[Deutscher Bundestag Drucksache 17/9302
17. Wahlperiode 12. 04. 2012 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Heike Hänsel, Wolfgang Gehrcke,
Dr. Dietmar Bartsch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/9121 –
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit – Stand der Fusion
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Am 16. Dezember 2010 wurde die Fusion der Organisationen der Technischen
Zusammenarbeit vollzogen. Die neue Organisation trägt den Namen Deutsche
Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und befindet
sich zu 100 Prozent in Bundeseigentum. Ziel der Fusion war die Bündelung
der Kompetenzen und langjährigen Erfahrungen des Deutschen
Entwicklungsdienstes (DED), der Deutschen Gesellschaft für Technische
Zusammenarbeit (GTZ) GmbH sowie der Internationalen Weiterbildung und
Entwicklung gGmbH (InWEnt). Von der Fusion versprach sich die Bundesregierung
Effizienz- und Wirksamkeitsgewinne, Abbau von Doppelstrukturen sowie die
Rückgewinnung der politischen Steuerungsfähigkeit in der staatlichen
Entwicklungszusammenarbeit (EZ).
Ein Jahr nach der Fusion wird die Frage nach dem tatsächlichen Erfolg bzw.
Misserfolg der Fusion kontrovers diskutiert. Die Bundesregierung nimmt für
sich in Anspruch, mit der Fusion Steuerungsfähigkeit gegenüber der neuen
Durchführungsorganisation zurückgewonnen sowie im fusionierten
Unternehmen Effizienzsteigerung, Kostensenkung und eine Verringerung der
Personalstellen durchgesetzt zu haben. Kritiker stellen allerdings den Zugewinn an
Steuerungsfähigkeit des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gegenüber der Durchführungsorganisation in
Frage. Kritisiert wird auch die zunehmende Ausrichtung der GIZ auf Umsatz
und Wirtschaftlichkeit, weil dadurch der eigentliche Zweck der
Entwicklungszusammenarbeit in den Hintergrund geraten und in vielen Fällen wegen
gegenläufiger monetärer Ziele gar nicht mehr erreicht werden kann. Das
Engagement der GIZ in entwicklungsferner Geschäftsanbahnung und im
Sicherheitsbereich (beispielsweise Entsendung eines Experten für
Kommunikation, Videoüberwachung und Sicherheitssysteme nach Saudi-Arabien,
Sicherheitstechnik für Brasilien zur Fußballweltmeisterschaft) lässt nicht nur
Zweifel an der Ausrichtung der GIZ an Entwicklungszielen, sondern auch an
ihrem Status als gemeinnützig aufkommen.
Die vollständige Umstellung auf das Auftragsverfahren verstärkt strukturelle
Probleme. Auch seitens mehrerer Bundesministerien (für Umwelt, Natur- Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung vom 10. April 2012 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/9302 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeschutz und Reaktorsicherheit, für Bildung und Forschung, für Wirtschaft und
Technologie) als Auftraggeber der GIZ wird am Zuwendungsverfahren
festgehalten, da das Auftragsverfahren als zu teuer und zu wenig steuerbar gilt.
Befürchtungen seitens der Angestellten von DED und InWEnt, dass sich ihre
Situation nach der Fusion insgesamt verschlechtern könnte, sind angesichts
der Eingruppierung ihrer übergroßen Mehrzahl in untere Gehaltsstufen und
angesichts dessen, dass sie im Zuge der Umstrukturierung vielfach
qualifikationsfern eingesetzt werden, nicht ausgeräumt, sondern noch verstärkt
worden. Darunter können die Arbeitszufriedenheit und letztlich die Qualität der
wichtigen Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leiden. Insbesondere
für die rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den gefährdeten
Standorten in Deutschland besteht erhebliche Unsicherheit über ihren künftigen
Einsatz.
1. Wie beurteilt die Bundesregierung den Stand der Fusion nach einem Jahr?
a) Würde die Bundesregierung ihre Ende 2010 getroffene Einschätzung
der Fusion als lediglich „knapp wirtschaftlich“ immer noch teilen?
Wenn ja, was spricht aus Sicht der Bundesregierung für eine solche
Einschätzung?
Wenn nein, was hat dazu geführt, dass die Fusion sich nunmehr als
unwirtschaftlich herausstellt?
Die Strukturreform der Technischen Zusammenarbeit (TZ) ist wirtschaftlich,
dies hat das BMZ mittels einer Wirtschaftlichkeitsanalyse im November 2010
nachgewiesen und hierzu bzw. zum aktuellen Stand bereits mehrfach auch
schriftlich dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages berichtet,
zuletzt siehe hierzu Ausschussdrucksache 17(8)3315.
b) Wo zeigen sich nach einem Jahr die Effizienz- und
Wirksamkeitsgewinne gegenüber der Situation vor 2011?
Effizienzgewinne lassen sich bei einem Erhalt und der Weiterentwicklung der
Instrumente sowie der Standorte und der personellen Ressourcen nur
schrittweise erzielen und werden sich daher erst in den kommenden Jahren voll
materialisieren. Dies wurde entsprechend eingeplant und beeinträchtigt die mittel-/
langfristige Wirtschaftlichkeit der gesamten Strukturreform der TZ nicht.
Wichtige effizienzsteigernde Maßnahmen
• Zum 1. Oktober 2011 wurden im Einvernehmen mit dem Gesamtbetriebsrat
im neuen Organigramm der GIZ Parallelstrukturen zusammengeführt sowie
die Anzahl der Organisationseinheiten und Leitungspositionen in der Innen-
und Außenstruktur um 10 Prozent reduziert.
• Durch die Integration der kaufmännischen und Personalprozesse sowie der
IT-Systeme ist ein wichtiger Schritt zur schrittweisen Erhöhung der Effizienz
in den Unterstützungsprozessen erfolgt.
• Der Schlüssel zur schrittweisen Realisierung von Effizienzgewinnen liegt im
Wachstum des Geschäftsvolumens bei deutlich unterproportionalen
Steigerungen der Gemein- und Steuerungskosten. Durch die im letzten Jahr
eingeleitete strategische und operative Neuausrichtung des Unternehmens und den
schrittweisen qualitativen personellen Umbau werden Ressourcen in
Richtung der Wachstumsfelder und neuer Projekte gelenkt.
• Seit dem 1. Januar 2012 arbeitet die GIZ (von sehr wenigen Ausnahmen
abgesehen) im Auftragsverfahren. Dadurch wird die Leistungserbringung der
GIZ wirkungsorientiert gesteuert und konsequent an der Nachfrage der
Auftraggeber und den Bedürfnissen der Partner ausgerichtet.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/9302In Bezug auf Engagement Global ist darauf hinzuweisen, dass diese
Organisation ihre Arbeit erst zum 1. Januar 2012 aufgenommen hat und differenzierte
Aussagen über die Wirtschaftlichkeit sich erst im Verlaufe dieses Jahres
konkretisieren lassen werden. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die zu
Beginn der Reform angestellten Wirtschaftlichkeitserwägungen sich auch hier
voll bestätigen. Gleiches gilt für das Evaluierungsinstitut, das sich derzeit noch
konstituiert.
c) Welche komplementären Vorteile der drei fusionierten
Durchführungsorganisationen kommen bereits zum Tragen?
Die Leistungen und Instrumente der Vorgängerorganisationen InWEnt, DED
und GTZ wurden in die GIZ integriert, erhalten und gestärkt. Diese kommen
auf unterschiedlichen Ebenen zum Einsatz und verstärken so ein konsistentes
und wirksames Angebot für die Partner und Auftraggeber.
Die unterschiedlichen Netzwerke und die dezentralen Strukturen in
Deutschland und den Kooperationsländer erweitern die Orte und das Spektrum der
Leistungserbringung der GIZ gegenüber den einzelnen drei
Vorgängerorganisationen.
d) In welchen Bereichen sieht die Bundesregierung noch Nachsteuerungs-
und Verbesserungsbedarf nach einem Jahr der Fusion?
Die Strukturreform der TZ – die Fusion ist ein wichtiges Element dieser
Reform – ist bisher aus Sicht der Bundesregierung äußerst erfolgreich verlaufen.
Angesichts des guten Managements der Fusion durch den Vorstand der GIZ
und durch die Geschäftsführung von Engagement Global sieht die
Bundesregierung zurzeit keinen Anlass, aktiv nachzusteuern. Der Prozess wird jedoch
eng begleitet, so dass möglicher Nachsteuerungsbedarf aufgrund sich
ergebender inhaltlicher oder wirtschaftlicher Probleme frühzeitig erkannt werden kann.
Die Bundesregierung wird im Rahmen ihrer Gesellschafterfunktion
insbesondere auf die Wirtschaftlichkeit der GIZ achten.
e) In welchen Bereichen haben sich die Fusionsstrukturen als nicht
geeignet gezeigt?
Die Fusionsstrukturen – Zusammenlegung der drei „alten“ Organisationen
DED, GTZ und InWEnt per Verschmelzung auf die alte GTZ (bzw. deren
Rechtsnachfolgerin GIZ) – haben sich bisher als geeignet erwiesen.
f) Wie vereinbaren sich die gestiegenen Verwaltungsgemeinkosten des
neuen Unternehmens mit dem Wirtschaftlichkeitsversprechen im
Vorfeld der Fusion und gegenüber dem Parlament?
Effizienzgewinne durch die GIZ-Fusion lassen sich nur schrittweise erzielen
und werden sich daher erst in den kommenden Jahren materialisieren. Dies
wurde entsprechend eingeplant. Es beeinträchtigt die mittel-/langfristige
Wirtschaftlichkeit der gesamten Strukturreform der TZ nicht. Ziel ist, dass die
Steuerungs- und Verwaltungskosten der GIZ mittelfristig sinken. Damit dies
geschieht, hat der Bund als Gesellschafterin der GIZ dieser entsprechende
Zielvorgaben erteilt und umfangreiche Maßnahmen zur Effizienzsteigerung
eingeleitet (siehe Antwort zu Frage 1b).
Drucksache 17/9302 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeg) Welche Anstrengungen werden von Seiten des Eigentümers Bund
unternommen, um die Strukturempfehlungen des Rambøll-Gutachtens,
gerade in Bezug auf den angeregten Wegfall der Bereichsleitungsebene
und den bekannten Führungskräfteüberhang, operativ umzusetzen?
Die organisatorische Zusammenführung der drei „alten“ Organisationen GTZ,
DED und InWEnt wurde zum 1. Oktober 2011 vollzogen. Im neuen
Organigramm der GIZ wurde die Anzahl der Organisationseinheiten und
Leitungspositionen bereits um 10 Prozent gekürzt. Weitere Maßnahmen zur
Effizienzsteigerung in der GIZ sind eingeleitet, s. auch Antwort zu Frage 1b.
h) Welche konkreten und belastbaren Rückmeldungen von Partnerländern,
Organisationen, Mitarbeitern und anderen Akteuren liegen der
Bundesregierung zu positiven Effekten der Fusion vor?
Der Bundesregierung liegen bisher keine konkreten und belastbaren
Rückmeldungen oder Analysen vor. Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die
organisatorische Zusammenführung erst zum Oktober 2011 vollzogen wurde und
auf ein einheitliches Auftragsverfahren für die TZ-Instrumente erst zum 1.
Januar 2012 umgestellt werden konnte.
2. Wie gestaltet sich konkret die Übernahme von Instrumenten und Ansätzen
von InWEnt und DED in den GIZ-Instrumentenkatalog?
Ziel war nicht die „Übernahme“, sondern vielmehr das Zusammenführen der
Instrumente aller drei Organisationen. Diese Zusammenführung erfolgt bislang
zügig und sehr professionell; konkret:
• Das Instrumentarium zur Aus- und Fortbildung von InWEnt und
entsprechende Aktivitäten von DED und GIZ wurden zu neuen Human Capacity
Development (HCD) Formaten zusammengefasst. Das bewährte
Instrumentarium zur Stärkung von Individuen wird damit systematisch in Maßnahmen
zur Organisationsentwicklung und Institutionenstärkung integriert.
Erfolgreiche Problemlösungsansätze entstehen am ehesten, wenn qualifizierte
Individuen ihre Kompetenzen in wirkungsvollen Organisationen und in einem
konstruktiven institutionellen Umfeld einbringen können. Wo sinnvoll und
möglich, werden neue Projektanträge, die Auswahl der Teilnehmer von
HCD-Maßnahmen sowie deren Nachbetreuung von dem weltweiten
Netzwerk der TZ-Vorhaben vorgenommen. Durch diese systematische Integration
erhöht sich die Wirksamkeit der Vorhaben deutlich im Vergleich zu den
seinerzeit separat programmierten Maßnahmen von InWEnt und GTZ.
• Die GIZ-Entwicklungshelfer (zuvor DED) sind unter Wahrung aller
Maßgaben des Entwicklungshelfergesetzes systematisch in GIZ-Maßnahmen
integriert. Die Wirksamkeit der Maßnahmen wird dadurch deutlich erhöht, da die
GIZ-Entwicklungshelfer nun auf Mikroebene andere Projektkomponenten
auf Meso- und Makroebene ergänzen und die Entwicklungshelfer in das
fachliche Netzwerk der GIZ eingebunden sind.
3. Wie gestaltet sich die künftige Zusammenarbeit mit der ENGAGEMENT
GLOBAL gGmbH, und welche Vor- bzw. Nachteile ergeben sich hieraus
für die beiden Institutionen, dies vor dem Hintergrund ungeklärter
Aufgaben-/Rollenverteilung?
Die künftige Zusammenarbeit mit der Engagement Global gestaltet sich als
Kooperationsverhältnis auf der Grundlage klarer Arbeitsteilungen und
Aufgabenprofile.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/9302Die Engagement Global nimmt in Abgrenzung zu der GIZ folgende Aufgaben
wahr:
• Mobilisierung und Förderung des bürgerschaftlichen Engagements in der
Entwicklungszusammenarbeit;
• inlandsbezogene entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit Kommunen
und kommunale Partnerschaften zwischen Deutschland und
Entwicklungsländern;
• entwicklungspolitische Bildungsarbeit in Deutschland und Zusammenarbeit
mit der Zivilgesellschaft.
Soweit inhaltliche Berührungspunkte zwischen den Aufgaben der Engagement
Global und den Aufgaben der GIZ bestehen, arbeiten beide Organisationen im
gegenseitigen Interesse und Nutzen zusammen. Das BMZ erarbeitet derzeit
gemeinsam mit der Engagement Global und der GIZ eine
Kooperationsvereinbarung zur Regelung der zukünftigen Kooperationsfelder. Hierdurch wird den
Interessen beider Organisationen Rechnung getragen und Doppelstrukturen im
In- oder Ausland oder Konkurrenzsituationen werden vermieden.
4. Kann die Bundesregierung konkrete Beispiele für die Übernahme von
InWEnt- und DED-Instrumentarien und -Ansätzen in das GIZ-Portfolio
nennen (bitte detaillierte Aufzählung)?
Ja, siehe dazu auch Antwort zu Frage 2. Alle laufenden Vorhaben von InWEnt
und DED wurden im Rahmen der GIZ fortgeführt. Neue Vorhaben werden
integriert programmiert. Zudem wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass die
Instrumente – wo erforderlich und sinnvoll – auch alleinstehend zum Einsatz
kommen können.
5. Sind Schwierigkeiten im Laufe der Fusion beim Wechsel vom
Zuwendungs- zum Auftragsverfahren aufgetaucht, und wenn ja, welche?
Es sind keine unerwarteten Schwierigkeiten aufgetreten. In konstruktiven
Gesprächen der GIZ mit den Zuwendungsgebern konnten Lösungen bei der
Umstellung auf das Auftragsverfahren gefunden werden.
Die zu bewältigenden Herausforderungen bei der Umstellung des GIZ-
Personals hielten sich im Rahmen des zu Erwartenden, z. B. Veränderung von
Verantwortlichkeiten und Funktionen, von globaler institutioneller Steuerung zu
dezentraler Programmverantwortung, Umstellung der Planungsverfahren und
Prozesse, Kalkulation auf Auftragsebene (Einzelkosten mit Umlage
Gemeinkosten). Mit der Umstellung auf ein einheitliches Auftragsverfahren ab Januar
2012 soll die Kombination der Instrumente durch die gemeinsame integrierte
Programmierung realisiert werden. Die strukturellen, prozessualen und
instrumentellen Voraussetzungen für die integrierte Portfoliogestaltung der GIZ und
die integrierte Programmierung der Aufträge ab 2012 wurden bis Ende 2011
geschaffen. Insbesondere im ersten Halbjahr 2012 wird das integrierte
Auftragsmanagement in der GIZ intensiv kommuniziert und eingeübt werden,
entsprechende Fortbildungen werden durchgeführt.
Drucksache 17/9302 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode6. Wird die mit der Fusion beschlossene Festlegung der GIZ auf das
Auftragsverfahren durch das Festhalten einiger Bundesministerien am
Zuwendungsverfahren revidiert oder relativiert?
Die Orientierung auf das Auftragsverfahren ist weder revidiert noch relativiert.
Der Gesellschaftsvertrag der GIZ bestimmt, dass die GIZ für die
Bundesregierung „Maßnahmen im Bereich der staatlichen Technischen
Entwicklungszusammenarbeit“ sowie „Maßnahmen der sonstigen internationalen
Zusammenarbeit“ insbesondere im Auftragsverfahren durchführt. Das Auftragsverfahren
ist damit als Regelverfahren zu verstehen. und wird von den Bundesressorts im
Wesentlichen so akzeptiert und genutzt. Die Bundesregierung erhält damit
– anders als bei Zuwendungen – einen Leistungsanspruch gegen die GIZ.
Gerade im Hinblick auf laufende Vorhaben von ex-InWEnt ist es allerdings
möglich, von dieser Regel abzuweichen und als Ausnahme das Vorhaben auch auf
der Basis einer Zuwendung eines Bundesministeriums abzuwickeln.
7. Wie stellt die Bundesregierung die Fortführung des Mehrebenenansatzes
der deutschen EZ sicher?
Der Mehrebenen-Ansatz ist eine zentrale konzeptionelle Grundlage der
deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Er konnte jedoch in der Vergangenheit
aufgrund der separaten institutionellen Verfahren bei DED, InWEnt und GTZ
nicht in allen Vorhaben systematisch umgesetzt werden. Nach der Fusion ist
eine integrierte Programmierung der Vorhaben auf allen drei Ebenen möglich
und wird daher zukünftig noch systematischer verfolgt.
8. Gedenkt die Bundesregierung, den bisherigen Fokus des DED auf die
Mikro- und Mesoprojektebene im Rahmen des Mehrebenenansatzes
beizubehalten?
Wenn ja, wie plant die Bundesregierung die Mikroebene beizubehalten,
wenn durch den Wechsel vom Anwendungs- zum Auftragsverfahren die
Mikroprojektebene kaum durch Auftragsverfahren abzudecken ist?
Ja. Die GIZ-Entwicklungshelfer ergänzen andere Programmkomponenten
systematisch auf Mikro- und Mesoebene. Der Wechsel zum Auftragsverfahren
behindert das nicht, sondern ermöglicht im Gegenteil, dass der Einsatz von GIZ-
Entwicklungshelfern von Anfang an integriert programmiert werden kann.
Der integrierte Einsatz aller Instrumente der GIZ, also auch des Einsatzes der
Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer, ermöglicht eine noch
bessere Inwertsetzung des Mehrebenen-Ansatzes. Der Mehrwert der einzelnen
Instrumente soll in integrierten Vorhaben genutzt werden. Auch zukünftig steht
die Nähe von Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfern zur Basis
(Mikro- und Meso-Ebene) im Vordergrund. Durch ein mehrstufiges Prüf- und
Planungsverfahren wird für jedes Vorhaben eine Wirkungslogik erstellt, welche
sich über alle Interventionsebenen erstreckt. Damit wird sichergestellt, dass
sich das Wirkungsversprechen über alle Ebenen im Mehrebenen-Ansatz
erstreckt.
9. Wie beurteilt die Bundesregierung den Zufriedenheitsgrad der
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GIZ mit dem bisherigen Verlauf der Fusion, und
auf welche Quellen stützt sie sich hierbei?
Die Bundesregierung nimmt über viele Veranstaltungen und Gespräche eine
insgesamt positive Grundstimmung zur Integration der GIZ wahr. Zwischen-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/9302zeitliche Verunsicherungen, wie sie im Zuge einer Fusion nicht vermieden
werden können, konnten schrittweise abgebaut werden. Die GIZ bietet aus Sicht
der Bundesregierung ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine
hochinteressante berufliche Perspektive im internationalen Umfeld. Die von der GIZ
regelmäßig durchgeführte Mitarbeiterbefragung (siehe nächsten Unterpunkt) wird
ein differenziertes Bild ergeben.
a) Hat die Bundesregierung die Mitarbeiterschaft der GIZ bereits in
einem partizipativen Prozess zu ihrer Zufriedenheit mit dem
Fusionsverlauf befragt?
Wenn ja, was sind die Ergebnisse dieser Befragung, aufgeschlüsselt
nach Ursprungsunternehmen und Standort?
Wenn nein, was sind die Gründe, diese Befragung nicht
durchzuführen?
Die Führung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihre Orientierung auf die
Unternehmensziele und ihre Einbindung in Leistungsprozesse liegt in der
Verantwortung des Vorstands der GIZ.
Die GIZ hat eine Mitarbeiterbefragung für den Zeitraum April/Mai 2012
vorbereitet. Auswertungen werden ab Jahresmitte 2012 vorliegen.
b) Kann die Bundesregierung Fluktuation und Beschäftigungssituation
vor und nach der Fusion darstellen und anhand von detailliertem
Zahlenmaterial insbesondere nachweisen, dass das Unternehmen GIZ auf
Personal- und Know-how-Kontinuität im In- und Ausland setzt
(Anteile von unbefristet und befristet Beschäftigten, Teilzeitbeschäftigten,
Leiharbeiterinnen/Leiharbeitern, durch gebundene Beschäftigte nach
Jahren und Bereich)?
Alle drei Vorgängerorganisationen haben die Einsatzform der befristeten
Anstellung genutzt. Gerade die Projektarbeit ist auf die spezielle,
anforderungsgerechte Personalausstattung mit aktuellem Know-how angewiesen.
Entsprechend realisiert sich in der GIZ für diese operativen Tätigkeiten ein Anteil von
ca. 70 Prozent mit befristeten Anstellungen. Diesem Personenkreis kommt die
Aufgabe zu, spezielle und aktuelle Fachlichkeit einzubringen und Innovationen
zu befördern. Ein Anteil von ca. 30 Prozent mit unbefristetem Personal soll die
langfristige Wissensbasis und die Stabilität der Prozesse sichern.
In der Summe beträgt der Anteil der unbefristeten Anstellungen 47,7 Prozent
bezogen auf alle 5 128 Mitarbeiter mit einem in Deutschland geschlossenen
Arbeitsvertrag (Zahlen per 31. Dezember 2011). Alle befristeten Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter erhalten im letzten Jahr ihrer Beschäftigung Klarheit über eine
mögliche dauerhafte berufliche Perspektive.
Um allen Beschäftigten eine gute Balance zwischen Arbeitszeit und frei
verfügbarer Zeit zu ermöglichen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu
fördern, kommt die GIZ den Wünschen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
nach Teilzeitbeschäftigung nach Möglichkeit nach. Dabei wird eine Vielfalt
von Beschäftigungsgraden und Verteilungen der Arbeitszeit realisiert. Der
Anteil der Teilzeitbeschäftigten machte zum 31. Dezember 2011 17,1 Prozent aus.
Leiharbeit wird in der GIZ nur in Ausnahmefällen und vorübergehend
eingesetzt, um kurzfristigen Arbeitsspitzen oder Vertretungsnotwendigkeiten zu
begegnen. Derzeit sind insgesamt sieben Personen mit einer Einsatzzeit von über
drei Monaten in der GIZ tätig.
Drucksache 17/9302 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode10. Wie gestaltet sich der Verlauf des Überleitungstarifvertrages?
a) Wie viel Prozent der ehemaligen Beschäftigten von DED und InWEnt
optierten im Überleitungstarifvertrag für den Weiterverbleib im
Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD)?
Innerhalb der Wahlperiode (1. Mai bis 30. Juni 2011) entschieden sich von
790 wahlberechtigten Personen 317 (40 Prozent) für den Verbleib im MTV
Entwicklungshilfe.
b) Wie viel Prozent wechselten in das Bändersystem der GIZ?
Innerhalb der Wahlperiode (1. Mai bis 30. Juni 2011) entschieden sich von
790 wahlberechtigten Personen 473 (60 Prozent) für den Wechsel in den MTV
GIZ.
Seither ergab sich für 84 weitere Personen eine Wahloption. 56 Mitarbeiter/
Mitarbeiterinnen (67 Prozent) wechselten in das MTV-Bändersystem; 28
Personen (33 Prozent) entschieden sich für einen Verbleib im MTV
Entwicklungshilfe. Weitere 40 Personen werden in der Zukunft das Wahlrecht noch ausüben
können.
c) Wenn es einen signifikanten Verbleib der Mitarbeiterschaft im TVöD
gibt, wie erklärt sich dies die Bundesregierung?
Ein hoher Anteil der im MTV Entwicklungshilfe Verbliebenen hat das
Wahlrecht nicht ausgeübt. Seine Motive hat dieser Personenkreis nicht offengelegt.
d) In welche Bänder wurde der Großteil der ehemaligen InWEnt- und
DED-Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter übernommen?
e) Falls es zu einer Konzentration in den Bändern 1 bis 2 gekommen ist,
wie erklärt sich die Bundesregierung die niedrige Bandeinordnung
eines Großteils der Mitarbeiterschaft von ehemals DED und InWEnt
trotz ihrer langen Arbeits- und Facherfahrung?
Die Zuordnung zu den Vergütungsbändern richtete sich nach der ausgeübten
Funktion. Dabei war von Vorteil, dass aufgrund einer im Vorjahr
stattgefundenen Überprüfung der Tätigkeitsdarstellungen für den Unternehmensteil InWEnt
sehr aktuelle Beschreibungen der ausgeübten Tätigkeiten vorlagen und damit
auch entsprechende Zuordnungen zu Entgeltgruppen bzw. Laufbahnen.
Insgesamt wiesen die drei Vorgängerorganisationen eine unterschiedliche
Funktionsstruktur auf. Während die GTZ zahlreiche Supportfunktionen in früheren
Jahren ausgelagert hatte (Kantinenpersonal, Pfortendienst, Druckerei,
Haushandwerk, Reisekostenabrechnung) und ein Großteil der administrativen
Tätigkeiten in die Büros der Außenstruktur verlagert wurde, wurden diese Aufgaben
bei InWEnt und DED von eigenen Beschäftigten wahrgenommen. Vor diesem
Hintergrund sind aus Sicht der Bundesregierung Unterschiede bei der
Verteilung auf die Vergütungsbänder zu erklären.
Vorgängerorganisation Band 1 Band 2 Band 3 Band 4
Führungsfunktionen
DED 9 % 38 % – 32 % 21 %
GTZ 3 % 24 % 11 % 41 % 21 %
InWEnt 9 % 46 % – 32 % 12 %
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/930211. Würde die Bundesregierung den Fusionsverlauf als einen transparenten
Prozess bezeichnen, in dem alle involvierten Akteure inklusive der
Belegschaft jederzeit Einblick in den Fusionsprozess hatten?
Die Bundesregierung betrachtet den Fusionsverlauf als einen transparenten
Prozess. Die Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen des BMZ wurden kontinuierlich
mündlich (Personalversammlungen, Abteilungs- und Hausbesprechungen etc.)
und schriftlich (Hausmitteilungen, Intranet-Blog zur Vorfeldreform,
Sonderberichte) durch die Leitung des BMZ und durch die Berichterstattung der
Projektgruppe Vorfeldreform über den Stand der Fusion informiert. Die
Geschäftführungen bzw. der Vorstand von InWEnt, DED, GTZ und schließlich GIZ haben
ihre jeweiligen Belegschaften zusammen mit den beauftragten Reformteams
gleichfalls regelmäßig und intensiv mündlich und schriftlich unterrichtet.
12. Inwiefern realisiert sich der von der Bundesregierung im Zusammenhang
mit der Fusion zur GIZ und der Umstrukturierung im BMZ formulierte
Anspruch, die entwicklungspolitische Steuerungsfähigkeit ins
Bundesministerium zurückzuholen, und worin äußert sich diese neue
Steuerungsfähigkeit gegenüber der Durchführungsorganisation gegebenenfalls
konkret?
Die Bundesregierung sieht sich hier auf einem sehr guten Weg. Entsprechende
Maßnahmen zur Steigerung der entwicklungspolitischen Steuerungsfähigkeit
wurden bereits umgesetzt (u. a. Stärkung der Gesellschafterrechte des Bundes
gegenüber der GIZ, Herstellung eines einheitlichen Außenauftritts der
deutschen EZ, Überführung der externen Berater/Beraterinnen in Dienstkräfte des
BMZ, personelle Stärkung des BMZ) oder befinden sich in der Planung (u. a. in
den Kooperationsländern Übernahme der politischen Aufgaben der
Schwerpunktkoordinatoren/Schwerpunktkoordinatorinnen durch die
Auslandsvertretungen).
13. Wie gedenkt die Bundesregierung trotz der Konzentration von
Führungsfunktionen in Eschborn die zugesagte Stärkung des Standorts Bonn
durchzusetzen?
Die Bundesregierung geht die Stärkung des GIZ-Standorts Bonn wie folgt an:
Alle wichtigen Gremien des Unternehmens (Aufsichtsrat, Vorstand und
oberster Managementkreis) tagen seit Anfang 2011 regelmäßig in Bonn. Der
Vorstand und die Führungsebene unterhalb des Vorstandes halten ihre Sitzungen
wechselseitig in Bonn und Eschborn ab.
Das BMZ hat mit dem Vorstand der GIZ vereinbart, dass der Standort Bonn
2012 gegenüber den übrigen Standorten der GIZ überproportional wachsen
soll. Dies soll durch Ansiedlung weiterer Kernfunktionen sowie durch
signifikante Personalzuwächse erreicht werden. Eine Reihe innovativer
Geschäftsfelder wie zum Beispiel das Inlandsgeschäft sowie der überwiegende Teil der
Geschäftseinheiten „Industrieländer“, „Globale Partnerschaften/Schwellenländer“
und „Migration“ sind bereits in Bonn angesiedelt. Hierdurch wird die
Grundlage für einen weiteren perspektivischen Aufbau am Standort Bonn gelegt.
Darüber hinaus wird der Standort Bonn durch die zum 1. Januar 2012 erfolgte
Neugründung der entwicklungspolitischen Servicestelle „Engagement Global“,
durch die Neugründung des Evaluierungsinstituts und durch den
Personalzuwachs des Bundesministeriums in Bonn zusätzlich gestärkt.
Drucksache 17/9302 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode14. Wann und in welchem Umfang ist geplant, neben dem Bereich
Deutschland weitere operative Bereiche, insbesondere der personalstarken
Regionalbereiche, zumindest in wesentlichen Teilen nach Bonn zu verlagern?
Der Aufbau des Standorts Bonn erfolgt weniger über Umsetzung von
Mitarbeiterinnen oder Überführung von Organisationseinheiten, als vielmehr über die
Ansiedlung innovativer Geschäftsbereiche:
• Mit dem Inlandsgeschäft im Bereich Deutschland und neuen Flexiblen
Geschäftseinheiten sind innovative Wachstumsbereiche in Bonn angesiedelt.
• Durch die Fusion sind bereits zum Jahreswechsel 2011/2012 alle
Regionalbereiche auch mit ca. insgesamt 80 Mitarbeitern am Standort Bonn vertreten.
Durch Personaldurchmischung und Rotation wird die Zusammenarbeit der
GIZ an den verschiedenen Standorten gestärkt – eine explizite umfassende
Verlagerung der Regionalbereiche nach Bonn ist allerdings nicht geplant.
• Der Standort Bonn profitiert außerdem in besonderem Maße von der
Platzierung von Zukunftsthemen und von wichtigen und großformatigen
Veranstaltungen, wie z. B. die konstituierende Sitzung des Kuratoriums der GIZ im
Herbst 2011 in Bad Honnef, die GIZ-Führungskonferenz im Oktober 2011 in
Bonn und die Feier anlässlich des ersten Geburtstags der GIZ am 23. Januar
2012 im Kunstmuseum Bonn.
• Durch großformatige Konferenzen in Bonn, u. a. auch in Kooperation mit der
Stadt Bonn, sollen verstärkt Zukunftsthemen und Trends wie Bildung, Klima,
Green Economy und Globale Partnerschaften besetzt werden. Das GIZ-
Image in Bonn soll sich auf die Themen Bildung und Global Leadership
fokussieren.
15. Plant die Bundesregierung die Beibehaltung auch der kleineren
innerdeutschen Standorte von InWEnt und DED wie Düsseldorf, Hamburg,
Hannover, München, Saarbrücken, Stuttgart, Bad Honnef, Feldafing,
Mannheim und Zschortau?
Wenn nein, was sind die Gründe für die Schließung der spezifischen
Standorte?
Es besteht eine tarifvertragliche Standortgarantie für alle Standorte in
Deutschland. Diese Vereinbarung ist für die GIZ bindend.
16. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten nach der Fusion in
anderen fachlichen Bereichen als in denen, die sie zuvor betreut und in
denen sie ihre Qualifikation und Kompetenzen erworben haben?
Im Rahmen des organisatorischen Neuaufbaus wurden die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter solchen Aufgaben zugeordnet, die ihren Qualifikationen und
Kompetenzen entsprechen. In den meisten Fällen haben sie ihre unmittelbaren
Aufgaben weitergeführt oder in neue Einheiten mitgenommen. In anderen
Fällen erfolgte die Zuordnung zu neuen Aufgaben aufgrund der von den
Beschäftigten selbst gewählten Optionen. Es entspricht allerdings dem
Grundverständnis der Beschäftigung bei der GIZ, neue Qualifikationen hinzuzuerwerben und
das persönliche Kompetenzspektrum auszudehnen. Das verlangen auch
bestehende Aufgaben (z. B. durch Erlernen neuer IT-Instrumente). Aber auch der
Wechsel in neue Aufgaben ist in der GIZ eine bewährte Praxis zur persönlichen
Entwicklung, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus eigenem Antrieb
gesucht wird.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/9302a) Welche Auswirkungen hat dies nach Ansicht der Bundesregierung auf
die Arbeitszufriedenheit der Betroffenen und die Qualität ihrer
Arbeit?
Mit der organisatorischen Neuordnung realisiert die GIZ das Ziel der Fusion,
die Qualität der Leistungen zu erhöhen und die Leistungserbringung effizienter
zu gestalten. Die Arbeit in neuen Strukturen und das Aufsetzen verbesserter
Prozesse verlangt immer eine Einschwingphase, in der die Arbeit an
Schnittstellen optimiert wird und neue Routinen sich etablieren. Insofern wird die
gewachsene Qualität durchgängig erst nach dieser erfolgten Einschwingphase zu
beobachten sein. Die Arbeitszufriedenheit wird jetzt durch die
Mitarbeiterbefragung erhoben. Dieses Instrument bietet auch Gelegenheit,
unbefriedigende Befunde zielgenau zu bearbeiten.
b) Wie schätzt die Bundesregierung den Verlust von institutionellem
Wissen durch die Umstrukturierung ein?
Mit dem strukturellen Neuaufbau geht kein Wissen verloren, die Mitarbeiter/
Mitarbeiterinnen der „alten“ Organisationen und ihr Wissen wurden im
Unternehmen gehalten. Ein Kriterium bei der Zuordnung der Personen zu
Organisationseinheiten war es, den Verlust von Wissen zu vermeiden. Grundsätzlich
setzt die GIZ allerdings auf das System des Wissensmanagements, das Wissen
für die Organisation auch unabhängig von einzelnen Personen sichert.
c) Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben durch Kündigung,
Ausgliederung oder Beendigung eines befristeten Vertrages das neue
Unternehmen seit dem 31. Dezember 2011 verlassen, und wie sahen
diese Zahlen für die Vorgängerunternehmen GTZ, InWEnt und DED
im Zeitraum 31. Dezember 2009 bis 1. März 2010 aus?
Betriebsbedingte Beendigungskündigungen, die in Zusammenhang mit
organisatorischen Veränderungen aufgrund der Fusion stehen, wurden nicht
ausgesprochen. Sie sind laut Tarifvertrag bis zum 31. Dezember 2015
ausgeschlossen. Im Januar und Februar 2012 haben insgesamt 318 Mitarbeiter/
Mitarbeiterinnen die GIZ verlassen. Darunter waren 120 Personen, die ab dem
1. Januar 2012 im Rahmen des Betriebsübergangs zur neu gründeten
Engagement Global wechselten.
d) Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GIZ, die in 2010
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ehemaligen InWEnt und des DED
waren, sind zurzeit entsandt, d. h. für die GIZ im Ausland tätig?
Derzeit sind 47 Personen, die zuvor beim DED und 8 Personen, die zuvor bei
InWEnt beschäftigt waren, im Ausland eingesetzt; unmittelbar vor der Fusion
waren es in diesen Organisationen 55 bzw. zwei Personen.
Januar/Februar Januar/Februar
Austrittsgründe 2010 2012
Ausscheiden in den Ruhestand 5 3
Ende eines befristeten Vertrages 98 163
Auflösung eines Vertrages 12 9
Kündigung durch Arbeitnehmer 17 20
Tod 0 3
Ausgliederung in "Engagement Global" -- 120
Gesamt 132 318
Austritte aus der GIZ bzw. den Vorgängerorganisationen
Drucksache 17/9302 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodee) Inwiefern hat nach Einschätzung der Bundesregierung eine
Durchmischung der Belegschaft mit dem Ziel, einen homogeneren
Personalkörper zu schaffen, bereits stattgefunden, und wie will die
Bundesregierung dazu beitragen, dass die Teilbelegschaften aus den
Ursprungsorganisationen der GIZ durchmischt und zu einem
homogeneren Personalkörper werden?
Die Gestaltung des Personalkörpers ist eine Aufgabe des Unternehmens. Der
organisatorische Neuaufbau der GIZ ist im Vergleich zu den
Vorgängerorganisationen deutlich differenzierter und spezialisierter. Bei der Besetzung der
insgesamt 24 Organisationseinheiten unterhalb der Vorstandsebene haben deshalb
bereits erhebliche Durchmischungen stattgefunden. In nahezu allen dieser
Einheiten sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen drei
Vorgängerinstitutionen tätig. Da aufgrund der Projektarbeit immer wieder neu vakante Positionen
im In- und Ausland entstehen, wird die Möglichkeit der Bewerbung auf diese
Positionen automatisch zu stärkerer Durchmischung führen. Außerdem treten
kontinuierlich neue Personen in die GIZ ein, für die die
Vorgängerorganisationen keine Bedeutung haben.
f) Wie erfolgte die Einbindung von BMZ und Kollegien der betroffenen
Organisationen in die Fusion in ihren einzelnen Schritten?
Im Groben lassen sich zwei unterschiedliche Perioden unterscheiden:
• Das Jahr 2010 war geprägt davon, die rechtliche Fusion herbeizuführen.
Dazu mussten innerhalb der Vorläuferorganisationen, in deren
Aufsichtsgremien, im Bereich der Bundesregierung und im Parlament Klärungen
vorgenommen und entsprechenden Grundlagen herbeigeführt werden. Inhaltlich
wurde die rechtliche Verfasstheit bestimmt und eine Entscheidung für eine
Vollfusion vorgenommen, das Geschäftsmodell und die Auftraggeberstruktur
geklärt sowie die Fragen der Integration der Personalkörper auf eine
Entscheidung unter den Tarifpartnern gelenkt. Dabei setzte das BMZ den
politischen Rahmen, innerhalb dessen die einzelnen Planungen und
Verhandlungen stattfanden. Die Schrittmacherrolle für den Fusionsprozess im BMZ lag
dabei in der Projektgruppe Vorfeldreform, die sich dazu in enger
Abstimmung mit den jeweiligen Task Forces der drei Vorgängerorganisationen
befand. Diese waren eng an die Leitungen der Organisationen angebunden. Die
Planungen und Positionen der jeweiligen Vorgängerorganisationen wurden in
unterschiedlichen Beteiligungsgraden (Leitung, Führungskräfte, Mitarbeiter)
gestaltet.
• Das Jahr 2011 stand im Zeichen der Integration. Die neugegründete GIZ hatte
ein Integrationsteam aus den drei Vorgängerorganisationen gebildet. Im
Zentrum stand zunächst ein integriertes Geschäftsmodell, das zu einer neuen
Aufbauorganisation hinleitete. Diese wurde innerhalb der GIZ in engem Dialog
zwischen Leitung, Integrationsteam und Führungskräften entwickelt. Auch
in 2011 fanden regelmäßige Termine zwischen dem Integrationsteam und der
Projektgruppe Vorfeld des BMZ auf Arbeitsebene statt, um über die
jeweiligen Prozessschritte und Inhalte zu informieren. Dabei wurden die Rollen
zwischen BMZ (politischer Rahmen) und GIZ (unternehmerische
Ausgestaltung) gewahrt.
g) Wie verträgt sich das Engagement der GIZ in Geschäften wie der
Auftragsvergabe für die Bereitstellung von Sicherheitstechnik für
Brasilien an EADS (European Aeronautic Defence and Space Company)
mit ihrem Status der Gemeinnützigkeit?
Die GIZ hat ihr steuerpflichtiges Geschäft in einem gesonderten (rechtlich
unselbständigen) Bereich – International Services (IS) – gebündelt. Dieser Unter-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/9302nehmensbereich stellt einen steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb
gemäß § 64 der Abgabenordnung dar. Als wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb
darf GIZ IS sich außerhalb des steuerbegünstigten Zwecks der GIZ bewegen,
genießt dafür aber nicht die Steuerbegünstigungen der gemeinnützigen
Geschäftsbereiche der GIZ.
h) Wie lässt sich die Gemeinnützigkeit und damit die rechtmäßige
Tätigkeit des Bereiches IS (International Services) und weiterer Bereiche
der GIZ nachweisen, die von Dritten Umsatzerlöse erhalten und somit
faktisch Interessen Dritter dienen, wie zum Beispiel die Abteilung
PPP (Public Private Partnership), die sich aufgabengemäß mit der
Privatisierung öffentlichen Eigentums befasst?
Wie oben bereits dargelegt, darf GIZ IS als wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb
der GIZ sich außerhalb des steuerbegünstigten Zwecks der GIZ bewegen.
Unabhängig von den gemeinnützigkeitsrechtlichen Anforderungen nimmt GIZ
IS jedoch nicht alle steuerrechtlich erlaubten Aufträge an, sondern nur solche,
die mit den politischen Grundsätzen der Bundesregierung vereinbar sind. Das
BMZ und das Auswärtige Amt prüfen ebenfalls die Einhaltung dieser
Grundsätze im Rahmen eines Zustimmungsverfahrens, dem alle Aufträge von GIZ IS
unterliegen. Dies gilt auch für Aufträge, die GIZ IS von privaten Auftraggebern
erhält.
i) Sieht die Bundesregierung im Zusammenhang mit der
Zusammenarbeit der GIZ mit der Folter beschuldigten Institutionen wie dem
Innenministerium von Saudi-Arabien die Gefahr von Klagen und
Schadensersatzforderungen vonseiten der Opfer dieser Institutionen?
Es ist der Bundesregierung nicht ersichtlich, inwiefern aus der Zusammenarbeit
der GIZ mit dem saudi-arabischen Innenministerium die Gefahr von Klagen
oder Schadensersatzansprüchen in dem oben beschriebenen Sinn erwachsen
kann.
j) Was genau ist die Rolle der GIZ in den Fragen 16g und 16h
angeführten Geschäften?
Siehe Antworten zu den Fragen 16g und 16h.
k) Plant die Bundesregierung, das BMZ oder die GIZ die Gründung eines
Tochterunternehmens, und wenn ja, mit welcher Zielsetzung?
Die GIZ hat Ende November 2011 bei ihrer Gesellschafterin (Bundesrepublik
Deutschland, vertreten durch das BMZ und das Bundesministerium der
Finanzen) die Zustimmung zur Gründung der beiden nachfolgend beschriebenen
Tochtergesellschaften beantragt:
• Gründung in Deutschland einer kommerziellen Beschaffungstochter in der
Rechtsform der GmbH. Ziel dieser Tochtergesellschaft ist es,
Marktpotentiale im Bereich internationaler Beschaffung auszuschöpfen und dabei eng
mit deutschen Technologielieferanten zu kooperieren. Die
Beschaffungstochter soll Auftragnehmer des brasilianischen Justizministeriums bei der
Umsetzung eines Auftrags im Bereich Sicherheitstechnologie werden.
• Gründung in Brasilien einer kommerziellen Tochtergesellschaft der GIZ und
der o. g. GmbH in der Rechtsform einer „Limitada“, die im Wesentlichen der
deutschen GmbH entspricht. Zur Realisierung des Auftrages der
brasilianischen Regierung ist die Gründung einer solchen Tochtergesellschaft
notwendig, da aufgrund brasilianischer Rechtsvorschriften Rechtshandlungen in
Brasilien nur von dort ansässigen und registrierten Gesellschaften
durchgeführt werden dürfen.
Drucksache 17/9302 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeDiese beiden Anträge werden derzeit von der Bundesregierung geprüft.
l) Plant die Bundesregierung, das BMZ oder die GIZ die Gründung einer
Personalauffanggesellschaft?
Weder Bundesregierung noch GIZ planen eine Personalauffanggesellschaft.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]