Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Thomas Lutze, Sören Pellmann,
Dr. André Hahn, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 20/8084 –
Entwicklung des Kennzeichnungs- und Informationssystems „Reisen für Alle“
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
In der öffentlichen und damit auch in der touristischen Infrastruktur gibt es
viele, vor allem bauliche Barrieren, die dazu führen, dass Menschen mit
Beeinträchtigungen diese Infrastruktur nur zum Teil bzw. überhaupt nicht nutzen
können. Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-
BRK) durch die Bundesrepublik Deutschland, die seit dem 26. März 2009
innerstaatliches Recht ist, haben sich Bund, Länder und Kommunen
verpflichtet, zu gewährleisten, dass Menschen mit Behinderungen umfassend am Leben
in der Gesellschaft teilnehmen können. Dazu gehört auch die Teilhabe am
kulturellen Leben sowie an Erholung, Freizeit und Sport. Die dafür relevanten
Artikel in der UN-BRK sind insbesondere die Artikel 8, 9, 30 und 31.
Im dritten Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von
Menschen mit Beeinträchtigungen aus dem Jahr 2021 wird deutlich, dass
Menschen mit Beeinträchtigungen erheblich weniger am Tourismus teilhaben
als Menschen ohne Beeinträchtigungen (vgl. Teilhabebericht, S. 611 ff.). Zu
den Ursachen gehören zu wenige miteinander verknüpfte barrierefreie
Angebote von der Anreise bis zu den Angeboten vor Ort sowie fehlende
verlässliche Informationen darüber. Dabei ist davon auszugehen, dass es viel mehr
barrierefreie Angebote gibt als über das Kennzeichnungs- und
Informationssystem „Reisen für Alle“ erfasst sind (Teilhabebericht, S. 639).
Ein erster wesentlicher Schritt hin zu einer barrierefreien Infrastruktur sind
flächendeckend verlässliche und detaillierte Informationen über den Stand der
Barrierefreiheit bzw. bestehende Barrieren. Diese Informationen liegen derzeit
nur bruchstückhaft vor und sind schwer zu erlangen. Dabei sind sie eine
Voraussetzung, damit Menschen mit durchaus sehr unterschiedlichen
Beeinträchtigungen und Bedarfen selbst entscheiden können, was für sie geeignet, nur
eingeschränkt oder gar nicht nutzbar ist. Insofern muss aus Sicht der
Fragestellerinnen und Fragesteller die Zurverfügungstellung der Informationen
verpflichtend für alle Eigentümer tourismusrelevanter Objekte im Sinne
„angemessener Vorkehrungen“ nach der UN-BRK werden. Diese Informationen
sind aber auch eine wichtige Informationsquelle für Bund, Länder und
Kommunen sowie die Tourismuswirtschaft selbst, zum Beispiel für gezielte
Maßnahmen und Förderungen zur Schaffung von Barrierefreiheit in der
touristischen Infrastruktur.
Deutscher Bundestag Drucksache 20/8352
20. Wahlperiode 14.09.2023
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz
vom 13. September 2023 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deshalb war nach Ansicht der Fragestellerinnen und Fragesteller ein wichtiger
Meilenstein der Start des Projektes „Reisen für Alle“ (RfA) durch Bund und
Länder, die Tourismuswirtschaft und deren Verbände sowie die
Behindertenorganisationen im Jahr 2011. Die mit der vom Bundesministerium für
Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) beauftragte Trägerorganisation war bzw. ist
das Deutsche Seminar für Tourismus (DSFT). Projektpartner war als Vertreter
der Menschen mit Behinderungen bis zu seiner Auflösung im Jahr 2019 der
Verein Tourismus für Alle Deutschland e. V. (NatKo). Alle weiteren wichtigen
Partner waren über den RfA-Projektbeirat eingebunden. Eine Zwischenbilanz
wurde auf der Fachtagung „Reisen für Alle“ am 12. Juli 2018 im Haus des
BMWK gezogen. Dabei kritisierte der Vertreter der NatKo André Nowak die
viel zu geringe Zahl der bisher über RfA zertifizierten tourismusrelevanten
Objekte und forderte umfassende Änderungen beim Projekt RfA mit dem Ziel,
künftig flächendeckend in der gesamten touristischen bzw. öffentlichen
Infrastruktur Informationen zum Status der Barrierefreiheit zur Verfügung zu
stellen.
In der Sitzung des Tourismusausschusses am 26. April 2023 stand ein Bericht
des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz zur Zertifizierung
barrierefreier Reiseangebote auf der Tagesordnung. Dem Bericht angefügt war
ein Eckpunktepapier Neukonzeption „Reisen für Alle“ der Unterarbeitsgruppe
des Bund-Länder-Ausschusses mit Stand 15. März 2023. Auch nach der
Diskussion im Ausschuss blieben nach Auffassung der Fragestellerinnen und
Fragesteller viele Fragen offen.
Anlass war die Kritik des Bundesministers für Wirtschaft und Klimaschutz
Dr. Robert Habeck in seinem Brief an den Deutschen Behindertenrat (DBR)
vom 23. Dezember 2022 sowie in der Antwort des Staatssekretärs Sven
Giegold auf die Schriftliche Frage 26 des Abgeordneten Dr. André Hahn
(DIE LINKE.) auf Bundestagsdrucksache 20/4852, dass von den rund 650 000
tourismusrelevanten Objekten lediglich 2 566 durch das Informations- und
Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“ (RfA) erfasst seien. Damit würde
das Ziel des Projektes eines flächendeckenden Informationssystems in keiner
Weise erreicht.
Dieser Auffassung stimmte die Vorsitzende des DBR-Sprecherinnen- bzw.
DBR-Sprecherrates, Dr. Sigrid Arnade, in ihrem Antwortbrief vom 2. März
2023 sowie im Gespräch mit dem Koordinator der Bundesregierung für
Tourismus, Abgeordneter Dieter Janecek, am 31. März 2023 ausdrücklich zu
(
www.deutscher-behindertenrat.de/). Dabei betonte sie, dass RfA dringend
einer grundlegenden Neuausrichtung bedarf, damit flächendeckend detaillierte
und verlässliche Informationen zum Stand der Barrierefreiheit in touristischen
Objekten zur Verfügung stehen.
Im Ausschuss wie auch in allen anderen Gesprächsrunden blieb aus Sicht der
Fragestellerinnen und Fragesteller die Frage unbeantwortet, was denn
„flächendeckend“ heißt, obwohl die Beantwortung dieser Frage von zentraler
Bedeutung für die Neuausrichtung von RfA ist. Im Raum steht bisher lediglich
die Position, Ziel sei (schrittweise) – alle – tourismusrelevanten Objekte mit
RfA zu erfassen, weil dies die Voraussetzung dafür ist, auch Menschen mit
Behinderungen die umfassende Teilhabe am Tourismus im Sinne von
Artikel 30 der UN-Behindertenrechtskonvention zu ermöglichen.
Dringenden Klärungsbedarf gibt es nach Ansicht der Fragestellerinnen und
Fragesteller anscheinend auch zu der Frage, auf welchem Weg man zu einem
„RfA“ kommt, dass flächendeckend die tourismusrelevanten Objekte erfasst.
Während BMWK und Bund-Länder-Ausschuss anscheinend meinen, dass
man durch eine Vereinfachung bzw. Verschlankung des Systems zu einer
flächendeckenden Erhebung der Daten in den tourismusrelevanten Objekten
kommt, meint der DBR, dass die Ziele von RfA nur erreicht werden können,
wenn die Information über den Status der Barrierefreiheit für alle
tourismusrelevanten Objekte zur gesetzlichen Pflicht wird. Die Beantwortung dieser
Frage ist eine zentrale Weichenstellung bei der Fortentwicklung von RfA und
macht dann in der Folge politische bzw. gesetzgeberische Entscheidungen
erforderlich.
Unscharf ist nach Auffassung der Fragestellerinnen und Fragesteller auch der
Begriff „tourismusrelevante Objekte“, zumal es sehr unterschiedliche
Tourismusbereiche gibt. Dazu gehören neben der klassischen Erholungsreise auch
der Tagestourismus, Geschäftstourismus, Gesundheitstourismus,
Sporttourismus, die Schülerfahrten usw. Insofern nutzen Reisende neben öffentlichen
oder privaten Verkehrsmitteln, Hotels und anderen Unterkünften,
gastronomischen Einrichtungen, Sehenswürdigkeiten, Gedenkstätten, Kultur-, Freizeit-
und Sporteinrichtungen, Parkanlagen, Wanderwegen auch Handel und
Dienstleistungen, Gesundheitseinrichtungen, (im Notfall) Polizeiwachen,
Messegebäude, Tagungsgebäude, Kirchen usw.
Umso sinnvoller scheint aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller eine
Verknüpfung von Aktivitäten der Informationsgewinnung in der gesamten
öffentlichen Infrastruktur statt derzeitiger Parallelentwicklungen hinsichtlich
der Informationsgewinnung über den Status der Barrierefreiheit beim Projekt
„barrierefreie Arztpraxen“, digitaler Sportstätten- und Bäderatlas oder die
Erfassung der Barrierefreiheit aller Bundesgebäude.
Beachtenswert ist nach Ansicht der Fragestellerinnen und Fragesteller auch
der Beschluss der Wirtschaftsministerkonferenz am 21./22. Juni 2023 zum
Thema RfA. Inzwischen soll das BMWK ein Gutachten in Auftrag gegeben
haben. Anfang Juni 2023 haben die Cassini Consulting AG sowie die Prognos
AG im Auftrag des BMWK ein Organisationsprojekt zur strategisch-
operativen Neuausrichtung des Förderprogramms „Reisen für Alle“ gestartet. Über
die Inhalte des Gutachtens sowie des Organisationsprojektes erhielt der
Tourismusausschuss bisher keine Informationen, eine erste
Informationsveranstaltung ist inzwischen für den 19. September 2023 geplant.
1. Welche Beratungen fanden seit dem 1. Januar 2022 zum
Kennzeichnungs- und Informationssystem „Reisen für Alle“ statt, an denen das
BMWK federführend oder durch Teilnahme vertreten war (bitte Datum,
Art der Veranstaltung, einladende Institution, teilnehmenden
Personenkreis und inhaltliche Schwerpunkte nennen)?
Zu welchen dieser Beratungen waren Vertretungen von
Behindertenorganisationen eingeladen (bitte die jeweiligen Organisationen konkret
nennen)?
Die Vertreterinnen und Vertreter des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Klimaschutz (BMWK) pflegen im Rahmen der Aufgabenwahrnehmung auf
allen Ebenen Kontakte mit einer Vielzahl von Akteuren. Eine Verpflichtung zur
Erfassung sämtlicher geführter Gespräche bzw. deren Ergebnisse –
einschließlich Telefonate – besteht nicht, und eine solche umfassende Dokumentation
wurde auch nicht durchgeführt. Zudem werden Gesprächsinhalte nicht
durchgängig protokolliert. Die nachfolgenden Angaben basieren auf den
vorliegenden Erkenntnissen sowie vorhandenen Unterlagen und Aufzeichnungen.
Diesbezügliche Daten sind somit möglicherweise nicht vollständig. Eine
vollständige und umfassende Aufstellung über alle Kontakte existiert insbesondere
unterhalb der Leitungsebene nicht und kann aufgrund fehlender Möglichkeit, diese
zu recherchieren, z. B. wegen Personalwechsels, auch nicht erstellt werden.
Beratungen werden in diesem Zusammenhang definiert als Treffen von mehr
als zwei Beteiligten. Daneben fanden zahlreiche bilaterale Gespräche auf Ebene
der Unterabteilungsleitung und Referatsebene mit dem Deutschen
Tourismusverband (DTV), der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) und dem
Deutschen Behindertenrat AG Tourismus zum Thema statt. Behindertenvertretungen
bzw. -organisationen waren bei den mit * markierten Treffen geladen.
Datum Art der
Veranstaltung
Einladende
Institution
Teilnehmender
Personenkreis
Inhaltliche Schwerpunkte
17. bzw.
18. Januar
2022
Sitzung des Bund-
Länder-
Ausschusses Tourismus
beim BMWK
BMWK BMWK-
Vertreterinnen bzw. -Vertreter,
Ländervertreter auf
Fachebene
Weiteres Vorgehen „Reisen für Alle“
27. Juni
2022
Sitzung des Bund-
Länder-
Ausschusses Tourismus
beim BMWK
BMWK BMWK-
Vertreterinnen bzw. -Vertreter,
Ländervertreter auf
Fachebene
Auslaufen der Bundeszuwendungen;
Austausch zu
Finanzierungsmöglichkeiten
15. August
2022
Telefonat BMWK-
Vertreterinnen bzw. -
Vertreter, Vorstand
DZT Reinhard
Werner,
Geschäftsführer (GF) DTV
Norbert Kunz, Stv.
GF DTV Dirk
Dunkelberg
Auslaufen der Bundeszuwendungen;
Möglichkeit einer Übernahme von
„Reisen für Alle“ durch neuen
Träger
4. Oktober
2022
Gespräch BMWK-
Vertreterinnen bzw. -
Vertreter, Vorstand DZT
Werner, GF DTV
Kunz
Auslaufen der Bundeszuwendungen;
Möglichkeit einer Übernahme durch
neuen Träger
17.
November
2022
Sitzung des Bund-
Länder-
Ausschusses Tourismus
beim BMWK
BMWK BMWK-
Vertreterinnen bzw. -Vertreter,
Ländervertreter auf
Fachebene
Auslaufen der Bundeszuwendungen,
Sicherstellung geordneter Übergang
29.
November
2022*
Gespräch Bundesminister
Dr. Robert
Habeck,
Behindertenbeauftragter der
Bundesregierung
Dusel
Zusage BM Habeck über letztmalige
Förderung in 2023, um das System
zu reformieren
30.
November
2022
Gespräch BMWK BMWK-
Vertreterinnen bzw. -
Vertreter, Mitglieder der
Bund-Länder AG
Tourismus, DSFT
GF Schrader, GF
DTV, Dunkelberg
Auslaufen der Bundeszuwendungen;
Sicherstellung geordneter Übergang
von „Reisen für Alle“
7.
Dezember 2022
Videokonferenz BMWK BMWK-
Vertreterinnen bzw. -Vertreter,
GF DSFT Schrader,
GF DTV
Dunkelberg
Auslaufen der Bundeszuwendungen;
Sicherstellung geordneter Übergang
von „Reisen für Alle“
25. Januar
2023
Sitzung des Bund-
Länder-
Ausschusses Tourismus
beim BMWK
BMWK BMWK-
Vertreterinnen bzw. -Vertreter,
Ländervertreter auf
Fachebene
Einsetzung einer Unterarbeitsgruppe
zur Erarbeitung von Eckpunkten
Datum Art der
Veranstaltung
Einladende
Institution
Teilnehmender
Personenkreis
Inhaltliche Schwerpunkte
23. Februar
2023*
Sitzung der
Länder-UAG
Vorsitz der
UAG (GF der
LMOs von
Rheinland-Pfalz
und Baden-
Württemberg)
Vertreter der
LMOs, BMWK-
Vertreterinnen bzw.
-Vertreter, Mitglied
AG Tourismus des
DBR Smikac
Erarbeitung von Eckpunkten für die
Reform
2. März
2023
Sitzung der
Länder-UAG
Vorsitz der
UAG (GF der
LMOs von RP
und BW)
Vertreter der
LMOs, BMWK-
Vertreterinnen bzw.
-Vertreter
Erarbeitung von Eckpunkten für die
Reform
15. März
2023*
Gespräch BMWK BMWK-
Vertreterinnen bzw. -Vertreter,
Sprecher DBR-AG
Tourismus Nowak
Reform von Reisen für Alle,
Forderung einer gesetzlichen
Informationspflicht über Barrierefreiheit
15. März
2023
Videokonferenz:
Sitzung der
Länder-UAG
Vorsitz der
UAG (GF der
LMOs von RP
und BW)
Vertreter der
LMOs, BMWK-
Vertreterinnen bzw.
-Vertreter
Abschluss der Eckpunkteerarbeitung
29. März
2023
Sitzung des Bund-
Länder-
Ausschusses Tourismus
beim BMWK
BMWK BMWK-
Vertreterinnen bzw. -Vertreter,
Ländervertreter auf
Fachebene
Beschluss der UAG-Eckpunkte
für die Reform
31. März
2023*
Gespräch BMWK KoorMT Janecek,
Vorsitzende des
Sprecherinnenrates
DBR Dr. Arnade;
Referentin für
Sozialpolitik SoVD
Fimmen; Referent
VdK Fischer;
Vorstand ABiD und
Sprecher DBR-AG
Tourismus Nowak
Reform von „Reisen für Alle“;
Forderung einer Pflicht zur
Information über Barrierefreiheit für
touristische Anbieter; Einbindung von
Betroffenenvertretungen
2. Mai
2023
Sitzung des Bund-
Länder-
Ausschusses Tourismus
beim BMWK
BMWK BMWK-
Vertreterinnen bzw. -Vertreter,
Ländervertreter auf
Fachebene
Beschluss über Beauftragung einer
Organisationsuntersuchung
2. Juni
2023*
Gespräch BMWK KoorMT,
Behindertenbeauftragter Herr
Dusel
Organisatorische Neuausrichtung,
Einbindung der
Betroffenenvertretungen
21. bzw.
22. Juni
2023
Wirtschaftsministerkonferenz auf
Schloss
Hohenkammern
Vorsitz der
Wirtschaftskonferenz Bayern
Staatssekretär
Nimmermann
BMWK,
Wirtschaftsminister der
Länder
Siehe Beschluss der
Wirtschaftsministerkonferenz vom 21./22. Juni
2023
2. Wie viele touristische Einrichtungen bzw. tourismusrelevante Objekte
gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland, wie viele
davon sind umfassend bzw. bedingt barrierefrei, wie viele nach dem
Kennzeichnungssystem RfA zertifiziert (bitte gesamt und unterteilt nach den
einzelnen Kategorien nennen)?
Im Rahmen der Evaluation des Zertifizierungssystems „Reisen für Alle“ der
dwif consulting GmbH aus dem Jahr 2018 wurde ein Gesamtmarktvolumen
von über 650 000 für den Tourismus relevanten Institutionen, Organisationen
und Betrieben in Deutschland ermittelt.
Die Anzahl nach Reisen für Alle zertifizierter Betriebe mit Stand vom 31.
August 2023 ist der nachfolgenden Aufstellung zu entnehmen. Eine Einordnung
der Zertifizierung nach einzelnen Kategorien liegt der Bundesregierung nicht
vor. Über die Barrierefreiheit dieser Einrichtungen liegen der Bundesregierung
keine konkreten Informationen vor.
„Reisen für Alle“ – Zertifizierte Betriebe/Angebote (Stand: 31. August 2023)
Stand 31. Dezember
2018
31. Dezember
2019
16. Dezember
2020
31. Dezember
2021
31. Dezember
2022
14. Februar
2023
Deutschland 2018 2019 2020 2021 2022** 2023***
Anzahl 1.394 1.807 2.199 2.376 2.556 2.798
** vorläufige Ergebnisse
*** vorläufiges Ergebnis Stand August 2023
Quelle: DSFT/Reisen für Alle
Von den 2.798 zertifizierten Betrieben/Angeboten sind entfallen auf
Anzahl
Barrierefreiheit geprüft 2.334
Informationsstufe 464
Anzahl der Betriebe, die mindestens für eine Personengruppe die Stufe
„Barrierefreiheit geprüft- barrierefrei für ...“ (Stufe 2) erreichen, stellt sich wie folgt
dar
Personengruppen Anzahl
G2 887
R2 318
H2 126
L2 114
S2 99
B2 96
K 145
Summe 1785
Legende:
G Menschen mit Gehbehinderung
R Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer
H Menschen mit Hörbehinderung
L Gehörlose Menschen
S Menschen mit Sehbehinderung
B Blinde Menschen
K Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen
3. Wann und in welcher Weise hat das BMWK erstmalig gegenüber den am
Projekt RfA beteiligten Institutionen angesprochen, dass die Anzahl der
bisher zertifizierten touristischen Objekte im Verhältnis zur Gesamtzahl
viel zu gering ist und es ein Akzeptanzproblem gibt?
In einer Evaluierung des Businesskonzepts „Reisen für Alle“ der Firma dwif
Consulting vom 27. September 2018 wird festgestellt, dass die
Marktdurchdringung und die Bekanntheit des Zertifizierungssystems noch deutlich zu gering
sind. Die Inhalte und Vorgehensweise der Evaluierung wurden vorab in der
Projektbeiratssitzung am 5. Juli 2018 unter TOP 6 vorgestellt. Das BMWK hat
die Feststellungen der Evaluierung seither regelmäßig in verschiedener Form
und in verschiedenen Kontexten kommuniziert. Die Erhöhung der Anzahl
zertifizierter Objekte, der Lizenznehmenden durch Steigerung der Bekanntheit und
bessere Vermarktung des Systems war vor diesem Hintergrund in der
Förderperiode 2018 bis 2022 ein zentrales Ziel der Projektförderung.
4. Wann erfolgte durch das BMWK bzw. auf Veranlassung des
Bundesministeriums eine Evaluierung des Projektes, und was war im Kern das
Ergebnis der Evaluierung?
Die Firma dwif Consulting hat am 27. September 2018 ihre Evaluierung des
Businesskonzepts „Reisen für Alle“ vorgelegt. Ergebnis ist im Wesentlichen die
Feststellung, dass die Marktdurchdringung deutlich ausbaufähig ist. Auch wird
in der Evaluation festgestellt, dass die Bekanntheit des Systems zu gering ist
und sein Nutzen nicht ausreichend vermittelt wird. Die Komplexität des
Systems wird als abschreckend beurteilt. Der hohe Detailgrad führe dazu, dass
selbst gut informierte Nachfragende nicht wüssten, welche Kriterien mit der
Kennzeichnung verbunden seien. Der Akquisitionsprozess scheitere immer
wieder an den umfangreichen preislichen und vertraglichen Vorgaben.
Basierend auf diesen Feststellungen wird als Verbesserungspotenzial die Steigerung
der Bekanntheit des Systems, die Verbesserung der Vermarktung, die Senkung
der Komplexität, eine Modifizierung der Kriterien, eine Erhöhung der
Transparenz, ein Ausbau von Informationen und die Sicherstellung von Finanzierung
und Förderung identifiziert.
5. Hat das BMWK vom Projektträger Deutsches Seminar für Tourismus
(DSFT) nach der vorerst letzten Sitzung des Projektbeirates am 7.
Oktober 2021 angesichts der sich abzeichnenden Krisensituation vom DSFT
eine weitere Sitzung des Beirates gefordert, und wenn nein, warum
nicht?
Nein, denn es ist nicht Aufgabe des Projektbeirates, einen neuen Träger für
„Reisen für Alle“ zu gewinnen.
6. Wie setzt sich die von Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck
genannte Zahl von 650 000 tourismusrelevanten Objekten zusammen (bitte
die jeweiligen Kategorien und die dazugehörenden gerundeten Zahlen
nennen)?
Die Kategorien von für das Gesamtmarktvolumen relevanten Objekten werden
in der Evaluation der Firma dwif consulting GmbH wie folgt eingeteilt:
– Gastronomie
– Beherbergung
– Unterhaltung und Kultur
– Burgen und Schlösser
– Denkmäler und Gedenkstätten
– Gärten und Parks
– Kirchen, Klöster und Moscheen
– Museen, Galerien, Ausstellungen
– Tagungs- und Veranstaltungsstätten
– Theater und Opernhäuser
– Zoos und Aquarien
– Kinos
– Freizeit und Sport
– Bäder, Thermen, Wellnessanlagen
– Freizeitparks
– Naturparks und Naturerlebnisangebote
– Radwege und -touren
– Spielplätze
– Sportstätten und -angebote
– See- und Strandbäder
– Wanderwege und -touren, Erlebnispfade
– Shopping
– Verkehr
– Bahnhöfe und Haltestellen
– Bergbahnen
– Flughäfen
– Flugzeuge
– Marinas
– Busunternehmen
– Schiffe und Fähren
– Autovermietung
– Taxis
– Tourist-Informationen und Reisebüros
Da die Evaluation keine Angaben zur jeweiligen Anzahl der Einrichtungen in
den einzelnen Kategorien enthält, sind diese anhand von Daten aus dem
statistischen Unternehmensregister des Statistischen Bundesamtes (Berichtsjahr 2021)
nachfolgend dargestellt. Hierbei ist zu beachten, dass nicht alle Kategorien in
den amtlichen Statistiken erfasst werden. Daher liegen der Bundesregierung
keine Angaben zur Anzahl an Kirchen, Klöstern, Moscheen, Denkmälern,
Gedenkstätten, Radwegen/-Touren, Wanderwegen, Erlebnispfaden, Spielplätzen,
einzelnen Filialen oder Marinas vor. Zudem ist die Gesamtzahl vor dem
Hintergrund der Annahmen der angewandten Berechnungsmethodik einzuordnen. Die
„Methodischen Grundlagen, Definitionen und Qualität des statistischen
Unternehmensregisters“ unter
www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/
Unternehmen/Unternehmensregister/Methoden/methodische-grundlagen.html
sind zu beachten, um die Einschränkungen bei der Ermittlung
tourismusrelevanter Einrichtungen zu verdeutlichen. Insbesondere bleibt zum Beispiel auch
der graue Beherbergungsmarkt unberücksichtigt.
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7. Welche Arten von Objekten sind nicht Bestandteil der in Frage 6
genannten tourismusrelevanten Objekte, gehören aber trotzdem nach
Auffassung der Bundesregierung zur „gesamten touristischen Servicekette“?
Die Bundesregierung verfügt hierzu über keine gesonderten Erkenntnisse.
8. Teilt die Bundesregierung die Auffassung des DBR, dass letztendlich das
Ziel sein muss, alle tourismusrelevanten Objekte in RfA einzubeziehen,
und wenn nein, warum nicht (bitte auch mit Blick auf die sich aus der
UN-BRK ergebenden Verpflichtungen begründen)?
Die Barrierefreiheit in Deutschland entscheidend voranzubringen, ist ein
zentrales Anliegen der Bundesregierung. Konkrete Punkte dazu wurden im
Koalitionsvertrag vereinbart. Das Bundeskabinett hat am 30. November 2022 die
Eckpunkte für die „Bundesinitiative Barrierefreiheit“ beschlossen. Im Rahmen
der Initiative wird die Bundesregierung ressortübergreifend Maßnahmen
initiieren, um die Barrierefreiheit im öffentlichen wie im privaten Bereich in
Deutschland voranzubringen.
Das Förderprojekt „Reisen für Alle“ wurde als freiwilliges
Zertifizierungssystem konzipiert, um Menschen mit Behinderungen Informationen über
touristische Angebote bereitzustellen. Vor diesem Hintergrund begrüßt die
Bundesregierung es, wenn möglichst viele tourismusrelevante Anbieter über „Reisen
für Alle“ zertifiziert sind.
9. Sofern die Bundesregierung diese Auffassung nicht teil, was versteht sie
unter „flächendeckend“?
Wie viel Prozent der im Raum stehenden 650 000 tourismusrelevanten
Objekte müssten aus ihrer Sicht mit RfA erfasst werden, um das Ziel der
flächendeckenden Erfassung zu erreichen?
Ziel der Bundesregierung ist, dass das Projekt „Reisen für Alle“ künftig einen
relevanten Beitrag zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen leistet.
Dafür ist ein vielfältiges Angebot notwendig, das das Bundesgebiet auch
geografisch breit abdeckt.
Das komplexe Organisationskonzept für „Reisen für Alle“ wird derzeit
überarbeitet. Vor diesem Hintergrund ist eine zuverlässige Ermittlung von
realistischen Zielen in Prozentzahlen derzeit nicht möglich.
10. In welcher Weise hat die Bundesregierung die Forderung aus dem
Deutschen Behindertenrat zur Einführung einer gesetzlichen Pflicht zur
Teilnahme aller tourismusrelevanten Objekte am Kennzeichnungs- und
Informationssystem „Reisen für Alle“ geprüft?
a) Welche externen Personen bzw. Organisationen waren – wenn es
denn eine „Prüfung“ gab – beteiligt?
b) Was spricht aus Sicht der Bundesregierung für bzw. gegen diese
Forderung?
Die Fragen 10 bis 10b werden gemeinsam beantwortet.
Im Koalitionsvertrag für die 20. Legislaturperiode wurde vereinbart,
Deutschland in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens barrierefrei zu
machen. Hierfür soll u. a. das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG)
überarbeitet werden. Die Bundesregierung prüft, ob – und wenn ja, wie – im
Rahmen der BGG-Reform auch eine Ausweitung der Barrierefreiheit in den
privaten Bereich erfolgen kann. „Reisen für Alle“ ist auch ein Vorhaben der
ressortübergreifenden Bundesinitiative Barrierefreiheit. Unter dem Dach der Initiative
werden zahlreiche Maßnahmen zum Abbau von Barrieren – insbesondere in
den Lebensbereichen Mobilität, Wohnen und Bauen, Gesundheit und
Digitalisierung – umgesetzt. Länder, Kommunen und Städte, Sozialpartner und
natürlich Verbände der Menschen mit Behinderungen (unter anderem der Deutsche
Behindertenrat) bringen ihre Expertise und ihre Perspektiven in einem Beirat
ein und beraten die Bundesregierung bei der Planung und Umsetzung der
Vorhaben, darunter „Reisen für Alle“.
11. Welche Gutachten o. Ä. hat das BMWK bzw. das DSFT in Abstimmung
mit dem BMWK seit dem Jahr 2017 im Zusammenhang mit dem Projekt
RfA in Auftrag gegeben (bitte jeweils Zeitraum, Aufgabenstellung,
Auftragnehmer und finanziellen Umfang nennen)?
Das Deutsche Seminar für Tourismus e. V. hat am 5. Juni 2018 die dwif-
consulting GmbH mit folgenden Leistungen beauftragt: Evaluation des
Businesskonzeptes „Reisen für Alle“, Darstellung und Bewertung von anderen
Zertifizierungssystemen und Ableitungen für „Reisen für Alle“, Aufzeigen/Darstellen
von alternativen Konzepten/Modellen für ein tragfähiges Businesskonzept. Der
Auftrag hatte einen finanziellen Umfang von 19 995 Euro (netto) ohne
Eventualposition (eventuell zusätzlich notwendige Abstimmungstermine mit dem
Auftraggeber, 283,33 Euro pro Termin).
12. Inwieweit stellt die vom BMWK an den Tourismusausschuss am
26. April 2023 übergebene Anlage (Eckpunktepapier Neukonzeption
Reisen für Alle der Unterarbeitsgruppe des Bund-Länder-Ausschusses,
Stand: 15. März 2023) die Position des BMWK dar?
Gibt es in diesem Papier Punkte bzw. Vorschläge, zu denen das BMWK
abweichende Positionen hat bzw. noch in Prüfung ist, und wenn ja,
welche Punkte betrifft das?
Das Eckpunktepapier zur Neukonzeption von „Reisen für Alle“ wurde am
29. März 2023 dem Bund-Länder-Ausschuss Tourismus vorgelegt und von
diesem gebilligt. Darin enthalten sind Empfehlungen der Nutzer von „Reisen für
Alle“. Das BMWK begrüßt das Engagement und die Empfehlungen der
Beteiligten und lässt diese im Rahmen der aktuellen Organisationsstudie auf ihre
Umsetzbarkeit hin überprüfen.
13. Teilt die Bundesregierung die sieben Punkte des Beschlusses der
Wirtschaftsministerkonferenz vom 21./22. Juni 2023 zum Thema RfA, und
zu welchen Punkten gibt es hier ggf. abweichende Positionen (bitte
nennen und begründen)?
Die Bundesregierung teilt die Punkte des Beschlusses zu TOP 11 der
Wirtschaftsministerkonferenz vom 21. bzw. 22. Juni 2023 überwiegend. Soweit
unter Nummer 3 festgestellt wird, dass es einer Überarbeitung der Inhalte des
Kennzeichnungssystems bedarf, um die Attraktivität und die
Marktdurchdringung des Kennzeichnungssystems zu steigern, besteht diese Auffassung auf
Seiten der Bundesregierung mit der Maßgabe, dass eine inhaltliche
Überarbeitung des Kennzeichnungssystems nur auf Wunsch und in enger Abstimmung
mit den dafür sachkundigen Betroffenenverbänden vorgenommen wird,
nachdem die organisatorische Neuaufstellung abgeschlossen ist. Soweit die
Bundesregierung in Ziffer 6 gebeten wird, sich für die bundesweite Koordination
weiterhin maßgeblich, auch finanziell, zu engagieren, hat die Bundesregierung die
Länder auf der Wirtschaftsministerkonferenz am 21. bzw. 22. Juni 2023 darauf
hingewiesen, dass eine künftige dauerhafte Förderung aus Bundesmitteln
haushaltsrechtlich nicht zulässig ist. Bund und Länder haben sich vor diesem
Hintergrund im September 2023 darauf geeinigt, dass die Länder sich aus ihrer
Sachnähe heraus künftig über eine auf Länderebene angesiedelte
Koordinierungsstelle untereinander koordinieren. Der Bund engagiert sich weiterhin mit
der strategisch-operativen Neuausrichtung des Zertifizierungssystems und mit
der Modernisierung des IT-Systems und verantwortet künftig die Ausspielung
der Daten durch die DZT.
14. Erfolgte die Vergabe des aktuellen Organisationsprojektes zur
strategisch-operativen Neuausrichtung des Förderprojektes RfA durch das
BMWK über eine öffentliche Ausschreibung oder durch Direktvergabe?
Welche in das Projekt involvierte Organisationen wurden in die
Entscheidung über den Auftragnehmer sowie die Aufgabenstellungen und Ziele
einbezogen?
Die Vergabe der Organisationsstudie zur strategisch-operativen Neuausrichtung
des Förderprojekts „Reisen für Alle“ erfolgte als Kooperationsvereinbarung zu
Leistungen im Rahmen des Drei-Partner-Modells des Bundesverwaltungsamts.
Dessen Beratungszentrum des Bundes hält für Beratungsleistungen dieser Art
Rahmenverträge bereit. Die entsprechende Beratungsanfrage wurde mit den
Ländern hinsichtlich Aufgabenstellungen und Zielen abgestimmt.
15. Akzeptiert die Bundesregierung die Kritik des Deutschen
Behindertenrates, dass Menschen mit Behinderungen und ihre Organisationen nur
unzureichend in die Arbeit des Projektes RfA eingebunden sind (vgl. Brief
von Dr. Sigrid Arnade an Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck
vom 2. März 2023), und was tut sie, damit eine aktive Einbeziehung im
Sinne von Artikel 4 Absatz 3 der UN-Behindertenrechtskonvention
künftig gewährleistet wird?
Die Bundesregierung nimmt die Kritik des Deutschen Behindertenrates, dass
Menschen mit Behinderungen und ihre Organisationen nur unzureichend in die
Arbeit des Projekts eingebunden sind, ernst und berücksichtigt diese
Auffassung. Die Bundesregierung hat am 27. Juli 2023 zu einer
Informationsveranstaltung über die organisatorische Neuausrichtung von „Reisen für Alle“ am
19. September 2023 eingeladen, darunter auch Vertreter des Deutschen
Behindertenrates.
Die inhaltliche Neuausrichtung wird in einem zweiten Schritt der Expertise des
Beirats der Bundesinitiative Barrierefreiheit unterstellt. Länder, Kommunen
und Städte, Sozialpartner und Verbände der Menschen mit Behinderungen
(unter anderem der Deutsche Behindertenrat) bringen ihre Fachkenntnisse und
ihre Perspektiven in den Beirat ein und beraten die Bundesregierung bei der
Planung und Umsetzung einer möglichen inhaltlichen Reform von „Reisen für
Alle“.
16. Wann soll die Tätigkeit des DSFT als Projektträger enden?
a) Auf welche Weise und bis wann soll ein neuer Träger des Projektes
RfA gefunden und bestimmt werden?
b) Inwieweit ist hier die Mitsprache der Behindertenorganisationen und
weiterer für das Projekt maßgeblicher Partner vorgesehen?
Die Fragen 16 bis 16b werden gemeinsam beantwortet.
Die Projektträgerschaft des Deutschen Seminars für Tourismus (DSFT) endet
zum Ende des Jahres 2023. Mit der Koordinierung des Zertifizierungssystems
soll im Wege einer Dienstleistungskonzession ab 2024 ein neuer Dienstleister
betraut werden. Als Gegenleistung vergibt das BMWK als Rechteinhaber das
Nutzungsrecht an dem Zertifizierungssystem und den dazugehörenden Marken
an den Dienstleister. Die Bundesregierung beabsichtigt, entsprechend der
geltenden vergaberechtlichen Regelungen mindestens drei Anbieter zur Abgabe
eines Angebotes aufzufordern. Dabei werden Vorschläge von für die
organisatorische Durchführung und Umsetzung des Projekts maßgeblichen Partnern
einbezogen, insbesondere der für die Durchführung des Zertifizierungssystems
zuständigen Bundesländer. Die Bundesregierung begrüßt ausdrücklich
Vorschläge für einen neuen Träger vonseiten weiterer Akteure, auch der
Behindertenorganisationen.
17. Was tut die Bundesregierung, um einen möglichst nahtlosen Übergang
der Projektträgerschaft zu gewährleisten?
Die aktuelle Organisationsstudie hat im Rahmen der Reform des
Zertifizierungssystems insbesondere auch die Sicherstellung eines nahtlosen Übergangs
der Projektträgerschaft zum Gegenstand. Hierfür werden Vorarbeiten für ein
Vergabeverfahren geleistet; insbesondere wird eine Markterkundung
durchgeführt. Zur Gewährleistung eines reibungslosen Übergangs der
Projektträgerschaft wird mit den Beteiligten an einem Umzugsplan gearbeitet, sodass
organisatorisch und technisch die neue Koordinierungsstelle nahtlos an die Arbeiten
des bisherigen Trägers anknüpfen kann.
18. Welche Rolle spielen das Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes
sowie die Bundesfachstelle Barrierefreiheit im Projekt RfA und in der
geplanten Neuausrichtung?
Der Prozess zur Neuausrichtung steht im Grundsatz interessierten Akteuren
offen. Für einen konstruktiven, ergebnisorientierten Reformprozess setzt eine
aktive Beteiligung vonseiten der Bundesregierung jedoch ein eigenes Interesse
der Akteure an der Reform oder eine Kompetenz auf dem Gebiet der
Zertifizierung barrierefreier Angebote voraus.
Das Kompetenzzentrum Tourismus hat zum Ziel, Wissen und Daten für die
Tourismuswirtschaft zu generieren und bereitzustellen. Sein Portfolio enthält
dabei keine ausgeprägten Erkenntnisse zu Fragen der Barrierefreiheit, zur
Zertifizierung von barrierefreien Angeboten oder zur organisatorischen
Aufstellung eines Zertifizierungssystems. Vor diesem Hintergrund kommt dem
Kompetenzzentrum Tourismus keine gesonderte Rolle in der geplanten
Neuausrichtung zu.
Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit wird informatorisch in die geplante
Neuausrichtung eingebunden. Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit ist zentrale
Anlaufstelle zu Fragen der Barrierefreiheit für die Behörden, die das
Behindertengleichstellungsgesetz umsetzen müssen sowie nach Kapazität auch für
Wirtschaft und die Zivilgesellschaft. Fragen im Zusammenhang mit einzelnen
Förderprojekten und Zertifizierungssystemen gehören nicht zu ihrem
Aufgabenspektrum.
19. Erwägt die Bundesregierung die Fortführung des Projektes RfA unter
Federführung einer Bundesbehörde, und wenn nein, warum nicht?
Bund und Länder haben sich für die Fortführung des Projekts im Grundsatz auf
eine künftige Aufgabenteilung verständigt. Demnach trägt der Bund die Kosten
für eine umfassende Modernisierung der Datenbank für „Reisen für Alle“ und
stellt sicher, dass die Daten auf Erheberseite gebündelt und durch die DZT
ausgespielt werden können. Die Länder unterbreiten Vorschläge für eine neue
Koordinierungsstelle in ihrem Verantwortungsbereich, die durch den Bund mit der
Vergabe der Lizenzen für „Reisen für Alle“, der Bündelung der Daten auf
Erheberseite und allen weiteren hiermit verbundenen Aufgaben betraut wird.
Grundlage dieser Entscheidung ist die Erwägung, dass ein sachnaher Träger das
System am erfolgreichsten betreiben kann.
20. In welchem Umfang sind für die Fortführung und Neuausrichtung des
Projektes RfA Mittel im Entwurf der Bundesregierung für den Haushalt
2024 vorgesehen?
Unter Berücksichtigung der vorgesehenen künftigen Aufgabenteilung (siehe
hierzu die Antwort zu Frage 19) sind im Haushalt 2024 Mittel für die
Ausspielung der Daten durch die DZT im Rahmen ihrer allgemeinen Ausgaben für
Öffentlichkeitsarbeit sowie – soweit nicht bereits im Jahr 2023 anfallend – für die
Anpassung und Modernisierung der Datenbank vorgesehen. Die Ergebnisse der
noch laufenden Untersuchung zur strategisch-operativen Neuausrichtung von
„Reisen für Alle“ werden dabei berücksichtigt, so dass eine konkrete
Bezifferung noch nicht erfolgen kann.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333