[Deutscher Bundestag Drucksache 17/11249
17. Wahlperiode 29. 10. 2012 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Uwe Beckmeyer, Dr. Hans-Peter Bartels,
Sören Bartol, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD
– Drucksache 17/10871 –
Wirtschaftliche Lage und Perspektiven des Schiffbaus in Deutschland
Von dem Einbruch des Schiffbaumarktes in den Jahren 2008 und 2009 waren
die deutschen Werften massiv betroffen, da sie ihre Geschäftstätigkeit bis
dahin stark auf das Segment Containerschiffbau konzentriert hatten. Wenngleich
sich die Branchensituation seither entspannt hat, sind die
Finanzierungsprobleme im deutschen Schiffbau weiterhin ungelöst. Zudem kämpfen die
Werftbetriebe mit enormen Überkapazitäten am Weltmarkt und wachsender
Konkurrenz, insbesondere aus Asien. Vor allem Billigangebote der
Konkurrenz aus Südkorea und China, gefördert durch massive staatliche Intervention,
drücken die Weltmarktpreise.
Die deutschen Werften stehen vor der Herausforderung, sich den veränderten
Marktgegebenheiten anzupassen und ihre Bauprogramme stärker auf neue
Geschäftsfelder mit Wachstumspotenzial auszurichten. Insbesondere der Ausbau
der Offshore-Windenergieanlagen und der damit verbundene Bedarf an
Spezialschiffen und Offshore-Strukturen eröffnen den Schiffbauunternehmen in
Deutschland neue Perspektiven.
Begleitend notwendig ist ein Ausbau der schiffbaulichen Forschung und
Entwicklung, um technische Innovationen zu fördern und die deutschen
Werftbetriebe so stärker als bisher im Hightech-Schiffbau zu positionieren. Es stellt
sich daher die Frage, mit welchen industriepolitischen Maßnahmen die
Bundesregierung die deutsche Schiffbauindustrie in ihrem
Restrukturierungsprozess unterstützen wird und wie sie verhindern will, dass die aktuelle
Finanzkrise erneut eine Krisenentwicklung im deutschen Schiffbau und eine
existenzbedrohende Abwärtsspirale auslöst.
1. Wie hat sich die Weltmarktposition deutscher Werften in abgelieferten
Tonnen (Compensated Gross Ton – CGT = gewichtete Bruttoraumzahl) nach
Kenntnis der Bundesregierung seit 2008 entwickelt, und wie stellt sich das
Umsatzvolumen der Schiffbauunternehmen in Deutschland für diesen
Zeitraum dar?
Die Weltmarktposition der deutschen Werften in abgelieferten Tonnen (CGT)
hat sich von 2008 bis 2011 wie folgt entwickelt: Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie vom
25. Oktober 2012 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/11249 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeQuelle: Jahresbericht Verband für Schiffbau und Meerestechnik e. V. (VSM) 2011
Der Umsatz der deutschen Schiffbauunternehmen hat sich von 2008 bis 2011
wie folgt entwickelt:
Quelle: VSM Jahresbericht 2011
2. Wie haben sich die Marktanteile an der weltweiten Schiffbauproduktion
(Neubauaufträge) nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2008
nach Ländern entwickelt?
Die Marktanteile der wichtigsten Schiffbaunationen an der weltweiten
Schiffbauproduktion (Neubauaufträge) haben sich von 2008 bis 2011 wie folgt
entwickelt:
Quelle: VSM Jahresbericht 2011
2008 2009 2010 2011
Abgelieferte Schiffe Weltweit in Mio.
CGT 41,9 44,4 51,6 51,1
Abgelieferte Schiffe Deutscher Werften
in Mio. CGT 1,3 0,73 0,98 0,44
Weltmarktanteil deutscher Werften
in Prozenten 3,1 % 1,65 % 1,9 % 0,88 %
2008 2009 2010 2011
Umsatz der deutschen Werften
(ab 50 Beschäftigten) in Mrd. Euro 7,23 5,32 7,53 4,58
2008 2009 2010 2011
Länder in 1000
CGT
Marktanteil
in 1000
CGT
Marktanteil
in 1000
CGT
Marktanteil
in 1000
CGT
Marktanteil
VR China 9 053 21,6 % 12 520 28,2 % 18 801 36,5 % 19 708 38,6 %
Süd Korea 14 535 34,7 % 14 463 32,6 % 14 906 28,9 % 15 954 31,2 %
Japan 9 741 23,3 % 9 628 21,7 % 9 821 19,1 % 9 162 17,9 %
Philippinen 293 0,7 % 333 0,8 % 614 1,2 % 639 1,3 %
Vietnam 256 0,7 % 364 0,8 % 560 1,1 % 530 1,0 %
Türkei 818 2,0 % 689 1,6 % 465 0,9 % 451 0,9 %
Italien 747 1,8 % 635 1,5 % 773 1,5 % 443 0,9 %
Rumänien 532 1,3 % 601 1,4 % 455 0,9 % 433 0,9 %
Deutschland 1 172 2,8 % 723 1,7 % 854 1,7 % 407 0,8 %
Taiwan 385 0, 9% 296 0,7 % 373 0,7 % 395 0,8 %
Übrige Länder 4 341 10,4 % 4 149 9,4 % 3 951 7,7 % 2 971 5,8 %
Welt 41 873 100 % 44 401 100 % 51 573 100 % 51 093 100 %
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/112493. Wie hat sich in diesem Zeitraum nach Kenntnis der Bundesregierung die
Schiffbauproduktion im Welthandelsschiffbau nach Schiffstypen
entwickelt?
Die weltweite Schiffbauproduktion hat sich von 2008 bis 2011 nach
Schiffstypen wie folgt entwickelt:
Quelle: VSM Jahresbericht 2011
4. Wie haben sich die weltweiten Schiffbaukapazitäten gegenüber dem
erwarteten Neubaubedarf nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2008
entwickelt (bitte nach Schiffstypen unterscheiden)?
Insbesondere in China und Korea, aber auch in Vietnam, auf den Philippinen
und in Indien wurden in den vergangenen Jahren zusätzliche
Neubaukapazitäten im Schiffbau geschaffen. In Verbindung mit einer sinkenden Nachfrage
nach Schiffsneubauten bestehen daher insgesamt erhebliche Überkapazitäten
im Schiffbau auf dem Weltmarkt. Die deutschen Werften haben sich vor diesem
Hintergrund vom Standardschiffbau verabschiedet und sich dem
Spezialschiffbau zugewandt. Genauere Informationen über die weltweite Entwicklung der
Kapazitäten und Nachfrage liegen der Bundesregierung nicht vor.
2008 2009 2010 2011
Schiffstyp Anzahl 1000
CGT
Anzahl 1000
CGT
Anzahl 1000
CGT
Anzahl 1000
CGT
Massengutfrachter
337 5 818
13,9 %
536 9 715
21,9 %
978 18 398
35,7 %
1 167 22 339
43,7 %
Containerschiffe
422 9 761
23,3 %
279 6 796
15,3 %
260 7 942
15,4 %
191 6 692
13,1 %
Rohöltanker 129 3 932
9,4 %
197 6 112
13,8 %
150 4 941
9,6 %
168 5 588
10,9 %
Stückgutfrachter
495 4 732
11,3 %
478 4 793
10,8 %
515 5 574
10,8 %
526 5 406
10,6 %
Chemikalien-
und
Produktentanker
614 6 667
15,9 %
605 6 597
14,8 %
502 5 406
10,5 %
365 3 825
7,5 %
Offshore-
Fahrzeuge
nicht separat erfasst
462 2 939
5,7 %
381 2 922
5,7 %
Gastanker 134 5 961
14,2 %
101 4 547
10,2 %
85 2 813
5,5 %
69 1 530
3,0 %
Fähren
und
Passagierschiffe
95 1 795
4,3 %
87 1 498
3,4 %
88 1 890
3,7 %
97 1 199
2,3 %
Sonstige 936 3 208
2,2 %
1 194 4 342
9,8 %
666 1 670
3,2 %
641 1 594
3,1 %
Insgesamt 3 162 41 873
100 %
3 477 44 401
100 %
3 706 51 573
100 %
3 605 51 093
100 %
Drucksache 17/11249 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode5. Wie hat sich der Umfang der Abwrackungsverkäufe nach Kenntnis der
Bundesregierung seit 2008 nach Schiffstypen entwickelt (bitte in absoluten
Zahlen und Prozent der weltweiten Schiffbaukapazitäten angeben)?
Laut Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) hat sich die
gemeldete Abbruchtonnage wie folgt entwickelt:
6. Welches sind nach Kenntnis der Bundesregierung die fünf führenden
Auftraggebernationen im Weltschiffbau, und welche Position nimmt
Deutschland ein (bitte für den Zeitraum 2008 bis 2012 auflisten)?
Nach Angaben des Verbands deutscher Reeder (VDR) ergibt sich bei den
Handelsschiffen das folgende Ranking für den Zeitraum 2008 bis 2012.
Ranking nach Auftragsbestand
31.12.2008
31.12.2009
Gemeldete Abbruchtonnage (inkl. Total losses) seit 2008, Handelsschiffe ab 300 gt
Stand Anfang Juli 2012 Abbruchjahr
2008 2009 2010 2011 2012
(6 Monate)
Anzahl Schiffe
Tanker (inklusive
Chemikalien- und Gastanker)
173 222 344 240 118
Bulker 84 302 145 420 274
Containerschiffe 49 213 85 51 79
MP-Stückgutschiffe 265 626 594 677 375
Passagierschiffe/Fähren 38 36 60 70 25
Total 609 1 399 1 228 1 458 871
in 1 000 dwt
Tanker (inklusive
Chemikalien- und Gastanker)
5 247 9 264 13 940 9 608 8 633
Bulker 4 129 12 261 6 256 24 012 16 856
Containerschiffe 1 343 6 091 2 271 1 188 2 495
MP-Stückgutschiffe 1 612 6 629 4 767 5 682 3 741
Passagierschiffe/Fähren 70 69 152 153 61
Total 12 401 34 315 27 386 40 644 31 786
Rang Auftraggeber-Nation Anzahl Schiffe Mio. BRZ
1 Griechenland 1006 50,6
2 Deutschland 1297 44,4
3 Japan 703 33,5
4 China 642 33,4
5 Südkorea 367 17,7
Rang Auftraggeber-Nation Anzahl Schiffe Mio. BRZ
1 Griechenland 721 36,0
2 Deutschland 987 35,2
3 China 581 31,5
4 Japan 598 29,0
5 Südkorea 204 11,2
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/1124931.12.2010
31.12.2011
7. Wie hat sich das Auftragsvolumen deutscher Besteller nach Bauländern
nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2008 entwickelt (bitte in absoluten
Zahlen und Prozent angeben)?
Die Entwicklung des Auftragsvolumens bei Handelsschiffen hat sich laut VDR
seit 2008 wie folgt entwickelt (Deutsches Auftragsbuch nach Schiffbauland):
31.12.2008
Rang Auftraggeber-Nation Anzahl Schiffe Mio. BRZ
1 Griechenland 607 32,5
2 Japan 578 28,2
3 China 550 27,1
4 Deutschland 608 23,0
5 Südkorea 171 11,4
Rang Auftraggeber-Nation Anzahl Schiffe Mio. BRZ
1 Griechenland 381 22,9
2 China 455 20,2
3 Japan 402 19,0
4 Deutschland 378 14,4
5 Singapur 169 8,4
Schiffbauland Schiffe Mio. BRZ BRZ-Anteil
China 639 17,4 39,2 %
Südkorea 244 17,4 39,2 %
Deutschland 83 1,6 3,6 %
Rumänien 44 1,6 3,6 %
Japan 20 1,6 3,6 %
Philippinen 13 1,3 2,9 %
Vietnam 58 1,2 2,7 %
Taiwan 14 0,8 1,8 %
Sonstige 182 1,5 3,4 %
Insgesamt 1 297 44,4 100,0 %
Drucksache 17/11249 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode31.12.2009
31.12.2010
31.12.2011
Schiffbauland Schiffe Mio. BRZ BRZ-Anteil
China 561 15,3 43,5 %
Südkorea 168 13,2 37,5 %
Japan 18 1,4 4,0 %
Philippinen 13 1,3 3,7 %
Rumänien 28 1,1 3,1 %
Vietnam 34 0,8 2,3 %
Deutschland 32 0,7 2,0 %
Taiwan 10 0,6 1,7 %
Sonstige 123 0,8 2,3 %
Insgesamt 987 35,2 100,0 %
Schiffbauland Schiffe Mio. BRZ BRZ-Anteil
China 389 11,0 47,7 %
Südkorea 80 8,6 37,4 %
Japan 13 1,0 4,3 %
Rumänien 20 1,0 4,3 %
Vietnam 24 0,5 2,3 %
Indien 18 0,3 1,3 %
Deutschland 9 0,3 1,3 %
Taiwan 2 0,1 0,5 %
Sonstige 53 0,2 0,9 %
Insgesamt 608 23 100,0 %
Schiffbauland Schiffe Mio. BRZ BRZ-Anteil
China 231 6,3 43,8 %
Südkorea 53 5,9 41,0 %
Japan 10 0,8 5,6 %
Rumänien 10 0,4 2,8 %
Indien 16 0,3 2,1 %
Deutschland 6 0,2 1,4 %
Vietnam 10 0,2 1,4 %
Finnland 1 0,1 0,7 %
Sonstige 41 0,2 1,4 %
Insgesamt 378 14,4 100,0 %
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/112498. Wie hat sich die Zahl der Auftragseingänge bei deutschen Werften nach
Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2008 entwickelt, und welchen
Wert umfassten diese jeweils (bitte in Mio. Euro angeben)?
Die Auftrageingänge im Seeschiffbau bei deutschen Werften haben sich von
2008 bis 2011 wie folgt entwickelt:
Quelle: VSM Jahresbericht
9. Wie stellen sich im gleichen Zeitraum die Neubauablieferungen deutscher
Werften nach Bauländern und Schiffstypen nach Kenntnis der
Bundesregierung dar?
Die Anzahl der abgelieferten Seeschiffe von deutschen Werften aufgegliedert
nach Bundesländern haben sich in den Jahren 2008 bis 2010 wie nachfolgend
dargestellt. Ab 2011 wurde die statische Erfassung der abgelieferten Schiffe
nach Bundesländern vom Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) aus
Vertraulichkeitsgründen nicht mehr fortgesetzt.
Quelle: VSM Jahresbericht 2011
In den Jahren 2008 bis 2011 wurden von deutschen Werften folgende Seeschiffe
aufgegliedert nach Schiffstypen abgeliefert:
Quelle: VSM Jahresbericht
Jahr Anzahl der Neubauaufträge Auftragsvolumen in Mio. Euro
2008 46 2 890
2009 20 475
2010 24 2 719
2011 28 3 033
Bundesländer 2008 2009 2010 2011
Schleswig-Holstein 13 8 9
Niedersachsen 21 20 18
Mecklenburg-Vorpommern 30 14 8
Hamburg, Bremen und andere Länder 20 12 14
Insgesamt 84 54 49 31
Schiffstypen 2008 2009 2010 2011
Chemikalien- und Produktentanker 1 2 – 2
Massengutschiffe – 2 1 –
Frachtschiffe 5 2 2 1
Containerschiffe 50 18 8 2
RoRo-Schiffe 2 5 7 4
Gastanker 2 2 2 –
Fähren 1
Passagierschiffe 17 6 17 3
Yachten 6
Sonstige 7 17 12 12
Insgesamt 84 54 49 31
Drucksache 17/11249 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode10. Welches Volumen hatte die Stornierung von bestellten bzw. im Bau
befindlichen Schiffbauaufträgen bei deutschen Werften und weltweit nach
Kenntnis der Bundesregierung seit 2008, und in welchem Umfang kam es
zu einer Verschiebung von Ablieferungen (bitte Aufträge in absoluten
Zahlen und Auftragsvolumen in Mio. Euro angeben)?
Die Stornierungen von Neubauten ergibt sich aus der nachfolgenden Tabelle
des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik. Angaben zum Umfang der
Auftragsverschiebungen liegen der Bundesregierung nicht vor.
Neubaustornierungen weltweit seit 2008, Handelsschiffe ab 300 gt
Stand: Anfang Juli 2012
2008 2009 2010 2011
Anzahl Schiffe
Tanker (inklusive
Chemikalien- und Gastanker)
115 221 206 205
Bulker 134 418 432 280
Containerschiffe 55 134 69 36
Stückgutschiffe 63 138 115 105
Passagierschiffe/Fähren 7 9 15 10
Total 374 920 837 636
in 1000 dwt
Tanker (inklusive
Chemikalien- und Gastanker)
4 037 14 346 12 475 14 358
Bulker 8 774 34 767 34 885 21 819
Containerschiffe 2 235 4 990 2 721 1 160
MP-Stückgutschiffe 844 1 853 1 260 1 320
Passagierschiffe/Fähren 36 50 76 59
Total 15 926 56 005 51 416 38 716
davon Stornierungen auf deutschen Werften
2008 2009 2010 2011
Anzahl Schiffe
Tanker (inklusive
Chemikalien- und Gastanker)
– 2 – –
Bulker – – – –
Containerschiffe – 29 – –
MP-Stückgutschiffe – 19 1 4
Passagierschiffe/Fähren 1 – – –
Total 1 50 1 4
in 1000 dwt
Tanker (inklusive
Chemikalien- und Gastanker)
– 72 – –
Bulker – – – –
Containerschiffe – 697 – –
Stückgutschiffe – 114 13 44
Passagierschiffe/Fähren 12 – – –
Total 12 883 13 44
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/1124911. Welche Marktsegmente waren in Deutschland vom Einbruch des
weltweiten Schiffbaumarktes in den Jahren 2008 und 2009 nach Kenntnis der
Bundesregierung besonders betroffen, und wie hat sich die Situation in
diesen Bereichen seither entwickelt (bitte Anteile in Prozent des gesamten
Marktvolumens angeben)?
Die stärksten Einbrüche wurden beim Bau von Containerschiffen verzeichnet.
2008 wurden noch 50 Containerschiffe von deutschen Werften abgeliefert. 2011
waren es nur noch 2 Containerschiffe. Seit Ende 2011 befinden sich keine
Containerschiffe mehr im Auftragsbestand der deutschen Werften.
12. Wie stellt sich die Kapazitätsauslastung deutscher Werften im Vergleich
zur europäischen Schiffbauindustrie nach Kenntnis der Bundesregierung
im Zeitraum von 2008 bis 2016 dar, und wie groß müsste der deutsche
Weltmarktanteil sein, um eine vollständige Auslastung der hiesigen
Unternehmen zu erreichen?
Durch das vollständige Wegbrechen des Containerschiffbaus und die
Stornierung von Aufträgen ging die Handelsschiffproduktion bei deutschen Werften
von 2008 bis 2011 um 66 Prozent zurück. Für 2012 wird jedoch wieder eine
etwas höhere Produktion als im Vorjahr erwartet. Die rückläufige Entwicklung im
deutschen Schiffbau war vom Umfang her vergleichbar mit der in anderen
europäischen Schiffbauländern. Die Kapazitätsauslastung deutscher Werften ist sehr
unterschiedlich. Einige Werften sind voll ausgelastet, während andere dringend
Anschlussaufträge benötigen. Für die Berechnung des notwendigen
Weltmarktanteils für eine Vollauslastung der deutschen Werften liegen der
Bundesregierung die notwendigen Informationen nicht vor. Darüber hinaus wird der
Weltschiffbau von den Standardschiffen dominiert, der für deutsche Werften nicht
als unmittelbarer Orientierungswert relevant ist, da sich die deutschen Werften
auf die Marktsegmente des Spezialschiffbaus ausgerichtet haben.
13. Wie hat sich die Anzahl der Werftunternehmen in Deutschland nach
Kenntnis der Bundesregierung seit 2008 entwickelt, und in welchem
Umfang erfolgte ein Abbau von Werftkapazitäten durch Verkäufe,
Restrukturierungen und Schließungen?
Seit 2008 liegt die Zahl der Seeschiffwerften, die im zivilen und militärischen
Neubau- bzw. Reparatur-/Umbaugeschäft tätig sind, nahezu unverändert bei
etwas über 40. Nur eine Werft, SSW in Bremerhaven, hat den Betrieb vollständig
eingestellt, und auf dem Gelände haben sich neue Unternehmen angesiedelt.
Darüber hinaus wurden bei mehreren Werften Restrukturierungen und
Kapazitätsanpassungen, insbesondere in Verbindung mit Insolvenzverwaltungen,
vorgenommen, die sich auch im Jahr 2012 fortsetzten.
14. Wie viele Insolvenzen gab es im deutschen Schiffbau nach Kenntnis der
Bundesregierung seit 2008 (bitte Unternehmen auflisten), und wie viele
Beschäftigte waren davon jeweils betroffen?
Als Folge der weltweiten Krise mussten in Deutschland folgende
Seeschiffswerften seit 2008 Insolvenz anmelden:
– Wadan Yards (Warnemünde und Wismar)
– Cassens Werft
– Lindenau Werft
– SMG Shipyard
Drucksache 17/11249 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode– SSW Schichau (Betrieb eingestellt und abgewickelt)
– Sietas Werft
– P+S Shipyards
Bei diesen Betrieben waren rund 6 000 Arbeitnehmer direkt beschäftigt.
Bis auf das abgewickelte Unternehmen SSW Schichau wurden alle Werften in
Insolvenz in der Regel mit angepassten Kapazitäten und geänderten
Geschäftskonzepten weitergeführt.
15. Wie stellt sich die Eigentümerstruktur der Werften in Deutschland nach
Kenntnis der Bundesregierung dar?
Die Werften in Deutschland befinden sich alle in Privateigentum.
16. Wie hat sich die durchschnittliche Betriebsgröße deutscher Werften nach
Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2000 entwickelt, und wie
stellt sich diese im Vergleich zu den führenden Weltschiffbaunationen
dar?
Die durchschnittliche Betriebsgröße deutscher Werften ist seit 2000 von 591
Beschäftigten auf 421 im Jahr 2012 gesunken. Dagegen bestimmen
insbesondere in den asiatischen Schiffbaunationen sehr große Werften, die zudem in
finanzstarke Konzerne eingebunden sind, den Schiffbaumarkt.
17. Wie haben sich die Zahl und die Altersstruktur der Beschäftigten im
deutschen Schiffbau nach Bundesländern nach Kenntnis der Bundesregierung
seit 2008 entwickelt (bitte in absoluten Zahlen und Anteil der
Beschäftigten am Gesamtarbeitsmarkt angeben)?
Die Anzahl der Beschäftigten im deutschen Schiffbau (einschl. Binnenschiff-,
Boots- und Yachtbau) in Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern sind der
nachfolgenden Tabelle zu entnehmen:
Quelle: VSM Jahresbericht 2011
Die Beschäftigtenzahl im deutschen Schiffbau ist seit 2008 um mehr als
20 Prozent gesunken. Der Anteil der Beschäftigten im deutschen Schiffbau am
Gesamtarbeitsmarkt ist sehr gering.
Nach einer Umfrage der IG Metall Küste, die 2012 bei den Werften
durchgeführt wurde und ca. 80 Prozent der im Schiffbau tätigen Mitarbeiter
repräsentiert, weist die durchschnittliche Altersstruktur keine besonderen Auffälligkei-
Bundesland 2008 2009 2010 2011
Schleswig-Holstein 4 766 4 565 4 252 4 217
Hamburg 2 667 2 595 2 212 1 918
Bremen 1 495 1 443 1 324 1 313
Niedersachsen 6 798 6 724 5 661 5 100
Mecklenburg-Vorpommern 6 194 4 916 3 961 4 524
übrige Länder 1 717 1 732 1 688 1 271
Gesamt 23 637 21 975 19 098 18 343
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/11249ten auf. Weder lassen die Ergebnisse auf eine „strukturelle Überalterung“ der
Belegschaften schließen, noch existieren Altersgruppen, die die Verteilung
abweichend von den Werten anderer vergleichbarer Industrien dominieren
würden.
Rund ein Fünftel aller Werftbeschäftigten hat das 30. Lebensjahr noch nicht
vollendet. Knapp 46 Prozent aller Beschäftigten befinden sich im Alter von 30
bis 50 Jahren. Mehr als ein Fünftel ist zwischen 51 und 60 Jahre alt und
lediglich sechs Prozent sind älter als 60 Jahre.
18. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der
Beschäftigung in den europäischen Schiffbauländern an der Gesamtbeschäftigung
auf den Werften in Europa entwickelt (bitte in absoluten Zahlen und
Prozent angeben)?
Die Beschäftigungssituation auf den Seeschiffswerften in Europa hat sich seit
2008 wie folgt entwickelt (Zahlen für 2011 liegen noch nicht vor):
Quelle: Community of European Shipyards Associations (CESA)
Land 2008 2009 2010
Beschäftigte Anzahl Anteil in % Anzahl Anteil in % Anzahl Anteil in %
Bulgarien 4 977 3,5 4 968 4,0 4 250 3,7
Kroatien 9 553 6,7 8 851 7,1 8 792 7,6
Dänemark 3 700 2,6 3 000 2,5 1 830 1,5
Finnland 4 630 3,3 4 500 3,7 3 800 3,3
Frankreich 17 100 11,9 16 400 13,2 16 400 14,3
Deutschland 23 600 16,4 19 200 15,4 18 000 15,7
Griechenland 2 324 1,7 2 487 2,0 2 319 2,0
Italien 12 142 9,8 11 790 9,5 11 640 10,1
Litauen 4 800 3,4 4 200 3,4 3 682 3,2
Niederlande 14 400 10,0 13 500 10,9 13 219 11,5
Norwegen 5 000 3,5 5 000 4,1 5 000 4,3
Polen 15 000 10,4 7 300 5,9 7 000 6,1
Portugal 1 592 1,2 1 572 1,3 1 304 1,1
Rumänien 10 100 7,0 8 160 6,6 8 075 7,0
Spanien 6 490 4,5 5 666 4,6 6 180 5,3
Großbritannien 8 300 5,8 8 300 6,7 3 000 2,6
Insgesamt 144 608 100 124 894 100 114 491 100
Drucksache 17/11249 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode19. Welchen Anteil umfassen nach Kenntnis der Bundesregierung die
Offshore-Windaktivitäten an der gesamten Geschäftstätigkeit deutscher
Werften (bitte Auftragsvolumen in Prozent und in Mio. Euro angeben),
und wie haben sich die Aufträge an deutsche Schiffbaubetriebe für
Spezialschiffe und schiffsähnliche Kapazitäten im Offshore-
Windenergiebereich seit 2008 entwickelt?
20. Wer sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Auftraggeber, und bis
zu welchem Zeitpunkt ist jeweils eine Ablieferung geplant?
Seit 2008 hat sich der Geschäftsbereich Offshore-Windenergie der deutschen
Werften positiv entwickelt. Aktuell verfügen die deutschen Werften im Bereich
Offshore-Wind nach Kenntnis der Bundesregierung über folgende Aufträge:
– Errichterschiff (Sietas AG/Van Oord, Niederlande)
– fünf Konverter-Plattformen (ca. 350 Mio. Euro Auftragswert insgesamt –
Nordic Yards/Siemens Energy und Nobiskrug)
– Windparkwartungsschiff (Nordic Yards/DBB Jack-Up Services A/S,
Dänemark)
– Wohnplattform (Nobiskrug/Vattenfall und Stadtwerke München).
Für einzelne Werften trägt damit das Offshore-Windenergiesegment inzwischen
erheblich zur Auslastung bei. Insgesamt liegt der Anteil dieses Segments an der
Werftauslastung jedoch unter zehn Prozent. Einigen Werften ist es zudem
gelungen, Aufträge aus dem Bereich Offshore Öl und Gas zu erhalten.
21. Wie stellt sich nach Einschätzung der Bundesregierung der weltweite und
nationale Kapazitätsbedarf im Segment der Offshore-Spezialschiffe und
der komplexen Offshore-Strukturen bis zum Jahr 2020 dar, und welche
Prognosen liegen diesen Annahmen zugrunde?
Nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG: „Offshore-
Wind-Potenziale für die deutsche Schiffbauindustrie“ können unter
optimistischer Annahme bis 2020 in Europa Offshore-Windenergie Anlagen mit einer
Leistung von 48 Gigawatt installiert werden. Für die Schiffbauindustrie ergibt
sich daraus ein mögliches Umsatzpotenzial von etwa 18 Mrd. Euro. Davon
entfallen auf die klassische Werfttätigkeit (Schiffbau, Umbau, Wartung etc.)
rund 6,5 Mrd. Euro und auf den Bau von Offshore Strukturen rund 11,5 Mrd.
Euro. Weltweite Zahlen hierzu liegen der Bundesregierung nicht vor.
22. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil deutscher
Werften am weltweiten Offshore-Markt seit 2008 entwickelt, und wie
bewertet die Bundesregierung das Marktpotenzial deutscher
Unternehmen im Spezialschiffbau für die Offshore-Windindustrie (bitte
Marktvolumen in Mio. Euro und Anteil am Schiffbaumarkt insgesamt angeben)?
Die Bundesregierung bewertet das Marktpotential deutscher Unternehmen aus
dem weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie im Spezialschiffbau als gut.
Der Bundesregierung hat keine Informationen über die Entwicklung des
weltweiten Offshore-Windenergie Marktes und den Anteil der deutschen Werften
daran.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/1124923. In welchem Umfang haben die Betreiber von Windenergieanlagen in der
deutschen Nord- und Ostsee nach Kenntnis der Bundesregierung seit
2008 Aufträge für Spezialschiffe und schiffsähnliche Kapazitäten im
Bereich der Offshore-Windenergie an deutsche Werften vergeben (bitte Zahl
der Aufträge, Marktanteil in Prozent und Auftragsvolumen in Mio. Euro
angeben)?
Nach Kenntnis der Bundesregierung wurden die Aufträge für den Bau von
Errichterschiffen für die Windenergieanlagen in der deutschen Nord- und Ostsee
mit einer Ausnahme an ausländische Werften vergeben.
24. In welchem Umfang wurden entsprechende Aufträge durch
Anlagenbetreiber in der deutschen Nord- und Ostsee nach Kenntnis der
Bundesregierung an ausländische Unternehmen vergeben (bitte Zahl der Aufträge,
Marktanteil in Prozent und Auftragsvolumen in Mio. Euro angeben)?
Nach Kenntnis der Bundesregierung hat von den Anlagenbetreibern RWE
Innogy zwei Errichterschiffe in Südkorea fertigen lassen, die in der deutschen
Nord- und Ostsee eingesetzt werden sollen. Des Weiteren hat Hochtief
Errichtungsschiffe, Hubinseln und Arbeitspontons bei einer polnischen Werft in
Auftrag gegeben.
25. Worin liegt nach Einschätzung der Bundesregierung der Grund für die
Auftragsvergabe von Spezialschiffen an Unternehmen im europäischen
und außereuropäischen Ausland?
Die Gründe für die jeweiligen Unternehmensentscheidungen sind der
Bundesregierung nicht bekannt.
26. Stimmt die Bundesregierung der Einschätzung von Experten zu, dass die
fehlende Verfügbarkeit von geeigneten Spezialschiffen die politischen
Ausbaupläne für die Energiewende gefährden könnte, und wenn ja,
welche Initiativen plant sie vor diesem Hintergrund für die 8. Nationale
Maritime Konferenz im April 2013?
Die Bundesregierung stimmt dieser Einschätzung nicht zu.
27. Welches sind nach Kenntnis der Bundesregierung die wesentlichen
Kompetenzen bzw. Berufsabschlüsse der für den Spezialschiffbau benötigten
Arbeitskräfte, und wie bewertet die Bundesregierung in diesem
Zusammenhang die Fachkräftesituation im deutschen Schiffbau?
Die Neuausrichtung und Diversifizierung der Unternehmen auf den Bau und
die Ausrüstung komplexer Spezialschiffe hat zu einem erhöhten Bedarf an
Ingenieuren aller schiffbaulich relevanten Fachrichtungen (Allg. und
Schiffsmaschinenbau, Elektrotechnik, Verfahrenstechnik, Wirtschaftsingenieurwesen
etc.) geführt. Insbesondere in der Fachrichtung Schiffbau und Meerestechnik
übersteigt der aktuelle Nachwuchsbedarf die Absolventenzahlen der
Schiffbauhochschulen deutlich.
Weiterhin gibt es auch einen erhöhten Bedarf an qualifizierten Facharbeitern,
z. B. Schiffbautechniker, Technische Systemplaner, Technische
Produktdesigner, Mechatroniker, Konstruktionsmechaniker.
Drucksache 17/11249 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode28. In welchem Umfang und in welchen Feldern ist nach Kenntnis der
Bundesregierung seit dem Jahr 2008 eine Fortbildung von Werftbeschäftigten
in Deutschland erfolgt (bitte in absoluten Zahlen und Anteil der
Fortgebildeten an der Gesamtbeschäftigtenzahl auf deutschen Werften angeben)?
Die Werften sind in der Qualifikation und Weiterbildung ihre Beschäftigten
sehr aktiv. Schwerpunkte sind die in der Antwort zu Frage 27 beschriebene
Aufqualifzierung von gewerblichen Mitarbeitern für Konstruktions- und
Arbeitsvorbereitungsaufgaben sowie die Weiterbildung aller Berufsgruppen
für die Anforderungen der Offshore-Industrie. Detaillierte Informationen
über Anzahl und Umfang der Fortbildungen liegen der Bundesregierung
nicht vor.
29. Wie viele Neueinstellungen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
seit 2008 von deutschen Werftunternehmen vorgenommen, um den
Fachkräftebedarf im Bereich Spezialschiffbau für die Offshore-Windindustrie
zu decken?
Nach Untersuchungen der IG Metall wurden auf deutschen Werften in den
letzten fünf Jahren rund 4 000 Neueinstellungen getätigt. Die Anzahl der
Neueinstellungen steigt seit 2009 kontinuierlich an und übersteigt mit 1 310 im
Zeitraum September 2011 bis September 2012 deutlich das Vorkrisenniveau der
Jahre 2005 bis 2007. Eine eindeutige Zuordnung der neuen Mitarbeiter auf
verschiedene Produktionsbereiche ist nicht möglich.
30. Wie hat sich der Anteil der Ingenieure und Techniker an der
Gesamtbeschäftigtenzahl auf deutschen Werften nach Kenntnis der
Bundesregierung entwickelt?
Der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) hat in den Jahren 2002,
2007 und 2012 die Personalstruktur und den Personalbedarf seiner
Mitgliedsunternehmen untersucht und hierbei auch den Anteil von Ingenieuren und anderen
Berufsabschlüssen auf Ingenieurarbeitsplätzen (z. B. Techniker) ermittelt. Die
Ingenieurquote an der Gesamtbelegschaft hat sich auf Werften folgendermaßen
entwickelt (inklusive Prognose der Unternehmen für das Jahr 2015):
Jahr 2002 2007 2012
2015
(Plan)
Quote der Ingenieure
an der Gesamtbelegschaft 11,6 % 13,8 % 19,7 % 22,7 %
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 15 – Drucksache 17/1124931. Wie hat sich die durchschnittliche Leiharbeitsquote im deutschen
Schiffbau nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2008 entwickelt, und wie
stellt sich der Lohnunterschied zwischen Leiharbeitskräften und
Stammbelegschaft dar?
Die durchschnittliche Zeitarbeiterquote im deutschen Schiffbau entwickelte
sich in den Jahren 2008 bis 2012 wie folgt:
Quelle: IG-Metall Küste „Beschäftigung, Auftragslage und Perspektiven im deutschen Schiffbau
Ergebnisse der 21. Betriebsrätebefragung September 2012“
Informationen über die Lohnunterschiede zwischen Zeitarbeitskräften und der
Stammbelegschaft im deutschen Schiffbau liegen der Bundesregierung nicht
vor.
32. Wie viele Auszubildende sind nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit
auf deutschen Werften insgesamt beschäftigt, und wie hat sich die
Ausbildungsquote seit 2008 entwickelt (bitte die zehn führenden Werften
nach der Höhe der Ausbildungsquote auflisten)?
Aktuell sind laut Schiffbauumfrage der IG Metall Küste auf deutschen Werften
insgesamt 1 121 Auszubildende (2011: 1.241) beschäftigt. Nach Informationen
der IG-Metall Küste „Beschäftigung, Auftragslage und Perspektiven im
deutschen Schiffbau Ergebnisse der 21. Betriebsrätebefragung September 2012“ hat
sich die Ausbildungsquote auf deutschen Werften seit 2008 wie folgt
entwickelt:
Eine Liste der Ausbildungsquoten einzelner Werften wird von der IG Metall
Bezirk Küste veröffentlicht.
33. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der unbesetzten
Ausbildungsstellen seit 2008, und welche Hauptursachen sieht die
Bundesregierung für die Nichtbesetzung der Ausbildungsplätze?
Laut Auskunft des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik konnten die
Ausbildungsplätze in der Schiffbauindustrie vollständig besetzt werden.
Jahr Zeitarbeiterquote
2008 16,6 %
2009 10,4 %
2010 11,9 %
2011 12,9 %
2012 13,9 %
Jahr Ausbildungsquote
2008 7,7 %
2009 8,0 %
2010 8,1 %
2011 7,9 %
2012 6,9 %
Drucksache 17/11249 – 16 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode34. Welches sind nach Kenntnis der Bundesregierung die zehn wichtigsten
Ausbildungsberufe im Werftenbereich (bitte nach der Zahl der
Auszubildenden auflisten)?
Nach Angaben des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) sind die
nachfolgenden zehn Ausbildungsberufe die wichtigsten im deutschen Schiffbau
(Stand: Dezember 2011). Der Prozentsatz gibt den Anteil an den gesamten
Auszubildenden wieder:
Konstruktionsmechaniker (Schiffbau) 28 Prozent
Industriemechaniker 17 Prozent
Konstruktionsmechaniker (Schweißtechnik) 10 Prozent
Fertigungsmechaniker 10 Prozent
Anlagenmechaniker (Rohrsystemtechnik) 8 Prozent
Technischer Zeichner 7 Prozent
Konstruktionsmechaniker (Schweißtechnik) 7 Prozent
Mechatroniker 6 Prozent
Industriekaufmann 4 Prozent
Elektroniker 3 Prozent.
35. Wann wird die Bundesregierung das angekündigte Konzept für eine
Förderung des dualen Studiums in Schiffbau und Meerestechnik vorlegen,
und welches Finanzvolumen hat sie dafür vorgesehen?
Auf der Siebten Nationalen Maritimen Konferenz in Wilhelmshaven hat die
Arbeitsgruppe Schiffbau in ihren Handlungsempfehlungen dazu aufgefordert, an
einem Intensivierungskonzept für das sehr erfolgreiche Duale Studium zu
arbeiten. In der maritimen Koordinierung durch die Bundesregierung spielt das
Thema Ausbildung und Fachkräfte eine wichtige Rolle. Es sind Anstrengungen
aller Beteiligten, insbesondere der Bundesländer und der Werften notwendig,
um das Duale Studium für den Schiffbau auch in Zukunft attraktiv zu gestalten.
36. In welchen Schiffbauländern gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung
derzeit staatliche Interventionen im Werftenbereich, und um welche
Formen der Intervention zugunsten der nationalen Schiffbauindustrie handelt
es sich dabei im Einzelnen?
In den meisten Schiffbauländern gibt es Interventionen zugunsten des
Schiffbaus. Finanzierungsinstrumente spielen hierbei eine herausragende Rolle.
Hierzu gehören sowohl staatlich unterstützte Exportkredite als auch staatliche
Kredite und Garantien zur Finanzierung von Werften insbesondere zur
Sicherstellung der Liquidität bzw. zur Unterstützung der Bauzeitfinanzierung von
einzelnen Schiffsprojekten. Darüber hinaus haben sich einige Staaten an
nationalen Werften beteiligt. Die meisten Staaten unterstützen durch spezielle
Förderprogramme Forschung, Entwicklung und Innovationen in der maritimen
Branche.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 17 – Drucksache 17/1124937. In welchen europäischen Schiffbauländern existieren nach Kenntnis der
Bundesregierung derzeit komplett oder teilweise staatlich kontrollierte
Werften, und um welche Unternehmen handelt es sich dabei im Einzelnen
(bitte den staatlichen Anteil am Eigentum in Prozent benennen)?
Staatliche Werften bzw. Werftbeteiligungen bestehen in den folgenden Nationen.
Frankreich: STX Europe 33 Prozent; DCNS 100 Prozent
Italien: Fincantieri 100 Prozent
Kroatien: Brodotrogir, Brodosplit, Kraljevica, 3. Maj, Uljanik;
Privatisierung in Vorbereitung
Portugal: ENVC; Privatisierung in Vorbereitung
Spanien: Navantia 100 Prozent
38. Welche Instrumente bzw. Stützungsprogramme nutzen nach Kenntnis der
Bundesregierung die wichtigsten Schiffbauländer derzeit, um ihre
nationalen Werftbetriebe zu unterstützen?
Es wird auf die Antwort zu Frage 36 verwiesen.
39. Welche finanziellen Hilfen haben Bund und nach Kenntnis der
Bundesregierung Länder seit 2008 für den deutschen Schiffbau bereitgestellt, und
welches Volumen umfassten diese bisher (bitte in Mio. Euro angeben)?
Im Haushaltstitel 09 02-892 10 „Innovationsbeihilfen zugunsten der deutschen
Werftindustrie“ sind 42,8 Mio. Euro (inklusive Kofinanzierung durch die
Bundesländer) im oben genannten Zeitraum abgeflossen.
Für die inzwischen ausgelaufenen Haushaltstitel „Zinszuschüsse zur
Finanzierung von Aufträgen an deutsche Schiffswerften (09 02-662 74)“ und
„Wettbewerbshilfen für den deutschen Schiffbau (09 02-683 74)“ wurden 7,6 Mio.
bzw. 10,9 Mio. Euro im gefragten Zeitraum bereitgestellt.
Darüber hinaus wurden aus dem Haushaltstitel „Zinsausgleichsystem auf
CIRR-Basis (09 02-662 75/662 11)“ 1,1 Mio. Euro für die Abwicklung von
Altfällen auf Basis der Förderrichtlinie vom 24. August 2004 eingesetzt.
40. Welches Volumen hatten staatliche Bürgschaften, Garantien und sonstige
Gewährleistungen zur Förderung des deutschen Schiffbaus seit dem Jahr
2008 (bitte nach Jahren aufschlüsseln), und wie teilen sich diese nach
Bund und nach Kenntnis der Bundesregierung Ländern auf?
a) Exportkreditgarantien
Ein Förderungsrahmen speziell für die Absicherung von Schiffbauexporten
mit Exportkreditgarantien des Bundes besteht nicht.
Die Bundesregierung hat in der Zeit von 2008 bis 31. August 2012 rund
16 Mrd. Euro für Exporte aus dem Bereich Schiffbau in Deckung
genommen.
Jahr in Euro
2008 2 730 209 222
2009 2 919 158 449
2010 3 008 399 565
2011 4 766 002 710
2012 (per 31.08.) 2 623 480 400
16 047 250 346
Drucksache 17/11249 – 18 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeb) CIRR
Das Volumen der in den Jahren 2008 bis 2011 jeweils gewährten
Zinsausgleichsgarantien unter dem deutschen Schiffs-CIRR-Programm (jeweils
Stand Jahresende) kann der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.
c) Inlandsbürgschaften
In den Jahren 2008 bis 30. September 2012 wurden folgende
Inlandsbürgschaften (in Mio. Euro) zugunsten der deutschen Schiffbauindustrie
vergeben.
41. In welchem Umfang wurden diese nach Kenntnis der Bundesregierung
jeweils in Anspruch genommen (bitte in Mio. Euro und in Prozent
angeben), und an welche Werftbetriebe wurden sie im Einzelnen vergeben?
a) Exportkreditgarantien
Insgesamt wurden in den Jahren 2008 bis 31. August 2012
Exportkreditgarantien in Höhe von rund 16 Mrd. Euro in Deckung genommen.
b) CIRR
Bislang befinden sich sechs CIRR-Zinsausgleichsgarantien mit einem
Gesamtvolumen von 3,23 Mrd. Euro verbindlich im CIRR-Zinsausgleich. Ein
Teil der zugesagten CIRR-Zinsausgleichsgarantien wurde zurückgegeben,
bei anderen haben die Garantienehmer noch die Möglichkeit der Rückgabe.
c) Inlandsbürgschaften
Kredite bzw. Bürgschaften wurden von den betreffenden Werften in
folgendem Umfang abgerufen.
Angaben, welche Werftbetriebe welche Hilfen in Anspruch genommen
haben, sind wegen des Schutzes von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen
nicht möglich.
Jahr Anzahl der Schiffe Betrag in Euro
2008 18 2 039 514 519
2009 19 2 112 520 000
2010 21 4 122 092 308
2011 12 983 300 000
Jahr Kreditsumme Bürgschaft Anteil Länder Anteil Bund
2008 366,1 294,4 294,4 0,0
2009 629,9 503,0 477,0 26,0
2010 743,0 637,5 415,1 222,4
2011 397,6 320,0 310,2 9,8
bis 09/2012 401,9 352,7 276,5 76,2
Jahr Kreditsumme Bürgschaft Anteil Länder in % Anteil Bund in %
2008 325,3 260,5 260,5 100,0 0,0 0,0
2009 593,0 473,0 447,0 94,5 26,0 5,6
2010 701,7 601,7 381,4 63,4 220,3 36,6
2011 357,6 287,5 278,8 97,0 8,7 3,0
bis 09/2012 285,6 242,7 207,7 85,6 35,0 14,4
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 19 – Drucksache 17/1124942. In welchem Umfang mussten Bund und nach Kenntnis der
Bundesregierung Länder für die Forderungen der Kreditgeber eintreten (bitte für Bund
und einzelne Länder in absoluten Zahlen und Prozent aufschlüsseln)?
a) Exportkreditgarantien
Aus der Absicherung von Schiffsgeschäften mit Exportkreditgarantien des
Bundes wurden von 2008 bis zum 31. August 2012 für vier Geschäfte
Entschädigungszahlungen in Höhe von insgesamt rund 23,49 Mio. Euro
geleistet. Dies sind 0,15 Prozent bezogen auf die in Deckung genommene Summe
von rund 16 Mrd. Euro.
b) CIRR
Aus der Förderrichtlinie vom 19. Dezember 2007 wurde der Bund bisher
nicht in Anspruch genommen.
c) Inlandsbürgschaften
Vom 1. Januar 2008 bis zum 30. September 2012 sind die Länder und der
Bund für Forderungen der Kreditgeber wie folgt eingetreten:
In der Freie und Hansestadt Hamburg wurden insgesamt 14 Mio. Euro an die
Kreditgeber geleistet. Davon haben Hamburg und der Bund jeweils 7 Mio.
Euro übernommen.
In Mecklenburg-Vorpommern wurden bislang insgesamt 9,8 Mio. Euro
ausschließlich durch das Land geleistet. Aufgrund der Insolvenz der P+S
Werften werden auf den Bund und das Land weitere Entschädigungszahlungen
zukommen.
In Niedersachsen wurden insgesamt rund 26,7 Mio. Euro an die Kreditgeber
ausgekehrt. Der Anteil des Landes betrug dabei 25,1 Mio. Euro (94,1
Prozent) und der des Bundes 1,6 Mio. Euro (5,9 Prozent).
43. In welcher Höhe wurden im Rahmen der Kreditprogramme der KfW
Bankengruppe seit 2009 Fördermittel für den Schiffbau zur Verfügung
gestellt (bitte in absoluten Zahlen und in Prozent angeben), und inwieweit
handelte es sich dabei um sogenannte verlorene Zuschüsse?
Seit dem Jahre 2009 wurden im Rahmen der KfW-Kreditprogramme
Fördermittel in Höhe von 286,1 Mio. Euro für den Schiffbau zur Verfügung gestellt.
Die Fördermittel in Höhe von 286,1 Mio. Euro wurden vollständig als Kredite,
Nachrangdarlehen und Eigenkapital/Beteiligungen vergeben. Die KfW
Bankengruppe gewährt im Bereich der gewerblichen Finanzierung –
branchenunabhängig – keine verlorenen Zuschüsse.
Bezogen auf die gesamten seit dem Jahr 2009 im Rahmen der gewerblichen
KfW-Förderprogramme zur Verfügung gestellten Fördermittel ergibt sich ein
Anteil des Schiffbaus von 0,3 Prozent.
44. Welche schiffbauspezifischen Förderprogramme des Bundes existieren
darüber hinaus, und welches Volumen umfassen diese in den
Bundeshaushalten seit dem Jahr 2008?
45. In welchem Umfang wurden diese Förderprogramme bisher in Anspruch
genommen (bitte in Mio. Euro und Prozent angeben), und welche
Projekte wurden damit gefördert?
Es bestehen darüber hinaus keine weiteren Förderprogramme des Bundes.
Drucksache 17/11249 – 20 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode46. In welchem Rahmen kann eine Förderung des Baus beweglicher
Offshore-Strukturen in Deutschland erfolgen, und welche Möglichkeiten
sieht die Bundesregierung vor dem Hintergrund der neuen
Rahmenbestimmungen der Europäischen Union (EU) für Schiffbaubeihilfen, um
eine verstärkte Absicherung entsprechender Vorhaben zu erreichen?
Im Dezember 2011 hatte die Europäische Kommission für die Jahre 2012 und
2013 einen neuen Rechtsrahmen für Beihilfen für den Schiffbau in der
Europäischen Union beschlossen. Die Bundesregierung hat die EU-Bestimmungen in
der Richtlinie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zum
Förderprogramm „Innovativer Schiffbau sichert wettbewerbsfähige
Arbeitsplätze“ vom 25. Juli 2012 umgesetzt. Damit wurde der Anwendungsbereich der
Innovationsförderung auch auf schwimmende und bewegliche Offshore-
Strukturen ausgeweitet. Gefördert werden können danach Innovationen im Bereich
Strukturen, die der Exploration, Gewinnung oder Erzeugung von Öl, Gas und
erneuerbaren Energien dienen, und die außer dem Eigenantrieb die Merkmale
eines Handelsschiffs aufweisen und dafür ausgelegt sind, im Betrieb mehrfach
bewegt zu werden. Die Innovationsrichtlinie sieht eine Bezuschussung von bis
zu 20 Prozent der förderfähigen Kosten vor. Im Falle von besonderen
Verbesserungen für die Umwelt kann jetzt der Fördersatz auf 30 Prozent erhöht werden.
47. Welche Schlussfolgerung zieht die Bundesregierung aus dem Vorschlag,
das bestehende Sonderprogramm der KfW Bankengruppe „Offshore-
Windenergie“ zu erweitern, um verstärkt den Bau der benötigten
Spezialschiffe sowie der erforderlichen Hafeninfrastruktur in Deutschland zu
fördern, und wie begründet sie ihre Haltung?
Das bestehende KfW-Sonderprogramm ist speziell für die Errichtung von
Offshore-Windparks ausgerichtet und nicht für die Finanzierung von
Hafeninfrastrukturen oder für Errichterschiffe geeignet. Die Einführung des Fünf-
Milliarden-Euro-Sonderprogramms für die Errichtung von Offshore-Windparks, das
Kredite zu Marktkonditionen gerade für kleine bis mittelgroße Unternehmen
und Stadtwerke anbietet, war notwendig, um die Energiewende in Deutschland
in Gang zu bringen. Die Situation ist bei Errichterschiffen und Häfen aus Sicht
der Bundesregierung nicht vergleichbar. Die Bundesregierung steht aber in
dieser Frage im Austausch mit Ländern und Wirtschaft.
48. Welche Schlussfolgerung zieht die Bundesregierung aus dem alternativen
Vorschlag eines gesonderten Kreditprogramms der KfW Bankengruppe
zur Finanzierung von Spezialschiffen und Offshore-Strukturen, und
welches der beiden Konzepte präferiert sie?
Es wird auf die Antwort zu Frage 47 verwiesen.
49. Welche weiteren Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, den
deutschen Schiffbau bei seiner strategischen Neuausrichtung zu unterstützen?
Neben den bereits genannten Förderinstrumenten unterstützt das
Forschungsprogramm „Maritime Technologien der nächsten Generation“ bei der
strategischen Neuausrichtung zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit im Schiffbau.
Hierzu wurden unter anderem Förderschwerpunkte für die Themen
„Schiffstechnik“ und „Produktion maritimer Systeme“ definiert.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 21 – Drucksache 17/1124950. Hat die Bundesregierung ihre Prüfung hinsichtlich einer Förderung
moderner Umwelttechnologie an Bord von Schiffen aus dem
Umweltprogramm der KfW Bankengruppe und weiteren Bundesprogrammen
inzwischen abgeschlossen (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die
Kleine Anfrage der Fraktion der SPD auf Bundestagsdrucksache 17/
9500), und wenn ja, zu welchem Ergebnis kommt sie dabei?
Im Rahmen des KfW-Umweltprogramms ist eine Finanzierung besonders
umweltfreundlicher Schiffe bzw. moderner Umwelttechnologien grundsätzlich
möglich.
51. Hat die Bundesregierung inzwischen die Förderkriterien für eine
Nachrüstung von Schiffen mit Abgasentschwefelungsanlagen im Rahmen des
Umweltprogramms der KfW Bankengruppe formuliert (vgl. Antwort der
Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion der SPD auf
Bundestagsdrucksache 17/9500), und wenn ja, welche Elemente
umfassen diese?
Die Nachrüstung von Schiffen mit Anlagen zur Abgasentschwefelung (insb.
durch sogenannte dry Scrubber) kann über das KfW-Umweltprogramm
dargestellt werden. Voraussetzung für eine Förderung ist unter anderem die
Eintragung des Schiffes in ein deutsches Schiffsregister und die grundsätzliche
Begrenzung auf Schiffe unter deutscher Flagge. Darüber hinaus muss der
Unternehmenssitz der antragstellenden Reederei in Deutschland liegen.
52. Hat die Bundesregierung die Prüfung der im März 2012 vorgelegten
Vorschläge der Expertengruppe „Bauzeit- und Endfinanzierung von
Schiffsneubauten deutscher Werften“ für ein spezielles Förderprogramm „Green
Shipping“ auf der Basis der Leitlinien der Gemeinschaft für staatliche
Umweltschutzbeihilfen inzwischen abgeschlossen, und wenn ja, zu
welchem Ergebnis kommt sie dabei?
Insbesondere aufgrund nicht vorhandener haushaltspolitischer Spielräume wird
dieser Vorschlag nicht weiter verfolgt.
53. Wie hat sich der Haushaltstitel „Maritime Technologien“ bzw.
„Schifffahrt und Meerestechnik“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Technologie seit 2008 entwickelt, und wie hoch war die Quote der
abgeflossenen Mittel?
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie stellt im Rahmen des
Förderprogramms „Maritime Technologien der nächsten Generation“
Fördermittel überwiegend für industriegeführte Verbundvorhaben zur Verfügung, in
denen Unternehmen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen im FuE-
Bereich zur Stärkung der deutschen Schiff- und meerestechnischen Industrie
zusammenarbeiten. Bis 2010 lief dieses Programm unter dem Namen
„Schifffahrt und Meerestechnik für das 21. Jahrhundert“. Die bereitgestellten
Haushaltmittel hierfür und den Mittelabfluss in den Jahren 2008 bis 2011 sind der
nachfolgenden Tabelle zu entnehmen:
Jahr
Haushaltssoll in
1 000 Euro
Mittelabfluss in
1 000 Euro Mittelabfluss in %
2008 23 471 18 676 79,57
2009 25 771 22 127 85,86
2010 27 871 29 418 105,55
2011 28 271 27 742 98,13
Drucksache 17/11249 – 22 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode54. Welche wesentlichen Projekte und Fördermaßnahmen wurden seither im
Rahmen der oben genannten Haushaltstitel gefördert?
Seit 2008 wurden nachfolgende wesentliche Projekte aus dem Titel gefördert.
55. Welche Unternehmen haben sich seit 2008 an Projekten beteiligt, die aus
dem Haushaltstitel „Maritime Technologien“ bzw. „Schifffahrt und
Meerestechnik“ finanziert wurden bzw. werden?
Seit 2008 wurden 98 verschiedene Unternehmen aus den genannten
Haushaltstiteln gefördert. Auszugsweise sind die 20 Unternehmen mit dem größten
Anteil an der Bewilligungssumme aufgelistet.
Aker Wirth GmbH
ATLAS ELEKTRONIK GmbH
Blohm+Voss Industries GmbH
BRUGG Rohrsysteme GmbH
Carl Cloos Schweißtechnik GmbH
Caterpillar Motoren GmbH & Co. KG
ENITECH Energietechnik/Elektronik GmbH
Flensburger Schiffbau-Gesellschaft mbH & Co. KG
Fr. Lürssen Werft GmbH & Co. KG
Germanischer Lloyd SE
Hamburgische Schiffbau-Versuchsanstalt GmbH
IMPaC Offshore Engineering GmbH
Joh.Heinr. Bornemann GmbH
Meyer Werft GmbH
Nexans Deutschland GmbH
Projekt Beschreibung
Cview Unterwasserinspektion von Schiffshüllen, Piers und Anlegestellen durch autonome
Unterwasser-Fahrzeuge
DNS Tiefsee Druckneutrale Systeme Tiefsee
ECUP3000 Entwicklung eines integrierten Systems von Instrumenten zur optimierten Offshore-
Förderung von Kohlenwasserstoffen bis 3 000 Meter Tiefe
EMI-MINI 2 Halbierung der Schadstoffemissionen bei großen Schiffsdieselmotoren im Schweröl-
Common-Rail-Betrieb
FAME Krafstoff- und Sauerstoffmanagement zur Emissionsreduzierung
HTS HTS-Antriebsplattform mit HTS-Synchronmaschine für Voll-Elektrische Schiffe
ISUP Integriertes Unterwasserproduktionssystem für Kohlenwasserstoffe
KAPITAS Kabel- und Pipeline-Inspektion in der Tiefsee mit autonomen Systemen
MPLS20 Offshore LNG-Verladesystem mit flexibler Transferleitung
QuInLas Qualitätsgerechte 3D Laser-Schweißbearbeitung innovativer Schiffskonstruktionen
SUGAR Submarine Gashydrat-Lagerstätten – Phase 1 Erkundung, Abbau und Transport
SUGAR II Submarine Gashydrat-Lagerstätten – Phase 2 Erdgasproduktion und CO2-Speicherung
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 23 – Drucksache 17/11249Raytheon Anschütz GmbH
SAM Electronics GmbH
Schiffbau-Versuchsanstalt Potsdam GmbH
Siemens Aktiengesellschaft – Corporate Technology
WTZ für Motoren- und Maschinenforschung Roßlau gGmbH.
56. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der
öffentlichen Beschaffungen am Auftragsvolumen der deutschen Werften?
Der Anteil öffentlicher Beschaffungen (Bund, Länder, Kommunen etc.) an dem
Auftragsvolumen der Seeschiffswerften im zivilen Bereich betrug Mitte 2012
rund zwei Prozent mit einem Wert von 155 Mio. Euro (gesamter
Auftragsbestand 7,9 Mrd. Euro). Bei den Binnenschiffswerften betrug der Anteil Ende
2011 zwölf Prozent mit einem Wert von rund 38 Mio. Euro (gesamter
Auftragsbestand 319 Mio. Euro).
57. In welchen Bereichen sind nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2008
frühere Auftragsvergaben für öffentliche Schiffbauaufträge durch
Bundesministerien und -behörden sowie durch Landesregierungen und -
behörden erfolgt, und welches Finanzvolumen umfassten diese?
a) Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
In 2011 hat das BMBF zusammen mit den Küstenländern Niedersachsen,
Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern den
Bauauftrag für das Tiefseeforschungsschiff SONNE mit einem
Finanzvolumen von 124,4 Mio. Euro an eine deutsche Bauwerft erteilt.
b) Bundesministerium des Innern (BMI)
Es wurden für die Bundespolizei keine neuen Schiffbauaufträge erteilt. Es
lief jedoch die Beschaffung von fünf Kontroll- und Streifenbooten mit
Zahlung von ca. 2,7 Mio. Euro aus.
Für regelmäßige Instandhaltungsmaßnahmen an allen Einsatzschiffen sowie
Kontroll- und Streifenbooten wurden im angefragten Zeitraum Aufträge im
Wert von ca. 10,9 Mio. Euro an deutsche Werften erteilt. Das Technische
Hilfswerk hat Außenbordmotore und offene Arbeitsboote im Wert von
rund 577 000 Euro beschafft.
c) Bundesministerium der Finanzen (BMF)
Seit 2008 sind folgende öffentliche Aufträge für Schiffsbauten (Zollboote)
im Geschäftsbereich des BMF vergeben worden:
A Schiffsbauten
Lfd.
Nr.
Verwendungsbereich Name des
Zollboots Baujahr
Investitionsvolumen in Mio. Euro
1 Seegehendes Zollboot der Küstenwache Helgoland 2009 68 (für lfd. Nr 1 und 2)
2 Seegehendes Zollboot der Küstenwache Borkum 2010 in Nr. 1 enthalten
3 Zollboot der küstennahen Überwachung Glückstadt 2011 3
B Andere Maßnahmen im Bereich „Schiffsbau“
1 Ummotorisierung von 2 Zeitraum
Zollbooten der 28m-Klasse 2011/2012 6
Drucksache 17/11249 – 24 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperioded) Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS)
Schiffbauaufträge im Geschäftsbereich des BMVBS werden im Rahmen von
EU-weiten Offenen Verfahren sowohl an deutsche Werften als auch an
Werften weiterer EU-Mitgliedstaaten vergeben.
Auftragsvergaben sind im Zeitraum 2008 bis 2011 im Bereich der Wasser-
und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (Kapitel 12 03) in Höhe von
insgesamt 365 774 000 Euro erfolgt. Hiervon wurden Ausgaben in Höhe von
78 295 000 Euro aus den Konjunkturprogrammen der Jahre 2009 bis 2011
verausgabt.
Die Aufteilung (Beschaffungen und Grundinstandsetzungen von
Wasserfahrzeugen) auf die einzelnen Titel und Haushaltsjahre ist der nachfolgenden
Tabelle zu entnehmen.
Darüber hinaus wurden aus den Konjunkturprogrammen in den Jahren 2009
bis 2011 insgesamt 78 Mio. Euro für Beschaffungen und
Grundinstandsetzungen an Wasserfahrzeugen verausgabt.
Im Bereich des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH,
Kapitel 12 08) wurden in den Jahren seit 2008 keine Aufträge für den
Erwerb von Schiffen erteilt.
e) Bundesministerium der Verteidigung (BMVg)
Das BMVg hat im Dezember 2008 den Schiffbauauftrag für den
Einsatzgruppenversorger Klasse 702 – 2. Los mit einem Volumen von rund 330 Mio.
Euro vergeben. Seither erfolgten keine weiteren Schiffbauaufträge.
Bereich Titel 811 11
Betrieb und
Unterhaltung
In 1 000 Euro
Titel 811 12
Maritime
Notfallvorsorge
In 1 000 Euro
Titel 811 31
Lotswesen
In 1 000 Euro
Summe
In 1 000 Euro
2008 45 929 2 926 23 820 72 675
2009 60 760 2 902 30 581 94 243
2010 28 538 5 009 38 874 72 421
2011 40 082 2 749 5 309 48 140
Summe 175 309 13 586 98 584 287 479
Bereich Betrieb und
Unterhaltung
In 1 000 Euro
Lotswesen
In 1 000 Euro
Summe
In 1 000 Euro
2009 10 669 5 132 15 801
2010 13 204 10 323 23 527
2011 22 012 16 955 38 967
Summe 45 885 32 410 78 295
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 25 – Drucksache 17/1124958. Wie sehen die mittelfristigen Finanzplanungen der Bundesregierung bzw.
der jeweiligen Bundesministerien in Bezug auf Neuanschaffungen und/
oder Reparaturen von bundeseigenen nicht militärischen
Wasserfahrzeugen aus, und welches Finanzvolumen haben die geplanten
Beschaffungsvorhaben?
a) Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Das BMBF plant für diese Dekade Bauaufträge für die Nachfolgebauten der
Forschungsschiffe POLARSTERN (Kostenschätzung 450 Mio. Euro),
POSEIDON (Kostenschätzung 110 Mio. Euro) und METEOR
(Kostenschätzung 160 Mio. Euro) zu vergeben. Die konkreten Investitionsvolumina sind
jedoch abhängig von den Ergebnissen der noch durchzuführenden
Ausschreibungsverfahren.
Hinreichend verlässliche Angaben zu den Reparaturkosten der
Forschungsschiffe im Geschäftsbereich des BMBF können nicht gemacht werden, da
die Reparaturfälle weder nach der Zahl und Art noch nach der jeweiligen
Höhe abgeschätzt werden können.
b) Bundesministerium der Finanzen (BMF)
Im Hinblick auf die noch in der Ressortabstimmung befindlichen Entwürfe
der gemeinsamen Einsatzkonzeption und des Dislozierungskonzepts sind im
BMF-Entwurf des Bundeshaushalts 2013 und im Finanzplan 2012 bis 2016
keine Haushaltsmittel für die Neubeschaffung von Zollbooten veranschlagt
worden. Notwendige Reparaturen an Zollbooten werden regelmäßig im
Rahmen von Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt.
c) Bundesministerium des Innern (BMI)
Die Finanzplanung der Bundesregierung enthält für Neuanschaffungen von
Wasserfahrzeugen der Bundespolizei derzeit keine Haushaltsmittel.
Für Instandhaltungsmaßnahmen enthält die Finanzplanung der
Bundesregierung für Wasserfahrzeuge der Bundespolizei jährlich ca. 2,7 Mio. Euro.
d) Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS)
In der mittelfristigen Finanzplanung des BMVBS für Ersatzbeschaffungen
und Grundinstandsetzungen im Bereich der Wasser- und
Schifffahrtsverwaltung sind durchschnittliche Ausgaben von jährlich 39 000 000 Euro
vorgesehen. Die Aufteilung auf die einzelnen Titel und Haushaltsjahre ist
nachfolgender Tabelle zu entnehmen.
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) plant für das
Jahr 2014 die Beauftragung eines Ersatzneubaus für das Vermessungs-,
Wracksuch- und Forschungsschiff ATAIR. Hierzu ist im Entwurf des Bun-
Bereich Titel 811 11
Betrieb und
Unterhaltung
In 1 000 Euro
Titel 811 12
Maritime
Notfallvorsorge
In 1 000 Euro
Titel 811 31
Lotswesen
In 1 000 Euro
Summe
In 1 000 Euro
2012 28 000 5 000 9 794 42 794
2013 28 000 5 000 8 705 41 705
2014 28 000 5 000 5 094 38 094
2015 28 000 5 000 803 33 803
Drucksache 17/11249 – 26 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodedeshaushalts 2013 bei Kapitel 12 08 Titel 811 01 eine
Verpflichtungsermächtigung über 84 670 000 Euro veranschlagt, davon fällig im
Haushaltsjahr 2014 21 168 000 Euro
Haushaltsjahr 2015 16 395 000 Euro
Haushaltsjahr 2016 25 399 000 Euro
Haushaltsjahr 2017 21 168 000 Euro.
Die durchschnittlichen Reparatur- und Wartungskosten für alle BSH-Schiffe
lagen in den letzten Jahren bei durchschnittlich 1 800 000 Euro. Es ist davon
auszugehen, dass auch im mittelfristigen Finanzplanungszeitraum mit
vergleichbaren Beträgen für Reparatur- und Wartungskosten zu rechnen ist.
e) Bundesministerium der Verteidigung (BMVg)
Mittelfristig plant das BMVg keine Beschaffung von nicht-militärischen
Wasserfahrzeugen.
59. Wie sehen die mittelfristigen Finanzplanungen der Bundesregierung in
Bezug auf Neuanschaffungen und/oder Reparaturen von militärischen
Schiffen aus, und welches Finanzvolumen haben die geplanten
Beschaffungsvorhaben?
Derzeit befinden sich noch drei Korvetten Klasse K130, vier Fregatten Klasse
F125 und zwei U-Boote Klasse U212A – 2. Los mittelfristig im Zulauf.
Aufgrund der Neuausrichtung der Bundeswehr werden die bisher mittel- bis
langfristig in Betracht gezogenen Neubeschaffungen einer kritischen Prüfung
unterzogen. Belastbare Aussagen sind daher derzeit nicht möglich. Im Titel für
Materialerhalt veranschlagte Summen enthalten auch Anteile für
Instandsetzungen im Marinearsenal und können nicht im Vorhinein in Werft- und
Arsenalanteile aufgeteilt werden.
Die anliegende Tabelle gibt eine Übersicht über die im Bundesministerium der
Verteidigung für Rüstungsinvestitionen Schiffe und Materialerhalt geplanten
Finanzvolumina.
60. Welche Programme der Entwicklungszusammenarbeit ermöglichen
derzeit eine Förderung von Schiffbauprojekten, und in welchem Umfang
wurden seit 2008 Schiffsneubauten für den Export in Entwicklungsländer
mit Bundeshaushaltsmitteln gefördert?
61. Um welche Schiffstypen handelt es sich dabei, und für welche Länder
sind diese vorgesehen?
Transport, der die Schifffahrt umfasst, gehört nicht zu den Bereichen, in denen
die entwicklungspolitische Zusammenarbeit schwerpunktmäßig tätig ist.
Indonesien wurden anknüpfend an eine langjährige Zusammenarbeit im
Fährschiffbereich im Jahr 2010 im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit 100 Mio.
Euro (davon 48,5 Mio. Euro aus Haushaltsmitteln) für eine Fähre einer neuen
In 1 000 Euro 2013 2014 2015 2016
Rüstungsinvestitionen
Schwimmendes Gerät 620 000 560 000 485 000 473 000
Materialerhalt
Schiffe/Boote 265 000 260 000 270 000 250 000
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 27 – Drucksache 17/11249Generation zugesagt. Timor Leste wurden ebenfalls anknüpfend an eine längere
Zusammenarbeit im maritimen Bereich im Rahmen der finanziellen
Zusammenarbeit im Jahr 2011 6 Mio. Euro für eine „Maritime Transportverbindung
zwischen der Nord- und der Südküste Timor-Lestes“ zugesagt. Erst im Rahmen
von Machbarkeitsstudien werden die genauen Schifftypen entsprechend dem
konkreten Bedarf der Partner festgelegt.
62. Welche anderen Schiffbaunationen bieten nach Kenntnis der
Bundesregierung derzeit speziell auf Entwicklungsländer ausgerichtete
Finanzierungsinstrumente zur Werftenförderung, und welche Möglichkeiten sieht
die Bundesregierung in diesem Zusammenhang zum Ausbau der
vorhandenen Programme?
Dazu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
63. Welchen Finanzbeitrag hat Deutschland seit Januar 2011 zur Verfügung
gestellt, um den Fortbestand der Arbeitsgruppe Nummer 6 Schiffbau
(WP 6) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung bis zum Auslaufen des Mandats 2013 sicherzustellen, und auf
welche Arbeitsschwerpunkte hat sich die Arbeitsgruppe verständigt?
Deutschland hat für die OECD-Arbeitsgruppe Nr. 6 Schiffbau (OECD:
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) Beiträge in Höhe
von 19 283 Euro im Jahr 2011 und 19 899 Euro im Jahr 2012 geleistet.
Der wichtigste Aufgabenbereich der Arbeitsgruppe ist die Analyse von Faktoren
und Unterstützungsmaßnahmen in Schiffbauländern, die zu Marktverzerrungen
im Schiffbau führen, sowie die Diskussion von möglichen Maßnahmen zur
Verringerung von Marktverzerrungen. Ebenfalls fällt in den Zuständigkeitsbereich
der Arbeitsgruppe die Fortentwicklung des Sektorabkommens für Schiffe im
Rahmen des OECD-Konsensus für öffentlich unterstützte Exportkredite.
Darüber hinaus befasst sich die Arbeitsgruppe unter anderem mit
Marktentwicklungen im Schiffbau bzw. der Analyse ausgewählter Schiffbauländer, dem
Thema Green Shipping oder der Neuausrichtung von Werften.
64. Wie viele Streitbeilegungsverfahren wegen unlauterer Handelspraktiken
im Schiffbausektor sind nach Kenntnis der Bundesregierung bisher
insgesamt bei der Welthandelsorganisation (WTO) eingeleitet worden, und
gegen welche Länder sind derzeit Verfahren anhängig?
Bislang sind in der Welthandelsorganisation drei Streitschlichtungsverfahren
eingeleitet worden. Alle wurden zwischen der EU und Südkorea ausgetragen.
Derzeit ist kein Verfahren anhängig.
65. Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus den bisherigen
Verhandlungsergebnissen der WTO, und welche Initiativen unterstützt sie aktuell
im Rahmen der WTO sowie der EU, um auf internationaler Ebene
einheitliche Wettbewerbsbedingungen für den Schiffbau zu schaffen?
Die EU hatte sich mit Unterstützung Deutschlands für die Wiederaufnahme der
Verhandlungen zu einem Weltschiffbauabkommen im Rahmen der OECD unter
Einbeziehung von China eingesetzt. Dieses Bemühen scheiterte jedoch in 2010,
da sich Korea weigerte, das Thema „unfaire Preisbildung“ im Rahmen
möglicher Verhandlungen zu diskutieren. Die EU und Deutschland setzen sich
jedoch weiterhin insbesondere in der OECD für faire und transparente Wett-
Drucksache 17/11249 – 28 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodebewerbsbedingungen ein. Darüber hinaus unterstützt die Bundesregierung die
Europäische Kommission in ihren Bemühungen, bei den WTO-Verhandlungen
in der Verhandlungsgruppe Regeln der Doha-Runde im Bereich Subventionen
und Ausgleichsmaßnahmen striktere Disziplin bei Beihilferegeln und Verfahren
zu erreichen und damit zur Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen im
internationalen Handel beizutragen.
66. Wird die Europäische Kommission den Vorschlag der Bundesregierung
aufgreifen, wieder ein regelmäßiges Monitoring des
Weltschiffbaumarktes durchzuführen, und wie hat sie ihre Haltung begründet?
Auf der Siebten Nationalen Maritimen Konferenz in Wilhelmshaven hat die
Arbeitsgruppe Schiffbau in ihren Handlungsempfehlungen die
Bundesregierung dazu aufgefordert, bei der Europäischen Kommission darauf zu dringen,
ein regelmäßiges Monitoring des Weltschiffbaumarktes wieder aufzunehmen.
Dies ist aus Sicht der Bundesregierung nicht erforderlich, da der europäische
Schiffbauverband CESA, mittlerweile SEA Europe, detaillierte Jahresberichte
mit Angaben zur Marktsituation, die auf Angaben der international anerkannten
Datenbanken und auf Auskünften seiner Mitgliedsverbände fußen, erstellt.
Diese Berichte werden durch vierteljährliche Market Monitoring Reports
ergänzt. Hinzu kommt, dass auch die OECD-Arbeitsgruppe Nr. 6 regelmäßig
Marktinformationen von hoher Qualität unter Mitarbeit der Schiffbauverbände
in Europa, Japan und Korea erstellt.
67. Welche Konsequenzen hat die Bundesregierung bisher aus der Zielsetzung
der 2005 initiierten Strategie „LeaderSHIP 2015“ für den europäischen
Schiffbausektor gezogen, einen ganzheitlichen industriepolitischen
Ansatz für die maritime Wirtschaft zu entwickeln?
Die „LeaderSHIP 2015“-Initiative hat der europäischen Schiffbauindustrie
wichtige Anstöße gegeben, gemeinsame Strategien und Strukturen für die
Bewältigung der Herausforderungen im starken internationalen Wettbewerb zu
entwickeln. Darüber hinaus hat die EU-Initiative verdeutlicht, dass die
maritime Wirtschaft in Europa als innovativer und wichtiger Wirtschaftsbereich gute
Zukunftschancen hat. Die Bundesregierung unterstützt daher auch die aktuelle
Fortführung der EU-LeaderSHIP-Initiative.
Die Strategie LeaderSHIP 2015 erstreckte sich auf acht Handlungsfelder, die
sich in der Politik der Bundesregierung widerspiegeln. Hierzu gehören
insbesondere die Unterstützung von Forschung, Entwicklung und Innovationen im
Schiffbau oder die Begleitung der Werften mit effizienten
Finanzierungsinstrumenten. Damit schafft die Bundesregierung geeignete
Rahmenbedingungen, die es dem deutschen Schiffbau ermöglichen, sich im internationalen
Wettbewerb zu behaupten.
68. Welche Schwerpunkte setzt die Bundesregierung in den laufenden
Beratungen zu den Themen des 8. EU-Forschungsrahmenprogramms in Bezug
auf den Schiffbau, und wie begründet sie ihre Entscheidung, in ihren
Leitlinienpapieren für das Rahmenprogramm auf eine Aufnahme des
Werftenbereiches zu verzichten, obwohl dieser eine wesentliche Rolle bei der
Umsetzung der nationalen und europäischen Ziele in Bezug auf den
Ausbau der Offshore-Windenergie und den Umweltschutz einnimmt?
Der Vorschlag der Europäischen Kommission zum nächsten Rahmenprogramm
für Forschung und Innovation (Horizont 2020) enthält verschiedene Prioritäten,
um die Zukunftsfähigkeit Europas zu sichern. In den Prioritäten „Industrielle
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 29 – Drucksache 17/11249Führungsrolle“ (z. B. Führungsrolle in Schlüsseltechnologien und industriellen
Technologien, Innovation in KMU) und „Gesellschaftliche Herausforderungen“
(z. B. intelligenter, umweltfreundlicher und integrierter Verkehr) bietet sich dem
Schiffbau die Chance, Forschungsergebnisse in Innovationen umzusetzen und
damit die industrielle Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dies um so mehr, da
Innovationen zunehmend Branchen- und Technologie übergreifende Forschung
voraussetzen.
69. Im Rahmen welcher EU-Programme wird derzeit die Offshore-
Windenergie gefördert, und inwieweit bieten diese die Möglichkeit zur Förderung
der Offshore-Windenergie unter Nutzung der Potenziale der
Werftindustrie?
Das Europäische Energieprogramm zur Konjunkturbelebung (European Energy
Programme for Recovery – EEPR) wurde 2009 als ein zeitlich befristetes
Programm beschlossen, um strategische Projekte im Energiesektor finanziell zu
unterstützen (EG Nr. 663/2009). Die Projekte sollen zur wirtschaftlichen
Erholung, zur Versorgungssicherheit und zur Minderung von
Treibhausgasemissionen beitragen. Die Gesamtförderung betrug 3,98 Mrd. Euro. Im Rahmen
eines Unterprogramms wird die Offshore Windenergie gefördert. Dieses ist mit
ca. 565 Mio. Euro ausgestattet. Der gesamte Betrag wurde bereits gebunden.
Bis Ende März 2012 wurden davon 189 Mio. Euro ausgezahlt.
Förderschwerpunkte sind „Offshore-Turbinen und -strukturen“ mit sechs Projekten
(insgesamt ca. 254 Mio. Euro) sowie „Offshore-Windenergie-Netz“ mit drei
Projekten (insgesamt ca. 311 Mio. Euro).
Die Europäische Kommission hat 300 Millionen CO2-Zertifikate zur
Versteigerung bereitgestellt, deren Erlös für die Förderung von Projekten zur
Abscheidung und Speicherung von CO2 bzw. zu Erneuerbaren Energien eingesetzt
werden soll. Im Rahmen dieses so genannten NER300-Programms werden auch
Projekte der Offshore-Windenergie gefördert.
Weiterhin können auf der Grundlage des europäischen Strategieplans für
Energietechnologie (SET-Plan) Mittel des Forschungsrahmenprogramms der EU
bzw. des Programms „Intelligente Energie-Europa“ auch für
Forschungsprojekte der Offshore-Windenergie zur Verfügung gestellt werden. Dazu erarbeitet
die von der Europäischen Kommission ins Leben gerufene Wind Industrie-
Initiative Vorschläge für Aufrufe (Calls) zu Forschungsprogrammen, die dann von
der Kommission geprüft und gegebenenfalls umgesetzt werden.
70. In welchem Umfang haben deutsche Unternehmen bisher von diesen
Programmen profitiert?
Im Rahmen des EEPR wurden mehrere deutsche Offshore-Windenergie
Projekte gefördert. Vier deutsche Windparks werden mit 204 Mio. Euro im
Schwerpunkt „Offshore-Turbinen und -strukturen“ gefördert.
Zum Anschluss von deutschen und dänischen Windfarmen im Bereich Kriegers
Flak sind des weiteren 150 Mio. Euro im Bereich „Offshore-Windenergie-
Netz“ eingeplant.
Ein Windpark-Projekt von RWE Innogy in der Deutschen Bucht wurde als ein
Kandidat im Rahmen von NER300 zur Förderung vorgesehen. Die endgültige
Entscheidung über die Auswahl der im Kontext von NER300 zu fördernden
Projekte wird für Ende 2012 erwartet.
Drucksache 17/11249 – 30 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode71. Wird sich die Bundesregierung auf EU-Ebene für ein Programm zur
Förderung der Offshore-Windenergie einsetzen, und welche Initiativen plant
sie dazu?
Die Europäische Kommission hat im Oktober 2011 eine Fazilität „Connecting
Europe“ vorgelegt, um Infrastrukturvorhaben (Energie, Verkehr, Informations-
und Kommunikationstechnologien) zu fördern. Im Bereich
Energieinfrastrukturen sollen Netzausbauprojekte mit europäischem Mehrwert durch Zuschüsse
und Finanzinstrumente gefördert werden. Als einer der insgesamt zwölf
vorrangigen Förderkorridore und -bereiche ist das Nordsee-Offshore-Netz („Northern
Seas Offshore Grid) vorgesehen. Dieser Korridor zielt auf die Entwicklung
eines integrierten Offshore Netzes in der Nordsee, Ostsee, im englischen Kanal
und in angrenzenden Gewässern.
Die Europäische Kommission hat 9,1 Mrd. Euro als Ausstattung der CEF für
den Bereich europäische Energieinfrastrukturen vorgeschlagen. Diese Mittel
werden im Kontext des künftigen EU-Finanzrahmens 2014 bis 2020 im
Ministerrat verhandelt. Die zyprische Präsidentschaft plant diese bis Ende 2012
abzuschließen.
Die Position der Bundesregierung in den Verhandlungen ist, dass sich die
Mittelausstattung der Connecting Europe Facility in den Gesamtrahmen des
europäischen Haushalts einordnen muss. Für den Gesamtrahmen des europäischen
Haushalts ist dabei eine Begrenzung der Ausgaben auf 1 Prozent des
Bruttonationaleinkommens der EU einzuhalten.
72. In welchen Bereichen sieht die Bundesregierung im Rahmen des
Vorschlags der Europäischen Kommission für den nächsten mehrjährigen
Finanzrahmen 2014 bis 2020 konkrete Möglichkeiten zur Förderung des
Schiffbaus, und welche Schwerpunkte setzt sie in den Verhandlungen?
Der mehrjährige Finanzrahmen der EU regelt die Finanzierung des EU-
Haushalts der nächsten sieben Jahre sowie die Verteilung der Mittel auf die
wichtigsten Politikbereiche der EU. Im Mittelpunkt der Gespräche steht also das
Gesamtbudget der EU. Detailfragen, wie die spezifische Förderung des deutschen
Schiffbaus, sind daher derzeit nicht Gegenstand der laufenden Verhandlungen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]