[Deutscher Bundestag Drucksache 17/5342
17. Wahlperiode 04. 04. 2011 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten René Röspel, Dr. Ernst Dieter Rossmann,
Ulla Burchardt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD
– Drucksache 17/5107 –
Umsetzung des Programms Informations- und Kommunikationstechnologie 2020
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) ist eines der
wichtigsten technologischen Zukunftsfelder, da Entwicklungen in diesem Bereich
nicht nur für sich selbst stehen, sondern auch die Basis für viele andere
Bereiche, wie Automobilbranche, Maschinenbau, Medizin, Logistik und Energie
bilden und als wichtige Triebfedern für Wachstumsprozesse wirken. Laut
Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit 2009
sorgen in Deutschland gut 800 000 Beschäftigte in der IKT-Branche für einen
Umsatz von etwa 145 Mrd. Euro.
In den letzten Jahrzehnten hat die Informations- und
Kommunikationstechnologie bereits eine enorme Entwicklung durchlaufen, deren Ende noch nicht
absehbar ist. Daher wurde im Zuge der von der Koalition der Fraktionen der
SPD und CDU/CSU verabschiedeten Hightech-Strategie auch ein
Forschungsförderprogramm für Informations- und Kommunikationstechnologien
aufgelegt, das Projekt „IKT 2020 – Forschung für Innovationen“. Dieses
Programm hat einen Finanzrahmen von 1,5 Mrd. Euro innerhalb von fünf Jahren
und wird bis 2011 laufen. Die Fördermittel sollten vor allem auch kleinen und
mittleren Unternehmen zur Verfügung gestellt werden.
Besonderen Wert bei der Forschungsförderung sollte auch auf die zeitnahe
Anwendung der neu gewonnenen Erkenntnisse gelegt werden, so dass
Resultate möglichst schnell wirtschaftlich genutzt werden können. Hierzu sollte vor
allem auch die Wirtschaft in die Finanzierung mit einbezogen werden.
Des Weiteren ist das Programm als lernendes Programm angelegt worden, da
der sehr aktive IKT-Bereich einer genauen Überwachung der interessanten
Themenfelder bedarf und bei den geförderten Themenschwerpunkten die
Möglichkeiten bestehen sollten, dass nachjustiert werden kann bzw. konnte.
Doch zeigen neueste Studien, unter anderem die Monitoring-Studie 2009 des
IKT 2020, dass die Entwicklung der Informations- und
Kommunikationstechnologie nicht in dem Maße voranschreitet, wie es geplant war und
Deutschland in vielen Bereichen den Anschluss an die Vorreiterstaaten zu verlieren
droht oder bereits verloren hat. Von der aktuellen Bundesregierung von CDU, Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom
31. März 2011 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/5342 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeCSU und FDP sind in diesem Bereich bisher keinen neuen Impulse gesetzt
worden. Die Fraktion der SPD hat zwar eine Erhöhung der Projektfördermittel
des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für diesen
wichtigen Forschungsbereich in den Beratungen im Ausschuss für Bildung,
Forschung und Technikfolgenabschätzung beantragt, die jedoch abgelehnt
wurden. Alternative Vorschläge zur Stärkung der Informations- und
Kommunikationstechnologien wurden von CDU, CSU und FDP nicht präsentiert.
Nunmehr hat die Bundesregierung am 10. November 2010 ihre IKT-Strategie
der Bundesregierung „Deutschland Digital 2015“ vorgestellt. Trotz der
Ankündigung konkreter Maßnahmen enthält das Papier jedoch – zumeist bereits
bekannte – Sätze allgemeiner Art zur Bedeutung der Informations- und
Kommunikationstechnologien und verweist auf oft bereits laufende Maßnahmen.
So stellt die Strategie beispielsweise fest, dass man das „zukünftige Internet“
nur gemeinsam mit internationalen Partnern entwickeln könne. Darüber, wie
die mit dieser Strategie verfolgten Ziele – etwa der weitere Ausbau der
Breitbandnetze, die Entwicklung und Einführung von Cloud-Computing-Lösungen
oder der Einsatz von IKT für Mobilität – erreicht werden können, erfährt man
jedoch wenig Konkretes.
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Das Programm „IKT 2020 – Forschung für Innovationen“ aus dem Jahr 2007
ist das erste Programm, das an der Hightech-Strategie der Bundesregierung
ausgerichtet wurde. Ende 2010 wurden mit der IKT-Strategie „Deutschland
Digital 2015“ die verschiedenen Maßnahmen der Bundesregierung in den
Bereichen IKT und Neue Medien zusammengefasst. Die IKT-Strategie bildet
seitdem das Dach für die IKT-Politik der Bundesregierung. Die Umsetzung der
IKT-Strategie erfolgt im engen Zusammenwirken von Politik, Wirtschaft und
Wissenschaft. Mit dem Nationalen IT-Gipfel, der in diesem Jahr am 6.
Dezember in München stattfinden wird, ist ein guter Mechanismus für diese
Zusammenarbeit entwickelt worden.
1. Wie bewertet die Bundesregierung die Entwicklung der Informations- und
Kommunikationstechnologie in Deutschland seit Beginn des Programms
„IKT 2020 – Forschung für Innovationen“?
Die IKT-Forschungslandschaft ist in Deutschland heute insgesamt deutlich
besser aufgestellt als noch vor einigen Jahren. Das Förderprogramm IKT 2020
wird inzwischen europaweit als Vorbild für nationale IKT-Programme anderer
Mitgliedstaaten gesehen und inhaltlich auch in den Förderprogrammen der EU
aufgegriffen. Auch hat gerade die IKT-Branche die Finanz- und
Wirtschaftskrise hervorragend gemeistert, was ein deutliches Indiz für ihre
Innovationskraft ist.
2. Welche weiteren Maßnahmen sind nach Ende der finanziellen Förderung
im Jahr 2011 geplant?
Das Programm „IKT 2020 – Forschung für Innovationen“ ist als erstes
Programm an der Hightech-Strategie der Bundesregierung ausgerichtet worden
und wird im Rahmen der Hightech-Strategie 2020 fortgeschrieben.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/53423. Ist die Bundesregierung weiterhin der Auffassung, dass Deutschland im
Bereich der IKT eine „technologische Spitzenstellung“
(Bundestagsdrucksache 17/1906, S. 257) einnimmt, und wenn ja, wie passt diese Aussage zu
der Tatsache, dass bedauerlicherweise nur wenige deutsche Firmen im
Bereich IKT international führend sind?
Deutschland nimmt in Europa im Bereich der IKT zweifelsfrei eine
Spitzenstellung ein. Es verfügt über eine herausragende Forschungsinfrastruktur, die
auch weltweit Anerkennung findet. Im internationalen wirtschaftlichen
Wettbewerb ist das Bild differenzierter. Deutsche Stärken liegen vor allem in den
Bereichen Embedded Systems, mobile Kommunikationsnetze und
Mikrosensorik. Hier ist Deutschland Weltmarktführer. Auch im Bereich der Software zur
Abwicklung von Geschäftsprozessen verfügen deutsche Unternehmen über
einen weltweiten Vorsprung.
4. Wie steht die Bundesregierung zu der Forderung des Branchenverbandes
BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation
und neue Medien e. V.), der ab 2009 eine Aufstockung der öffentlichen
Fördergelder für den IKT-Bereich um 15 Prozent jährlich gefordert hatte,
und welche Pläne verfolgt diesbezüglich die Bundesregierung?
Die öffentlichen Fördergelder des Bundes für den IKT-Bereich sind in den
vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Als Beispiel sei hier die Steigerung
der Mittel im Programm IKT 2020 genannt, die sich im Zeitraum 2007 bis
2010 auf 25 Prozent beläuft.
5. Welche konkreten Produkte, Verfahren und/oder Dienstleistungen können
als Resultat der IKT-Forschungsförderung, als deren Ziel in der
Förderinformation die „Umsetzung von FuE-Ergebnissen in Produkte, Verfahren
und/oder Dienstleitungen nach Abschluss der Projekte oder zeitlich
parallel als Spin-offs (außerhalb der Förderung)“ beschrieben worden war,
gesehen werden (bitte um tabellarische Übersicht)?
Ergebnisse der vom BMWi geförderten Vorhaben betreffen die Etablierung von
Standards, die Anmeldung von Schutzrechten, die Weiterentwicklung von
Prototypen zu marktfähigen Produkten und die Bildung von
Interessengemeinschaften. Die Projektförderung selbst bezieht sich ausschließlich auf den
vorwettbewerblichen Bereich (i. a. Machbarkeit, Demonstration). Im Folgenden
werden Beispiele zu den Verwertungsergebnissen der BMWi-
Technologieprogramme NextGenerationMedia (Internet der Dinge) und THESEUS
(Internet der Dienste) angeführt.
NextGenerationMedia – Vernetzte Lebens- und Arbeitswelten
Im Kontext des Begriffs „Internet der Dinge“ haben elf Projektverbünde im
Rahmen des Programms NextGenerationMedia zukunftsweisende Ansätze der
elektronischen Vernetzung von Systemen und Objekten für konkrete
Anwendungsbereiche entwickelt. Zu den maßgeblichen Innovationen, zu denen Next-
GenerationMedia entscheidend beigetragen hat, zählen:
● Die lückenlose Rückverfolgung von Teilen in der Automobil- und
Textilbranche mit RFID (Radio Frequency Identification). Rückrufaktionen und
Qualitätsnachweise sind so gezielt möglich. Als Verwertungsergebnis ist
u. a. die breite Einführung von RFIDs in der Handelslogistik einer im
Projekt beteiligten großen deutschen Textilfirma zu nennen. Ebenso ist die aus
den Vorhaben entstandene VDA-Empfehlung 5510 für den RFID-Einsatz in
der Automobilindustrie zu nennen. Darüber hinaus hat sich auf Grundlage
Drucksache 17/5342 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeder Ergebnisse aus NextGenerationMedia ein maßgebliches
Industriekonsortium zur branchenweiten Standardisierung des RFID-Einsatzes in der
Automobil-Logistik gebildet (Projekt RAN – RFID-Automotive Network –
im Rahmen des Internet der Dinge-Programms AUTONOMIK des BMWi).
● Im Vorhaben „Partnership for the Heart“ wurde ein neues telemedizinisches
Verfahren entwickelt und anhand der weltweit ersten zulassungsrelevanten
Telemedizinstudie mit 700 Patienten erfolgreich auf Praxistauglichkeit
geprüft. Die international stark beachteten Ergebnisse sollen nun die
Grundlage für die erstmalige Einbeziehung der Telemedizin in den
Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen bilden. Ein entsprechender
Zulassungsantrag befindet sich in Vorbereitung.
● Im Bereich der Konsumelektronik wurde das Konzept eines digitalen
Butlers für das übergreifende Management von Heimnetzwerken entwickelt. Es
soll dabei helfen, die immer komplexer werdende Technik im Haushalt auf
einfache Weise zu beherrschen. Auf Grundlage dieser Ergebnisse haben
beteiligte Partner im Sommer 2009 die Industrieinitiative „Connected Living“
(
www.connected-living.org) als Verein gegründet. Mehr als 40 maßgebliche
Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen unterschiedlicher
Branchen gehören der Initiative inzwischen an. Connected Living hat sich die
Entwicklung von branchenübergreifenden Lösungen und Standards zum
Ziel gesetzt. In der Heim- und Gebäudevernetzung geht es um
Anwendungen wie Energieeinsparung, Sicherheit, Gesundheit und Prävention (z. B.
Unterstützung älterer Menschen in ihrer Lebensumgebung) bis zur
Unterhaltung. Neue Geschäftsaussichten ergeben sich insbesondere auch für
mittelständische Hersteller- und Anbieter (Haushalts- und Konsumelektronik,
Heizungs- und Klimatechnik, Gesundheit und Prävention, Energie und
Effizienz, Medien- und Wissensversorgung, Freizeitgestaltung).
THESEUS
THESEUS hat sich von einer internetbasierten Wissensinfrastruktur hin zu
einem Leuchtturm für das Internet der Dienste weiterentwickelt. Es ist
Wegbereiter für Anwendungen in zahlreichen Wirtschaftsfeldern und Bereichen von
öffentlichem Interesse. Grundlage dafür bilden insbesondere die im Rahmen
von THESEUS entwickelten semantisch ausgerichteten Basistechnologien. In
2007 wurden Projekte in sechs Anwendungsbereichen gestartet. Darüber
hinaus erhielten mit der Initiative „THESEUS Mittelstand 2009“ kleine und
mittlere Unternehmen die Möglichkeit, THESEUS-Technologien für die eigene
Produktentwicklung zu erproben. Damit wurde das THESEUS-
Forschungsprogramm um zwölf zusätzliche Anwendungsprojekte und rund 30, überwiegend
kleine und mittelständische, Partner erweitert.
● Nach rund vier Jahren Laufzeit kann THESEUS mit mehr als 1 000
Einzelergebnissen aufwarten, darunter 92 Prototypen, 38 Patente und geschützte
Ergebnisse (z. B. 6 Patente zur medizinischen Bildauswertung), 12
Standards (z. B. USDL-Standard zur universellen Dienstebeschreibung), 16
Entwicklungspartnerschaften, 17 Anschlussprojekte, 4 Ausgründungen.
● Zum wissenschaftlichen Erfolg gehören vorderste Platzierungen bei
internationalen Wettbewerben wie ICDAR und ImageClef (über 10
Auszeichnungen) und über 400 hochkarätige Veröffentlichungen.
● THESEUS-Technologien kommen beim Aufbau der Deutschen Digitalen
Bibliothek zur Wahrung des kulturellen Erbes zum Einsatz.
● THESEUS strahlt auf Europa aus: Es ist Vorbild für die Future Internet
Initiative (PPP) der Europäischen Kommission, die im Jahr 2010 ausgeschrieben
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/5342wurde. Ebenso wird die Europäische Digitale Bibliothek von den
Entwicklungen zur Deutschen Digitalen Bibliothek profitieren.
● Das 2010 gegründete THESEUS-Innovationszentrum ist Impulsgeber für
die Verbreitung der Entwicklungen zum Internet der Dienste. Es wird am
23. Mai 2011 im Wettbewerb „Land der Ideen“ ausgezeichnet. In den
Räumen des Zentrums haben Besucher auf rund 500 qm Fläche die Möglichkeit,
verschiedene interaktive Anwendungen und Prototypen zu den Ergebnissen
der THESEUS-Forschung kennenzulernen und selbst auszuprobieren.
Die Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
(BMBF) konzentriert sich auf den vorwettbewerblichen Bereich.
Forschungsergebnisse fließen erst nach Ablauf der Projekte in Produkte,
Verfahren und/oder Dienstleistungen. Aus der Vielzahl der Projekte sind
exemplarisch Anwendungen und Ergebnisse aus der IKT-Förderung aufgeführt:
● Im Bereich der Automobilelektronik wurde z. B. ein Nachtsichtsystem zur
Steigerung der Sicherheit im Straßenverkehr entwickelt. Im Projekt wurden
die bisher der automobilen Oberklasse vorbehaltenen passiven
Sicherheitssysteme der ersten Generation für die Anwendungen in weiteren
Fahrzeugklassen mit höherer Funktionalität weiterentwickelt. Das System warnt den
Fahrer bei Nachtfahrten situationsbezogen vor Hindernissen und anderen
Verkehrsteilnehmern, speziell Fußgängern, auf der eigenen Fahrspur und
ermöglicht dem Fahrer dadurch ein frühzeitiges Reagieren durch Bremsen
oder Ausweichen.
● Im Bereich der IKT-spezifischen KMU-Förderung wurde beispielsweise
eine „intelligente Verpackung“ entwickelt. Das sind Verpackungen, die dank
eines eingebetteten RFID-Sensorchips und einer integrierten
Mikroelektronik Informationen darüber vermitteln, ob die Packstoffsterilisation mit
gasförmigem Wasserstoffperoxid erfolgreich war. Ziel ist es, den Ausschuss
unsteril verpackter Lebensmittel zu vermeiden, die Haltbarkeit der Produkte
zu gewährleisten und dem Kunden den Kauf verdorbener Nahrungsmittel zu
ersparen. Mit den neuartigen Sensorchips kann somit Erfolg oder Misserfolg
des Sterilisationsprozesses dokumentiert werden.
● Im Bereich der Medizintechnik wurde beispielsweise ein kabelfreier
Herzsensor realisiert. Der Bedarf an medizinischen Geräten, die unsere
Vitalfunktionen überwachen und z. B. vor einem drohenden Schlaganfall oder
Herzinfarkt warnen, wird durch unsere modernen Lebensgewohnheiten und
die Alterung der Gesellschaft zusätzlich erhöht. Die Entwicklung
telemedizinischer Geräte, die Körperfunktionen messen und die Vital-Daten per
Funk übertragen, ist ein wichtiger Schritt zur optimalen
Gesundheitsüberwachung im Bedarfsfall. Zum Beispiel kann sich ein Patient durch die
kabellose Fernüberwachung seiner Kreislaufdaten frei bewegen, ohne auf
schnelle ärztliche Unterstützung verzichten zu müssen. Gerade älteren
Menschen kann auf diese Weise länger ein selbständiges Leben in der eigenen
Wohnung ermöglicht werden. Im BMBF-Förderprojekt entstand erstmals
ein funktionsfähiges, extrem miniaturisiertes Sensorsystem für die kabellose
Messung von EKG-Daten und die drahtlose Übertragung an einen entfernten
Empfänger – ein kabelfreier Herzsensor.
● Im Bereich der Prothetik wurden z. B. Prothesen entwickelt, die komplexe
Bewegungen gleichzeitig ausführen können, um so den natürlichen
Bewegungsablauf nachzuahmen. Patienten können so eine Handprothese in alle
Richtungen drehen und die Finger ähnlich gut benutzen wie bei einer
natürlichen Hand. Das Implantat wird kabellos mit Energie versorgt und die
Kommunikation über die Haut realisiert.
● Im Bereich der Netztechnologien haben sich beispielsweise in der
Innovationsallianz 100GET 26 führende europäische Unternehmen und For-
Drucksache 17/5342 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeschungseinrichtungen aus Deutschland, Finnland, Frankreich, Schweden
und Spanien zusammengeschlossen, um einen übergreifenden
technologischen Standard für die nächste Netzgeneration zu entwickeln. Ziel war es,
Daten sicher, zuverlässig und zehnmal schneller als mit heutiger
Technologie übertragen zu können. Ergebnisse des Projektes sind bereits in Geräte
eingeflossen. 100GET hat wegen seiner herausragenden Erfolge den „Gold
Award“ der CELTIC-Initiative erhalten.
● Im Bereich der Software wurde z. B. mit Hilfe eines deutschen Konsortiums
aus 13 Industrie- und Forschungspartnern ein Werkzeug für die
Automobilindustrie entwickelt, mit dem sich Simulation, Modellierung und
Optimierung schnell und effizient koordinieren lassen. Dieses Werkzeug übertrifft
die bisher in der Industrie eingesetzten Insellösungen bei weitem und leistet
einen wesentlichen Beitrag dazu, innovative Fahrzeugfunktionen effizient in
der vom Kunden erwarteten Qualität und Zuverlässigkeit zu entwickeln. Das
europäische ITEA2-Projekt MODELISAR konnte hierbei insbesondere die
Lücke zwischen der Simulation von Fahrzeugfunktionen und ihrer
Umgebungen einerseits und der Entwicklung der Software für eingebettete
Systeme andererseits schließen. Dabei bildet Modelica als offene
Modellierungssprache physische Bauteile und ihre Funktionen ab, während
AUTOSAR sich derzeit als Standard für die Entwicklung von „Embedded
Software“ in der Automobilindustrie etabliert.
● Im Bereich der Biometrie hat beispielsweise im Forschungsprojekt „Finger-
Security“ der größte deutsche Hersteller von biometrischen Fingerabdruck-
Systemen zusammen mit Instituten für Rechtsmedizin eine Sicherheits-
Lücke der Fingerabdruck-Biometrie geschlossen. Hierfür gab es weltweit
bisher noch keine Lösung. Mit diversen Bildverarbeitungs-Routinen,
neuronalen Netzen und diskriminanzanalytischen Verfahren wurden Software-
Methoden zur sicheren Abwehr von Fälschungen entwickelt. Die
Forschungsergebnisse des FingerSecurity-Projektes sind in alle Software-
Updates sowie Neuentwicklungen eingeflossen.
● Im Rahmen des „Internet der Dinge“ wurde z. B. die Innovationsallianz
Digitales Produktgedächtnis ins Leben gerufen. In der Allianz unter der
Konsortialleitung des DFKI haben Partner aus Forschung, Handel, Logistik,
Pharmaindustrie und Automobilindustrie die nächste Generation von
mobilen, eingebetteten und funkbasierten Elementen für die semantische
Internetkommunikation zwischen Alltagsobjekten entwickelt. Die Fähigkeiten
solcher „intelligenter“ Produkte gehen weit über die reine
Identifikationsfunktion von heutigen RFID-Kennzeichnungen hinaus. Sie werten die Daten
verschiedener eingebetteter Sensoren (z. B. Temperatur, Helligkeit,
Feuchtigkeit, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Lage) aus und erfassen daneben
alle relevanten Produkt- und Betriebsdaten.
Im Bereich des BMI sind zwei Themenfelder gefördert worden: E-
Government 2.0 und De-Mail.
E-Government 2.0
Im Zusammenhang mit der IKT-Förderung sind zuletzt Projekte des 2009
abgeschlossenen E-Government 2.0 Programms gefördert worden. Auf den
Abschlussbericht vom 20. Mai 2010 wird verwiesen.
www.cio.bund.de/SharedDocs/Publikationen/DE/E-Government/broschuere_e
_government_download.pdf?_blob=publicationFile
Die Projekte ELSTER (Steuer Online), Digitales Bilderarchiv des
Bundesarchivs und das elektronische Freisetzungs- und -verbringungsregister PRTR
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/5342sind in der EU E-Government Benchmark Studie 2011* auf Seite 156 als Best
Practice Beispiele im europäischen Vergleich aufgeführt.
www.de.capgemini.com/branchen/public-sector/publikationen/
egovernmentbenchmark-2011/
Eine Auswahl geförderter IKT Projekte, die nach dem Förderzeitraum weiter
betrieben werden und sich aus Sicht der IT-Steuerung Bund bewährt haben:
Ausbau der Ausschreibungsplattform des Bundes (e-Vergabe)
Federführung: Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Innern (BeschA)
Die e-Vergabe-Plattform ermöglicht die Publizierung von Bekanntmachungen
– auch auf bund.de und bei der EU – sowie die Abwicklung vollständiger
Ausschreibungs- und Vergabeverfahren.
www.evergabe-online.de/
Steuer-Online für Großmelder und Einzelanträge
Federführung: Bundeszentralamt für Steuern (BZSt), Bundesministerium der
Finanzen (BMF), Freistaat Bayern
Steuer-Online wird um die elektronische Antragstellung mit
Authentifizierungsmöglichkeit für Anträge auf Umsatzsteuerrückvergütung erweitert. Durch
den Ausbau werden weitere Steuerverfahren für die Unternehmen deutlich
vereinfacht sowie Kosten und Bearbeitungszeiten reduziert.
https://www.elster.de/
Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs
Federführung: Bundesarchiv (BArch)
Das „Digitale Bildarchiv“ des Bundesarchivs – Bilder zur deutschen
Geschichte online.
www.bild.bundesarchiv.de/
Zulassungsverfahren für die chemische Industrie: eAntrag Pflanzenschutzmittel
Federführung: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
(BVL)
Einführung einer vollständigen elektronischen Antragsbearbeitung für das
Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel im Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.
www.bvl.bund.de/cln_028/nn_492026/DE/04_Pflanzenschutzmittel/11_
AntragstellerAnwender/010_epsmzulassung/psm_eAntrag_node.html_nnn
=true
Elektronisches Abfallnachweisverfahren – eANV
Federführung: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit (BMU)
Ablösung des bisherigen papiergebundenen Abfallnachweisverfahrens durch
ein vollständig elektronisch geführtes Verfahren unter Einbindung der
qualifizierten elektronischen Signatur.
www.zks-abfall.de/
* Digitizing Public Services in Europe: Putting ambition into action 9th Benchmark Measurement,
Capgemini Dezember 2010, im Auftrag der Europäischen Kommission, Seite 156.
Drucksache 17/5342 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeElektronisches Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister
(Elektronisches Pollutant Release and Transfer Register, ePRTR)
Federführung: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit (BMU)
Im PRTR berichten Unternehmen jährlich ihre Daten zu Schadstoffemissionen
in Luft, Wasser und Boden sowie über den Verbleib des Abfalls und des
Abwassers. Für Unternehmen wird der Gesamtberichtsaufwand reduziert, weil
durch die Integration von Emissionsberichten (11. BImSchV) und Meldungen
über Großfeuerungsanlagen (13. BImSchV) die Mehrfacherfassungen
vermieden werden. Berichtspflichtig sind große Industriebetriebe und andere
Organisationen, etwa aus der Energiewirtschaft, der chemischen Industrie, aber auch
die Intensivtierhaltungen und große Kläranlagen. Die berichtspflichtigen
Unternehmen (jährlich 10 000, vierjährig 20 000; in Abhängigkeit der jeweiligen
Berichtspflicht) übermitteln jährlich ihre Daten online in der neuen
Erfassungssoftware BUBE-Online (Betriebliche Umweltdatenberichterstattung) über ein
zentrales Portal
www.bube.bund.de an die zuständigen Behörden.
Die Länder prüfen diese Daten, leiten sie an das Umweltbundesamt (UBA)
weiter, das die Informationen aufbereitet und im Portal
www.prtr.bund.de
präsentiert.
De-Mail:
De-Mail hat FuE-Mittel aus dem „6-Milliarden-Euro-Programm der
Bundesregierung für Forschung und Entwicklung“ erhalten, nicht aber aus dem
Programm IKT 2020. Die für De-Mail bereitgestellten FuE-Mittel waren eine
wichtige Grundlage, um das Projekt erfolgreich abzuschließen. Nachdem
Bundestag und Bundesrat zugestimmt haben, wird das De-Mail-Gesetz
voraussichtlich im April 2011 in Kraft treten. Unter anderem die Deutsche Telekom AG,
United Internet (mit GMX und WEB.DE) und die Deutsche Post AG haben
angekündigt, sich als De-Mail-Provider nach dem De-Mail-Gesetz akkreditieren
zu lassen.
6. Welche Ursachen sind nach Auffassung der Bundesregierung dafür
verantwortlich, dass laut dem Monitoring-Bericht zur IKT-Förderung nur wenige
der geflossenen Mittel an kleine und mittlere Unternehmen gegangen sind?
Der Anteil der Haushaltsmittel für KMU im Rahmen des Programms ist von
11 Prozent im Jahr 2007 auf 18 Prozent im Jahr 2009 gestiegen.
Die vom Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages in Auftrag gegebene
Evaluation der BMBF-Haushaltstitel „Softwaresysteme; Wissenstechnologien“
und „Vernetzte Welt“ hatte zum Ergebnis, dass 64 Prozent aller Unternehmen,
die in diesen beiden Bereichen im BMBF gefördert werden, KMU sind. Von
den – laut Statistik des BITKOM aus 2010 – etwa 7 000 forschungsintensiven
kleinen und mittleren IKT-Unternehmen in Deutschland hat sich über ein
Fünftel an der Fördermaßnahme „KMU-innovativ: IKT“ beteiligt. Diese KMU
wenden aus eigenen Mitteln für Forschung und Entwicklung im Durchschnitt
620 000 Euro pro Jahr auf. Von den KMU wurden für Projekte im IKT-Bereich
durchschnittlich 120 000 Euro Fördermittel pro Jahr beim BMBF beantragt.
Dies ist ein realistischer Anhaltspunkt für die verfügbaren finanziellen und
personellen Ressourcen. Fördermittel aus „KMU-innovativ: IKT“ machen bereits
etwa 20 Prozent der gesamten Forschungsaufwendungen dieser
forschungsintensiven KMU im Bereich IKT aus.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/53427. Wie plant die Bundesregierung nach Ende des Förderprogramms 2011
sicherzustellen, dass bei der weiteren Förderung im Bereich IKT verstärkt
auch kleine und mittlere Unternehmen gefördert werden?
Die Bundesregierung unterstützt auch weiterhin KMU im IKT-Bereich.
Wesentlich für „KMU-innovativ: IKT“ ist die Themenoffenheit und das gestraffte
Bewilligungsverfahren im Halbjahresrhythmus. Das aktuelle Zentrale
Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) und die industrielle Gemeinschaftsforschung
werden ebenfalls fortgesetzt.
8. Hält es die Bundesregierung für wahrscheinlich, dass das Prinzip
„Stärken stärken“, also die bevorzugte Förderung von Unternehmen, die
bereits eine exzellente Marktposition erreicht haben, als ursächlich für die
im Vergleich geringe direkte Förderung von kleinen und mittleren
Unternehmen anzusehen ist?
Das Prinzip „Stärken stärken“ bezieht sich nicht auf die Unternehmensgröße,
sondern auf die thematische Ausrichtung. Dieses Prinzip hat sich bewährt,
insbesondere für teilnehmende KMU.
9. Wie wurde bisher von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, dass die
Schwerpunktsetzung im Förderprogramm im Sinne eines lernenden
Systems angelegt und eine Nachsteuerung möglich sein sollte, und wurde das
System der Nachsteuerung selbst im Rahmen des Programms verbessert?
IKT 2020 ist als lernendes Programm angelegt. Im Rahmen der Hightech-
Strategie der Bundesregierung hat die Forschungsunion als Beratungsgremium der
Bundesregierung Empfehlungen für die Fortentwicklung von IKT 2020
formuliert, die bereits umgesetzt sind. Auch die Empfehlungen der Forschungsunion
im Rahmen der Hightech-Strategie 2020 werden aufgegriffen.
10. Welche Beispiele kann die Bundesregierung anführen, die den Erfolg der
Nachsteuerung im Programm IKT 2020 belegen?
Die neuen Schwerpunktsetzungen in den Bereichen IT-Sicherheitsforschung
und der Förderung von Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet
altersgerechter Assistenzsysteme sowie die Ausrichtung der Förderung im Bereich
Elektronik auf die Elektromobilität zeigen die Anpassungsfähigkeit des
Programms auch an aktuelle Entwicklungen.
11. Welche europäischen Projekte wurden durch Mittel aus dem Programm
IKT 2020 finanziert, und auf welche Höhe beläuft sich diese Förderung?
Im Rahmen des Programms IKT 2020 wurden im Zeitraum 2007 bis Ende 2010
folgende europäische Aktivitäten gefördert:
● Artemis (Advanced Research & Technology for Embedded Intelligence and
Systems) und ITEA (Information Technology for European Advancement)
mit insgesamt 35 Mio. Euro.
● MEDEA+ (Microelectronics Development for European Applications),
CATRENE (Cluster for Application and Technology Research in Europe on
NanoElectronics) und ENIAC (European Nanoelectronics Initiative) mit
insgesamt 107 Mio. Euro.
Drucksache 17/5342 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode● AAL-JP (Ambient Assisted Living Joint Programme) mit insgesamt 11 Mio.
Euro.
● EURIPIDES (Eureka Initiative for Packaging and Integration on
Mikrodevices and Smart Systems), Eurimus ((Eureka Industrial Initiative for
Microsystems) und MNT-ERA.NET (Network of European Micro and Nano
Technology support programmes) mit insgesamt 7 Mio. Euro.
● EUREKA-Verbundprojekte im Bereich Netzwerktechnologien mit
insgesamt 31 Mio. Euro.
12. Wie wurde sichergestellt, dass die erfassten Ergebnisse mit
Wertschöpfung in Deutschland durchgeführt wurden, wie es im „IKT-2020“-
Vorhaben geplant war?
Die Sicherstellung erfolgt im Rahmen der geltenden Förderrichtlinien und den
von den Unternehmen mit Antragsstellung vorzulegenden und zu
aktualisierenden Verwertungsplänen.
13. In welchen Forschungsbereichen im Bereich der Informations- und
Kommunikationstechnologien sieht die Bundesregierung die Möglichkeit eine
Spitzenposition zu erlangen oder zu halten, und bestehen diesbezüglich
Pläne für eine spezielle Förderung?
Die Schwerpunktsetzung erfolgt unter dem Dach der Hightech-Strategie im
Rahmen der IKT-Strategie der Bundesregierung „Deutschland Digital 2015“.
Wichtige Bereiche sind u. a. „Embedded Systems“, „Autonomik (Autonome
Systeme)“, „E-Energy (Smart Grid)“, „Cloud Computing“, „GreenIT“ und „IT-
Sicherheit“ – hier wird mit dem Aufbau von Kompetenzzentren eine
entscheidende Weiche gestellt.
14. Welche Möglichkeiten gibt es für Dienstleistungsunternehmen (die
immerhin einen großen Teil des IKT-Marktes in Deutschland ausmachen),
eine Förderung im Rahmen des IKT-Projekts zu erhalten, wo laut „IKT-
2020“- Papier „Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, Hochschulen
und außeruniversitäre Forschungseinrichten sowie
Bildungseinrichtungen“ antragsberechtigt sind?
Dienstleistungsunternehmen sind Teil der gewerblichen Wirtschaft und somit
antragsberechtigt.
15. Muss für eine Förderung im Rahmen des Programms IKT 2020 das
Unternehmensziel die Herstellung eines Produkts oder Verfahrens sein?
Nein, nicht ausschließlich.
16. Welchen Anteil der Forschungsförderung hat die Wirtschaft bisher im
Rahmen des Programms IKT 2020 geleistet?
Der Eigenanteil der gewerblichen Wirtschaft an den zwischen 2007 und 2010
bewilligten Projekten lag bei 52,4 Prozent.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/534217. Welche der geflossenen Mittel aus dem Programm IKT 2020 sind
zusätzlich bereit gestellt worden und nicht Mittel, die auch ohne spezielles
Förderprogramm im Rahmen der Forschungsförderung des BMBF geflossen
wären?
Im Bereich IKT wird eine Förderung seitens des BMBF ausschließlich auf der
Basis (notifizierter) Programme vorgenommen. Derzeit ist dies ausschließlich
das Programm „IKT 2020 – Forschung für Innovationen“.
18. Wirkt sich das Programm „IKT 2020 – Forschung für Innovationen“ auch
auf andere Forschungsbereiche positiv aus, insofern die im Rahmen der
Forschungsförderung geflossenen Gelder etwa Unternehmen
ermöglichen, Forschungsinvestitionen in anderen Bereichen zu tätigen?
Aufgrund der Tatsache, dass Informations- und Kommunikationstechnologien
die primären Innovationstreiber sind, wirken sich Projekte im Rahmen von
„IKT 2020“ auch auf andere (Forschungs-)Bereiche positiv aus. Das gilt
insbesondere für die Bereiche Mobilität, Produktion, Energie und Medizin.
19. Welche Überprüfungsmechanismen werden angewandt, um die
Produktivität einer Forschungseinrichtung zu überprüfen, die Fördermittel im
Rahmen des Programms erhalten hat?
Zu unterscheiden sind die Evaluation von Forschungsprogrammen
(Projektförderung) und Institutionen (institutionelle Förderung). Beides findet statt, steht
aber in keinem direkten Zusammenhang.
20. Welche Auswirkungen hat die Tatsache, dass der Anteil der IKT-
Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den meisten Bereichen in
Deutschland unterhalb des europäischen Durchschnitts liegt, auf die Position
Deutschlands innerhalb der europäischen Forschungslandschaft?
Deutschland nimmt innerhalb der europäischen Forschungslandschaft eine
Spitzenposition ein. Der Anteil der IKT-Ausgaben am BIP ist in diesem
Kontext nicht aussagekräftig.
21. Wie verteilt sich die Förderung im Rahmen des Programms IKT 2020 auf
die fünf Schwerpunktbereiche Automobil, Automatisierung, Gesundheit
und Medizin, Logistik und Dienstleistungen sowie Energie, die im
Rahmen der Fokussierung der Projektförderung als Bereiche mit hohem IKT-
Anteil und zugleich hoher Wertschöpfung und hohem
Arbeitsplatzpotential identifiziert worden waren?
Schwerpunkt der Förderung ist die IKT-Kernbranche, daneben die oben
genannten Schwerpunktbereiche. Einige Projekte lassen sich eindeutig einem
Bereich zuordnen, andere dienen verschiedenen Anwendungsbereichen
gleichzeitig. Im Zeitraum 2007 bis 2010 verteilt sich die Förderung mit eindeutiger
Zuordnung etwa wie folgt:
Mio. Euro
Automobil 151
Automatisierung 58
Gesundheit/Medizin 120
Logistik/Dienstleistung 69
Energie 81
Drucksache 17/5342 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode22. Hat sich aus Sicht der Bundesregierung die Konzentration auf fünf
Anwendungsfelder als erfolgreich erwiesen?
Ja. Das Programm IKT 2020 hat prototypisch die Handlungsempfehlungen der
Hightech-Strategie umgesetzt. Dazu zählt insbesondere eine Konzentration auf
ausgewählte Anwendungsfelder.
23. Wie geht diese Prognose aus dem Monitoring-Bericht 2009, laut dem die
größten Wachstumsfelder der IKT-Branche die Bereiche sind, die noch
am Anfang ihres Innovationszyklus stehen und die zügig auszubauen sind
(z. B. mobile Anwendungen, RFID, Green IT, E-Energy, Embedded
Systems, Internet der Dienste, Cloud Computing, Klimaschutz, Internet der
Dinge) in die weitere Forschungsschwerpunktsetzung ein?
Der „Monitoring Report Deutschland Digital 2009“ ist der erste Bericht einer
auf drei Jahre angelegten Untersuchung des IKT-Standorts Deutschland im
Vergleich zu den führenden IKT-Regionen weltweit. Diese Untersuchung führt das
Unternehmen TNS Infratest im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft
und Technologie durch. Im Monitoring Bericht 2009 werden auf der Basis der
Einschätzungen nationaler und internationaler Experten auch Aussagen zu
künftigen Wachstumsfeldern gemacht. Die Ergebnisse des Monitoring Reports
2009 waren Grundlage für die Diskussionen der Akteure aus Politik, Wirtschaft
und Wissenschaft auf dem Vierten Nationalen IT-Gipfel Ende 2009 in Stuttgart.
Hauptergebnis dieses Gipfels ist die Stuttgarter Erklärung, in der u. a. neue
Initiativen in praktisch allen der im Monitoring Bericht 2009 genannten
Wachstumsfelder vereinbart wurden.
Ebenso werden im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesregierung neue
Schwerpunkte definiert. Dies geschieht in enger Abstimmung von
Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, z. B. im Rahmen der Forschungsunion. Die
genannten Themenschwerpunkte finden sich auch in der IKT Strategie der
Bundesregierung „Deutschland Digital 2015“ wieder.
24. Welche der genannten Themenschwerpunkte werden bereits wie stark
und im Rahmen welcher Programme gefördert?
Die genannten Themenschwerpunkte finden sich in der IKT Strategie der
Bundesregierung „Deutschland Digital 2015“ wieder. Das BMBF konzentriert sich
auf die Förderung des „Internet der Dinge“ mit einer jährlichen Förderung von
27 Mio. Euro (Schwerpunkt sind Embedded bzw. Cyber-Physical Systems) und
des Energiemanagements in Elektrofahrzeugen mit einer jährlichen Förderung
von 50 Mio. Euro.
Aufbauend auf Basistechnologien konzentriert sich das BMWi auf folgende
Technologieprogramme mit starkem Anwendungsbezug, die in Frage 23
genannt werden:
Anwendungsbereich Technologieprogramm (Förderzeitraum/Fördervolumen ca. Wert,
Programmvolumen einschl. Eigenanteil der Projektpartner ca. Wert)
Mobile Anwendungen SimoBIT – Sichere mobile Informationstechnik in Mittelstand und Verwaltung
Internet der Dinge/RFID NextGenerationMedia (2006–2009/11, 40 Mio. Euro, 80 Mio. Euro)
AUTONOMIK (2010 – 2013, 50 Mio. Euro, 100 Mio. Euro)
Energie & Klimaschutz IT2Green (2011–2014, 30 Mio. Euro, 60 Mio. Euro)
EEnergy (2008–2012, 40 Mio. Euro/BMWi, 20 Mio. Euro/BMU, 140 Mio. Euro)
IKT für Elektromobilität (2009 – 2011, 46 Mio. Euro, 92 Mio. Euro)
IKT für Elektromobilität II (Start 3. Quart. 2011)
Internet der Dienste THESEUS (2007–2012, 100 Mio. Euro, 200 Mio. Euro)
Cloud Computing Trusted Cloud (2011–2014, 50 Mio. Euro, 100 Mio. Euro)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/534225. Welche Forschungsbemühungen wurden in den letzten Jahren im Bereich
E-Health/E-Health-Netz gefördert, und welche Pläne gibt es zur weiteren
Förderung von Forschungsprojekten im Bereich E-Health?
Im Rahmen des Programms IKT 2020 gab es die folgenden
Bekanntmachungen:
● Präventive MikroMedizin – intra- und extrakorporale
Telemonitoringsysteme
Unterstützung der Entwicklung von Monitoringsystemen zur Prävention und
zur diagnostischen Begleitung von Herz-Kreislauf-Patienten. Mit diesen
Systemen können beispielsweise Blutdruck, Puls, Herzfrequenz,
Herzrhythmus oder Atmung rund um die Uhr überwacht werden, ohne dass die
Patienten dafür ins Krankenhaus müssen.
● Intelligente Technische Textilien für medizinische Anwendungen
Gegenstand der Förderung ist die Entwicklung neuartiger Lösungen für
Gesundheit und Sicherheit auf Basis Intelligenter Technischer Textilien.
Adressiert sind Lösungen im Bereich Gesundheit, sowohl zur Verbesserung
des Wohlbefindens, der Überprüfung der Leistungsfähigkeit als auch in der
Prävention und Therapie von Erkrankungen.
● Intelligente Implantate
Deutschland zählt bei Mikrosystemen in der Medizin zu den weltweit
führenden Standorten. Intelligente Implantate sind hochkomplexe Systeme aus
Sensorik, Aktorik und Signalverarbeitung. Typische Anwendungsfelder sind
Volkskrankheiten und spezifische Erkrankungen einer alternden
Bevölkerung. Eine telemetrische Datenübertragung aus dem Körper spielt bei den
meisten Projekten eine zentrale Rolle.
● Vernetzung und Konvergenz im Operationssaal
Vorgesehen ist, eine gemeinsame Initiative aus Industrie, Forschung,
Krankenhausbetreibern und potenziell weiteren themenrelevanten Akteuren zu
fördern, um eine strukturierende Wirkung auf die Forschungs- und
Entwicklungsprozesse auszuüben.
Im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung fördert das BMBF mehrere
Projekte zum Thema „E-Health/E-Health-Netz“, so z. B. der BMBF-Wettbewerb
„Gesundheitsregionen der Zukunft“.
In Einzelprojekten aus dem Förderschwerpunkt „Versorgungsnahe Forschung –
Chronische Krankheiten und Patientenorientierung“ werden Wirksamkeit,
Akzeptanz und Nachhaltigkeit unterschiedlicher mediengestützter Counselling-
und Coaching-Systeme für die Patientenversorgung untersucht.
In der Studie „Gesundheitsökonomische Methodenentwicklung am Beispiel
der Evaluation einer technologiebasierten, sektorenübergreifenden Intervention
zur Versorgung chronisch kranker Patienten (CardioBBEAT)“ soll beispielhaft
für die Nutzung eines telemedizinischen Unterstützungssystems für herzkranke
Patienten eine neue gesundheitswirtschaftliche Methodik entwickelt und für
das deutsche Gesundheitssystem standardisiert werden.
Im Rahmen seiner Bemühungen für die Qualitäts- und Effizienzsteigerung in
der medizinischen Forschung fördert das BMBF die Technologie- und
Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung (TMF). Als
Dachorganisation medizinischer Forschungsverbünde befasst sie sich insbesondere auch
mit datenschutzrechtlichen Fragen beim Austausch von Patientendaten in der
Forschung.
Drucksache 17/5342 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeDas Spitzencluster „Medical Valley“ Erlangen, Verbund: Intelligente Sensorik
(insgesamt 24 Einzelvorhaben) beinhaltet Projekte zur Heimbetreuung von
Dialyse- und COPD Patienten, Home-Monitoring bei Herzinsuffizienz,
Ortungs- und Notrufsysteme für Senioren und Demenzpatienten sowie
Notrufsysteme bei Sturzvorfällen.
In Umsetzung des neuen Rahmenprogramms Gesundheitsforschung der
Bundesregierung können auch zukünftig Forschungsprojekte zu der Thematik E-
Health/E-Health-Netz in Fördermaßnahmen beantragt werden ebenso wie im
Programm IKT 2020.
E-Health-Projekte des BMWi werden im Rahmen mehrerer Programme
gefördert:
In der Perspektive zielt insbesondere der neue BMWi-Förderschwerpunkt
„Trusted Cloud“ auf zukunftsweisende E-Health-Anwendungen. Dazu gehören
die Vorhaben HealthCloud (Cloud-Dienste für die Sekundärnutzung [
anonymisierter] medizinischer Routinedaten, z. B. zur Identifikation von
Nebenwirkungen bei Medikamenten oder für Studien zur Qualitätsverbesserung
medizinischer Behandlungen), GeneCloud (Cloud-Dienste zur Optimierung von
Wirkstoffkombinationen in der Krebstherapie) und TRESOR (Cloud-Dienste
für medizinische Versorgungseinrichtungen zur sicheren und
vertrauenswürdigen Verwaltung von Patientendaten). Die Vorhaben werden voraussichtlich
im 3. Quartal 2011 starten.
Technologieprogramm E-Health-Projekt
(Laufzeit, Fördervolumen, Projektbudget einschl. Eigenanteil d. Partner)
NextGenerationMedia Partnership for the Heart – Telemedizin für herzinsuffienziente Patienten
(11/2006–3/2011, 6,8 Mio. Euro, 13,6 Mio. Euro)
InPriMo – Baukasten für Telemedizindienste
(9/2006–8/2008, 4,1 Mio. Euro, 8,2 Mio. Euro)
THESEUS MEDICO – Entscheidungshilfe für den Arzt
(2007–2012, 5 Mio. Euro, 10 Mio. Euro)
GoOn – Semantische Rechercheplattform für die Lebenswissenschaften
(2009–2011, 0,5 Mio. Euro, 1 Mio. Euro)
RADMING . Optimierter Zugriff auf medizinisches Text- und Bildmaterial in der
Radiologie
(2009–2011, 0,6 Mio. Euro, 1,2 Mio. Euro)
SimoBIT Med-on@ix – E-Health in der Notfallmedizin
(8/2007–7/2010, 3,3 Mio. Euro, 6,6 Mio. Euro)
OPAL-Health – E-Health im Krankenhaus
(8/2007–7/2010, 2 Mio. Euro, 4 Mio. Euro)
Vitabit – E-Health in der Pflege
(7/2007–6/2010, 2 Mio. Euro, 4 Mio. Euro)
AUTONOMIK SmartOR – Innovative Kommunikations- und Netzwerkarchitekturen für den
OP-Saal der Zukunft
(4/2010–3/2013, 2,6Mio. Euro, 5,2 Mio. Euro)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 15 – Drucksache 17/534226. Welche Maßnahmen unternimmt die Bundesregierung, um im Bereich
der IT-Sicherheit auf die zunehmende Kriminalität im Internet zu
reagieren und die Sicherheitsforschung im IKT-Bereich zu stärken?
Mit der gemeinsamen Erklärung von Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble
und Bundesministerin Dr. Annette Schavan vom 29. Oktober 2008 wurde die
Zusammenarbeit auf dem Gebiet der IT-Sicherheit intensiviert und das
zugehörige Arbeitsprogramm beträchtlich erweitert. Mit dem am 3. September 2009
vorgelegten „Arbeitsprogramm IT-Sicherheitsforschung“ wurde der
thematische Rahmen für die Förderung im Bereich IT-Sicherheitsforschung abgesteckt.
Für eine Laufzeit von fünf Jahren werden vom BMBF hierfür Fördermittel in
Höhe von 30 Mio. Euro bereitgestellt.
Bislang wurden drei Förderbekanntmachungen vom BMBF veröffentlicht. Im
Rahmen der ersten Bekanntmachungen wurden bereits Vorhaben mit rund
20 Mio. Euro Fördersumme bewilligt.
Damit sich Deutschland den großen Zukunftsfragen der Cybersicherheit
langfristig stellen kann, hat das BMBF darüber hinaus Ende 2010 eine
Bekanntmachung zur Förderung von Kompetenzzentren für die IT-
Sicherheitsforschung veröffentlicht. Mit der Einrichtung von drei Zentren in Karlsruhe,
Darmstadt und Saarbrücken werden herausragende Fähigkeiten der besten
Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet
der Cybersicherheitsforschung thematisch und organisatorisch gebündelt. Das
BMBF fördert die drei Zentren mit insgesamt ca. 17 Mio. Euro für zunächst
vier Jahre.
Die Abwehr von Angriffen, die gezielte Entwicklung geeigneter Methoden und
Werkzeuge in verschiedenen Projekten des IT-Sicherheitsschwerpunktes des
BMBF sowie die vorausschauende Weiterentwicklung von Kenntnissen und
Fähigkeiten bilden gemeinsam eine starke Basis für die IT-Sicherheit in
Deutschland.
Darüber hinaus unterstützt das BMBF auch Arbeiten zur Entwicklung
grundlegender Technologien, die eine immanent abhörsichere Übertragung von
Daten erlauben könnte (Quantenkommunikation) mit rund 13 Mio. Euro.
Am 23. Februar 2011 hat die Bundesregierung die Cyber-Sicherheitsstrategie
für Deutschland beschlossen. In Nr. 8 „Einsatz verlässlicher und
vertrauenswürdiger Informationstechnologie“ wird das Ziel, die relevante Forschung zur
IT-Sicherheit und zum Schutz Kritischer Infrastrukturen fortzusetzen und
auszubauen, definiert. BMBF und BMI werden sich gemeinsam dieser Forderung
stellen und, wie in einem Gespräch am 19. April 2010 zwischen
Bundesministerin Dr. Annette Schavan und Bundesminister Dr. Thomas de Maizière
vereinbart, die IT-Sicherheitsforschung durch ein Nachfolgeprogramm fortsetzen und
ausweiten.
27. Wie viele Arbeitsplätze sind durch die Förderung der IKT-Forschung in
Deutschland entstanden (bitte um Auflistung nach Jahren)?
Dazu liegen der Bundesregierung keine Zahlen vor.
28. Wie begegnet die Bundesregierung dem Fachkräftemangel im Bereich
der Informations- und Kommunikationstechnologien, der von vielen
Unternehmen als das größte Hemmnis für Innovation und Forschung in
Deutschland beschrieben wird?
In der IKT-Branche ist der Fachkräftemangel laut Angaben des
Branchenverbandes Bitkom zu einem spürbaren Wachstumshemmnis geworden. Die Bun-
Drucksache 17/5342 – 16 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodedesregierung ist daher zum Thema Fachkräftesicherung in verschiedenen
Handlungsfeldern tätig. Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs ist es notwendig,
das inländische Potenzial besser zu nutzen und ausländische Fachkräfte durch
eine kluge Zuwanderungspolitik zu gewinnen. Die Bundesregierung entwickelt
dazu derzeit ein Gesamtkonzept. Dieses Konzept zur Fachkräftesicherung wird
innerhalb der Bundesregierung von der in Meseberg eingesetzten
Arbeitsgruppe „Fachkräfte der Zukunft“ unter Leitung des Bundesministeriums für
Arbeit und Soziales erarbeitet und mit den Sozialpartnern abgestimmt. Unter
anderem soll ein Informationsportal zur besseren Bewertung ausländischer
Berufsqualifikationen aufgebaut werden. Ziel ist es, dass berufliche
Kompetenzen, die im Ausland erlangt wurden, in Deutschland besser genutzt werden
können. Im Oktober 2010 wurde außerdem der neue Ausbildungspakt auf den
Weg gebracht.
Eine Vielzahl von Maßnahmen des BMBF – nicht zuletzt im Rahmen der
Qualifizierungsinitiative – ist darauf ausgerichtet, das Interesse für Technik- und
naturwissenschaftliche Berufe bzw. Studienfächer – insbesondere bei jungen
Frauen – signifikant zu erhöhen und ein ausreichendes Fachkräfteangebot in
diesen Bereichen sicherzustellen.
Nachfolgend einige exemplarische Initiativen:
● Das „Haus der kleinen Forscher“: In einem praxisnahen Ansatz unterstützt
das „Haus der kleinen Forscher“ Erzieherinnen und Erzieher in ihrer Arbeit
und bindet dabei die Eltern ein. Die Initiative stellt einfach zu handhabende
Lehrmaterialien zur Verfügung und organisiert eine bundesweite
Aktionswoche zum Thema Naturwissenschaften im frühkindlichen Alter.
● Der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen: Der Pakt wurde von
rd. 80 Partnern aus Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft, Politik und Medien
im Sommer 2008 geschlossen. Paktziele sind die Steigerung des Anteils der
Studienanfängerinnen in MINT-Fächern, die Erhöhung des Frauenanteils bei
Neueinstellungen im MINT-Bereich und die Steigerung des Frauenanteils in
Führungspositionen.
● Mit dem Projekt „MINToring“ verfolgt das BMBF gemeinsam mit der
Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) und regionalen Partnern das Anliegen,
mehr junge Menschen für MINT-Fächer zu begeistern, ihr Interesse daran zu
festigen und zur Aufnahme eines entsprechenden Studiums zu motivieren.
Zentraler Baustein des Förderprogramms ist die kontinuierliche Beratung
und Unterstützung der Jugendlichen durch Studierende der MINT-Fächer.
Die Förderung der Jugendlichen ist auf drei Jahre angelegt und umfasst die
letzten beiden Schuljahre vor dem Abitur und die ersten beiden
Hochschulsemester.
● Invent a Chip ist ein Schülerwettbewerb für die Jahrgangsstufen 8 bis 13.
Das Ziel des Wettbewerbs ist die Nachwuchsgewinnung, die Jugendlichen
bekommen einen Einblick in die Welt der Mikro- und Nanoelektronik und
können sich mit einer Idee für einen Mikrochip bewerben. Die ausgewählten
Siegerprojekte werden als echte Siliziumchips gefertigt und auf Kongressen
und Messen vorgestellt.
Weiterhin hat die Bundesregierung in enger Zusammenarbeit mit den
Sozialpartnern vier nach dem Berufsbildungsgesetz staatlich anerkannte IT-
Ausbildungsberufe sowie das IT-Weiterbildungssystem in Kraft gesetzt. Damit
stehen im Bereich der geregelten Aus- und Fortbildung Strukturen zur Verfügung,
die den Qualifikationsbedürfnissen der Branche entsprechen und im Rahmen
der Qualifizierung, der Nachwuchssicherung und der Personalentwicklung
eingesetzt werden.
Die Zahl der jährlichen Neuverträge bewegte sich in den letzten fünf Jahren
jeweils um die 14 000.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 17 – Drucksache 17/5342Auf der ersten Stufe des IT-Weiterbildungssystems stehen die IT-Spezialisten.
Diese Qualifikation wird in der Regel in einem Zertifizierungsverfahren
nachgewiesen. Nach ausführlichen Erörterungen wurden diese neugefasst und zum
Regelungsgegenstand einer Rechtsverordnung vom 23. Juli 2010 (BGBl. I
S. 1010).
Das Bundesinstitut für Berufsbildung ist mit der Evaluation des IT-
Weiterbildungssystems beauftragt. Erste Ergebnisse werden demnächst vorgestellt
werden.
Auf dem letzten IT-Gipfel wurde von IKT-Unternehmen der so genannte
„Software-Campus“ mit dem Ziel ins Leben gerufen, junge Informatiker zu IT-
Führungskräften aus- und weiterzubilden.
Das Programm „erlebe it“ informiert Schülerinnen und Schüler über
Ausbildungsmöglichkeiten, Praktikumsplätze und Studiengänge in der IKT-Branche.
Zudem hat die Bundesregierung zum letzten IT-Gipfel das Portal „IT und
Mittelstand“ gestartet, um unter anderem junge IT-Unternehmen durch erfahrene
Mentoren zu unterstützen.
Außerdem arbeitet die Bundesregierung am Konzept einer
Informationsplattform für zuwanderungswillige und hochqualifizierte Fachkräfte. Diese
Plattform soll den Standort Deutschland im weltweiten Wettbewerb um die besten
Köpfe in der IKT-Branche besser vermarkten und damit hochqualifizierte
Fachkräfte für Deutschland gewinnen helfen.
29. Gibt es Programme, die die Ausbildung von Fachkräften und
Studentinnen und Studenten der entsprechenden Gebiete verbessern sollen oder
gibt es Bestrebungen, die Zuwanderung für qualifizierte Facharbeiter –
insbesondere für den Bereich der Informations- und
Kommunikationstechnologien zu vereinfachen?
Zum ersten Teil wird auf die Antwort zu Frage 28 verwiesen.
Das Bundeskabinett hat am 23. März 2011 den Entwurf des Gesetzes zur
Verbesserung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen
(Anerkennungsgesetz) verabschiedet. Zuwanderern, die im Ausland einen
Beruf erlernt haben, wird es damit erheblich leichter gemacht, in Deutschland eine
ihrer Qualifikation entsprechende Beschäftigung auszuüben. Darüber hinaus
wird Deutschland für qualifizierte Zuwanderer attraktiver.
30. Welche Bemühungen werden seitens der Bundesregierung unternommen,
um internationale Standards durch die in Deutschland entwickelten
Produkte zu prägen, um so die Marktstellung dieser Produkte und damit die
gesamte deutsche Forschungslandschaft zu stärken?
Normung und Standardisierung sind integraler Bestandteil des Forschungs- und
Innovationsprozesses, denn frühzeitig eingeleitet fördern sie den Transfer von
Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte und Dienstleistungen und den
schnellen Marktzugang von Innovationen. Deshalb werden in Umsetzung des
Normungspolitischen Konzepts der Bundesregierung die Potenziale von
Normung und Standardisierung durch gezielte Integration in die
Forschungsförderung verstärkt genutzt.
Drucksache 17/5342 – 18 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode31. Plant die Bundesregierung, die im Papier „Deutschland Digital 2015“
besonders hervorgehobenen 3D-Technologien im Rahmen der
Forschungsförderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zukünftig
gezielter zu fördern, und falls ja, wann wird ein entsprechendes
Förderkonzept vorliegen?
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Sächsische
Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst haben im November 2009 die
finanziellen Voraussetzungen für den Aufbau eines Technologiezentrums zur 3D-
Systemintegration, des ASSID (All Silicon System Integration Dresden),
geschaffen. Projekte zur 3D-Systemintegration werden auf nationaler Ebene
sowie im Rahmen der europäischen Forschungsinitiativen ENIAC und
CATRENE gefördert.
32. Wird das Bundesministerium für Bildung und Forschung an der
geplanten Einrichtung eines 3D-Innovationszentrums beteiligt, und besteht
zwischen der Einrichtung des Zentrums und den geförderten Maßnahmen im
Rahmen des Programms IKT 2020 ein Bezug?
Als Ergebnis des vom BMWi geförderten Vorhabens PRIME (PRoduktions-
und Projektionstechniken für Immersive Medien, Förderzeitraum 4/2008 – 2/
2011, Fördervolumen: 4,5 Mio. Euro, Projektvolumen einschl. Eigenanteil der
Partner: 9 Mio. Euro) haben beteiligte Partner die Gründung eines 3D-
Innovationszentrums (Arbeitstitel) in Berlin angekündigt. Nach aktuellem Stand sind
bereits mehr als 30 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen an einer
gemeinsamen Trägerschaft interessiert. Eine institutionelle Förderung durch
BMWi ist nicht geplant. Im Rahmen der BMWi-Projektförderung können aber
innovative FuE-Vorhaben zu 3D unterstützt werden.
33. Welche Rolle spielte das so genannte Internet der Dienste im Rahmen des
Programms IKT 2020?
Das „Internet der Dienste“ ist ein zentraler Gegenstand der
Forschungsförderung der Bundesregierung. Das wichtigste Programm ist derzeit das
Leuchtturmprojekt THESEUS, das vom BMWi gefördert wird. Hierauf aufbauend hat
das BMWi das Cloud Computing Aktionsprogramm gestartet.
34. Inwieweit wurden bzw. werden das Programm IKT 2020 und das
Programm THESEUS aufeinander abgestimmt, und entspricht die
Bewertung des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie (Aussage vom
Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Rainer Brüderle, im
THESEUS Imagefilm: „THESEUS ist Deutschlands größtes und
wichtigstes Forschungsprojekt im Bereich der Informations- und
Kommunikationstechnologien.“) der Meinung der gesamten Bundesregierung, dass
das Programm IKT 2020 folglich nicht das wichtigste
Forschungsförderprogramm im Bereich der Informations- und
Kommunikationstechnologien darstellt?
Die in der Hightech-Strategie Deutschland angeführten Maßnahmen, zu denen
insbesondere auch das Projekt THESEUS (BMWi) und das Programm
IKT2020 (BMBF) gehören, sind im Rahmen der Ressortkoordinierung
aufeinander abgestimmt. THESEUS wurde auf dem ersten nationalen IT-Gipfel im
Dezember 2006 zum Leuchtturmprojekt erklärt. Das Projektvolumen von THE-
SEUS beträgt 200 Mio. Euro (Fördervolumen: 100 Mio. Euro). Das
Fördervolumen von IKT 2020 beträgt 1,5 Mrd. Euro.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 19 – Drucksache 17/534235. Aus welchen Gründen wird das Programm IKT 2020 im Papier
„Deutschland Digital 2015“ nicht ausdrücklich erwähnt, wenn es sich
doch hierbei offensichtlich um die Fortsetzung der IKT-Strategie handeln
soll?
Wichtiger Bestandteil der IKT-Strategie „Deutschland Digital 2015“ ist
Forschung und Entwicklung. Aus dem Programm IKT 2020 sind in diesem
Kontext eine Reihe von Vorhaben in die IKT-Strategie „Deutschland Digital 2015“
eingegangen, ohne das Programm namentlich zu erwähnen.
36. Welche Projekte im Bereich der Service-Robotik sowie im Bereich der
Heimvernetzung wurden im Rahmen des Programms IKT 2020 bisher
gefördert?
Ziel der Deutschen Servicerobotik-Initiative DESIRE als Leitinnovations-
Vorhaben war es, eine gemeinsame Referenz-Architektur, deren Komponenten
nach Bedarf zusammengestellt werden, für einen im Alltag einsetzbaren
Serviceroboter zu entwickeln und zu testen. In weiteren Projekten werden
Robotik-Systeme entwickelt, die der Unterstützung in der Rehabilitation und Erhalt
der Autonomie auch bei schweren gesundheitlichen Einschränkungen dienen.
Weitere Vorhaben zu diesem Bereich – vor allem aus der Förderung in KMU-
innovativ – verfolgen die Lösung spezieller technischer Probleme bei
Navigation und Steuerung von Servicerobotern.
Im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel wurden zwei
Bekanntmachungen veröffentlicht:
● Technologie und Dienstleistungen im demographischen Wandel
Der Förderschwerpunkt will im Zuge des demografischen Wandels eine
konvergente Entwicklung von Technologie- und Dienstleistungsangeboten
auf den Weg bringen. Dabei sollen deutsche Unternehmen befähigt werden,
ausgewählte gesellschaftliche Gruppen, wie z. B. Senioren oder chronisch
Kranke, mit bedarfsgerechten Dienstleistungen zu versorgen (15 Projekte).
● Altersgerechte Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben –
AAL
Mit der Förderung von „Altersgerechten Assistenzsystemen (AAL)“
unterstützt das BMBF ganzheitliche Lösungen, die auf neuen Technologien,
Diensten und Dienstleistungen basieren. Unterstützt wird die Entwicklung
von Systemen und Dienstleistungen, die es älteren Menschen ermöglichen,
so lang wie möglich zuhause zu leben (18 Projekte).
Auf europäischer Ebene wurde das „Ambient Assisted Living Joint Programme
(AAL-JP)“ gestartet. Es ist ein transnationales Förderprogramm, das von
23 europäischen Ländern gestaltet, organisiert und mitgetragen wird. Ziel ist es,
im Rahmen von internationalen Forschungsvorhaben Informations- und
Kommunikationstechnologien und Dienstleistungen für Assistenzsysteme zu
entwickeln (26 Projekte mit deutscher Beteiligung).
In der Begleitforschung zum Förderschwerpunkt „Altersgerechte
Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben – AAL“ wird frühzeitig darauf
Einfluss genommen, ethisch und sozialökonomisch vertretbare Lösungen zu
entwickeln. Die Begleitforschung übernimmt hier die Rolle als Treiber für
Innovationen.
Drucksache 17/5342 – 20 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode37. In welchem Verhältnis steht die im Papier „Deutschland Digital 2015“
erwähnte Maßnahme „Software-Spitzencluster“ zum Spitzencluster-
Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und basieren
beide Projekte auf den gleichen Voraussetzungen (etwa in Bezug auf die
Zuwendungsvoraussetzungen oder hinsichtlich des Kreises der
Zuwendungsempfänger)?
Der „Software-Spitzencluster“ ist ein Projekt des Spitzencluster-Wettbewerbs
des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
38. Welche Auswirkungen hat nach Einschätzung der Bundesregierung das
Programm IKT 2020 auf die schlechte Position Deutschlands im
europaweiten Vergleich zum Anteil des IKT-Sektors an der
Gesamtbeschäftigung, und wie lassen sich diese Auswirkungen fundiert und
nachvollziehbar bewerten?
Angesichts der unterschiedlichen Beschäftigungssituationen, insbesondere
hinsichtlich der Beschäftigung im industriellen Bereich sowie der
unterschiedlichen Branchenstrukturen, ist die Betrachtung des Anteils des IKT-Sektors an
der Gesamtbeschäftigung nicht aussagekräftig. Zudem weisen der
Fachkräftemangel im IKT-Bereich und die Maßnahmen der Bundesregierung zur
Behebung desselben darauf hin, dass hier ein ganz anderes Problem vorliegt.
39. Soll es eine Evaluierung der IKT 2020 hinsichtlich ihrer Zielsetzung und
Wirksamkeit geben, und wann wird diese vorliegen?
Themenspezifische Evaluierungen haben bereits stattgefunden (externe
Begutachtungen der Haushaltstitel 30 04 683 20 und 30 04 683 21). Die
Evaluationsberichte an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages wurden
Anfang 2010 übersandt.
40. Mit der IKT-Strategie „Deutschland Digital 2015“ wurde – in
Abstimmung mit allen beteiligten Ressorts – ein Monitoring angekündigt. Wann
werden zu dem mit der IKT-Strategie „Deutschland Digital 2015“ in
Abstimmung mit allen beteiligten Ressorts angekündigten Monitoring erste
Ergebnisse veröffentlicht?
Die Bundesregierung setzt bei der Umsetzung der IKT-Strategie „Deutschland
Digital 2015“ auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und
Wissenschaft. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Nationale IT-Gipfel. Zum
6. Nationalen IT-Gipfel am 6. Dezember 2011 in München werden die im Jahr
2011 bei der Umsetzung der IKT-Strategie „Deutschland Digital 2015“
erreichten Ergebnisse vorgestellt.Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]