Maßnahmen der Bundesregierung zur Förderung internationaler Studierender als Fachkräfte
der Fraktion der CDU/CSU
Vorbemerkung
Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften steigt in Deutschland, in der Europäischen Union und weltweit. Digitalisierung und Dekarbonisierung verändern die Stellenanforderungen und erfordern neue Qualifikationen, vor allem im MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik)-Bereich.
Gleichzeitig führt in Deutschland die demographische Entwicklung zu einer Schrumpfung des Arbeitskräftepotenzials. Die Bundesregierung geht von einem Fehlbedarf von rund 240 000 Fachkräften bis zum Jahr 2026 aus. In diesem Zusammenhang gewinnen nach Auffassung der Fragesteller internationale Studierende als Fachkräfte weiter an Bedeutung (www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/fachkraeftestrategie-2133284).
Deutschland bietet aus Sicht der Fragesteller gute Voraussetzungen für die Gewinnung internationaler Studierender. Nach den USA, dem Vereinigten Königreich und Australien ist Deutschland das wichtigste Gastland internationaler Studierender. Seit dem Beginn des Jahrtausends ist die Zahl der internationalen Studierenden in Deutschland rasant gestiegen: von rund 126 000 im Wintersemester 2000/2001 auf rund 325 000 im Wintersemester 2020/2021 (doi.org/10.46685/DAADStudien.2022.05).
Über die Hälfte der internationalen Absolventinnen und Absolventen an deutschen Hochschulen erlangt einen Abschluss im MINT-Bereich, rund 40 Prozent allein in den Ingenieurwissenschaften (www.make-it-in-germany.com/de/internationale-studierende-in-deutschland-perspektiven-nach-dem-studium).
Voraussetzung für einen qualifizierten Übergang in den Arbeitsmarkt ist der Studienerfolg internationaler Studierender. Die Abbruchquote bei internationalen Studierenden im Bachelor- und Masterstudium (41 bis 49 Prozent und 28 bis 34 Prozent) fällt deutlich höher aus als bei deutschen Studierenden. Sie entspricht einer absoluten Zahl von jährlich über 25 000 Studienabbrüchen internationaler Studierender (doi.org/10.46685/DAADStudien.2022.01).
Auch zeigen Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dass zwei Drittel der internationalen Studierenden, die an deutschen Hochschulen studiert haben, zehn Jahre nach dem ersten Aufenthaltstitel in Deutschland nicht mehr im Land sind und es keinen Übergang in den deutschen Arbeitsmarkt oder in eine langfristige Aufenthaltsgenehmigung (mit Arbeitserlaubnis) gegeben hat (doi.org/10.1787/30fe16d2-en). Dabei gelten die guten beruflichen Perspektiven als einer der wichtigsten Gründe für die Wahl Deutschlands als Gastland (doi.org/10.46685/DAADStudien.2023.05).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen30
Wie bewertet die Bundesregierung das Potenzial internationaler Studierender als Fachkräfte in Deutschland?
Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um die Gewinnung internationaler Studierender zu stärken? Welche messbaren Erfolge konnte die Bundesregierung hierbei seit Dezember 2021 erreichen?
Sieht die Bundesregierung Bedarf beim Ausbau von internationalem Hochschul- und Forschungsmarketing im Ausland, wenn ja, welchen Bedarf sieht die Bundesregierung, und welchen Beitrag leistet sie hierzu, und wenn nein, warum nicht?
Sieht die Bundesregierung ggf. einen Bedarf für digitale Self-Assessment- und Studienvorbereitungsangebote, um ausländischen Studieninteressierten die Aufnahme eines passenden Studiums in Deutschland zu erleichtern, wenn ja, was unternimmt die Bundesregierung hierzu, und wenn nicht, warum nicht?
Wie reagiert die Bundesregierung auf die hohe Nachfrage nach Deutschsprachkursen im Ausland?
Wie bewertet die Bundesregierung das aktuelle Sprachangebot der Goethe-Institute, sieht die Bundesregierung einen Bedarf zum Ausbau etwaiger Angebote, wenn ja, was folgt daraus, und wenn nein, warum nicht?
Ist aus Sicht der Bundesregierung der nahtlose Anschluss an erfolgreich bestandenen Sprachkursen durch entsprechende Visaverfahren gewährleistet, und wenn nein, warum nicht?
Unterstützt die Bundesregierung den Ausbau fachlicher Vorbereitungskurse im Ausland, um den Hochschulzugang in Deutschland zu erleichtern, und wenn ja, wie, und wenn nein, warum nicht?
Wie bewertet die Bundesregierung das Potenzial von digitalen Angeboten zur Vorbereitung und Bestätigung von Hochschulzugangsberechtigungen im Ausland, und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus ihrer Bewertung?
Wie lang ist nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell die durchschnittliche Bearbeitungszeit von Visaverfahren für internationale Studierende an deutschen Auslandsvertretungen?
Was unternimmt die Bundesregierung, um die Visaverfahren für internationale Studierenden zu beschleunigen?
Plant die Bundesregierung eine Senkung des Sperrkontenbetrags für internationale Studierende, wenn ja, welche Höhe des Sperrkontenbetrages hält die Bundesregierung für angemessen, und wenn nein, warum nicht?
Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Serviceorientierung bei der Abwicklung von Aufenthaltsgenehmigungen für internationale Studierende zu verbessern, und bis wann sollen welche konkret messbaren Ziele erreicht werden?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die für ausländische Studierende relevanten Stipendiensätze und die Zahl der Stipendienplätze in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?
Sieht die Bundesregierung ggf. die Notwendigkeit, die Gewinnung von hoch qualifizierten Nachwachstalenten durch eine Erhöhung der Zahl von Stipendienplätzen und durch die Erhöhung von Stipendiensätzen zu unterstützen, und wenn ja, welche Schlussfolgerung zieht die Bundesregierung hieraus, und wenn nein, warum nicht?
Wie haben sich die Etats der für die deutsche Sprachförderung im Ausland und für die Stipendienvergabe an ausländische Studierende wichtigen Institutionen Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD), Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und Goethe-Institut in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?
In welcher Höhe stehen Haushaltsmittel für die genannten Institutionen im Bundeshauhalt 2023 zur Verfügung (bitte um samt mittelfristiger Finanzplanung tabellarisch auflisten)?
Wie hoch sind die Haushaltsmittel im Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2024 samt mittelfristiger Finanzplanung für die genannten Institutionen etatisiert?
Wie bewertet die Bundesregierung die Hochschulprogramme Integra, Welcome und Profi für anerkannte Asylbewerber, und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus ihrer Bewertung?
Sieht die Bundesregierung ggf. zusätzlichen Handlungsbedarf, und wenn ja, welchen, und wenn nein, warum nicht?
Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung ggf. zur Verbesserung des Studienerfolgs internationaler Studierender?
Was sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Gründe für Studienabbrüche ausländischer Studierender in Deutschland, und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung hieraus?
Wie bewertet die Bundesregierung die Bedeutung von Betreuungs- und Unterstützungsangeboten, um die Studienerfolgschancen internationaler Studierender zu erhöhen, und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus ihrer Bewertung?
Wie unterstützt die Bundesregierung den Ausbau studienbegleitender Deutschkurse in Deutschland?
Sieht die Bundesregierung ggf. Bedarf für die Implementierung einer digitalen Plattform, die internationale Studierende von der Gewinnung und Orientierung über Vorbereitungsangebote und studienbegleitende Maßnahmen bis hin zum Studienabschluss und Übergang in den Arbeitsmarkt sowie Nachkontakt begleitet?
Wie bewertet die Bundesregierung die Rolle von International Career Centern an deutschen Hochschulen, um internationale Studierende bei Arbeitssuche, Bewerbung und Vorstellungsverfahren zu unterstützen, und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus ihrer Bewertung?
Plant die Bundesregierung ggf. Förderprogramme, um International Career Center an allen deutschen Hochschulen zu etablieren, und wenn ja, bis wann, und wenn nein, warum nicht?
Welche konkreten Pläne hat die Bundesregierung, um internationalen Studierenden den Übergang in den Arbeitsmarkt zu erleichtern (bitte die Zeitpläne etwaiger Arbeitsprozesse tabellarisch darlegen)?
Unterstützt die Bundesregierung die Zusatzqualifikation internationaler Akademiker in Deutschland, damit diese bildungsadäquat beschäftigt sind, und wenn ja, wie, und wenn nein, warum nicht?
Unterstützt die Bundesregierung internationale Hochschulabsolventen oder auch Studienabbrecher bei der Gründung von Start-ups, und wenn ja, wie, einschließlich aufenthaltsrechtlicher Fragen, und wenn nein, warum nicht?