Deutscher Bundestag Drucksache 20/11889
20. Wahlperiode 17.06.2024
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Christian Leye, Dr. Sahra Wagenknecht,
Ali Al-Dailami, weiterer Abgeordneter und der Gruppe BSW
– Drucksache 20/11269 –
Kontakte der Signa Holding, verbundener Unternehmen und des Investors
René Benko in die Politik
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Signa Holding GmbH (im Folgenden SIGNA) war Österreichs größtes
Immobilien- und Handelsgeflecht mit einem Fokus auf Luxusimmobilien in
Deutschland, Österreich, Norditalien sowie Prestigeobjekten wie dem
Chrysler Building in New York (USA). Darüber hinaus verfügte Signa über
Medienbeteiligungen an den österreichischen Tageszeitungen „Kurier“ und „Krone“
(vgl.
https://www.derstandard.de/story/3000000200333/signa-verkauft-im-san
ierungsverfahren-medienbeteilijet-und-chrysler-building).
Die Holding wurde dabei als „kleine GmbH“ geführt und ließ folglich im
Unterschied zu Signa Prime und Signa Development keinen Konzernabschluss
testieren. Signa soll auch von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft TPA
Gruppe beraten worden sein. Die TPA Gruppe soll auch für den insolventen
Zahlungsdienstleister Wirecard tätig gewesen sein (vgl.
https://www.businessinsid
er.de/bi/die-russland-connections-von-signa-gruender-rene-benko/).
In Deutschland ist Signa insbesondere über das Engagement bei Karstadt und
Galeria Kaufhof, über die Luxuskaufhäuser der KaDeWe Group u. a. in Berlin
(KaDeWe), Hamburg (Alsterkaufhaus), München (Oberpollinger) und
Düsseldorf (Carsch-Haus) sowie das Bauprojekt Elbtower (Hamburg) in Erscheinung
getreten (vgl.
https://www.capital.de/wirtschaft-politik/benkos-luxuskaufhaus-
gruppe-kadewe-bereitet-insolvenzantrag-vor-34403918.html). Die SignaPleite
hat somit erheblichen Einfluss auf die städtebauliche und ökonomische
Zukunft deutscher Metropolen. Das Geschäftsmodell basierte dabei auf dem
Erwerb von glamourösen und teils historischen Luxusimmobilien in Top-Lagen,
die mit Fremdkapital potenter Investoren finanziert wurden. Die
Wirtschaftlichkeit der Investments sollte durch Aufwertung der Immobilien und in der
Folge hohen Buchgewinnen sowie Mieteinnahmen von renommierten
Unternehmen gewährleistet werden (vgl.
https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/
unternehmen/signa-holding-benko-insolvenz-100.html). Dieses riskante
Geschäftsmodell geriet insbesondere mit den ökonomischen Verwerfungen durch
die Corona-Krise sowie den Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank
im Zuge des Energiepreisschocks unter Druck.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz
vom 14. Juni 2024 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Kritiker bemängelten dabei, dass Signa bei Kaufhäusern wie Karstadt und
Kaufhof, die unter Druck des Online-Versandhandels standen, kein tragfähiges
Geschäftsmodell anstrebte, sondern die Kaufhäuser über hohe Mieten
auspresste (vgl.
https://www.merkur.de/wirtschaft/signa-pleite-benko-forderte-jah
relang-horrende-mieten-fuer-galeria-92722391.html) und von Corona-Hilfen
über 680 Mio. Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) mittelbar
profitierte. Zum Inhalt und zu der konkreten Ausgestaltung der von der
Bundesregierung mit der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH im Rahmen der WSF-
Stabilisierungsmaßnahme vereinbarten Sicherheiten erteilt die
Bundesregierung mit Verweis auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse und der
infolgedessen erfolgten Einstufung der Informationen als „VS – Vertraulich“ öffentlich
keine Auskunft (siehe Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche
Frage 105 des Abgeordneten Pascal Meiser auf Bundestagsdrucksache
19/26646).
Die Signa Gruppe gliederte sich in zwei Kernbereiche: Signa Real Estate
(Immobilien) und Signa Retail (Handel). Die Signa Gruppe bestand dabei aus
hunderten Einzelgesellschaften mit undurchsichtigen Finanzverflechtungen.
Die Signa Holding hat am 29. November 2023 beim Handelsgericht Wien
Insolvenz in Form eines Antrags auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens
angemeldet. Man habe die nötige Liquidität nicht sicherstellen können, die für
eine außergerichtliche Restrukturierung erforderlich wäre (vgl.
https://www.ta
gesschau.de/wirtschaft/unternehmen/signa-insolvenz-100.html). Die Republik
Österreich hat den Sanierungsplänen nicht zugestimmt (vgl.
https://www.tages
schau.de/wirtschaft/unternehmen/signa-sanierung-oesterreich-100.html).
Allein gegenüber der Immobiliensparte Signa-Prime wurden bislang offene
Forderungen über 10,8 Mrd. Euro angemeldet. Die Signa-Pleite ist die größte
Insolvenz der österreichischen Wirtschaftsgeschichte (vgl.
https://www.tagess
chau.de/wirtschaft/unternehmen/signa-sanierung-oesterreich-100.html). Neben
der Signa Holding hat u. a. auch die Signa Real Estate Management Germany
Insolvenz angemeldet (vgl.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehme
n/signa-tochter-insolvenz-100.html).
Signa wurde ursprünglich vom späteren österreichischen Milliardär René
Benko gegründet, der in den vergangenen Jahren trotz prägenden Einflusses
auf die Geschäftspolitik keine operative und haftungsrechtliche Funktion bei
der Signa Holding mehr ausübte und den Signa Beirat führte (vgl.
https://ww
w.nzz.ch/wirtschaft/signa-insolvenz-rene-benko-persoenlich-geraet-ins-
visierder-behoerden-ld.1777500). Ihm wird vorgeworfen, erhebliche
Vermögenswerte in Familienstiftungen verschoben zu haben (vgl.
https://www.stern.de/w
irtschaft/news/themen/rené-benko-4185378.html). Gegen René Benko laufen
strafrechtliche Ermittlungen (vgl.
https://www.nzz.ch/wirtschaft/signa-insolve
nz-rene-benko-persoenlich-geraet-ins-visier-der-behoerden-ld.1777500;
https://www.nzz.ch/wirtschaft/signa-krise-thailaendische-central-group-kauft-
offenbar-kadewe-gebaeude-in-berlin-ld.1767273). Mittlerweile prüft die
Münchener Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit Signa und René Benko auch
Geldwäscheverdachtsanzeigen (vgl.
https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/
geldwaesche-bei-signa-weiter-viele-unklarheiten-im-fall-benko,U70oOGT).
René Benko wurde bereits 2012 rechtskräftig wegen des Versuchs der
Bestechung des früheren kroatischen Premierministers Ivo Sanader verurteilt. Er
soll versucht haben, Sanader dazu zu bewegen, dass dieser Einfluss auf ein
Gerichtsverfahren in Italien nehmen solle (vgl.
https://www.diepresse.com/38
53313/korruption-rene-benko-ist-ein-verurteilter-mann).
René Benkos exzellenten Verbindungen in die Politik hat dies nicht geschadet.
So engagierten sich u. a. die früheren österreichischen Bundeskanzler Alfred
Gusenbauer (SPÖ) und Sebastian Kurz (ÖVP) als Lobbyisten für Signa und
sollen Millionenhonorare für die Beeinflussung politischer Entscheidungen
erhalten haben. Gusenbauer rechnete dabei auch Honorare für sein Wirken im
Zusammenhang mit den Corona-Hilfen aus dem WSF ab (vgl.
https://www.de
rstandard.de/story/3000000197851/kanzler-zu-diensten-die-rolle-von-kurz-un
d-gusenbauer-im-benko-konstrukt). Der Unternehmer und frühere FDP-
Schatzmeister Harald Christ pflegte ebenso engste Beziehungen zu René
Benko (vgl.
https://www.manager-magazin.de/unternehmen/handel/kaufhof-n
euer-eigner-benko-schickt-vertraute-in-aufsichtsrat-a-1241766.html). Im
Freistaat Bayern setzten der Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sowie
Hubert Aiwanger (Freie Wähler) auf das Engagement von René Benko bei
Karstadt (vgl.
https://www.bild.de/regional/muenchen/muenchen-aktuell/mue
nchner-filiale-hauptbahnhof-300-karstadt-mitarbeiter-hoffen-auf-aiwanger-84
243006.bild.html) und in Berlin lobbyierte Signa erfolgreich den rot-rot-
grünen Senat für Baugenehmigungen (vgl.
https://www.abgeordnetenwatch.de/re
cherchen/lobbyismus/signa-lobbyierte-erfolgreich-beim-berliner-senat).
Insbesondere die Beratungsfirma des früheren Bundesministers des
Auswärtigen und Vizebundeskanzlers Joschka Fischer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN),
JF & C, engagierte sich für René Benko (vgl.
https://www.sueddeutsche.de/wi
rtschaft/signa-benko-joschka-fischer-1.6326054?reduced=true). Ein wichtiger
Berater der Signa Gruppe soll zudem an die christdemokratische Südtiroler
Volkspartei gespendet haben (vgl.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/vertraute
r-von-immobilienunternehmer-rene-benko-mit-fragwuerdigen-
parteispendena-b2f9ee44-a210-43a1-a0cc-36835eec53d6).
Der Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz der aktuellen
Bundesregierung, Dr. Robert Habeck, zeigte sich noch im Frühjahr 2022
zuversichtlich, dass Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) „in sicheres und gutes Fahrwasser
kommt.“ (
https://www.abgeordnetenwatch.de/recherchen/informationsfreiheit/
nicht-vorhanden-oder-vertraulich-regierung-haelt-unterlagen-zu-lobbygesprae
chen-mit-rene-benko-geheim). Die Bundesregierung verweigert jedoch dem
Deutschen Bundestag seit 2021 öffentliche Auskunft, wie die Corona-Hilfen
besichert wurden und verweist auf den Geheimschutz (vgl.
https://www.abgeo
rdnetenwatch.de/recherchen/informationsfreiheit/nicht-vorhanden-oder-vertra
ulich-regierung-haelt-unterlagen-zu-lobbygespraechen-mit-rene-benko-ge
heim).
In der Öffentlichkeit spielen auch die Kontakte des ehemaligen Ersten
Bürgermeisters der Freien und Hansestadt Hamburg und des aktuellen
Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland, Olaf Scholz, zu René Benko eine Rolle.
Die Signa Gruppe hatte u. a. den Zuschlag für den umstrittenen Hamburger
Elbtower erhalten, der das drittgrößte Hochhaus Deutschlands werden sollte,
obwohl Signa beim absoluten Kaufpreis für das Grundstück nicht das höchste
Gebot eingereicht hatte und nachträglich ohne zusätzliche finanzielle
Kompensation eine höhere Bruttogeschossfläche zugestanden wurde (vgl.
https://ta
z.de/!5925352/;
https://www.zeit.de/2023/51/elbtower-signa-investoren-vertra
ege-bauruine-hafencity/seite-3).
Olaf Scholz betonte kurz vor seinem Eintritt in die Bundesregierung im
Frühjahr 2018, die Signa sei ein „hervorragendes Immobilienunternehmen“. Für
ihn stehe fest, dass „Signa nicht nur Projekte ankündigt, sondern sie auch
umsetzen kann“ (
https://olaf-scholz.spd.de/aktuelles/detail/news/rede-zur-vorstell
ung-der-plaene-fuer-den-elbtower/08/02/2018). Laut Angaben des Hamburger
Senats in der Antwort auf eine Informationsfreiheitsanfrage des früheren
Abgeordneten Fabio De Masi war ein Gespräch zwischen Olaf Scholz und René
Benko zum Alsterkaufhaus aktenkundig. Ferner wurde mitgeteilt, dass ein
Gespräch zwischen Olaf Scholz, Alfred Gusenbauer und René Benko zum
Themenkomplex Karstadt/Alsterhaus vorgesehen war, jedoch zum geplanten
Termin nicht stattgefunden hat. Darüber, ob es später stattgefunden habe, lägen
keine Erkenntnisse vor (
https://fragdenstaat.de/anfrage/vor-und-nachbereitend
e-unterlagen-sowie-dokumente-zu-terminen-mit-benko-vertretern-der-signa-gr
uppe/875079/anhang/20240213bescheidanfragehmbtg_geschwaerzt.pdf).
Gespräche zum Elbtower waren laut dem Hamburger Senat nicht aktenkundig
(vgl.
https://fragdenstaat.de/anfrage/kontakte-zur-adler-gruppe-benko-caner/).
Später berichtete das Nachrichtenmagazin „STERN“ jedoch unter Berufung
auf René Benkos Umfeld, Olaf Scholz habe unter Vermittlung von Alfred
Gusenbauer im laufenden Ausschreibungsverfahren zum Elbtower
telefonischen Kontakt mit René Benko unterhalten (vgl.
https://www.stern.de/politik/
deutschland/olaf-scholz—der-elbtower-und-ein-kontakt-mit-investor-benko-3
4173742.html).
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Mitglieder der Bundesregierung, Parlamentarische Staatssekretärinnen und
Parlamentarische Staatssekretäre bzw. Staatsministerinnen und Staatsminister
sowie Staatssekretärinnen und Staatssekretäre pflegen in jeder Wahlperiode im
Rahmen der Aufgabenwahrnehmung Kontakte mit einer Vielzahl von Akteuren
aller gesellschaftlichen Gruppen. Eine Verpflichtung zur Erfassung sämtlicher
geführter Gespräche bzw. deren Ergebnisse – einschließlich Telefonate –
besteht nicht, und eine solche umfassende Dokumentation wurde auch nicht
durchgeführt (siehe dazu die Vorbemerkung der Bundesregierung auf die
Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 18/1174).
Zudem werden Gesprächsinhalte nicht protokolliert. Die nachfolgenden
Ausführungen bzw. aufgeführten Angaben erfolgen auf der Grundlage der
vorliegenden Erkenntnisse sowie vorhandener Unterlagen und Aufzeichnungen.
Diesbezügliche Daten sind somit möglicherweise nicht vollständig.
Erfasst werden alle Kontakte von Staatssekretären und Staatsekretärinnen, den
Parlamentarischen Staatssekretären und Staatssekretärinnen, den
Bundesministern und Bundesministerinnen und des Bundeskanzlers – keine Abteilungsleiter
und keine Koordinatoren, da es unterhalb der Leitungsebene aufgabenbedingt
über die bisherige Dauer der aktuellen Wahlperiode vielfältige dienstliche
Kontakte von Vertretern bzw. Vertreterinnen des Bundeskanzleramtes und der
Ressorts zu u. a. Unternehmen, Verbänden und anderen Institutionen gibt. Eine
vollständige und umfassende Aufstellung über all diese Kontakte existiert nicht
und kann aufgrund fehlender Recherche z. B. wegen Personalwechseln auch
nicht erstellt werden. Eine Auflistung von Einzelterminen der Ressorts
unterhalb der Leitungsebene erfolgt daher nicht.
Aus diesem Grund wird auf eine Beantwortung der Fragen 11 bis 13 verzichtet.
1. Verfügt die Bundesregierung oder verfügen nachgeordnete Behörden
über vor- oder nachbereitende Unterlagen, Vermerke oder sonstige
Kommunikation, die etwaige Straftaten von René Benko (etwa seine
Verurteilung wegen des Versuches der Bestechung) thematisieren?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Unterlagen, Vermerke oder sonstige
Kommunikation vor.
2. Verfügt die Bundesregierung oder eine ihrer Sicherheitsbehörden über
Erkenntnisse über mögliche Verbindungen des flüchtigen Wirecard-
Managers Jan Marsalek zur Signa Gruppe, zu damit verbundenen
Unternehmen bzw. René Benko, vor dem Hintergrund von Presseberichten über
Zahlungen der Signa an eine Gesellschaft, die in einer
Geschäftsbeziehung zum Unternehmen Wirecard stand (
https://www.news.at/a/benko-a
uf-marsaleks-spuren-in-moskau-13291607)?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.
3. Seit wann haben die Bundesregierung, nachgeordnete Behörden oder die
Financial Intelligence Unit (FIU) Kenntnis über mögliche
Geldwäscheverdachtsmeldungen im Zusammenhang mit der Signa Gruppe,
verbundenen Unternehmen und/oder René Benko und Stiftungen aus René
Benkos familiärem Umfeld, wie der Ingbe-Stiftung oder der Laura
Privatstiftung (vgl.
https://www.oe24.at/leute/oesterreich/benkos-schoene-to
chter-zeigt-ihr-luxus-leben/586062117)?
Die Beantwortung der Frage kann aus Gründen des Staatswohls nicht offen
erfolgen, sondern wird gemäß der Verschlusssachenanweisung (VSA) als „VS –
Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft und zur Einsichtnahme in die
Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages eingestellt. Eine Kenntnisnahme durch
Unbefugte kann für die Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder
mindestens nachteilig sein. Entsprechend den internationalen Standards der
Financial Action Task Force (FATF) und den europarechtlichen Vorgaben handelt
die Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (FIU) eigenständig und
ist in ihrer operativen Analyse unabhängig. Ihre Arbeitsabläufe und
Analyseschritte unterliegen strengen Geheimschutzregelungen. Ein Bekanntwerden der
Arbeitsweise der FIU wäre daher für entsprechende Ermittlungserfolge und
somit die Sicherheit und die Interessen der Bundesrepublik Deutschland
mindestens nachteilig. Eine Bekanntgabe hierzu würde Rückschlüsse auf die
Analysetätigkeit der FIU zulassen und dadurch die Erfüllung ihres gesetzlichen
Auftrags gefährden. Die erbetenen Angaben sind daher als „VS – Nur für den
Dienstgebrauch“ eingestuft.*
4. Welche Kontakte zwischen Vertretern der Bundesregierung (inklusive
der Parlamentarischen Staatssekretäre), allen voran des
Bundeskanzleramts, des Bundesministeriums der Finanzen sowie des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (früher: Bundesministerium für
Wirtschaft und Energie), zum Investor René Benko, zu der Signa Gruppe
und Dritten, die sich für die Interessen von René Benko und/oder der
Signa Gruppe und/oder verbundenen Unternehmen engagiert haben, sind
der Bundesregierung bekannt, die nicht oder unvollständig in der
Antwort auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/5393
eingeräumt wurden (bitte vollständig auflisten und für alle Termine angeben,
an welchem Datum, mit welchem Inhalt, mit welchen Teilnehmern, in
welcher Art [Treffen, E-Mail, Telefonat, Direktnachrichten o. Ä.], wo,
und auf wessen Wunsch Termine stattgefunden haben)?
Der Bundesregierung sind hierzu keine Kontakte bekannt.
* Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“
eingestuft. Die Antwort ist im Parlamentssekretariat des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von
Berechtigten eingesehen werden.
5. Sind der Bundesregierung seither gegenüber der Antwort auf
Bundestagsdrucksache 20/5393 weitere Kontakte von René Benko mit dem
früheren Staatssekretär im damaligen Bundesministerium für Wirtschaft und
Energie Ulrich Nußbaum bekannt geworden?
a) Wenn ja, welche (bitte vollständig auflisten und für alle Termine
angeben, an welchem Datum, mit welchem Inhalt, mit welchen
Teilnehmern, in welcher Art [Treffen, E-Mail, Telefonat,
Direktnachrichten o. Ä.], wo, und auf wessen Wunsch Termine stattgefunden
haben)?
b) Wenn ja, auf welche Art und Weise konnte die Bundesregierung
gegenüber der Antwort auf Bundestagsdrucksache 20/5393 zusätzliche
Kontakte ermitteln, und weshalb konnten diese zuvor nicht bereits
ermittelt werden?
c) Wenn ja, wurden die Fragestellerinnen und Fragesteller der Kleinen
Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/5087 über die unvollständigen
Informationen auf der Bundestagsdrucksache 20/5393 informiert,
und wann, und auf welchem Weg?
Die Fragen 5 bis 5c werden gemeinsam beantwortet.
Der Bundesregierung sind hierzu keine Kontakte bekannt.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) verweist in
diesem Zusammenhang auf die im BMWK geltende Regelung, dass Outlook-
Nutzerkonten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BMWK nach dem
Ausscheiden aus dem Dienst des BMWK nach sechs Monaten gelöscht werden.
Das gilt grundsätzlich auch für Mitglieder der Leitung. Eine Ausnahme gilt
lediglich für Kalender und Kontakte des Bundesministers/der Bundesministerin.
6. Haben Kontakte zwischen Vertretern der Bundesregierung (inklusive der
Parlamentarischen Staatssekretäre), allen voran des Bundeskanzleramts,
des Bundesministeriums der Finanzen sowie des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Klimaschutz (früher: Bundesministerium für Wirtschaft
und Energie), zu den früheren Bundeskanzlern der Republik Österreich
und Signa-Lobbyisten, Alfred Gusenbauer und Sebastian Kurz, sowie
dem früheren CEO der Signa Gruppe Timo Herzberg, seit dem Jahr 2018
in Verbindung mit Interessen von Signa und verbundenen Unternehmen
bzw. von René Benko und/oder Thiel Capital stattgefunden, und wenn ja,
welche (bitte vollständig auflisten und für alle Termine angeben, an
welchem Datum, mit welchem Inhalt, mit welchen Teilnehmern, in welcher
Art [Treffen, E-Mail, Telefonat, Direktnachrichten o. Ä.], wo, und auf
wessen Wunsch Termine stattgefunden haben)?
Seitens der Bundesregierung gab es folgende Kontakte:
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
Datum Vertreter/Vertreterin
der Bundesregierung
Teilnehmer
Lobbygruppe
Art des
Kontakts
Ort Inhalt
Gesprächswunsch
26.02.2019 Bundesminister Peter
Altmaier
Sebastian Kurz Telefonat Antrag auf
Ministererlaubnis Miba/
Zollern [
Wettbewerbsrecht]
Auf Wunsch
von Sebastian
Kurz
7. Haben Kontakte zwischen Vertretern der Bundesregierung (inklusive der
Parlamentarischen Staatssekretäre), allen voran des Bundeskanzleramts,
des Bundesministeriums der Finanzen sowie des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Klimaschutz (früher: Bundesministerium für Wirtschaft
und Energie), zu dem früheren Bundeskanzler der Republik Österreich
und Signa-Lobbyisten, Alfred Gusenbauer, seit dem Jahr 2018 in
Verbindung mit Signa und verbundenen Unternehmen bzw. von René Benko
mit Bezug zu Hilfen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds stattgefunden,
und wenn ja, welche (bitte vollständig auflisten und für alle Termine
angeben, an welchem Datum, mit welchem Inhalt, mit welchen
Teilnehmern, in welcher Art [Treffen, E-Mail, Telefonat, Direktnachrichten
o. Ä.], wo, und auf wessen Wunsch Termine stattgefunden haben)?
Der Bundesregierung sind hierzu keine Kontakte bekannt.
8. Hat es Kontakte zwischen Vertretern der Bundesregierung (inklusive der
Parlamentarischen Staatssekretäre) seit 2020 mit Harald Christ bzw.
anderen Vertreterinnen und Vertretern der Beratungsfirma Christ&
Company Consulting GmbH gegeben, und wenn ja, welche dieser Kontakte
bezogen sich auf Interessen der Signa Gruppe und verbundener
Unternehmen bzw. von René Benko (bitte ggf. separat ausweisen; bitte vollständig
auflisten und für alle Termine angeben, an welchem Datum, mit welchem
Inhalt, mit welchen Teilnehmern, in welcher Art [Treffen, E-Mail,
Telefonat, Direktnachrichten o. Ä.], wo, und auf wessen Wunsch Termine
stattgefunden haben)?
Seitens der Bundesregierung gab es folgende Kontakte:
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Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Der Parlamentarische Staatssekretär Niels Annen bei der Bundesministerin für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hatte einen Kontakt mit
Harald Christ. Dabei ging es inhaltlich nicht um Interessen der Signa Gruppe,
René Benko oder verbundener Unternehmen:
26. April 2023 Gespräch mit Harald Christ zur Entwicklungszusammenarbeit.
Der Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung Jochen Flasbarth hat an folgenden Terminen mit Harald
Christ bzw. Vertreterinnen und Vertretern der Beratungsfirma Christ &
Company Kontakt gehabt. Bei diesen Terminen ging es inhaltlich ausschließlich um
den Wiederaufbau Ukraine und nicht um Interessen der Signa Gruppe, René
Benko oder verbundener Unternehmen:
1. 14. Dezember 2023 virtuelles Gespräch mit Harald Christ von Christ &
Company.
2. 31. Januar 2024 virtuelles Gespräch mit Harald Christ, aufbauend auf das
Gespräch im Dezember 2023.
3. 5. März 2024 Sts Büro Berlin Andreas Kuhlmann, Christ & Company –
Wiederaufbau Ukraine.
4. 19. April 2024 Benefizgala Harald Christ Stiftung.
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Bundesministerin Bettina Stark-Watzinger:
Ein Treffen mit Harald Christ hat am 14. Dezember 2022 stattgefunden.
Thematisch wurde hierbei nicht über Interessen der Signa Gruppe und verbundener
Unternehmen bzw. René Benko gesprochen.
Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Jens Brandenburg:
Der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Jens Brandenburg hatte gelegentlich
Kontakte zu Harald Christ in seiner Funktion als, inzwischen ehemaliger, FDP-
Bundesschatzmeister, die in keinem Zusammenhang mit der Tätigkeit der
Beratungsfirma Christ & Company Consulting GmbH oder Interessen der Signa
Gruppe standen.
Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
Drei Schreiben von Harald Christ sind bei der Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien seit dem Regierungswechsel eingegangen. Keines
dieser Schreiben bezog sich auf Interessen der Signa Gruppe und verbundener
Unternehmen bzw. von René Benko.
9. Hat es Kontakte zwischen Vertretern der Bundesregierung (inklusive der
Parlamentarischen Staatssekretäre) seit 2020 mit Joschka Fischer bzw.
anderen Vertreterinnen und Vertretern der Beratungsfirma JF&C
gegeben, und wenn ja, welche dieser Kontakte bezogen sich auf Interessen
der Signa Gruppe und verbundener Unternehmen bzw. von René Benko
(bitte ggf. separat ausweisen; bitte vollständig auflisten und für alle
Termine angeben, an welchem Datum, mit welchem Inhalt, mit welchen
Teilnehmern, in welcher Art [Treffen, E-Mail, Telefonat,
Direktnachrichten o. Ä.], wo, und auf wessen Wunsch Termine stattgefunden haben)?
Seitens der Bundesregierung gab es folgende Kontakte:
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Teilnahme PStS Stefan Wenzel am Dienstag, 13. Juni 2023, 18:00 an der
Veranstaltung „Wasserstoff 2.0 – die Umsetzung“; Einladung Emil Graeber,
Joschka Fischer & Company GmbH, hier: Podiumsdiskussion (Thema
„Politische Umsetzung“); kein Signa-Bezug.
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und
Verbraucherschutz
Datum 16.03.2023
Anwesende BMUV Vertreter und Vertreterinnen Pst. Christian Kühn und persönliche Referentin
Anwesende JF&C Vertreter und Vertreterinnen Beschäftigte der JF&C Arbeitsebene (Namen liegen
nicht vor)
Gesprächsinhalt Klimaanpassung und Arbeit des BMUV dazu
Art und Ort Persönliches Gespräch in den Räumlichkeiten von JF&C
Initiator des Treffens JF&C
Bundespresseamt:
Ein Treffen zwischen Staatssekretär Steffen Hebestreit und Lars Kühn (JF&C)
fand am 22. Februar 2024 in Berlin statt. Inhalt war ein allgemeiner Austausch
ohne Bezug zu den Interessen der Signa Gruppe und verbundener Unternehmen
bzw. von Herrn Benko.
Bundeskanzleramt
Ein Treffen des Chefs des Bundeskanzleramts mit Joschka Fischer fand
anlässlich des 178. Bergedorfer Gesprächskreis am 25./26. März 2022 statt, dieser
Kontakt bezog sich jedoch nicht auf Interessen der Signa Gruppe und
verbundener Unternehmen bzw. von Herrn Benko.
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Bundesministerin Bettina Stark-Watzinger:
Ein Treffen mit einem Vertreter der Beratungsfirma JF&C hat am 07.07.2022
stattgefunden. Thematisch wurde hierbei nicht über Interessen der Signa
Gruppe und verbundener Unternehmen bzw. René Benko gesprochen.
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
Seit 2020 hat es Kontakte zwischen Bundesminister Cem Özdemir und Joschka
Fischer bzw. anderen Vertreterinnen und Vertretern der Beratungsfirma JF&C
gegeben. In keinem dieser Treffen wurden die Interessen der Signa Gruppe und
verbundener Unternehmen bzw. René Benko thematisiert.
Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien hatte mehrere
Kontakte mit Joschka Fischer. Keiner dieser Kontakte bezog sich auf Interessen
der Signa Gruppe und verbundener Unternehmen bzw. von René Benko.
10. Hat es Kontakte zwischen Vertretern der Bundesregierung (inklusive der
Parlamentarischen Staatssekretäre) seit 2018 mit Vertretern des
Hamburger Senats mit Bezug zu Interessen der Signa Gruppe und verbundener
Unternehmen bzw. von René Benko gegeben, und wenn ja, welche (bitte
vollständig auflisten und für alle Termine angeben, an welchem Datum,
mit welchem Inhalt, mit welchen Teilnehmern, in welcher Art [Treffen,
E-Mail, Telefonat, Direktnachrichten o. Ä.], wo, und auf wessen Wunsch
Termine stattgefunden haben)?
Der Bundesregierung sind hierzu keine Kontakte bekannt.
11. Hat die Bundesregierung Kenntnis von möglichen Kontakten zwischen
der Arbeitsebene des Bundeswirtschaftsministeriums und René Benko
sowie weiteren Vertretern von Signa seit 2020 (wenn ja, bitte vollständig
auflisten und für alle Termine angeben, an welchem Datum, mit welchem
Inhalt, mit welchen Teilnehmern, in welcher Art [Treffen, E-Mail,
Telefonat, Direktnachrichten o. Ä.], wo, und auf wessen Wunsch Termine
stattgefunden haben)?
12. Hat die Bundesregierung Kenntnis von möglichen Kontakten zwischen
der Arbeitsebene des Bundesministeriums der Finanzen und René Benko
sowie weiteren Vertretern von Signa seit 2020 (wenn ja, bitte vollständig
auflisten und für alle Termine angeben, an welchem Datum, mit welchem
Inhalt, mit welchen Teilnehmern, in welcher Art [Treffen, E-Mail,
Telefonat, Direktnachrichten o. Ä.], wo, und auf wessen Wunsch Termine
stattgefunden haben)?
13. Hat die Bundesregierung Kenntnis von möglichen Kontakten zwischen
der Arbeitsebene des Bundeskanzleramts und René Benko sowie
weiteren Vertretern von Signa seit 2020 (wenn ja, bitte vollständig auflisten
und für alle Termine angeben, an welchem Datum, mit welchem Inhalt,
mit welchen Teilnehmern, in welcher Art [Treffen, E-Mail, Telefonat,
Direktnachrichten o. Ä.], wo, und auf wessen Wunsch Termine
stattgefunden haben)?
Die Fragen 11 bis 13 werden gemeinsam beantwortet.
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung wird verwiesen.
14. Hat es bezüglich der Gewährung von Krediten aus dem WSF an die
Galeria Karstadt Kaufhof GmbH Vereinbarungen mit der Signa Holding
oder einem mit ihr verbundenen Unternehmen gegeben, und wenn ja,
welche, und sehen diese Regelungen für den Fall der Insolvenz der Signa
Holding oder eines mit ihr verbundenen Unternehmens vor, und wenn ja,
welche?
Die Einzelheiten der Gewährung von Stabilisierungsmaßnahmen des
Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) sind mit dem jeweiligen
Maßnahmenempfänger, vorliegend der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH mit Sitz in Essen,
vereinbart. Hier sind u. a. Besicherungen geregelt. Der WSF hatte darüber hinaus
mit der Signa-Holding Vereinbarungen getroffen, die der zusätzlichen
Absicherung des WSF dienten. Regelungen für den Fall der Insolvenz der Signa-
Holding oder weiterer mit ihr verbundener Unternehmen waren bei diesen
zusätzlichen Absicherungen nicht sinnhaft und wurden dementsprechend auch nicht
vereinbart.
15. Hält die Bundesregierung an der Auffassung fest, wonach eine
Beantwortung der Frage nach der Besicherung von Nachrangkrediten des WSF
an die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH (Antwort auf die Schriftliche
Frage 105 auf Bundestagsdrucksache 19/26646) nicht öffentlich erfolgen
kann?
Die Einstufung als „VS – Vertraulich“ erfolgte durch das Bundesministerium
für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) auf Grundlage der Allgemeinen
Verwaltungsvorschrift zum materiellen Geheimschutz. Die Einstufung besteht fort.
16. Hat die Bundesregierung im Zusammenhang mit Hilfen des WSF an die
Galeria Karstadt Kaufhof GmbH Testate von Wirtschaftsprüfern über die
Signa Gruppe bzw. verbundene Unternehmen angefordert, und wenn ja,
für welche Unternehmen der Signa Gruppe?
Die Stabilisierungsmaßnahmen des WSF wurden der Galeria Karstadt Kaufhof
GmbH mit Sitz in Essen gewährt und nicht der Signa Gruppe bzw. weiterer
verbundener Unternehmen. Dementsprechend wurden im Rahmen der Prüfung
über die Gewährung der Stabilisierungsmaßnahme die testierten
Jahresabschlüsse der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH berücksichtigt.
17. Wann hat die Europäische Kommission gegenüber der Bundesregierung
zuletzt zum Ausdruck gebracht, dass nur Unternehmen von unter dem
Temporary Framework genehmigten staatlichen Beihilfen
ausgeschlossen sind, die die Definition eines Unternehmens in Schwierigkeiten
(UiS) durchgängig seit dem 31. Dezember 2019 erfüllen (vgl. Antwort
der Bundesregierung zu Frage 1 auf Bundestagsdrucksache 19/27375)?
Die Europäische Kommission bestätigte diese Rechtslage wiederholt, letzte
aktenkundige Bestätigung ist die beihilferechtliche Genehmigung verschiedener
Maßnahmen unter dem Temporary Framework am 21. Dezember 2021.
Beispielsweise enthält die Allgemeine Bundesregelung Schadensausgleich, deren
Verlängerung an diesem Tag genehmigt wurde, in § 2 Absatz 4 eine
entsprechende Klarstellung. Diese Rechtslage galt auch für die verschiedenen
Abschnitte des Temporary Framework, auf deren Grundlage der WSF
beihilferechtlich genehmigt wurde.
18. Wie genau erfolgte im Fall der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH die
Prüfung des UiS-Status zum 1. Oktober 2020 (vgl. Antwort der
Bundesregierung zu Frage 1 auf Bundestagsdrucksache 19/27375)?
Die Prüfung erfolgte durch die Bundesregierung, hierbei wurde auch der vom
Bund beauftragte Mandatar eingebunden. Die relevanten Kennzahlen wurden
zum maßgeblichen Stichtag untersucht und das Ergebnis dem weiteren Prozess
zugrunde gelegt.
19. Kann die Bundesregierung die Kosten für die öffentliche Hand in
Deutschland aus der Insolvenz der Signa Holding sowie weiterer
Tochterfirmen beziffern?
Infolge des Ende 2022 eröffneten Schutzschirmverfahrens über das Vermögen
der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH war die Stille Beteiligung des WSF
aufgrund ihres Eigenkapitalcharakters entsprechend abzuschreiben. Das
Nachrangdarlehen wird seither in Höhe von 88 Mio. Euro fortgeführt. Am 1. April 2024
wurde über das Vermögen der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH erneut das
Insolvenzverfahren eröffnet. Der WSF hat seit Gewährung der Maßnahmen
bislang Rückflüsse, bestehend aus Tilgungen, Zinsen und anteilige
Verwertungserlöse in Höhe von insgesamt rund 119 Mio. Euro erhalten. Weitere Rückflüsse
sind aus Tilgungen und Erlöse aus einer laufenden Sicherheitenverwertung zu
erwarten. Die endgültigen Kosten für den WSF können daher derzeit nicht
abschließend beziffert werden.
Die Bundesregierung kann keine weitergehende Prognose zu den Kosten für
die öffentliche Hand in Deutschland (Bund, Länder, Kommunen) aus der
Insolvenz der Signa Holding sowie weiterer Tochterfirmen abgeben.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333