[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU
– Drucksache 20/7178 –
Langzeit-Verkehrsprognose des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Verbände aus der Schienengüterbranche kritisieren die Gleitende Langfrist-
Verkehrsprognose aus dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr
(BMDV) als zu straßenfixiert und weitgehend realitätsfern.
Marktentwicklungen und Innovationen auf der Schiene würden darin außen vor gelassen, das
Wachstumspotenzial des Schienengüterverkehrs bewusst kleingerechnet (vgl.
www.allianz-pro-schiene.de/presse/pressemitteilungen/faktencheck-verkehrs
prognose/). Die „Allianz pro Schiene wirft Wissing [diesbezüglich eine]
Falschaussage vor“ (background.tagesspiegel.de/mobilitaet/allianz-pro-schien
e-wirft-wissing-falschaussage-vor?utm_source=bgmt+vorschau&utm_mediu
m=email).
Nach Ansicht der Fragesteller handelt es sich bei der Verkehrsprognose des
BMDV um eine der wichtigsten Grundlagen für die Planung, Finanzierung
und Umsetzung von Verkehrsinfrastrukturprojekten. Eine realistische und
faktenbasierte Prognose ist daher für eine zukunftsfähige Planung unerlässlich.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hat ein
Bausteinsystem bestehend aus drei Prognosen aufgestellt, die sich im Hinblick auf den
Prognosehorizont, die Periodizität der Erstellung und die sachliche und
räumliche Tiefe der Prognoseergebnisse unterscheiden. Als neuer Baustein dieses
Systems wurde die „Gleitende Langfrist-Verkehrsprognose“ entwickelt. Mit ihr
erfolgt ab 2022 eine jährliche Vorausschau der Güter- und
Personenverkehrsentwicklung für alle Verkehrsträger und -mittel mit den Horizonten +15, +20,
+25 und +30 Jahren.
Die von Bundesminister Dr. Volker Wissing am 3. März 2023 vorgestellten
Ergebnisse der Gleitenden Langfrist-Verkehrsprognose geben einen aktuellen
Ausblick auf die bis zu den Jahren 2036, 2041, 2046 und 2051 zu erwartende
Verkehrsentwicklung.
Eine andere Langfrist-Verkehrsprognose des BMDV-Bausteinsystems ist die
„Strategische Langfrist-Verkehrsprognose“, welche empirische Grundlage für
die Bundesverkehrswege- und -mobilitätsplanung ist. Gegenwärtig wird hier
Deutscher Bundestag Drucksache 20/7655
20. Wahlperiode 06.07.2023
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr
vom 6. Juli 2023 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
die Strategische Langfrist-Verkehrsprognose „Verkehrsprognose 2040“
erarbeitet. Die vorliegende Kleine Anfrage zielt auf den Prognosebaustein „Gleitende
Langfrist-Verkehrsprognose“ und speziell auf die im März vorgestellten
Prognoseergebnisse ab.
1. Wie bewertet das BMDV die vehemente Kritik aus der Industrie an der
jüngsten Langzeit-Verkehrsprognose?
Viele Vertreter von Verbänden und aus der Wissenschaft haben begrüßt, dass
das BMDV die „Gleitende Langfrist-Verkehrsprognose“ als neues
Prognosewerkzeug auf den Weg gebracht hat und so aktuelle fundierte Daten und Fakten
als Grundlage für die fachliche und politische Diskussion bereitstellt.
2. Aus welchen Gründen wurden die Abschätzung der Klimaeffekte und
des Bedarfs an Kraftfahrern nicht in der Studie berücksichtigt?
Der Fokus der Prognosearbeiten lag zunächst auf der Ermittlung der
verkehrlichen Entwicklungen. Auch ist der Grundstein für die Ermittlung der hiermit
verbundenen CO2-Emissionen in den Prognosearbeiten gelegt. Die Berechnung
der darauf aufbauenden Klimaeffekte ist gegenwärtig in Bearbeitung.
Der Bedarf an Kraftfahrern ist in den insgesamt 132 Prämissen für die
Prognoseberechnungen als eigene Prämisse berücksichtigt.
3. Welche Kernpunkte bzw. Trends leitet das BMDV aus der
Verkehrsprognose ab?
Es wird ein weiterer Verkehrsanstieg sowohl im Personenverkehr (+13 Prozent)
und im Güterverkehr (+46 Prozent) erwartet. Ferner wird auf die im Internet
veröffentlichten Informationen auf der Webseite des BMDV verwiesen
(abrufbar unter:
https://bmdv.bund.de/SharedDocs/DE/Pressemitteilungen/2023/017-
wissing-pk-verkehrsentwicklung-deutschland.html).
4. Wie verhalten sich aus Sicht des BMDV die Trends des Gutachtens zur
beschleunigten Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene?
Die vorgestellte Prognose unterstellt in ihren Berechnungsannahmen einen
massiven Ausbau der Bahn, angefangen bei der Umsetzung des
Deutschlandtaktes bis hin zur Umsetzung der laut Masterplan Schienengüterverkehr
vorgesehenen Maßnahmen. Vor dem Hintergrund der bestehenden Kapazitätsgrenzen
der Bahninfrastruktur sind die prognostizierten absoluten Zuwächse der Bahn
ein zahlenmäßiger Beleg für die ambitionierten Prämissen. Deutlich werden
diese beispielsweise in der Höhe der zur Erreichung der
Schienengütertransportleistung (+33 Prozent) notwendigen Betriebsleistung (+46 Prozent) bzw.
bei der für den Schienenverkehr unterstellten Steigerung des Güteraufkommens
im Kombinierten Verkehr (+76 Prozent).
Der Güterstrukturwandel ist eine der Ursachen für die Entwicklung zu Gunsten
der Straße. So ist ein starker Rückgang der Massen- und Energiegüter (z. B.
Kohle, Koks, Mineralöl), gepaart mit einem überdurchschnittlichen Wachstum
straßenaffiner Güter zu verzeichnen.
5. Wie begründet das BMDV den in der vorgestellten Prognose
unterstellten Ausbau der Bahn – von der Umsetzung des Deutschlandtaktes bis hin
zur Umsetzung der laut Masterplan Schienengüterverkehr vorgesehenen
Maßnahmen, wo doch der tatsächliche Fortschritt beim Ausbau der Bahn
weniger umfangreich ist?
In der Gleitenden Langfrist-Verkehrsprognose wurde die Umsetzung bereits
beschlossener bzw. absehbarer Maßnahmen unterstellt. Maßgebend ist deren
Umsetzung bis zum jeweiligen Prognosejahr. Der zeitliche Fortschritt bei der
Umsetzung einzelner Maßnahmen findet lediglich dann Berücksichtigung, wenn
zum Zeitpunkt der Prognoseerstellung bereits absehbar ist, dass eine
Umsetzung in Gänze als unrealistisch angesehen werden kann.
6. Inwiefern ist der Güterstrukturwandel nach Auffassung des BMDV eine
der Ursachen für die Entwicklung zugunsten der Straße?
Im Zuge der Energiewende ist ein starker Rückgang bei Massen- und
Energiegütern wie Kohle, Koks, Mineralölprodukten und Erzen zu verzeichnen, die
bisher vor allem auf Schiene und Wasserstraße transportiert wurden. Diese
Entwicklung wird durch die Klimaziele und den Ukraine-Krieg verstärkt.
Gleichzeitig zeigt sich in der Gleitenden Langfrist-Verkehrsprognose ein
überdurchschnittliches Wachstum straßenaffiner Güter wie Postsendungen, Sammel- und
Stückgüter, die überwiegend in kleineren Sendungsgrößen und über weitere
Entfernungen auf der Straße bzw. im Kombinierten Verkehr befördert werden.
Im Ergebnis erhöht sich die Verkehrsleistung auf der Straße in einem stärkeren
Maße als die auf der Schiene.
Die in der Gleitenden Langfrist-Verkehrsprognose für den
Schienengüterverkehr unterstellten Anstrengungen in den Bereichen Deutschland-Takt,
technische Weiterentwicklung sowie infrastruktureller Ausbau können diese Effekte
in Teilen ausgleichen, aufgrund des im Vergleich höheren Wachstums im
Straßengüterverkehr ergeben sich hieraus jedoch letztlich keine
Marktanteilsgewinne für die Schiene.
7. Wie passt nach Auffassung des BMDV der nach eigenen Angaben
Rückgang der Massen- und Energiegüter gepaart mit einem
überdurchschnittlichen Wachstum straßenaffiner Güter zu den Zielen der
Bundesregierung, den Anteil des Schienengüterverkehrs deutlich zu erhöhen?
8. Wie bewertet das BMDV aktuell die Potenziale der Verlagerung des
Straßengüterverkehrs auf die Schiene, und hält sie die Entwicklung des
Schienengüterverkehrs, so wie es im Koalitionsvertrag zwischen SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP für die 20. Legislaturperiode
festgeschrieben ist, derzeit für realistisch?
Die Fragen 7 und 8 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Der Rückgang von bahnaffinen Massen- und Energiegütern bei einem
gleichzeitig starken Wachstum straßenaffiner Güter erschwert die Steigerung des
Anteils des Schienengüterverkehrs.
9. Inwieweit ist eine Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene
und die Wasserstraße zur Erreichung der Klimaziele aus Sicht des
BMDV erforderlich, wenn doch die Emissionen des Straßenverkehrs
durch die Elektrifizierung der Flotte deutlich abnehmen werden?
Die Erreichung der Klimaschutzziele des Verkehrssektors bis zum Jahr 2030
und der sektorübergreifenden Ziele bis zum Jahr 2045 erfordert eine
Dekarbonisierung aller Verkehrsträger. Nach Auffassung des BMDV unterstützt eine
Verkehrsverlagerung auf die weiteren Verkehrsträger des Binnengüterverkehrs
(Schiene und Wasserstraße) insbesondere mit Blick auf den Hochlauf neuer
Technologien im Straßenverkehr die Erreichung der Klimaziele.
10. Wie will die Bundesregierung verhindern, dass ein starkes Wachstum des
Lkw-Verkehrs laut der Prognose des BMDV nicht durch einen Mangel
an Lkw-Fahrern ausgebremst wird (vgl. 230516_Verkehrsprognose_Fak
tencheck_komplett.pdf (allianz-pro-schiene.de)?
Bezogen auf die in der Gleitenden Langfrist-Verkehrsprognose prognostizierte
langfristige Entwicklung des Straßengüterverkehrs teilt die Bundesregierung
die Einschätzung der Gutachter, dass der erforderliche Bedarf an Lkw-Fahrern
über eine Anpassung der realen Lohnkosten gedeckt werden kann.
11. Wie hoch ist der Bedarf an zusätzlichen Lkw-Fahrern nach
Erkenntnissen der Bundesregierung für das steigende Wachstum des Lkw-Verkehrs
bis 2051?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine belastbaren Erkenntnisse vor.
12. Können, und wenn ja, wie, autonom fahrende Lkw nach Meinung der
Bundesregierung für den Fahrermangel Abhilfe schaffen?
Der Einsatz von autonomen Kraftfahrzeugen kann ggf. langfristig in
bestimmten Anwendungsfällen den Berufskraftfahrermangel abmildern. Hierzu bedarf
es zunächst der Entwicklung und Erprobung geeigneter Kraftfahrzeuge und
Anwendungsfälle. Insbesondere müssen Aspekte der Verkehrssicherheit
beachtet werden.
13. Warum geht die Prognose des BMDV davon aus, dass der Lkw-Mautsatz
bis 2040 bei 35 Cent/Lkw-km (für Lkw mit mehr als drei Achsen)
bleiben wird angesichts des Gesetzentwurfs der Bundesregierung, der ab
dem 1. Januar 2024 eine deutliche Erhöhung der Lkw-Maut vorsieht
(vgl. 230516_Verkehrsprognose_Faktencheck_komplett.pdf (allianz-pro-
schiene.de)?
14. Wie bewertet die Bundesregierung die Annahme der Prognose des
BMDV von einer Abgabenbelastung von 120 Euro/Tonne CO2 für 2040,
obwohl die Bundesregierung im aktuellen Gesetzentwurf zur Lkw-Maut
mit 200 Euro/Tonne CO2 kalkuliert (bmdv.bund.de/SharedDocs/DE/Anla
ge/Gesetze/Gesetze-20/entwurf-eines-dritten-gesetzes-aenderung-mautre
chtlicher-vorschriften.pdf?__blob=publicationFile), und wie erklärt die
Bundesregierung diese unterschiedliche Herangehensweise?
Die Fragen 13 und 14 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Mit der Festlegung der Prämissen erfolgt keine Vorfestlegung auf spätere
politische Entscheidungen. Sie bedeutet, dass mit dem Prämissenset die
prognostischen Arbeiten durchgeführt werden. Der Prozess der Prämissenerarbeitung
startete im Jahr 2021. Die Prämissen wurden seitens der Auftragnehmer
erarbeitet und im Anschluss in mehreren, teils mehrtägigen Veranstaltungen den
Fachabteilungen des BMDV, ausgewählten Experten aus Wissenschaft,
Wirtschaft, Verbänden und dem Ressortkreis sowie Ländervertretern vorgestellt und
mit diesen diskutiert. In den Prozess der Prämissendefinition waren insgesamt
über 250 Stellen bzw. Institutionen innerhalb und außerhalb des BMDV
eingebunden. Der aktuell vorliegenden Prognose liegen Prämissenfestlegungen mit
Stand August 2022 zu Grunde. Die Gleitende Langfrist-Verkehrsprognose
zeichnet ein Zukunftsbild, wie es sich unter den gesetzten Prämissenannahmen
voraussichtlich einstellen wird. Zwischenzeitlich veränderte
Rahmenbedingungen – z. B. die nach Fertigstellung der Prognose getroffenen Beschlüsse des
Koalitionsausschusses zur Höhe des CO2-Aufschlages auf die Lkw-Maut –
werden selbstverständlich in der nächsten Prognose berücksichtigt. Hier zeigt
sich der Mehrwert des neuen Prognosebausteines, da jährliche Prognosen unter
Berücksichtigung aktualisierter Erkenntnisse und Daten ermöglicht werden.
15. Wie ist die Prognose des BMDV bezüglich der Elektrifizierung der Pkw-
und Lkw-Flotten (bitte tabellarisch nach Jahren, Pkw, Lkw und
Antriebsart darstellen)?
16. Wie ist die Prognose des BMDV hinsichtlich des Ausbaus der Lade- und
Tankstelleninfrastruktur in Bezug auf Elektromobilität und alternative
Antriebe bei Pkw und Lkw?
Die Fragen 15 und 16 werden aufgrund des Sachzusammenhanges gemeinsam
beantwortet.
Die Ergebnisse der Gleitenden Langfrist-Verkehrsprognose hinsichtlich der
Klimawirkungen des Verkehrs sowie für deren Berechnung erforderliche
Bestandsentwicklungen werden nach Abschluss der diesbezüglich noch laufenden
Bearbeitung veröffentlicht.
Mit dem Zielrahmen der neuen europäischen Verordnung über den Aufbau der
Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) werden verbindliche Ziele für
den Aus- und Aufbau der Lade- und Tankinfrastruktur für Pkw und Lkw in
Europa festgeschrieben. Die Bundesregierung hat sich bei der Ausgestaltung
der AFIR für ambitionierte Ziele und Technologieoffenheit eingesetzt.
17. Welche Maßnahmen leitet das BMDV aus der Prognose ab, um die
Rahmenbedingungen für die Erreichung der Klimaschutzziele im
Verkehrssektor zu verbessern?
18. Inwiefern teilt das BMDV die Sorge von Industrie und Verbänden, dass
aus der Prognose die Erkenntnis folgt, die Klimaschutzziele im
Verkehrssektor seien nicht erreichbar, und wie beabsichtigt das BMDV,
entsprechend gegenzusteuern oder darauf zu reagieren?
Die Fragen 17 und 18 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Erreichung der Klimaziele bis zum Jahr 2030 wird unter anderem durch
das Klimaschutzgesetz sowie durch die Maßnahmen des sich derzeit in der
Abstimmung befindlichen Klimaschutzprogramms sichergestellt.
19. Welchen Stellenwert hat für das BMDV der Verkehrsträger Schiene im
Vergleich zum Verkehrsträger Straße, und bedarf es ggf. einer
besonderen Förderung eines einzelnen Verkehrsträgers?
Alle Verkehrsträger – die Straße, die Schiene und auch die Wasserstraße, die
Luftfahrt und die Rohrfernleitungen – sind wichtig für das Funktionieren des
Gesamtsystems Verkehr. Jeder Verkehrsträger hat systemspezifische Vorteile
und Nachteile. Es gilt, das bestmögliche Zusammenspiel aller Verkehrsträger
für die Bedürfnisse der Wirtschaft und der Gesellschaft anzustreben.
Die Förderung einzelner Verkehrsträger orientiert sich unter anderem an den
verkehrspolitischen Zielen der Bundesregierung.
20. Wird es nach Meinung der Bundesregierung durch die Sanierung der
Hochleistungskorridore der Deutschen Bahn bis 2030 absehbare
Kapazitätssteigerungen geben, wenn ja, warum unterstellt die Prognose des
BMDV bis 2051 keinen weiteren Ausbau der Trassenkapazität für den
Schienengüterverkehr, und wenn nein, warum nicht?
Das BMDV hat im Rahmen des Klimaschutzpakets Investitionen in
Maßnahmen zur Engpassbeseitigung und Umsetzung des Deutschland-Taktes als ein
Programm zur schnellen Kapazitätserweiterung aufgelegt. Hierfür stehen bis
2030 insgesamt 1,2 Mrd. Euro zur Verfügung. Die vorgesehenen
kapazitätssteigernden Infrastrukturmaßnahmen werden dabei auch im Rahmen der Sanierung
der Hochleistungskorridore umgesetzt. Diese sind dann, soweit bekannt, als
Infrastrukturmaßnahme in der Prognose berücksichtigt. Bezüglich der in der
Gleitenden Langfrist-Verkehrsprognose unterstellten Trassenkapazität wird auf
die Antwort zu Frage 5 verwiesen.
21. Welche sind die systemspezifischen Vorteile und Nachteile der einzelnen
Verkehrsträger aus Sicht des BMDV?
22. Was meint das BMDV konkret mit der Aussage im Verkehrsausschuss
des Deutschen Bundestages, es gelte „das bestmögliche
Zusammenspiel aller Verkehrsträger anzustreben“ (vgl. Ausschussdrucksache
20(15)152)?
Die Fragen 21 und 22 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die systemspezifischen Vor- und Nachteile der einzelnen Verkehrsträger sind in
Abhängigkeit vom jeweiligen konkreten Beförderungsvorgang zu betrachten.
Die Bewertung kann in jedem Einzelfall hinsichtlich z. B. Flexibilität, Kosten,
Beförderungszeit und Umweltwirkung unterschiedlich ausfallen. Eine
pauschale Einordnung ist daher nicht möglich.
Die Verkehrsmittel/Verkehrsträger sollten so eingesetzt werden, dass die
erforderlichen Ortsveränderungen von Personen, Gütern und Nachrichten sowohl
den individuellen Bedürfnissen und Anforderungen als auch den
Gesamtbelangen von Gesellschaft, Wirtschaft und Klimaschutz entsprechend realisiert
werden.
Ziel ist es unter anderem, durch die Förderung multimodaler Verkehre die
jeweiligen Stärken der Verkehrsträger zu nutzen.
23. Was versteht das BMDV unter einem „leistungsfähigen und
klimaneutralen Verkehrsträger Straße“ (vgl.
www.verkehrsrundschau.de/nachrichten/
transport-logistik/bmdvverkehrsprognose-bis-2051-traegt-der-lkw-die-ha
uptlast-des-gueterverkehrs-3333501)?
Der Verkehrsträger Straße muss als Gesamtsystem bestehend aus den
Systemteilbereichen Infrastruktur, Fahrzeug sowie Betriebs- und
Verkehrsablaufmanagement so beschaffen sein, dass er den Mobilitätsbedürfnissen von
Gesellschaft und Wirtschaft vollumfänglich dient. Dies schließt neben der
Verkehrsnachfrage unter anderem auch die Bedürfnisse nach hoher Funktionalität,
Zuverlässigkeit und Verkehrssicherheit mit ein. Hierbei muss der Verkehrsträger
Straße als Gesamtsystem auch so flexibel sein, dass er im Zeitverlauf
veränderten Anforderungen entsprechend angepasst werden kann.
Ein klimaneutraler Verkehrsträger Straße bedeutet, dass Nutzung/Betrieb dieses
Verkehrsmittels/Verkehrsträgers im Personen- und im Güterverkehr möglichst
keine THG-Emissionen verursacht.
24. Welche gesetzgeberischen und politischen Ziele verfolgt das BMDV
konkret, wenn es verlangt, dass der Verkehrsträger Straße den an ihn
gestellten Leistungsanforderungen gerecht und zu einem klimaneutralen
Verkehrsträger werden muss (vgl. Ausschussdrucksache 20(15)152)?
Es ist das Ziel, für die Zukunft eine leistungsstarke, den Mobilitätsbedürfnissen
von Wirtschaft und Bürgern entsprechende Infrastruktur unter
Berücksichtigung des Umwelt- und Klimaschutzes sicherzustellen. Das Bundes-
Klimaschutzgesetz bildet bezogen auf die Klimaschutzbelange den rechtlichen
Rahmen. Der Umstieg auf alternative Kraftstoffe und Antriebe im Straßenverkehr
ist dabei der entscheidende Baustein, um relativ schnell den Ausstoß von
Treibhausgasen zu reduzieren. Das BMDV schafft hierfür die infrastrukturellen
Rahmenbedingungen und unterstützt innovative Antriebe und Kraftstoffe mit einer
breiten Förderung für Pkw, Nutzfahrzeuge und Busse.
25. Wann plant das BMDV, die verkehrspolitischen Instrumente im Sinne
einer nachhaltigen und vernetzten Mobilität zu überprüfen?
Die Überprüfung der verkehrspolitischen Instrumente ist ein Dauerprozess. Mit
der erstmaligen gemeinsamen Berücksichtigung der Themenkomplexe
Infrastruktur und Mobilität in einem neuen, gemäß Koalitionsvertrag auf den Weg
zu bringenden Bundesverkehrswege- und Mobilitätsplan (BVMP) 2040 soll
eine stärker integrierte Perspektive eingenommen werden. Damit wird in
Zukunft der BVMP ein zentrales verkehrspolitisches Steuerungsinstrument des
Bundes, in dessen Rahmen u. a. auch eine grundlegende Überprüfung und
Weiterentwicklung der verkehrspolitischen Ziele, Kriterien, Prioritäten, Verfahren
und Maßnahmen des Bundes erfolgen kann. Gleichzeitig gilt es, die komplexen
Wirkungszusammenhänge zwischen diesen vielfältigen Aspekten zu
berücksichtigen.
26. Welchen konkreten Beitrag zur Überprüfung der verkehrspolitischen
Instrumente im Sinne einer nachhaltigen und vernetzten Mobilität kann die
„Gleitende Langfrist-Verkehrsprognose“ leisten?
Das BMDV beabsichtigt, die Gleitende Langfrist-Verkehrsprognose als festen
Bestandteil des BMDV-Bausteinsystems für Verkehrsprognosen zu etablieren.
Dabei ist vorgesehen, jedes Jahr eine Prognose für die nach jährlich aktuellem
Kenntnisstand wahrscheinlich „absehbare“ Entwicklung des Personen- und des
Güterverkehrs vorzunehmen. Diese Prognose der „absehbaren“ Entwicklung
unter Berücksichtigung der sich im Jahresverlauf gegebenenfalls geänderten
Rand- und Rahmenbedingungen/Prämissen wird das jährliche Werkzeug zur
Bestimmung, ob zu bestimmten Zeitpunkten in der Zukunft die gesteckten
Ziele erreicht werden.
Zusätzlich zu der jährlichen Prognose der „absehbaren“ Entwicklung sollen bis
zu drei weitere Prognosefälle pro Jahr erstellt werden. Bei diesen
Prognosefällen werden eine oder mehrere Rand- und Rahmenbedingungen/Prämissen mit
veränderter Ausgestaltung unterstellt. Mit diesen Prognoserechnungen
„alternativer Wege“ können die Auswirkungen der veränderten Rand- und
Rahmenbedingungen/Prämissen auf die Verkehrsentwicklung und damit letztendlich auch
auf den Erreichungsgrad verkehrlicher, energetischer und klimapolitischer Ziele
quantifiziert werden.
Die Prognoseergebnisse der einzelnen Prognosefälle der Gleitenden Langfrist-
Verkehrsprognose liefern jeweils ein mögliches Zukunftsbild, welches sich
unter den unterstellten Rand- und Rahmenbedingungen/Prämissen
voraussichtlich einstellen wird. Eine Prognose ist eine „Wenn-Dann-Aussage“. Die
Prognoseergebnisse sind Grundlage für die fachliche und politische Bewertung des
Zukunftsbildes.
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