[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Christian Leye, Dr. Gesine Lötzsch,
Klaus Ernst, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 20/6892 –
Exportkreditgarantien für Ausfuhren nach China
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der Bund schützt mit Exportkreditgarantien, sogenannten Hermesdeckungen,
Exporteure und Banken vor politischen und wirtschaftlichen
Zahlungsausfällen. Somit gelten Exportkreditgarantien als bedeutendes Instrument der
Außenwirtschaftsförderung. Das Risiko eines Zahlungsausfalls wird durch die
Übernahme von Exportkreditgarantien zu einem großen Teil auf die
Bundesrepublik Deutschland übertragen. Im Schadensfall entschädigt die
Bundesrepublik Deutschland in Höhe der gedeckten Forderung (vgl.
www.bmwk.de/
Redaktion/DE/Artikel/Aussenwirtschaft/exportkreditgarantien.html).
Zuletzt kündigte der Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz
Dr. Robert Habeck an, die Chinageschäfte deutscher Unternehmen strenger
überwachen zu wollen (vgl.
www.handelsblatt.com/politik/deutschland/handel
spolitik-habeck-will-china-geschaefte-deutscher-unternehmen-kontrollieren/
29144284.html?tm=login). Zum siebten Mal in Folge war China 2022
Deutschlands wichtigster Handelspartner mit gehandelten Waren im Wert von
298,6 Mrd. Euro (vgl.
www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Aussenhandel/
handelspartner-jahr.html).
1. In Höhe welchen Werts hat die Bundesregierung aktuell Ausfuhren mit
Exportkreditgarantien abgedeckt, bzw. auf welche Summe beläuft sich
die Haftung des Bundes (als Summe in Euro angeben)?
Der Bund hat im Jahr 2022 Exportkreditgarantien in Höhe von 14,9 Mrd. Euro
übernommen. Das Entschädigungsrisiko des Bundes aus allen übernommenen
Exportkreditgarantien belief sich per 31. Dezember 2022 auf 83,1 Mrd. Euro.
a) Welcher Anteil entfällt dabei auf Einzeldeckungen?
Vom Deckungsvolumen entfielen in 2022 6,3 Mrd. Euro auf Einzeldeckungen.
Das Entschädigungsrisiko belief sich per 31. Dezember 2022 auf 80,3 Mrd.
Euro.
Deutscher Bundestag Drucksache 20/7263
20. Wahlperiode 14.06.2023
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz
vom 12. Juni 2023 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
b) Welcher Anteil entfällt dabei auf Sammeldeckungen?
Das Deckungsvolumen auf Sammeldeckungen betrug in 2022 8,6 Mrd. Euro.
Das Entschädigungsrisiko belief sich per 31. Dezember 2022 auf 2,8 Mrd.
Euro.
2. In Höhe welchen Werts hat die Bundesregierung aktuell Ausfuhren nach
China mit Exportkreditgarantien abgedeckt, bzw. auf welche Summe
beläuft sich die Haftung des Bundes (als Summe in Euro angeben)?
Der Bund hat in 2022 Exportkreditgarantien für Lieferungen und Leistungen
nach China in Höhe von 977,2 Mio. Euro übernommen. Das
Entschädigungsrisiko des Bundes für gedeckte Geschäfte nach China belief sich per 31.
Dezember 2022 auf 2,3 Mrd. Euro.
a) Welcher Anteil entfällt dabei auf Einzeldeckungen?
Das Deckungsvolumen auf Einzeldeckungen betrug in 2022 445,7 Mio. Euro.
Das Entschädigungsrisiko belief sich per 31. Dezember 2022 auf 2,1 Mrd.
Euro.
b) Welcher Anteil entfällt dabei auf Sammeldeckungen?
Das Deckungsvolumen auf Sammeldeckungen betrug in 2022 531,5 Mio. Euro.
Das Entschädigungsrisiko belief sich per 31. Dezember 2022 auf 228,3 Mio.
Euro.
3. Welche sind aktuell die zehn Länder, auf die die in Summe höchsten
Deckungsvolumina entfallen (bitte als Länderrangliste mit den
Deckungsvolumina in Euro und dem relativen Anteil am Gesamtvolumen
angeben), und auf welchem Rang steht China?
Mit einem Deckungsvolumen von rund 977 Mio. Euro im Jahr 2022 steht
China auf Rang 3 der Länderliste.
Rang Land Deckungsvolumen 2022
in Mio. Euro
Anteil am 2022 neu übernommenen
Deckungsvolumen in Prozent
1 Türkei 2.204 14,8
2 Brasilien 1.428 9,6
3 China, VR 977 6,6
4 Irland 679 4,6
5 Russland R.F. 659 4,4
6 Indien 517 3,5
7 Mexiko 390 2,6
8 Ägypten 352 2,4
9 Indonesien 349 2,3
10 Ghana 313 2,1
4. Für Ausfuhren in welche Länder wurden in den letzten fünf Jahren die
größten Deckungsvolumen zugesagt (bitte die Top-5-Länder angeben,
jeweils pro Jahr das Volumen in Euro nennen)?
Die Bundesregierung veröffentlicht regelmäßig einen Jahresbericht zu den
Exportkreditgarantien. Im Kapitel „Geschäftsverlauf“ sind die Top-10-Länder mit
den höchsten neu übernommenen Deckungen aufgelistet. Die Jahresberichte
werden auf der Internetseite
www.exportkreditgarantien.de eingestellt und
können für die Jahre 2019 bis 2022 unter „EKG-Jahresbericht“ (
https://www.expor
tkreditgarantien.de/de/suche.html) eingesehen werden.
5. Auf welche Anzahl und welchen Wert belaufen sich die Anträge auf
Deckungen für Ausfuhren pro Jahr (bitte in Euro pro Jahr für die letzten
zehn Jahre, inklusive vorläufiger Zahlen für 2023 und, wenn möglich,
eines Ausblicks angeben)?
2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022
Volumen
Anträge
in Mio. Euro
38.666 38.615 36.156 38.228 29.115 35.144 26.829 23.433 40.327 23.653
Einzeldeckungen 33.767 33.513 32.740 34.235 25.696 32.412 23.721 19.414 37.367 21.689
Sammeldeckungen 4.899 5.102 3.416 3.993 3.419 2.732 3.108 4.020 2.960 1.965
Anzahl
Anträge
14.901 12.979 10.832 10.908 9.379 9.679 8.901 12.084 8.211 6.301
Einzeldeckungen 1.839 1.517 1.261 1.132 1.093 1.197 1.100 1.163 1.069 813
Sammeldeckungen 13.062 11.462 9.571 9.776 8.286 8.482 7.801 10.921 7.142 5.488
Zur Nutzung der Exportkreditgarantien wird generell zu zwei Stichtagen
berichtet: zum 30. Juni sowie zum 31. Dezember eines jeden Jahres. Ein
belastbarer Ausblick in die Zukunft ist grundsätzlich nicht möglich, da das Instrument
die Exporteure nur subsidiär begleitet.
6. Auf welche Anzahl und welchen Wert belaufen sich die Anträge auf
Deckungen für Ausfuhren nach China pro Jahr (bitte in Euro pro Jahr für
die letzten zehn Jahre, inklusive vorläufiger Zahlen für 2023 und, wenn
möglich, eines Ausblicks angeben)?
2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022
Volumen
Anträge
in Mio. Euro
894 1.472 1.147 1.178 684 577 1.323 1.084 1.503 584
Einzeldeckungen 650 1.181 1.000 957 491 474 1.190 929 1.426 545
Sammeldeckungen 243 291 147 220 193 103 134 155 77 39
2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022
Anzahl
Anträge
554 506 551 465 425 408 399 381 320 218
Einzeldeckungen 93 95 93 68 69 61 91 83 102 47
Sammeldeckungen 461 411 458 397 356 347 308 298 218 171
Bezüglich vorläufiger Zahlen für das Jahr 2023 und Ausblick wird auf die
Antwort zu Frage 5 verwiesen.
7. Auf welche Anzahl und welchen Wert belaufen sich die
Deckungszusagen für Ausfuhren pro Jahr (bitte in Euro pro Jahr für die letzten zehn
Jahre, inklusive vorläufiger Zahlen für 2023 und, wenn möglich, eines
Ausblicks angeben)?
Deckungsvolumen im Zeitraum 2013 bis 2022
Jahr KREDITLAUFZEIT BIS 360 TAGE LAUFZEIT
ÜBER GESAMT
APG EINZEL REVOLVING GESAMT 360 TAGE
2013 11.916,8 2.866,0 365,6 15.148,4 12.751,2 27.899,6
2014 11.006,7 2.831,2 270,7 14.108,5 10.642,3 24.750,8
2015 9.680,2 1.696,4 164,1 11.540,7 14.291,5 25.832,2
2016 7.957,3 3.296,3 136,7 11.390,3 9.224,8 20.615,1
2017 8.045,0 2.496,8 131,9 10.673,6 6.188,7 16.862,4
2018 8.487,6 971,5 198,0 9.657,1 10.138,5 19.795,6
2019 8.449,0 3.104,6 92,9 11.646,5 9.352,0 20.998,5
2020 7.690,4 1.907,2 61,5 9.659,1 7.055,7 16.714,7
2021 8.563,0 5.312,7 87,3 13.963,1 6.187,4 20.150,4
2022 8.492,8 699,2 69,8 9.261,8 5.601,1 14.863,0
Im Sammeldeckungsbereich („APG“ – Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung,
sowie „Revolving“ – Umsätze unter revolvierenden Deckungen in ein
Bestellerland) werden keine Einzelgeschäfte, sondern Umsätze auf ein Land gemeldet.
Insofern kann bei einer Betrachtung des gesamten Deckungsvolumens
(Sammeldeckungen und Einzeldeckungen) keine Aussage zur Anzahl der gedeckten
Geschäfte gemacht werden.
Bezüglich vorläufiger Zahlen für das Jahr 2023 und Ausblick wird auf die
Antwort zu Frage 5 verwiesen.
8. Auf welche Anzahl und welchen Wert belaufen sich die
Deckungszusagen für Ausfuhren nach China pro Jahr (bitte in Euro pro Jahr für die
letzten zehn Jahre, inklusive vorläufiger Zahlen für 2023 und, wenn
möglich, eines Ausblicks angeben)?
Deckungsvolumen China im Zeitraum 2013 bis 2022
KREDIRLAUFZEIT BIS 360 TAGE LAUFZEIT
ÜBER
Jahr APG EINZEL REVOLVING GESAMT 360 TAGE Gesamt
2013 922,5 567,5 22,6 1.512,6 2,4 1.514,9
2014 816,9 339,7 23,9 1.180,5 177,8 1.358,3
2015 668,6 246,4 21,6 936,6 308,1 1.244,7
2016 493,7 186,5 22,3 702,5 107,7 810,2
2017 499,3 252,2 18,1 769,6 250,1 1.019,7
2018 579,2 298,2 10,4 887,7 46,4 934,1
2019 630,1 221,5 7,4 859,0 233,1 1.092,1
2020 602,3 416,5 9,0 1.027,8 182,6 1.210,5
2021 427,0 460,1 11,2 898,3 479,3 1.377,7
2022 522,9 130,1 8,6 661,6 315,6 977,2
Bezüglich Sammeldeckung wird auf die Antwort zu Frage 7 verwiesen.
Bezüglich vorläufiger Zahlen für das Jahr 2023 und Ausblick wird auf die Antwort zu
Frage 5 verwiesen.
9. Welcher Anteil der Anträge auf Deckungen für Ausfuhren wird pro Jahr
positiv beschieden (bitte in Prozent pro Jahr für die letzten zehn Jahre,
inklusive vorläufiger Zahlen für 2023 und, wenn möglich, eines
Ausblicks angeben)?
10. Welcher Anteil der Anträge auf Deckungen für Ausfuhren nach China
wird pro Jahr positiv beschieden (bitte in Prozent pro Jahr für die letzten
zehn Jahre, inklusive vorläufiger Zahlen für 2023 und, wenn möglich,
eines Ausblicks angeben)?
Die Fragen 9 und 10 werden gemeinsam beantwortet.
Vor allem bei größeren Geschäften liegt zwischen der Antragstellung und der
endgültigen Indeckungnahme häufig ein längerer Zeitraum (mehr als zwölf
Monate). Vor diesem Hintergrund hätte eine Anteilsbetrachtung auf Jahresbasis
keinen Informationswert und wird statistisch nicht erfasst.
Bezüglich vorläufiger Zahlen für das Jahr 2023 und Ausblick wird auf die
Antwort zu Frage 5 verwiesen.
11. Wie viele Unternehmen haben ihre Anträge auf Deckung von Ausfuhren
trotz Grundsatzzusage in den letzten fünf Jahren zurückgezogen (bitte
pro Jahr, inklusive 2023 angeben)?
Nicht realisierte Grundsatzzusagen
Bearbeitungsdatum vom 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2022
Jahr Auftragswert in Mio. Euro Anzahl
2018 1.509,45 91
2019 1.456,39 22
2020 697,57 19
2021 2.305,93 75
2022 3.102,25 76
12. Wie viele Unternehmen haben ihre Anträge auf Deckung von Ausfuhren
nach China trotz Grundsatzzusage in den letzten fünf Jahren
zurückgezogen (bitte pro Jahr, inklusive 2023 angeben)?
Nicht realisierte Grundsatzzusagen für China
Bearbeitungsdatum vom 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2022
Jahr Auftragswert in Mio. Euro Anzahl
2018 -
2019 103,62 3
2020 7,50 1
2021 178,56 12
2022 514,35 5
13. Wie viele Anträge auf Deckung von Ausfuhren nach China und in
welchem Volumen in Euro wurden in den letzten fünf Jahren jeweils von
Unternehmen mit weniger als 50, weniger als 250 oder 250 und mehr
Beschäftigten gestellt (bitte pro Jahr angeben)?
14. Wie viele Anträge auf Deckung von Ausfuhren nach China und mit
welchem Volumen in Euro wurden in den letzten fünf Jahren jeweils von
Unternehmen mit weniger als 50, weniger als 250 oder 250 und mehr
Beschäftigten bewilligt (bitte pro Jahr angeben)?
Die Fragen 13 und 14 werden gemeinsam beantwortet.
Diese Daten werden nicht erhoben. Daher ist eine Beantwortung der Fragen
nicht möglich.
15. Aus welchen fünf Branchen kommen die Anträge für
Exportkreditgarantien für Ausfuhren nach China mit dem größten Volumen (bitte nach
Anzahl der Anträge auflisten und das Antragsvolumen in Euro nennen)?
Im Antragstadium wird noch nicht bei jedem Geschäft der Sektor und die
Warenart endgültig bestimmt, daher ist eine Angabe nicht möglich.
16. Für welche fünf Branchen wurden die in Summe höchsten
Exportkreditgarantien für Ausfuhren nach China gewährt (bitte nach Anzahl
Exportkreditgarantien auflisten und das Antragsvolumen in Euro nennen)?
Sektor
Deckungsvolumen
in Mio. Euro
Anzahl
Deckungen
Agrarsektor und
Nahrungsmittelindustrie 7,6 2
Chemie 74,1 6
Energie 32,2 1
Papier-, Holz-, Leder- und
Textilindustrie 129,2 14
Verarbeitende Industrie 202,6 20
Gesamtergebnis 445,7 43
17. Wie gestalten sich die Laufzeiten der Exportkreditgarantien für
Ausfuhren nach China, und von welchen Faktoren hängt die Länge der Laufzeit
ab?
Ist innerhalb der letzten zehn Jahre bzw. perspektivisch eine strukturelle
Veränderung in der Länge der Laufzeiten zu erkennen bzw. abzusehen?
Die Laufzeit der Exportkreditgarantie hängt von dem zugrundeliegenden
Geschäft ab.
Die Kreditkonditionen und die Kreditlaufzeit des zur Deckung beantragten
Geschäfts werden in erster Linie zwischen dem Exporteur bzw. der
exportfinanzierenden Bank und dem ausländischen Kunden ausgehandelt. Darüber hinaus
können aber auch Warenart oder regulatorische Rahmenbedingungen die
Laufzeit eines Kreditgeschäfts beeinflussen.
Laufzeitstruktur China Einzeldeckungen 2022
Laufzeit Deckungsvolumen in Mio. Euro Anzahl
Kurzfristig
(bis zu einem Jahr) 130,1 8
Mittel- Langfrist 315,6 35
Gesamtergebnis 445,7 43
18. Welche Entwicklung erwartet die Bundesregierung bei der Nachfrage
nach Exportkreditgarantien für Ausfuhren nach China mit Blick auf die
Antragszahlen und das finanzielle Volumen der Anträge für die
kommenden fünf Jahre?
Die Nachfrage nach Exportkreditgarantien hängt von einer ganzen Reihe von
– zum Teil nur schwer vorhersehbaren – Faktoren ab. Das gilt unabhängig vom
Zielland. Folglich ist auch eine Prognose für die Nachfrage nach
Exportkreditgarantien für Ausfuhren nach China mit einer erheblichen Unsicherheit belegt.
Angesichts der Entwicklung des Deckungsvolumens für China der letzten zehn
Jahre kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch von einer eher abnehmenden
Nachfrage ausgegangen werden. Die abnehmende wirtschaftliche Dynamik in
China und das Bestreben, mehr vor Ort zu fertigen
(Lokalisierungsbestrebungen) dürften dafür zwei Gründe sein.
19. Welche quantitative Entwicklung erwartet die Bundesregierung bei der
Gewährung von Anträgen für Exportkreditgarantien nach China mit
Blick auf die Antragszahlen, das finanzielle Volumen und die Laufzeiten
für die kommenden fünf Jahre?
Wie wird sich nach derzeitigem Kenntnisstand der Bundesregierung die
neue Nationale Sicherheitsstrategie bzw. China-Strategie quantitativ wie
qualitativ auf die Gewährung von Exportkreditgarantien für Ausfuhren
nach China, deren Anzahl, finanzielles Volumen und deren Laufzeiten
auswirken?
Die Nationale Sicherheitsstrategie wurde erst heute und die China-Strategie
noch nicht im Kabinett verabschiedet. Insofern ist es eine Aussage über etwaige
Auswirkungen auf die Garantieinstrumente aktuell noch nicht möglich.
20. Ist es zutreffend, dass die Bundesregierung beabsichtigt, das Volumen
von Exportkreditgarantien für Ausfuhren nach China zu deckeln (vgl.
www.sueddeutsche.de/politik/deutschland-china-strategie-olaf-scholz-an
nalena-baerbock-ampelkoalition-1.5804892?reduced=true)?
Ab wann soll dies in Kraft treten, wie sieht der Zeitplan bis dahin aus,
und wie soll eine solche „Deckelung“ ausgestaltet werden?
Die Deckungspolitik für China ist offen. Generell beobachtet die
Bundesregierung die politische und wirtschaftliche Situation der Bestellerländer sehr genau
und passt gegebenenfalls ihre Deckungspolitik an.
Grundsätzlich gilt, dass der Interministerielle Ausschuss für
Exportkreditgarantien über die Indeckungnahme eines Geschäfts stets auf Einzelfallbasis im
Konsens entscheidet. Der Interministerielle Ausschuss für Exportkreditgarantien
setzt sich aus dem federführenden Bundesministerium für Wirtschaft und
Klimaschutz, dem Bundesministerium der Finanzen, dem Auswärtigen Amt und
dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
zusammen.
21. Welche Anträge auf Exportkreditgarantien für Ausfuhren nach China
wurden durch die Bundesregierung aus politischen Erwägungen nicht
gedeckt, und welche bzw. wie viele Anträge werden derzeit dahin gehend
geprüft (bitte für die letzten zehn Jahre angeben und, soweit möglich,
den Antragsteller, die Branche des Antragstellers, das Projekt, die Höhe
des Auftragsvolumens und den Grund für die Nichtbewilligung nennen)?
Die Übernahme von Exportkreditgaranten setzt u. a. voraus, dass es sich um ein
förderungswürdiges Ausfuhrgeschäft handelt. In den letzten zehn Jahren wurde
ein Antrag für ein Ausfuhrgeschäft nach China mangels Förderungswürdigkeit
abgelehnt, da die Durchführung den Interessen der Bundesrepublik
Deutschland entgegenstand. Das Geschäft betraf den Bereich der verarbeitenden
Industrie und fiel in die Kategorie 2 (bis 50 Mio. Euro Auftragswert gemäß
Einteilung der Auftragswerte zwecks Veröffentlichung). Nach endgültiger
Annahme unterteilen sich die Geschäfte in folgende Kategorien: Kategorie 1: bis
15 Mio. Euro; Kategorie 2: bis 50 Mio. Euro; Kategorie 3: bis 100 Mio. Euro;
Kategorie 4: bis 200 Mio. Euro; Kategorie 5: über 200 Mio. Euro. Die
Veröffentlichung erfolgt hier:
www.exportkreditgarantien.de/de/nachhaltigkeit/vert
rauen/abgesicherte-projekte.html.
22. Welche Anträge auf Exportkreditgarantien für Ausfuhren nach China
wurden durch die Bundesregierung nicht gedeckt, weil sie Umwelt-,
Sozial- oder Menschenrechtsstandards nicht entsprachen, und welche
Anträge werden derzeit dahin gehend geprüft (bitte für die letzten zehn
Jahre angeben und, soweit möglich, den Antragsteller, die Branche des
Antragstellers, das Projekt, die Höhe des Auftragsvolumens und den
Grund für die Nichtbewilligung nennen)?
Die Einhaltung internationaler Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsstandards
(USM) ist ein wichtiger Bestandteil bei der Beurteilung der
Förderungswürdigkeit eines Geschäftes. Das Ergebnis der USM-Prüfung ist allerdings kein
alleiniges Entscheidungskriterium, sondern fließt in die allgemeine Beurteilung des
Deckungsantrags ein. Insofern kann keine Aussage dazu getroffen werden, wie
viele Geschäfte allein aus USM-Aspekten nicht in Deckung genommen
wurden.
Im Allgemeinen kennen die Nutzenden von Exportkreditgarantien die
Anforderungen der USM-Prüfung sehr gut und stellen keine kostenpflichtigen Anträge,
wenn sich eine Indeckungnahme bereits im Vorfeld als aussichtslos erweist.
Darüber hinaus wird auf den Bericht der Bundesregierung an den
Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages zum Thema „Hermesdeckungen/USM-
Prüfungen“ vom 24. Januar 2023 auf die Berichtsanforderung der Abgeordneten
Dr. Gesine Lötzsch vom 16. Januar 2023 verwiesen.
23. Wie viele Zusagen für Deckungen von Ausfuhren in die Provinz
Xinjiang und in welchem finanziellen Volumen werden jährlich erteilt (bitte
in Euro pro Jahr für die letzten zehn Jahre, inklusive vorläufiger Zahlen
für 2023 und, wenn möglich, eines Ausblicks angeben)?
Die Provinz Xinjiang wird erst seit Dezember 2019 separat in den Statistiken
erfasst. Entsprechend liegen für die vergangenen zehn Jahre keine separat
ausgewiesenen Daten zu der Provinz Xinjiang vor. In der Regel werden Daten zu
Ländern und Industrien erhoben.
Seit dem Jahr 2020 hat der Bund ein Geschäft mit Bezug zur Provinz Xinjiang
in Deckung genommen. Das Geschäft betraf den Textilsektor und fiel in die
Kategorie 1 (bis 15 Mio. Euro Auftragswert gemäß Einteilung der
Auftragswerte dargestellt in der Antwort zu Frage 21).
24. Welcher Anteil der Anträge auf Deckungen für Ausfuhren in die Provinz
Xinjiang wird pro Jahr positiv beschieden (bitte in Prozent pro Jahr für
die letzten zehn Jahre, inklusive vorläufiger Zahlen für 2023 und, wenn
möglich, eines Ausblicks angeben)?
Bezüglich der statistischen Erfassung der Provinz Xinjiang siehe die Antwort
zu Frage 23.
Ein Antragsteller hat 2020 seinen Deckungsantrag zurückgezogen. Darüber
hinaus gab und gibt es keine Anträge auf Deckungen für Ausfuhrgeschäfte in
die Provinz Xinjiang.
Der Bund unterzieht Deckungsanträge für Lieferungen und Leistungen nach
China einer besonderen Prüfung. Im Rahmen des sogenannten Watchful-Eye-
Ansatzes wird geprüft, ob bei zur Deckung beantragten Geschäften nach China
ein Bezug zur Provinz Xinjiang besteht. In diesen Fällen werden etwaige
Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsrisiken gesondert geprüft.
25. Wie hoch lag das Gesamtentschädigungsvolumen für
Exportkreditgarantien in den letzten zehn Jahren (bitte pro Jahr und in Euro angeben)?
Ausgezahlte Schäden 2013 bis 2022
Jahr Auszahlung in Mio. Euro
2013 232,5
2014 504,0
2015 395,1
2016 551,8
2017 429,3
2018 728,0
2019 383,2
2020 286,1
2021 288,9
2022 196,4
26. Welche Entschädigungszahlungen fielen bisher durch gewährte
Exportkreditgarantien auf Ausfuhren nach China an, und was waren die
Ursachen (bitte in Euro für die letzten zehn Jahre, inklusive vorläufiger
Zahlen für 2023, pro Jahr, und dir jeweiligen Summen pro Unternehmen,
das Projekt und, soweit möglich, die Gründe angeben)?
Ausgezahlte Schäden China 2013 bis 2022
Jahr Auszahlung in Mio. Euro
2013 -
2014 0,5
2015 3,1
2016 2,9
Jahr Auszahlung in Mio. Euro
2017 0,5
2018 5,5
2019 0,1
2020 1,1
2021 0,1
2022 0,1
Bei den Schäden handelt es sich um wirtschaftliche Schäden, beispielsweise
wirtschaftlich bedingte Zahlungsausfälle.
27. Erwartet die Bundesregierung Zahlungsausfälle für die kommenden fünf
Jahre für Exportkredite in China?
Exportkreditgarantien werden nur dann übernommen, wenn ein schadenfreier
Verlauf des gedeckten Geschäfts zu erwarten ist (Prinzip der risikomäßigen
Vertretbarkeit). Das schließt Schadenfälle per se jedoch nicht aus.
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse vor, dass die Schadenfälle für
Lieferungen und Leistungen nach China kurzfristig überdurchschnittlich
ansteigen sollten. Dies deckt sich mit den traditionell guten Zahlungserfahrungen, die
Deutschland mit China und chinesischen Unternehmen in der Vergangenheit
gemacht hat.
Langfristige und verlässliche Prognosen zu Zahlungsausfällen sind –
unabhängig von China – aufgrund der unvorhersehbaren weltwirtschaftlichen und
geopolitischen Entwicklungen nicht möglich.
28. Gab es nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2000
strukturelle Veränderungen mit Blick auf die Bewertungen von
Exportgeschäften mit China hinsichtlich der risikomäßigen Vertretbarkeit durch
Aussicht auf einen schadensfreien Verlauf des Geschäfts, was ein
wesentliches Kriterium für die Übernahme von Exportgarantien darstellt (bitte
erläutern)?
Seit dem Jahr 2000 wurden keine strukturellen Veränderungen in der
Deckungspolitik für China vorgenommen.
29. Wie hat sich die Länderklassifizierung von China bezüglich der Erteilung
von Exportkreditgarantien seit dem Jahr 2000 entwickelt?
Die Länderrisikostufung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) für China liegt seit dem Jahr 2000 unverändert in der
Kategorie 2.
30. Gab es seit dem Jahr 2000 strukturelle Veränderungen bei der Höhe der
von Deckungsnehmern zu leistenden risikoadäquaten Prämie, und wie
hat sich diese im Mittel entwickelt (wenn möglich, als prozentualen
Anteil am Gesamtexportvolumen pro Jahr angeben)?
Die von den Deckungsnehmenden zu leistende Prämie ist durch einheitliche,
auf Ebene der OECD entwickelte Kriterien vorgegeben. Wesentliche Parameter
stellen die Länderkategorie und die Käuferkategorie des Bestellenden sowie die
Laufzeit der Exportkreditgarantie dar. Im Länderrisikoausschuss der OECD gab
es seit dem Jahr 2000 keine strukturellen Veränderungen mit Blick auf China.
Zum 15. Juli 2023 wird eine Reform des OECD-Konsensus umgesetzt. Hiermit
gehen horizontale und grundsätzlich alle Länder und Sektoren betreffende
Änderungen der Prämienfestsetzung im Bereich langfristiger Kreditlaufzeiten
einher.
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ISSN 0722-8333]