[Deutscher Bundestag Drucksache 17/10054
17. Wahlperiode 20. 06. 2012
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz vom 18. Juni 2012 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Alexander Süßmair, Dr. Kirsten
Tackmann, Karin Binder, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/9635 –
Förderung des Anbaus von Leguminosen in Deutschland und Europa
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Leguminosen spielen in der deutschen und europäischen Landwirtschaft seit
Jahrzehnten eine untergeordnete Rolle, obwohl sie aus ökologischer Sicht
äußerst wertvoll sind. In der ökologischen Landwirtschaft sind sie als Teil der
Fruchtfolge zur natürlichen Stickstoff-Düngung des Bodens unerlässlich. Die
Hälfte der in Deutschland angebauten Ackerbohnen entfallen daher auf
Ökobetriebe. In der konventionellen Landwirtschaft hingegen finden Leguminosen
kaum Beachtung. Wurden in den letzten Jahren in den neuen Bundesländern,
ähnlich wie in Frankreich, Österreich und dem Vereinigten Königreich, auf
etwa 3 Prozent bis 4 Prozent der landwirtschaftlichen Anbaufläche
Körnerleguminosen angebaut, waren es in den alten Bundesländern unter 1 Prozent.
In der Europäischen Union (EU) beansprucht die Eiweißpflanzenerzeugung
3 Prozent der Ackerfläche und liefert 30 Prozent der in der EU verwendeten
Eiweißpflanzen. Dieses erhebliche Ausmaß der Untererzeugung von
Eiweißpflanzen geht einerseits auf internationale Handelsabkommen insbesondere
mit den USA zurück (General Agreement on Tariffs and Trade – GATT – und
Blair-House-Abkommen von 1992). Sie gestatteten es der EU, ihre
Getreideproduktion zu schützen, erforderten im Gegenzug jedoch die zollfreie Einfuhr
von Eiweißpflanzen und Ölsaaten in die EU. Dies hatte einen
Wettbewerbsnachteil für die Erzeugerinnen und Erzeuger von Eiweißpflanzen innerhalb der
EU zur Folge. Die Landwirtschaft und das Verarbeitungsgewerbe verloren das
Interesse an der Eiweißpflanzenproduktion, was mit dem Verlust von
praktischen Kenntnissen im Bereich des Ackerbaus und der Möglichkeiten höherer
Wertschöpfung einherging. Von den Züchterinnen und Züchtern wurde die
Entwicklung krankheitsresistenter und hochleistungsfähiger Sorten immer
weiter zurückgefahren. Ebenso erging es der Forschung.
Besonders vor dem Hintergrund des Klimawandels und des wachsenden
Rohstoffbedarfs weltweit sollten die Leguminosen auch in Deutschland und
Europa als Teil einer neuen regionalen und auf Nachhaltigkeit ausgerichteten
Ernährungsstrategie stärkere Beachtung finden. Denn aufgrund ihres hohen
Proteingehalts eignen sie sich bestens als Futtermittel für die Nutztierhaltung.
Dies würde auch dem gestiegenen Wunsch der Verbraucherinnen und
Verbraucher nach regional produzierten und nachhaltig erwirtschafteten
Lebensmitteln Rechnung tragen. Stattdessen wird in der Bundesrepublik Deutschland
vor allem auf Importsoja als Futtermittel gesetzt, was insbesondere vor dem
Hintergrund des Klimawandels problematisch ist:
– Sie kommen für gewöhnlich aus Argentinien, Brasilien, der Volksrepublik
China oder den Vereinigten Staaten, was aufgrund der extrem langen Wege
zu hohen CO2-Emissionen beim Transport führt.
– Hinzu kommt, dass teilweise Regenwaldflächen abgeholzt werden, um
Soja anzubauen.
– Auch vor dem Hintergrund des weltweiten Hungerproblems erscheint der
Import von Futtermitteln für den europäischen Markt extrem
problematisch. Statt Nahrungsmittel für den eigenen Markt, bauen diese Drittländer
Produkte für die Futtertröge Europas an, was das weltweite Hungerproblem
besonders in den Ländern des globalen Südens eher noch verschärft. Der
hohe Importbedarf von Futtermitteln stellt einen indirekten Flächenimport
von 20 Millionen Hektar dar.
– Verschärfend wirkt sich der Wasserverbrauch beim Leguminosenanbau aus,
wenn sie in Regionen produziert werden, in denen Wassermangel herrscht
bzw. in denen Soja teils nur mit künstlicher Bewässerung angebaut werden
kann. Über Futtermittel werden dann nicht nur Flächen verbraucht, sondern
auch Wasser aus zum Teil wasserarmen Regionen importiert.
– Oft handelt es sich bei den importierten Sojaprodukten auch um Pflanzen
aus gentechnisch verändertem Saatgut. Verbraucherinnen und Verbraucher
haben nicht die Möglichkeit, hinreichend zu überprüfen, ob die Fleisch-
und Milchprodukte, die sie konsumieren, von Tieren, welche mit
gentechnisch verändertem Soja gefüttert wurden, stammen.
Der gezielte Anbau von Leguminosen und anderen Eiweißpflanzen könnte
einen Beitrag zur Lösung dieser Probleme leisten und gleichzeitig die
Abhängigkeit der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union von
Sojaimporten aus Drittländern (und damit auch unsicheren Weltmarktpreisen)
vermindern.
Auch klimapolitisch ist die Förderung des Leguminosenanbaus geboten. Im
Zusammenhang mit dem EU-Vorhaben „GL-pro“ wurde nachgewiesen, dass
eine Verringerung der CO2-Emissionen um 10 bis 15 Prozent bewirkt und
weniger Ozon emittiert würde, wenn Eiweißpflanzen im Vierjahresrhythmus
in die Fruchtfolge einbezogen würden.
Die größten Probleme des Leguminosenanbaus in der Bundesrepublik
Deutschland liegen nach wie vor in der geringen Wirtschaftlichkeit aufgrund hoher
Ertragsvariabilität. Diese ist vor allem auf vernachlässigte Forschung in den
letzten Jahren zurückzuführen. Soja ist daher bisher aufgrund der konstanten
Qualität für die Futtermittelindustrie wesentlich interessanter. Ein Eigenanbau
der Futtermittel für die Tierproduktion lohnt sich für viele Agrarbetriebe nicht.
Es bedarf folglich in den nächsten Jahren eines erhöhten Forschungsaufwands,
um die Wirtschaftlichkeit und die Ertragssicherheit der Leguminosen zu
gewährleisten und so die Leguminosen für die deutsche und europäische
Landwirtschaft mittelfristig attraktiver zu machen.
Auch müssen wirtschaftliche Anreize und verbindliche Regelungen
geschaffen werden, um auch in der konventionellen Landwirtschaft die Leguminosen
als natürlichen Stickstofflieferanten als Teil einer vielfältigeren Fruchtfolge zu
etablieren. Dies würde schließlich nicht nur einen Beitrag zur Lösung der
obengenannten Probleme leisten, sondern zusätzlich auch die Biodiversität auf
den Feldern erhöhen und somit auch beim ökologischen Umbau der
Landwirtschaft helfen.
Die Legislativvorschläge der Europäischen Kommission zur Neuregelung
der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sehen solcherlei Regelungen und
Förderungen jedoch bisher nicht vor. Die Leguminosen werden in Europa
und in Deutschland weiterhin stiefmütterlich behandelt. Statt einen Beitrag
zum Klimaschutz, zum ökologischen Wandel in der Landwirtschaft und zur
Ernährungssicherheit in den Ländern des globalen Südens zu leisten, wird
weiterhin auf gentechnisch verändertes Soja gesetzt.
Der agrarpolitische Sprecher der Fraktion der Europäischen Volkspartei im
Europäischen Parlament Albert Deß forderte hingegen im Rahmen der GAP-
Reform Maßnahmen, die den Anbau von Eiweißpflanzen für Agrarbetriebe
attraktiv machen.
1. Welche Maßnahmen könnten – in Anlehnung an die Forderung von Albert
Deß – nach Auffassung der Bundesregierung geeignet sein, den Anbau von
Eiweißpflanzen für deutsche und europäische Agrarbetriebe attraktiv zu
machen?
Durch gezielte Förderung von Forschung und Entwicklung sind Ertragsleistung
und Qualität von Eiweißpflanzen weiterzuentwickeln, um den
Wettbewerbsabstand zu anderen Ackerkulturen zu verkleinern. Dabei sind neben den
nationalen Fördermöglichkeiten im Rahmen des neuen Europäischen
Forschungsrahmenprogramms Horizont 2020 zu erschließen.
Im Rahmen der Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP),
wo gemäß Kommissionsvorschlag Vorrangflächen vorgehalten werden sollen,
könnten bestimmte Maßnahmen – insbesondere Agrarumweltmaßnahmen –
auf die ökologische Vorrangfläche angerechnet werden. Wenn bei der
Anrechnung für ökologische Vorrangflächen Maßnahmen berücksichtigt werden wie
der Anbau von Pflanzen, die im Anbauzeitraum keine N-Düngung erhalten,
würde der Leguminosenanbau an Attraktivität gewinnen, da die Leguminosen
in der Lage sind, ihren Stickstoffbedarf aus der Sammlung von Luftstickstoff
zu decken.
2. Wie groß war in den Jahren 2009 bis 2011 die Fläche angebauter
Leguminosen in der Bundesrepublik Deutschland (bitte detailliert nach Arten und
Bundesländern auflisten)?
Im Jahr 2011 wurden nach den Ergebnissen der Bodennutzungshaupterhebung
rd. 97 500 Hektar Hülsenfrüchte zur Körnergewinnung angebaut (ohne
Frischerbsen usw., die dem Gemüseanbau zugeordnet sind). Die Entwicklung in
den letzten Jahren, getrennt nach Arten und Ländern, zeigt die Tabelle in der
Anlage 1. Der im Umfang geringe, jedoch steigende Anbau von Sojabohnen ist
dort nicht enthalten, sondern wird in der Sammelposition „andere Ölfrüchte zur
Körnergewinnung“ (2011: 10 100 Hektar) erfasst.
3. Wie hoch war der Import von Sojaprodukten für die Futtermittel- und
Tierproduktion in den Jahren 2009 bis 2011 (bitte detailliert nach
Exportländern aufschlüsseln)?
Im Jahr 2011 wurden rd. 3,2 Mio. Tonnen Sojabohnen sowie rd. 3,4 Mio. Tonnen
Sojaschrot importiert. Die Aufgliederung nach Ursprungsländern geht aus der
folgenden Übersicht hervor (s. Antwort zu Frage 4).
4. Wie groß war nach Kenntnis der Bundesregierung die Fläche, die in
Drittländern zum Anbau von für die deutsche Futtermittel- und Tierproduktion
produziertem Soja belegt wurde?
In welchem Verhältnis steht diese Fläche zur gesamten
landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Bundesrepublik Deutschland?
Einfuhr von Sojabohnen und Sojaschrot nach Deutschland (t)
Eine Rückrechnung der deutschen Einfuhrmengen an Sojabohnen für das Jahr
2010 mittels FAO-Daten zu Flächenerträgen der Ursprungsländer ergibt einen
Flächenbedarf von 1,19 Mio. Hektar, das entspricht 7,1 Prozent der
landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Bundesrepublik Deutschland. Hinsichtlich der
Einfuhren an Sojaschrot ist zu berücksichtigen, dass diesen nur ein anteiliger
Flächenbedarf zugewiesen werden könnte, da Sojaschrot Koppelprodukt der
Erzeugung von Sojaöl ist. Überdies sind die Anbauländer hier nur zum Teil
bekannt, denn in den in der Antwort zu Frage 4 als Partnerländer für deutsche
Sojaschroteinfuhren genannten EU-Mitgliedstaaten findet kein
Sojabohnenanbau statt.
5. Wie viel Prozent der in Deutschland benötigten Eiweißfuttermittel werden
durch innerhalb Deutschlands angebaute Eiweißpflanzen, und wie viel
Prozent durch Importsoja gedeckt?
Als ausgesprochene Eiweißfuttermittel werden im Folgenden Hülsenfrüchte,
Getreideschlempe, Malzkeime, Maiskleberfutter, Ölkuchen und -schrote,
Fischmehl und Magermilchpulver angesehen. Diese bilden allerdings eine spezielle
Gruppe von Einzelfuttermitteln, so dass zahlreiche andere Einzelfuttermittel
wie etwa Getreide, die ebenfalls nicht nur wegen ihres Energiegehalts verfüttert
Erzeugnis Partnerland 2009 2010 2011
Sojabohnen
Ingesamt 3.294.949 3.416.745 3.159.954
dav. aus EU-27 46.453 46.757 42.734
Drittländern 3.248.496 3.369.988 3.117.220
dar. aus
Brasilien 2.448.429 1.608.595 1.495.674
USA 691.831 448.236 515.032
Paraguay 33.230 384.024 448.414
Kanada 1.461 568.057 278.078
Uruguay 10.435 243.310 197.733
Argentinien 58.274 114.955 94.767
Ukraine 21 63 82.565
Ölkuchen und -schrote aus Soja
Ingesamt 3.451.573 3.514.052 3.413.079
dav. aus EU-27 994.136 940.609 988.622
dar. aus
Niederlande 919.065 875.027 916.737
Belgien 36.810 10.312 24.226
Drittländern 2.457.437 2.573.443 2.424.457
dar. aus
Brasilien 1.670.542 1.661.679 1.710.550
Argentinien 767.501 830.423 632.377
USA 15.700 78.910 58.422
Indien 22.160
Quelle: Statistisches Bundesamt
werden, sondern auch wesentlich zur Eiweißversorgung beitragen, nicht
berücksichtigt werden.
Von den in Deutschland verbrauchten Eiweißfuttermitteln wurden im
dreijährigen Durchschnitt (2008/2009 bis 2010/2011) 38 Prozent in Deutschland angebaut
bzw. produziert, bezogen auf den in Getreideeinheiten gemessenen Energiegehalt
dieser Futtermittelkomponenten. Gemessen in verdaulichem Eiweiß betrug
dieser Anteil 34 Prozent. Sojaschrot hatte im gleichen Zeitraum einen Anteil an den
verbrauchten Eiweißfuttermitteln von knapp 57 Prozent, gemessen in
Getreideeinheiten, bzw. 61 Prozent in verdaulichem Eiweiß. Darüber hinaus spielen auch
andere importierte Eiweißfuttermittel eine Rolle.
6. Wie viel Prozent des importierten Sojas ist gentechnisch verändert?
In der Außenhandelsstatistik werden die Einfuhren nicht nach gentechnisch
veränderten und nicht gentechnisch veränderten Sojabohnen unterschieden.
Insoweit liegen keine Erkenntnisse über den genauen Anteil gentechnisch
veränderter Einfuhren von Sojasaaten aus Drittländern vor.
7. Sieht die Bundesregierung Handlungsbedarf bei der Förderung des Anbaus
und der Erforschung von Leguminosen (bitte mit Begründung)?
Die Forschungsförderung der Bundesregierung im Bereich Leguminosen wurde
bisher mit unterschiedlicher Intensität betrieben. Insgesamt wurden in den
letzten 20 Jahren rund 20 Mio. Euro in dem Bereich investiert. Die jetzt von
der Bundesregierung vorgelegte Eiweißpflanzenstrategie und die
Forschungsstrategie der Deutschen Forschungsallianz DAFA zeigen den Bedarf für die
nächsten Jahre.
a) Wie beurteilt die Bundesregierung die Tatsache, dass die Anzahl der
Forschungsprogramme im Bereich Eiweißpflanzen in der EU von 50 im
Jahr 1980 auf 15 im Jahr 2010 gesunken ist?
Die Anzahl der Forschungsprogramme gibt keine Aussage über den Wert und
die Intensität der Forschung im jeweiligen Sektor.
b) Wie fördert die Bundesregierung die Forschung zu Eiweißpflanzen in
Deutschland?
Die Bundesregierung fördert derzeit 37 Forschungs- und
Entwicklungsvorhaben (F&E-Vorhaben) zum Thema Leguminosen.
c) Welche Forschungsprogramme zu Leguminosen werden in Deutschland
von öffentlich geförderten Einrichtungen durchgeführt (bitte mit kurzer
Beschreibung, was genau erforscht wird)?
Forschungsprogramme explizit zu Leguminosen werden nicht durchgeführt.
Die in der Antwort zu Frage 7b genannten Forschungsvorhaben werden im
Geschäftsbereich des BMELV in den Forschungsförderungsprogrammen
„Innovation“ und „BÖLN – Bundesprogramm für ökologischen Landbau und andere
Formen der nachhaltigen Landwirtschaft“ sowie im Entscheidungshilfetitel
realisiert. Herausragend wegen eines Wertschöpfungsketten übergreifenden
Ansatzes sind die beiden laufenden Verbundvorhaben „Innovative und
ganzheitliche Wertschöpfungskonzepte für funktionelle Lebens- und Futtermittel
aus heimischen Körnerleguminosen vom Anbau bis zur Nutzung“ (LeguAN)
und „Ausweitung des Sojaanbaus in Deutschland durch züchterische
Anpassung sowie pflanzenbauliche und verarbeitungstechnische Optimierung“
(Sojaverbund).
d) Wie fördert die Bundesregierung Erprobungen polnischer
Leguminosenzüchtungen unter deutschen Bedingungen?
Die Bundesregierung fördert die Erprobung polnischer Leguminosenzüchtungen
unter deutschen Bedingungen im Rahmen von mehreren F&E-Vorhaben.
e) Wie unterstützt die Bundesregierung Forschung und Züchtung mit
dem Ziel krankheitsresistenterer Leguminosensorten?
Im Rahmen von mehreren F&E-Vorhaben werden derzeit Abwehrmechanismen
gegen Blattläuse und Blattrandkäfer bei Lupinen sowie Anthraknoseresistenz
bei weißer Lupine untersucht. Bei Rotklee werden Resistenzeigenschaften
gegen Pilzkrankheiten erforscht.
f) Wie unterstützt die Bundesregierung Forschung, Züchtung zur
Platterbse (Lathyrus sativus) und deren Anbau?
Im Rahmen des F&E-Vorhabens „Steigerung der Wertschöpfung ökologisch
angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der
Bodenfruchtbarkeit“ werden derzeit Untersuchungen mit Platterbse durchgeführt.
8. Gibt es in der Forschung zu Leguminosen eine Zusammenarbeit mit
anderen EU-Ländern?
Wie sieht diese konkret aus?
Im Rahmen des CORE ORGANIC ERA-NET werden mehrere F&E-Vorhaben
durchgeführt, in denen eine Kooperation mit anderen EU-Ländern stattfindet.
Partner in den verschiedenen Vorhaben kommen aus Belgien, Dänemark,
England, Estland, Frankreich, Finnland, Italien, Luxemburg, Niederlande,
Österreich, Slowenien, Spanien, Schweden und der Schweiz.
9. Wird die Bundesregierung in Zukunft die Forschung an Leguminosen
stärker als bisher fördern?
Ja, siehe auch Antworten zu Frage 7.
10. Ist es aus Sicht der Bundesregierung für die Landwirtschaft möglich,
den Anbau von Leguminosen unabhängig von staatlichen
Fördermaßnahmen wirtschaftlich zu betreiben (bitte begründen)?
Die Ertragsfähigkeit der Körnerleguminosen konnte dem Ertragsfortschritt
anderer Ackerkulturen in den letzten 20 Jahren nicht standhalten. Daher bleibt
auch die Wirtschaftlichkeit hinter anderen Kulturen zurück. Dies ist auch bei
einem Nettovergleich ohne Berücksichtigung von Fördermaßnahmen der Fall.
Vor diesem Hintergrund setzen auch die vielfältigen Initiativen der
Bundesregierung zur Förderung von F&E-Vorhaben im Bereich der Erzeugung und
Verarbeitung von Leguminosen an. Bei der Bewertung der Wirtschaftlichkeit
des Leguminosenanbaus ist insbesondere auch sein Nutzen für den Betrieb im
Hinblick auf die Bodenfruchtbarkeit und die Pflanzengesundheit zu
berücksichtigen.
11. Ist die Bundesregierung der Meinung, dass durch eine Steigerung des
Anbaus von Leguminosen ein Teil der Sojaimporte substituiert werden
könnte?
Rein technisch betrachtet können heimische Eiweißfuttermittel in weiten
Bereichen Soja substituieren. Ob eine Steigerung des Anbaus tatsächlich zu einer
Substitution von Soja führt, hängt von der Konkurrenzfähigkeit der
Leguminosen insbesondere bei der Futtermittelherstellung ab. Soja weist große
Wettbewerbsvorteile auf, so dass die Nachfrage nach heimischen Leguminosen
gering ist und sich der Anbau angesichts der erzielbaren Preise für die
Landwirte gegenwärtig kaum rentiert.
12. Nutzt die Bundesregierung die Möglichkeiten des Artikels 68 der EU-
Verordnung 73/2009 zur Stützung des Anbaus von Eiweißpflanzen?
Wenn ja, wie?
Wenn nein, warum nicht?
Deutschland nutzt die Möglichkeiten des Artikels 68 der EU-Verordnung 73/
2009 zur Stützung des Anbaus von Eiweißpflanzen nicht. Deutschland hat bis
zum Jahr 2011 eine gekoppelte Prämie für Eiweißpflanzen gewährt. Dennoch ist
der Anbau weiter zurückgegangen. Die Entkopplung der gekoppelten Prämie für
Eiweißpflanzen spätestens ab dem Jahr 2012 wurde im Rahmen der Beschlüsse
zur Gesundheitsüberprüfung der Gemeinsamen Agrarpolitik beschlossen. Im
Rahmen des Artikels 68 hätten nur begrenzte zusätzliche Möglichkeiten
bestanden, etwa im Rahmen der Förderung besonderer Formen der
landwirtschaftlichen Tätigkeit, die dem Schutz und der Verbesserung der Umwelt dienen. Die
Anwendung dieses Artikels, die derzeit ohnehin nicht mehr möglich ist, hätte
zudem eine Kürzung der Direktzahlungen aller Betriebsinhaber erfordert.
Deutschland hat inzwischen alle Direktzahlungen von der Produktion
entkoppelt und setzt sich im Sinne einer stärkeren Marktorientierung auch auf EU-
Ebene für eine weitere Entkopplung ein.
13. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, ob eine Förderung
des Leguminosenabaus in anderen EU-Ländern unabhängig von
Maßnahmen der Europäischen Union stattfindet?
Wenn ja, in welcher Form?
Nein, der Bundesregierung liegen dazu keine Erkenntnisse vor.
14. Sieht die Bundesregierung Möglichkeiten, den Anbau von Leguminosen
außerhalb der GAP auf nationaler Ebene zu fördern?
Wenn ja, welche?
Bereits heute erfolgt eine umfangreiche Förderung im Forschungs- und
Entwicklungsbereich, mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der Leguminosen zu
verbessern. Siehe auch Antworten zu Frage 7.
15. Wird die Bundesregierung im Rahmen der Neuregelung der GAP der EU
die Aufnahme von Maßnahmen zur Förderung des Anbaus von
Leguminosen fordern?
Wenn ja, in welcher Form?
Die Kommission schlägt in ihren Legislativvorschlägen zur Weiterentwicklung
der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2013 vor, dass die Mitgliedstaaten,
sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, fakultativ gekoppelte
Direktzahlungen für bestimmte Kulturen, darunter Leguminosen, gewähren können.
Wie bereits in der Antwort zu Frage 12 dargestellt, setzt Deutschland sich im
Sinne einer stärkeren Marktorientierung für eine weitere Entkopplung der
Direktzahlungen ein; gekoppelte Zahlungen sollten allenfalls noch für eine
befristete Übergangszeit ermöglicht werden. Der Vorschlag der Kommission zu
den ökologischen Vorrangflächen im Rahmen des „Greening“ der
Direktzahlungen sieht vor, dass mit Landschaftselementen, Bracheflächen und Pufferstreifen
nur solche Flächen als Vorrangflächen angerechnet werden sollen, auf denen
keine Erzeugung von landwirtschaftlichen Produkten stattfindet. Aus Sicht der
Bundesregierung muss jedoch die Stärkung der Umweltbeiträge durch die GAP
auch mit anderen globalen Herausforderungen in Einklang gebracht werden.
Daher tritt die Bundesregierung dafür ein, dass zum einen Flächen mit
bestimmten Agrarumweltmaßnahmen, die mit den Greening-Zielsetzungen im Einklang
stehen, angerechnet werden. Dazu sollten auch Agrarumweltmaßnahmen
gehören, die vielfältige Fruchtfolgen fördern. Wie bei den Betrieben des
ökologischen Landbaus sollten die Prämien für diese Flächen ohne Kürzung gewährt
werden. Darüber hinaus sollten auch Flächen angerechnet werden, auf denen
Pflanzen angebaut werden, die besondere ökologische Vorteile aufweisen. Dies
wäre z. B. der Fall bei Pflanzen, bei denen im Anbauzeitraum kein Stickstoff
gedüngt wird, wodurch insbesondere der Leguminosenanbau profitieren dürfte.
16. Wird sich die Bundesregierung im Rahmen der Neuregelung der GAP
der EU für die Förderung differenzierteren Fruchtfolgeanbaus in der EU
einsetzen?
Deutschland unterstützt das Ziel der Europäischen Kommission, bei der
Weiterentwicklung eine stärkere ökologische Ausrichtung der GAP zu erreichen und
damit zukünftig Umweltbelangen mehr Gewicht zu verschaffen. Die
Bundesregierung tritt für einen ausgewogenen Ansatz ein, der einerseits ein effizientes
Greening ermöglicht und andererseits den unterschiedlichen Bedürfnissen der
Mitgliedstaaten und Regionen pragmatisch Rechnung trägt. Grundsätzlich
unterstützt die Bundesregierung den Ansatz einer Anbaudifferenzierung, sieht
aber gleichzeitig noch Anpassungsbedarf, um die Gegebenheiten in
Deutschland zu berücksichtigen und den Verwaltungsaufwand zu reduzieren, ohne die
angestrebten Umweltleistungen insgesamt in Frage zu stellen. In diesem
Zusammenhang sind u. a. die Freistellung von Betrieben unter 15 Hektar Ackerland
oder Betriebe mit einem hohen Grünland- oder Ackergrasanteil zu nennen.
Darüber hinaus sollten – wie schon bisher – differenzierte Fruchtfolgen im
Rahmen der 2. Säule gefördert werden.
17. Wie beurteilt die Bundesregierung die Möglichkeit, auf Importe von
Eiweißpflanzen in die EU Zölle zu erheben?
Vor der Uruguay-Runde der WTO betrug der Zoll in der EU auf getrocknete
Leguminosen mit Ausnahme von Ackerbohnen 3 Prozent, auf Ackerbohnen
5 Prozent. Er wurde im Rahmen der allgemeinen Zollsenkung auf zollfrei
bzw. 3,2 Prozent für Ackerbohnen reduziert und auf dieses Zollniveau
festgeschrieben. Sojabohnen waren sowohl vor als auch nach der Uruguay-Runde
zollfrei.
Eine Anhebung des Zolls über dieses gebundene Niveau ist WTO-rechtlich nur
möglich, wenn die Handelspartner dem zustimmen und entsprechende
Kompensationen (i. d. R. über Zollquoten) an sie geleistet werden. Da die
Kompensationen sich am derzeitigen Lieferumfang orientieren würden, würde eine
solche Maßnahme den Leguminosenmarkt nicht entlasten.
Darüber hinaus würde eine Zollanhebung, die sich vor allem gegen Importe aus
Entwicklungsländern, den Hauptlieferanten von Körnerleguminosen richten
würde, dem Ziel der Bundesregierung, diese durch Zollsenkung und faire
Handelsbedingungen stärker in den Weltmarkt zu integrieren, entgegenstehen.
18. Könnte die Förderung des Leguminosenanbaus in der EU zur besseren
Auslastung der europäischen Mischfuttermittelerzeuger und damit zur
Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe und Wertschöpfungsketten
beitragen?
Die Förderung des Leguminosenanbaus in der EU ändert per se nichts an der
Auslastung der europäischen Mischfuttermittelerzeuger. Diese hängt in erster
Linie von der Nachfrage nach Futtermitteln ab. Eine Förderung des
Leguminosenanbaus bietet nur dann Chancen zur Stärkung regionaler
Wirtschaftskreisläufe und Wertschöpfungsketten, wenn sie auf entsprechende Nachfrage und
Zahlungsbereitschaft für Produkte aus heimischen Leguminosen trifft.
19. Inwiefern unterstützt die Bundesregierung die Aufnahme von
horizontalen Maßnahmen in die GAP-Reform, die Anreize für die Einrichtung
von Anlagen für die Lagerung und Reinigung von Eiweißpflanzen sowie
deren Verarbeitung bieten?
Die Förderung von Investitionen in Anlagen zur Lagerung, Reinigung und
Verarbeitung von Eiweißpflanzen kann im Rahmen des Artikels 18 Absatz 1
Buchstabe B des Vorschlags für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und
des Rates über die Förderung der ländlichen Entwicklung durch den
Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)
ab dem Jahr 2014 weiterhin durchgeführt werden. Bereits in der laufenden
Förderperiode von 2007 bis 2013 ist eine entsprechende Förderung nach der
geltenden ELER-Verordnung möglich. Deutschland hat deshalb im Rahmen der
Beratung des o. g. Vorschlages die Fortsetzung der Förderung von Investitionen für
die Verarbeitung und Vermarktung unterstützt. Die Förderung wird in
Deutschland im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur
und des Küstenschutzes“ seit Beginn der Förderperiode im Jahr 2007 umgesetzt.
20. Haben übermäßige Einfuhren von Eiweißpflanzen in die EU den
europäischen Tierhaltungssektor ökonomisch anfällig gemacht?
Wenn ja, wie kann dieser Entwicklung entgegengesteuert werden?
Nein, dazu liegen keine Erkenntnisse vor.
21. Hat nach Kenntnis der Bundesregierung die hohe Nachfrage nach
Futtermitteln zu nichtnachhaltigen Anbauverfahren in den Herkunftsländern
geführt?
Wenn ja, wie kann dieser Entwicklung entgegengesteuert werden?
Nein, dazu liegen keine Erkenntnisse vor.
22. Wie beurteilt die Bundesregierung die Möglichkeit, ein System zur
Überwachung des Ursprungs der in die EU bzw. nach Deutschland eingeführten
Eiweißpflanzen einzuführen?
Die Bundesregierung hält ein solches Verfahren nicht für angezeigt.
Anlage 1
„Förderung des Anbaus von Leguminosen in Deutschland und Europa“ (Bundestagsdrucksache 17/9635)
Anbauflächen von Hülsenfrüchten zur Körnergewinnung in 1 000 haAnbaufläche von Hülsenfrüchten zur Körnergewi nung in 1000 ha
Hülsenfrüchte zur Körnergewinnung
Land Jahr
insgesamt Erbsen
Ackerbohnen
Süßlupinen
alle anderen
Hülsenfrüchte
Deutschland
(einschl. Stadtstaaten) 2008 84,4 48,0 11,1 19,9 5,3
2009 83,0 48,3 12,0 19,4 3,3
2010 100,7 57,2 16,3 24,0 3,1
2011 97,5 55,8 17,3 21,5 2,9
Baden-Württemberg 2008 3,2 2,3 0,7 0,0 0,2
2009 3,9 2,8 0,8 0,1 0,2
2010 5,4 3,8 1,2 0,1 0,4
2011 5,2 3,5 1,2 0,0 /
Bayern 2008 11,4 9,3 1,5 0,3 0,2
2009 14,0 11,3 2,2 0,3 0,2
2010 18,5 14,0 3,5 0,4 0,5
2011 18,0 12,8 4,2 / /
Brandenburg 2008 19,9 8,0 0,0 11,4 0,4
2009 16,9 6,1 0,2 10,1 0,4
2010 21,0 7,5 0,2 12,6 0,8
2011 20,9 8,8 0,3 11,1 0,7
Hessen 2008 2,5 1,4 0,9 . 0,1
2009 2,8 1,4 1,3 0,1 0,1
2010 2,9 1,4 1,4 0,1 0,0
2011 2,9 1,3 1,3 / /
Mecklenburg-Vorpommern 2008 5,3 1,8 0,3 3,1 0,0
2009 4,8 1,4 0,2 3,1 0,1
2010 6,2 2,0 0,4 3,7 0,1
2011 6,3 2,5 0,3 3,4 /
Niedersachsen 2008 3,5 1,3 1,1 0,5 0,6
2009 3,7 1,0 1,5 0,5 0,7
2010 3,5 1,0 1,5 0,7 0,4
2011 2,9 / / / /
Nordrhein-Westfalen 2008 6,0 1,7 2,1 0,1 2,0
2009 4,4 1,9 2,0 0,1 0,5
2010 4,1 1,6 2,1 0,1 0,3
2011 3,1 1,2 1,6 / /
Rheinland-Pfalz 2008 1,2 1,1 0,1 . 0,0
2009 1,3 1,1 . . .
2010 1,7 1,3 0,3 0,1 0,1
2011 1,9 1,4 / / /
Saarland 2008 0,2 0,1 0,0 – –
2009 0,2 0,2 0,0 0,0 0,0
2010 0,3 . . 8,0 –
2011 0,2 0,2 0,0 . .
Sachsen 2008 7,3 5,6 1,1 0,6 0,1
2009 7,5 5,5 1,0 1,0 0,1
2010 9,3 6,7 1,2 1,3 0,1
2011 8,4 5,9 1,3 1,1 /
Sachsen-Anhalt 2008 12,1 6,5 0,9 3,3 1,4
2009 12,6 7,6 0,7 3,7 0,6
2010 14,5 8,8 1,0 4,4 0,2
2011 14,2 8,7 1,1 4,3 0,1
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
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ISSN 0722-8333
Hülsenfrüchte zur Körnergewinnung
Land Jahr
insgesamt Erbsen
Ackerbohnen
Süßlupinen
alle anderen
Hülsenfrüchte
(Fortsetzung)
Schleswig-Holstein 2008 1,8 0,7 0,9 0,1 0,1
2009 1,5 0,5 0,7 0,1 0,2
2010 1,6 0,5 0,9 0,1 0,2
2011 2,1 0,4 1,3 / /
Thüringen 2008 10,0 8,1 1,5 0,4 0,0
2009 9,4 7,6 1,3 0,3 0,0
2010 11,6 8,4 2,7 . .
2011 11,4 8,4 2,6 0,4 0,0
Anm.: Abweichungen in den Summen durch Runden der Zahlen]