[Deutscher Bundestag Drucksache 17/7470
17. Wahlperiode 26. 10. 2011 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ute Koczy, Thilo Hoppe, Hans-Christian
Ströbele, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 17/7153 –
Aktivitäten der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit
im Sicherheitssektor und für menschenrechtsverachtende Regime
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
1. Die zu 100 Prozent in Staatsbesitz liegende Deutsche Gesellschaft für
Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH führt die deutsche
Entwicklungszusammenarbeit (EZ) vor allem im Feld der technischen Zusammenarbeit
im engeren Sinne durch. Zweck der GIZ ist die Förderung der
internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung und der internationalen
Bildungsarbeit.
Sie steht dabei nach der Fusion der Deutschen Gesellschaft für technische
Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, dem Deutschen Entwicklungsdienst
(DED) sowie der Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH
(InWent) in der langen Tradition deutscher bilateraler EZ und verfügt über
einen guten Ruf und eine angesehene Marke gegenüber den Partnerländern
der deutschen EZ. Dieser gute Ruf gerät jedoch in Gefahr, wenn die GIZ
etwa ihre Unabhängigkeit durch eine Verquickung mit dem Militär
gefährdet oder im Auftrag von menschenrechtsmissachtenden Regimen tätig
wird.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ) hat das Ziel ausgegeben, die GIZ zum Weltmarktführer für
internationale Zusammenarbeit zu machen. Aktuell verdichten sich die
Anzeichen dafür, dass es eine Tendenz zu einer Ausweitung der
Geschäftsfelder der GIZ auch im Sicherheitssektor gibt. Auf der Internetseite der
GIZ findet sich die Aussage „Der Sicherheitssektor ist folglich ein
wichtiges Feld, in dem auch die GTZ verstärkt tätig ist.“ (
www.gtz.de/de/themen/
uebergreifende-themen/krisenpraevention/27485.htm).
Was dies genau bedeutet, bleibt jedoch unklar. Alleinige Ziele jeglicher
Tätigkeiten der GIZ im Feld der Sicherheitssektorreform müssen die
menschliche Sicherheit und die Stärkung von Entwicklungschancen der
Menschen in von Krisen und Konflikten betroffenen Ländern sein.
Angesichts der aktuellen Entwicklungen besteht jedoch die Gefahr, dass im
Sicherheitssektor Geschäfte mit potenziell gegenläufigen Effekten
durchgeführt werden. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung vom 25. Oktober 2011 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/7470 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeIm Juni unterzeichneten die GIZ und das Bundesministerium der
Verteidigung eine Kooperationsvereinbarung. Diese Vereinbarung erleichtert den
Arbeitsalltag in einem konfliktreichen Land wie Afghanistan. Kritisch ist
jedoch zu hinterfragen, ob zunehmend die Grenzen zwischen zivilen und
militärischen Aufgaben verwischt werden und welche Aufgaben die GIZ
im Feld der Sicherheitsdienste übernimmt.
2. Besonders besorgniserregend ist das Engagement der deutschen
Bundesregierung und der GIZ in und im Auftrag Saudi-Arabiens. Laut dem
9. Bericht der Bundesregierung über ihre Menschenrechtspolitik,
Berichtszeitraum: 1. März 2008 bis 28. Februar 2010, werden in Saudi-Arabien
grundlegende Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte nicht
anerkannt und eingehalten. In dem Bericht heißt es auf den Seiten 210 bis
211: „Die Todesstrafe wurde 2008 mindestens 102 mal und 2009
mindestens 69 mal vollstreckt, Körperstrafen wie z. B. das Auspeitschen werden
regelmäßig vollzogen, Dissidenten werden inhaftiert, Geständnisse
erzwungen, Frauen werden wesentliche Menschenrechte vorenthalten,
minderjährige Mädchen zwangsverheiratet, freie Meinungsäußerung ist nur
teilweise möglich, die Religionsausübung für nicht-muslimische
Religionen verboten, die schiitische Minderheit im Osten des Landes wird
diskriminiert und ausländische Arbeitnehmer sind weitgehend rechtlos.“
Nachdem bereits zu Beginn des Jahres bekannt wurde, dass im Rahmen
eines Projekts des Konzerns EADS (European Aeronautic Defense and
Space Company) Ausbildungstätigkeiten der Bundespolizei im Umgang
mit Überwachungstechnik in Saudi-Arabien über die GIZ abgewickelt
werden, wurde nun öffentlich, dass die GIZ einen Rahmenvertrag mit dem
saudi-arabischen Finanz- und Wirtschaftsministerium zur Entsendung von
GIZ-Personal geschlossen hat. Dieser wurde durch das BMZ genehmigt
und bildet unter anderem die Grundlage für die Entsendung eines GIZ-
Beraters im Feld „Videoüberwachung und Sicherheitssysteme“ (vergleiche
die Antworten der Bundesregierung auf die Schriftlichen Fragen 59 und 60
vom 7. September 2011 der Abgeordneten Ute Koczy auf
Bundestagsdrucksache 17/6995 und vom 5. September 2011 auf die Schriftliche
Frage 213 des Abgeordneten Hans-Christian Ströbele auf
Bundestagsdrucksache 17/6954). Aufgrund der oben genannten menschenrechtlichen
Missstände in Saudi-Arabien ist es kritisch zu betrachten, wenn die GIZ
dortige Sicherheitsbedienstete ausbildet.
3. Die GIZ führt derzeit eine Maßnahme über zwei Jahre mit insgesamt
500 000 Euro in der Region Macarena in Kolumbien durch, die von der
kolumbianischen Regierung als Unterstützung des zivilmilitärischen
Projektes „Plan de Consolidación Integral de la Macarena“ (PCIM) wiederholt
angefragt worden war. Laut dem Prüfbericht der GTZ, durchgeführt im
Auftrag des BMZ ,Prüfung einer Unterstützung aus deutscher TZ zum
„Plan de Consolidacion Integral de la Macarena“ (PCIM) – Kolumbien‘
(Ausschussdrucksache 17(19)114) ist dies insofern ein Novum, als dass
Deutschland sich bisher bewusst nicht in Projekten engagiert hat, die in
Verbindung mit dem bewaffneten Konflikt in Kolumbien stehen und nicht
rein ziviler Natur sind. Grund hierfür ist u. a. die desolate
Menschenrechtsbilanz der kolumbianischen Sicherheitskräfte. Die Prüfung des Projektes
durch die GIZ hatte außerdem ergeben, dass durch das Projekt erhebliche
Risiken für die beteiligten Personen und die Arbeit der GIZ in Kolumbien
entstehen. Der Prüfbericht stellt auch die entwicklungspolitische
Nachhaltigkeit des PCIM in Frage. Die Bundesregierung hat dennoch an der
Durchführung der Maßnahme festgehalten.
4. Zuletzt wurde bekannt, dass die GIZ an der 10. Berliner
Sicherheitskonferenz zur europäischen Sicherheit und Verteidigung vom 8. bis 9. November
2011 laut deren Programm auf zwei Podien sowie mit einem Stand als
Sponsor mitwirken wollte. Erst nachdem die Presse darüber berichtete, zog
die GIZ sich als Sponsor von der Messe zurück, wird aber weiterhin auf
zwei Podien vertreten sein, unter anderem auf einem Podium zu dem
Thema Civil Security – a future Key European Market.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/7470Diese Aktivitäten der GIZ wecken die Befürchtung, dass die GIZ
zunehmend als Auftragnehmerin in menschenrechtlich bedenklichen Bereichen
des Sicherheitssektors auftritt oder eine Verquickung zu militärischen
Akteuren aufbaut und genauso wahrgenommen und nachgefragt wird.
1. Wie definieren die Bundesregierung und die GIZ das Feld
Sicherheitssektor, wie es auf der Seite der GIZ genannt wird (
www.gtz.de/de/themen/
uebergreifende-themen/krisenpraevention/27485.htm)?
Der Begriff „Sicherheitssektor“ ist in der Bundesregierung ein nicht
abschließend definierter Begriff. Im Kontext von Reformen des Sicherheitssektors in
Entwicklungs- und Transformationsländern entspricht – gemäß dem
„Interministeriellen Rahmenkonzept zur Unterstützung von Reformen des
Sicherheitssektors in Entwicklungs- und Transformationsländern“ (2006) – das
Verständnis des Begriffes „Sicherheitssektor“ dem in den Richtlinien des
Entwicklungshilfeausschusses (DAC) der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verwendeten Begriffsverständnis
(
www.bmz.de/frieden.pdf). Akteure des Sicherheitssektors sind demgemäß
Sicherheitsmanagement- und -kontrollbehörden, Justiz- und
Strafvollzugsorgane, Vollzugsorgane sowie außergesetzliche Akteure (OECD DAC
Guidelines and Reference Series, Security System Reform and Governance, OECD
2005, S. 20 f.).
Die GIZ orientiert sich bei ihrer Arbeit im Feld Sicherheitssektor ebenfalls an
der entsprechenden Definition eines Security System gemäß den OECD DAC-
Richtlinien zur „Security System Reform and Governance“, welche auch ins
„OECD DAC Handbook on Security System Reform“ von 2007 übernommen
wurde.
2. Welchen Stellenwert misst die GIZ dem „Bericht der Bundesregierung
über ihre Menschenrechtspolitik“ bei?
Als staatliche Durchführungsorganisation ist die GIZ an die Politik der
Bundesregierung gebunden. Der „Bericht der Bundesregierung über ihre
Menschenrechtspolitik“ enthält verbindliche, entscheidungsrelevante Vorgaben und stellt
die Orientierung für die Identifizierung, Prüfung, Planung, Durchführung,
Steuerung und Evaluierung menschenrechtsrelevanter entwicklungspolitischer
Vorhaben dar.
a) Inwiefern prüft sie ihre Auftraggeber und die Form der Projekte
dementsprechend bevor sie Aufträge annimmt?
Projekte, die im sogenannten Drittgeschäft durch GIZ International Services
(GIZ IS) implementiert werden, müssen den entwicklungspolitischen
Grundsätzen der Bundesregierung und ihrer Menschenrechtspolitik entsprechen.
Die GIZ prüft die Vereinbarkeit eines möglichen Auftrages mit den o. g.
politischen Grundsätzen sowie mit der eigenen unternehmenspolitischen
Grundorientierung, die die Achtung der Menschenrechte einschließt.
b) Gibt es für die GIZ menschenrechtliche Ausschlusskriterien, bei deren
Vorhandensein auf Auftraggeber- oder Projektseite sie Aufträge
ablehnt?
Neben den in der Antwort zu Frage 2a bereits aufgeführten Kriterien erfolgt bei
allen Verträgen im gemeinnützigen Bereich und im Drittgeschäft eine
Überprüfung der Vertragspartner mit der Sanktionsliste der Europäischen Union zur
Drucksache 17/7470 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeTerrorismusbekämpfung. Danach sind Geschäftsbeziehungen mit auf der Liste
aufgeführten Personen, Firmen und Institutionen nicht gestattet.
c) Wenn ja, welche?
Siehe Antwort zu Frage 2b.
3. Welche Projekte und Programme haben die GIZ und deren
Geschäftsbereich International Services (GIZ IS), bzw. deren Rechtsvorgängerin die
GTZ und die GTZ IS – im Sicherheitssektor durchgeführt, führen sie durch
und planen sie durchzuführen (bitte nach Ländern, Projekten,
Kooperationspartnern, Jahren, Projektvolumina und genauen Aktivitäten
aufschlüsseln)?
Siehe Anhang 1.
a) Welche Projekte und Programme haben die GIZ und die GIZ IS bzw.
die GTZ und die GTZ IS im Rahmen ihrer – laut Webseite –
„verstärkten Tätigkeit“ im Sicherheitssektor durchgeführt, führen sie durch und
planen sie durchzuführen?
Siehe Anhang 1 für abgeschlossene und laufende Projekte vom gemeinnützigen
Bereich der GIZ (GIZ GnB) und GIZ IS.
In Brasilien ist eine Zusammenarbeit mit dem Justizministerium für eine
Laufzeit von 2012 bis 2018 geplant (siehe auch Antwort zu Frage 9).
In Pakistan ist die Unterstützung der Provinz Punjab beim Kompetenzaufbau
der zivilen Strafverfolgungsbehörde geplant (2011 bis 2014).
b) Welchen Umsatz machen GIZ und GIZ IS, bzw. haben GTZ und
GTZ IS im Sicherheitssektor in den letzten 20 Jahren gemacht?
GIZ GnB: Als GnB-Vorhaben im Sicherheitssektor werden seit 2005/2007
solcherlei Vorhaben erfasst, die den CRS-Schlüssel 15240 (Wiedereingliederung,
Bekämpfung von Handfeuerwaffen und leichten Waffen) aufweisen oder unter
die OECD-DAC (und von der Bundesrepublik Deutschland mitgetragene)
Definition von Aktivitäten im „Security System Reform“ fallen (u. a. CRS-
Schlüssel 14210 – Steuerung und Reform des Sicherheitssystems). Da diese
Definition erst seit 2005/2007 greift, ist eine statistische Darstellung des
Portfolios vor 2005/2007 nicht im nachgefragten Sinne möglich. Das
Geschäftsvolumen von GIZ GnB (GTZ GnB, Inwent und DED) im Sicherheitssektor im Jahr
2010 betrug 49,0 Mio. Euro.
GIZ IS: Das Geschäftsvolumen von GIZ IS im Sicherheitssektor im Jahr 2010
betrug 7,7 Mio. Euro.
c) Welchen Anteil hatte dieser Umsatz jeweils am Gesamtumsatz?
Der Anteil des Geschäftsvolumens von GIZ GnB im Sicherheitssektor im Jahr
2010 am Gesamt-Geschäftsvolumen der GIZ betrug rund 3,1 Prozent.
Der Anteil des Geschäftsvolumens von GIZ IS im Sicherheitssektor im Jahr
2010 am Gesamt-Geschäftsvolumen von GIZ IS betrug rund 2,8 Prozent.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/74704. Wer waren und sind die Auftraggeber der GIZ und GIZ IS bzw. GTZ und
GTZ IS für Projekte im Sicherheitssektor (bitte nach Auftragsvolumina,
Staaten und Jahren aufschlüsseln)?
Siehe Anhang 1.
5. In welcher Höhe erhält die GIZ Entgelte von der Bundespolizei, der EADS
oder der saudi-arabischen Regierung für die Verwaltung des Projektbudgets
von 7,6 Mio. Euro zur bilateralen Ausbildungshilfe gegenüber Saudi-
Arabien (vgl. Antwort zu Frage 11a auf Bundestagsdrucksache 17/6102)?
Im Vertrag zwischen dem Bundesministerium des Innern (BMI) und GIZ IS ist
aktuell eine Gesamtsumme von 8,6 Mio. Euro für Unterstützungsleistungen
durch GIZ IS vereinbart. In dieser Summe sind eigene Kosten und Overheads
von GIZ IS in Höhe von ca. 1 Mio. Euro bereits enthalten.
6. In welchen Fällen verwaltet die GIZ Projektbudgets von staatlichen oder
privaten Sicherheitsorganisationen bzw. von Unternehmen im
Sicherheitsbereich, wie der Bundespolizei, der Bundeswehr oder der EADS?
GIZ GnB verwaltet keine Projektbudgets, sondern wird auf Basis von
Einzelbeauftragungen, die Istkosten zuzüglich GIZ-Verwaltungsgemeinkosten
beinhalten, bezahlt.
GIZ IS verwaltet keine Projektbudgets. Im Projekt zur Modernisierung des
saudi-arabischen Grenzschutzes erhält die GIZ Finanzmittel von EADS und
leitet diese entsprechend entstehender Einzelrechnungen weiter. Auf die
Bundestagsdrucksache 17/6102 vom 8. Juni 2011 (Antwort zu Frage 15) wird
verwiesen.
7. Hat die GIZ seit Aufbau und Ausbau ihrer Tätigkeit im Sicherheitsbereich
ihr Engagement in anderen bisherigen Tätigkeitsbereichen verringert?
Nein.
a) Wenn ja, in welchen, seit wann und in je welchem Umfang?
Siehe Antwort zu Frage 7.
b) Wenn nein, wie wird die GIZ dauerhaft sicherstellen, dass dieses neue
Engagement nicht bisherige Tätigkeiten beeinträchtigt?
Die GIZ hat dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ) zugesichert, dass die Drittgeschäfte und die Übernahme
von Aufträgen für andere Ressorts die Durchführung von Aufträgen im
Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit nicht beeinträchtigt.
8. Inwiefern plant die GIZ eine Ausweitung von Drittgeschäften im Bereich
des Sicherheitssektors?
GIZ IS sucht derzeit einen weiteren Experten als entsandten Berater für das
saudi-arabische Innenministerium (vergleiche Antwort des BMZ auf die
Schriftliche Frage 213 des Abgeordneten Hans-Christian Ströbele vom 5. September
2011). Siehe auch Antwort zu Frage 9.
Drucksache 17/7470 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode9. In welchen weiteren Feldern des Sicherheitssektors planen GIZ bzw.
GIZ IS künftig Aktivitäten?
Die GIZ GnB agiert als Durchführungsorganisation der Bundesregierung. Es
werden daher keine Planungen vorgenommen, sondern Beauftragungen der
Bundesregierung umgesetzt.
Bei GIZ IS befindet sich derzeit ein Beschaffungsvorhaben im Auftrag der
brasilianischen Regierung im Bereich der öffentlichen Sicherheit für die
Sportgroßereignisse (Confed Cup 2013, Fußball-WM 2014, Olympische Spiele
2016) in der Planung. Ein Auftrag Brasiliens für GIZ IS wird Anfang 2012
erwartet.
10. Mit welchem Ziel wird eine Ausweitung von Drittgeschäften im
Sicherheitssektor betrieben (bitte auch nach Anteil am Gesamtumsatz
aufschlüsseln)?
Die GIZ gewährleistet, dass sich die Ziele im IS-Geschäft (wie im
gemeinnützigen Bereich) an den entwicklungspolitischen Grundsätzen der
Bundesregierung orientieren.
a) Welche Kriterien legen GIZ und GIZ-IS für die Annahme von
Aufträgen im Rahmen des Drittgeschäfts an?
Siehe Antwort zu Frage 10.
b) Wie werden diese überprüft?
Gemäß § 3 des Generalvertrages zwischen der Bundesregierung und der GTZ/
GIZ hat die Gesellschaft vor der Übernahme von Aufträgen Dritter die
Zustimmung des BMZ einzuholen.
c) Haben die GIZ und die GIZ IS bzw. die GTZ und die GIZ IS in den
vergangenen zwanzig Jahren je Aufträge im Sicherheitssektor
abgelehnt?
Ja. Gegenüber Saudi-Arabien hat GIZ IS die Beratung für die Administration
von Gefängnissen noch vor Beantragung einer Genehmigung abgelehnt.
d) Wenn ja, warum, und nach welchen Kriterien?
GIZ IS sieht es nicht als seine Aufgabe an, Saudi-Arabien bei dem Neubau
bzw. Umbau von Gefängnissen zu unterstützen.
11. Inwiefern hält die Bundesregierung eine Förderung von
Sicherheitspersonal – im Rahmen von Drittgeschäften oder Entsendung von GIZ
bzw. GIZ-IS-Personal – in ein Land wie Saudi-Arabien, in dem
Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte missachtet werden, für vereinbar mit
dem entwicklungspolitischen Auftrag der GIZ und dem
Menschenrechtskonzept des BMZ?
Die GIZ GnB führt in Saudi-Arabien keine mit deutschen Steuermitteln
finanzierten Projekte durch. Seit 1967 arbeitet die GIZ IS im Auftrag der saudi-
arabischen Regierung und des „Saudi Fund for Development“ (SDF) in Saudi-
Arabien oder im saudi-arabischen Auftrag in vielen Entwicklungsländern.
Siehe auch Antwort zu Frage 2.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/747012. Welche Projekte und Beratungsleistungen haben GIZ und GIZ IS bzw. die
GTZ und die GTZ IS für Saudi-Arabien seit der Unterzeichnung des
Rahmenvertrags mit dem saudi-arabischen Finanzministerium am 8. Januar
1980 durchgeführt (bitte nach Projekten, Jahren, Laufzeiten,
Projektvolumina, genauen Aktivitäten, Anzahl der GIZ-Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter aufschlüsseln)?
Die untenstehenden Aussagen stellen eine professionelle Schätzung des
gesamten Geschäftsvolumens dar. Eine detailliertere Aussage ist in der Kürze der zur
Verfügung stehenden Zeit nicht möglich, da dies eine umfangreiche
Aufarbeitung der über den im nachgefragten Zeitraum in unterschiedlichen IT-Systemen
(bzw. zu Beginn noch gar nicht elektronisch) erfassten Geschäftsdaten erfordert.
Das Gesamtvolumen unter dem Rahmenvertrag mit dem saudi-arabischen
Finanzministerium für die Zeit von 1980 bis Ende 1999 wird vor diesem
Hintergrund auf ca. 177 Mio. Euro geschätzt. Für den Zeitraum 2000 bis 2011
beläuft sich das Auftragsvolumen unter dem Rahmenvertrag auf rund 171 Mio.
Euro, worin Personalentsendungen und Projektdurchführungen mit einer
Laufzeit bis 2013 enthalten sind.
Der Rahmenvertrag mit dem saudi-arabischen Finanzministerium umfasst
sowohl Personalentsendungen in saudi-arabische Ministerien als auch spezifische
Projektdurchführungen für diese Ministerien. Einen Überblick über die
wichtigsten Kooperationspartner gibt die nachfolgende Aufstellung:
Ministry of Economy & Planning (MoEP)
Die Personalentsendungen von Experten begann 1980 und dauern an.
Durchschnittlich sind ca. acht bis zwölf Berater permanent im Ministerium tätig.
Hauptsächlich handelt es sich um Experten der Makroökonomie, aber auch um
andere technische Fachexperten, die die Leitungsebene im Ministerium
beraten.
Zusätzlich werden auf Anforderung des Ministeriums spezielle Projekte
durchgeführt, etwa zur inhaltlichen Unterstützung bei der Erstellung der jeweiligen
Fünfjahrespläne, bei der Erstellung von nationalen Transportplänen und für
einzelne Sektorstudien.
Ministry of Municipal and Rural Affairs (MoMRA)
Die Kooperation mit diesem Ministerium begann 1983 und dauert an. Nachdem
von 1983 bis 2004 durchgehend zwischen vier bis sechs Langzeitexperten dort
beratend tätig waren, sind seit 2005 nur noch zwei Experten eingesetzt, die das
Ministerium in bautechnischen Fragen unterstützen. Daneben gab es eine
Anzahl spezifischer Projekte, wie die „Contractors’ Classification“ zur Ausstattung
von „Bau-Prüflaboratorien“. Hinzu kommt die Unterstützung durch GIZ-IS-
Experten bei der Organisation und Durchführung der ersten Kommunalwahlen in
Saudi-Arabien. Daran anschließend wurde ein politisch sehr hoch beachtetes
Projekt zum Aufbau kommunaler Strukturen (Municipal Work Strategy)
implementiert.
Ministry of Health (MoH)
Die Zusammenarbeit mit diesem Ministerium startete 1983 mit einem
Großprojekt durch die Entsendung des Schlüsselpersonals an drei Krankenhäuser
mit jeweils 200 Betten in den Provinzstädten Hail, Tabuk und Najran. Je
Krankenhaus waren zwischen 60 und 80 Ärzte, Pfleger, Laborkräfte, Apotheker und
Techniker zu entsenden. Das Projekt endete planmäßig 1989. Weitere Projekte
betrafen die Unterstützung des Ministeriums bei der Einführung einer
nationalen Krankenversicherung für ausländische Arbeitnehmer, ein Projekt zur
Errichtung eines Ausbildungsganges für saudi-arabische Krankenpflegekräfte so-
Drucksache 17/7470 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodewie ein Projekt zum Aufbau eines Wartungszentrums für medizintechnische
Geräte. Derzeit ruht die Kooperation mit dem Ministerium.
Seaport Authority (SEAPA)
Seit 1980 unterstützt GIZ IS die saudi-arabische Hafenbehörde durch die
Entsendung von Langzeitexperten sowie durch die Durchführung von spezifischen
Projekten, die die Angleichung der saudi-arabischen Häfen an internationale
Standards zum Inhalt haben. Durchschnittlich sind zwischen zwei bis vier
Experten permanent in der SEAPA tätig. Die Kooperation dauert an.
King Abdulaziz University (KAU)
Die Zusammenarbeit begann 1990 mit der Entsendung von vier Experten zur
technischen Beratung bei der Inbetriebnahme des Krankenhauses der
Universität. Seitdem wird der Betrieb des Krankenhauses sowie der angegliederten
spezialisierten Labore durch fachliche Langzeitexperten unterstützt. Derzeit
sind vier Experten tätig. Weiterhin wird die Universität seit 2009 im Rahmen
einer Dreieckskooperation mit Geomar Kiel bei Forschungsprojekten im Roten
Meer unterstützt. Der deutsche Beitrag wird ergänzt durch den Einsatz von
deutschen Forschungsschiffen.
King Abdulaziz City for Science and Technology (KACST)
Die Zusammenarbeit startete 1993 mit der Unterstützung fachlicher
Kurzzeitexperten aus Deutschland bei der Einrichtung und dem Betrieb diverser
Forschungslabors. Ende der 90er-Jahre erhielt GIZ IS einen Auftrag zur
Anbindung Saudi-Arabiens an das Internet. Dies beinhaltete die komplette Planung
und Realisierung der Infrastruktur, die rechtlichen Grundlagen, die
Vermarktung, das Finden eines Betreibers der laufenden Dienste. Weitere durchgeführte
Projekte betrafen die Unterstützung bei der Einführung einer „Public Key
Infrastructure“ sowie die Erarbeitung rechtlicher Grundlagen einer digitalen
Signatur. Derzeit unterstützt GIZ IS die KACST durch Dienstleistungen im
Patentwesen.
Ministry of Water and Electricity (MoWE)
Die Zusammenarbeit mit dem MoWE begann kurz nach der Gründung des
Ministeriums Anfang 2002 mit der Durchführung einer großen
Grundwasserstudie eines Aquifers im westlichen Teil Saudi-Arabiens. In den Folgejahren
wurden weitere Projekte zur Untersuchung diverser anderer Grundwasserleiter
durchgeführt bzw. werden derzeit noch durchgeführt. Andere Projekte im
Auftrag des Ministeriums betreffen sogenannte Dam-water Studies sowie
Projekte der Wassertechnik. Im Rahmen der Personalentsendung sind derzeit fünf
Experten im Ministerium tätig und ca. acht weitere Experten, insbesondere im
Energiesektor, werden noch gesucht.
Ministry of Interior (MoI)
GIZ IS berät das Ministerium kontinuierlich seit 1981. Durchschnittlich sind
drei bis fünf Langzeitexperten im „Project Department“ des Ministeriums tätig.
Hierbei handelt es sich um Experten im Baubereich und angegliederten
Sektoren (Bauingenieure, Elektro-/Elektronikingenieure, Klimatechnikexperten,
Telekommunikationsingenieure), die sowohl bei Neubauplanungen wie auch
bei Bauüberwachungsaufgaben das Ministerium unterstützen.
Ministry of Transport (MoT)
Für das Transportministerium wurde von 2006 bis 2008 im Rahmen eines
Projektes eine „National Transportation Strategy“ erarbeitet. Derzeit gibt es keine
weiteren Kooperationen mit dem Ministerium.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/7470Ministry of Agriculture (MoA)
GIZ IS unterstützt seit 2005 das Ministerium durch den Einsatz von Langzeit-
und Kurzzeitexperten erfolgreich bei der systemischen Einführung und der
administrativen Beratung einer „Bio-Landwirtschaft“ (Organic Farming).
Zurzeit wird die Einführung eines Biosiegels für landwirtschaftliche Produkte
vorbereitet.
Saudi Food and Drug Authority (SFDA)
Im Rahmen eines Projektes unterstützt GIZ IS seit 2009 die neu gegründete
SFDA durch die Entsendung von Langzeit- und Kurzzeitexperten sowie durch
Netzwerkbildung und spezialisierte Trainingskurse. Die Unterstützung
beinhaltet sowohl die aufbauorganisatorische Seite wie auch spezifische Beratungen
und Schulungen bei inhaltlichen Themen – insbesondere der
Lebensmittelsicherheit. Derzeit sind zwei Langzeitexperten in der SFDA eingesetzt, die
durch fachliche Kurzzeitexperten nach Bedarf unterstützt werden.
Ministry of Housing
Im Rahmen eines laufenden Projektes unterstützt GIZ IS das neu gegründete
Ministerium bei der Erstellung eines nationalen Masterplans für die
Entwicklung des gesamten Housing Sektors, einschließlich der Erarbeitung von
Gesetzestexten für den Aufbau eines sozialen Wohnungsbaus. Derzeit sind zwei
Langzeitexperten sowie weitere fachliche Kurzzeitexperten tätig.
13. Hat dieser Rahmenvertrag zwischen der GTZ bzw. GIZ und dem
saudiarabischen Finanzministerium auch volle Geltung für die GTZ IS bzw.
GIZ IS?
Der Rahmenvertrag zwischen dem saudi-arabischen Finanzministerium und
der GIZ gilt ausschließlich für den Geschäftsbereich von GIZ IS, da der
gemeinnützige Bereich der GIZ nicht in Saudi-Arabien tätig ist.
14. Mit welchen Staaten, außer Saudi-Arabien, haben GIZ und GIZ IS bzw.
die GTZ und die GTZ IS Rahmenverträge, vor allem bezüglich des
Sicherheitssektors unterzeichnet?
Der gemeinnützige Bereich der GIZ agiert als Durchführungsorganisation der
Bundesregierung. Es werden daher von GIZ GnB keine
Rahmenvereinbarungen mit Staaten abgeschlossen.
Im IS-Geschäft gibt es neben dem Rahmenvertrag mit dem saudi-arabischen
Finanzministerium in Vertretung der Regierung Saudi-Arabiens aktuell keine
weiteren Rahmenverträge dieser Art.
15. Hat bisher eine Überprüfung der Zusammenarbeit der GTZ IS bzw. der
GIZ IS mit autoritären Staaten stattgefunden?
Die GIZ gewährleistet, dass sich die Ziele im IS-Geschäft (wie im
gemeinnützigen Bereich) an den entwicklungspolitischen Grundsätzen der
Bundesregierung orientieren. Bezüglich der Prüfung von Vorhaben der
Durchführungsorganisationen siehe Antwort zu Frage 32.
Drucksache 17/7470 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodea) Wenn ja, mit welchem Ergebnis, und welche Konsequenzen wurden
daraus gezogen?
Siehe Antwort zu Frage 15.
b) Wenn nein, warum nicht, und für wann ist die geplant?
Siehe Antworten zu den Fragen 15 und 32.
16. Was waren die Aufgabenfelder und Sektoren des GTZ IS bzw. GIZ IS-
Büros in Libyen?
Aus- und Fortbildung von Lehrern und Lehrerinnen der Primar- und
Sekundarstufe sowie Integration von Arbeitsmarktbedarfen in das Bildungssystem
(beendet 12/2010) – Entscheidung zur zweiten Phase hätte im ersten Quartal 2011
erfolgen sollen.
Unterstützung des „Libyan National Centres for Standardization and
Metrology“ (laufendes Vorhaben). Einführung eines Qualitätsmanagementsystems in
den Laboren des Tripoli Medical Hospitals (laufendes Vorhaben).
Evaluierung der beruflichen Bildung in Libyen (beendet 10/2010) –
Entscheidung zur Umsetzung eines kompetenzbasierten Systems der beruflichen
Bildung hätte im ersten Quartal 2011 erfolgen sollen.
Weitere Ansätze mit der Wasserbehörde (General Water Authority) sowie dem
Solarzentrum Libyens wurden verfolgt.
17. Was waren die Leistungen, die die GTZ IS bzw. die GIZ IS für die
libysche Regierung unter Muammar al-Gaddafi erbracht haben, und wie
viel Umsatz wurde insgesamt durch Aufträge seitens der libyschen
Regierung erwirtschaftet?
Kurzzeitexpertise sowie Fortbildungskurse für libysche Fachkräfte in Libyen
und in Deutschland; der Auftragswert der Vorhaben lag bei insgesamt 9 Mio.
Euro.
18. Hat das BMZ die ihm unterstehende GIZ bzw. GIZ IS auch beteiligt an
der Organisation oder Durchführung von Klimatauglichkeitstest in den
Vereinigten Arabischen Emiraten am neuen Leopard-Panzer Typ 2a7+,
dessen Export nach Saudi-Arabien die Bundesregierung offenbar
genehmigte, seit Ende Juni 2011 durch vier Soldaten und einen Stabsoffizier
der Panzerbrigade 31 (vgl. SPON, 19. Juli 2011)?
GIZ oder GIZ IS ist an der Organisation oder Durchführung der oben genannten
Klimatauglichkeitstests nicht beteiligt.
19. Wie hat sich die GIZ bzw. GIZ IS ggf. auch beteiligt im Zusammenhang
mit der Tätigkeit deutscher ehemaliger Soldaten und Polizisten für ein
privates Sicherheitsunternehmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten
(28/2011, DER SPIEGEL „Wüste Truppe“ und Antwort der
Bundesregierung vom 18. Juli 2011 auf die Schriftliche Frage 9 der
Abgeordneten Katja Keul auf Bundestagsdrucksache 17/6658)?
GIZ oder GIZ IS sind an dem in der Frage genannten Sachverhalt nicht
beteiligt.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/747020. Welche Leistungen genau erbrachte die GIZ gegenüber der Bundeswehr
in Afghanistan und allen weiteren Ländern, in denen die GIZ im Auftrag
der Bundeswehr tätig ist?
Die GIZ führte und führt im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung
(BMVg) für die Bundeswehr in Afghanistan Baumaßnahmen durch. Diese
befinden sich – abgesehen von zwei Maßnahmen (eine Straße zwischen der
Stadt Kunduz und dem Flughafen Kunduz sowie eine Brücke über den Fluss
Kokcha) – in den Einsatzliegenschaften der Bundeswehr. Die einzelnen
Baumaßnahmen reichen von eingeschossigen Unterkunfts- und Funktionsgebäuden
über Einrichtungen zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung bis hin
zur Bereitstellung der für die Liegenschaften notwendigen Infrastruktur (z. B.
Ein- und Ausfahrten, Straßen und Wege einschließlich Abstellplätze für
Fahrzeuge sowie Landeflächen für Hubschrauber, Einrichtungen zur Trink-,
Löschwasser- und Stromversorgung sowie Entsorgungseinrichtungen für Schmutz-
und Regenwasser einschließlich entsprechender Klär- und Pufferbecken).
21. Hat die GIZ auch Leistungen gegenüber Truppen der NATO oder anderer
Staaten erbracht?
Wenn ja, welche?
Nein.
22. Seit wann kooperieren die GIZ und die GIZ IS bzw. zuvor die GTZ und
die GTZ IS mit der Bundeswehr?
Der gemeinnützige Bereich der GIZ kooperiert seit Juni 2000 mit der
Bundeswehr; eine Kooperation zwischen GIZ IS und der Bundeswehr besteht nicht.
Die am 7. Juni 2011 geschlossene Kooperationsvereinbarung zwischen der GIZ
und dem BMVg über die Zusammenarbeit im In- und Ausland bildet als
Dachdokument für die bisherigen Einzelvereinbarungen den Rahmen für die
gemeinsame Ausgestaltung der weiteren Zusammenarbeit.
Wann begann das Engagement im Sicherheitssektor insgesamt?
Seit Gründung der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit
(GTZ) GmbH im Jahr 1975 hat die Bundesregierung in ausgewählten
Einzelfällen mit Akteuren des Sicherheitssektors kooperiert.
23. Was versteht die Bundesregierung unter dem Begriff „Weltmarktführer
für internationale Zusammenarbeit“?
Die GIZ soll sich zu einem weltweit führenden Anbieter im Bereich
Internationale Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung entwickeln. Sie ist bereits
heute teilweise Weltmarktführer in einzelnen Segmenten und soll zukünftig
ihre Kernkompetenzen weiter stärken.
a) Welche qualitativen und quantitativen Ziele verbindet sie damit?
Das angestrebte Wachstum der GIZ soll dem etablierten Profil der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit entsprechen. Ziel ist es, die GIZ als dynamische,
innovative und zukunftsorientierte Gesellschaft weiterzuentwickeln, die der
Erreichung der entwicklungspolitischen Ziele der Bundesregierung verpflichtet
ist. Die Perspektiven zur Erreichung dieses Ziels sind gut. Aufwüchse – in
Abhängigkeit der Entwicklung der Haushaltsmittel – in den Aufträgen des BMZ
Drucksache 17/7470 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeoder anderer deutscher öffentlicher Auftraggeber sowie Dritter (z. B.
Partnerregierungen in Entwicklungs- und Schwellenländern, Europäische Kommission
oder internationale Organisationen) tragen dazu bei.
b) Welche konkreten Maßnahmen und Geschäftsfelder fasst sie darunter?
Das Wachstum bezieht sich insbesondere auf die strategischen Bereiche, die für
die Umsetzung der deutschen Entwicklungspolitik von besonderer Bedeutung
sind und in denen die GIZ bzw. ihre drei Vorgängerorganisationen bereits
hervorragende Kompetenzen besitzen. Dazu zählen u. a. die Förderung von
Bildung, die Kooperation mit der Wirtschaft und globale öffentliche Güter wie
Klimaschutz und Krisen- und Konfliktprävention.
24. Inwiefern unterscheidet die Bundesregierung zwischen internationaler
Zusammenarbeit und technischer Zusammenarbeit (bitte die zentralen
Unterschiede gegenüberstellen)?
Siehe Antwort zu Frage 26.
25. Inwiefern unterscheidet die Bundesregierung zwischen internationaler
Zusammenarbeit und finanzieller Zusammenarbeit (bitte die zentralen
Unterschiede gegenüberstellen)?
Siehe Antwort zu Frage 26.
26. Inwiefern unterscheidet die Bundesregierung zwischen internationaler
Zusammenarbeit und Entwicklungszusammenarbeit (bitte die zentralen
Unterschiede gegenüberstellen)?
Entwicklungszusammenarbeit umfasst zu einem bedeutenden Teil die bilaterale
staatliche Zusammenarbeit v. a. im Wege der Technischen und Finanziellen
Zusammenarbeit (TZ und FZ). TZ hat die Aufgabe, die Fähigkeiten von
Menschen, Organisationen und Gesellschaften in den Partnerländern zu erhöhen
(Capacity Development) und sie in die Lage zu versetzen, eigene Ziele durch
effektiven, effizienten und nachhaltigen Einsatz von Ressourcen zu
verwirklichen. FZ hat die Aufgabe, Investitionen der Kooperationspartner zu fördern,
indem sie Finanzmittel und ergänzende Maßnahmen bereitstellt. Mit der
Strukturreform in der TZ wurden wichtige Voraussetzungen geschaffen, um die
politische Gestaltungsfähigkeit der Bundesregierung zu stärken und eine kohärente
Umsetzung der deutschen Entwicklungspolitik sicherzustellen. Wesentliches
Element ist dabei die Bündelung der vielfältigen TZ-Instrumente von GTZ/
CIM, DED und Inwent in der neuen GIZ auf der Grundlage eines erweiterten
Gesellschaftszwecks (Förderung der internationalen Zusammenarbeit für
nachhaltige Entwicklung und der internationalen Bildungsarbeit). Der erweiterte
Gesellschaftszweck ermöglicht es, die Arbeit der Vorgängerorganisationen im
Auftrag anderer Bundesressorts, die über die Entwicklungszusammenarbeit
hinausgeht (insbesondere bei Ex-Inwent), in der neuen GIZ fortzusetzen und
auszubauen. Der engere Rahmen traditioneller Entwicklungszusammenarbeit
wird damit geöffnet und die Beschränkungen auf ODA-Anrechenbarkeit und
ein traditionelles Geber-Nehmer-Verhältnis werden überwunden.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/747027. Inwiefern hängt das verstärkte Engagement der GIZ im Sicherheitssektor
mit dem vom BMZ ausgegebenen Ziel zusammen, die GIZ zum
Weltmarktführer für internationale Zusammenarbeit zu machen?
Es besteht kein Zusammenhang zwischen diesen beiden Sachverhalten. Siehe
auch Antwort zu Frage 23.
28. Welches waren und sind die konkreten Aktivitäten der GIZ und GIZ IS
bzw. der GTZ und GTZ IS jeweils innerhalb der Felder Polizeiaufbau und
-reform, Beratung von Regierungen und Regionalorganisationen,
Demobilisierung und Reintegration sowie Kleinwaffenkontrolle (bitte nach
Projekten, Jahren und Projektvolumina aufschlüsseln)?
Siehe Anhang 1.
Inwiefern plant die GIZ eine Ausweitung in den jeweiligen Bereichen?
Entscheidungen über eine Ausweitung des GIZ-Portfolios im gemeinnützigen
Bereich obliegen der Bundesregierung. Im Tätigkeitsbereich von GIZ IS ist die
Ausbildung von Fachkräften der pakistanischen Polizei geplant. Darüber
hinausgehende Planungen in den genannten Bereichen bestehen nicht.
29. Welche konkreten Ergebnisse erzielt die GIZ auf der Output-Ebene mit
dem Teilbereich „Unterstützung des Polizeiaufbaus und von
Polizeireformen“?
Polizisten und Polizeiinstitutionen auf nationaler und regionaler Ebene werden
durch Aus- und Fortbildung und die Ausstattung mit Ausrüstung und
Infrastruktur befähigt, ihren Aufgaben zur Sicherstellung der öffentlichen Ordnung
besser nachzukommen (Kapazitätenaufbau). Durch die verbesserten
Dienstleistungen der nationalen Polizei in der jeweiligen Projektregion wird eine
Akzeptanzerhöhung der Polizei in der Bevölkerung angestrebt und ein Beitrag zur
Stärkung der Friedens- und Sicherheitsarchitektur geleistet. Durch die
Ausstattung afrikanischer Polizeieinheiten werden diese in die Lage versetzt, einen
Beitrag zu Friedensmissionen der VN oder der Afrikanischen Union (AU) zu
leisten.
Welches sind die Rahmenbedingungen und Prüfkriterien, die für eine
Kooperation in diesem Bereich notwendige Bedingung sind?
Bei der Prüfung einer Kooperation spielen neben der Einschätzung des
Auswärtigen Amts sowie der erklärten Unterstützung einer multilateralen (VN-
oder AU-)Friedensmission die gängigen OECD-DAC-Kriterien der EZ eine
maßgebliche Rolle (Relevanz der Maßnahmen, Effektivität, übergeordnete
entwicklungspolitischen Wirkung, Effizienz und Nachhaltigkeit).
30. Wird die Ankündigung vom Bundesminister des Auswärtigen, Dr. Guido
Westerwelle, in Mexiko am 15. Juli 2011, Deutschland unterstütze die
mexikanische Polizei etwa durch Ausbildungshilfe oder das Angebot von
internationalen Lehrgängen, bereits umgesetzt?
Die GIZ ist diesbezüglich nicht aktiv.
Wenn ja, wie, mit welchem Ziel und mit welcher Beteiligung der GIZ?
Die Bundesregierung führt mit den zuständigen mexikanischen Behörden
Gespräche über konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der mexikanischen Poli-
Drucksache 17/7470 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodezei. Mögliche Bereiche könnten die Fortbildung bei der Beweissicherung und
die Verbesserung der Fähigkeiten beim Aufspüren von illegalen Drogen sein.
Eine Beteiligung der GIZ an solchen Maßnahmen besteht nicht und ist derzeit
auch nicht geplant.
31. Warum hält die Bundesregierung das PCIM-Projekt in Kolumbien für
unterstützenswert?
Die TZ-Maßnahme SerMacarena wird nicht als direkte Unterstützung des
„Plans der integralen Konsolidierung der Macarena“ (PCIM) geplant und
umgesetzt.
a) Wie garantiert die Bundesregierung die Sicherheit der GIZ-
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort?
Für den besonderen Kontext wurde ein detailliertes
Sicherheitsmonitoringsystem entwickelt. Monatlich werden speziell für das Vorhaben entwickelte
Indikatoren des Sicherheitsmonitorings vor Ort vom
Durchführungsverantwortlichen und dem Berater von SerMacarena, dem GIZ-Sicherheitskoordinator für
Kolumbien und der Assistenz des GIZ-Landesdirektors überprüft und der
Bundesregierung berichtet.
b) Wie vereinbart die Bundesregierung die Durchführung dieser
Maßnahme mit dem „Do not harm“-Ansatz?
Aus Sicht der Bundesregierung ist die Maßnahme mit dem „Do-no-harm“-
Ansatz zu vereinbaren, da hier die zentralen kolumbianischen Akteure beteiligt
sind (vgl. Antwort zu den Fragen 31c und 31d).
c) Wer ist offizieller Partner der Maßnahme?
Politischer Träger der Maßnahme ist die Departmentsregierung der Region
Meta. Zu den wichtigsten regionalen Kooperationspartnern zählen Corporación
Ambiental de la Macarena (Cormacarena), Unidad Administrativa Especial de
Sistema de Parques Nacionales Naturales (UAESPNN), Corporación de
Desarrollo de Paz del Meta (Cordepaz), Universidad de los Llanos (Unillanos),
die landwirtschaftliche Generalanwaltschaft und der Erzbischof von
Villavicencio.
d) Welche konkreten Ziele hat die Maßnahme?
Die Maßnahme hat das Ziel, zu einer partizipativen Umsetzung der
Umweltordnung AMEM in der Region Macarena beizutragen. Dabei sollen die lokale
Bevölkerung und zivilgesellschaftliche Gruppen sowie die relevanten lokalen
und regionalen staatlichen Akteure einbezogen werden.
e) Wie bewertet die Bundesregierung bisher die Wirkung der Maßnahme
sowie die im Prüfbericht genannten Risiken?
Für eine Bewertung der Wirkung der Maßnahme sowie der im Prüfbericht
genannten Risiken ist es noch zu früh, da das Vorhaben erst zum Juli 2011
begonnen hat.
f) Plant die Bundesregierung bereits eine Verlängerung des Projektes?
Die Bundesregierung wird über eine Verlängerung der Maßnahme nach der
Prüfung der Wirkung entscheiden.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 15 – Drucksache 17/7470g) Welche dahingehenden Planungen oder Anfragen der
kolumbianischen Seite sind der Bundesregierung bekannt?
Der Bundesregierung ist zum jetzigen Zeitpunkt dahingehend nichts bekannt.
32. Inwieweit wird die geplante Prüfung von Vorhaben der
Durchführungsorganisationen im Geschäftsbereich des BMZ auf menschenrechtliche
Auswirkungen und Risiken (vgl. die Antwort der Bundesregierung auf
die Kleine Anfrage „Menschenrechte in der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit“, Bundestagsdrucksache 17/6374 vom 30. Juli 2011) sich
auch auf Vorhaben im Sicherheitssektor erstrecken?
Die geplante Prüfung der menschenrechtlichen Risiken und Wirkungen
erstreckt sich auf alle Vorhaben der staatlichen, bilateralen
Entwicklungszusammenarbeit, umfasst damit auch diejenigen im Sicherheitssektor.
Inwieweit ist geplant, die Genehmigung von Vorhaben im
Sicherheitssektor von den Ergebnissen einer solchen Prüfung abhängig zu machen?
Das Ergebnis der Prüfung wird in jedem Einzelfall bewertet und eine
fallspezifische Entscheidung bei der Auftragserteilung getroffen.
Drucksache 17/7470 – 16 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeAnlage 1
Laufende und abgeschlossene Projekte GIZ GnB im Sicherheitssektor
1 Per Definition werden im Gemeinnützigen Bereich der GIZ unter dem Begriff Geschäftsvolumen die Einnahmen zusammengefasst.
Projekt Land/Region Auftraggeber Laufzeit Geschäftsvolumen
im Jahr 2010
in Mio. € 1
Unterstützung der nationalen
Polizei
Haiti AA
31. 3. bis
30. 11. 2010
1,7
Programm Polizeiaufbau
Afghanistan
Afghanistan AA Seit 28. 2. 2008 18,3
Stärkung der Funktionsfähigkeit
des 4. Burundischen Kontingents
für AMISOM
Afrika NA AA
13. 8. 2010 bis
31. 3. 2011
2,6
Programm zur Stärkung der
Polizeistrukturen in den
Palästinensischen Gebieten
Palästinensische
Gebiete
AA Seit 11. 5. 2010 0,6
Stärkung der Funktionsfähigkeit
von Polizeistrukturen in Afrika
Afrika NA AA Seit 12. 1. 2009 10,8
Stärkung der Kapazitäten
der AU-Kommission
Afrika NA BMZ Seit 31. 10. 2006 1,4
Stärkung der ECOWAS durch
strategische Management- und
Fachberatung
Afrika NA BMZ Seit 10. 6. 2008 1,3
Förderung der Intergovernmental
Authority on Development (IGAD)
im Bereich Frieden und Sicherheit
Afrika NA BMZ Seit 13. 12. 2007 1,0
Förderung der Afrikanischen
Union im Bereich Frieden und
Sicherheit
Afrika NA BMZ Seit 11. 7. 2009 2,2
Unterstützung des Kofi Annan
International Peacekeeping
Training Centre (KAIPTC)
Afrika NA BMZ Seit 30. 4. 2009 1,3
Unterstützung von Frieden,
Sicherheit und Good Governance
in der SADC-Region
SADC BMZ Seit 21. 10. 2010 0,0
Unterstützung der Internationalen
Konferenz Große Seen
Afrika NA BMZ Seit 27. 12. 2007 2,3
Förderung von Frieden und
Sicherheit
Ostafrika BMZ Seit 9. 9. 2009 0,4
Stärkung von Strukturen und
Akteuren in und im Umfeld von
Friedensmissionen in Ostafrika
(EASBRIG)
Afrika NA BMZ Seit 28. 5. 2007 1,2
Grenzmanagement in Subsahara
Afrika (AU)
Afrika NA AA Seit 19. 1. 2009 3,9
Geschäftsvolumen 2010 aller GnB-Projekte (alle Unternehmensteile)
im Sicherheitsbereich
49,0
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 17 – Drucksache 17/7470Laufende und abgeschlossene Projekte GIZ IS im Sicherheitssektor
Projekt Land/Region Auftraggeber Laufzeit Geschäftsvolumen
im Jahr 2010
in Mio. €
Civilian Capacity Building for
Law Enforcement in Pakistan
Pakistan EU/EUNIDA Seit 19. 10. 2009 3,0
Management des Niederländisch-
Burundischen
Sicherheitssektorprogramms, 2011 bis 2013
Burundi
Niederl.
Außenministerium
Seit 12. 9. 2011 n. a.
Reintegration von
Ex-Kombattanten
Südsudan
United
Nations
Development
Programme
(UNDP)
12. 3. 2010 bis
31. 8. 2011
2,3
Einsatz technischer
Beratungsexperten innerhalb des
Rahmenvertrags mit dem
saudischen Innenministerium
Saudi-Arabien
Saud.
Innenministerium
Seit 1981 0,5
Grenzschutz Nordgrenze Saudi-Arabien BMI 2006 bis 2012 1,9
Geschäftsvolumen 2010 aller IS-Projekte im Sicherheitsbereich 7,7
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]