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Kleine AnfrageWahlperiode 21Noch nicht beantwortet

Aktueller Stand der Drohnenabwehr in Deutschland im Geschäftsbereich der Bundesregierung

(insgesamt 23 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Datum

08.09.2026

Aktualisiert

09.09.2026

Offizielle Quellen und Volltext

Die verlinkten PDFs stammen direkt vom Dokumentenserver des Deutschen Bundestages.

Deutscher BundestagDrucksache 21/790508.09.2026

Aktueller Stand der Drohnenabwehr in Deutschland im Geschäftsbereich der Bundesregierung

der Abgeordneten Jan Krampe, Clara Bünger, Doris Achelwilm, Anne-Mieke Bremer, Katrin Fey, Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß, Ferat Koçak, Sonja Lemke, Bodo Ramelow, David Schliesing, Aaron Valent, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke

Vorbemerkung

Seit einem Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle wird wieder verstärkt über die Detektion und Abwehr von Drohnen debattiert. Am 4. August 2026 war auf dem Flughafengelände in der unmittelbaren Nähe zu Frachtmaschinen eines ukrainischen Lufttransportunternehmens, dass auch militärische Güter in die Ukraine transportiert, eine Drohne gefunden worden. An der Drohne war ein Sprengsatz beschäftigt, der wohl wegen eines technischen Defekts nicht explodiert war. Außerdem kollidierte mutmaßlich eine Drohne mit einem Frachtflugzeug in der Luft, ohne dabei größeren Schaden anzurichten (tagesschau.de vom 5. August 2026, „Behörden sprechen von ‚sehr ernstem Sicherheitsvorfall‘“). Der Rechercheverbund von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung berichtet außerdem, es seien noch Hinweise auf eine dritte Drohne gefunden worden (tagesschau.de vom 25. August 2026, „Ermittler finden weitere Drohne und Sprengstoff“). Der Generalbundesanwalt hat in dem Fall die Ermittlungen wegen des Verdachts der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und gefährlichem Eingriff in den Luftverkehr übernommen. Aufgrund des verwendeten Sprengstoffs und der Professionalität des Vorgehens gehen die Sicherheitsbehörden von einem staatlichen Akteur hinter dem Anschlag aus.

Das Problem der Spionage und Sabotage wird in der Bundesrepublik nach einer Reihe von Drohnensichtungen in den vergangenen Jahren diskutiert. Politisch wurden verschiedene Maßnahmen ergriffen, zu denen im Geschäftsbereich des Bundesministerium des Innern der Aufbau eines „Gemeinsamen Drohnenabwehrzentrums“ (GDAZ) von Bund und Ländern am 17. Dezember 2025 gehört. Das GDAZ ist räumlich bei der Direktion 11 der Bundespolizei in Berlin angesiedelt, unter deren Dach die Spezialkräfte der Bundespolizei zusammengefasst sind. Dazu gehört auch eine eigene Drohnenabwehreinheit mit 150 Kräften, die bislang an vier Standorten in Deutschland angesiedelt sind.

Bundesinnenminister Dobrindt kündigte nach dem Vorfall in Leipzig an, diese Einheit auf 300 Kräfte anwachsen zu lassen und auf acht Standorte zu verteilen (dpa vom 10. August 2026, Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei wird deutlich größer). Die Einheit solle KI-gestützte Störsysteme und automatische Abfangdrohnen einsetzen.

Ein Vorfall mit einer Drohne in der Nacht zum 11. August 2026 zeigte, dass hier offenbar noch Verbesserungsbedarf besteht. Der NDR berichtet mit Verweis auf einen Bericht des „Spiegel“, es sei der Bundespolizei nicht gelungen, die Drohne aufzuspüren, auch die Deutsche Flugsicherung habe sie nicht geortet. Die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens kritisierte laut dem Bericht, dass für den Flughafen Hannover keine eigene Drohnenabwehr der Bundespolizei vorgesehen sei, in Norddeutschland sei das lediglich für den Flughafen Hamburg der Fall. (ndr.de vom 12. August 2026). In einer Stellungnahme des Zentralverband der Deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) wurde betont, auch Seehäfen seien zunehmend im Fokus hybrider Bedrohungen. Sie würden zwar selbst mithilfe entsprechender Sensorik Drohnen frühzeitig erkennen, seien aber nicht befugt, sie selbst abzuwehren. Neben den unterschiedlichen Zuständigkeiten von Bund und Ländern ist damit noch ein weiteres strukturelles Problem benannt: seit den umfassenden Privatisierungen öffentlicher Infrastruktur in den Bereichen Transport, Logistik, Energie, Wasser usw. in den 90er Jahren werden Kritische Infrastrukturen in Deutschland von privaten Unternehmen betrieben, die zwar zum Schutz und zur Aufrechterhaltung dieser Infrastrukturen verpflichtet, aber in den Grenzen des staatlichen Gewaltmonopols bei konkreten Gefahren selbst nur eingeschränkt handlungsfähig sind.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen23

1

Wie viele Dienstposten existieren derzeit bei der Bundespolizei, die mit der Aufgabe der Drohnendetektion und -abwehr befasst sind, und

a) wie ist der derzeitige Stand bei der Besetzung der Dienstposten (Soll/ Ist-Stand, Personal im Zulauf, etc.),

b) auf welche Organisationseinheiten sind diese Dienstposten verteilt,

c) wie sind diese Kräfte und insbesondere die Angehörigen der Drohnenabwehreinheit der Bundespolizeidirektion 11 räumlich disloziert (Standorte mit Soll/Ist-Besetzung)?

2

Welche Behörden und Stellen sind derzeit in das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) eingebunden, und wie viele Vertreter welcher Behörden sind dauerhaft dorthin abgestellt? Ist für alle diese Behörden eine 24/7-Erreichbarkeit im GDAZ bzw. Teilnahme an dessen Sitzungen gesichert?

3

Über welche Struktur und Ablauforganisation verfügt das GDAZ?

4

Auf welchem Wege fließen nachrichtendienstliche Erkenntnisse in die Erstellung des Lagebildes oder ad hoc in die Arbeit des GDAZ ein?

5

Wie genau sind die Tätigkeit des GDAZ und des Gemeinsamen Zentrums zur Abwehr hybrider Bedrohungen (GAZ-Hybrid) voneinander abgegrenzt?

6

Über welche mobilen und fest installierten Systeme verfügen die Bundespolizei, das Bundeskriminalamt und die Bundeswehr zur Detektion und zur Abwehr von Drohnen (bitte mit Produkt und Hersteller nennen)?

7

Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die Beschaffung von Technik und Geräten im Bereich der Drohnendetektion und -abwehr zu beschleunigen?

8

Welche Haushaltsmittel sind im Haushaltsentwurf der Bundesregierung für 2027 im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern für die Beschaffung von Drohnen bzw. Drohnenabwehrtechnik und für Forschung und Entwicklung im Bereich Drohnen und Drohnenabwehr vorgesehen?

9

Welche Forschungsprojekte zur Detektion und Abwehr von Drohnen führen welche Bundesministerien derzeit durch bzw. finanzieren diese, und wer ist jeweils Auftragnehmer bzw. Projektpartner?

10

Wie viele Sichtungen von Drohnen sind der Bundesregierung in der Nähe (40 km Umkreis) von deutschen Flughäfen seit 2019 bekannt geworden (bitte nach Jahren auflisten)?

11

An welchen Flughäfen betreibt die Bundespolizei derzeit ein stationäres System zur Drohnendetektion und -abwehr?

12

In wie vielen Fällen ist es seit Inbetriebnahme der stationären Einrichtungen zur Drohnendetektion und -abwehr gelungen,

a) Drohnen über Flughäfen zu detektieren, die nicht durch die Systeme der Deutschen Flugsicherung erkannt wurden,

b) den Überflug von Drohnen an oder über Flughäfen zu stören, zu verhindern oder zu beenden, und in wie vielen dieser Fälle konnte die Drohnen keinem Besitzer zugeordnet werden?

13

An welchen Flughäfen sollen stationäre Systeme zur Drohnendetektion und -abwehr zukünftig durch die Bundespolizei betrieben werden?

14

Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus den vom ZDS und anderen Verbänden von Betreibern Kritischer Infrastruktur erhobenen Forderungen, die Betreiber Kritischer Infrastrukturen selbst zu Abwehrmaßnahmen gegen Drohnen zu ermächtigen, und wie könnte dies umgesetzt werden?

15

Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus dem Hinweis des ZDS, auf detektierte Drohnen nur die Behörden hinweisen, aber nicht selbst aktiv eingreifen zu können?

16

Verfolgt die Bundesregierung weiterhin das Vorhaben, eine eigenständige gesetzliche Regulierung des Sicherheitsgewerbes voranzutreiben und ist in diesem Rahmen daran gedacht, dem Sicherheitsgewerbe entsprechende Tätigkeiten in der Drohnenabwehr zu erlauben oder an anderer Stelle entsprechende Beleihungsmöglichkeiten zu schaffen?

17

An welchen europäischen und internationalen Foren, Arbeitsgruppen, Vernetzungen zum Thema Drohnen beteiligen sich Bundespolizei, Bundeskriminalamt und Bundesamt für Verfassungsschutz derzeit? Was ist Ziel der jeweiligen Formate?

18

Hat die EU-Kommission nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen ihres „Aktionsplans zur Drohnen und Drohnenabwehrsicherheit“ (KOM(2026)81 final) begonnen, eine zivil-militärische Bestandsaufnahme der industriellen Kapazitäten zur Drohnenentwicklung und -produktion vorzunehmen, und was sind bislang die deutschen Beiträge zu dieser Bestandsaufnahme?

19

Existiert in der Bundesrepublik ein Test- und Kompetenzzentrum für Drohnen, das zugleich zum Netzwerk der von der EU-Kommission im Drohnen-Aktionsplan angestrebten multinationalen Test- und Kompetenzzentren für Drohnen hinzugefügt werden könnte? Strebt die Bundesregierung an, ein solches Zentrum zum Test von Drohnen unter Realbedingungen einzurichten?

20

Welche Nachbesserungsbedarfe sieht die Bundesregierung gegebenenfalls bei Registrierungs- und Identifizierungsanforderungen für Drohnen und den Drohnenbetrieb in der Bundesrepublik und welche Regulierungsmöglichkeiten bestehen hierfür auf nationaler und EU-Ebene?

21

Welche Haltung vertritt die Bundesregierung zur von der Kommission (KOM(2026)81 final, S. 13) angestrebten Förderung von dual-use-Technologien in der Drohnensensorik, und welche Konsequenzen hat die gezielte Förderung von dual-use-Technologien für den Export der entsprechenden Produkte in Staaten außerhalb der EU bzw. NATO?

22

Wie steht die Bundesregierung zur von der EU-Kommission (KOM(2026)81 final, S. 13) angestrebten Nutzung von 5G‑Telekommunikationsnetzen zur Erkennung von Drohnen, und wie schätzt die Bundesregierung dadurch entstehende Risiken für die 5G‑Telekommunikationsnetze ein?

23

Wird sich die Bundesregierung grundsätzlich an einer gemeinsamen Beschaffung im Bereich Drohnenabwehr in der EU beteiligen, und wann ja, gibt es hierfür Vorüberlegungen für Bedingungen, die für eine Beteiligung an einer solchen freiwilligen gemeinsamen Beschaffung gestellt werden, und welche sind dies?

Berlin, den 1. September 2026

Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion

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