Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU
– Drucksache 20/9680 –
Offene Fragen zur Industriestrategie des Bundesministeriums für Wirtschaft
und Klimaschutz
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat am
24. Oktober 2023 eine Industriestrategie vorgelegt. Der Bundesminister für
Wirtschaft und Klimaschutz, Dr. Robert Habeck, bezeichnete das Papier als
Debattenbeitrag. Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer konjunkturell
schwierigen Phase (‑0,1 Prozent Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) im
dritten Quartal). Hohe Preise bei Energie, Lebensmitteln und anderen Gütern
setzen Bürgern und Unternehmen zu. Die Industrie ist vor viele strukturelle
(Digitalisierung, Demographischer Wandel, Dekarbonisierung) und
geopolitische (siehe Russlands Angriffskrieg in der Ukraine) Herausforderungen
gestellt. Daher bräuchte es aus Sicht der Fragesteller über einen Debattenbeitrag
hinaus konkrete und sofortige wirtschaftspolitische Maßnahmen. In diesem
Sinne fordern die Fragesteller genauere Informationen zu den
industriepolitischen Vorstellungen des BMWK.
1. Wird die Bundesregierung eine Industriestrategie verabschieden?
2. Welche konkreten Maßnahmen enthält die BMWK-Industriestrategie
(bitte Maßnahmen einzeln und nummeriert auflisten und den jeweiligen
zu erwartenden Finanzierungsbedarf bzw. Auswirkungen auf den
Haushalt nennen)?
3. Welchen konkreten Maßnahmen der BMWK-Industriestrategie hat das
Bundesministerium der Finanzen (BMF) zugestimmt (bitte ebenfalls
einzeln auflisten)?
5. Neben dem BMWK waren welche Ressorts der Bundesregierung in die
Erstellung der Industriestrategie wie involviert?
7. Welcher Zeithorizont liegt der Industriestrategie (mit Blick auf die
Umsetzung der einzelnen Maßnahmen) zugrunde (bitte die einzelnen
Maßnahmen mit jeweiligem Zeitplan bis zur Umsetzung versehen)?
Deutscher Bundestag Drucksache 20/9965
20. Wahlperiode 03.01.2024
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz
vom 27. Dezember 2023 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
8. Wie und welche Maßnahmen werden in diesem und im nächsten Jahr
abschließend umgesetzt, und welche Maßnahmen sind das?
9. Wie viele Maßnahmen werden im Laufe der laufenden Legislaturperiode
angegangen?
Die Fragen 1 bis 3, 5 und 7 bis 9 werden gemeinsam beantwortet.
Die Industriestrategie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz
(BMWK) ist eine Ressortstrategie, die nicht mit anderen Ministerien
abgestimmt wurde. Vorrangiges Ziel der Strategie ist es nicht, konkrete Maßnahmen
auszubuchstabieren, sondern vielmehr die industriepolitische Strategie des
BMWK zu erklären. Dazu gehört insbesondere, die Herausforderungen, vor
denen die deutsche Industrie steht, näher zu erläutern, die strategischen
Leitlinien des BMWK bei der Bewältigung dieser Herausforderung aufzuzeigen
und die daraus resultierenden Handlungsfelder zu umreißen. Die Strategie tut
dies sowohl mit Blick auf die verbleibende Legislaturperiode als auch darüber
hinaus auf das Brückenjahrzehnt der klimaneutralen Erneuerung unseres
Wohlstands.
4. Welche BMWK-Referate, wie viele Personen im BMWK und welche
Personen auf BMWK-Leitungsebene waren an der Erstellung der
Strategie wie beteiligt?
6. Wann wurden im BMWK die hausinternen Abstimmungen für eine
Industriestrategie eingeleitet, und wann wurden diese beendet (bitte die
konkreten Zeitpunkte benennen)?
Die Fragen 4 und 6 werden gemeinsam beantwortet.
Die Industriepolitik ist im BMWK schwerpunktmäßig in der Abteilung IV
(Industriepolitik) verortet, allerdings berührt sie eine Vielzahl weiterer Bereiche.
Daher waren folgerichtig auch eine Vielzahl von Referaten im gesamten
BMWK an der Erstellung der Strategie beteiligt. Der Erstellungsprozess
erstreckte sich über ein Jahr und umfasste auch einen umfangreichen externen
Stakeholderprozess unter Einbeziehung von Unternehmen, Verbänden,
Gewerkschaften, der Wissenschaft und zivilgesellschaftlichen Organisationen.
10. Wie viele Strategiepapiere hat das BMWK in dieser Legislaturperiode
bereits veröffentlicht?
11. Wie viele Strategiepapiere des BMWK folgen in dieser Legislaturperiode
noch?
12. Welche Strategiepapiere, die federführend im BMWK in dieser
Legislaturperiode erstellt wurden, sind vom Bundeskabinett als Strategien der
Bundesregierung verabschiedet worden?
Die Fragen 10 bis 12 werden gemeinsam beantwortet.
Das Bundeskabinett hat seit Beginn der Legislaturperiode die sieben
nachgenannten Strategien, die in Federführung des BMWK erstellt wurden,
beschlossen:
• Eckpunkte der Bundesregierung zur Weiterentwicklung der Nationalen
Tourismusstrategie
• Start-up-Strategie der Bundesregierung
• Leichtbaustrategie der Bundesregierung
• Fortschreibung der Nationalen Wasserstoffstrategie
• Strategie für mehr und bessere Daten für neue, effektive und
zukunftsweisende Datennutzung (Nationale Datenstrategie)
• Nationale Strategie für Soziale Innovationen und Gemeinwohlorientierte
Unternehmen
• Raumfahrtstrategie der Bundesregierung.
Darüber hinaus hat das BMWK im selben Zeitraum vier weitere Strategien
veröffentlicht:
• Industriepolitik in der Zeitenwende (Industriestrategie)
• Windenergie-an-Land-Strategie
• Photovoltaik-Strategie
• Stromspeicher-Strategie.
Das BMWK hat derzeit keine abschließenden Beschlüsse zu weiteren
Veröffentlichungen gefasst.
13. Wie genau sieht der Arbeitsprozess des Scans von Berichtspflichten aus,
und bis wann wird das BMWK seinen Scan bestehender
Berichtspflichten abschließen?
Das Statistische Bundesamt erfasst seit dem Jahr 2006 bundesrechtlich
vorgegebene Informationspflichten (inklusive Berichtspflichten) in einer Datenbank,
deren Einträge über den Link
www.ondea.de/DE/Home/home_node.html
abgerufen werden können. Auf dieser Grundlage haben die jeweils zuständigen
Facheinheiten des BMWK eine systematische Überprüfung begonnen, bei der
die Fragen der Aktualität der Informationspflicht, der Möglichkeit
Bagatellgrenzen einzuführen oder zu erhöhen, der Vermeidung von Dopplungen und
Bündelungsmöglichkeiten sowie sonstige Entlastungsmöglichkeiten
(insbesondere auch bei Schriftformerfordernissen) im Vordergrund stehen. Ein
besonderes Anliegen ist es dem BMWK, dabei die Praxis aktiv einzubinden, um
Möglichkeiten zur Entlastung zu diskutieren. Deshalb wurde eine Reihe von
Workshops mit Unternehmensvertreterinnen und -vertretern durchgeführt.
Das BMWK versteht die systematische Überprüfung seiner
Informationspflichten als kontinuierlichen Prozess. Als Zwischenergebnis des Prozesses konnten
bereits Änderungen bei den Informationspflichten für die Aufnahme in das
Bürokratieentlastungsgesetz IV vorgeschlagen werden.
14. Was genau plant die Bundesregierung zur Reform des EU-Beihilferechts
(vgl. Industriestrategie, S. 42)?
Die Bundesregierung begrüßt gerade vor dem Hintergrund der globalen
Wettbewerbssituation die Fortentwicklung des Befristeten Krisenrahmens von
einem Temporary Crisis Framework (TCF) hin zu einem Temporary Crisis and
Transition Framework (TCTF). Auch aus Sicht der Bundesregierung ist der
grüne Wandel in der Europäischen Union (EU) mit Nachdruck und hoher
Geschwindigkeit voranzutreiben. Die Wettbewerbsfähigkeit Europas wird
maßgeblich davon abhängen, dass sich unsere Wirtschaft von fossilen
Energieträgern löst und verstärkt sauberen, sicheren und nachhaltigen Technologien
zuwendet. Vorschläge für vereinfachte, flexibilisierte und die Anwendung
beschleunigende Beihilferegelungen unterstützt die Bundesregierung daher
nachdrücklich.
Insofern begrüßt die Bundesregierung insbesondere die erweiterten
Fördermöglichkeiten für Investitionen in strategischen Sektoren für die „Net Zero-
Transition“ (Abschnitt 2.8 TCTF). Zugleich ist sie der Auffassung, dass es
längerfristiger Fördermöglichkeiten bedarf, um es den Mitgliedstaaten zu ermöglichen,
ihre ökonomische, industrielle und technologische Basis langfristig für die
grüne Transformation fit zu machen und zur strategischen Souveränität der EU
beizutragen. Daher fordert die Bundesregierung eine Verlängerung der
Förderung von Maßnahmen für den Ausbau Erneuerbarer Energien (Abschnitt 2.5
TCTF), der Förderung von Dekarbonisierungsmaßnahmen (Abschnitt 2.6
TCTF) und der Förderung von Investitionen in strategischen, für die grüne
Transformation zentralen Sektoren (Abschnitt 2.8 TCTF) bis Ende 2027.
Zugleich fordert die Bundesregierung eine Ausweitung der sogenannten Matching
Clause für Einzelprojekte außerhalb der Fördergebiete in engen Grenzen, wenn
sie Spillover-Effekte mit sich bringen.
15. Ist mit der Industriestrategie-Passage „Wir müssen als Land diskutieren,
wie diese Regeln spätestens in der nächsten Legislaturperiode an die
neuen Realitäten angepasst werden können“ (ebd., S. 28) eine
Infragestellung der Schuldenbremse und das Leitbild des unternehmerischen
Staates (Mariana Mazzucato) gemeint?
Es ist bekannt, dass das BMWK eine Reform der Schuldenbremse befürwortet.
16. Was versteht das BMWK unter dem Begriff der „transformativen
Angebotspolitik“ (Industriestrategie, S. 25)?
17. Hat die „transformative Angebotspolitik“ Auswirkungen auf die
Programmförderung des BMWK, und wenn ja, in welcher Form?
18. Ist die Leitlinie einer „transformative Angebotspolitik“ mit den anderen
Ressorts in der Bundesregierung abgestimmt, und wenn nein, warum
nicht?
Aufgrund des inhaltlichen Zusammenhangs werden die Fragen 16 bis 18
gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung hat im Jahreswirtschaftsbericht 2023 sowie im
Stabilitätsprogramm 2023 gemeinsam dargelegt, dass sie eine zielgerichtete
Angebotspolitik unter Berücksichtigung der transformativen Herausforderungen
insbesondere im Hinblick auf die Klimaschutzziele sowie unter Berücksichtigung des
demografischen Wandels verfolgt [siehe u. a. den Jahreswirtschaftsbericht 2023
Tz 18 und 28, sowie das Stabilitätsprogramm 2023]. Der
Jahreswirtschaftsbericht wurde wie in jedem Jahr in der Bundesregierung und damit auch mit allen
betroffenen Ressorts abgestimmt.
Des Weiteren führt die Industriestrategie aus, dass eine transformative
Angebotspolitik und die gezielte Förderung komplementäre Elemente der
Industriepolitik des BMWK sind.
19. Welchen Einfluss hatte die Stellungnahme des Sachverständigenrates zur
Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage (SVR Wirtschaft), „(d)er
Inflation Reduction Act: Ist die neue US-Industriepolitik eine Gefahr für
Europa?“, auf die Erstellung der Industriestrategie des BMWK, bzw.
wurde dieser dabei insbesondere zur Analyse des Inflation Reduction Act
(IRA) und etwaiger wirtschaftspolitischer Handlungsoptionen
einbezogen (wenn ja, bitte Teilnehmer und Anzahl entsprechender Treffen
auflisten; wenn nein, warum nicht)?
20. Teilt das BMWK die Einschätzung des SVR Wirtschaft in der oben
erwähnten Stellungnahme zum IRA, dass die „gesamtwirtschaftlichen
Auswirkungen des IRA für Europa insgesamt eher gering“ seien (https://
www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/dateiablage/PolicyBri
ef/Policy_Brief_2023_01.pdf, S. 1), wenn nein, warum nicht, und wenn
ja, warum führt das BMWK in seiner Industriestrategie aus, auf
entsprechende Maßnahmen „in Deutschland und Europa reagieren zu müssen“
(vgl. Industriestrategie, S. 27)?
21. Teilt das BMWK die Einschätzung des SVR Wirtschaft, „dass eine
Ausweitung des Subventionswettlaufs für emissionsarme Technologien in
der EU und für die USA mit einem Wohlstandsverlust verbunden wäre“
(
https://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/dateiablage/P
olicyBrief/Policy_Brief_2023_01.pdf, S. 1), und wenn ja, was sind die
Schlussfolgerungen des BMWK bzw. der Bundesregierung hinsichtlich
seiner Industriestrategie, und wenn nein, warum nicht?
22. Teilt das BMWK die Einschätzung des SVR Wirtschaft, dass „das
Volumen der Förderung emissionsarmer Technologien in der EU ohnehin
bereits auf dem Niveau des IRA“ sei (
https://www.sachverstaendigenrat-wi
rtschaft.de/fileadmin/dateiablage/PolicyBrief/Policy_Brief_2023_01.pdf,
S. 1), und wenn ja, was sind die Schlussfolgerungen des BMWK bzw.
der Bundesregierung hinsichtlich seiner Industriestrategie, und wenn
nein, warum nicht?
23. Teilt das BMWK die Einschätzung des SVR Wirtschaft, dass „die
Energiekostensenkung durch den IRA eher geringe Auswirkungen auf die
US-amerikanische Produktion und auf Produktionsverlagerungen in die
USA haben“ und „dass dagegen die bereits bestehenden
Strompreisunterschiede zwischen den USA und Deutschland größere Auswirkungen
haben“, und wenn ja, was sind die Schlussfolgerungen des BMWK bzw.
der Bundesregierung hinsichtlich seiner Industriestrategie, und wenn
nein, warum nicht?
Die Fragen 19 bis 23 werden gemeinsam beantwortet.
Das BMWK steht in engem und regelmäßigem fachlichem Austausch mit dem
Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
(SVR) zu vielen wirtschaftspolitischen Themen. Der SVR agiert dabei stets
unabhängig. Das BMWK hat auch diese schriftliche Stellungnahmen des Rates
aufmerksam zur Kenntnis genommen. Wie in der Industriestrategie ausgeführt,
ist es ausdrückliches Ziel des BMWK, „teure Subventionswettläufe möglichst
ein[zu]dämmen“ (S. 28). Gleichzeitig ist es Aufgabe des BMWK, die globale
Wettbewerbssituation der deutschen Industrie aufmerksam zu verfolgen. Hierzu
führt die Strategie unter anderem aus: „Mit den jüngsten, massiven Impulsen
der US-Regierung drohen die Wettbewerbsbedingungen bei wichtigen
Zukunftstechnologien aber eine Schieflage zu bekommen – zu Ungunsten
Europas.“ (S. 13). Die Strategie führt in der Folge geeignete Schritte aus, um dieser
drohenden Schieflage zu begegnen.
24. Wie sind die in der Industriestrategie genannten „Resilienzkriterien“
(Industriestrategie, S. 26) genau ausgestaltet, welche Elemente bzw.
Kategorien zur Bescheidung von Förderprogrammen bzw. zur Gestaltung von
Ausschreibungen soll es dabei geben?
25. Welche Governance-Struktur wendet diese „Resilienzkriterien“ an, und
wann und wodurch entscheidet sich, dass sie angewendet werden?
Die Fragen 24 und 25 werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung befindet sich hinsichtlich der möglichen Ausgestaltung
und Anwendung von Resilienzkriterien auch in einem intensiven Austausch mit
allen relevanten Akteurinnen und Akteuren wie z. B. der Industrie und der
Wissenschaft. Dies betrifft auch die konkrete Ausgestaltung sowie die Governance.
Diese werden auch im Net Zero Industry Act adressiert, der derzeit im Trilog
beraten wird.
26. Wie kommt das BMWK zu der Schlussfolgerung, dass „die Gründung
eines großen Klimaclubs mit einheitlichem CO2-Preis unrealistisch“ sei
(Industriestrategie, S. 27)?
Sind damit die Einrichtung dieser Institution und die entsprechende
Erklärung von Elmau aus dem Jahr 2022 hinfällig (
https://www.bundesregi
erung.de/resource/blob/974430/2057898/954672c2ac2f2ba2d7c490e3ea8
ba15c/2022-06-28-klimaclub-data.pdf?download=1)?
Der in Elmau von den Staats- und Regierungschefs ins Leben gerufene
Klimaclub wurde auf COP28 offiziell vorgestellt und ist mittlerweile vollständig
funktionsfähig.
Der im Jahr 2022 getroffene Beschluss der G7 zum Klimaclub fokussiert nicht
auf einen einheitlichen CO2-Preis, da es unter den beteiligten Staaten keinen
entsprechenden Konsens gab. Die Staaten wenden unterschiedliche Instrumente
in der Gestaltung ihrer nationalen Klimapolitik an. Die Ende 2022
verabschiedete Satzung („Terms of Reference“) des Klimaclubs sowie das für das Jahr
2024 verabschiedete Arbeitsprogramm setzen daher auf einen breiten Mix an
Aktivitäten, darunter insbesondere die Verständigung zu vergleichbaren und
interoperablen Standards und die Förderung von Märkten für Materialien mit
nahezu null Treibhausgasemissionen, um die Transformation von Industrien,
insbesondere Stahl und Zement, zu fördern. Um die industrielle Dekarbonisierung
in Schwellen- und Entwicklungsländern zu unterstützen, wird zudem eine
Globale Matchmaking-Plattform aufgebaut, die als neutrale Anlaufstelle die
Nachfrage für Unterstützung dieser Länder mit bestehenden
Unterstützungsangeboten von Gebern zusammenbringt.
27. Welche Erkenntnisse bzw. neue Prognosen hat das BMWK erarbeitet,
dass es zu der Aussage kommt, dass „Deutschland (…) aufgrund seiner
geographischen Lage auch in Zukunft nicht der Ort mit niedrigen
Energiepreisen sein wird“ (Industriestrategie, S. 27)?
Widerspricht diese Aussage der Erklärung von
Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck und dem Inhalt des sogenannten Arbeitspapiers
zum Industriestrompreis, dass „der massive Ausbau von Erneuerbaren
Energien mit klugen Instrumenten für den direkten Zugang der Industrie
zu billigem grünem Strom gekoppelt“ sei (
https://www.bmwk.de/Redakti
on/DE/Pressemitteilungen/2023/05/20230505-habeck-legt-arbeitspapier-
zum-industriestrompreis-vor.html)?
Die Aussagen widersprechen sich nicht. Es ist grundsätzlich anerkannt, dass
unterschiedliche Länder – sei es im innereuropäischen Vergleich oder im
internationalen Vergleich – jeweils mit Blick auf bestimmte Erneuerbare Energien-
Technologien günstigere oder weniger günstigere Bedingungen haben. Ebenso
ist richtig, dass der zügige Ausbau der Erneuerbaren Energien und der
Stromnetze mit zu den wichtigsten Hebeln der Politik in Deutschland gehört, um das
Börsenstrompreisniveau zugunsten geringerer Strompreise zu beeinflussen.
28. Wie viele Tonnen Ammoniak, Harnstoff und Stickstoffdüngemittel
wurden in den letzten fünf Jahren jeweils pro Jahr aus Russland nach
Deutschland importiert, inklusive des ersten Halbjahres 2023?
In der Tabelle 1 hat DESTATIS die Einfuhrergebnisse Deutschlands im Handel
mit den genannten Produkten aus der Russischen Föderation für die
Berichtsjahr 2018 bis 2022 sowie das erste Halbjahr 2023 aufgeführt. Ammoniak wird
unter den Warennummern 28141000 und 28142000 nachgewiesen; Harnstoff
unter den Warennummern 31021010 und 31021090. Stickstoffdüngemittel
werden den sonstigen Warennummern im Bereich 3102 und 3105 zugeordnet. Für
die Warennummern im Bereich 3102 wird der Stickstoffanteil in der Spalte
„Besondere Maßeinheit“ nachgewiesen. Die Warennummern im Bereich 3105
beinhalten gemischte Stickstoffdüngemittel mit zumindest einem weiteren
Bestandteil.
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Der nachfolgenden Übersicht ist zu entnehmen, welche Mengen an
Stickstoffdüngemitteln im Zeitraum 2018 bis 2023 (Erstes Halbjahr) aus Russland
importiert wurden.
Übersicht DEU Importe an Stickstoff (WA3102) aus Russland 2018 bis Juni
2023 in Tonnen
Land/Jahr 2018 2019 2020 2021 2022 2023 (1. Halbjahr)
Russland 99 342,2 104 412,7 111 424,5 120 903,5 346 577,3 301 969,3
Quelle: Statistisches Bundesamt, GENESIS [51000-0009] [51000-0011], 2023.
29. Wie viele Tonnen Ammoniak, Harnstoff und Stickstoffdüngemittel
wurden in den letzten fünf Jahren jeweils pro Jahr in Deutschland hergestellt,
inklusive des ersten Halbjahres 2023?
In der Tabelle 2 hat DESTATIS die Ergebnisse aus der Vierteljährlichen
Produktionsstatistik zu Ammoniak, Harnstoff und Stickstoffdüngemittel für den
Zeitraum 2018 bis 2022 und in Tabelle 3 für das 1. und 2. Vierteljahr 2023
aufgeschlüsselt.
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Der Bundesregierung liegen lediglich Angaben zum Inlandsabsatz von
Stickstoffdüngemitteln aus der Düngemittelstatistik vor. In den nachfolgenden
Absatzzahlen sind sowohl in Deutschland produzierte als auch importierte
Düngemittel enthalten.
Wirtschaftsjahr Inlandsabsatz Stickstoffdünger
in 1000 Tonnen Nährstoff
2018/19 1342,3
2019/20 1372,1
2020/21 1265,5
2021/22 1096,8
2022/23 1007,4
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2023
30. Wie haben sich die Preise für Ammoniak, Harnstoff und
Stickstoffdüngemittel seit Januar 2022 bis heute entwickelt?
In der Tabelle 4 hat DESTATIS die Preisentwicklung der gewünschten
Erzeugnisse aus der Statistik der gewerblichen Erzeugerpreise sowie der
Einfuhrpreisstatistik dargestellt. Die im Erzeugerpreisindex nachgewiesenen
Preisentwicklungen beziehen sich auf Produkte, die im Inland hergestellt und in
Deutschland abgesetzt wurden. Dargestellt sind die verfügbaren Preisindizes ab Januar
2022, die sich auf das Basisjahr 2015 beziehen, darüber hinaus die Veränderung
im Oktober 2023 gegenüber dem Januar 2022 in Prozent.
Die Einkaufspreise für Stickstoffdüngemittel sind im Verlauf des Jahres 2022 in
Folge steigender Gaspreise aufgrund des Beginns des russischen
Angriffskrieges gegen die Ukraine zunächst sehr stark angestiegen. Ab Herbst 2022 gingen
die Stickstoffdüngemittelpreise allmählich zurück. Im Jahr 2023 setzte sich die
rückläufige Preisentwicklung zunächst fort. In den letzten Monaten stagnierten
die Preise für Stickstoffdüngemittel. So kosteten Stickstoffdünger im Herbst
2023 weniger als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, die Preise
lagen jedoch noch deutlich über dem Niveau vor dem Anstieg der
Energiepreise Anfang 2021.
Tabelle 4 – Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte, Index der
Einfuhrpreise
Deutschland
2015 = 100
Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte Einfuhrpreisindex
GP09-201510750
Ammoniak,
wasserfrei (t-N)
GP09-20153
Mineralische oder chemische
Stickstoffdüngemittel
GP09-201531
Harnstoff, auch in
wässriger Lösung
GP09-20153
Mineralische oder chemische
Stickstoffdüngemittel
2022 Januar 252,5 174,0 219,6 236,9
Februar 225,9 183,2 246,4 220,7
März 217,7 247,9 224,2 270,8
April 257,5 307,3 298,3 299,7
Mai 259,8 312,3 267,2 280,7
Juni 242,5 273,2 249,6 271,7
Juli 238,3 275,2 248,9 276,6
August 288,9 300,6 316,4 281,4
September 329,1 329,3 375,1 302,8
Oktober 334,5 339,6 370,9 297,6
November 238,2 308,0 283,4 259,5
Dezember 236,5 275,6 231,6 226,6
2023 Januar 231,2 278,2 282,6 203,6
Februar 212,6 239,9 222,8 176,9
März 181,6 205,8 184,8 150,4
April 137,1 184,7 160,7 134,0
Mai 128,0 164,5 158,8 126,3
Juni 114,0 151,8 151,2 121,5
Juli 118,7 148,5 143,3 122,0
August 111,9 150,8 152,1 135,1
September 115,2 154,3 159,1 142,3
Oktober 119,6 157,0 159,4 142,1
November ... ... ... ...
Dezember ... ... ... ...
Veränderung Oktober
2023 gegenüber
Januar 2022 in Prozent
− 52,6 − 9,8 − 27,4 − 40,0
© Statistisches Bundesamt (Destatis), 2023 | Stand: 13. Dezember 2023 / 18:26:12
31. Wie wird sichergestellt, dass aus Russland importierter und in
Deutschland ausgebrachter Harnstoff den Anforderungen des § 6 der
Düngemittelverordnung (Beimischung eines Ureaseinhibitors/Wirkstoffes) erfüllt?
Harnstoff, der mit oder ohne Inhibitor importiert oder in Deutschland gehandelt
wird, muss entweder den Anforderungen der nationalen
Düngemittelverordnung oder den Vorgaben der EU-Düngeprodukte-Verordnung entsprechen.
Auch ein Inverkehrbringen nach dem Recht eines anderen EU-Mitgliedstaates
ist denkbar. Der Importeur ist dafür verantwortlich, dass die einschlägigen
düngemittelrechtlichen Vorgaben eingehalten werden. Die Kontrolle der
Einhaltung der düngemittelrechtlichen Vorgaben obliegt in Deutschland den nach
Landesrecht zuständigen Stellen.
32. Erwägt die Bundesregierung die Ausweitung von Sanktionen gegen
Russland auf Ammoniak, Harnstoff und/oder Stickstoffdüngemittel?
Die Russlandsanktionen werden fortlaufend überprüft. Das gilt auch für die
bestehenden Importverbote auf Düngemittel.
33. Da das BMWK den Hochlauf der E-Mobilität nach eigener Aussage
weiter eng begleiten und weitere Maßnahmen dafür ergreifen möchte,
welche neuen Maßnahmen plant das BMWK?
Wie in der Industriestrategie ausgeführt, wird das BMWK den Hochlauf der
Elektromobilität weiter eng begleiten und wenn nötig zusätzliche Maßnahmen
vorschlagen.
34. Wie sollen die aktuell laufenden Förderprogramme und die in Aussicht
gestellten neuen Maßnahmen bzw. Programme des BMWK zur
Unterstützung der E-Mobilität und damit auch der Automobilindustrie künftig
finanziert werden, nachdem der Klima- und Transformationsfonds (KTF)
und damit eine zentrale Finanzierungsgrundlage für verfassungswidrig
erklärt wurden?
Das Programm zur Unterstützung des Aufbaus neuer Wertschöpfung im
Bereich Batterien „Resilienz und Nachhaltigkeit des Ökosystems der
Batteriezellfertigung“ wird unverändert fortgeführt. Prominentes Beispiel ist die Zusage an
Northvolt zum Aufbau einer Batteriezellfertigung als wichtiges Elements der
neuen automobilen Wertschöpfung. Das Bundesministerium für Digitales und
Verkehr (BMDV) fördert weiterhin den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Das
BMWK hat europäische Arbeitsgruppen zum bidirektionalen Laden
eingerichtet, damit Laden smarter und effektiver wird und der Bedarf für den
Stromnetzausbau für das Laden eingegrenzt werden kann.
35. Welche Maßnahmen laufen aktuell und welche sind darüber hinaus vom
BMWK geplant, um die vom BMWK als bedeutender Wirtschaftszweig
hervorgehobene Bahnindustrie zu unterstützen?
Das BMWK setzt sich für den Erhalt und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit der
Bahnindustrie am Standort Deutschland mit verschiedenen Maßnahmen ein.
Das BMWK unterstützt den Wirtschaftszweig Bahnindustrie mit dem
Fachprogramm „Neue Fahrzeug- und Systemtechnologien (NFST)“. Im Rahmen dieses
Fachprogrammes werden aktuell 18 laufende Forschungsprojekte mit einem
Gesamtfördervolumen von 120,4 Mio. Euro gefördert, die der Bahntechnologie
zugeordnet werden. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen dabei in
Antriebstechnologien, im Leichtbau, dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz für
Zustandserkennung und Instandhaltungsprozesse, der Anwendung von digitalen
Produktentwicklungsprozessen, Validierung und Absicherung sowie dem
Automatisierten Fahren.
Zudem unterstützt das BMWK den Ausbau des Exportgeschäftes der deutschen
Bahnindustrie sowohl über die Flankierung großer Fahrzeughersteller in
strategischen Auslandsprojekten als auch im Rahmen des
Markterschließungsprogramms für kleine und mittelständische Unternehmen (MEP) durch Etablierung
stabiler und nachhaltiger Geschäftsbeziehungen zu ausländischen Partnern aus
dem Bereich der Bahntechnik und -logistik. In 2023 wurden insgesamt 15
Projekte (13 Geschäftsanbahnungsreisen und 2 Informationsveranstaltungen) des
MEP in verschiedenen Ländern mit einem Vergabevolumen von 1 075 Tausend
Euro durchgeführt. Für 2024 sind aktuell sechs weitere Projekte mit einem
Vergabevolumen von 575 Tausend Euro in Portugal/Spanien, Japan, Brasilien,
Kolumbien, USA und Algerien geplant.
36. Welcher Anteil der 9,9 Mrd. Euro Förderung aus Bundesmitteln für Intel
entspricht dem Ausgleich von international überhöhten Energiepreisen,
insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Unternehmen bei steigenden
Strompreisen für zusätzliche Staatsgelder auf die Bundesregierung
zugehen kann (
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/halbleiter-te
urer-strom-ein-chip-konzern-bekommt-zugestaendnisse-vom-bund/2943
2494.html)?
Einzelheiten im Zusammenhang mit der Finanzierungslücke des Intel-Projektes
sind Gegenstand andauernder Beratungen. Die Art und Höhe der Förderung
stehen unter dem Vorbehalt der beihilferechtlichen Genehmigung durch die
Europäische Kommission. Das Unternehmen strebt vor dem Hintergrund der
Strompreisentwicklungen einen stabilen, verlässlichen Strompreis auch für die
Zukunft an. Einzelheiten der Energieversorgung am Standort und damit
verbundene Fragen sind ebenfalls Gegenstand andauernder Beratungen.
37. Warum will das Bundeswirtschaftsministerium Anwendungen von
Carbon Dioxide Capture and Storage (CCS) und Carbon Capture and
Utilization (CCU) nur „punktuell“ und nicht in der Breite fördern?
Es ist, auch im Sinne der Wirtschaftlichkeit, geplant, CCS bzw. CCU nur dort
gezielt staatlich zu fördern, wo es sich als notwendig erweist. Gefördert werden
sollen Sektoren, in denen überwiegend schwer vermeidbare CO2-Emissionen
anfallen oder die zum Erreichen von Negativemissionen dienen. Entsprechende
Sektoren sollen auf Basis der sich in Erarbeitung befindlichen Carbon-
Management-Strategie definiert werden.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333