[Deutscher Bundestag Drucksache 17/7759
17. Wahlperiode 17. 11. 2011 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten René Röspel,
Dr. Ernst Dieter Rossmann, Dr. Hans-Peter Bartels, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der SPD
– Drucksache 17/7117 –
Sachstand zur Verwertung öffentlich finanzierter Forschungsergebnisse durch
Patentverwertungsagenturen im Rahmen des Förderprogramms SIGNO
Hochschulen
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Mit dem Inkrafttreten der Novellierung des § 42 des
Arbeitnehmererfindungsgesetzes (ArbErfG) und des damit einhergehenden Wegfalls des sogenannten
Hochschullehrerprivilegs im Jahre 2002 wurden von der damaligen SPD-
geführten Bundesregierung die rechtlichen Grundlagen für eine professionelle
Patentvermarktung öffentlich finanzierter Forschungsergebnisse ermöglicht.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) verfolgte damit
das Ziel, alle kommerziell verwertbaren Erfindungen patentieren zu lassen und
einer kommerziellen Nutzung zuzuführen. Dazu wurden, auch aufbauend auf
bestehenden Strukturen, mit Unterstützung des BMBF im Rahmen des
Förderprogramms „Verwertungsoffensive“ Patentverwertungsagenturen (PVA)
gegründet bzw. aufgebaut. Im Jahr 2005 wechselte die Zuständigkeit vom BMBF
zum Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Seit 2008
firmiert das Förderinstrument „Verwertungsoffensive“ unter der Dachmarke
SIGNO als Programmteil SIGNO Hochschulen des BMWi.
Im Jahr 2010 erarbeitete das Unternehmen Prognos AG im Auftrag des BMWi
eine Evaluierung des gesamten SIGNO-Förderprogramms, so auch des
spezifischen Förderangebots SIGNO Hochschulen. Dabei wurden nicht nur die
bisherigen Ergebnisse des Förderkonzepts evaluiert, sondern auch
Handlungsempfehlungen für eine Weiterentwicklung des Förderprogramms
ausgesprochen. Zwar wurden im Rahmen dieser Evaluation die bisherigen Ergebnisse
der Umsetzungspraxis und Effekte des Förderprogramms zur Vermarktung
öffentlicher Forschungsergebnisse in der Bundesrepublik Deutschland teilweise
beleuchtet. Eine umfassende und detaillierte Bestandsaufnahme der
Förderpolitik des Bundes in diesem Bereich (z. B. die finanzielle Ausstattung der PVA)
wurde nicht vorgenommen. Für eine sachlich fundierte Debatte in
Deutschland ist eine differenzierte Kenntnis der Arbeit der
Patentvermarktungsagenturen notwendig. Diese Informationen stehen dem Parlament und der
Öffentlichkeit jedoch bisher nur in begrenztem Maße zur Verfügung, so dass eine
unabhängige Auswertung kaum möglich ist. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie vom
15. November 2011 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/7759 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode1. Wie viele Patentverwertungsagenturen (PVA) gibt es in Deutschland
insgesamt (bitte um Übersicht nach Bundesländern)?
Eine Gesamtübersicht aller so genannten Patent- und Verwertungsagenturen
(PVA) in Deutschland liegt der Bundesregierung nicht vor, da keine Kriterien
existieren, nach denen sich Unternehmen, die sich mit Patentverwertung
beschäftigen, sich auch PVA nennen können. Auf dem Patentserver des BMWi
findet sich die folgende Übersicht über 29 Patentverwertungsagenturen:
BL PVA Sitz in
BB ZukunftsAgentur Brandenburg GmbH – Brainshell Potsdam
BE ipal Gesellschaft für Patentverwertung Berlin mbH Berlin
Campus Technologies Freiburg GmbH (CTF) Freiburg im Breisgau
Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg
BW EMBL Enterprise Management Technology Transfer GmbH Heidelberg
engage AG Karlsruhe
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) der Baden-Württembergischen
Hochschulen GmbH
Karlsruhe
Ascenion GmbH München
BY Bayerische Patentallianz GmbH München
TÜV Rheinland Consulting GmbH Patente und Normen Hof
TÜV Rheinland Consulting GmbH Patente und Normen München
TÜV Rheinland Consulting GmbH Patente und Normen Nürnberg
HB innoWi GmbH Bremen
GINo Gesellschaft für Innovation Nordhessen mbH Kassel
HE INNOVECTIS Gesellschaft für Innovations-Dienstleistungen mbH Frankfurt am Main
TransMIT Gesellschaft für Technologietransfer mbH Gießen
HH TuTech Innovation GmbH Hamburg
MV PVA Mecklenburg-Vorpommern AG Rostock
NI EZN Erfinderzentrum Norddeutschland GmbH Hannover
MBM ScienceBridge GmbH Göttingen
Clinic Invent Münster
NW PROvendis GmbH Mülheim an der Ruhr
rubitec Gesellschaft für Innovation und Technologie der Ruhr-Universität
Bochum mbH
Bochum
RP IMG Innovations-Management GmbH Kaiserslautern
SH Patent- und Verwertungsagentur für die wissenschaftlichen Einrichtungen
in Schleswig-Holstein GmbH
Kiel
SL Universität des Saarlandes Kontaktstelle Wissens- und Technologietransfer
(KWT)
Saarbrücken
SN GWT-TUD GmbH Fachbereich Sächsische PatentVerwertungsAgentur
(SPVA)
Dresden
ST ESA Patentverwertungsagentur Sachsen-Anhalt GmbH Magdeburg
TH PATON Landespatentzentrum Thüringen Ilmenau
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/77592. Wie viele PVA werden im Rahmen des SIGNO-Programms über die
Hochschulverbünde derzeit in der Bundesrepublik Deutschland durch
öffentliche Gelder unterstützt (bitte nach Bundes- und Landesfinanzierung
aufschlüsseln)?
Derzeit werden 24 Patent- und Verwertungsagenturen im Rahmen des SIGNO-
Programms von den Hochschulen mit der Erbringung von Dienstleistungen
beauftragt.
Die Förderung der Hochschulverbünde, die mit diesen Mitteln u. a.
Dienstleistungen (DL) der PVA finanzieren, schlüsselt sich im aktuellen Förderzeitraum
2011 bis 2013 nach Bundes- und Landesfinanzierung, mittels direkter
Zuweisung, wie folgt auf. Der Hochschuleigenanteil (bei dem es sich indirekt auch
um Landesmittel handelt) wird hier nicht dargestellt.
PVA Förderung
Bund
(in T Euro)
Förderung
Land
(in T Euro)
BL
ZukunftsAgentur Brandenburg GmbH – Brainshell 432 455 BB
ipal Gesellschaft für Patentverwertung Berlin mbH 1 707 0 BE
Campus Technologies Freiburg GmbH (CTF) 592 0
BW
Deutsches Krebsforschungszentrum 177 0
EMBL Enterprise Management Technology Transfer GmbH 177 0
engage AG 65 0
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) der Baden-Württembergischen
Hochschulen GmbH
1 157 0
Ascenion GmbH 375 0 NI
Bayerische Patentallianz GmbH 2 542 3 813 BY
innoWi GmbH 646 885 HB
GINo Gesellschaft für Innovation Nordhessen mbH 149 0
HE INNOVECTIS Gesellschaft für Innovations-Dienstleistungen mbH 330 0
TransMIT Gesellschaft für Technologietransfer mbH 889 0
TuTech Innovation GmbH 353 122 HH
PVA Mecklenburg-Vorpommern AG 478 478 MV
EZN Erfinderzentrum Norddeutschland GmbH 131 0
NI
MBM ScienceBridge GmbH 398 360
PROvendis GmbH 2 684 1 356
NW rubitec Gesellschaft für Innovation und Technologie der Ruhr-
Universität Bochum mbH
151 76
IMG Innovations-Management GmbH 590 392 RP
Patent- und Verwertungsagentur für die wissenschaftlichen
Einrichtungen in Schleswig-Holstein GmbH
889 0
SH
Universität des Saarlandes – Wissens- und Technologietransfer
GmbH
421 205
SL
GWT-TUD GmbH Fachbereich Sächsische PatentVerwertungs-
Agentur (SPVA)
559 350
SN
ESA Patentverwertungsagentur Sachsen-Anhalt GmbH 480 575 ST
Drucksache 17/7759 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode3. Wie hoch war die finanzielle Unterstützung von BMBF bzw. BMWi für die
jeweiligen Patentvermarktungsagenturen in den jeweiligen Verbünden
jährlich seit 2002 (bitte nach PVA und Jahr aufschlüsseln)?
Im Zeitraum 2002 bis 2010 haben die Hochschulverbünde im Rahmen des
Förderprogramms Verwertungsoffensive/SIGNO seitens des BMBF bzw. BMWi
u. a. die nachfolgend dargestellte finanzielle Unterstützung für die
Beauftragung der Patent- und Verwertungsagenturen zur Erbringung von
Dienstleistungen erhalten. Die Patent- und Verwertungsagenturen haben lediglich 2002 bis
2003 in geringem Umfang direkte Förderung im Rahmen der De-minimis-
Regelung erhalten.
Angaben in T Euro
BL PVA 2001–
2002
2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
BB
ZukunftsAgentur
Brandenburg GmbH –
Brainshell
468,5 683,2 467,0 339,9 352,0 378,4 162,0 162,0 162,0
BE
ipal Gesellschaft
für Patentverwertung
Berlin mbH
841,6 1 244 905,5 942,2 853,3 941,1 621,6 643,6 708,8
BW
Campus Technologies
Freiburg GmbH (CTF)
× × × × × × 61,5 66,2 69,1
Deutsches
Krebsforschungszentrum
× × × × × × 11,1 11,1 11,1
EMBL Enterprise
Management
Technoloy Transfer GmbH
× × × × × × 65,1 69,7 73,5
TechnologieLizenz-
Büro (TLB) der Baden-
Württembergschen
Hochschulen GmbH 522,1 953,4
466,0 465,6 465,5 504,4 266,3 266,5 266,5
PVA Tübigen-Ulm
GmbH
75,0 75,0 92,3 136,0 × × ×
BY
Ascenion GmbH × × 19,0 × × × × × ×
Bayerische
Patentallianz GmbH
× × × × × 491,0 677,9 721,0 761,2
Fraunhofer-
Gesellschaft zur Förderung
der angewandten
Forschung e. V. (FhG)
1 408,6 2 057,0 737,5 640,0 573,3 201,0 × × ×
HB innoWi GmbH 233,9 391,3 227,0 226,2 226,8 245,7 214,9 215,0 214,9
HE
GINo Gesellschaft
für Innovation
Nordhessen mbH
490,7 538,6 370,9 322,7 351,9 361,5
51,9 55,9 65,9
INNOVECTIS
Gesellschaft für Innovations-
Dienstleistungen mbH
131,4 146,4 196,4
TransMIT Gesellschaft
für
Technologietransfer mbH
173,2 210,7 296,7
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/77594. Nach welchem Kriterium bemaß bzw. bemisst sich die Höhe der
Zuwendungen des Bundes?
In der Förderphase 2002/2003 betrug bei der Förderung der
Hochschulverbünde die Förderquote bis zu 100 Prozent. Bei der direkten PVA-Förderung im
Rahmen der De-minimis-Regelung (Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit der
PVAn) betrug die Förderquote 50 Prozent.
In der Förderphase 2004 bis 2007 erfolgte eine Festbetragsfinanzierung. Die
Höhe der Zuwendung wurde auf Basis der 2003 für den PVA-Auftrag erfolgten
Zuwendung festgelegt – dem Grundsatz nach bis zu 50 Prozent des in Auftrag
gegebenen Leistungsumfangs an die PVAn.
HH
TuTech Innovation
GmbH
313,2 454,0 262,0 218,0 261,6 270,3 245,3 245,3 245,3
MV
PVA Mecklenburg-
Vorpommern AG
454,9 753,8 438,0 437,6 438,2 365,0 194,0 194,0 194,0
NI
Innovationsgesellschaft Hannover mbH
457,5 600,9 × × × × × × ×
N-Transfer GmbH
Patente ⏐ Lizenzen
× × 421,0 325,9 169,0 × × × ×
EZN Erfinderzentrum
Norddeutschland
GmbH
× × × × × × 35,2 35,2 35,2
MBM Science Bridge
GmbH
× × × × × 121,2 120,0 120,0 120,0
NW
PROvendis GmbH 675,9 689,4 730,1
rubitec Gesellschaft für
Innovation und
Technologie der Ruhr-
Universität Bochum mbH
1 445,4 1 751,2 1 347,0 994,4 1 012,9 1 067,8 52,1 52,1 52,1
RP
IMG Innovations-
Management GmbH
234,6 455,3 268,0 311,7 267,3 330,2 169,5 169,5 169,5
SH
PVA für die
wissenschaftlichen
Einrichtungen in Schleswig-
Holstein GmbH
370,0 554,3 251,4 236,6 274,2 268,0 274,1 284,8 296,0
SL
Universität des
Saarlandes – Wissens- und
Technologietransfer
GmbH
146,0 239,1 170,0 128,8 128,8 160,3 128,0 128,0 148,0
SN
GWT-TUD GmbH FB
Sächsische PVA
(SPVA)
680,2 1 105,2 553,6 645,8 553,6 554,6 190,7 277,4 273,8
ST
ESA
Patentverwertungsagentur
Sachsen-Anhalt GmbH
149,8 300,6 156,4 156,5 190,5 203,5 144,4 144,4 144,4
TH
PATON
Landespatentzentrum Thüringen
195,5 281,3 254,0 150,4 219,5 255,0 210,0 210,0 210,0
BL PVA 2001–
2002
2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
Drucksache 17/7759 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeIn der Förderperiode 2008 bis 2010 belief sich die Förderquote auf bis zu 50
Prozent, wobei es je Hochschulverbund eine Obergrenze des Fördervolumens
gab, welches sich neben einer Grundfinanzierung nach der Anzahl des
patentrelevanten Personals im Hochschulverbund bemaß.
Seit Beginn der Förderperiode 2011 bis 2013 beträgt die Förderquote 40
Prozent, das Fördervolumen ist im Wesentlichen bedarfsabhängig, aber mit max.
4 000 000 Euro je Verbund begrenzt.
5. Wird seitens des Bundes eine kontinuierliche Evaluierung der PVA
angestrebt, und wenn ja, nach welchen Kriterien wird bzw. soll die Arbeit der
PVA evaluiert werden?
Im Rahmen einer regelmäßigen Evaluierung des Förderprogramms SIGNO
wird auch die Performanz der PVA betrachtet, wobei u. a. auch
erfolgsabhängige Indikatoren herangezogen werden.
6. Welche Rechtsform haben die jeweiligen PVA, die im Rahmen des
Programms SIGNO Hochschulen Bundesmittel über die jeweiligen
Hochschulverbünde erhalten (bitte nach PVA und Verbund auflisten)?
PVA Verbund Rechtsform
ZukunftsAgentur Brandenburg GmbH – Brainshell BB GmbH
ipal Gesellschaft für Patentverwertung Berlin mbH BE GmbH
Campus Technologies Freiburg GmbH (CTF) BW GmbH
Deutsches Krebsforschungszentrum BW Stiftung
des Öffentlichen Rechts
EMBL Enterprise Management Technology Transfer GmbH BW GmbH
engage AG BW Aktiengesellschaft
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) der Baden-Württembergischen
Hochschulen GmbH
BW GmbH
Ascenion GmbH NI GmbH
Bayerische Patentallianz GmbH BY GmbH
innoWi GmbH HB GmbH
GINo Gesellschaft für Innovation Nordhessen mbH HE GmbH
INNOVECTIS Gesellschaft für Innovations-Dienstleistungen mbH HE GmbH
TransMIT Gesellschaft für Technologietransfer mbH HE GmbH
TuTech Innovation GmbH HH GmbH
PVA Mecklenburg-Vorpommern AG MV Kleine Aktiengesellschaft
EZN Erfinderzentrum Norddeutschland GmbH NI GmbH
MBM ScienceBridge GmbH NI GmbH
PROvendis GmbH NW GmbH
rubitec Gesellschaft für Innovation und Technologie der Ruhr-
Universität Bochum mbH
NW GmbH
IMG Innovations-Management GmbH RP GmbH
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/77597. Ist die umsatzsteuerliche Behandlung der Tätigkeit von den PVA, die
ihrer Rechtsform nach keine Körperschaften öffentlichen Rechts (KdöR),
sondern Betriebe gewerblicher Art (BgA) sind, strittig, und gibt es hierzu
Rechtsgutachten oder höchstrichterliche Entscheidungen?
Die umsatzsteuerliche Behandlung der Tätigkeit von PVAn ist nach hiesigen
Erkenntnissen nicht strittig, Rechtsgutachten hierzu sind der Bundesregierung
nicht bekannt.
8. Wie hoch ist die Anzahl der erteilten Patente seit Beginn der
Verwertungsoffensive bzw. unter dem Nachfolgeprogramm SIGNO Hochschulen,
aufgeschlüsselt nach den jeweiligen Themen- bzw. Wissenschaftsbereichen?
Seit Beginn der Verwertungsoffensive bzw. unter dem Nachfolgeprogramm
SIGNO-Hochschulen wurden 898 Patente erteilt (Stand 30. Juni 2011).
Eine Aufschlüsselung nach den jeweiligen Themen- bzw.
Wissenschaftsbereichen zu den erteilten Patenten liegt nicht vor.
9. Wie hoch sind im Durchschnitt die Ausgaben für eine Patentierung und
Patenterhaltung eines Patents, welches sich auf Ergebnisse der
öffentlichen Forschung gründet?
Im Rahmen der SIGNO-Verwertungsförderung wurden in der vergangenen
Förderphase 2008–2010 durchschnittlich 11,6 T Euro Fördermittel pro
Schutzrechtsanmeldung bereitgestellt (Dienstleistungsangebot der PVA – inkl.
Bewertungs- und Verwertungsdienstleistungen, Aufwendungen für
Patentamtsgebühren, Patentanwaltskosten). Bei einer durchschnittlichen Förderquote von
50 Prozent betrugen die Gesamtausgaben damit 23,2 T Euro.
Legt man nur die Aufwendungen für Patentamtsgebühren und
Patentanwaltskosten zugrunde, ergeben sich im Zeitraum 2002 bis 2010 durchschnittliche
Aufwendungen pro Patentanmeldung in Höhe von 4 082 Euro.
10. Wie viele Lizenzabkommen zu patentierten Ergebnissen aus der
öffentlichen Forschung sind seit 2002 abgeschlossen worden?
Wie viele Lizenzabkommen als eine Form der Verwertung von patentierten
Ergebnissen aus der öffentlichen Forschung insgesamt seit 2002 abgeschlossen
worden sind, ist nicht bekannt.
Im Rahmen des Förderprogramms SIGNO Hochschulen (früher
Verwertungsoffensive), das einen Großteil aus der öffentlichen Forschung der Hochschulen
umfasst, sind seit 2002 870 Lizenzabkommen zu schutzrechtlich gesicherten
Ergebnissen abgeschlossen worden.
Patent- und Verwertungsagentur für die wissenschaftlichen
Einrichtungen in Schleswig-Holstein GmbH
SH GmbH
Patent- und Verwertungsagentur für die wissenschaftlichen
Einrichtungen in Schleswig-Holstein GmbH
SL GmbH
GWT-TUD GmbH Fachbereich Sächsische PatentVerwertungs-
Agentur (SPVA)
SN GmbH
ESA Patentverwertungsagentur Sachsen-Anhalt GmbH ST GmbH
PVA Verbund Rechtsform
Drucksache 17/7759 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode11. Wie viele der in Frage 10 aufgeführten Lizenzabschlüsse wurden durch
die Arbeit der PVA begleitet (bitte nach den jeweiligen PVA auflisten)?
Alle unter der Antwort zu Frage 10 aufgeführten 870 Lizenzabschlüsse wurden
auch durch die Arbeit der PVA begleitet. Diese schlüsseln sich nach PVA wie
folgt auf:
12. Inwieweit ist bei den bisherigen PVA eine Refinanzierung der Agenturen
durch ihre Verwertungseinnahmen gegeben?
Die Frage nach der Refinanzierung der PVA durch Verwertungseinnahmen
stellt sich so nicht. Die Verwertungseinnahmen fließen der beauftragenden
Einrichtung zu.
Der Grad der Refinanzierung der Verwertungsaufwendungen bei den
Hochschulen und Forschungseinrichtungen für PVA-Dienstleistungen ist
unterschiedlich. In keinem Falle ist bisher eine vollständige Deckung erreicht wor-
Bayerische Patentallianz GmbH 28
Campus Technologies Freiburg GmbH 21
EMBL Enterprise Management Technology Transfer GmbH 9
ESA Patentverwertungsagentur Sachsen-Anhalt GmbH 21
EZN Erfinderzentrum Norddeutschland GmbH 20
Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V. (FhG) 48
GINo Gesellschaft für Innovation Nordhessen mbH o 38
IMG Innovations-Management GmbH 61
INNOVECTIS Gesellschaft für Innovations-Dienstleistungen mbH 17
innoWi GmbH 29
ipal Gesellschaft für Patentverwertung Berlin mbH 53
Universität des Saarlandes Kontaktstelle Wissens- und Technologietransfer (KWT) 14
MBM ScienceBridge GmbH 67
Innovationsgesellschaft Hannover mbH/N-Transfer GmbH Patente/Lizenzen 20
PATON Landespatentzentrum Thüringen 11
PROvendis GmbH 72
PVA für die wissenschaftlichen Einrichtungen in Schleswig-Holstein GmbH 32
PVA Tübingen-Ulm GmbH 19
PVA Mecklenburg-Vorpommern AG 69
rubitec Gesellschaft für Innovation und Technologie der Ruhr-Universität Bochum mbH 18
GWT-TUD GmbH Fachbereich Sächsische PatentVerwertungsAgentur (SPVA) 17
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) der Baden-Württembergischen Hochschulen GmbH 60
TransMIT Gesellschaft für Technologietransfer mbH 75
TuTech Innovation GmbH 15
ZukunftsAgentur Brandenburg GmbH – Brainshell 36
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/7759den. Dies ist für ein selbst tragendes Verwertungsgeschäft der Hochschulen und
Forschungseinrichtungen auch nicht notwendig, da den Auftraggebern neben
den reinen Erlösen auch weiterer Nutzen, wie Folgeprojekte auf
Drittmittelbasis, Renommee u.a. zukommt, der monetär bewertet weit höher sein kann.
13. Wird eine Refinanzierung der Agenturen durch ihre
Verwertungseinnahmen durch die Bundesregierung angestrebt, und mit welcher
Begründung?
Wenn nein, warum nicht?
Es wird auf die Antwort zu Frage 12 verwiesen.
14. Welche Hochschulen haben seit 2002 mit welchen Unternehmen
Lizenzabkommen unterzeichnet?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
15. Wie viele Patente aus Hochschulen und öffentlichen
Forschungseinrichtungen wurden seit dem Jahr 2002 veräußert, und wie hoch ist im
Durchschnitt der erzielte Gewinn bei einer Patentveräußerung durch die PVA?
Wie viele Patente insgesamt aus Hochschulen und öffentlichen
Forschungseinrichtungen seit dem Jahr 2002 veräußert wurden, ist nicht bekannt.
Im Rahmen des Förderprogramms SIGNO Hochschulen (früher
Verwertungsoffensive) sind 646 schutzrechtlich gesicherte Ergebnisse seit 2002 veräußert
worden. Dieses Programm erfasst zum Großteil Patentierungen aus der
öffentlichen Forschung der Hochschulen und nur zu einem kleineren Teil solche aus
außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen. Der
durchschnittliche Verkaufserlös liegt bei 15 000 Euro (insgesamt, ohne Abzug der
gesetzlich vorgeschriebenen Erfindervergütung) für eine schutzrechtlich gesicherte
Erfindung.
Der durch den Verkauf erzielte Gewinn ist nicht bekannt.
16. Wie viele patentgestützte Ausgründungen (Spin-off-Unternehmen) aus
Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen sind seit 2002 im
Rahmen der Verwertungsoffensive erfolgreich finanziell mit
Bundesmitteln unterstützt worden?
Im Rahmen der Verwertungsoffensive/SIGNO wurden keine Ausgründungen
(Spin-off-Unternehmen) aus Hochschulen und öffentlichen
Forschungseinrichtungen finanziell mit Bundesmitteln unterstützt. Es wurden lediglich die
Schutzrechte, auf deren Basis die Ausgründung erfolgte, bis zum Zeitpunkt der
Veräußerung an das spin off Unternehmen finanziell unterstützt. Dies ist in
69 Fällen erfolgt.
17. Wie viele Produkte sind – unterstützt durch die PVA – seit 2002 bis zur
Marktreife entwickelt worden (bitte um Übersicht nach
Themenbereichen)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
Drucksache 17/7759 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode18. In welcher Höhe wurden Einnahmen aus Lizenzen patentierter
Forschungsergebnisse an öffentlichen Hochschulen generiert (bitte nach
Hochschule und Jahr in absoluten Zahlen auflisten)?
Angaben, in welcher Höhe Einnahmen aus Lizenzen patentierter
Forschungsergebnisse an allen öffentlichen Hochschulen generiert wurden, liegen nicht vor.
Im Rahmen des Förderprogramms SIGNO Hochschulen (früher
Verwertungsoffensive) sind derzeit 175 der 240 deutschlandweit existierenden öffentlichen
(staatlichen) Hochschulen beteiligt.
Insgesamt wurden hier seit 2004 Einnahmen in Höhe von 11 428 000 Euro
generiert. Eine Aufschlüsselung auf die einzelnen Hochschulen liegt nicht vor.
Jahresweise gliedern sich die Einnahmen wie folgt:
19. In welcher Höhe wurden Einnahmen aus Lizenzen patentierter
Forschungsergebnisse an öffentlich geförderten außeruniversitären
Einrichtungen generiert (bitte nach Hochschule und Jahr in absoluten Zahlen
auflisten)?
Angaben, in welcher Höhe Einnahmen aus Lizenzen patentierter
Forschungsergebnisse an allen öffentlich geförderten außeruniversitären Einrichtungen
generiert wurden, liegen nicht vor.
Im Rahmen des Förderprogramms SIGNO Hochschulen (früher
Verwertungsoffensive) sind derzeit 42 außeruniversitären Einrichtungen beteiligt.
Insgesamt wurden hier seit 2004 Einnahmen in Höhe von 932 000 Euro
generiert. Eine Aufschlüsselung auf die einzelnen außeruniversitären Einrichtungen
liegt nicht vor.
Jahresweise gliedern sich die Einnahmen wie folgt:
Jahr Gesamteinnahmen aus Lizenzierung (in T Euro)
2004 527,7
2005 683,4
2006 989,0
2007 1 041,8
2008 1 279,3
2009 2 529,7
2010 2 633,7
2011 (Stand 30. Juni) 1 743,9
Jahr Gesamteinnahmen aus Lizenzierung (in T Euro)
2004 141,8
2005 272,4
2006 102,9
2007 84,8
2008 92,2
2009 178,9
2010 50,3
2011 (Stand 30. Juni) 8,4
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/775920. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über gerichtliche
Patentstreitigkeiten bei der Verwertung öffentlich finanzierter
Forschungsergebnisse aus deutschen Hochschulen und außeruniversitären
Einrichtungen vor bzw. sind derzeit anhängig (national und international)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
21. Gibt es seitens der Bundesregierung Bestrebungen, die Hochschulen und
öffentlichen Forschungseinrichtungen durch finanzielle Mittel bei
Patentrechtsstreitigkeiten zu unterstützen?
Wenn ja, wie ist bzw. soll diese finanzielle Unterstützung ausgestaltet
sein?
Wenn nein, warum nicht?
Hierfür ist seitens der Bundesregierung keine gesonderte Förderung
vorgesehen. Es obliegt den Hochschulen und Forschungseinrichtungen, für etwaige
Aufwendungen bei Rechtsstreitigkeiten aufzukommen.
22. Warum liegt die Ressortzuständigkeit für die PVA bzw. das
Förderprogramm SIGNO Hochschulen beim BMWi und nicht beim BMBF?
Bei der Patentverwertung als wichtigem Aspekt des Technologietransfers in
den Unternehmenssektor handelt es sich um eine marktnahe Aktivität, wofür
die Zuständigkeit folgerichtig beim BMWi liegt.
23. Liegt der Bundesregierung mittlerweile eine Evaluation zu den
Ergebnissen der Strategieförderung im Rahmen der Programmsäule SIGNO
Hochschulen vor, und falls ja, mit welchen Ergebnissen?
Nein. Eine Evaluierung ist – im Bundesministerium für Wirtschaft und
Technologie üblich – geplant, wenn eine ausreichende Anzahl zu untersuchender Fälle
gegeben ist.
24. Gibt es von Seiten der Bundesregierung Bestrebungen, die Förderung
von PVA über das Jahr 2013 hinaus fortzusetzen?
Eine direkte Förderung von PVA erfolgt nicht und ist auch nicht so vorgesehen.
Es ist aber beabsichtigt, die Hochschulverbünde auch über das Jahr 2013 hinaus
bei der rechtlichen Sicherung und wirtschaftlichen Verwertung ihrer
innovativen Ideen zu unterstützen.
25. Inwiefern ist die Bundesregierung gewillt, die im Rahmen der 2010
erfolgten Evaluation des Förderprogramms SIGNO Hochschulen
ausgesprochene Handlungsempfehlung zur mittelfristigen Sicherstellung der
personellen und institutionellen Kontinuität der PVA zu garantieren?
Wenn ja, wie soll dies erfolgen?
Falls die Bundesregierung hierzu nicht gewillt ist, warum nicht?
Die Bundesregierung orientiert sich an den Empfehlungen der Evaluation,
indem sie einen systemischen Ansatz dahingehend verfolgt, dass aus Perspektive
der Hochschulen und Forschungseinrichtungen kompetente
Verwertungsdienstleister für sämtliche Technologiebereiche vorhanden sein müssen. Bei Bedarf
Drucksache 17/7759 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodekönnen in der Regel auch PVA außerhalb des jeweiligen Bundeslandes in
Anspruch genommen werden. Auf diesem Wege wird gleichzeitig auch der
Wettbewerb zwischen den PVA gestärkt. Garantien zur Sicherstellung der
personellen und institutionellen Kontinuität bei den eigenverantwortlich und
eigenwirtschaftlich agierenden PVA kann und wird es aus wettbewerblichen
Gründen seitens der Bundesregierung nicht geben.
26. Gibt es seitens der Bundesregierung Bestrebungen, die Vernetzung der
PVA untereinander voranzutreiben?
Wenn ja, wie soll eine solche Vernetzung erfolgen?
Die Vernetzung der PVA untereinander wird vom Bundesministerium für
Wirtschaft und Technologie als wertvoll und wichtig angesehen. Hierfür hat sich
beispielsweise das Netzwerk der TechnologieAllianz, deren Geschäftsstelle bis
2008 mit Fördermitteln des Bundes unterstützt wurde, als wichtiges Gremium
etabliert. In der TechnologieAllianz sind über die PVA hinaus auch andere
Mitglieder vertreten. Die TechnologieAllianz steht weiterhin in Kooperationen mit
Industrie- und Technologietransferverbänden.
27. Wie bewertet die Bundesregierung den Umstand, dass durch das
Förderinstrument SIGNO Hochschulen Bundesmittel für die
Kommerzialisierung von Schutzrechten aufgewendet werden, obwohl nicht der Bund,
sondern die Hochschulen und damit letztlich die Länder
Schutzrechtinhaber sind?
Aus Sicht der Bundesregierung ist hierbei ein übergeordnetes
gesamtwirtschaftliches/volkswirtschaftliches Interesse zu sehen. Bundesweit sollen alle
staatlichen Hochschulen und öffentlichen außeruniversitären
Forschungseinrichtungen in die Lage versetzt werden, ihre Forschungsergebnisse zu schützen
und einer wirtschaftlichen Verwertung zuzuführen und damit ihren sich aus
dem Gesetz über Arbeitnehmererfindungen (ArbnErfG) ergebenen
Verpflichtungen nachzukommen.
Über die degressiv gestaltete Förderquote wird deutlich gemacht, dass der
Bund perspektivisch auf einen selbst tragenden Technologietransfer setzt.Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]