Situation der Trainer in Deutschland
der Fraktion der CDU/CSU
Vorbemerkung
Unerlässliche Voraussetzung für den Erfolg eines Sportlers ist das kompetente Engagement seines Trainers. Dies gilt vor allem im Hochleistungssport. Vor diesem Hintergrund bereiten übereinstimmende Berichte in den Medien, vor allem aber von den betroffenen Trainern und Athleten den Fragestellern große Sorgen. So äußerte der deutsche Cheftrainer Bob, René Spies, öffentlich die Befürchtung, dass der „Ausverkauf in seinem Berufszweig“ bevorstehe; nur eine bessere Bezahlung der besten deutschen Übungsleiter könne eine Abwerbung aus dem Ausland verhindern (Rheinische Post vom 14. Januar 2023, S. 14; www.faz.net/aktuell/sport/wintersport/bob-coach-rene-spies-fordert-hoehere-trainer-gehaelter-18590981.html). Das bekannteste Beispiel, das das Bestehen dieser Problematik belegt, ist nach Ansicht der Fragesteller der Fall des ehemaligen Weltklasserennrodlers Georg Hackl, der als erfolgreicher Trainer aus Deutschland nach Österreich wechselte und dies mit dem lukrativen Angebot begründete, das ihm unterbreitet worden sei (www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/georg-hackl-wechselt-als-rodel-trainer-nach-oesterreich-17968595.html).
Neben der finanziellen Situation sehen sich die Trainer weiteren Herausforderungen ausgesetzt. Ein Problemfeld stellt die Arbeitszeit der Trainer dar, die von den durch den Beschluss des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 angestoßenen Bestrebungen zur Neureglung der Arbeitszeiterfassung betroffen sind, die auch Sportvereine betrifft (www.vibss.de/vereinsmanagement/aktuelles/detail/auch-sportvereine-muessen-die-arbeitszeit-erfassen): Jeder dritte Trainer überschreitet Umfragen zufolge aktuell seine vorgeschriebene Arbeitszeit um 25 Prozent. Hinzu kämen Kettenarbeitsverträge, die nach bereits geltendem Recht unzulässig seien (www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/leistungssport-illegale-arbeitsbedingungen-fuer-bundestrainer-17136719.html).
Neben dem Leistungssport stellen auch die Vereine im Breitensport Schwierigkeiten im Trainerwesen fest. Hier fehlen häufig Trainer und Übungsleiter (www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/sportvereine-verzeichnen-ansturm-zu-wenig-trainer-100.html), was vor allem den Neustart nach der Pandemie in den Vereinen hemmt und mittelfristig zu vereiteln droht.
Die geschilderten Probleme erfordern nach Auffassung der Fragesteller eine dringende sportpolitische Behandlung.
Wir fragen daher die Bundesregierung:
Fragen21
Wie viele Fälle von Trainern im Leistungssport, die von Deutschland aus in das Ausland wechselten (bitte genau auflisten) oder es zu tun beabsichtigen, sind der Bundesregierung bekannt?
Welche Versuche hat die Bundesregierung unternommen, um zu eruieren, weshalb Trainer aus dem Leistungssport von Deutschland aus in das Ausland wechseln?
Welche Motive haben die Trainer nach dem Kenntnisstand der Bundesregierung zu einem Wechsel in das Ausland veranlasst?
Welche Überlegungen gibt es in der Bundesregierung, die Besoldungsmöglichkeiten von Trainern durch eine entsprechende Änderung der Förderrichtlinien Verbände vom 10. Oktober 2005 (in der aktuell geltenden Fassung) zu verbessern?
Welche Überlegungen stellt die Bundesregierung an, um die Tätigkeit eines Trainers unabhängig von der Vergütung attraktiver zu machen?
Wie bewertet die Bundesregierung in diesem Kontext die Konzeption des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) „Verbesserung der arbeitsvertraglichen Rahmenbedingungen für Trainer*innen“ aus dem Jahr 2019?
Welche Forderungen aus dem Papier hält die Bundesregierung für umsetzungswürdig und umsetzungsfähig, und bei welchen ist das nicht der Fall (bitte begründen)?
Welche Informationen liegen der Bundesregierung über die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Bundestrainern vor?
In welchem Austausch steht die Bundesregierung zu diesem Thema mit den betroffenen Trainern und Verbänden?
Auf welche Art und Weise hat die Bundesregierung die spezifische Situation von hauptberuflichen Trainern bei der Erstellung des Referentenentwurfs zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes (www.gleisslutz.com/sites/default/files/pdf_using_mpdf/23337_Referentenentwurf%2Bzur%2B%C3%84nderung%2Bdes%2BArbeitszeitgesetzes.pdfenentwurf+zur+%C3%84nderung+des+Arbeitszeitgesetzes.pdf) berücksichtigt?
Welche Auswirkungen hat nach Kenntnis der Bundesregierung die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 (Aktenzeichen BAG – 1 ABR 22/21) zur Erfassung von Arbeitszeiten bereits aktuell für Trainer?
Liegen der Bundesregierung Informationen über einen Mangel an Trainern und Übungsleitern im Breitensport vor, und wenn ja, welche?
Wie beurteilt die Bundesregierung den Umstand, dass nach Ansicht der Fragesteller zahlreiche Trainer planen, ihren Beruf zugunsten einer Beschäftigung im Schuldienst zu verlassen?
Weist das Programm „ReStart – Sport bewegt Deutschland“ der Bundesregierung konkrete Maßnahmen auf, um eine angemessene Ausstattung der Vereine mit Trainern und Übungsleitern sicherzustellen, und wenn ja, welche?
Hat die Bundesregierung bereits zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um Trainer und Übungsleiter für den Breitensport zu gewinnen, und wenn ja, welche?
Wie bewertet die Bundesregierung das Modell des Deutschen Skiverbandes für ein duales Studium zur Gewinnung von Trainern gemeinsam mit der Fachhochschule Ismaning (www.wegweiser-duales-studium.de/suche/sport-ismaning/)?
Plant die Bundesregierung zukünftig Maßnahmen, um zusätzliche Trainer und Übungsleiter für den Breitensport zu gewinnen, und wenn ja, welche?
Plant die Bundesregierung Maßnahmen, um zusätzliche Trainer und Übungsleiter für den Bereich des Behindertensports zu gewinnen, und wenn ja, welche?
Inwiefern ist das Thema Inklusion inhaltlich und strukturell in der Trainerausbildung verankert?
In welchen Formaten pflegt die Bundesregierung konkret einen Austausch mit Ländern, Kommunen und Vereinen, um die Situation von Trainern im Leistungs- wie im Breitensport zu verbessern?
Zu welchen konkreten Ergebnissen führte der Austausch bisher?