Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ali Al-Dailami, Sevim Dağdelen, Andrej
Hunko, Żaklin Nastić und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 20/7656 –
Ausbildungsinitiativen der Bundeswehr
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die „EU Military Assistance Mission“ (EUMAM Ukraine) ist die bisher
größte Ausbildungsmission der EU. Mit dem Ziel, zunächst bis Ende 2024 rund
30 000 ukrainische Soldaten auszubilden (
www.bundeswehr.de/de/aktuelles/m
eldungen/ausbildung-ukrainischer-soldaten-fragen-antworten-5580500),
etabliert sich die EU weiter als Teil einer von der NATO geführten Allianz zur
militärischen Ertüchtigung der Ukraine. Durch die Lieferung militärischer
Ausrüstung, beginnend mit der Entsendung von 5 000 Gefechtshelmen, und
zunehmend schwererer Waffensysteme, wie zuletzt mehrere Kampfpanzer
vom Typ Leopard-2, in das ukrainische Kriegsgebiet unterstützte die
Bundesregierung von Beginn an eine Partei in einem Krieg, der mittlerweile mehrere
Hunderttausend Menschen das Leben gekostet hat. Mit der Entscheidung,
ukrainische Soldaten von deutschen Truppen ausbilden zu lassen, ist
Deutschland noch einen Schritt weiter gegangen und hat nach Auffassung der
Wissenschaftlichen Dienste (WD) des Deutschen Bundestages möglicherweise den
„gesicherten Bereich der Nichtkriegsführung verlassen“ (
www.bundestag.de/r
esource/blob/892384/d9b4c174ae0e0af275b8f42b143b2308/WD-2-019-22-pd
f-data.pdf).
Im Gegensatz zu vielen Ländern zumeist des Globalen Südens wie Ägypten,
Brasilien, China, Indien, Indonesien, Südafrika oder Uganda, die sich mit
diplomatischen Initiativen für eine friedliche Beilegung des Krieges stark
machen, haben Deutschland und dessen Verbündete aus Sicht der Fragestellenden
durch die Lieferung von schweren Waffen und der damit verbundenen
Ausbildung an diesen Systemen im Rahmen der EUMAM-Mission, jedoch auch
durch entsprechende Ausbildungsmissionen der NATO-Staaten USA und
Großbritannien, neben der russischen Regierung auch einen erheblichen
Anteil an der Fortführung des Krieges. Nach Ansicht der Fragestellenden hat die
Bundesregierung zudem den Auftrag, den Frieden für die in Deutschland
lebenden Menschen zu garantieren, was voraussetzt, Deutschland nicht zur
aktiven Kriegspartei zu machen.
Die Fragestellenden wollen daher zur Aufklärung darüber beitragen, in
welchem Maße die Bundesregierung durch die Ausbildung ukrainischer
Soldatinnen und Soldaten bereits in das Kriegsgeschehen involviert ist.
Deutscher Bundestag Drucksache 20/8118
20. Wahlperiode 25.08.2023
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung vom
24. August 2023 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung nimmt die in der Vorbemerkung der Fragesteller
vorgenommenen Bewertungen zur Kenntnis, macht sie sich aber nicht zu eigen.
Der durch die Fragestellung auf Ausbildungsfragen angewandte Begriff
„Drittländer“ wird in der Antwort auf alle Staaten angewandt, die weder der NATO
noch der EU angehören.
In den Tabellen werden zur besseren Lesbarkeit die dreistelligen Abkürzungen
für Staatennamen gemäß ISO-3166 verwendet.
Die Beantwortung der Fragen 1, 2, 4, 5, 10, 12, 15, 17 sowie 42 kann in offener
Form nicht erfolgen.
Die Einstufung als Verschlusssache mit dem Geheimhaltungsgrad „VS – Nur
für den Dienstgebrauch“ ist im vorliegenden Fall im Hinblick auf das
Staatswohl erforderlich. Nach § 2 Absatz 2 Nummer 4 der Allgemeinen
Verwaltungsvorschrift zum materiellen Geheimschutz (Verschlusssachenanweisung – VSA)
sind Informationen, deren Kenntnisnahme durch Unbefugte für die Interessen
der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder nachteilig sein kann,
entsprechend einzustufen.
Eine Veröffentlichung würde das Wohl und die Sicherheit sowohl ausländischer
als auch deutscher Streitkräfteeinrichtungen und -angehöriger und legitime
Sicherheitsinteressen anderer Staaten gefährden. Insbesondere ließen Angaben
der Ausbildungsorte, -umfänge und -inhalte Rückschlüsse auf konkrete
militärische Fähigkeiten der ukrainischen Streitkräfte zu. Darüber hinaus wäre bei
offener Beantwortung eine Störung künftiger Ausbildungstätigkeiten (z. B. durch
Spionage) zu besorgen.
1. Wie viele Angehörige der ukrainischen Streitkräfte wurden seit Beginn
der EUMAM-Mission in allen beteiligten Staaten ausgebildet, und wie
viele sollen insgesamt im Rahmen des zweijährigen Mandats ausgebildet
werden?
Bisher ist eine den ukrainischen Bedarfen folgende Ausbildung von bis zu
30 000 ukrainischen Soldatinnen und Soldaten beabsichtigt. Über eine etwaige
Anpassung dieser Zielsetzung entscheidet die EU auf Grundlage der durch die
Mitgliedstaaten bereitgestellten Ausbildungsangebote.
Für die Zahl der bereits ausgebildeten Soldatinnen und Soldaten wird auf die
Vorbemerkung der Bundesregierung und die als „VS – Nur für den
Dienstgebrauch“ eingestufte Anlage verwiesen.*
2. Wie viele Angehörige der ukrainischen Streitkräfte wurden seit Beginn
der EUMAM-Mission in Deutschland ausgebildet (bitte nach Anzahl und
Liegenschaft der Ausbildung aufschlüsseln)?
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung und die als „VS – Nur für den
Dienstgebrauch“ eingestufte Anlage wird verwiesen.*
* Das Bundesministerium der Verteidigung hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft. Die
Antwort ist im Parlamentssekretariat des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von Berechtigten eingesehen
werden.
3. Wie viele ukrainische Streitkräfte werden bis Ende 2023 insgesamt im
Rahmen von EUMAM in EU-Mitgliedstaaten ausgebildet (bitte nach
Land und Anzahl auszubildender Soldaten aufschlüsseln)?
Im Verantwortungsbereich des Multinationalen Special Training Commands
(MN ST-C) können nach derzeitiger Planung und vorbehaltlich der
ukrainischen Bedarfsforderung bis zu 10 000 ukrainische Soldatinnen und Soldaten
bis Ende 2023 ausgebildet werden. Die Planungen anderer EU-Mitgliedstaaten
liegen nicht im Verantwortungsbereich der Bundesregierung.
4. Welche Länder sind nach Kenntnis der Bundesregierung darüber hinaus
an EUMAM beteiligt, ohne auf eigenem Staatsgebiet ukrainische
Truppen auszubilden, und in welcher Funktion?
5. Wie viele Angehörige der ukrainischen Streitkräfte sollen insgesamt im
Rahmen des zweijährigen EUMAM-Mandats in Deutschland ausgebildet
werden (bitte nach Anzahl, an welchen Waffengattungen und
Liegenschaft der Ausbildung aufschlüsseln)?
Die Fragen 4 und 5 werden gemeinsam beantwortet.
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung und die als „VS – Nur für den
Dienstgebrauch“ eingestufte Anlage wird verwiesen.*
6. Wann, und welche Landesparlamente wurden bisher über die in ihren
Bundesländern stattfindende EUMAM-Ausbildungen informiert?
Es erfolgte keine direkte Information einzelner Landesparlamente durch die
Bundesregierung.
7. Wie viele Angehörige der ukrainischen Streitkräfte wurden seit Beginn
der EUMAM-Mission in anderen EU-Mitgliedstaaten ausgebildet (bitte
nach Anzahl und Land der Ausbildung aufschlüsseln)?
8. Wie viele Angehörige der ukrainischen Streitkräfte sollen insgesamt im
Rahmen des zweijährigen EUMAM-Mandats in anderen EU-
Mitgliedstaaten ausgebildet werden (bitte nach Anzahl und Land der Ausbildung
aufschlüsseln)?
Die Fragen 7 und 8 werden gemeinsam beantwortet.
Die Handlungen anderer Staaten liegen nicht im Verantwortungsbereich der
Bundesregierung.
* Das Bundesministerium der Verteidigung hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft. Die
Antwort ist im Parlamentssekretariat des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von Berechtigten eingesehen
werden.
9. Wie viele ukrainische Soldaten wurden im Rahmen der EUMAM-
Mission überwiegend oder ausschließlich in Tätigkeiten ohne direkten
Gefechtsbezug, wie etwa Reparatur von Fahrzeugen, Logistik etc.,
ausgebildet (bitte nach Anzahl und Liegenschaft der Ausbildung aufschlüsseln)?
Wurden im Rahmen der EUMAM-Mission auch Zivilisten in solchen
Tätigkeiten ausgebildet, wenn ja, wie viele (bitte nach Anzahl und
Liegenschaft der Ausbildung aufschlüsseln)?
Eine der Fragestellung entsprechende Aufteilung wird weder durch das EU-
Missionskommando (MPCC) auf Ebene der EU noch durch das MN ST-C als
Organ der EU-Mission vorgenommen. Insoweit liegen der Bundesregierung
keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung vor.
Im Rahmen EUMAM Ukraine werden nur Angehörige der ukrainischen
Streitkräfte ausgebildet.
10. Wie viele Sanitäter, Pioniere und Ausbilder der ukrainischen Streitkräfte
wurden bereits bzw. sollen insgesamt im Rahmen des zweijährigen EU-
MAM-Mandats ausgebildet werden (bitte nach Anzahl der ukrainischen
Sanitäter, Pioniere bzw. Ausbilder und ausbildendendem Land
aufschlüsseln)?
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung und die als „VS – Nur für den
Dienstgebrauch“ eingestufte Anlage wird verwiesen.*
11. Wurden bei der Ausbildung im Rahmen der EUMAM Mittel aus dem
„Sondervermögen Bundeswehr“ in Höhe von 100 Mrd. Euro verwendet,
wenn nein, aus welchen Haushaltsmitteln?
Bei der Ausbildung im Rahmen von EUMAM wurden keine Mittel aus dem
Sondervermögen der Bundeswehr verwendet. Die Ausbildungsmaßnahme wird
aus dem Einzelplan 14 finanziert.
12. Wie viele Angehörige der ukrainischen Streitkräfte wurden seit dem Jahr
2000 vor EUMAM in Deutschland ausgebildet (bitte nach Jahren
aufschlüsseln)?
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung und die als „VS – Nur für den
Dienstgebrauch“ eingestufte Anlage wird verwiesen.*
13. Worin genau lagen „die anfänglichen politischen Unstimmigkeiten
zwischen Polen und Deutschland über die Führung von EUMAM“ (
www.im
i-online.de/2023/02/21/trainings-hub-deutschland/)?
Welche Beweggründe waren ausschlaggebend für die Entscheidung, die
Mission in die beiden Kommandos Special Training Command (ST-C)
und Combined Arms Training Command (CAT-C) aufzuspalten?
Im Zuge der Einrichtung der Mission wurden verschiedene Optionen zur
Führungsstruktur diskutiert und im Abstimmungsprozess eine einvernehmliche
Lösung zwischen allen EU-Mitgliedstaaten erarbeitet. Der bisherige Erfolg der
Mission bestärkt die Entscheidung, aufgrund des hohen Ausbildungsaufkom-
* Das Bundesministerium der Verteidigung hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft. Die
Antwort ist im Parlamentssekretariat des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von Berechtigten eingesehen
werden.
mens sowohl in Polen als auch in Deutschland ein Hauptquartier zur Führung
auf operativer Ebene einzurichten.
14. Welche Beweggründe waren ausschlaggebend, das ST-C in Strausberg
und das CAT-C in Żagań einzurichten?
Die Einrichtung des Multinationalen Special Training Command (MN ST-C) in
Strausberg unter Rückgriff auf Infrastruktur und Personal des Kommandos
Heer stellt einen ressourcenschonenden Ansatz dar. Zu den Beweggründen der
polnischen Regierung zur Einrichtung des Combined Arms Training Command
(CAT-C) kann die Bundesregierung keine Aussagen treffen.
15. Wie verteilen sich die bereits ausgebildeten ukrainischen Soldaten sowie
die auf den Seiten der Bundeswehr angegebenen 30 000 insgesamt im
Rahmen der EUMAM-Mission auszubildenden Angehörigen der
ukrainischen Streitkräfte (
www.bundeswehr.de/de/einsaetze-bundeswehr/anerka
nnte-missionen/unterstuetzungsmission-eumam-ukraine) auf die beiden
Kommandos ST-C und CAT-C?
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung und die als „VS – Nur für den
Dienstgebrauch“ eingestufte Anlage wird verwiesen.*
16. Wie setzen sich die Kosten der EUMAM-Mission in Höhe von
106,7 Mio. Euro nach Posten wie Personal, Verwaltung, Ausbildung etc.
zusammen?
a) Wie verteilen sich diese Kosten auf die zwei Jahre der Missionsdauer
sowie jeweils auf die beiden Kommandos ST-C und CAT-C?
b) Gibt es über dieses Budget hinausgehende Kosten der Mission, wenn
ja, wie hoch sind diese?
Die Fragen 16 bis 16b werden gemeinsam beantwortet.
Bei den 106,7 Mio. Euro handelt es sich um den im Ratsbeschluss zur
Einrichtung von EUMAM - gemäß Artikel 46 des EU-Ratsbeschlusses zur Einrichtung
der Europäischen Friedensfazilität – festgelegten Referenzbetrag für die durch
die EU Mitgliedstaaten finanzierten gemeinsamen Kosten der Mission für den
Zeitraum von zwei Jahren ab Beginn der Mission. Der Ratsbeschluss zur
Einrichtung von EUMAM verteilt den Referenzbetrag weder auf die zwei Jahre
noch auf unterschiedliche Kosten oder Kommandos. Die gemeinsamen Kosten
der Mission haben den Referenzbetrag zu berücksichtigen.
Zur Deckung der Kosten für Finanzierung von Munition, Ausbildungsmittel,
Ausrüstung und Material, die im Rahmen der EUMAM-Ausbildung verbraucht
bzw. verwendet und den ukrainischen Streitkräften bei Ende der Ausbildung
mitgegeben werden, wurden darüber hinaus zwei komplementäre
Unterstützungsmaßnahmen im Rahmen der Europäischen Friedensfazilität mit einem
Referenzbetrag von 16 bzw. 45 Mio. Euro eingerichtet.
* Das Bundesministerium der Verteidigung hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft. Die
Antwort ist im Parlamentssekretariat des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von Berechtigten eingesehen
werden.
17. Welche Angehörigen weiterer europäischer oder Drittstaaten sind an der
Durchführung oder dem Management der Ausbildung ukrainischer
Soldaten im Rahmen des multinationalen ST-C beteiligt (bitte nach Ländern
und Anzahl der Personen sowie deren Tätigkeiten aufschlüsseln)?
18. Für welche über einen der Grundausbildung entsprechenden
Ausbildungsstand hinausgehende spezielle Tätigkeiten, wie beispielsweise,
jedoch nicht ausschließlich, ABC-Abwehr, Bedienung von
Waffensystemen wie Panzerhaubitze 2000, Leopard-2 etc. oder
Scharfschützentraining, werden ukrainische Soldaten im Rahmen des ST-C ausgebildet
(bitte nach spezieller Tätigkeit, Anzahl der ukrainischen Soldaten sowie
Ort der entsprechenden Ausbildung aufschlüsseln)?
Die Fragen 17 und 18 werden gemeinsam beantwortet.
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung und die als „VS – Nur für den
Dienstgebrauch“ eingestufte Anlage wird verwiesen.*
19. Umfasst die Ausbildung im Rahmen des ST-C auch die theoretische
kriegsrechtliche Unterrichtung in Fragen des humanitären Völkerrechts,
wenn ja, wie gestaltet sich diese?
Die Ausbildung der ukrainischen Soldaten und Soldatinnen durch MN ST-C in
Deutschland umfasst im Einklang mit den Vorgaben des MPCC EUMAM
Ukraine grundsätzlich eine theoretische Ausbildung in den Bereichen des
humanitären Völkerrechts, der Menschenrechte, des Schutzes der
Zivilbevölkerung und Kulturgutes und des Schutzes vor sexualisierter und
geschlechtsbezogener Gewalt in Konflikten. Die Ausbildung wird durch Angehörige der
Rechtspflege der Bundeswehr an den jeweiligen Ausbildungsorten
durchgeführt. Auch in die praktische Ausbildung werden, soweit möglich,
entsprechende Elemente integriert.
20. Wie definiert die Bundesregierung den Begriff der „Stationierung“ im
Artikel 5 Absatz 3 Satz 3 des Vertrags über die abschließende Regelung
in Bezug auf Deutschland vom 12. September 1990 (sogenannter
Zweiplus-Vier-Vertrag)?
21. Nach welchen Maßgaben, darunter
a) Anzahl der vor Ort befindlichen Angehörigen „ausländischer
Streitkräfte“,
b) deren vor Ort ausgeübte Tätigkeiten bzw. deren Dienstgrade oder
c) der Umfang der von ihnen genutzten Militärlogistik,
würde die Bundesregierung von einer „Stationierung“ im Sinne dieses
Artikels sprechen?
Die Fragen 20 bis 21c werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung nimmt keine abstrakte Vertragsauslegung ohne Bezug auf
einen konkreten Sachverhalt vor. Im Übrigen wird auf die Antwort der
Bundesregierung zu Frage 67 der Kleinen Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/4776
verwiesen.
* Das Bundesministerium der Verteidigung hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft. Die
Antwort ist im Parlamentssekretariat des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von Berechtigten eingesehen
werden.
22. Welche Rolle fällt dem Direktor des Militärischen Planungs- und
Durchführungsstabs der EU (Military Planning and Conduct Capability),
derzeit der französische Vizeadmiral Hervé Bléjean, in Brüssel zu (bitte
genauen Tätigkeitsbereich darstellen)?
Der Militärische Planungs- und Durchführungsstab stellt die militärstrategische
Ebene dar. Sein Aufgabenbereich umfasst u. a. die Ausarbeitung des
Missionsplans sowie die Kräftegenerierung. Zudem koordiniert er die
Ausbildungsvorhaben in den verschiedenen EU-Mitgliedstaaten. Der Direktor fungiert als
Befehlshaber der Mission.
23. Inwieweit sind Vertreter der Industrie in die Ausbildung ukrainischer
Soldaten in Deutschland sowie im Rahmen der EUMAM-Mission
insgesamt eingebunden (bitte nach Unternehmen, Anzahl der eingebundenen
Mitarbeiter sowie Liegenschaft aufschlüsseln)?
In welcher Höhe werden diese Industrievertreter für ihre
Dienstleistungen vergütet (bitte insgesamt angeben sowie nach Unternehmen sowie
jeweiligem Anteil Deutschlands an den Zahlungen aufschlüsseln)?
Ausbildungsvorhaben ukrainischer Streitkräfte durch Industrieunternehmen
beruhen auf vertraglichen Vereinbarungen zwischen der Ukraine und diesen
Unternehmen, sie liegen daher außerhalb des Verantwortungsbereichs der
Bundesregierung.
24. Wie viele ukrainische Soldaten wurden im Rahmen der EUMAM-
Mission in Deutschland sowie werden in der Mission insgesamt ausgebildet,
die den Rang des Junior Sergeant (Ukrainisch: Молодший сержант)
oder einen höheren aufweisen (bitte nach den jeweiligen Rängen sowie
der Verteilung auf die beiden Kommandos ST-C und CAT-C
aufschlüsseln)?
EUMAM Ukraine MPCC erfasst keine Quantifizierung nach Dienstgrad der
durch die Ukraine zur Ausbildung entsandten Soldaten.
25. Welche Rolle spielen die Universitäten der Bundeswehr in der
Ausbildung von Angehörigen der ukrainischen Streitkräfte, und wie viele
Angehörige wurden bereits bzw. sollen im Rahmen der zweijährigen
Mission insgesamt ausgebildet werden (bitte nach Standort der Universität
sowie Rängen der ausgebildeten Personen aufschlüsseln)?
Die Universitäten der Bundeswehr sind nicht in die Ausbildung ukrainischer
Streitkräfte eingebunden.
26. Wie viele Angehörige der ukrainischen Streitkräfte wurden bereits bzw.
sollen im Rahmen der zweijährigen EUMAM-Mission insgesamt an
weiteren Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr
ausgebildet werden (bitte nach Einrichtung und Anzahl der ukrainischen
Soldaten aufschlüsseln)?
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung und die als „VS – Nur für den
Dienstgebrauch“ eingestufte Anlage wird verwiesen.*
* Das Bundesministerium der Verteidigung hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft. Die
Antwort ist im Parlamentssekretariat des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von Berechtigten eingesehen
werden.
27. Wie verteilen sich die in Deutschland sowie insgesamt über die EU-
MAM-Mission ausgebildeten Angehörigen der ukrainischen Streitkräfte
auf die Teilstreitkräfte Heer, Marine und Luftwaffe sowie die zwei
selbstständigen Gattungen der Spezialkräfte Luftlande- und Luftsturm-
Truppen (Ukrainisch: Десантно-штурмові війська) und Kräfte
Spezialoperationen (Ukrainisch: Сили спеціальних операцій), und wie
verteilen sich die in Deutschland auszubildenden Angehörigen der genannten
fünf Gruppen auf die jeweiligen Liegenschaften der Bundeswehr?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse zur Zugehörigkeit zu
Teilstreitkräften und Truppengattungen der durch die Ukraine zur Ausbildung
entsandten Soldatinnen und Soldaten vor.
28. Welche Rolle fällt Spezialeinheiten der Bundeswehr in der Ausbildung
von Angehörigen der ukrainischen Streitkräfte im Rahmen der EU-
MAM-Mission zu, und wie viele Spezialeinheiten der Bundeswehr sind
dazu an welchen Liegenschaften im Einsatz (bitte nach Liegenschaften
aufschlüsseln und jeweils gesamt angeben sowie nach Angehörigen des
Kommandos Spezialkräfte, des Kommandos Spezialkräfte der Marine,
des Kommandos Hubschrauber, der Luftlandebrigade 1, der
Gebirgsjägerbrigade 23 sowie der 11. Luchtmobiele Brigade aufschlüsseln)?
Es wird auf die vertraulichen Unterrichtungen der Obleute des
Verteidigungsausschusses und des Auswärtigen Ausschusses zu den Aktivitäten der
Spezialkräfte der Bundeswehr verwiesen.
29. Welche politische Bedeutung misst die Bundesregierung der EUMAM-
Mission im Speziellen sowie der Ausbildung ukrainischer Soldaten im
Allgemeinen zu?
Mit der bisherigen sowie zukünftig geplanten Ausbildung ukrainischer
Soldatinnen und Soldaten im Rahmen der Mission leistet die Europäische Union
einen wesentlichen Beitrag, um die Ukraine bei der Verteidigung gegen den
völkerrechtswidrigen russischen Angriff und der Wiederherstellung ihrer
territorialen Souveränität zu unterstützen.
a) Welches Zwischenfazit zieht die Bundesregierung aus den ersten acht
Monaten der EUMAM-Mission auch, doch nicht ausschließlich, im
Hinblick auf die Auswirkungen der Mission auf die militärische
Situation in der Ukraine?
Über die Ausbildungsmission leistet die EU einen qualitativ wie quantitativ
signifikanten Beitrag zur internationalen Ausbildungsunterstützung für die
Ukraine. Durch die Verlagerung von Anteilen der Ausbildung der ukrainischen
Streitkräfte in sichere Partnerstaaten ist die bedarfsangepasste
Ausbildungsdurchführung unter äußeren Friedensbedingungen möglich. Damit trägt die
EUMAM-Mission im erheblichen Maße, jedoch nicht ausschließlich, zur
personellen Durchhaltefähigkeit der ukrainischen Streitkräfte auf dem
Gefechtsfeld bei.
b) Ist eine Evaluierung der Mission geplant, wenn ja, wann, und in
welcher Art und Weise, und sind daraus folgend entsprechende
Anpassungen der Mission geplant, wenn ja, welche?
Die Durchführung der EUMAM-Mission wird in Verantwortung der
durchführenden Kommandos ST-C und CAT-C fortlaufend evaluiert und auch
kontinuierlich an die ukrainischen Bedarfe anhand des dynamischen und nicht
vorhersehbaren Kriegsverlaufs angepasst. Im Mai 2023 erfolgte zudem die erste
Strategische Überprüfung der Mission, in der eine positive Bilanz der ersten sechs
Monate gezogen wurde.
30. Welche anderen Länder haben nach Kenntnis der Bundesregierung
außerhalb der EUMAM-Mission weitere Ausbildungsmissionen
ukrainischer Soldaten ins Leben gerufen (bitte nach ausbildendem Land, Land
und Ort der Ausbildung sowie Anzahl der ukrainischen Soldaten
aufschlüsseln)?
Es erfolgt eine enge Koordinierung der internationalen
Ausbildungsunterstützung für die Ukraine seitens der EUMAM Ukraine vor allem mit der seitens
der USA (im Rahmen der amerikanischen Security Assistance Group-Ukraine)
und des Vereinigten Königreichs (im Rahmen der britischen Operation
Interflex) durchgeführten Ausbildung. Darüber hinaus wurden und werden nach
Kenntnis der Bundesregierung Ausbildungen ukrainischer Soldatinnen und
Soldaten in folgenden Ländern in nationaler Verantwortung durchgeführt:
Frankreich, Italien, Spanien und Tschechien. Kenntnisse zu Orten, Umfängen und
Inhalten der Ausbildung liegen der Bundesregierung nicht vor.
31. Haben nach Kenntnis der Bundesregierung ukrainische Streitkräfte die
Ausbildung im Rahmen von EUMAM vorzeitig beendet, und gab es
darunter Desertierende, wenn ja, wie viele (bitte nach Liegenschaft und
Grund der Beendigung auflisten)?
Nach Kenntnis der Bundesregierung haben vier Angehörige ukrainischer
Streitkräfte die Ausbildung in Deutschland vorzeitig beendet (drei am
Ausbildungsort Lehnin und einer in Dornstadt). Der Bundesregierung liegen keine
Informationen zu den Gründen der vorzeitigen Beendigung vor.
32. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung davon, ob ukrainische
Soldatinnen und Soldaten auf US-Stützpunkten in Deutschland die
Ausbildungsmission vorzeitig beendet haben, und gab es darunter
Desertierende, wenn ja, wie viele (ggf. nach Liegenschaft und Grund auflisten)?
33. Verfügt die Bundesregierung mittlerweile über Erkenntnisse darüber,
warum zwei ukrainische Soldaten im Zuge ihrer Ausbildung in Deutschland
„nicht wie vorgesehen in ihr Heimatland zurückgekehrt“ sind (Antwort
des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Hitschler auf die Frage 37
des Abgeordneten Andrej Hunko auf Bundestagsdrucksache 20/111; dser
ver.bundestag.de/btp/20/20111.pdf), und über deren weiteren Verbleib in
Deutschland, wenn ja, welche?
Die Fragen 32 und 33 werden gemeinsam beantwortet.
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung vor.
34. Wie viele Angehörige der ukrainischen Streitkräfte wurden durch
Soldatinnen und Soldaten auf US-amerikanischen Militärbasen in Deutschland
ausgebildet?
Die Handlungen anderer Staaten liegen nicht im Verantwortungsbereich der
Bundesregierung.
35. Wie viele Angehörige der ukrainischen Streitkräfte werden nach
Kenntnis der Bundesregierung 2023 insgesamt sowie im gesamten Jahr 2024 in
Deutschland unter US-amerikanischer Verantwortung ausgebildet
werden (bitte nach Anzahl ukrainischer Soldaten sowie Liegenschaft
aufschlüsseln)?
36. An welchen Waffensystemen werden ukrainische Streitkräfte nach
Kenntnis der Bundesregierung in US-amerikanischer Verantwortung in
Deutschland ausgebildet (bitte nach Liegenschaft, Ausbildungsbeginn
und Waffensystem aufschlüsseln)?
Die Fragen 35 und 36 werden zusammen beantwortet.
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung vor.
37. Inwieweit sind Angehörige der Bundeswehr oder anderer deutscher
Behörden an Ausbildungen ukrainischer Soldaten durch die USA in
Deutschland beteiligt (bitte nach Liegenschaft sowie Anzahl und Rolle
der jeweiligen Personen aufschlüsseln)?
Ausbildungen ukrainischer Streitkräfte in Verantwortung der USA finden ohne
Beteiligung von Angehörigen der Bundeswehr oder anderer Bundesbehörden
statt.
38. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Regionen bzw.
Landesteile oder Frontabschnitte in der Ukraine, in denen ukrainische
Soldaten im Anschluss an ihre Ausbildung in Deutschland stationiert
wurden?
Die in Deutschland ausgebildeten ukrainischen Soldatinnen und Soldaten
werden ausschließlich nach Maßgabe der Führung der ukrainischen Streitkräfte
eingesetzt. Kenntnisse zu ihren Einsatzorten liegen der Bundesregierung nicht
vor.
39. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung darüber, wie viele der im
Anschluss an ihre Ausbildung in Deutschland sowie der EUMAM-
Mission insgesamt in der Ukraine stationierten Soldaten verletzt oder getötet
wurden?
Über die Verlustzahlen und -details von in Deutschland unter EUMAM-Mandat
ausgebildeten ukrainischen Soldatinnen und Soldaten liegen der
Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
40. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über eine Beteiligung von in
Deutschland ausgebildeten Angehörigen der ukrainischen Streitkräfte an
mutmaßlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen
oder Verletzungen des humanitären Völkerrechts bzw. Völkerstrafrechts?
Liegen der Bundesregierung Kenntnisse über entsprechende
Verdachtsfälle vor, wenn ja, welche, und welche Schlussfolgerungen zieht die
Bundesregierung daraus?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen zu mutmaßlichen Verbrechen
gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen oder Verletzungen des
humanitären Völkerrechts bzw. Völkerstrafrechts von in Deutschland unter EUMAM-
Mandat ausgebildeten ukrainischen Soldatinnen und Soldaten vor.
41. An welchen bisherigen militärischen Ausbildungsmissionen der EU hat
sich Deutschland in der Vergangenheit beteiligt (bitte nach Zeitraum der
EU-Ausbildungsmission, Zeitraum der deutschen Beteiligung [falls
abweichend], Land der auszubildenden Streitkräfte sowie Aufgabe
Deutschlands aufschlüsseln)?
Mil EU
Ausbildungsmission
Zeitraum
DEU Beteiligung
Land der
auszubildenden SK Aufgabe DEU
EUMAM UKR
2022 – laufend
2022 – laufend UKR Ausbildung anhand der Bedürfnisse UKR.
Ausbildung im Zshg mit gelieferten
Waffen-systemen.
Taktische und technische Ausbildung.
Spezialisierte Ausbildung (bspw. Erste-Hilfe,
Führungsausbildung, Minenräumung).
EUMPM NER
2023 – laufend/
derzeit ausgesetzt
2023 – laufend/
derzeit ausgesetzt
NER Projektorientierte Unterstützung des
Kapazitätsaufbaus der Streitkräfte Nigers.
EUTM Mali
2013 – laufend
2013 – 2023 MLI
NER
BFA
MRT
TCD (seit Juni 2022
nicht mehr Bestandteil
des DEU
Mandatsgebiets)
Ausbildung, Beratung und Begleitung ohne
Exekutivbefugnisse an gesicherten Orten
der malischen Streitkräfte, der
gemeinsamen Einsatztruppe der G5 Sahel Staaten
sowie der der nationalen Streitkräfte der
weiteren G5 Sahel Staaten.
JSOTF GAZELLE:
Ausstattung, taktische Ausbildung und
Evaluierung NER Spezialkräfte, Aufbau
Infrastruktur
Joint Special
Operations Task Force
GAZELLE (im
NER)
2021 – 2022
Anm: seit 2021
integriert in EUTM
MALI, vorher
bilateral DEU – NER
(seit 2017)
EUTM SOM
2010 – laufend
2010 – 2018 SOM Taktische Ausbildung und strategische
Beratung des militärischen Führungspersonals.
Beratung somalischer Führungsstäbe.
42. Wie viele Piloten ausländischer Streitkräfte wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung durch aktive oder ehemalige Angehörige der
Bundeswehr seit dem Jahr 2000 ausgebildet (bitte nach Ländern,
Ausbildungszeiträumen und Art des Luftfahrzeugs auflisten)?
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung und die „VS – Nur für den
Dienstgebrauch“ eingestufte Anlage wird verwiesen.*
Des Weiteren wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche
Frage 74 auf Bundestagsdrucksache 20/7431 verwiesen.
* Das Bundesministerium der Verteidigung hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft. Die
Antwort ist im Parlamentssekretariat des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von Berechtigten eingesehen
werden.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333