ca. 480 000 Dosen Comirnaty® für Personen ab 12 Jahren sowie
ca. 270 000 Impfstoffdosen Comirnaty® für Kinder von 5 bis 11 Jahren vom
pharmazeutischen Unternehmer BioNTech/Pfizer gelagert. Außerdem waren
beim pharmazeutischen Großhandel insgesamt ca. 1 Millionen Boosterdosen
Spikevax® (Moderna), ca. 351 000 Dosen COVID-19-Vaccine Janssen® (J&J)
sowie ca. 1,3 Millionen Dosen Nuvaxovid® (Novavax) gelagert. Informationen
zu den Verfalldaten der COVID-19-Impfstoffe bei den einzelnen
Großhandlungen liegen der Bundesregierung nicht vor.
3. Welche Mengen an Impfstoffen wurden seit dem 8. Dezember 2021 für
das erste Quartal 2022 nachbestellt, bilateral beschafft oder durch
vorzeitige Lieferungen bezogen (bitte einzeln nach Hersteller aufschlüsseln)?
Seit dem 8. Dezember 2021 wurden für das 1. Quartal 2022 ca. 13 Millionen
Comirnaty®-Dosen (BioNTech/Pfizer) durch Änderung der Liefermenge über
den EU-Vertrag, weitere Spikevax®-Dosen (Moderna) bilateral von Polen
(ca. 3,4 Millionen Dosen), Portugal (ca. 1 Millionen Dosen) und Rumänien
(ca. 900 000 Dosen) sowie ca. 21 Millionen Spikevax®-Impfstoffdosen
(Moderna) durch Vorziehen von Lieferungen im Rahmen des EU-Vertrags aus Q2-
Q4/2022 im ersten Quartal 2022 bezogen.
4. Welche Mengen an Impfstoffen der Hersteller BioNTech/Pfizer und
Moderna erwartet die Bundesregierung noch im laufenden Jahr (bitte nach
Hersteller und Liefermengen je Quartal aufschlüsseln)?
5. Welche Mengen wurden davon nach dem 8. Dezember 2021
nachbestellt?
Die Fragen 4 und 5 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Nach dem 8. Dezember 2021 wurden ca. 85 Millionen Comirnaty®-Dosen
(BioNTech/Pfizer) insbesondere zur Deckung des Impfstoffbedarfs für das
zweite Halbjahr 2022, auch zur Versorgung mit in der Entwicklung
befindlichen, an Virusvarianten angepasstem Impfstoff sowie ca. 5,3 Millionen
Spikevax-Impfstoffdosen (Moderna) zusätzlich bestellt.
Das dynamische Pandemiegeschehen erfordert anpassungsfähige Lieferpläne.
Bereits in der Vergangenheit haben die Unternehmen bedarfsgerechten
Änderungen der Lieferpläne zugestimmt. Auch aktuell verhandelt die Europäische
Kommission erneute Flexibilisierungen der Lieferpläne für die kommenden
Monate. Wie sich diese Flexibilisierungen in den Lieferplänen niederschlagen
ist Gegenstand andauernder Verhandlungen.
6. In welcher Kalenderwoche und in welcher Menge standen nach Kenntnis
der Bundesregierung den Leistungserbringern – nicht dem Bund oder
dem pharmazeutischen Großhandel – erstmals Impfstoffe zur Verfügung,
die seitens der Bundesregierung nach dem 8. Dezember 2021 zusätzlich
beschafft wurden?
Die erstmalige Belieferung des Bundes mit Comirnaty® (BioNTech) aus der
Änderung der Liefermenge über den EU-Vertrag erfolgte in Kalenderwoche
3/2022.
In Kalenderwoche 52/2021 wurden die von Polen zur Verfügung gestellten
3 443 800 Primedosen des COVID-19-Impfstoffs Spikevax® (Moderna) an das
zentrale Lager des Bundes geliefert.
In Kalenderwoche 1/2022 wurden die bilateralen Beschaffungen von
Spikevax® (Moderna) aus Rumänien (912 000 Primedosen) und Portugal (ca. 1
Millionen Primedosen) an das zentrale Lager des Bundes geliefert.
Die oben genannten Impfstoffe standen u. a. bei direkten Abholungen der
Länder bzw. der pharmazeutischen Arzneimittelgroßhandlungen beim zentralen
Lager des Bundes den Leistungserbringern entsprechend der jeweiligen
Logistikprozesse innerhalb von wenigen Tagen, spätestens jedoch innerhalb von zwei
Wochen zur Verimpfung zur Verfügung.
Die Auslieferung der ca. 30 Millionen Dosen Nuvaxovid® (Novavax) aus dem
Optionsvertrag wird nach Ankündigung des pharmazeutischen Unternehmers
voraussichtlich im Mai und Juni 2022 erfolgen; Verschiebungen sind hier nicht
ausgeschlossen.
7. Wie viele Impfungen wurden in der fraglichen Kalenderwoche
verabreicht?
Die täglich verabreichten Impfstoffdosen können auf den Seiten des Robert
Koch-Institutes und dem Impfdashboard eingesehen werden (
www.rki.de/DE/C
ontent/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Impfquoten-Tab.html; https://
impfdashboard.de/).
8. Hat die Bundesregierung nach dem 8. Dezember 2021
Impfstofflieferungen vorgezogen?
Ja.
9. Falls ja, von welchem Hersteller, in welchem Quartal bzw. Monat, und in
welcher Größenordnung?
Nach dem 8. Dezember 2021 wurden insgesamt rund 25 Millionen Spikevax®-
Dosen des Herstellers Moderna aus Q2-Q4/22 vorgezogen: ca. 4 Millionen
Dosen wurden in die letzte Dezemberwoche 2021 und ca. 21 Millionen Dosen
nach Q1/22 vorverlegt.
10. Werden die vorgezogenen Lieferungen dazu führen, dass im
weiteren Verlauf des Jahres 2022 weniger Impfstoffe, z. B. an mögliche
COVID-19-Varianten angepasste, für Deutschland zur Verfügung stehen?
Die Impfstofflieferungen, die vorgezogen worden sind, werden im weiteren
Verlauf des Jahres 2022 nicht mehr geliefert. Die Bundesregierung stellt sicher,
dass ausreichend Impfstoff – soweit notwendig und verfügbar an mögliche
COVID-19-Varianten angepasst – für das Jahr 2022 zur Verfügung steht.
11. Auf welcher Grundlage kam die Bundesregierung zu der Annahme, dass
vom 26. Dezember 2021 bis Ende Januar 2021 30 Millionen Impfungen
verabreicht werden können (
https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/gene
ralmajor-breuer-plant-weitere-30-millionen-impfungen-bis-ende-januar-
15737/)?
Das genannte Impfziel wurde zum damals aktuellen Zeitpunkt anhand der
Impfquote, der Impfbereitschaft und der Verfügbarkeit von Impfstoffen sowie
Impfkapazitäten prognostiziert.
12. Wie viele Impfungen wurden seitdem verabreicht?
Die täglich verabreichten Impfstoffdosen können auf den Seiten des Robert
Koch-Institutes und dem Impfdashboard eingesehen werden (
www.rki.de/DE/
Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Impfquoten-Tab.html; https://
impfdashboard.de/).
13. Auf welcher Grundlage kam die Bundesregierung zu der Annahme, dass
bis zum 7. Januar 2022 80 Prozent der Bevölkerung eine erste Impfung
in Anspruch genommen habe (
https://www.tagesspiegel.de/politik/80-pr
ozent-erstgeimpfte-bis-7-januar-warum-scholz-neuestes-ziel-zu-ambition
iert-sein-duerfte/27918582.html)?
14. Auf welcher Grundlage wurde dieses Ziel Ende Dezember 2021 auf
Ende Januar 2022 verschoben (
https://www.n-tv.de/politik/Regierung-ve
rschiebt-80-Prozent-Impfziel-article23021612.html;
https://www.tagessc
hau.de/inland/corona-impfziel-101.html)?
Die Fragen 13 und 14 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Es wird auf die Antwort zu Frage 11 verwiesen.
15. Welcher Fortschritt bei den Erstimpfungen wurde seitdem erreicht (bitte
die absoluten Zahlen und den prozentualen Fortschritt angeben)?
Mit Stand vom 3. Mai 2022 wurden seit dem 26. Dezember 2021 insgesamt
2 171 645 weitere Impfungen als Erstimpfung verabreicht. Zahl und Quote der
Erstgeimpften haben sich mit Datenstand vom 3. Mai 2022 seit dem 26.
Dezember 2021 von 62 329 054 Erstgeimpften (75 Prozent der
Gesamtbevölkerung) auf 64 500 699 Erstgeimpfte (77,6 Prozent der Bevölkerung) erhöht. Das
entspricht einer Erhöhung um 2,6 Prozentpunkte.
16. Kam die Bundesregierung aufgrund dieser formulierten Ziele zu dem
Schluss, es stünde im Jahr 2022 zu wenig Impfstoff zur Verfügung?
Es wurden mehrere Aspekte bei der Analyse zum Impfstoffbedarf
berücksichtigt. Ein gewichtiger Faktor war, dass die Bestellungen der verimpfenden
Arztpraxen, Impfzentren und weiteren Leistungserbringer aufgrund von Engpässen
Ende des vergangenen Jahres nicht vollständig bedient werden konnten. Die
damalige Bundesregierung hatte deswegen die Auslieferung von BioNTech-
Impfstoff auf wenige Impfdosen pro Leistungserbringer rationieren müssen.
Das zum Schutz der Bevölkerung vor einer akuten Pandemiewelle notwendige
hohe Impftempo wird maßgeblich durch die Verfügbarkeit von wirksamen
Impfstoffen bestimmt. Als weitere Faktoren flossen in die Entscheidung die
weitere Entwicklung der Pandemie, die Ziele der Impfkampagne,
Empfehlungen der Ständigen Impfkommission und Szenarien unter Berücksichtigung
einer gesetzlichen Impfpflicht ein.
17. Verfolgt die Bundesregierung diese Ziele weiterhin, und falls ja, wann
werden sie nach Einschätzung der Bundesregierung erreicht werden?
Die Bundesregierung hält weiterhin an dem Ziel fest, eine möglichst hohe
Impfquote in der Bevölkerung zu erreichen.
Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven
Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen.
Die COVID-19-Schutzimpfung reduziert insbesondere das Risiko eines
schweren Krankheitsverlaufs drastisch und entlastet somit das Gesundheitssystem.
Seit Beginn der COVID-19-Impfkampagne stehen den Bürgerinnen und
Bürgern umfangreiche Informationsmaterialien über die Schutzimpfungen gegen
COVID-19 auf der Internetseite „ZusammengegenCorona“ (
www.zusammen
gegencorona.de/impfen/) zur Verfügung, die bei der Entscheidung für eine
COVID-19-Impfung helfen können.
18. Mit welchem Bedarf an Impfstoffen der aktuellen Generation, also nicht
an etwaige COVID-19-Varianten angepasste Impfstoffe, rechnet die
Bundesregierung im Jahr 2022?
Die Prognose in Bezug auf den Bedarf an Erstgenerations-mRNA-Impfstoffen,
die derzeit in der EU zugelassen und vertrieben werden, ergibt für den
Zeitraum zwischen Mitte April 2022 und Ende Dezember 2022 einen nationalen
Bedarf von ca. 62 Millionen Impfstoffdosen. Diese Anzahl an mRNA-
Impfstoffdosen ist aus Sicht der Bundesregierung vorzuhalten, um eine
Grundimmunisierung bisher ungeimpfter Personen bzw. eine weitere
Auffrischungsimpfung bisher grundimmunisierter Personen über 12 Jahre zu ermöglichen, soweit
im Herbst eine auf dem Ursprungsvirus basierende, virulente Variante das
Ausbruchsgeschehen bestimmt.
19. Würde die Bundesregierung rückblickend die Entscheidung, Impfstoffe
im Wert von 2,2 Mrd. Euro nachzubestellen, noch einmal treffen?
Ja.
Die Bundesregierung unterstützt seit Pandemiebeginn die Portfolio-Strategie
der Europäischen Kommission. Wichtiges Ziel ist zudem, zu jeder Zeit
ausreichende Mengen wirksame Impfstoffe vorrätig zu halten. Nur so kann schnell
und adäquat auf etwaige Bedarfsspitzen, die aufgrund des immer noch
dynamischen und unvorhersehbaren Pandemieverlaufs plötzlich auftreten können,
reagiert werden. Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung
verwiesen.
20. Wann rechnet die Bundesregierung mit der Verfügbarkeit von
Impfstoffen, die an die Omikron-Variante angepasst sind?
Die klinischen Studien der Impfstoffhersteller mit an Varianten angepassten
Impfstoffen dauern zurzeit noch an. Bei positivem Verlauf der klinischen
Studien könnte mit einer Zulassung eines an die Omikron-Variante angepassten
Impfstoffes ab Herbst 2022 gerechnet werden. Zur Verfügbarkeit kann derzeit
keine weitergehende Aussage getroffen werden.
21. Welche Überlegungen stellt die Bundesregierung hinsichtlich der
verbliebenen Impfstoffe der ersten Generation an, die beim Bund und
pharmazeutischen Großhandel lagern, wenn an die Omikron-Variante
angepasster Impfstoff verfügbar ist?
Es ist damit zu rechnen, dass es im Herbst/Winter 2022/23 zu einer neuen
Infektionswelle kommt. Welche Variante des Virus vorherrschend sein wird, ist
ungewiss. Im Sinne einer Risikostreuung ist es sinnvoll, die bereits
zugelassenen Impfstoffe als Rückfall- und Sicherheitsreserve zu bevorraten. Daneben
wird auf die Antwort zu Frage 18 verwiesen.
Die Bundesregierung setzt sich in Zusammenarbeit mit der Europäischen
Kommission, der Europäischen Arzneimittel-Agentur, dem Paul-Ehrlich-Institut und
den Herstellern kontinuierlich dafür ein, die Möglichkeit der Nutzung der
bereits ausgelieferten Impfstoffe zu verlängern, soweit geeignete Stabilitätsdaten
dies rechtfertigen. So können diese Dosen für Auffrischimpfungen im Herbst/
Winter 2022/23 genutzt werden.
Weiterhin steht die Bundesregierung in ständigem Austausch mit der
Europäischen Kommission und den Impfstoffherstellern, um sach- und bedarfsgerechte
Lösungen im Hinblick auf bereits ausgelieferte Impfstoffdosen zu finden.
Darüber hinaus prüft die Bundesregierung kontinuierlich alle Optionen zur
Abgabe von Impfstoffen, die in Deutschland nicht mehr benötigt werden. Hierfür
steht sie mit der internationalen Impfstoffinitiative COVAX und interessierten
Staaten in Verbindung.
22. Welche konkreten Vereinbarungen wurden durch die Bundesregierung
für mögliche Impfstoffspenden mit COVAX oder Drittstaaten bis zum
31. März 2022 getroffen (bitte nach Einzelmengen je Hersteller für
COVAX und Staaten aufschlüsseln)?
COVAX führt regelmäßig Allokationsrunden durch, um Staaten, die an
COVID-19-Impfstoffen interessiert sind, mit Impfstoffen zu versorgen. Die
Bundesregierung bietet COVAX fortlaufend Impfstoffe an, die für die
Versorgung in Deutschland nicht benötigt werden. Angesichts weltweit gesunkener
Nachfrage nimmt COVAX aktuell Angebote von Impfstoffspenden nur noch
verbindlich an, wenn die von COVAX ausgewählten Empfängerstaaten die
Annahme bestätigen. Die Entscheidung darüber, welche Impfstoffspenden
COVAX zur Weiterverteilung annimmt, wird allein durch COVAX getroffen.
Darüber hinaus gibt es keine Vereinbarungen mit COVAX.
Daneben hat die Bundesregierung bis zum 31. März 2022 Impfstoffe
unentgeltlich bilateral an die Regierungen von Namibia (201 600 Impfdosen), Ukraine
(1,5 Millionen Impfdosen), Ägypten (1,9 Millionen Impfdosen), Ghana
(1,5 Millionen Impfdosen), Vietnam (2,6 Millionen Impfdosen) und Thailand
(347 100 Impfdosen) gespendet.
23. Seit wann ist der Bundesregierung bekannt, dass die COVAX-Initiative
derzeit keine Spenden mehr annimmt (
https://www.rnd.de/politik/coron
a-impfstoffe-covax-nimmt-derzeit-keine-spenden-an-MOV4EOX32TBI
VL62PCPDOML3WQ.html)?
Das globale Impfstoffangebot übersteigt inzwischen die weltweite Nachfrage.
Seit Ende des ersten Quartals/Anfang des zweiten Quartals 2022 zeichnet sich
ab, dass COVAX kurzfristig allenfalls noch geringe Mengen an
Impfstoffspenden annehmen kann. COVAX eruiert dennoch stetig mögliche Bedarfe an
COVID-19-Impfstoffen und führt bei positiver Bedarfsmeldung die
entsprechende Zuordnung zu den spendenden Staaten durch. Die Bundesregierung
steht hierzu im engen Austausch mit COVAX und gibt von ihr ermittelte
Bedarfe einzelner Länder sowie passende abgabefähige Bestände umgehend an CO-
VAX weiter.
24. Wie bewertet die Bundesregierung vor diesem Hintergrund ihre am
7. April 2022 getroffene Aussage in der Antwort auf die Kleine Anfrage
der Fraktion der CDU/CSU auf Bundestagsdrucksache 20/1370, dass die
bilaterale Abgabe von Impfstoffen subsidiär erfolgt, falls eine Abgabe
über COVAX nicht möglich ist?
Die Bundesregierung bemüht sich weiterhin um die koordinierte Abgabe von
Impfstoffen über den multilateralen COVAX-Mechanismus. Sofern bilaterale
Anfragen nach COVID-19-Impfstoffen die Bundesregierung erreichen, werden
auch diese geprüft und nach Möglichkeit positiv beantwortet. Da COVAX als
zentrale Stelle die weltweiten Bedarfe konzentriert im Blick hat, ist eine
gesonderte Identifizierung bilateraler Bedarfe in größerem Umfang kaum
anzunehmen, da diese bereits von COVAX erkannt und erfüllt werden.
25. Wie viele Erstimpfungen wurden seit Veröffentlichung der neuen
Informationskampagne der Bundesregierung #ImpfenHilft deutschlandweit
verabreicht?
Mit Stand vom 3. Mai 2022 wurden seitdem 900 413 Erstimpfungen
durchgeführt (siehe
www.rki.de/covid-19-impfquoten).
26. Wie hoch sind die Kosten der Informationskampagne #ImpfenHilft für
welchen Zeitraum?
Für die Finanzierung der Maßnahmen zur Information und Aufklärung der
Bevölkerung zum Coronavirus und zur Corona-Schutzimpfung wurden am 7.
Dezember 2021 Mittel (Verpflichtungsermächtigungen) in Höhe von 60 Mio. Euro
zur Verfügung gestellt; davon wurden bis zum 30. April 2022 Ausgaben in
Höhe von 47 828 918,61 Euro geleistet.
Diese Ausgaben beinhalten nicht nur die Kommunikation zur
Informationskampagne „Impfen hilft“, sondern auch die allgemeinen Informationen zum
Coronavirus und zur COVID-19-Schutzimpfung. Eine trennscharfe Ermittlung,
welche Ausgaben auf die Kommunikation im Rahmen von „Impfen hilft“
entfallen, ist dabei nicht möglich. So beantwortet zum Beispiel der telefonische
Informationsdienst des Bundes unter der Telefonnummer 116 117, der auch aus
diesen Mitteln finanziert wird, allgemeine Fragen zur COVID-19-
Schutzimpfung, aber auch Fragen zu den Corona-Tests. Ebenso arbeitet das für die
Kommunikation in den Sozialen Medien zuständige Digitale Lagezentrum nicht
ausschließlich für die Kampagne „Impfen hilft“. Es spielt auch allgemeine
Informationen zur COVID-19-Schutzimpfung aus und zu allen anderen Themen, die
mit dem Coronavirus im Zusammenhang stehen. Überschlägig ist allerdings
davon auszugehen, dass etwa zwei Drittel der Ausgaben für die Kampagne
„Impfen hilft“ geleistet wurden.
27. Welche Ziele verfolgt die Bundesregierung mit dieser
Informationskampagne?
28. Wurden diese Ziele nach Einschätzung der Bundesregierung bisher
erreicht?
Die Fragen 27 und 28 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Da eine von der Wissenschaft für notwendig erachtete Impfquote von bis zu
95 Prozent bis zum Beginn der kalten Jahreszeit nicht erreicht werden konnte,
war für diese Zeit nochmals eine kritische Pandemielage zu erwarten. Die
hochansteckende Omikron-Variante des Virus verschärfte die Situation
zusätzlich und dies nicht nur für die Ungeimpften. Die Informations- und
Aufklärungsmaßnahmen der Bundesregierung unter dem Slogan „Impfen hilft“
mussten diesen Herausforderungen wirksam begegnen.
Es galt nicht nur, die noch nicht geimpften Menschen von der Notwendigkeit
einer Corona-Schutzimpfung zu überzeugen, es war darüber hinaus notwendig,
auch bereits vollständig geimpfte Personen zu motivieren, ihren Impfschutz
aufzufrischen, wenn die letzte Impfung länger als 3 Monate zurückliegt
(Booster-Impfung). Wichtig ist die Auffrischungsimpfung vor allem für
besonders gefährdete Gruppen, zum Beispiel ältere Menschen.
Die Kommunikationsmaßnahmen waren daher darauf ausgerichtet,
insbesondere die Bevölkerungskreise zu erreichen, die einen hohen Anteil von nicht
geimpften Personen haben oder vorrangig für eine Booster-Impfung gewonnen
werden müssen. Diese finden sich einerseits in den durch Studien
identifizierten Bevölkerungsgruppen (Kinder und Jugendliche, Menschen über 60 Jahre,
Personen mit niedrigem sozioökonomischen Status oder bildungsferne
Personen) und andererseits in bestimmten Regionen (Datenlage des RKI).
Um diese Gruppen erreichen zu können, musste „Impfen hilft“ neue Wege
gehen und anders als die bisherigen Kampagnenansätze auf
zielgruppenspezifische Medienrepertoires und niedrigschwellige Angebote setzen.
Ein Beispiel dafür ist die #ImpfenHilft-Tour. Hier werden die Menschen in
ihrem Lebensumfeld bzw. in ihren Milieus aufgesucht, unmittelbar angesprochen
und informiert. Kombiniert mit einer gleichzeitig vor Ort vorhandenen
Möglichkeit sich impfen zu lassen, wird ihnen ein extrem niedrigschwelliges
Impfangebot gemacht.
Bei der Beurteilung des Erfolgs der bisherigen Impfkommunikation und der
Bewertung der umzusetzenden Maßnahmen stützt sich die Bundesregierung
vor allem auf die seit Dezember 2021 laufenden Studien des RKI (COVIMO:
COVID-19-Impf quo ten-Monitoring in Deutschland) und der BZgA (CoSiD:
Begleitforschung zur Kommunikation der Corona-Schutzimpfung in
Deutschland).
Die gestiegene Akzeptanz der Schutzimpfung ist nicht monokausal auf die
Kommunikationsmaßnahmen der Bundesregierung zurückzuführen. Vielmehr
sind verschiedene individuell unterschiedlich gewichtete Faktoren ursächlich
für diese Entwicklung. Ein kausaler Zusammenhang zwischen
Informationskampagne und Anzahl der geimpften Personen kann aber anhand der
Studienergebnisse und zu beobachtenden Reaktionen tendenziell bewertet werden.
Wirkung und Effekte der Aufklärungsmaßnahmen der Kampagne „Impfen
hilft“ können vor allem in der Inanspruchnahme der Auffrischungsimpfungen
abgelesen werden. Die Aufklärungsmaßnahmen zur Auffrischungsimpfung
setzten im Oktober 2021 ein und wurden im Zuge der Omikron-Welle im ersten
Quartal 2022 weiter intensiviert. Heute, weniger als sechs Monate später, haben
mindestens 59,5 Prozent (Stand: 12. Mai 2022:
https://impfdashboard.de/) ihren
Impfschutz aufgefrischt.
29. Welche konkreten operativen Prozesse wurden in der Impfstofflogistik
seit dem 8. Dezember 2021 verändert (bitte die einzelnen Prozessschritte,
von der Bestellung durch Leistungserbringer bis zur Auslieferung der
Impfstoffe durch Apotheken, genau angeben)?
Seit dem 8. Dezember 2021 wurde neben der Belieferung der
Leistungserbringer über den pharmazeutischen Großhandel und die Apotheken gemäß der
Coronavirus-Impfverordnung und der Allgemeinverfügung zur Sicherstellung
der flächendeckenden Verteilung von Impfstoffen gegen COVID-19 für die
Länder die Möglichkeit geschaffen, bei Beauftragung eines Großhändlers
COVID-19-Impfstoffe direkt an Impfstellen oder Lagerorte des Landes liefern
zu lassen. Mit diesem Prozess besteht für die Länder die Möglichkeit, gezielt
und bedarfsgerecht COVID-19-Impfstoffe zu bestellen und, sofern eine
Lagerung erforderlich ist, qualitätsgesichert zu lagern. Auch besteht für die Länder
die Möglichkeit den Impfstoff direkt beim zentralen Lager des Bundes
abzuholen.
Als neue zusätzliche Leistungserbringer zur Verimpfung von COVID-19-
Impfstoffen wurden Anfang 2022 die öffentlichen Apotheken integriert.
Zudem hat seit dem 1. Mai 2022 das Zentrum für Pandemie-Impfstoffe und
-Therapeutika (ZEPAI) mit seiner pharmazeutisch-logistischen Expertise die
Koordination und Steuerung der Impfstofflogistik übernommen und steht als
kompetenter Ansprechpartner für alle Beteiligten der logistischen Kette zur
Verfügung.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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