[Deutscher Bundestag Drucksache 17/5814
17. Wahlperiode 11. 05. 2011
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 10. Mai 2011 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan van Aken, Kathrin Vogler,
Christine Buchholz, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/5612 –
Maßnahmen der zivilen, gewaltfreien Konfliktbearbeitung und der nachhaltigen
Entwicklung zur Unterstützung des Nord-Süd-Friedensprozesses im Sudan
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Mit dem Referendum über die Unabhängigkeit des Südsudan, das vom 9. bis
15. Januar 2011 durchgeführt wurde, ist eine wichtige Entscheidung für die
zukünftige Entwicklung im Sudan und der gesamten Region gefallen. Mit über
90 Prozent stimmten die Südsudanesinnen und Südsudanesen für die Bildung
eines unabhängigen Staates.
In einer sechsmonatigen Übergangsphase sollen die Voraussetzungen für eine
friedliche Abtrennung des Südsudan geschaffen werden. Ob es den Partnern des
umfassenden Friedensabkommens (Comprehensive Peace Agreement, CPA)
gelingt, freundschaftliche, nachbarschaftliche Beziehungen zwischen den beiden
sudanesischen Staaten aufzubauen, ist angesichts der bis heute ungelösten Fragen
der Grenzziehung, der Aufteilung der Staatsschulden, der Frage der
Staatsbürgerschaft, des zukünftigen Status der Regionen Abyei, Blue Nile und Kordofan und
der Aufteilung der Öleinnahmen unsicher. Zudem stellen der nach wie vor
ungelöste Darfur-Konflikt, die Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen und der
Sudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA) innerhalb des Südens und die
zahlreichen ethnischen und Ressourcenkonflikte eine große Gefahr auch für den Nord-
Süd-Friedensprozess dar. Eine friedliche Lösung hängt nicht zuletzt vom
Engagement der internationalen Staatenakteure ab, auch von Deutschland. Die
internationale wie die deutsche Sudanpolitik war in der Vergangenheit vor allem auf die
Umsetzung des CPA und vorrangig deren militärische Komponente ausgerichtet.
Zivile Konfliktprävention, gewaltfreie Konfliktbearbeitung und nachhaltige
Entwicklungsförderung als Beiträge zur Friedenskonsolidierung wurden
hingegen weitgehend vernachlässigt.
Trotz mehrmaliger Ankündigung, sich stärker für den innersudanesischen
Dialog und gewaltfreie Konfliktlösungsstrategien einzusetzen, hat die
Bundesregierung bis heute keine konkreten Initiativen dafür entwickelt. Die
Mittelkürzungen im Bereich der zivilen Konfliktbearbeitung und der humanitären Hilfe für
das Haushaltsjahr 2011 lassen befürchten, dass Maßnahmen der zivilen
Krisenprävention, der gewaltfreien Konfliktbearbeitung und der humanitären Hilfe
auch in der künftigen Sudanpolitik keine hervorgehobene Rolle spielen werden.
Mit dem Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (VN) hat die
Bundesregierung die Möglichkeit, wichtige Impulse für die zukünftige internationale
Politik gegenüber den beiden sudanesischen Staaten zu setzen. Deutschland
wird im kommenden Juli sogar die Präsidentschaft im VN-Sicherheitsrat
innehaben, in dem Monat, in dem das Friedensabkommen ausläuft und die
Unabhängigkeit der Republik Südsudan in Kraft tritt. Mit einem umfassenden politischen
Konzept für die zivile Unterstützung des Nord-Süd-Friedensprozesses könnte
sie im VN-Sicherheitsrat für eine Neuausrichtung der internationalen Politik
gegenüber den beiden sudanesischen Staaten werben. Doch auch hier hat die
Bundesregierung bislang keinerlei Initiative erkennen lassen.
Vor diesem Hintergrund ist es fraglich, ob sich die Bundesregierung über bloße
Ankündigungen hinaus für „eine friedliche, sichere und nachhaltige Entwicklung
im gesamten Sudan“ (Länderkonzept Sudan) einsetzen wird und welche Rolle
dabei Maßnahmen im Bereich der zivilen Krisenprävention, der gewaltfreien
Konfliktbearbeitung und der nachhaltigen Entwicklung einnehmen werden.
1. Welche politische Strategie zur Unterstützung des Nord-Süd-
Friedensprozesses verfolgt die Bundesregierung für den Zeitraum zwischen dem
Referendum vom Januar 2011 und dem Auslaufen des umfassenden
Friedensabkommens (Comprehensive Peace Agreement, CPA) am 9. Juli 2011?
Die Bundesregierung setzt im Rahmen der Länderkonzeption Sudan ihre
Unterstützung des Nord-Süd Friedensprozesses fort. Diese Unterstützung fußt auf
folgenden Pfeilern: Politischer Dialog mit den Regierungen Gesamt- und
Südsudans; Unterstützung der Vermittlertätigkeit des „African Union High
Implementation Panels“ unter der Führung von Thabo Mbeki; Unterstützung bei
der Lösung der sogenannten Postreferendumsfragen insbesondere der
Auslandsschuldenproblematik und der Grenzziehung; Unterstützung des Staatsaufbaus in
Südsudan, fortdauernde humanitäre Hilfe und Unterstützung von
Friedenslösungen bei anderen innersudanesischen Konflikten, vor allem für Darfur. Die Reise
des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung,
Dirk Niebel, nach Nord- und Südsudan am 2./3. April 2011 und zahlreiche
politische Gespräche des Afrikabeauftragten im Auswärtigen Amt mit
sudanesischen Regierungsvertretern sowie die aktive Mitarbeit Deutschlands im
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, in der EU und in der technischen
Arbeitsgruppe des Pariser Klubs zum Schuldenerlass für Sudan sind ebenfalls wichtige
Elemente des sudanpolitischen Engagements der Bundesregierung. In dem
Arbeitsstab Sudan unter Leitung des Afrikabeauftragten im Auswärtigen Amt
werden die Maßnahmen der Bundesregierung zur Förderung des
Friedensprozesses in Sudan von den beteiligten Ressorts fortlaufend abgestimmt und
weiterentwickelt.
2. Welche konkreten Maßnahmen und Initiativen hat die Bundesregierung
entwickelt und umgesetzt, bzw. welche plant sie, um den Nord-Süd-
Friedensprozess bis zum 9. Juli 2011
a) im Bereich der Demobilisierung, Entwaffnung und Reintegration,
b) im Bereich der zivilen Krisenprävention und gewaltfreien
Konfliktbearbeitung,
c) im Bereich des Nord-Süd-Dialogs und vertrauensbildender Maßnahmen,
d) in weiteren nichtpolizeilichen und nichtmilitärischen Bereichen
zu unterstützen (bitte jeweils unter Angabe der Art und Dauer der
Maßnahme und des finanziellen Volumens)?
Das Auswärtige Amt hat in den Jahren 2009 bis 2011 die in der folgenden
Tabelle aufgeführten Projekte in Sudan (Nord- und Südsudan) durchgeführt. Über
eine Weiterführung der einzelnen Maßnahmen muss jeweils im Einzelfall im
Lichte der Bewertung der Erfolge der jeweiligen Maßnahme, ihrer
fortbestehenden Notwendigkeit sowie der in den kommenden Jahren verfügbaren
Haushaltsmittel entschieden werden. Einzelne Vorhaben konnten jedoch bereits für
Folgejahre genehmigt werden (jeweils in der Tabelle vermerkt):
Weiterhin leistet die Bundesregierung auch mit ihren Pflichtbeiträgen zum
regulären Haushalt der Vereinten Nationen und mit den Beiträgen zu UNMIS einen
erheblichen Beitrag zur Friedenskonsolidierung in Sudan.
Für die Programme des Zivilen Friedensdienstes (ZFD), die im Bereich der
zivilen Krisenprävention und gewaltfreien Konfliktbearbeitung anzusiedeln sind,
siehe Antwort zu Frage 9.
3. Welche politische Strategie verfolgt die Bundesregierung zur Unterstützung
des Friedensprozesses zwischen den beiden sudanesischen Staaten für die
Zeit nach dem Auslaufen des CPA?
Die Bundesregierung wird ihren Beitrag im Rahmen einer von der
südsudanesischen Regierung vorangetriebenen und international koordinierten Strategie
zum Staatsaufbau in Südsudan leisten. Dabei werden insbesondere die
Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen und die Einführung und Stärkung
internationaler Menschenrechtsstandards und Rechtsstaatlichkeit im
Vordergrund stehen.
Projektname Projektträger Förderbetrag
in Euro
Förderdauer
(weitere Förderung?)
UNDP DDR Programm UNDP/KfW/BICC 2 019 136,29 2010 bis 2011
(möglich)
UNDP DDR Programm UNDP/KfW 1 600 000,00 2011
(möglich)
Vorbereitung und Einsatz der
Standing Engineering Capacity in Dschuba
THW 494 092,00 2010 bis 2011
(möglich)
Fortbildungsprogramm für Führungskräfte
in Vorbereitung auf das südsudanesische
Referendum 2011
Max-Planck-Institut 380 231,00 2010
(möglich)
Förderung von Rechtsstaatlichkeit in Sudan
durch juristische Ausbildung und Beratung
Max-Planck-Institut 1 331 296,00 2011 bis 2012
(möglich)
Sudan Electoral and Monitoring Project The Carter Center 688 029,73 2009 bis 2010
(nein)
Verbesserung der Wahlberichterstattung
in Sudan
MICT 453 442,57 2009 bis 2010
(nein)
Förderung von professionellem Journalismus
im Umfeld des Unabhängigkeitsreferendums
in Sudan
MICT 414 103,12 2010 bis 2011
(möglich)
Support to African Union High Level
Implementation Panel für Sudan
Social Science
Research Center
116 915,10 2010 bis 2011
(nein)
Stärkung der Funktionsfähigkeit von
Polizeistrukturen in Afrika – Südsudan und Abyei
GIZ 4 700 000,00
(ohne 2012)
2008 bis 2012
(möglich)
Strengthening Miraya FM,
the UN Radio Network in Sudan
Fondation Hirondelle 1 900 000,00 2008 bis 2011
(möglich)
Die Bundesregierung wird zudem ihren politischen Dialog mit der Regierung
Sudans in Khartum fortführen und ausbauen. Sie wird dabei im Verein mit ihren
EU-Partnern anstreben, zu einer deutlichen Verbesserung der
Menschenrechtslage, zu einer nachhaltigen Lösung des Darfurkonflikts, einer Stärkung der
sudanesischen Zivilgesellschaft und deren Einbeziehung in die Erarbeitung einer
Armutsbekämpfungsstrategie, wie es im HIPC-Prozess zum Erlass von
Auslandsschulden vorgesehen ist, beizutragen.
4. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung zur Unterstützung
des Friedensprozesses zwischen den beiden sudanesischen Staaten für die
Zeit nach dem Auslaufen des CPA bislang umgesetzt, und welche sind im
Rahmen einer langfristigen Strategie geplant
a) im Bereich der Demobilisierung, Entwaffnung und Reintegration,
b) im Bereich der zivilen Krisenprävention und gewaltfreien
Konfliktbearbeitung,
c) im Bereich des Nord-Süd-Dialogs und vertrauensbildender Maßnahmen,
d) in weiteren nichtpolizeilichen und nichtmilitärischen Bereichen
(bitte jeweils unter Angabe der Art und Dauer der Maßnahme und des
finanziellen Volumens)?
5. Welchen Stellenwert haben bei diesen Maßnahmen Projekte, die auf
Friedensdialog und Versöhnung ausgerichtet sind, und in welchen Provinzen/
Distrikten will die Bundesregierung diese umsetzen (bitte unter Angabe der
einzelnen Maßnahmen, der Projektlaufzeit und des finanziellen Volumens)?
Es wird auf die Antworten zu den Fragen 2 und 9 verwiesen.
6. Welche Initiativen hat die Bundesregierung ergriffen oder unterstützt bzw.
plant sie, um den Nord-Süd-Dialog zu fördern
a) auf Regierungsebene,
b) auf kommunaler Ebene,
c) auf zivilgesellschaftlicher Ebene?
Die Bundesregierung hat den politischen Dialog mit Nord- und Südsudan
intensiviert. Zuletzt hat der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung, Dirk Niebel, am 2./3. April 2011 Gespräche mit hochrangigen
Vertretern der Regierungen in Dschuba und Khartum geführt. Dabei waren die
Beziehungen zwischen Nordsudan und Südsudan ein zentrales Thema.
Auf kommunaler Ebene haben sich bislang keine Anknüpfungspunkte für die
deutsche Entwicklungszusammenarbeit ergeben, um den Dialog zwischen
Nord- und Südsudan zu stärken.
Im Rahmen einer Gesprächsrunde am 10. Februar 2011 im Bundesministerium
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zum Thema
Unterstützung der Zivilgesellschaft in Nordsudan wurde im Gespräch mit
deutschen nichtstaatlichen Akteuren das Thema „Beziehungen zwischen Nord- und
Südsudan“ als ein wichtiges Handlungsfeld auf zivilgesellschaftlicher Ebene
identifiziert. Bis dato liegen keine entsprechenden Anträge von nichtstaatlichen
Akteuren vor.
Die Bundesregierung unterstützt die Arbeit des „African Union High
Implementation Panel“ unter Thabo Mbeki durch die Entsendung eines Beraters. Dieses
Panel ist von der Afrikanischen Union als Vermittler für die Verhandlungen
zwischen Nord- und Südsudan im Zusammenhang mit der staatlichen Trennung des
Landes mandatiert.
7. Welchen Stellenwert für den Nord-Süd-Friedensprozess haben nach
Auffassung der Bundesregierung vertrauensbildende Maßnahmen, und hier
insbesondere solche, die die Grenzregion zwischen dem Norden und dem Süden
betreffen, und welche Maßnahmen hält die Bundesregierung für besonders
geeignet, und unterstützt, fördert oder plant die Bundesregierung?
Vertrauensbildende Maßnahmen zwischen Nord- und Südsudan haben einen
hohen Stellenwert. Das Umfassende Friedensabkommen (CPA) hat Mechanismen
etabliert, die wesentlich hierzu beitragen. Dies sind vor allem die „Assessment
and Evaluation Commission“ (AEC) zur Überwachung des CPA, die „Joint
Border Commission“ zur Klärung von Grenzfragen und das „Joint Military
Comittee“ (JMC) zur Klärung militärischer Fragen. Mit der deutschen Beteiligung an
UNMIS, die das JMC berät, und der Entsendung von Experten zur AEC hat die
Bundesregierung wesentliche Beiträge geleistet. Ein Projekt zur Unterstützung
der Border Commission wird gegenwärtig geprüft. Gerade in der Grenzregion
wären entsprechende vertrauensbildende Maßnahmen auch auf
zivilgesellschaftlicher Ebene wünschenswert. Die Entlegenheit der Region und das
erhöhte Sicherheitsrisiko in weiten Teilen der Region erschweren jedoch die
Durchführung von Projekten. Es wurden auch keine Anträge an die
Bundesregierung gestellt.
8. Welche politische Strategie verfolgt die Bundesregierung zur Unterstützung
des Friedensprozesses innerhalb des Südsudans, und welche konkreten
Maßnahmen und Initiativen hat die Bundesregierung ergriffen, bzw. welche plant
sie, um den Friedensprozess innerhalb des Südsudans zu unterstützen?
Die Bundesregierung wird den politischen Dialog mit der Regierung Südsudans
weiter verstärken. Im Konzert mit anderen Gebern drängt die Bundesregierung
auf die Etablierung eines inklusiven politischen Systems, das alle
Bevölkerungsgruppen an der Willensbildung beteiligt. Frieden und Sicherheit sind
Querschnittsthemen für die gesamte Entwicklungszusammenarbeit der
Bundesregierung in Südsudan. Das Auswärtige Amt fördert ein Projekt des Max-Planck-
Institutes Heidelberg zur Beratung bei der Erarbeitung der neuen
südsudanesischen Verfassung.
Darüber hinaus wird vom BMZ ein „Peace and Conflict Assessment“
durchgeführt, das die Konfliktsensibilität der laufenden Programme überprüft. Einen
Beitrag zur Konfliktprävention leistet das BMZ auch durch das BMZ-UNHCR-
Partnerschaftsprogramm zur Rückführung von Flüchtlingen, das in der Region
Eastern Equatoria auch mit einer Reintegrations-Komponente der
Entwicklungsorientierten Not- und Übergangshilfe (ENÜh) verknüpft wurde, um bei der
Wiedereingliederung konfliktpräventiv einen Ausgleich zwischen
einheimischer Bevölkerung und Rückkehrern zu fördern.
9. Welchen Stellenwert erhalten bei diesen Maßnahmen Projekte, die auf
Friedensdialog und Versöhnung ausgerichtet sind, und welche regionalen
Schwerpunkte setzt die Bundesregierung (bitte unter Angabe der einzelnen
Maßnahmen, der Projektlaufzeit und des finanziellen Volumens)?
Die laufenden Maßnahmen nichtstaatlicher Träger zur Förderung des
Friedensdialogs und der Versöhnung entfalten insbesondere auf der lokalen Ebene ihre
Wirkung. Sowohl die Kirchen als auch Träger des Zivilen Friedensdienstes ZFD
sind in verschiedenen Landesteilen Südsudans aktiv. Die Arbeitsgemeinschaft
Entwicklungshilfe (AGEH) unterstützt mit Mitteln des Zivilen Friedensdienstes
ihre südsudanesischen Partnerorganisationen darin, die Bevölkerung über die
Inhalte des CPA und die darin enthaltenen Bürger- und Menschenrechte
aufzuklären. Darüber hinaus unterstützt der ZFD interreligiöse Versöhnung,
Traumaarbeit für durch Gewalt betroffene Personen sowie gewaltfreie
Konfliktlösungsmechanismen.
Übersicht der Projekte des Zivilen Friedensdienstes
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen.
10. Welche Projekte zur Unterstützung des Friedensprozesses innerhalb des
Südsudans werden von deutschen, staatlichen Organisationen (etwa der
Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH)
durchgeführt, sind geplant oder bereits bewilligt (bitte unter Angabe der
Projektlaufzeit, des finanziellen Volumens und des geografischen
Schwerpunktes)?
Auf die Antwort zu Frage 2 wird verwiesen. Darüber hinaus ist die gesamte
staatliche Entwicklungszusammenarbeit konfliktsensibel ausgestaltet. Dies wird,
wie in der Antwort zu Frage 8 ausgeführt, unter anderem durch das laufende
„Peace and Conflict Assessment“ sichergestellt.
11. Welche Projekte zur Unterstützung des Friedensprozesses innerhalb des
Südsudans, die von nichtstaatlichen Organisationen durchgeführt werden,
bzw. geplant sind, werden aus öffentlichen Mitteln finanziert oder
bezuschusst (bitte unter Angabe der Projektträger, der Projektlaufzeit, des
finanziellen Volumens und des geografischen Schwerpunktes)?
Auf die Antwort zu Frage 2 wird verwiesen. Im Übrigen werden durch das BMZ
nachstehend aufgeführte Projekte zur Unterstützung des Friedensprozesses
innerhalb Südsudans durch nichtstaatliche Organisationen (Kirchen und
politische Stiftungen) umgesetzt bzw. befinden sich in Planung. Bei allen Projekten
stehen Friedensförderung und Konfliktbearbeitung als übergreifende
Handlungsprinzipien im Vordergrund. Eine konfliktsensible Ausgestaltung der
Maßnahmen muss gewährleistet sein.
Projektname
Projektträger
Förderbetrag in Euro
Ort
Förderdauer
weitere
Förderung
Bemerkungen
Ziviler Friedensdienst:
Begleitung, Koordination
und Ausbau
der Versöhnungsarbeit
AGEH 1 157 204 Südsudan
(Wau, Torit,
Yambio,
Kuron,
Dschuba)
2008 bis
2013
antragsabhängig
5 Fachkräfte
Ziviler Friedensdienst:
Konfliktbearbeitung und
Verständigungsarbeit im
Rahmen der Reintegration
von Flüchtlingen und
Binnenvertriebenen –
Schwerpunkt Südsudan
GIZ/DED 1 756 955 Südsudan
(1 Fachkraft
Khartum)
bis 2010
antragsabhängig
Ziviler Friedensdienst:
Reintegration,
Versöhnungsarbeit
und Bürgerrechtsbildung
EED 175 737 Südsudan bis 2009
antragsabhängig
Maßnahme
vorzeitig
abgebrochen
Träger Projektbezeichnung Laufzeit
Finanzvolumen
(Beitrag
BMZ
in Euro)
Projektträger/Projektpartner Region
Laufende Vorhaben
FES Gesellschaftspolitisches
Beraterprogramm Naher/
Mittlerer Osten und
Nordafrika – Teilprojekt Sudan
01.01.2009
bis
01.12.2011
80 000 Dachverband der
südsudanesischen Gewerkschaften;
Southern Women Solidarity
for Peace, South Sudan Civil
Society Organsiations’
Platform for Elections;
Universität Dschuba; Parlament;
Regierung; Parteien
Dschuba
KAS Regionalprogramm
Afrika südlich der Sahara
01.01.2011
bis
01.12.2013
15 000 Salesianer Don Bosco Orden Distrikte
Wau,
Dschuba
und Maridi
EZE 1 Primarschullehrerausbildung
und Ausstattungshilfe für das
Lehrerkolleg in Yei
01.10.2009
bis
30.09.2011
585 000 ACROSS: Association
of Christian Resource
Organisation Serving Sudan
Western
Equatoria
EZE Förderung der
Zivilgesellschaft durch Bürgerrechts-
und Friedenserziehung,
Traumaberatung
01.01.2010
bis
31.12.2012
710 000 RECONCILE Resource
Centre for Civil Leadership
Western
Equatoria
und
landesweit
EZE Integrationsmaßnahmen
zur friedlichen und
wirtschaftlichen Entwicklung
für ländliche Bevölkerung
01.11.2010
bis
31.10.2013
630 000 ACROSS: Association
of Christian Resource
Organisation Serving Sudan
Lakes
State
EZE Basisgesundheit mit
Referenzkrankenhaus und
Ausbildungskomponente
01.04.2011
bis
31.03.2013
1 800 000 AAH-I: Action Africa Help
International
Western
Equatoria
EZE Friedenserziehung
und Erwachsenenbildung
01.01.2011
bis
31.12.2011
170 000 SEM: Sudan Evangelical
Mission
Western
Equatoria
EZE Ländl. Wasserversorgung
mit integrierter
Gemeinwesenentwicklung
01.01.2009
bis
31.12.2011
720 000 IAS: International
Aid Services
Northern
Bahr el-
Ghazal
EZE Kapazitätsbildung
für den Wiederaufbau
in einer Nachkriegssituation
01.01.2009
bis
31.12.2011
610 000 AAH-I: Action Africa Help
International
Western
Equatoria
und
landesweit
KZE 2 Grundschulbildung
in der Diözese Rumbek
01.01.2009
bis
30.06.2011
740 000 Diocese of Rumbek Rumbek
Südsudan
KZE Konsolidierung der
Gesundheitsprojekte
in den Gemeinden Tzonj,
Agangrial und Gordhim
01.01.2010
bis
31.05.2012
145 000 Arkangelo Ali Association Rumbek
Südsudan
1 EZE = Evangelische Zentralstelle für Entwicklungshilfe.
2 KZE = Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe.
KZE Sachmittelausstattung für den
Einsatz einer AGEH-
Fachkraft zur Koordination der
Entwicklungsarbeit
in der Diözese Wau
01.04.2008
bis
31.03.2012
81 000 Diocese of Wau Wau
Südsudan
KZE Übergangsfinanzierung
der laufenden Kosten
für 4 Grundschulen
der Diözese Wau
01.01.2010
bis
31.12.2011
190 000 Diocese of Wau Wau
KZE Trinkwasser- und
Hygieneprojekt in der Diözese Torit
01.01.2008
bis
30.09.2011
300 000 Diocese of Torit Torit
KZE Gesundheitsprojekt
der Diözese Torit
01.01.2009
bis
30.06.2011
1 040 000 Diocese of Torit Torit
Träger Projektbezeichnung Laufzeit
Finanzvolumen
(Beitrag
BMZ
in Euro)
Projektträger/Projektpartner Region
Geplante Vorhaben
EZE Friedenserziehung
und Erwachsenenbildung
Fortführung
2012 170 000 SEM: Sudan Evangelical
Mission
Western
Equatoria
EZE Jugendarbeit, friedliche
Konfliktbewältigung
2012 650 000 AAH-I - CAPOR Western
Equatoria
EZE Integrierte ländliche
Entwicklung mit ansässiger
Bevölkerung und
rückkehrenden Vertriebenen
2012 450 000 AAH-I Ikotos Eastern
Equatoria
EZE Primarschullehrerausbildung
und Ausstattungshilfe
für das Lehrerkolleg in Yei,
Fortführung
ab Oktober
2011
600 000 ACROSS: Association
of Christian Resource
Organisation Serving Sudan
Western
Equatoria
EZE Friedenserziehung
und Erwachsenenbildung
Fortführung
2012 170 000 SEM: Sudan Evangelical
Mission
Western
Equatoria
KZE Grundschulbildung
in der Diözese Rumbek
01.07.2011
bis
30.06.2014
914 000 Diocese of Rumbek Rumbek
KZE Lehrerfortbildung
und Grundbildung
in der Diözese Wau
01.12.2011
bis
30.11.2014
200 000 Diocese of Wau Wau
KZE Trinkwasser-
und Hygieneprojekt
in der Diözese Torit
01.10.2011
bis
30.09.2014
320 000 Diocese of Torit Torit
KZE Gesundheitsprojekt
der Diözese Torit
01.07.2011
bis
30.06.2014
1 200 000 Diocese of Torit Torit
Ebenso werden Maßnahmen des Zivilen Friedensdienstes unterstützt. Hierzu
wird auf die tabellarische Übersicht über Projekte des Zivilen Friedensdienstes
in der Antwort zu Frage 9 verwiesen.
12. Wie viele Projekte der zivilen Konfliktbearbeitung im Südsudan wurden
bislang gefördert, und wie viele dieser Projekte werden fortgeführt oder
ausgebaut (bitte unter Angebe der Personalstärke, der Projektlaufzeit und
des finanziellen Volumens)?
Hierzu wird auf die tabellarischen Übersichten zu den Antworten zu den
Fragen 2, 9 und 11 verwiesen.
13. Anhand welcher Kriterien und Evaluierungen bewertet die
Bundesregierung den Erfolg der geförderten Projekte, zu welchen Schlüssen ist sie für
die bislang geförderten Projekte gekommen, und welche zusätzlichen
Projekte der zivilen Konfliktbearbeitung werden von der Bundesregierung
künftig gefördert bzw. sollen gefördert werden?
Im Rahmen der zuwendungsrechtlichen Vorgaben gewährleistet das Auswärtige
Amt als projektsteuerndes Ministerium durch die Anforderung regelmäßiger
Zwischenberichte, Projektbesuche von Botschaftsmitarbeitern vor Ort sowie
Sachberichte und Verwendungsnachweisprüfung bei Abschluss der Projekte ein
enges Monitoring der Fortschritte sowie des Erfolgs der durchgeführten
Vorhaben. Aufgrund dieser Erfahrung wird schon zu Beginn jedes Vorhabens großer
Wert auf die operative Ziel- und Indikatorenformulierung gelegt, um später den
Erfolg der Projekte zuverlässig messen zu können. In Einzelfällen kann darüber
hinaus eine externe Evaluierung erfolgen.
Das BMZ verfolgt in gleicher Weise eng den Fortschritt der von ihm geförderten
Projekte und evaluiert darüber hinaus die Vorhaben der bilateralen deutschen
Entwicklungszusammenarbeit nach zentralen Prüfkriterien, die sich an den
OECD/DAC (Development Aid Committee) Evaluierungskriterien orientieren:
Relevanz, Effektivität, Effizienz, entwicklungspolitische Wirkungen und
Nachhaltigkeit. Diese fünf Grundkriterien werden auch bei der Evaluierung von
friedensfördernden Maßnahmen herangezogen, wie die jüngst veröffentlichte
gemeinsame Geberevaluierung zu Südsudan „Aiding the Peace: A Multi-Donor
Evaluation of Support to Conflict Prevention and Peacebuilding Activities in
Southern Sudan“ bestätigt.
14. Inwieweit werden die Erfahrungen und Einschätzungen der in den
Projekten tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Bewertung von
Projekten einbezogen, und wie wird die Expertise dieser Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter in die Projektplanung einbezogen?
Die Bundesministerien, die aus Bundesmitteln Projekte in Sudan unterstützen,
stehen in einem kontinuierlichen Dialog mit den verschiedenen Projektträgern.
Die Bundesregierung erwartet, dass die jeweiligen Projektträger bei der Konzi-
KZE Aufbau der
Krankenpflegeschule Toritam Krankenhaus
Kapoeta
01.04.2011
bis
31.03.2014
350 000 Diocese of Torit Torit
KZE Bau einer Entbindungsstation
und einesOperationssaales
am Krankenhaus Kapoeta
01.04.2011
bis
31.03.2012
145 000 Diocese of Torit Torit
pierung von Projekten die Erfahrungen und die Expertise der jeweils beteiligten
Mitarbeiter miteinbeziehen.
So wird bei Prüfungen und Planungen von Neuvorhaben durch GIZ/BMZ
sowohl externe Expertise als auch interne – durch die Fachabteilung sowie von
Kolleginnen und Kollegen aus thematisch vergleichbaren Vorhaben aus z. B.
Nachbarländern oder der Region – eingeholt. Durch die Einbeziehung der in den
Vorhaben tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die beteiligten Partner
werden deren Erfahrungen auch für andere Projekte nutzbar gemacht.
15. Welche Projekte der zivilen Konfliktbearbeitung im Nordsudan wurden
bisher von der Bundesregierung finanziell oder anderweitig unterstützt,
und welche weiteren Projekte hat die Bundesregierung entsprechend ihrer
Ankündigung im Länderkonzept Sudan entwickelt und umgesetzt, bzw.
welche sind geplant (bitte unter Angabe der Projektträger, der
Projektlaufzeit, des finanziellen Volumens und des geografischen Schwerpunktes)?
Es wird auf die tabellarischen Übersichten in den Antworten zu den Fragen 2
und 9 verwiesen.
16. Plant die Bundesregierung, nach der Beendigung des ded-Projekts des
Zivilen Friedensdienstes im Südsudan im Dezember 2010, die GIZ oder
andere Träger für ein weiteres Engagement in der zivilen Krisenprävention
und gewaltfreien Konfliktbearbeitung im Südsudan neu zu gewinnen?
a) Wenn nein, mit welcher Begründung?
b) Wenn ja, mit welchen Maßnahmen?
Derzeit arbeitet die AGEH (2008 bis 2013) mit fünf Fachkräften in Südsudan
(siehe Übersicht in der Antwort zu Frage 9). Das BMZ veranlasst keine Anträge;
Träger im ZFD-Konsortium können beim BMZ aber Zuwendungen für
Maßnahmen beantragen. Es steht den in Sudan tätigen ZFD-Trägern frei, mit einer mit
dem BMZ abgestimmten, trägerübergreifenden Strategie erneut Anträge im
Rahmen des jährlichen Antragsverfahrens zu stellen.
17. Wie wertet die Bundesregierung die Probleme bei der Personalrekrutierung
für Projekte in der zivilen Krisenprävention und gewaltfreien
Konfliktbearbeitung im Südsudan aus, und welche Maßnahmen plant sie, um die
Gewinnung von geeigneten Friedensfachleuten zu erleichtern bzw. zu fördern?
Südsudan ist eines der ärmsten Gebiete der Welt, auch die Sicherheits- und
Versorgungslage erschwert die Rekrutierung von Personal. Die Gewinnung von
geeignetem Personal liegt in der Verantwortung der Trägerorganisationen.
Personalrekrutierungs- und Qualifizierungskonzepte werden jedoch aus Mitteln des
ZFD umfänglich gefördert, unter anderem über die Akademie für
Konflikttransformation.
18. Welchen Einfluss auf die Entscheidung über die Förderung von Projekten
hat die Tatsache, dass Projekte im Bereich der zivilen Konfliktbearbeitung
im Sudan aufgrund der infrastrukturellen Situation erheblich höhere
Kosten verursachen als in vergleichbaren afrikanischen Nachbarländern?
Nach Auffassung der Bundesregierung unterscheidet sich die infrastrukurelle
Situation in Sudan wenig von der in anderen Krisengebieten der Region, wie
etwa in Ostkongo oder Somalia. Zivile Konfliktbearbeitung, wie auch andere
Aspekte der Unterstützung von Frieden und Sicherheit durch die
Bundesregierung, finden häufig in politisch und sozio-ökonomisch schwierigen Kontexten
statt. Vor diesem Hintergrund kann diese Grundkonstante keinen Einfluss auf
Förderentscheidungen bzgl. einzelner Projekte haben.
19. Wie vereinbart die Bundesregierung ihre Ankündigung, sich stärker im
Bereich der Friedenskonsolidierung im Sudan zu engagieren, mit den für das
Haushaltsjahr 2011 vorgenommenen Kürzungen im Bereich der zivilen
Krisenprävention und Konfliktbearbeitung, und wie gewährleistet die
Bundesregierung, dass die Mittelkürzungen das angekündigte stärkere
Engagement nicht beeinträchtigen?
Die Bundesregierung hat im Rahmen des verfügbaren Haushalts Projekten in
Sudan Priorität eingeräumt, so dass 2011 aus dem Titel für Krisenprävention und
Konfliktbearbeitung des Auswärtigen Amts sowohl absolut als auch relativ
mehr Mittel für Sudan aufgewandt werden sollen als 2010. Weiterhin leistet die
Bundesregierung auch mit ihren Pflichtbeiträgen zum regulären Haushalt der
Vereinten Nationen und mit den Beiträgen zu den friedenserhaltenden
Maßnahmen (UNMIS, UNAMID) einen nicht unerheblichen Beitrag zur
Friedenskonsolidierung in Sudan.
Die Aktivitäten des Zivilen Friedensdienstes in Sudan sind nicht von Kürzungen
betroffen.
20. Welche Rolle spielte in der Vergangenheit und spielt in der Gegenwart der
Ressortkreis „Zivile Krisenprävention“ in der Planung und Umsetzung von
Maßnahmen aus dem Länderkonzept Sudan?
a) Wann hat sich der Ressortkreis in den letzten zwölf Monaten mit der
Situation im Sudan beschäftigt?
b) Wann wird sich der Ressortkreis in den nächsten Monaten mit der
Situation im Sudan beschäftigen?
c) Welche konkreten Schlussfolgerungen bzw. Empfehlungen hat der
Ressortkreis für die Arbeit der einzelnen Bundesministerien und für die
Koordination dieser Maßnahmen getroffen, und wie viele davon
wurden umgesetzt?
Der Ressortkreis „Zivile Krisenprävention“ hat sich in den letzten zwölf
Monaten auf jeder seiner regulären Sitzungen mit dem Thema Sudan beschäftigt. Die
Tagesordnungen der nächsten Monate stehen noch nicht fest.
Der Ressortkreis ist zuerst ein Informations- und Koordinierungsgremium. Er
schafft die Voraussetzung für eine Verbesserung der Handlungsfähigkeit der
Bundesregierung im Politikbereich zivile Krisenprävention. Im Ressortkreis
arbeiten die Fachleute aus den verschiedenen Ministerien in verschiedenen
interministeriellen Gremien an der Lösung akuter Krisen. Insbesondere die „Sudan
Task Force“ unter der Leitung des Afrikabeauftragten im Auswärtigen Amt ist
ein zentrales Steuerungsgremium, in dem sich die beteiligten Ressorts über die
Lageentwicklung in Sudan und die aus der jeweiligen Ressortzuständigkeit
möglichen Antworten darauf im Sinne eines Gesamtansatzes der
Bundesregierung verständigen.
21. Welchen Stellenwert räumt die Bundesregierung dem Prozess der
Verfassungsreformen in Nord- und Südsudan ein, und wie will sie diesen
unterstützen?
Die Bundesregierung räumt diesen Prozessen einen hohen Stellenwert ein.
Gegenwärtig werden dazu Projekte zusammen mit dem Max-Planck-Institut für
Völkerrecht (Heidelberg) erarbeitet und durchgeführt.
22. Hat die Bundesregierung entsprechend ihrer Ankündigung Programme für
die Entwicklungszusammenarbeit mit dem Nord- und Südsudan entwickelt
und entsprechende Mittel bereitgestellt?
a) Wenn nein, mit welcher Begründung?
b) Wenn ja, in welcher Höhe, für welche konkreten Projekte, für welche
Projektlaufzeiten, und in welchen Regionen?
Die Bundesregierung setzt für die Wiederaufnahme der bilateralen staatlichen
Entwicklungszusammenarbeit mit Nordsudan die friedliche Lösung des
Darfurkonflikts und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Menschenrechtslage
voraus. Dies hat auch der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung, Dirk Niebel, auf seiner Reise nach Sudan am 3. April 2011 in
Khartum noch einmal bekräftigt. Die Bundesregierung leistet darüber hinaus
humanitäre Soforthilfe und entwicklungsorientierte Not- und Übergangshilfe für
die Menschen in den von Konflikten, Marginalisierung und Not besonders
betroffenen Regionen Gesamtsudans. Darüber hinaus ist die Bundesregierung
grundsätzlich bereit, nichtstaatliche Akteure bei der Unterstützung der
Zivilgesellschaft in Nordsudan zu fördern.
Die staatliche Entwicklungszusammenarbeit mit Südsudan wurde 2005 wieder
aufgenommen. Seither wurden 27 Mio. Euro für staatliche EZ-Programme
zugesagt. Die Zusage weiterer 13 Mio. Euro wurde in Aussicht gestellt. Die
Schwerpunkte der EZ-Programme liegen in den Bereichen „Dezentralisierung/
Verwaltungsreform“ (2007 bis 2013: 9 Mio. Euro) und „städtischer Wasser- und
Sanitärsektor“ (2009 bis 2013: 6 Mio. Euro, 2006: 10 Mio. Euro für den Multi
Donor Trust Fund). Den Ausbau des bilateralen Wasserprogramms mit 13 Mio.
Euro finanzieller Zusammenarbeit hat der Bundesminister für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel, für den Zeitpunkt nach der
Unabhängigkeit in Aussicht gestellt. Ein weiteres Programm der technischen
Zusammenarbeit besteht im Sektor „Ernährungssicherung/nachhaltige
Landwirtschaft“ (2011 bis 2012: 2 Mio. Euro).
23. Hat die Bundesregierung, wie in ihrem Länderkonzept angekündigt, das
Programm zur Entwicklung des städtischen Wassersektors im Südsudan
ausgebaut, bzw. plant sie dies zu tun?
a) Wenn nicht, mit welcher Begründung?
b) Wenn ja, wo, seit wann und für wie lange?
c) Mit welchem finanziellen und personellen Umfang?
d) Durch wen werden diese Programme durchgeführt?
e) Wie evaluiert die Bundesregierung das Programm?
Das bereits seit 2009 laufende Vorhaben der technischen Zusammenarbeit zur
Entwicklung des städtischen Wassersektors wurde 2010 um 2 Mio. Euro auf nun
6 Mio. Euro aufgestockt. Zudem konnte im April dieses Jahres ein Vertrag über
eine Kofinanzierung für die technische Zusammenarbeit in Höhe von nochmals
6 Mio. Euro mit der französischen Entwicklungszusammenarbeit (AfD)
unterzeichnet werden. Nach der für Juli 2011 geplanten Unabhängigkeit Südsudans
sind dem Land nochmals 13 Mio. Euro an finanzieller Zusammenarbeit im
städtischen Wassersektor in Aussicht gestellt worden. Neben der Beratung und
Unterstützung beim Aufbau von Kapazitäten im nationalen Wasserministerium
sowie bei nachgeschalteten Behörden auf der bundesstaatlichen und kommunalen
Ebene liegt der Schwerpunkt der Unterstützung auf einem Pilotprojekt in der
Stadt Yei (Region Central Equatoria), die mit Wasser- und Sanitäreinrichtungen
versorgt werden soll. Die derzeitige Programmphase läuft bis 2013. GIZ und
KfW setzen diese Programme im Auftrag der Bundesregierung um.
Entsprechend der festgelegten Ziele und deren Indikatoren werden die Programme
gemäß internationaler OECD-Standards (siehe Antwort zu Frage 13) in einem
bewährten Verfahren zwischen BMZ und Durchführungsorganisationen evaluiert.
Derzeit beschäftigt die GIZ drei internationale und fünf nationale Mitarbeiter.
Ein Personalkonzept für die finanzielle Zusammenarbeit im Wassersektor liegt
noch nicht vor.
24. Unterhält bzw. unterstützt die Bundesregierung, wie in ihrem
Länderkonzept angeführt, derzeit Programme, welche Ernährungssicherheit und
nachhaltige Landwirtschaft im Südsudan zum Ziel haben?
a) Wenn nicht, warum nicht?
b) Wenn ja, wo, seit wann und für wie lange?
c) Mit welchem finanziellen und personellen Umfang?
d) Durch wen werden diese Programme durchgeführt?
e) Wie evaluiert die Bundesregierung die Programme?
Derzeit werden in Südsudan folgende Projekte der Entwicklungsorientierten
Not- und Übergangshilfe (ENÜh) mit Ernährungssicherungskomponente von
staatlichen Durchführungsorganisationen und nichtstaatlichen oder
multilateralen Organisationen durchgeführt:
Die durchführenden Organisationen berichten der Bundesregierung
kontinuierlich über den Fortschritt der ENÜh-Projekte. Der Projekterfolg wird anhand
dieser Berichterstattung bewertet.
Zudem finanziert die Bundesregierung ein Vorhaben der GIZ zur
„Unterstützung der Ernährungssicherheit und einer nachhaltigen Landwirtschaft“ (2011/
2012, 2 Mio. Euro, bis zu drei entsandte Experten im Einsatz) in den Regionen
Central und Eastern Equatoria. Die Evaluierung findet entsprechend den
eingespielten Verfahren zum Wirkungsmonitoring zwischen Bundesregierung und
Durchführungsorganisationen statt.
25. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über von Deutschland und der
EU mitfinanzierte Entwicklungsprojekte, die durch UNDP (United Nations
Partner Ort Zeitraum Betrag in Euro Personaleinsatz
GIZ Central/Eastern Equatoria 2008 bis 2012 7 Mio. nicht bekannt
GIZ Western Equatoria 2011 bis 2014 1,1 Mio. nicht bekannt
DCV (Dt. Caritas Verband) Western Equatoria 2010 bis 2011 595 000 nicht bekannt
WFP Gesamtsudan 2011 1 Mio. nicht bekannt
DRK Northern Bahr el Ghazal 2010 bis 2011 330 000 nicht bekannt
DKH (Dt. Krebshilfe) Eastern Equatoria 2009 bis 2011 600 000 nicht bekannt
Development Programme) im Südsudan durchgeführt werden, bzw. geplant
sind?
Das Auswärtige Amt und das BMZ fördern direkt keine Entwicklungsprojekte,
die durch UNDP in Südsudan durchgeführt oder implementiert werden. Es
liegen keine Erkenntnisse über EU-geförderte UNDP-Projekte vor.
26. Wie bewertet die Bundesregierung die von UNDP durchgeführten Projekte
im Hinblick auf
a) die Höhe der Personalkosten,
b) die Nachhaltigkeit der Projekte,
c) die Berücksichtigung des Prinzips Local Ownership,
d) den Erfolg der einzelnen Projekte?
27. Welche von Deutschland und der EU finanzierten und von UNDP
durchgeführten Projekte der Not- und Übergangshilfe wurden bereits in auf
nachhaltige Entwicklung ausgerichtete Projekte überführt, und für welche ist
dies geplant, für welche nicht (bitte unter Angabe der einzelnen Projekte
und dem jeweiligen Charakter und Stand der Umsetzung)?
Auf die Antwort zu Frage 25 wird verwiesen.
28. Welche Projekte der Not- und Übergangshilfe führt die Bundesregierung
über welche Durchführungsorganisationen derzeit im gesamten Sudan
durch, bzw. plant sie durchzuführen (bitte unter Angabe der Region, der
Projektlaufzeit und des Finanzvolumens des jeweiligen Projektes)?
Folgende Projekte der Humanitären Soforthilfe werden gegenwärtig
durchgeführt:
Folgende ENÜh-Projekte werden gegenwärtig durchgeführt:
Region Träger Zuwendung/Euro Laufzeit
Südsudan World Vision 159 335,28 15.01. bis 15.07.2011
Sudan landesweit World Food Programme 500 000,00 17.01. bis 31.12.2011
Sudan landesweit IKRK 1 000 000,00 21.01. bis 31.12.2011
Südsudan Deutsche Welthungerhilfe 285 000,00 01.04. bis 30.09.2011
Südsudan Plan International 205 991,64 16.03. bis 16.07.2011
Südsudan Ärzte ohne Grenzen 400 000,00 01.03. bis 31.12.2011
Partner Projektkurzbezeichnung Ort Laufzeit Betrag
DCV Kurz- und mittelfristige
Ernährungssicherung für IDP und
Flüchtlinge
Western Equatoria 2010 bis
2011
595 000 Euro
GIZ Wiederherstellung und
Stabilisierung der Lebensgrundlagen
Central/Eastern
Equatoria
2008 bis
2012
7 Mio. Euro
WFP Nahrungsmittelnothilfe Gesamtsudan 2011 1 Mio. Euro
CARE Übergangshilfe
und Existenzsicherung
Unity State 2009 bis
2011
1,35 Mio. Euro
Die Bewilligung der folgenden ENÜh-Projekte ist für dieses Jahr geplant:
CARE Übergangshilfe
und Konsolidierung
Jonglei State 2010 bis
2012
895 000 Euro
DKH Unterstützung der
Wiederansiedlung von Rückkehrern
Eastern Equatoria 2009 bis
2011
600 000 Euro
DKH Bereitstellung und Verbesserung
Wasserversorgung
und sanitärer Anlagen
Süd-Darfur 2010 bis
2011
500 000 Euro
DRK Ernährungssicherung
für Rückkehrer, IDP und
lokale Bevölkerung
Northern Bahr
el Ghazal
2010 bis
2011
330 000 Euro
DRK Verbesserung
der Lebensbedingungen
Kassala 2010 bis
2012
465 000 Euro
DRK Verbesserung der
Lebensbedingungen und
Katastrophenvorsorge
Kordofan 2009 bis
2011
700 000 Euro
DWHH (Deutsche
Welthungerhilfe)
Erhaltung natürlicher
Ressourcen
Kassala 2010 bis
2011
392 000 Euro
DWHH Rehabilitierung öffentlicher und
sozialer Infrastruktur
Süd Kordofan 2010 bis
2011
635 000 Euro
DWHH Rehabilitation
von 200 Schulräumen
Nord-Darfur 2010 bis
2011
490 000 Euro
JUH (Johanniter-
Unfallhilfe)
Stärkung der staatlichen
Basisgesundheitsversorgung
Süd-Darfur 2010 bis
2011
580 000 Euro
Partner Projektkurzbezeichnung Ort Laufzeit Betrag
GIZ Wiederherstellung und
Stabilisierung der Lebensgrundlagen
Western Equatoria 2011 bis
2014
1,1 Mio. Euro
DKH Bereitstellung und
Verbesserung Wasserver-
und Abwasserentsorgung
West + Süd Darfur 2011 bis
2012
1,05 Mio. Euro
DRK Verbesserung
der Lebensbedingungen
Gedaref 2011 bis
2013
900 000 Euro
DRK Verbesserung der Basisgesundheit Western Equatoria 2011 bis
2013
750 000 Euro
JUH Verbesserung beim Zugang
zur Basisgesundheitsversorgung
Süd-Darfur 2011 bis
2012
650 000 Euro
JUH Verbesserung der Wasser-
und Sanitärversorgung
Süd-Darfur 2011 bis
2012
400 000 Euro
Malteser Verbesserung
Basisgesundheitsversorgung
Lakes State 2011 bis
2012
950 000 Euro
UNHCR Unterstützung bei der
Eingliederung, eritreischer Flüchtlinge etc.
Ostsudan 2011 1 Mio. Euro
29. Wie plant die Bundesregierung das von ihr für dieses Jahr angekündigte
stärkere Engagement im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit im
Sudan in dem im Haushalt 2011 festgelegten Rahmen und darüber hinaus
umzusetzen
a) für Projekte im Nordsudan,
b) für Projekte im Südsudan?
2011 sind 13 Mio. Euro für die Neuzusage im städtischen Wasser- und
Sanitärsektor in Südsudan in die Rahmenplanung eingestellt. Zukünftig sollen
insbesondere die nicht ausgezahlten Altmittel der Finanziellen Zusammenarbeit (FZ)
in der Höhe von ursprünglich 88 Mio. Euro aus Zusagen bis 1989 hälftig für die
Entwicklungszusammenarbeit mit Nord- bzw. Südsudan eingesetzt werden.
Südsudan hat von den ihm zustehenden 44 Mio. Euro bereits 2006 10 Mio. Euro
für den Multi Donor Trust Fund erhalten. Die 44 Mio. Euro FZ-Altmittel für
Nordsudan werden nach Erfüllung der in der Antwort zu Frage 22 genannten
Voraussetzungen für die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit verwendet
werden. Darüber hinaus ist die Bundesregierung grundsätzlich bereit,
nichtstaatliche Akteure bei der Förderung der Zivilgesellschaft in Nordsudan zu
unterstützen.
Weiterhin ist Sudan auch ein Hauptempfänger entwicklungsorientierter Not-
und Übergangshilfe. Der Umfang der Entwicklungsorientierten Not- und
Übergangshilfe für Sudan erhöht sich von 8,7 Mio. Euro (2010) auf 9,2 Mio. Euro
(2011). In Südsudan sind für das Jahr 2011 bislang ENÜh-Projekte im Wert von
4,8 Mio. Euro geplant. Dies entspricht in etwa dem Planungswert von 2010. Für
Nordsudan erhöht sich der Wert von 2,7 Mio. Euro auf 3,3 Mio. Euro. (Zur
Gesamtsumme fehlende Beträge werden für landesweite Programme verwendet.)
30. Welche konkreten Projekte hat die Bundesregierung hierfür bereits
entwickelt und umgesetzt, und welche plant sie (bitte mit Angabe der
jeweiligen Projekte, der Projektlaufzeit und des Finanzvolumens des jeweiligen
Projektes)?
Auf die Antworten zu den Fragen 22, 28 und 29 wird verwiesen.
31. Anhand welcher Kriterien und Bedarfsanalyse wurden die jeweiligen
Projekte entwickelt, bzw. befinden sich in Planung, und inwieweit wurde
hierbei eine mögliche Verzahnung mit den Reintegrationsprogrammen des
DDR-Prozesses berücksichtigt?
Die laufenden Programme der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) zielen
einerseits auf schnell sichtbare Erfolge, die von der Bevölkerung, die große
Erwartungen in die Unabhängigkeit setzt, spürbar wahrgenommen werden
(Bereitstellung von sauberem Trinkwasser). Andererseits stehen die langfristige
und nachhaltige Strukturbildung und der Kapazitätsaufbau im Vordergrund. Der
Staatsaufbau in Südsudan ist das zentrale Thema für die Stabilität und
Entwicklung des neuen Landes. Die Entwicklungsorientierte Not- und Übergangshilfe
ist ein bedarfsorientiertes Instrument für Sondermaßnahmen im Kontext von
Krisen, Konflikten und Naturkatastrophen. Hierbei kommt grundsätzlich die
gesamte Palette entwicklungspolitischer Themen in Betracht. Ausgehend vom
Kernproblem der jeweiligen Notlage muss festgestellt werden, welcher
Maßnahmetyp geeignet und innerhalb der Übergangsphase umsetzbar ist. Sie sollen
auch die Lebensbedingungen von Ex-Kombattanten verbessern und deren
Integration fördern. Zur Informationsgewinnung bei der Projektplanung werden
Berichte der Deutschen Botschaft, der EU, der Vereinten Nationen, von unseren
Partnern vor Ort sowie die Berichterstattung in den Medien einbezogen.
32. Welchen Stellenwert für den Nord-Süd-Friedensprozess haben nach
Auffassung der Bundesregierung entwicklungspolitische Maßnahmen, die
gezielt die Kooperation zwischen dem Norden und dem Süden fördern?
Nord- und Südsudan werden auch nach der Unabhängigkeit Südsudans
weiterhin aufeinander angewiesen sein. Projekte, die gute Beziehungen zwischen den
beiden Ländern fördern, können einen wesentlichen Beitrag zu einer friedlichen
Entwicklung in der Region leisten. Die Bundesregierung ermuntert
nichtstaatliche Akteure, Förderanträge für Projekte einzureichen, die auf
zivilgesellschaftlicher Ebene die Zusammenarbeit zwischen Nord- und Südsudan unterstützen.
33. Welche Initiativen hat die Bundesregierung ergriffen oder unterstützt bzw.
plant sie, um gezielt die Nord-Süd-Kooperation zu fördern
a) im Bereich der ländlichen Entwicklung,
b) im Bereich der Infrastruktur zwischen dem Norden und dem Süden des
Landes,
c) im Bereich der wirtschaftlichen Kooperation,
d) in der Grenzregion zwischen dem Norden und dem Süden?
Solange die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme der bilateralen
staatlichen Entwicklungszusammenarbeit noch nicht gegeben sind (siehe Antwort zu
Frage 22), ist die Förderung der Nord-Süd-Kooperation im Rahmen von
staatlichen EZ-Programmen nicht möglich. ENÜh-Projekte sind räumlich meist auf
einen Bundesstaat beschränkt und sollen dabei helfen, die Lebensbedingungen
auf lokaler Ebene zu verbessern. Nord-Süd-übergreifende ENÜh-Projekte sind
derzeit nicht geplant.
34. Welche Position vertritt die Bundesregierung im Rahmen ihres Sitzes im
VN-Sicherheitsrat hinsichtlich der zukünftigen Politik gegenüber den
beiden sudanesischen Staaten, und welchen Stellenwert haben darin zivile
(nichtpolizeiliche) und militärische Aspekte?
Die Bundesregierung fördert im Rahmen ihres Sudankonzeptes die
Bemühungen der Internationalen Gemeinschaft zur Lösung der Konflikte in Sudan.
Die Bundesregierung hat großes Interesse an einer fortgesetzten Präsenz der
Vereinten Nationen über die Unabhängigkeit Südsudans am 9. Juli 2011 hinaus.
Die Konsultationen im Sicherheitsrat hierzu haben jedoch noch nicht begonnen.
Damit ist erst im Mai 2011 zu rechnen. Mögliche Aufgaben für eine
Nachfolgemission sind dabei insbesondere Grenzüberwachung, Sicherheit und
Institutionenaufbau bzw. Aufbau von Kapazitäten (capacity building).
Die Entscheidung im VN-Sicherheitsrat über die Mandatierung möglicher
VN- Folgemissionen in den beiden Staaten nach dem 9. Juli 2011 und über ihre
einzelnen Komponenten wird dabei vor dem Hintergrund der weiteren
politischen Entwicklung, insbesondere in Bezug auf die weiterhin zwischen Khartum
und Dschuba ungeklärten CPA- und Post-CPA-Fragen
(Sicherheitsarrangements, Grenzmanagement), getroffen werden.
Wichtig für die Mandatsgestaltung nach dem 9. Juli 2011 werden auch die
Vorstellungen der Regierungen in Khartum und Dschuba zu den Aufgaben
möglicher VN-Folgemissionen auf ihren jeweiligen Staatsgebieten sein.
Gleiches gilt sinngemäß für die Hybrid-Mission der Afrikanischen Union und
der Vereinten Nationen UNAMID in Darfur. Hier bleibt insbesondere der
Ausgang der Friedensgespräche in Doha, Katar abzuwarten.
35. Hat die Bundesregierung im VN-Sicherheitsrat eigene Vorschläge für die
zukünftige VN-Politik gegenüber den beiden sudanesischen Staaten eingebracht?
a) Wenn nein, mit welcher Begründung?
b) Wenn ja, welche sind dies im Einzelnen?
Die Bundesregierung wird sich an den voraussichtlich ab Mai 2011 beginnenden
Konsultationen zu einem möglichen fortgesetzten Engagement der Vereinten
Nationen in Sudan aktiv beteiligen.
36. In welcher Weise ist die Bundesregierung in die Entscheidungsprozesse
über die zukünftige Sudan-Politik der Vereinten Nationen einbezogen?
Durch den deutschen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen ist die Bundesregierung eng in die Entscheidungsprozesse über die
zukünftige Sudan-Politik der Vereinten Nationen eingebunden und wird sich so
aktiv in die Konsultationen zu einem möglichen fortgesetzten Engagement der
Vereinten Nationen in Sudan einbringen.
Während der Mitgliedschaft im Sicherheitsrat setzt die Bundesregierung ihr
bisheriges sichtbares Engagement in der Sudan-Politik der Vereinten Nationen
(z. B. Teilname des Bundesministers des Auswärtigen, Dr. Guido Westerwelle,
am hochrangigen Treffen zu Sudan am Rande der Generalversammlung der
Vereinten Nationen in New York am 24. September 2010) konsequent fort.
37. In welchem Umfang hat nach Auffassung der Bundesregierung jede
einzelne Komponente der VN-Mission UNMIS (United Nations Missions In
Sudan) zur Umsetzung des CPA beigetragen bzw. nicht beigetragen, und
welche Schlüsse zieht die Bundesregierung daraus für ihre Bewertung der
VN-Mission (bitte unter Auflistung der einzelnen Komponenten und des
jeweiligen Beitrags)?
Die Mission der Vereinten Nationen in Sudan UNMIS hat mit allen ihren
Komponenten bei der Umsetzung des Umfassenden Friedensabkommens (CPA) seit
2005 eine entscheidende Rolle gespielt.
Durch das Zusammenwirken der militärischen, der polizeilichen und der
weiteren zivilen Komponenten hat UNMIS die Konfliktparteien bei der Umsetzung
der wichtigen Wegmarken des CPA wirkungsvoll unterstützt.
Zuletzt hat UNMIS bei der Organisation des Referendums über die
Unabhängigkeit Südsudans wichtige logistische Unterstützung geleistet und die Sicherheit
im Umfeld der Abstimmung verbessert, insbesondere durch das Wirken ihrer
polizeilichen und militärischen Komponente. Im Rahmen der
Auseinandersetzungen in dem umstrittenen Gebiet Abyei hat UNMIS erfolgreich gute Dienste
geleistet und durch militärische Präsenz zu einer Beruhigung der Lage
beigetragen. Durch ihre Militärbeobachter verfügt UNMIS über ein eigenständiges
Lagebild zur Erfüllung ihrer Aufgaben und kann insbesondere die
Truppenentflechtung entlang der Grenze beobachten.
38. Wie ist der derzeitige Diskussionsstand im VN-Sicherheitsrat hinsichtlich
einer möglichen Folgemission von UNMIS, und welche Position vertritt
die Bundesregierung in dieser Frage?
Das UNMIS-Mandat wurde am 27. April 2011 mit SR-Resolution 1978 (2011)
zunächst mit einem technischen „roll-over“ bis zur Unabhängigkeit Südsudans
am 9. Juli 2011 unverändert verlängert. Für die Planungen darüber hinaus wird
auf die Antwort zu Frage 34 verwiesen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
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ISSN 0722-8333]