Maßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner
der Abgeordneten Cornelia Behm, Harald Ebner, Bärbel Höhn, Undine Kurth (Quedlinburg), Nicole Maisch, Friedrich Ostendorff, Dorothea Steiner, Markus Tressel, Sylvia Kotting-Uhl und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Aufgrund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die die sogenannten Brennhaare der Raupen des Eichenprozessionsspinners auslösen können, wird die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners in Deutschland vielfach mit Sorge betrachtet. Neben dem Eichenprozessionsspinner kommt auch der Kiefernprozessionsspinner in Deutschland vor. Bei Massenauftreten gehen Forstbetriebe und Kommunen derzeit verstärkt mit Insektiziden gegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners vor.
Aber auch diese Bekämpfungsmaßnahmen lösen Besorgnis im Hinblick auf mögliche Gesundheitsgefahren für die Menschen und negative Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaft der betroffenen Gebiete aus.
Prozessionsspinner sollten wie alle Kreaturen als Teil der Natur betrachtet werden. Bekämpfungsstrategien gegen diese Schmetterlinge und ihre Larvenstadien müssen deshalb die Interessen des Menschen und die der Natur ausbalancieren.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen21
Welche Strategie verfolgt die Bundesregierung – eventuell gemeinsam mit den Bundesländern – zur effektiven Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners und zum Schutz der Bevölkerung?
Welche Rolle spielen dabei Einschränkungen des Betretungsrechts, die Bekämpfung mit Insektiziden und Methoden, die ohne gleichzeitige Beeinträchtigung der sonstigen Waldfauna auskommen?
Was sind die Gründe für die Ausbreitung und für die Massenvermehrungen des Eichenprozessionsspinners?
Welche natürlichen Feinde hat der Eichenprozessionsspinner in Deutschland?
Sind der Bundesregierung Forschungsvorhaben zur Entwicklung von Bekämpfungsstrategien unter Einbeziehung bzw. durch Förderung dieser natürlichen Feinde bekannt, und wenn ja, welche?
Wenn nicht, hält die Bundesregierung angesichts der Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners solche Forschungsvorhaben für sinnvoll, und ist beabsichtigt, solche Vorhaben auszuschreiben?
Wie weit ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Entwicklung von Pheromonfallen zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners?
Inwieweit sind die Schadwirkungen des Eichenprozessionsspinners mit denen des Kiefernprozessionsspinners vergleichbar, und inwieweit ist ein gemeinsames Vorgehen bei der Entwicklung von Bekämpfungsstrategien sinnvoll und möglich?
Gäbe es allein aus Sicht des Waldschutzes – also wenn keine gesundheitlichen Probleme beim Menschen auftreten würden – hinreichende Gründe, gegen die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners vorzugehen?
Unter welchen Umständen führen die Fraßschäden zu nennenswerten wirtschaftlichen Schäden?
Wie viele Menschen, die sich beruflich im Wald aufhalten und wie viele Waldbesucher sind in den letzten Jahren von den Raupen verletzt, gefährdet bzw. geschädigt worden?
Welcher Befallsgrad des Waldes und welche Zahl von durch juckende, entzündliche Hautausschläge mit starkem Juckreiz, mit Rötungen, Quaddeln, Bläschen (sogenannte Raupendermatitis) betroffenen Menschen reicht aus, um den großflächigen Einsatz von Insektiziden zu rechtfertigen?
Wie lange entfalten die Raupenhaare auch nach dem Absterben der Raupen noch ihre gesundheitsschädigende Wirkung beim Menschen?
Inwieweit werden neben dem Menschen auch Tiere durch die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners gesundheitlich beeinträchtigt?
Welche Tierarten sind besonders betroffen?
Welche Insektizide wurden in den Jahren seit 2005 neben Dipel ES zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in welchem Umfang eingesetzt (bitte nach Wirkstoff, ausgebrachter Wirkstoffmenge und Ausbringungsjahr aufschlüsseln)?
Welche rechtlichen Voraussetzungen müssen für den Einsatz dieser Insektizide vorliegen?
Welche Vorkehrungen zur Abwehr von Gesundheitsschäden sind zu ergreifen?
Wie ist der Erfolg des Insektizideinsatzes gegen Eichenprozessionsspinner einzuschätzen?
In welchem Maß kann der Raupenbefall durch den Einsatz der Insektizide kurzfristig und langfristig verringert werden?
Welche Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaften, die in und an den Eichen leben, sind durch den Einsatz der Insektizide zu befürchten bzw. zu erwarten?
Welche diesbezüglichen wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen vor?
Welche Auswirkungen hat das flächenhafte Ausbringen der Insektizide (z. B. durch Hubschrauber) auf im Wald lebende Tiere, insbesondere auf Vögel während der Brutzeit, aquatische Organismen oder Bienen?
Werden die Eichenbestände durch den Einsatz der Insektizide geschädigt, und wenn ja in welchem Maße?
Welche wissenschaftlichen Nachweise gibt es gegebenenfalls für eine Unbedenklichkeit?
Welche Risiken für die menschliche Gesundheit sind der Bundesregierung bekannt, die von den eingesetzten Insektiziden ausgehen könnten, und wie bewertet die Bundesregierung die Gefahr gesundheitlicher Schäden durch einen vermehrten Einsatz dieser Wirkstoffe, insbesondere hinsichtlich möglicher Störungen des Hormonhaushalts (endokrine Disruption)?
Wie kann den Gesundheitsgefahren durch die Insektizide effektiv begegnet werden?
Welche Schutzvorkehrungen sind zu treffen?
Unter welchen Voraussetzungen ist es aus Sicht der Bundesregierung notwendig, die Insektizide zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners aus der Luft auszubringen, oder ist grundsätzlich nur die gezielte Bekämpfung der Nester mit Sprühkanonen gerechtfertigt?