Deutscher Bundestag Drucksache 20/15017
20. Wahlperiode 18.02.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Clara Bünger, Dr. André Hahn, Gökay
Akbulut, weiterer Abgeordneter und der Gruppe Die Linke
– Drucksache 20/14540 –
Asyl und Abschiebungen beim Herkunftsland Türkei
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Nach Kenntnis der Fragestellenden verschlechtert sich die
Menschenrechtslage in der Türkei immer weiter. Das drückt sich unter anderem in willkürlichen
und politisch motivierten Strafverfahren aus, die sich besonders häufig gegen
Kurdinnen und Kurden, Linke und andere Personen richten, die zum Beispiel
Korruption oder Menschenrechtsverletzungen durch die Türkei kritisieren.
Ein von Pro Asyl in Auftrag gegebenes und im September 2024
veröffentlichtes Rechtsgutachten kommt zu dem Ergebnis, dass das Mittel der
Strafverfolgung in der Türkei eingesetzt wird, um „der Regierung unliebsames
politisches Handeln zu verhindern“. Insbesondere Terrorismusvorwürfe würden
willkürlich erhoben, entsprechende Strafverfahren würden regelmäßig
rechtsstaatliche Standards verletzen. Davon betroffene Personen hätten keine
Möglichkeit, sich effektiv zu verteidigen, die richterliche Unabhängigkeit sei nicht
gewährleistet. Das habe verschiedene Gründe: Richterinnen und Staatsanwälte
würden kontrolliert, nach unliebsamen Entscheidungen versetzt, entlassen
oder sogar selbst kriminalisiert. Das materielle Recht sei so formuliert und
werde so weit ausgelegt, dass nicht vorhersehbar sei, welche Handlungen als
strafbar bewertet werden. In vielen Anklagen und Urteilen würden lediglich
konkrete Sachverhalte dargestellt, es fehle aber die Subsumption unter eine
gesetzliche Regelung; teilweise fehlten sogar Darstellungen konkreter
Sachverhalte. Ermittlungen würden einseitig geführt, zudem würden falsche
Beweise angefertigt. Das geschehe insbesondere mithilfe geheimer Zeugen, die
unter unklaren Umständen Angaben zu einer Vielzahl von Personen machten.
Das Gutachten basiert auf einer einjährigen Untersuchung der türkischen
Justiz. Analysiert wurden Urteile türkischer Gerichte und des Europäischen
Gerichtshofs für Menschenrechte, Berichte des Europarats und der EU-
Kommission, ferner wurden Interviews mit in der Türkei praktizierenden
Rechtsanwälten und Rechtsanwältinnen geführt. Umgesetzt wurde die Untersuchung durch
zwei renommierte Rechtsanwältinnen bzw. Rechtsanwälte aus der Türkei,
deren Identität aus Sicherheitsgründen geheim gehalten werden muss. Allein
diese Notwendigkeit „spricht Bände über den Zustand des türkischen
Rechtsstaats“, wie Pro Asyl kommentiert (
www.proasyl.de/news/keine-chance-auf-g
erechtigkeit-politisch-verfolgte-im-fadenkreuz-tuerkischer-justiz/ sowie www.
proasyl.de/wp-content/uploads/Gutachten-Tuerkei-Langfassung_final.pdf).
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern und für Heimat
vom 18. Februar 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Obwohl der Verfolgungsdruck in der Türkei wie beschrieben zunimmt, lehnt
das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) immer mehr
Asylanträge von Geflüchteten aus der Türkei ab. Im Jahr 2023 betrug die um
formelle Entscheidungen bereinigte Schutzquote nur noch knapp 18 Prozent, bei
Kurdinnen und Kurdinnen lag sie sogar nur bei gut 6 Prozent (Antwort zu
Frage 17 auf Bundestagsdrucksache 20/10986). Nach Auffassung der
Fragestellenden liegt dies unter anderem daran, dass das BAMF häufig den
politischen Charakter von Strafverfahren in der Türkei verkennt und den davon
betroffenen Asylsuchenden den dringend benötigten Schutz versagt. Die
Bundesregierung beantwortete Fragen nach der Unabhängigkeit der türkischen
Justiz bei Strafverfahren mit politischem Bezug in der Vergangenheit nicht
eindeutig bzw. verwies sie darauf, dass es sich bei Asylentscheidungen immer
um Einzelfallentscheidungen handele (zuletzt Antwort zu Frage 9 auf
Bundestagsdrucksache 20/12228). Zuvor hatte die Bundesregierung in ihrer Antwort
auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/8222 noch allgemein auf
den 15. Menschenrechtsbericht der Bundesregierung verwiesen, in dem
zumindest festgehalten wurde: „Ermittlungs- und Gerichtsverfahren mit
politischem Bezug offenbaren die Grenzen der Unabhängigkeit der Justiz und
wirken einschüchternd auf große Teile der Zivilgesellschaft.“ Pro Asyl fordert das
BAMF auf, die bisherige Entscheidungspraxis zu überdenken, die Willkür
politischer Strafverfahren in der Türkei anzuerkennen und die Länderleitsätze
für das Land anzupassen. Die Fragestellenden unterstützen diese Forderungen
(
www.proasyl.de/news/keine-chance-auf-gerechtigkeit-politisch-verfolgte-
imfadenkreuz-tuerkischer-justiz).
Ende September 2024 berichteten verschiedene Medien über eine
bevorstehende „Abschiebeoffensive“ in die Türkei, auf die sich die Bundesregierung
nach monatelangen Verhandlungen mit der türkischen Regierung geeinigt
habe. Zunächst sei die Abschiebung von 200 türkischen Staatsangehörigen mit
Linienflügen geplant. Darüber hinaus habe die türkische Regierung
angeboten, bis zu 500 Menschen pro Woche zurückzunehmen. Sie sei bereit, auch
Charterflüge zu akzeptieren, wenn diese „Spezialflüge“ genannt würden
(
www.tagesschau.de/inland/abschiebung-tuerkei-100.html).
1. Wie viele Asylanträge von Asylsuchenden aus der Türkei gab es in den
Jahren 2023 und 2024 (bitte nach Quartalen und zwischen türkisch- und
kurdischstämmigen Asylsuchenden differenzieren), und wie viele
Minderjährige waren unter diesen Asylsuchenden?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden
(Hinweis: Aufgrund nachträglicher Änderungen kommt es zu Abweichungen
zwischen der Summe der Quartalswerte und den Jahreswerten).
Asylanträge von Asylsuchenden aus der Türkei im Jahr 2023 nach Volkszugehörigkeit und Alter
Türkei
(Zeiträume)
Asylanträge
gesamt
Gesamt darunter:
Kurdischstämmig
darunter:
Türkischstämmig
<18 Jahre 18+ Jahre <18 Jahre 18+ Jahre <18 Jahre 18+ Jahre
Jahr 2023 62.624 20.417 42.207 17.171 35.471 2.475 6.072
1. Quartal 10.582 2.473 8.109 1.946 6.854 364 1.107
2. Quartal 9.154 2.882 6.272 2.346 5.326 402 852
3. Quartal 16.335 5.541 10.794 4.622 8.874 710 1.756
4. Quartal 26.145 9.195 16.950 7.959 14.271 961 2.426
Asylanträge von Asylsuchenden aus der Türkei im Jahr 2024 nach Volkzugehörigkeit und Alter
Türkei
(Zeiträume)
Asylanträge
gesamt
Gesamt darunter:
Kurdischstämmig
darunter:
Türkischstämmig
<18 Jahre 18+ Jahre <18 Jahre 18+ Jahre <18 Jahre 18+ Jahre
Jahr 2024 31.056 10.776 20.280 7.943 15.142 2.024 4.771
1. Quartal 10.119 2.988 7.131 2.316 5.606 466 1.389
2. Quartal 6.338 2.157 4.181 1.542 3.055 432 1.049
3. Quartal 7.712 2.912 4.800 2.123 3.492 555 1.221
4. Quartal 6.455 2.332 4.123 1.599 2.882 522 1.151
2. Wie hat das BAMF in den Jahren 2023 und 2024 über die Asylanträge
von Asylsuchenden aus der Türkei entschieden (bitte zwischen
Asylberechtigung, Flüchtlingseigenschaft, subsidiärem Schutz,
Abschiebungsverbot, Ablehnung, Ablehnung als offensichtlich unbegründet,
Ablehnung als unzulässig sowie zwischen türkisch- und kurdischstämmigen
Asylsuchenden und nach Quartalen differenzieren)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden
(Hinweis: Aufgrund nachträglicher Änderungen kommt es zu Abweichungen
zwischen der Summe der Quartalswerte und den Jahreswerten).
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3. Wie hoch waren in den Jahren 2023 und 2024 die Schutzquote und die
Schutzquote ohne Berücksichtigung der formellen Ablehnungen bei
Asylantragstellenden aus der Türkei insgesamt sowie differenziert nach
türkisch- und kurdischstämmigen Antragstellenden (bitte nach Jahren und
auch nach Quartalen aufschlüsseln)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.
Türkei gesamt darunter: Kurdischstämmig darunter: Türkischstämmig
Gesamtschutzquote
Gesamtschutzquote ohne
Berücksichtigung
formeller Ablehnungen
Gesamtschutzquote
Gesamtschutzquote ohne
Berücksichtigung
formeller Ablehnungen
Gesamtschutzquote
Gesamtschutzquote
ohne
Berücksichtigung formeller
Ablehnungen
Gesamt
2023
13,0 % 17,8 % 4,5 % 6,3 % 54,5 % 64,6 %
Q1 15,7 % 23,3 % 4,3 % 6,8 % 64,6 % 73,3 %
Q2 13,7 % 20,5 % 4,9 % 7,6 % 54,4 % 65,2 %
Q3 12,3 % 17,1 % 4,4 % 6,2 % 53,3 % 65,2 %
Q4 9,2 % 13,2 % 3,7 % 5,4 % 43,0 % 54,6 %
Gesamt
2024
9,4 % 12,5 % 3,1 % 4,2 % 42,4 % 53,5 %
Q1 8,4 % 12,5 % 2,9 % 4,3 % 41,3 % 56,5 %
Q2 9,6 % 13,5 % 3,3 % 4,7 % 42,9 % 57,4 %
Q3 9,7 % 13,5 % 3,0 % 4,3 % 43,8 % 56,1 %
Q4 8,5 % 10,9 % 2,9 % 3,7 % 37,6 % 46,6 %
4. Wie lauten die bereinigten Schutzquoten und absoluten Fallzahlen für
das Herkunftsland Türkei in den Jahren 2023 und 2024, differenziert
nach den zehn Organisationseinheiten im BAMF mit den jeweils
niedrigsten bzw. höchsten Werten (bitte nur solche Organisationseinheiten mit
über 25 entsprechenden Entscheidungen auflisten und nach den Quoten
auf- oder absteigend sortieren, bitte zusätzlich nach Jahren und nach
kurdischer bzw. türkischer Volkszugehörigkeit differenzieren)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.
01.01.–31.12.2023 Türkei
Gesamt Gesamtschutzquote ohne Berücksichtigung
formeller Ablehnungen
Organisationseinheiten 24.131 17,8 %
darunter nach höchsten Werten:
Außenstelle (AS) Ellwangen 146 64,4 %
AS Freiburg 135 57,6 %
AS Speyer 259 41,7 %
AS Jena/Hermsdorf, Landesasylstelle (LAS) 55 39,5 %
AS Karlsruhe, LAS 471 38,9 %
AS Trier, LAS 891 38,2 %
AS Heidelberg im Ankunftszentrum (AZ) 1.040 33,3 %
AS Bielefeld im AZ 240 30,5 %
AS Halberstadt im AZ, LAS 114 30,3 %
AS Büdingen 343 28,8 %
darunter nach niedrigsten Werten:
AS Hamburg im AZ, LAS 377 10,4 %
AS Oldenburg 205 10,2 %
AS Lebach in AnkER, LAS 191 9,2 %
01.01.–31.12.2023 Türkei
Gesamt Gesamtschutzquote ohne Berücksichtigung
formeller Ablehnungen
AS Dresden in AnkER 365 9,2 %
AS Zirndorf in AnkER 821 8,0 %
Dienstleistungszentrum Abteilung 5 43 7,5 %
AS Neumünster, LAS 721 7,0 %
AS Berlin, LAS 2.571 4,8 %
AS Eisenhüttenstadt, LAS 263 2,7 %
AS Chemnitz im AZ, LAS 752 2,6 %
01.01.–31.12.2023 Türkei
Kurdischstämmig
Gesamt Gesamtschutzquote ohne Berücksichtigung
formeller Ablehnungen
Organisationseinheiten 19.687 6,3 %
darunter nach höchsten Werten:
AS Jena/Hermsdorf, LAS 42 28,1 %
AS Freiburg 77 25,0 %
AS Halberstadt im AZ, LAS 88 22,6 %
AS Ellwangen 68 22,5 %
AS Karlsruhe, LAS 330 16,7 %
AS Bremen im AZ, LAS 248 14,1 %
AS Friedland, LAS 209 11,9 %
AS Heidelberg im AZ 719 10,8 %
AS Neustadt 69 10,3 %
AS Bochum, LAS 406 9,9 %
darunter nach niedrigsten Werten:
AS München 705 4,6 %
AS Lebach in AnkER, LAS 172 3,6 %
AS Berlin, LAS 2.284 3,6 %
Entscheidungszentrum West Bonn 400 3,5 %
AS Neumünster, LAS 654 3,0 %
AS Augsburg in AnkER 391 2,5 %
AS Frankfurt/Flughafen 43 2,4 %
AS Chemnitz im AZ, LAS 695 2,0 %
AS Zirndorf in AnkER 690 1,2 %
AS Eisenhüttenstadt, LAS 231 0,5 %
01.01.–31.12.2023 Türkei
Türkischstämmig
Gesamt Gesamtschutzquote ohne Berücksichtigung
formeller Ablehnungen
Organisationseinheiten 3.907 64,6 %
darunter nach höchsten Werten:
AS Freiburg 53 90,9 %
AS Ellwangen 76 90,5 %
AS Karlsruhe, LAS 133 88,0 %
AS Büdingen 62 87,9 %
AS Bielefeld im AZ 62 84,3 %
AS Speyer 106 84,0 %
AS Braunschweig 29 83,3 %
AS Sigmaringen 89 82,9 %
AS München 201 81,0 %
AS Heidelberg im AZ 311 78,7 %
01.01.–31.12.2023 Türkei
Türkischstämmig
Gesamt Gesamtschutzquote ohne Berücksichtigung
formeller Ablehnungen
darunter nach niedrigsten Werten:
AS Zirndorf in AnkER 111 50,5 %
Entscheidungszentrum West Bonn 111 49,5 %
AS Neumünster, LAS 56 48,1 %
AS Hamburg im AZ, LAS 40 44,0 %
AS Oldenburg 31 37,0 %
AS Dresden in AnkER 39 36,7 %
AS Nostorf-Horst, LAS 33 34,6 %
AS Suhl im AZ 35 30,0 %
AS Berlin, LAS 265 15,0 %
AS Chemnitz im AZ, LAS 52 10,9 %
01.01.–31.12.2024 Türkei
Gesamt Gesamtschutzquote ohne Berücksichtigung
formeller Ablehnungen
Organisationseinheiten 45.206 12,5 %
darunter nach höchsten Werten:
AS Freiburg 206 67,1 %
AS Manching in AnkER 31 65,0 %
AS Halberstadt im AZ, LAS 294 43,4 %
AS Trier, LAS 1.211 43,2 %
AS Heidelberg im AZ 2.334 34,3 %
AS Speyer 528 23,4 %
AS Neustadt 233 22,5 %
AS Augsburg in AnkER 649 21,9 %
AS Büdingen 432 19,1 %
AS Bochum, LAS 1.118 18,7 %
darunter nach niedrigsten Werten:
AS Frankfurt/Flughafen 246 5,4 %
AS Lebach in AnkER, LAS 272 5,2 %
Dienstleistungszentrum Abteilung 5 624 4,9 %
AS Eisenhüttenstadt, LAS 495 4,5 %
AS Bramsche im AZ 1.047 4,2 %
AS Oldenburg 689 3,7 %
AS Berlin, LAS 4.741 3,2 %
AS Chemnitz im AZ, LAS 1.488 2,8 %
AS Deggendorf in AnkER 186 2,5 %
AS Bamberg in AnkER 37 0,0 %
01.01.–31.12.2024 Türkei
Kurdischstämmig
Gesamt Gesamtschutzquote ohne Berücksichtigung
formeller Ablehnungen
Organisationseinheiten 36.970 4,2 %
darunter nach höchsten Werten:
AS Freiburg 136 22,6 %
AS Halberstadt im AZ, LAS 226 20,8 %
AS Leipzig im AZ 40 18,8 %
AS Neustadt 187 12,4 %
AS Büdingen 330 8,6 %
AS Bochum, LAS 886 8,5 %
01.01.–31.12.2024 Türkei
Kurdischstämmig
Gesamt Gesamtschutzquote ohne Berücksichtigung
formeller Ablehnungen
AS Heidelberg im AZ 1.554 8,3 %
AS Trier, LAS 681 8,2 %
AS Bonn im AZ 1.223 7,2 %
AS Speyer 368 7,0 %
darunter nach niedrigsten Werten:
AS Frankfurt/Flughafen 215 1,9 %
AS Bramsche im AZ 914 1,8 %
AS Berlin, LAS 4.050 1,7 %
Dienstleistungszentrum Abteilung 5 561 1,5 %
AS Lebach in AnkER, LAS 225 1,4 %
AS Deggendorf in AnkER 166 1,4 %
Dienstleistungszentrum Abteilung 4 1.355 1,1 %
AS Chemnitz im AZ, LAS 1.317 0,7 %
AS Zirndorf in AnkER 1.885 0,5 %
AS Bamberg in AnkER 32 0,0 %
01.01.–31.12.2024 Türkei
Türkischstämmig
Gesamt Gesamtschutzquote ohne Berücksichtigung
formeller Ablehnungen
Organisationseinheiten 7.009 53,5 %
darunter nach höchsten Werten:
AS Freiburg 69 94,0 %
AS Trier, LAS 512 83,0 %
AS Augsburg in AnkER 105 80,9 %
AS Heidelberg im AZ 758 77,9 %
AS Büdingen 55 75,0 %
AS Halberstadt im AZ, LAS 64 74,3 %
AS Bochum, LAS 177 68,1 %
AS Bielefeld im AZ 103 67,1 %
AS Speyer 139 64,4 %
AS Ellwangen 65 64,3 %
darunter nach niedrigsten Werten:
AS Braunschweig 66 32,1 %
AS Schwerin im AZ, LAS 34 30,4 %
AS Bramsche im AZ 109 24,4 %
AS Neumünster, LAS 125 23,9 %
AS Eisenhüttenstadt, LAS 39 23,1 %
AS Chemnitz im AZ, LAS 151 21,9 %
AS Hamburg im AZ, LAS 114 20,2 %
AS Oldenburg 44 15,0 %
AS Berlin, LAS 606 12,5 %
AS Bremen im AZ, LAS 59 8,3 %
5. Wie haben die Verwaltungsgerichte in den Jahren 2023 und 2024 über
die Klagen von Asylsuchenden aus der Türkei gegen Bescheide des
BAMF entschieden (bitte wie in der Antwort zu Frage 2 differenzieren)?
Die Angaben können, soweit vorliegend, den nachfolgenden Tabellen
entnommen werden.
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6. Wie hoch war die Verpflichtungs- bzw. Aufhebungsquote der
Verwaltungsgerichte bei Asylsuchenden aus der Türkei in den Jahren 2023 und
2024 (bitte nach Jahren differenzieren, bitte zusätzlich zwischen
kurdisch- und türkischstämmigen Asylsuchenden differenzieren) bei
Nichtberücksichtigung formeller Erledigungen (bitte in absoluten und
relativen Zahlen angeben, zudem bitte gesondert diejenigen zehn
Verwaltungsgerichte auflisten, die die niedrigsten bzw. die höchsten
Verpflichtungs- bzw. Aufhebungsquoten in Abweichung vom Durchschnittswert
aller Verwaltungsgerichte in diesen Zeiträumen aufwiesen)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.
Aufhebungsquote 1. Januar bis 30. November 2024 Türkei gesamt an
Gerichtsentscheidungen gesamt.
Herkunftsland
(HKL)/Volk
Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt absolut Anteil
Türkei gesamt VG Gesamt 15.278 713 4,7 %
darunter
VG Dresden 142 24 16,9 %
VG Köln 249 35 14,1 %
VG Lüneburg 137 18 13,1 %
VG Osnabrück 84 10 11,9 %
VG Münster 218 25 11,5 %
VG Minden 207 22 10,6 %
VG Hannover 229 24 10,5 %
VG Stade 58 6 10,3 %
VG Arnsberg 303 30 9,9 %
VG Bremen 187 17 9,1 %
VG Hamburg 300 4 1,3 %
VG Halle 80 1 1,3 %
VG Ansbach 1052 10 1,0 %
VG Augsburg 441 1 0,2 %
VG Bayreuth 27 0 0,0 %
VG Regensburg 71 0 0,0 %
VG Cottbus 1 0 0,0 %
Hamburgisches
Oberverwaltungsgericht
3 0 0,0 %
VG Chemnitz 174 0 0,0 %
VG Greifswald 1 0 0,0 %
Aufhebungsquote 1. Januar bis 30. November 2024 Türkei gesamt an
Gerichtsentscheidungen gesamt abzüglich formeller Verfahrenserledigungen.
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt ohne formelle
Verfahrenserledigungen
absolut Anteil
Türkei gesamt VG Gesamt 7.382 713 9,7 %
darunter
VG Arnsberg 80 30 37,5 %
VG Minden 66 22 33,3 %
VG Dresden 79 24 30,4 %
VG Köln 125 35 28,0 %
VG Stade 22 6 27,3 %
VG Hannover 93 24 25,8 %
VG Münster 103 25 24,3 %
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt ohne formelle
Verfahrenserledigungen
absolut Anteil
VG Sigmaringen 114 25 21,9 %
VG Osnabrück 48 10 20,8 %
VG Stuttgart 211 43 20,4 %
VG Gießen 409 15 3,7 %
VG Halle 29 1 3,4 %
VG Würzburg 60 2 3,3 %
VG Ansbach 620 10 1,6 %
VG Augsburg 165 1 0,6 %
VG Bayreuth 18 0 0,0 %
VG Regensburg 61 0 0,0 %
VG Cottbus 1 0 0,0 %
VG Chemnitz 75 0 0,0 %
VG Greifswald 1 0 0,0 %
Aufhebungsquote 1. Januar bis 30. November 2024 Kurden an
Gerichtsentscheidungen gesamt.
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt absolut Anteil
Türkei/Kurden VG Gesamt 13.478 535 4,0 %
darunter
VG Dresden 121 20 16,5 %
VG Lüneburg 127 17 13,4 %
VG Osnabrück 75 9 12,0 %
VG Minden 191 22 11,5 %
VG Köln 210 23 11,0 %
VG Hannover 201 19 9,5 %
VG Münster 189 17 9,0 %
VG Leipzig 330 29 8,8 %
VG Potsdam 269 23 8,6 %
VG Stuttgart 468 38 8,1 %
VG Würzburg 98 1 1,0 %
VG Darmstadt 309 3 1,0 %
VG Ansbach 942 8 0,8 %
VG Augsburg 381 1 0,3 %
VG Bayreuth 21 0 0,0 %
VG Regensburg 57 0 0,0 %
VG Cottbus 1 0 0,0 %
Hamburgisches
Oberverwaltungsgericht
3 0 0,0 %
VG Chemnitz 160 0 0,0 %
VG Greifswald 1 0 0,0 %
Aufhebungsquote 1. Januar bis 30. November 2024 Kurden an
Gerichtsentscheidungen gesamt abzüglich formeller Verfahrenserledigungen.
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt ohne formelle
Verfahrenserledigungen
absolut Anteil
Türkei/Kurden VG Gesamt 6.600 535 8,1 %
darunter
VG Minden 65 22 33,8 %
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt ohne formelle
Verfahrenserledigungen
absolut Anteil
VG Dresden 69 20 29,0 %
VG Hannover 82 19 23,2 %
VG Köln 100 23 23,0 %
VG Osnabrück 44 9 20,5 %
VG Stade 20 4 20,0 %
VG Stuttgart 196 38 19,4 %
VG Schwerin 48 9 18,8 %
VG Münster 92 17 18,5 %
VG Lüneburg 98 17 17,3 %
VG Gießen 364 11 3,0 %
VG Würzburg 54 1 1,9 %
VG Frankfurt/Main 304 5 1,6 %
VG Ansbach 564 8 1,4 %
VG Augsburg 152 1 0,7 %
VG Bayreuth 14 0 0,0 %
VG Regensburg 49 0 0,0 %
VG Cottbus 1 0 0,0 %
VG Chemnitz 71 0 0,0 %
VG Greifswald 1 0 0,0 %
Aufhebungsquote 1. Januar bis 30. November 2024 Türken an
Gerichtsentscheidungen gesamt.
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt absolut Anteil
Türkei/Türken VG Gesamt 1.520 167 11,0 %
darunter
VG Stade 4 2 50,0 %
VG Göttingen 9 4 44,4 %
VG Köln 31 12 38,7 %
VG Münster 21 8 38,1 %
VG Arnsberg 71 20 28,2 %
VG Freiburg 47 13 27,7 %
VG Frankfurt/Main 58 12 20,7 %
VG Sigmaringen 50 10 20,0 %
VG Dresden 20 4 20,0 %
VG Hannover 26 5 19,2 %
VG Augsburg 50 0 0,0 %
VG Bayreuth 5 0 0,0 %
VG Regensburg 3 0 0,0 %
VG Bremen 17 0 0,0 %
VG Hamburg 25 0 0,0 %
VG Wiesbaden 27 0 0,0 %
VG Braunschweig 13 0 0,0 %
VG Oldenburg 14 0 0,0 %
VG Minden 14 0 0,0 %
VG des Saarlandes 1 0 0,0 %
VG Halle 4 0 0,0 %
VG Weimar 22 0 0,0 %
VG Chemnitz 12 0 0,0 %
VG Schwerin 32 0 0,0 %
Aufhebungsquote 1. Januar bis 30. November 2024 Türken an
Gerichtsentscheidungen gesamt abzüglich formeller Verfahrenserledigungen.
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt ohne formelle
Verfahrenserledigungen
absolut Anteil
Türkei/Türken VG Gesamt 658 167 25,4 %
darunter
VG Stade 2 2 100,0 %
VG Münster 9 8 88,9 %
VG Gelsenkirchen 7 6 85,7 %
VG Göttingen 5 4 80,0 %
VG Freiburg 17 13 76,5 %
VG Arnsberg 28 20 71,4 %
VG Köln 21 12 57,1 %
VG Kassel 9 5 55,6 %
VG Sigmaringen 19 10 52,6 %
VG München 8 4 50,0 %
VG Augsburg 12 0 0,0 %
VG Bayreuth 4 0 0,0 %
VG Regensburg 3 0 0,0 %
VG Bremen 3 0 0,0 %
VG Hamburg 6 0 0,0 %
VG Wiesbaden 10 0 0,0 %
VG Braunschweig 2 0 0,0 %
VG Oldenburg 1 0 0,0 %
VG Minden 1 0 0,0 %
VG Halle 2 0 0,0 %
VG Weimar 4 0 0,0 %
VG Chemnitz 3 0 0,0 %
VG Schwerin 1 0 0,0 %
Aufhebungsquote 1. Januar bis 31. Dezember 2023 Türkei gesamt an
Gerichtsentscheidungen gesamt.
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt absolut Anteil
Türkei gesamt VG Gesamt 8.584 756 8,8 %
darunter
VG Köln 216 62 28,7 %
VG Osnabrück 46 10 21,7 %
VG Sigmaringen 195 37 19,0 %
VG Bremen 146 27 18,5 %
VG Münster 118 20 16,9 %
VG Weimar 181 29 16,0 %
VG Würzburg 19 3 15,8 %
VG Hannover 228 36 15,8 %
VG Freiburg 262 41 15,6 %
VG Wiesbaden 218 34 15,6 %
VG Dresden 78 2 2,6 %
VG Bayreuth 41 1 2,4 %
VG Trier 447 10 2,2 %
VG Göttingen 62 1 1,6 %
VG Schwerin 133 2 1,5 %
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt absolut Anteil
VG Augsburg 244 2 0,8 %
VG Ansbach 253 1 0,4 %
Schleswig-Holsteinisches
OVG
1 0 0,0 %
VG Gera 1 0 0,0 %
VG Greifswald 1 0 0,0 %
Aufhebungsquote 1. Januar bis 31. Dezember 2023 Türkei gesamt an
Gerichtsentscheidungen gesamt abzüglich formeller Verfahrenserledigungen.
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt ohne formelle
Verfahrenserledigungen
absolut Anteil
Türkei gesamt VG Gesamt 3.906 756 19,4 %
darunter
VG Köln 101 62 61,4 %
VG Sigmaringen 82 37 45,1 %
VG Kassel 41 18 43,9 %
VG Arnsberg 41 17 41,5 %
VG Freiburg 105 41 39,0 %
VG Bremen 74 27 36,5 %
VG Wiesbaden 96 34 35,4 %
VG Hannover 108 36 33,3 %
VG Osnabrück 30 10 33,3 %
VG München 28 9 32,1 %
VG Magdeburg 62 6 9,7 %
VG Chemnitz 31 3 9,7 %
VG Dresden 26 2 7,7 %
VG Schwerin 38 2 5,3 %
VG Regensburg 23 1 4,3 %
VG Trier 294 10 3,4 %
VG Bayreuth 30 1 3,3 %
VG Göttingen 31 1 3,2 %
VG Augsburg 96 2 2,1 %
VG Ansbach 133 1 0,8 %
VG Greifswald 1 0 0,0 %
Aufhebungsquote 1. Januar bis 31. Dezember 2023 Kurden an
Gerichtsentscheidungen gesamt.
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt absolut Anteil
Türkei/Kurden VG Gesamt 7.316 464 6,3 %
darunter
VG Bremen 117 22 18,8 %
VG Köln 148 24 16,2 %
VG Weimar 159 24 15,1 %
VG Sigmaringen 164 24 14,6 %
VG Osnabrück 35 5 14,3 %
VG Freiburg 236 32 13,6 %
VG Hamburg 194 25 12,9 %
VG Münster 103 13 12,6 %
VG Würzburg 17 2 11,8 %
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt absolut Anteil
VG Potsdam 173 18 10,4 %
VG Göttingen 58 1 1,7 %
VG Schwerin 123 2 1,6 %
VG München 263 4 1,5 %
VG Oldenburg 93 1 1,1 %
VG Augsburg 204 1 0,5 %
VG Ansbach 228 1 0,4 %
VG Bayreuth 33 0 0,0 %
VG Braunschweig 78 0 0,0 %
Schleswig-Holsteinisches
OVG
1 0 0,0 %
VG Gera 1 0 0,0 %
Aufhebungsquote 1. Januar bis 31. Dezember 2023 Kurden an
Gerichtsentscheidungen gesamt abzüglich formeller Verfahrenserledigungen.
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt ohne formelle
Verfahrenserledigungen
absolut Anteil
Türkei/Kurden VG Gesamt 3.227 464 14,4 %
darunter
VG Köln 56 24 42,9 %
VG Sigmaringen 63 24 38,1 %
VG Bremen 64 22 34,4 %
VG Freiburg 94 32 34,0 %
VG Arnsberg 20 6 30,0 %
VG Weimar 85 24 28,2 %
VG Hamburg 92 25 27,2 %
VG Minden 42 11 26,2 %
VG Kassel 27 7 25,9 %
VG Stade 8 2 25,0 %
VG Chemnitz 29 2 6,9 %
VG Oldenburg 15 1 6,7 %
VG Schwerin 34 2 5,9 %
VG Regensburg 19 1 5,3 %
VG Göttingen 30 1 3,3 %
VG Trier 271 9 3,3 %
VG Augsburg 78 1 1,3 %
VG Ansbach 119 1 0,8 %
VG Bayreuth 23 0 0,0 %
VG Braunschweig 25 0 0,0 %
Aufhebungsquote 1. Januar bis 31. Dezember 2023 Türken an
Gerichtsentscheidungen gesamt.
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt absolut Anteil
Türkei/Türken VG Gesamt 1.064 268 25,2 %
darunter
VG des Saarlandes 1 1 100,0 %
VG Münster 9 6 66,7 %
VG Osnabrück 8 5 62,5 %
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt absolut Anteil
VG Gelsenkirchen 16 10 62,5 %
VG Köln 59 36 61,0 %
VG Hannover 43 21 48,8 %
VG Kassel 24 11 45,8 %
VG Wiesbaden 46 19 41,3 %
VG Minden 18 7 38,9 %
VG Sigmaringen 29 11 37,9 %
VG Trier 42 1 2,4 %
VG Ansbach 22 0 0,0 %
VG Regensburg 4 0 0,0 %
VG Stade 2 0 0,0 %
VG Göttingen 4 0 0,0 %
VG Halle 2 0 0,0 %
VG Chemnitz 10 0 0,0 %
VG Dresden 5 0 0,0 %
VG Leipzig 1 0 0,0 %
VG Schwerin 6 0 0,0 %
Aufhebungsquote 1. Januar bis 31. Dezember 2023 Türken an
Gerichtsentscheidungen gesamt abzüglich formeller Verfahrenserledigungen.
HKL/Volk Verwaltungsgerichte Gerichtsentscheidungen Positive Entscheidungen
Gesamt ohne formelle
Verfahrenserledigungen
absolut Anteil
Türkei/Türken VG Gesamt 578 268 46,4 %
darunter
VG München 5 5 100,0 %
VG des Saarlandes 1 1 100,0 %
VG Gelsenkirchen 11 10 90,9 %
VG Köln 41 36 87,8 %
VG Münster 7 6 85,7 %
VG Freiburg 11 9 81,8 %
VG Kassel 14 11 78,6 %
VG Hannover 28 21 75,0 %
VG Osnabrück 7 5 71,4 %
VG Stuttgart 10 7 70,0 %
VG Augsburg 17 1 5,9 %
VG Trier 22 1 4,5 %
VG Ansbach 13 0 0,0 %
VG Regensburg 4 0 0,0 %
VG Göttingen 1 0 0,0 %
VG Halle 1 0 0,0 %
VG Chemnitz 1 0 0,0 %
VG Dresden 2 0 0,0 %
VG Leipzig 1 0 0,0 %
VG Schwerin 1 0 0,0 %
7. Wurden die internen Leitsätze beim BAMF für das Herkunftsland Türkei
in den Jahren 2023 und 2024 angepasst, und wenn ja, inwiefern?
Die letztmalig im Januar 2023 inhaltlich überarbeiteten
Herkunftsländerleitsätze der Türkei befinden sich in der Fortschreibung. Um eine sachgerechte
Entscheidungspraxis zu gewährleisten, werden den Entscheiderinnen und
Entscheidern des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wöchentlich
Informationen (Briefing Notes) zu den aktuellen Entwicklungen in der Türkei zur
Verfügung gestellt.
8. Ist der Bundesregierung bzw. ist dem BAMF das von Pro Asyl
herausgegebene Gutachten „Zur Lage der Justiz in der Türkei. Rechtsunsicherheit
in Strafverfahren mit politischem Bezug“ bekannt (
www.proasyl.de/wp-c
ontent/uploads/Gutachten-Tuerkei-Langfassung_final.pdf)?
Ja.
a) Was sind aus Sicht der Bundesregierung die wesentlichen
Erkenntnisse aus dem Gutachten?
b) Welche Schlussfolgerungen ziehen die Bundesregierung bzw. das
BAMF aus dem Gutachten für den Umgang mit Asylanträgen von
Asylsuchenden aus der Türkei?
c) Sind Erkenntnisse aus dem Gutachten in die internen Leitsätze beim
BAMF oder in andere Bewertungen der Lage in der Türkei
eingeflossen, wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?
d) Sehen die Bundesregierung bzw. das BAMF die Notwendigkeit, den
Umgang mit Asylanträgen von Asylsuchenden aus der Türkei auf den
Prüfstand zu stellen, wenn ja, inwiefern, und wenn nein, warum nicht?
Die Fragen 8a bis 8d werden gemeinsam beantwortet.
Das BAMF beobachtet und analysiert die Situation in der Türkei laufend und
anhand vielfältiger Quellen. Dazu wertet das BAMF alle relevanten
Informationen über die Situation in der Türkei aus. Hierzu gehören unter anderem
Berichte und Lageeinschätzungen des Auswärtigen Amts (AA), des
Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) von
Nichtregierungsorganisationen und der Asylagentur der Europäischen Union (EUAA) sowie sonstige
Informationen. Außerdem werden Medien beziehungsweise Internetquellen
ausgewertet und die Erkenntnisse von Partnerbehörden vor allem im
europäischen Ausland berücksichtigt. Bei der Bewertung durch das BAMF wird auch
die Rechtsprechung einbezogen. Die umfassenden Informationen sind in einer
Datenbank gesammelt und für die Entscheiderinnen und Entscheider jederzeit
einsehbar. Dadurch wird sichergestellt, dass diese stets über die aktuelle
Situation in der Türkei informiert sind. Das genannte Gutachten von Pro Asyl ist
sowohl der Bundesregierung als auch dem BAMF bekannt. Etwaige
Erkenntnisse aus dem Gutachten fließen in die Beurteilung der asyl- und
abschieberelevanten Lage ein.
9. Hat die Bundesregierung Kenntnisse über den Verbleib von Personen,
die aus Deutschland in die Türkei abgeschoben wurden, und wenn ja,
welche?
Generelle Erkenntnisse liegen der Bundesregierung dazu nicht vor. In Bezug
auf den Verbleib von unbegleiteten Minderjährigen ist der Bundesregierung
bekannt, dass diese in der Regel Aufnahme bei Verwandten finden.
10. Wie viele türkische Staatsangehörige leben mit welchem
Aufenthaltsstatus in Deutschland, wie viele von ihnen haben einen Asylantrag gestellt,
wie viele von ihnen sind ausreisepflichtig mit bzw. ohne Duldung (bitte
auch nach Bundesländern aufschlüsseln)?
Ausweislich des Ausländerzentralregisters (AZR) lebten zum Stichtag 31.
Dezember 2024 insgesamt 1.544.478 Personen mit türkischer Staatsangehörigkeit
in Deutschland. Bei 270.477 dieser Personen war im AZR ein Asylantrag
gespeichert. Darunter waren 63.815 Personen, deren Asylantrag zum genannten
Stichtag noch nicht rechts- oder bestandskräftig abgeschlossen war.
Die weiteren Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen
werden.
Türkische Staatsangehörige insgesamt 1.544.478
davon nach Aufenthaltsstatus:
Niederlassungserlaubnis 1.111.459
Aufenthaltserlaubnis 223.026
Aufenthaltsgestattung 80.618
Antrag auf einen Aufenthaltstitel gestellt 49.035
Sonstiges (z. B. sonstige Aufenthaltsrechte, ausreisepflichtig) 80.340
Ausreisepflichtige türkische
Staatsangehörige
Ausreisepflichtige
mit Duldung
Ausreisepflichtige
ohne Duldung
Gesamt
Gesamt 13.600 3.065 16.665
Baden-Württemberg 2.120 190 2.310
Bayern 925 454 1.379
Berlin 1.375 415 1.790
Brandenburg 359 50 409
Bremen 353 25 378
Hamburg 446 192 638
Hessen 989 339 1.328
Mecklenburg-Vorpommern 234 31 265
Niedersachsen 1.309 287 1.596
Nordrhein-Westfalen 2.942 538 3.480
Rheinland-Pfalz 590 126 716
Saarland 176 21 197
Sachsen 498 200 698
Sachsen-Anhalt 224 25 249
Schleswig-Holstein 794 131 925
Thüringen 266 41 307
11. Wie viele Personen wurden in den Jahren 2023 und 2024 aus
Deutschland in die Türkei abgeschoben (bitte nach Quartalen und für die zweite
Jahreshälfte 2024 nach Monaten aufschlüsseln)?
Die Angaben können den nachfolgenden Übersichten entnommen werden.
vollzogene Abschiebungen
in die Türkei
2023 (nach Quartalen) Gesamt
Q1 Q2 Q3 Q4
159 186 257 273 875
vollzogene
Abschiebungen in
die Türkei
2024 (nach Quartalen und Monaten) Gesamt
Q1 Q2 Juli August
September
Oktober
November
Dezember
222 219 110 109 103 122 108 94 1.087
a) Wie verteilen sich diese Abschiebungen auf die Bundesländer?
Die Angaben können der nachfolgenden Übersichten entnommen werden.
veranlassendes Land 2023 (nach Quartalen) Gesamt
Q1 Q2 Q3 Q4
Baden-Württemberg 18 28 26 35 107
Bayern 9 31 19 27 86
Berlin 3 7 11 5 26
BPOL 35 27 59 80 201
Brandenburg 1 1 2 0 4
Bremen 2 0 0 0 2
Hamburg 1 11 29 8 49
Hessen 22 24 26 24 96
Mecklenburg-Vorpommern 3 1 1 1 6
Niedersachsen 3 11 3 4 21
Nordrhein-Westfalen 26 18 30 38 112
Rheinland-Pfalz 11 5 14 12 42
Saarland 2 1 0 3 6
Sachsen 11 15 22 13 61
Sachsen-Anhalt 5 2 10 7 24
Schleswig-Holstein 5 4 4 12 25
Thüringen 2 1 4 7
Gesamt 159 186 257 273 875
veranlassendes
Land
2024 (nach Quartalen und Monaten) Gesamt
Q1 Q2 Juli August
September
Oktober
November
Dezember
Baden-Württemberg 23 30 12 7 11 12 12 14 121
Bayern 48 41 16 24 17 22 14 13 195
Berlin 6 15 5 7 2 7 9 2 53
BPOL 8 5 4 7 14 15 13 5 71
Brandenburg 1 2 8 3 0 0 2 0 16
Bremen 2 3 1 0 2 4 2 0 14
Hamburg 9 13 0 16 2 2 3 3 48
Hessen 14 17 9 8 12 6 11 9 86
Mecklenburg-
Vorpommern
3 2 0 0 0 1 0 0 6
Niedersachsen 8 9 4 3 0 0 5 3 32
Nordrhein-Westfalen 42 34 27 14 15 23 13 26 194
Rheinland-Pfalz 12 9 5 4 9 8 13 5 65
Saarland 1 1 0 2 0 0 0 1 5
Sachsen 25 12 5 7 4 12 4 3 72
Sachsen-Anhalt 2 8 3 1 6 2 1 2 25
Schleswig-Holstein 15 16 8 4 9 5 4 8 69
Thüringen 3 2 3 2 0 3 2 0 15
Gesamt 222 219 110 109 103 122 108 94 1.087
b) Wie viele Abschiebungen wurden per Linienflug, per „Mini-Charter“
mit bis zu vier Personen und wie viele als Sammelabschiebung
vollzogen (bitte die Mini-Charterflüge und Sammelabschiebung einzeln mit
Datum, Abflughafen in Deutschland, Fluggesellschaft, Zahl der
abgeschobenen Personen und Zahl der Begleitbeamten auflisten)?
Die Angaben zu Abschiebungen per Charter- und Linienflügen sind den
nachfolgenden Übersichten zu entnehmen. Hinsichtlich der Fragen nach den
Fluggesellschaften verweist die Bundesregierung darauf, dass das
verfassungsrechtlich verbürgte Frage- und Informationsrecht des Parlaments auf die
Beantwortung gestellter Fragen in der Öffentlichkeit hin angelegt ist. Wenn das
Informationsinteresse des Parlaments aber auf Auskünfte zielt, die zur Wahrung
berechtigter Geheimhaltungsinteressen nicht öffentlich kundgegeben werden
können, sind nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts Formen der
Informationsvermittlung zu suchen, die beiden Interessen Rechnung tragen
(vgl. Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts (BVerfGE) 124, 161
[193]). Im vorliegenden Fall ist die Einstufung der Benennung der
Fluggesellschaften als Verschlusssache (VS) sowohl zur Wahrung von
Staatswohlinteressen als auch zur Wahrung berechtigter, grundrechtlich geschützter Interessen
der betroffenen Fluggesellschaften notwendig. Eine Veröffentlichung der
Fluggesellschaften berührt auch durch Artikel 12 des Grundgesetzes geschützte
Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse dieser Fluggesellschaften und kann sich
gegebenenfalls negativ auf die Wahrnehmung dieser Fluggesellschaften in der
Öffentlichkeit auswirken.
Eine öffentliche Benennung der Fluggesellschaften, welche Rückführungsflüge
anbieten, birgt die Gefahr, dass diese Unternehmen öffentlicher Kritik
ausgesetzt werden und in der Folge für die Beförderung von ausreisepflichtigen
Personen in die Heimatländer nicht mehr zur Verfügung stehen. Damit werden
Rückführungen weiter erschwert oder sogar unmöglich gemacht, sodass
staatliche Interessen an der Ausführung des Aufenthaltsgesetzes negativ
beeinträchtigt werden.
Um gleichwohl dem parlamentarischen Informationsanspruch nachzukommen,
ist dieser Teil der Antwort mit dem Geheimhaltungsgrad „VS – Nur für den
Dienstgebrauch“ gemäß § 2 Absatz 2 der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift
des Bundesministeriums des Innern und für Heimat zum materiellen und
organisatorischen Schutz von Verschlusssachen eingestuft worden, er wird
gesondert in der Anlage* übermittelt, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt ist.
Anzahl abgeschobener
Personen per Charter/Linie
2023 (nach Quartalen) Gesamt
Q1 Q2 Q3 Q4
Charter/Minicharter 5 19 8 0 32
Linie 154 167 249 273 843
Gesamt 159 186 257 273 875
Anzahl
abgeschobener Personen per
Charter/Linie
2024 (nach Quartalen und Monaten) Gesamt
Q1 Q2 Juli August
September
Oktober
November
Dezember
Charter/Minicharter 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Linie 222 219 110 109 103 122 108 94 1.087
Gesamt 222 219 110 109 103 122 108 94 1.087
* Das Bundesministerium des Innern und für Heimat hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft. Die Antwort ist im Parlamentssekretariat des
Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von Berechtigten eingesehen werden.
Datum Abflughafen Anzahl Personen Anzahl Begleiter
31.01.2023 BER 5 20
21.04.2023 BER 3 12
05.05.2023 STR 4 15
23.05.2023 FRA 4 14
07.06.2023 MUC 4 18
15.06.2023 BER 4 16
05.07.2023 BER 4 16
22.09.2023 BER 4 16
Gesamt 32 127
12. Wie viele Asylsuchende aus der Türkei wurden in den Jahren 2023 und
2024 im Rahmen des Dublin-Systems in andere EU-Staaten überstellt
(bitte nach Jahren und Zielstaaten der Überstellungen aufschlüsseln)?
Die Angaben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.
Überstellungen an Mitgliedstaaten
Staatsangehörigkeit Türkei
Jahr 2023 Jahr 2024
Gesamt 536 899
Belgien 9 6
Bulgarien 1 1
Dänemark 1 0
Estland 2 3
Finnland 1 0
Frankreich 36 34
Kroatien 88 106
Litauen 1 4
Luxemburg 0 1
Niederlande 25 44
Norwegen 0 1
Österreich 326 505
Polen 15 20
Portugal 0 1
Rumänien 10 8
Schweden 3 8
Schweiz 5 115
Slowakei 1 2
Slowenien 1 3
Spanien 8 7
Tschechien 3 29
Zypern 0 1
13. Wie viele türkische Staatsangehörige sind in den Jahren 2023 und 2024
mit einer finanziellen Förderung des Bundes oder der Länder „freiwillig“
ausgereist (bitte nach Halbjahren aufschlüsseln), und wie viele türkische
Staatsangehörige sind im genannten Zeitraum selbstständig kontrolliert
mit einer Grenzübertrittsbescheinigung ausgereist (bitte nach Halbjahren
aufschlüsseln)?
Über das Bund-Länder-Programm REAG (Reintegration and Emigration
Programme for Asylum Seekers in Germany)/GARP (Government Assisted
Repatriation Programme) sind für die Jahre 2023 und 2024 gefördert freiwillig
ausgereiste türkische Staatsangehörige der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen.
Bei den Daten für das Jahr 2024 handelt es sich um vorläufige Zahlen (Stand:
17. Januar 2025).
Freiwillige Ausreisen türkischer Staatsangehöriger über REAG/GARP in
Personen.
Januar bis Juni Juli bis Dezember Gesamt
2023 661 951 1.612
2024 1.225 2.051 3.276
Quelle: Internationale Organisation für Migration (IOM), BAMF
Laut AZR sind 2023 und 2024 insgesamt 3.648 türkische Personen mit einer
finanziellen Förderung der Länder ausgereist. Der nachfolgenden Tabelle ist die
Aufteilung nach den jeweiligen Halbjahren sowie nach Bundesländern zu
entnehmen.
Anzahl Personen 1. Halbjahr
2023
2. Halbjahr
2023
1. Halbjahr
2024
2. Halbjahr
2024
Summe
Baden-Württemberg 5 16 109 283 413
Bayern 97 151 271 486 1.005
Berlin 10 39 59 101 209
Brandenburg 11 3 29 27 70
Bremen 6 25 31
Hamburg 19 22 38 110 189
Hessen 71 92 244 280 687
Mecklenburg-Vorpommern 1 2 11 14
Niedersachsen 19 11 68 129 227
Nordrhein-Westfalen 35 30 140 211 416
Rheinland-Pfalz 3 18 43 64
Saarland 3 2 5 13 23
Sachsen 10 6 66 95 177
Sachsen-Anhalt 1 5 23 29
Schleswig-Holstein 19 11 30
Thüringen 23 41 64
Summe 282 375 1.102 1.889 3.648
Quelle: AZR
In der Auswertung wurden alle Speichersachverhalte des AZR berücksichtigt,
die eine Förderung auf Landes- bzw. Kommunalebene abbilden (inklusive
Programmen unter Bundesbeteiligung). Einzelne Förderprogramme werden im
AZR nicht erfasst.
Der Bundesregierung liegen über die AZR-Eintragungen zur Förderung auf
Landes- bzw. Kommunalebene hinaus keine Daten zu den Förderprogrammen
der Länder vor. Aus diesem Grund ist keine Aussage hinsichtlich der Qualität
der Daten möglich.
Die Verantwortlichkeit der zeitnahen Datenübermittlung an das AZR obliegt
der jeweils meldeverpflichteten Stelle – im Falle der Förderprogramme der
Länder grundsätzlich den Ausländerbehörden in den Ländern.
Eine Addition zu den REAG/GARP-Ausreisen ist nicht vorzunehmen, da es
sich hierbei teilweise um REAG/GARP ergänzende Förderungen derselben
Personen handeln kann.
Die Angaben gemäß Polizeilicher Eingangsstatistik der Bundespolizei zu den
türkischen Staatsangehörigen, welche im erfragten Zeitraum freiwillig unter
Vorlage einer Grenzübertrittsbescheinigung ausgereist sind, sind der
nachfolgenden Übersicht zu entnehmen.
Staatsangehörigkeit
1. Halbjahr 2023 2. Halbjahr 2023 1. Halbjahr 2024 2. Halbjahr 2024
Anzahl Personen
türkisch 1.839 2.330 3.568 3.931
14. Wie kam die Liste von 200 türkischen Staatsangehörigen zusammen, mit
deren Rücknahme die türkische Regierung sich einverstanden erklärt
haben soll (
www.morgenpost.de/politik/article407370424/500-abschiebung
en-pro-woche-darum-geht-es-beim-tuerkei-deal.html)?
a) Wie verteilen sich die 200 Personen auf die Bundesländer?
b) Welche näheren Angaben kann die Bundesregierung zu diesen
Personen machen, wie viele von ihnen sind etwa weiblich bzw. männlich,
bei wie vielen handelt es sich um abgelehnte Asylsuchende, wie viele
sind Kurdinnen bzw. Kurden?
c) Ist es vorgekommen, dass die türkische Regierung gegenüber der
Bundesregierung bzw. deutschen Behörden die Abschiebung
bestimmter Personen angeregt bzw. vorgeschlagen hat, und wenn ja,
wie wurde damit umgegangen?
d) Wurden die besagten 200 Personen bereits in die Türkei abgeschoben
(wenn nein, bitte angeben, wie viele Abschiebungen es bereits gab)?
15. Sind Medienberichte zutreffend, wonach die türkische Regierung zwar
Sammelabschiebungen per Charterflug ablehne, aber bereit sei, diese zu
akzeptieren, wenn sie „Spezialflug“ genannt würden, und wenn ja,
handelt es sich dabei tatsächlich nur um eine begriffliche Unterscheidung
(
www.tagesschau.de/inland/abschiebung-tuerkei-100.html), wenn es sich
nicht nur um eine begriffliche Unterscheidung handelt, worin besteht der
Unterschied?
16. Haben in der Zwischenzeit bereits „Spezialflüge“ stattgefunden, wenn ja,
wann (bitte mit Datum auflisten), und wie viele Personen wurden damit
abgeschoben, und wenn nein, gibt es bereits konkrete Planungen für die
Durchführung von „Spezialflügen“?
17. Was genau haben die Bundesregierung und die türkische Regierung
hinsichtlich der Beschaffung von Reisedokumenten für ausreisepflichtige
türkische Staatsangehörige vereinbart, unter welchen Bedingungen sind
die türkischen Behörden bereit, solche Dokumente auszustellen, und wie
hat sich dies gegenüber der vorherigen Situation verändert (
www.morgen
post.de/politik/article407370424/500-abschiebungen-pro-woche-darum-g
eht-es-beim-tuerkei-deal.html)?
18. Ist es zutreffend, dass die türkische Regierung angeboten hat, 500
türkische Staatsbürger pro Woche zurückzunehmen, die Bundesländer aber
auf Anfrage der Bundesregierung nicht in der Lage waren, so viele
ausreisepflichtige Personen zu nennen, wie die Bundesministerin des Innern
und für Heimat, Nancy Faeser, in der Sitzung des Innenausschusses im
Deutschen Bundestag am 4. Dezember 2024 berichtete?
Die Fragen 14 bis 18 werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung spricht intensiv mit Herkunftsländern über die
Verbesserung der Rückkehrkooperation. Auch mit der Türkei ist die Bundesregierung
fortlaufend über migrationspolitische Themen einschließlich der
Rückführungskooperation im Gespräch. Die Türkei ist ein wichtiger Partner
Deutschlands in all diesen Fragen. Zu konkreten Inhalten vertraulicher Gespräche mit
ausländischen Partnern nimmt die Bundesregierung im Übrigen grundsätzlich
keine Stellung. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass der Vollzug des
Aufenthaltsrechts, zu dem auch die Durchführung von Rückführungen gehört, in die
Zuständigkeit der Länder fällt und der Bund hierbei lediglich unterstützend
tätig wird.
19. Wie ist zu erklären, dass in der Antwort der Bundesregierung auf eine
Mündliche Frage der Abgeordneten Clara Bünger in der Anlage von
knapp 12 888 ausreisepflichtigen türkischen Staatsangehörigen mit
„Asylbezug“ die Rede war, wohingegen es in der Antwort selbst hieß,
dass nur 7 551 der ausreisepflichtigen türkischen Staatsangehörigen
abgelehnte Asylsuchende seien (Antwort der Bundesregierung auf die
Mündliche Frage 30, Plenarprotokoll 20/190), wie kommt die Differenz
von 5 337 Personen zustande, und worin besteht der Unterschied
zwischen „Asylbezug“ und (abgelehntem) Asylantrag?
Zu „Personen mit Asylbezug“ zählen alle Personen, die jemals ein Asylgesuch
geäußert oder einen Asylantrag gestellt haben, unabhängig vom Ausgang des
Asylverfahrens und unabhängig davon, ob das Asylverfahren zum
Auswertungsstichtag bereits rechts- oder bestandskräftig abgeschlossen wurde. Bei
Personen mit abgelehntem Asylantrag hingegen werden nur Personen
berücksichtigt, deren Asylstatus „Asylantrag abgelehnt“ lautet.
20. Ist der Bundesregierung bekannt, ob die Stadt Siegen am 5. Dezember
2023 einen kurdischen Mann in die Türkei abgeschoben hat, obwohl das
BAMF noch nicht über dessen Asylfolgeantrag entschieden und der
Stadt auch nicht mitgeteilt hatte, dass kein weiteres Asylverfahren
durchgeführt werde, wie das Projekt „Abschiebungsreporting NRW“ berichtet
(
www.grundrechtekomitee.de/fileadmin/user_upload/Rose_Schiessl_Abs
chiebungen_in_NRW_Ausgrenzung_Entrechtung_Widerstaende.pdf,
S. 125)?
a) Ist es zutreffend, dass das BAMF den Tag der Abschiebung kannte,
was sich laut dem genannten Bericht aus entsprechenden Unterlagen
ergebe (ebd., Fußnote 253)?
b) Gab es im Vorfeld des 5. Dezember 2023 Kommunikation zwischen
dem BAMF und der Stadt Siegen bzw. der zuständigen
Ausländerbehörde bezüglich der bevorstehenden Abschiebung, und wenn ja, was
war deren Inhalt, haben die Stadt Siegen bzw. die Ausländerbehörde
sich beim BAMF erkundigt, ob ein weiteres Asylverfahren
durchgeführt würde, und falls nein, warum hat das BAMF die Stadt Siegen
bzw. die Ausländerbehörde nicht von sich aus über den anhängigen
Asylfolgeantrag des Betroffenen informiert?
c) Teilt die Bundesregierung die in dem Bericht dargelegte
Einschätzung, dass die Abschiebung des Mannes rechtswidrig erfolgte (bitte
erläutern), und welche Konsequenzen zieht sie aus dem Vorgang,
etwa im Hinblick auf eine Änderung der gesetzlich festgelegten
Nichtankündigung von Abschiebeterminen, teilt die Bundesregierung
die dort vertretene Einschätzung, dass diese Nichtankündigung von
Abschiebeterminen dazu führen kann, dass der effektive
Rechtsschutz in zeitlicher und rein praktischer Hinsicht dramatisch
eingeschränkt wird (bitte begründen)?
d) Wird der Fall beim BAMF bzw. in Arbeitsgruppen zwischen Bund
und Ländern oder in anderen Gremien aufgearbeitet, wenn ja, welche
näheren Angaben kann die Bundesregierung dazu machen, und wenn
nein, warum nicht?
e) Gab es nach Kenntnis der Bundesregierung Bemühungen, dem
Betroffenen die Rückkehr nach Deutschland zu ermöglichen, wenn ja,
welche, und inwieweit waren diese erfolgreich, und wenn nein,
warum nicht, und was ist der Bundesregierung über das weitere
Schicksal des Mannes bekannt?
Die Fragen 20 bis 20e werden gemeinsam beantwortet:
Nach Kenntnis der Bundesregierung teilte das BAMF der Ausländerbehörde
Siegen am 4. Dezember 2024 mit, dass kein weiteres Asylverfahren
durchzuführen ist. Dies zugrunde gelegt wäre die Abschiebungsandrohung aus dem
Erstverfahren weiterhin vollziehbar und konnte aufgrund der Mitteilung auch
vollzogen werden (§ 71 Absatz 5 Asylgesetz (AsylG) a. F.). Darüber hinaus
wurde nach Kenntnis der Bundesregierung der Antrag im gerichtlichen
Eilverfahren, die Bundesrepublik Deutschland zu verpflichten, die abgeschobene
Person nach Deutschland zurückzuholen, zurückgenommen.
Unabhängig vom geschilderten Einzelfall weist die Bundesregierung darauf
hin, dass das BAMF seine für die Durchführung des Asylverfahrens
entwickelten Standards und Arbeitsprozesse fortlaufend überprüft und optimiert,
auch anlassbezogen, um zielgerichtet auf mögliche Fehlentwicklungen
reagieren zu können. Eine zentrale Maßnahme ist die beständige Weiterqualifizierung
und unverzügliche Unterrichtung der Beschäftigten im Hinblick auf aktuelle
Entwicklungen und neue Erkenntnisse in den jeweiligen Herkunftsländern.
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