Kriege und Krisen als Preistreiber im Lebensmittelsektor
der Abgeordneten Ina Latendorf, Marcel Bauer, Sascha Wagner, Luigi Pantisano, Doris Achelwilm, Lorenz Gösta Beutin, Violetta Bock, Jorrit Bosch, Agnes Conrad, Mandy Eißing, Dr. Fabian Fahl, Katrin Fey, Katalin Gennburg, Ates Gürpinar, Dr. Gregor Gysi, Mareike Hermeier, Cansin Köktürk, Jan Köstering, Caren Lay, Pascal Meiser, Sahra Mirow, David Schliesing, Aaron Valent und der Fraktion Die Linke
Vorbemerkung
Seit dem Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran am 28. Februar 2026 sind die Düngemittelpreise um über 70 Prozent gestiegen (www.agr arheute.com/markt/duengemittel/duengerpreise-april-so-viel-zahlen-landwirte-f uer-harnstoff-kas-ahl-dap-640210, aufgerufen am 23. April 2026). Bereits im Zuge des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine im Jahr 2022 stieg der Preis für Düngemittel um knapp 30 Prozent und war letztlich eine Ursache für die hohen Preissteigerungen von Lebensmitteln (www.welthungerhilfe.de/welte rnaehrung/rubriken/agrar-ernaehrungspolitik/ukrainekrieg-als-treiber-der-globa len-duengemittelkrise, aufgerufen am 23. April 2026). Während die gestiegenen Stickstoffdüngerpreise erst später im Jahr durchschlagen werden, ist die Landwirtschaft bereits jetzt stark von den gestiegenen Preisen für Treibstoff betroffen.
Vergangene sowie vorhergesagte Preissteigerungen bei Lebensmitteln sind allerdings nicht ausschließlich auf höhere Produktionskosten durch erhöhte Dünge- und Energiepreise zurückzuführen. Ein weiterer zentraler Preistreiber, insbesondere in internationalen Krisen, ist die immer weiter zunehmende Finanzialisierung der Weltagrarmärkte. Die ausgeweitete Spekulation mit Grundnahrungsmitteln verstärkt Preisschwankungen, da Finanzinvestoren auf steigende Preise wetten und so die Nachfrage auf den Terminmärkten künstlich beeinflussen. Erfahrungen aus den Jahren 2007/2008 sowie 2022 zeigen ein sprunghaftes Ansteigen des Volumens von Spekulationsgeschäften als Reaktion auf geopolitische Krisen (www.spiegel.de/wirtschaft/nahrungsmittel-wie-spekulant en-von-der-krise-profitieren-a-566ff49f-81e6-4327-a235-b23fa4616dc0, aufgerufen am 23. April 2026).
Hinzu kommt, dass Klimawissenschaftler:innen vor einem ungewöhnlich starken El-Niño-Ereignis warnen, das sich bis Ende 2026 entwickeln könnte. Dies droht weltweit Extremwetterlagen, Fluten und Temperaturrekorde auszulösen, die in und außerhalb Europas die Ernteerträge im Herbst beeinträchtigen könnten. Schon jetzt sind über 260 Mio. Menschen akut von Hunger betroffen (https://openknowledge.fao.org/server/api/core/bitstreams/86067cbb-9396-4e7 d-8d19-e60ad00d2f73/content, aufgerufen am 27. April 2026). „Die globale Ernährungssicherheit steht nach Einschätzung der Vereinten Nationen so stark unter Druck wie seit Jahren nicht mehr. […] Máximo Torero, Chefökonom der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO mit Hauptsitz in Rom, warnt vor einem massiven Angebotsschock auf dem globalen Nahrungsmittelmarkt“ (www.kreiszeitung.de/politik/globale-ernaehrungssicherheit-auf-kritisc hem-niveau-da-iran-krieg-neue-schocks-ausloest-warnt-un-zr-94279177.html, aufgerufen am 27. April 2026).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen12
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Verbraucherpreise für Lebensmittel sowie die internationalen Agrarrohstoffpreise seit dem 28. Februar 2026 entwickelt (bitte a) bis c) aufschlüsseln nach Verbraucher- und Rohstoffpreisen)?
a) Wie verhält sich nach Kenntnis der Bundesregierung diese Entwicklung zur Preisentwicklung im gleichen Jahreszeitraum 2025 (bitte aufschlüsseln nach Produktgruppe und Produktherkunft)?
b) Die Preisanstiege welcher Produktgruppen sind nach Kenntnis der Bundesregierung im Vergleich zum gleichen Jahreszeitraum 2025 besonders auffällig?
c) Welche Entwicklung der Preise erwartet die Bundesregierung für das laufende Jahr 2026 (bitte nach Produktgruppe und Produktherkunft aufschlüsseln)?
d) Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen zu erwartenden Lebensmittelpreissteigerungen seit dem 28. Februar 2026 und dem Angriff der USA und Israels auf den Iran (www.swr.de/swra ktuell/baden-wuerttemberg/heilbronn/steigen-lebensmittelpreise-profe ssor-dhbw-was-wird-teurer-100.html, aufgerufen am 23. April 2026)?
e) Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen Lebensmittelpreiserhöhungen in Krisenzeiten und der Marktmacht der vier größten Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen Edeka, Rewe, Schwarz/Lidl und Aldi, die etwa 85 Prozent des Markts kontrollieren (www.monopolkommission.de/images/PDF/SG/SG%20LLK%20202 5/Pressemitteilung_Sondergutachten%20Lebensmittellieferkette%202 025.pdf)?
f) Welche Untersuchungen bzw. Maßnahmen hat das Bundeskartellamt in Bezug auf den Lebensmitteleinzelhandel in der aktuellen Legislaturperiode mit jeweils welchen Ergebnissen durchgeführt bzw. umgesetzt?
Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung seit dem 28. Februar 2026 ergriffen, um eine Teuerung von Lebensmittelpreisen zu verhindern oder zu dämpfen?
a) Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung bisher aus der „Taskforce“ zu den Auswirkungen des Krieges gegen den Iran auf Lebensmittelpreise der Koalitionsparteien von CDU, CSU und SPD (www.zeit.de/ wirtschaft/2026-03/taskforce-preise-lebensmittel-supermarkt-irankrie g-gxe, aufgerufen 17. April 2026)?
b) Erwägt die Bundesregierung in Anbetracht der zu erwartenden Lebensmittelpreissteigerungen, die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel zu senken oder zu streichen, falls ja, wie plant die Bundesregierung sicherzustellen, dass die Steuersenkung an die Verbraucher:innen weitergegeben werden, und falls nein, warum nicht?
c) Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um gewinngetriebener Preissteigerung bei Lebensmittelpreisen entgegenzuwirken (www.ifo.de/DocDL/20221207-Ragnitz-Gewinninflation-Dezember-2 022.pdf, aufgerufen am 23. April 2026)?
d) Erwägt die Bundesregierung eine Übergewinnsteuer für die vier marktbeherrschenden Unternehmensgruppen im Lebensmittelhandel einzuführen, und wenn nein, warum nicht?
e) Plant die Bundesregierung die Einrichtung einer objektiven Preis- und Kostenbeobachtungsstelle, wie sie es etwa in Frankreich oder Spanien gibt (www.vzbv.de/sites/default/files/2024-09/2024-08-29_Machbarke itsstudie_Preisbeobachtungsstelle.pdf, aufgerufen 25. Februar 2026), falls ja, inwiefern, und falls nein, warum nicht?
f) Wie stell die die Bundesregierung sicher, dass Maßnahmen gegen steigende Lebensmittelpreise sich nicht negativ auf die Arbeitsbedingungen von Beschäftigten im Einzelhandel auswirken, z. B. auf die aktuell laufenden Tarifverhandlungen?
g) Hat die Bundesregierung sich anlässlich des Angriffskriegs der USA und Israels gegen den Iran seit dem 28. Februar 2026 mit Vertreter:innen aus der Landwirtschaft getroffen und beraten, und wenn ja, mit welchen Akteuren und welchen Erkenntnissen?
h) Plant die Bundesregierung, Maßnahmen zu ergreifen, um rechtzeitig auf zukünftige Preissprünge bei Lebensmittelpreisen reagieren zu können, wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?
Inwiefern plant die Bundesregierung, Menschen infolge von gestiegenen Lebensmittelpreisen seit dem 28. Februar 2026 gezielt zu entlasten?
a) Wird die Bundesregierung den Regelsatz im Bürgergeld, respektive der Grundsicherung entsprechend der Lebensmittelpreisentwicklungen anpassen, und falls nicht, warum nicht?
b) Wird die Bundesregierung den Mindestlohn entsprechend der Lebensmittelpreisentwicklungen anpassen, und falls nicht, warum nicht?
c) Inwiefern wird die Bundesregierung weitere Sozial- und Rentenauszahlungssätze entsprechend der Lebensmittelpreisentwicklungen anpassen, und falls nicht, warum nicht?
d) Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung bisher ergriffen, um mehr Transparenz bei versteckten Preiserhöhungen zu schaffen, wie im Koalitionsvertrag angekündigt (koav_2025.pdf, S. 40, aufgerufen 25. Februar 2026)?
e) Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Verbreitung von Ernährungsarmut in Deutschland?
f) Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um einen Anstieg von Ernährungsarmut in Deutschland infolge der zu erwartenden Lebensmittelpreissteigerungen zu verhindern?
Welche Prognosen liegen der Bundesregierung zur Entwicklung der Düngemittelpreise und -verfügbarkeiten für die Jahre 2026 und 2027 in Bezug auf Stickstoff und Phosphor vor?
a) Wie haben sich die deutschen Importe von synthetischen Stickstoff- Düngemitteln in den Jahren 2020, 2021, 2022, 2023, 2024, 2025 und 2026 entwickelt (bitte nach Herkunftsländern und Preisen aufschlüsseln)?
b) Welche Preisentwicklungen erwartet die Bundesregierung bei stickstoff- und phosphorhaltigen Düngemitteln im Laufe des Jahres 2026 und im Jahr 2027?
c) Welchen Anteil haben jeweils Energie-, Rohstoff- und Transportkosten an den Stickstoff-Düngemittelpreisen?
d) Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Versorgung mit Düngemitteln angesichts vielfältiger internationaler Krisen und Kriege resilienter und unabhängiger vom Weltmarkt zu machen?
e) Welche Maßnahmen unternimmt oder plant die Bundesregierung, um die landwirtschaftliche Produktion unabhängiger von synthetischen Düngemitteln aufzustellen, und falls keine, warum nicht?
f) Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung über aktuelle Verfügbarkeitsprobleme bei Düngemitteln in anderen Weltregionen vor (bitte nach Regionen und Zeitraum aufschlüsseln)?
g) Welche Entwicklung erwartet die Bundesregierung in Bezug auf die Verfügbarkeit von Düngemitteln global im Laufe des Jahres 2026 und für die erste Jahreshälfte 2027 (bitte nach Regionen und Zeitraum aufschlüsseln)?
h) Plant die Bundesregierung die Einführung einer risikobasierten Pestizidabgabe nach dänischem Vorbild, bei der die Steuersätze nach der Toxizität der Wirkstoffe gestaffelt sind und die Einnahmen vollständig an die Landwirtschaft zurückverteilt werden, um die ökologische Transformation heimischer Betriebe zu fördern und deren Abhängigkeit von volatilen Betriebsmittelmärkten zu verringern (https://makros kop.eu/152026/lander-hort-die-preissignale/, aufgerufen am 4. Mai 2026), und falls nein, warum nicht?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über Finanzspekulation im Agrarrohstoffbereich, und wie bewertet sie deren Einfluss auf die Volatilität von Lebensmittelpreisen?
a) Wie unterscheidet die Bundesregierung zwischen legitimen Absicherungsgeschäften (Hedging) und spekulativen Geschäften?
b) Wie bewertet die Bundesregierung den Einfluss von Indexfonds, Hedgefonds und anderen Formen des „Managed Money“ auf die Preisentwicklung bei Agrarrohstoffen?
c) Welche Studien und Kenntnisse liegen der Bundesregierung zur Auswirkung von geopolitischen Krisen auf das Verhalten spekulativer Marktteilnehmer auf Agrarmärkten vor?
d) Welche Studien und Kenntnisse liegen der Bundesregierung zum Einfluss spekulativer Finanzinvestoren, insbesondere in geopolitischen Krisen, auf Agrarpreise vor?
e) Welche Lehren oder Schlussfolgerungen hat die Bundesregierung aus den in der Einleitung erwähnten Lebensmittelspekulation der Jahre 2007/2008 sowie infolge des Angriffskriegs auf die Ukraine gezogen?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur Markttransparenz im Agrarderivatenhandel auf Grundlage von Daten der BaFin sowie weiterer verfügbarer Quellen vor?
a) Welche Daten liegen der Bundesregierung zur Aufteilung der Marktteilnehmer im Agrarderivatehandel vor (Produzenten, Händler, Finanzinvestoren)?
b) Wie hoch ist der Anteil rein finanzieller Akteure im Vergleich zu kommerziellen Akteuren am Handelsvolumen bei Agrarderivaten?
c) In welchem Umfang sind Positionsdaten großer Marktteilnehmer öffentlich zugänglich?
d) Welche Positionslimits gelten derzeit für Agrarrohstoffe und wie werden sie überwacht?
e) Wie oft wurden Positionslimits in den letzten fünf Jahren überschritten und welche Sanktionen folgten?
f) Hält die Bundesregierung die bestehenden Positionslimits für ausreichend, um Marktverzerrungen zu verhindern?
g) Plant die Bundesregierung, im Rahmen der bestehenden Aufsichts- und Meldepflichten der BaFin auf eine Ausweitung der Erhebung und Veröffentlichung von Positionsdaten hinzuwirken?
h) Welcher Anteil des Handels mit Agrarderivaten findet außerhalb regulierter Börsen (OTC) statt und um welche Summen geht es?
i) Welche Transparenzanforderungen gelten für OTC-Geschäfte?
j) Wie wird sichergestellt, dass OTC-Transaktionen keine Umgehung von Positionslimits ermöglichen?
Welchen Stellenwert misst die Bundesregierung angebotsseitigen Mengenveränderungen gegenüber Preisveränderungen bei der Bewertung von Agrarmärkten bei?
a) Hat die Bundesregierung eine Auffassung zu Aussagen von Börsen- und Finanzexpertinnen und -experten, dass die Preisentwicklung von Agrarrohstoffen an den Warenterminbörsen von Fundamentalereignissen abweicht und sich an den Finanzmärkten orientiert (https://doi.org/ 10.3390/ijfs12040121?urlappend=%3Futm_source%3Dresearchgat e.net%26utm_medium%3Darticle, https://media-api.suub.uni-breme n.de/api/core/bitstreams/457a3212-c261-496c-8d86-e9e1dc28e9d8/co ntent, aufgerufen am 24. April 2026), und wenn ja, wie lautet diese?
b) Schätzt die Bundesregierung die Preissteigerungen von Lebensmitteln im Zuge des Angriffs Russlands auf die Ukraine 2022 durch reale Knappheiten oder primär durch Preisbildungsmechanismen getrieben ein?
c) Werden die aktuellen und zu erwartenden Preissteigerungen für Agrarrohstoffe und folglich Lebensmittel durch den Krieg der USA und Israels gegen den Iran nach Einschätzung der Bundesregierung durch reale Knappheiten oder primär durch Preisbildungsmechanismen getrieben sein?
d) In welchem Umfang werden welche Agrarrohstoffe seit Beginn des Iran-Kriegs nach Kenntnis der Bundesregierung von Marktakteuren national und international zurückgehalten, und welche Auswirkungen hat dies auf die Lebensmittelpreise?
e) Welche Initiativen unterstützt die Bundesregierung auf internationaler Ebene – insbesondere im Rahmen der G20, der FAO sowie des Agricultural Market Information System (AMIS) –, um eine verbindliche Meldepflicht für die physischen Lagerbestände großer privater Agrarhändler (wie z. B. der sogenannten. ABCCD-Konzerne) einzuführen und wie bewertet sie das Risiko, dass die derzeitige Intransparenz dieser Bestände in geopolitischen Krisen zu Marktmanipulationen und künstlichen Preissteigerungen führt (https://makroskop.eu/152026/lan der-hort-die-preissignale/, aufgerufen am 4. Mai 2026)?
Wie reagiert die Bundesregierung auf die aktuellen EU-Regelungen für Agrarderivate sowie deren nationale Umsetzung in Bezug auf deren Wirksamkeit zur Eindämmung von Spekulation und Marktmanipulation?
a) Welche Positionen hat die Bundesregierung im europäischen Gesetzgebungsprozess von MiDIF (I und insb. II) inklusiv deren späteren Überarbeitung vertreten?
b) Hat sich die Bundesregierung auf EU-Ebene dafür eingesetzt, die im Rahmen von MiFID II und MiFIR beschlossenen Positionslimits für Agrar-Futures zu verschärfen, um die erhöhte Preisvolatilität durch übermäßige Spekulation zu begrenzen, und wenn nein, warum nicht?
c) Hat sich die Bundesregierung auf EU-Ebene dafür eingesetzt, den Hochfrequenzhandel mit Agrarderivaten im Rahmen von MiFID II stärker zu regulieren oder zu verbieten, und wenn nein, warum nicht?
d) Misst die Bundesregierung den Positionslimits für den Handel mit Warenderivaten auf Agrarrohstoffe und Wasser gegenüber anderen Derivaten eine besondere Bedeutung zu, und wenn ja, welche und warum?
e) Hält die Bundesregierung die Anwendung des in Artikel 57 Absatz 1, 3 und 10 MiFID II vorgesehenen nationalen Ermessensspielraums durch die BaFin bei der Festlegung von Positionslimits für kritische, liquide und illiquide Agrarderivate für ausreichend, um Marktstabilität und Missbrauchsvermeidung zu gewährleisten?
f) Welche Positionslimits im Bereich Agrarrohstoffe hat die BaFin in den letzten fünf Jahren festgelegt oder angewendet und wie wurden diese in den Stellungnahmen der ESMA bewertet?
g) Setzt die BaFin nach Kenntnis der Bundesregierung den ihr nach Artikel 57 MiFID II sowie der Delegierten Verordnung (RTS 21a) eingeräumten Spielraum zur Festlegung von Positionslimits für Agrarderivate um und wenn ja, in welchem Maße?
h) Warum hat sich die Bundesregierung bislang nicht für eine Finanztransaktionssteuer eingesetzt, die Derivate, insbesondere Agrarderivate, erfasst? Wurde eine solche Maßnahme auf nationaler oder EU-Ebene geprüft, wenn ja, mit welchem Ergebnis, und wenn nein, warum nicht?
i) Inwiefern diskutiert oder prüft die Bundesregierung eine Mindesthaltefrist für Agrarderivate an deutschen Terminbörsen mit Agrar-Futures (z. B. für die European Energy Exchange (EEX))?
j) Welche Mindesthaltefrist für Agrarderivate ist in den Augen der Bundesregierung angemessen und warum?
k) Welche Initiativen verfolgt Deutschland innerhalb der G20 zur Regulierung von Rohstoffspekulation?
l) Prüft die Bundesregierung angesichts der Analysen der UNCTAD und der UN, ein vollständiges Verbot von Agrar-Indexfonds sowie von Finanzprodukten, die Agrarrohstoffe als rein spekulative Anlageklasse ohne physischen Hintergrund nutzen, um die künstliche Aufblähung der Lebensmittelpreise durch rein finanzielle Akteure zu unterbinden (https://unctad.org/fr/node/372; https://unctad.org/publication/price-fo rmation-financialized-commodity-markets-role-information; https://di gitallibrary.un.org/record/713426?v=pdf, aufgerufen am 4. Mai 2026), und falls nein, wie begründet die Bundesregierung die Beibehaltung dieser Instrumente?
Hat die Bundesregierung seit Ausbruch des aktuellen Krieges der USA und Israel gegen den Iran die BaFin konsultiert, um Kenntnisse über die Auswirkungen des Krieges auf die Preisentwicklung und Handelsvolumina von Agrarderivaten an deutschen und internationalen Börsen zu erhalten, und falls ja, wann und mit welchem Ergebnis?
a) Hat die Bundesregierung die BaFin explizit angewiesen, die Auswirkungen des aktuellen Krieges der USA und Israels gegen den Iran auf Agrarderivate zu analysieren, und falls ja, welche Erkenntnisse wurden gewonnen?
b) Liegen der BaFin Kenntnisse darüber vor, ob die EU-Vorgaben zu Positionslimits beim Handel mit Agrarderivaten seit Beginn des Krieges der USA und Israel gegen den Iran am 28. Februar 2026 überschritten wurden?
c) Hat die BaFin seit Ausbruch des Krieges am 28. Februar 2026 verstärkte Überwachungsmaßnahmen für Agrarderivate ergriffen, und falls ja, welche konkreten Schritte wurden umgesetzt?
Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung energieintensive Produktionsprozesse bei der Preisentwicklung von Lebensmitteln (bitte nach Erzeugung, Verarbeitung, Transport etc. aufschlüsseln)?
a) In welchem Umfang ist infolge der Energiepreiskrise im Zuge des Iran-Kriegs mit Flächennutzungsänderungen zugunsten des Anbaus von Energiepflanzen bzw. der Produktion von Biokraftstoffen zu rechnen, und wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklung im Hinblick auf die Versorgung mit Lebensmitteln?
b) Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen den Preissteigerungen bei Agrardiesel und der Entwicklung der Lebensmittelpreise, und wie hoch schätzt sie den entsprechenden Kostenüberwälzungseffekt entlang der Wertschöpfungskette ein?
c) Welche Unterschiede in der Entwicklung der Lebensmittelpreise stellt die Bundesregierung zwischen ökologisch und konventionell erzeugten Produkten fest?
d) Betrachtet die Bundesregierung die Unabhängigkeit des Ökolandbaus von synthetischen Stickstoffdüngemitteln als einen Faktor, der die Preise von Bio-Lebensmitteln gegenüber konventionellen Produkten weniger anfällig gegenüber externen Schocks macht?
Welcher Anteil der Preissteigerungen bei Lebensmitteln ist in den Jahren von 2020 bis heute nach Kenntnis der Bundesregierung zurückzuführen auf
a) Energiekosten,
b) Rohstoffkosten,
c) Lohnkosten,
d) Unternehmensgewinne?
Welche Zahlen liegen der Bundesregierung zu prognostizierten Ernteausfällen und Ertragseinbußen im Herbst 2026 und für das Frühjahr 2027 auf nationaler und globaler Ebene vor?
a) Rechnet die Bundesregierung damit, dass es in Deutschland in Folge des Krieges der USA und Israels gegen den Iran und dem prognostizierten globalen El Niño-Phänomen in Deutschland in der zweiten Jahreshälfte 2026 oder im Frühjahr 2027 zu Versorgungsengpässen mit Lebensmitteln kommen wird, wenn ja, mit welcher Begründung, und wenn nein, warum nicht?
b) Rechnet die Bundesregierung damit, dass es in Ländern außerhalb Europas, insbesondere im Nahen Osten und Nordafrika in Folge des Krieges der USA und Israels gegen den Iran und dem prognostizierten globalen El Niño-Phänomen in der ersten oder zweiten Jahreshälfte 2026 oder im Frühjahr 2027 zu Versorgungsengpässen mit Lebensmitteln oder Hungerkrisen kommen wird, wenn ja, mit welcher Begründung, und wenn nein, warum nicht?
c) Wenn ja, welche Maßnahmen unternimmt die Bundesregierung, um globalen Versorgungsengpässen bei Nahrungsmitteln präventiv zu begegnen?