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Kleine AnfrageWahlperiode 17Beantwortet

20 Jahre Mauerfall und 20 Jahre Deutsche Einheit - eine Bilanz aus Sicht des Tourismus

Werbung der Tourismuswirtschaft und staatlicher Kultur- und Bildungseinrichtungen zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit, touristische Gestaltung authentischer Erinnerungsorte zur Teilungsgeschichte an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, Grenzausstellung der Bundespolizeiakademie in Lübeck, Internetauftritt zur Teilungsgeschichte, Workshop zum Thema Geschichtstourismus<br /> (insgesamt 14 Einzelfragen)

Fraktion

SPD

Ressort

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Datum

04.04.2011

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 17/511016. 03. 2011

20 Jahre Mauerfall und 20 Jahre Deutsche Einheit – eine Bilanz aus Sicht des Tourismus

der Abgeordneten Hans-Joachim Hacker, Elvira Drobinski-Weiß, Petra Ernstberger, Iris Gleicke, Bettina Hagedorn, Hubertus Heil (Peine), Gabriele Hiller-Ohm, Fritz Rudolf Körper, Ute Kumpf, Andrea Nahles, Thomas Oppermann, Heinz Paula, Dr. Frank-Walter Steinmeier und der Fraktion der SPD

Vorbemerkung

Die Jahre 2009 und 2010 waren von den 20. Jahrestagen der Friedlichen Revolution 1989 in der DDR und der Deutschen Einheit im Jahre 1990 geprägt. Die Jubiläen wurden in ganz Deutschland für eine Vielzahl von Veranstaltungen und Publikationen genutzt. Berlin als Hauptstadt erlebte – auch und gerade wegen des Revolutionsjubiläums – einen Aufschwung bei Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt. Die Deutsche Zentrale für Tourismus e. V. (DZT) hat mit weltweiten Presse- und PR-Aktivitäten die 20-Jahr-Feiern in den Mittelpunkt ihrer Werbeaktivitäten für Deutschland als Reiseland gestellt. Das Jubiläum hat Deutschland noch attraktiver für Besucherinnen und Besucher aus dem Ausland, aber auch für Inlandstouristinnen und -touristen gemacht. Gerade die vielfältigen Aktivitäten in den Städten und Gemeinden in Ost und West haben gezeigt, dass Geschichte ein Erlebnis sein kann. Dies sollte Anlass sein, kulturtouristische Konzepte stärker um geschichtstouristische Aspekte zu ergänzen und damit den Geschichtstourismus dauerhaft zu etablieren. Mit den Aktivitäten rund um die 20. Jahrestage der Friedlichen Revolution und der Deutschen Einheit, aber auch zum 500-jährigen Lutherjubiläum sind dafür bereits Anfänge gemacht worden. Die Förderung von Geschichtstourismus sollte allerdings unabhängig von Jahrestagen fester Bestandteil der touristischen Vermarktung Deutschlands werden. Einen Beitrag können dazu auch eine Reihe von Museen, Gedenkstätten und anderen Bildungsstätten leisten, die sich zum Teil in Verantwortung des Bundes befinden. Eine geschichtstouristische Förderung muss jedoch auch ressortübergreifend gedacht werden. Hierzu gehört beispielsweise die verstärkte Pflege von Denkmalen und Landschaften und des historischen Ambientes.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen14

1

Wie bewertet die Bundesregierung die Aktivitäten rund um die Feierlichkeiten der 20. Jahrestage der Friedlichen Revolution und der Deutschen Einheit aus touristischer Sicht?

2

Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung vor, wie viele Touristinnen und Touristen aus dem In- und Ausland diese Jahrestage gezielt für Besuche in Deutschland genutzt haben?

3

Inwieweit wurde neben der Deutschen Zentrale für Tourismus e. V. die Möglichkeit genutzt, über die Goethe-Institute und die Deutsche Welle im Ausland auf die Jubiläen aufmerksam zu machen und gezielt um Touristinnen und Touristen geworben?

4

Welche Kultur- und Bildungsinstitutionen in Trägerschaft des Bundes (beispielsweise die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Bundeszentrale für politische Bildung, Stiftung Deutsches Historisches Museum, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, AlliiertenMuseum e. V. – gemeinnützig) haben gezielt Angebote für Touristinnen und Touristen zu den beiden Jubiläen unterbreitet, und um welche Angebote handelt es sich konkret?

5

Wie bewertet die Bundesregierung die Angebote der vom Bund getragenen oder geförderten Einrichtungen zur deutschen Geschichte aus touristischer Sicht, und welche dieser Angebote sollen und können unabhängig von den Jubiläumsdaten fortgeführt werden und sollen damit weiterhin Touristinnen und Touristen ansprechen?

6

Wie bewertet die Bundesregierung die Angebote der Deutschen Zentrale für Tourismus e. V. rund um den Fall der Mauer, und welche Angebote können hier fortgesetzt bzw. wiederholt werden?

7

Welche Überlegungen gibt es, künftig Touristinnen und Touristen für Erinnerungsorte, Gedenkstätten, Museen und andere Bildungseinrichtungen zur deutschen Teilungsgeschichte zu werben, und welche Abstimmungen gibt es hierzu mit den Ländern?

8

Welche Aktivitäten unternimmt die Bundesregierung, um authentische Orte wie das „Grüne Band“ durchgängig für Touristinnen und Touristen erfahrbar und erlebbar zu gestalten, um die Erinnerung an den früheren Todesstreifen wachzuhalten, und wie kann die Bundesregierung sicherstellen, dass nicht durch Wiederaufforstungen oder Sperrungen von Wegen das „Grüne Band“ teilweise unzugänglich bleibt?

9

Auf welche Weise unterstützt die Bundesregierung das Projekt „Iron Curtain Trail“ zur Schaffung eines grenzüberschreitenden Radweges entlang des früheren Eisernen Vorhangs als Beispiel für nachhaltigen Tourismus, und welche konkreten Maßnahmen ergreift dafür die Bundesregierung auf deutscher Seite?

10

Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung – in Zusammenarbeit mit den Ländern, Kommunen und weiteren Institutionen – Erinnerungsorte an die deutsche Teilungs- und Vereinigungsgeschichte verstärkt zu pflegen und gezielt in die Werbung von Touristinnen und Touristen aus dem In- und Ausland einzubeziehen?

11

Welche Anstrengungen wird die Bundesregierung unternehmen, um die Aufwertung der Grenzausstellung der Bundespolizeiakademie in der Hansestadt Lübeck – die zu Zeiten der Teilung die einzige Großstadt an der innerdeutschen Grenze war – zum Bundespolizeimuseum anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Bundespolizei zu unterstützen, insbesondere hinsichtlich der Ausweitung der momentan begrenzten Räumlichkeiten?

12

Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung in Anlehnung an das Projekt „Historische Städte Deutschlands“ (Historic Highlights of Germany) einen Verbund von Städten bzw. Regionen anzuregen und zu fördern, die in den Mittelpunkt ihrer Tourismuswerbung die Erinnerung an die deutsche Teilungsgeschichte stellen?

13

Welche Möglichkeiten einer finanziellen Förderung existieren seitens des Bundes, um einen einheitlichen Internetauftritt von Angeboten und Erinnerungsorten an die deutsche Teilungsgeschichte für Touristinnen und Touristen zu ermöglichen?

14

Ist die Bundesregierung dazu bereit, beispielsweise durch die Ausrichtung eines Workshops zum Thema Geschichtstourismus verschiedene Akteure auf dem Gebiet zu vereinen, einen Austausch anzuregen und die Erstellung entsprechender Konzepte zu unterstützen, und welche Aktivitäten wird sie dafür entfalten?

Berlin, den 16. März 2011

Dr. Frank-Walter Steinmeier und Fraktion

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