[Deutscher Bundestag Drucksache 17/11595
17. Wahlperiode 21. 11. 2012 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten René Röspel, Dr. Ernst Dieter Rossmann,
Oliver Kaczmarek, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD
– Drucksache 17/11066 –
Öffentliche Förderung von Forschung und Entwicklung
mit Unternehmensbeteiligung
Die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen hängt in
erheblichem Maße von ihrer Bereitschaft und Fähigkeit ab, Innovationen aus
Forschung und Entwicklung (FuE) in marktfähige Produkte zu übertragen. Die
Bereitstellung innovativer Produkte und Dienstleistung gelingt vor allem
dann, wenn Unternehmen signifikante Mittel für die Förderung von Forschung
und Entwicklung bereitstellen. Laut Stifterverband für die Deutsche
Wirtschaft e. V. haben deutsche Unternehmen im Jahr 2011 ca. 49,34 Mrd. Euro für
Forschung und Entwicklung aufgewandt. Die Zahl des FuE-Personals wuchs
in diesem Jahr auf 337 000 Beschäftigte. Diese FuE-Aktivitäten stärken den
Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland bzw. bilden im privaten
Sektor ein Teil des Erfolges.
Die Bundesregierung unterstützt wie die Vorgängerregierungen die deutsche
Wirtschaft bei ihren Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in
unterschiedlicher Weise. Eines der Instrumente ist die direkte und indirekte
Projektförderung. In den letzten Jahren hat sie Wirtschaftsunternehmen dabei insbesondere
im Bereich der Hightech-Strategie gefördert. So wurden durch das
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) allein im Jahr 2011 FuE-
Aktivitäten von Unternehmen in einer Höhe von insgesamt ca. 543 Mio. Euro
verausgabt. Davon gingen 233 Mio. Euro an sogenannte kleine und mittlere
Unternehmen (KMU). Aber auch andere Bundesministerien fördern FuE-
Aufwendungen bzw. FuE-Aktivitäten von Unternehmen. So verausgabte das
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) im selben
Zeitraum ca. 921 Mio. Euro, davon 558 Mio. Euro für KMU. Die einzelnen
Bundesministerien haben bei ihrer Förderung unterschiedliche Zielsetzungen.
Aufgrund der ausgeprägten Stärke und besonderen Bedeutung
mittelständischer Unternehmen in Deutschland ist die Förderung von KMU ein
herausgehobenes Ziel dieser Bundesregierung. Von vielen Projektausschreibungen
profitieren aber insbesondere große Unternehmen. So hat allein im Jahr 2011 die
Siemens AG Fördermittel in Höhe von ca. 20 Mio. Euro erhalten. Die EADS
Deutschland GmbH hat im gleichen Zeitraum über 4 Mio. Euro durch das
BMBF erhalten. Gleichzeitig erzielte die EADS-Gruppe 2011 einen operativen
Gewinn von 1,7 Mrd. Euro. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom
15. November 2012 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/11595 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeVo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Forschung und Entwicklung (FuE) in Unternehmen sind Treiber von Wohlstand
und Beschäftigung. Der größte Teil der Wertschöpfung in Deutschland beruht
auf forschungsintensiven Produkten und Dienstleistungen. Mit ihren
Investitionen in Forschung und Entwicklung schaffen Unternehmen hohe Werte nicht
nur für sich selbst, sondern für die ganze Volkswirtschaft und Gesellschaft. Neu
gewonnene Erkenntnisse helfen anderen Forschern in Unternehmen,
Universitäten und staatlichen Forschungseinrichtungen dabei, ihrerseits neue Ergebnisse
zu gewinnen. Ohne öffentliche Unterstützung für die Grundlagenforschung wie
für die angewandte Forschung und Entwicklung in Unternehmen würde viel zu
wenig in die Zukunft investiert. Die Bundesregierung setzt dabei -insbesondere
mit ihrer Hightech-Strategie (HTS) – auf Forschung, die drängende
gesellschaftliche und globale Themen unserer Zeit aufgreift. Lösungen für diese
großen Herausforderungen auf Feldern wie Klima/Energie, Gesundheit,
Kommunikation oder der Gestaltung einer nachhaltigen Mobilität können nur
gemeinsam zwischen Wissenschaft und Wirtschaft entwickelt werden.
Nach übereinstimmender Auffassung ökonomischer wissenschaftlicher
Politikberatung ist die staatliche Förderung von FuE in Unternehmen in der
Marktwirtschaft als zentraler Teil einer Politik für Wachstum und Beschäftigung gut
begründet, um ein angemessenes Niveau an Investitionen in FuE zu sichern.
Zuletzt hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) in seinem Gutachten 2012/13 (Tz. 494, zuvor
ausführlich im JG 2009) sowie die Expertenkommission Forschung und Innovation
EFI für eine staatliche Förderung von FuE in der Wirtschaft plädiert (Gutachten
2012). Der weit überwiegende Teil der FuE-Förderung des Bundes entfällt mit
deutlich über 50 Prozent der Mittel auf Kleine und Mittlere Unternehmen. Die
Einbindung größerer Unternehmen erfolgt weit unterproportional dort, wo sie
zum Auf- und Ausbau strategischer Kompetenzen im nationalen Interesse in
Netzwerke und Cluster einbezogen werden.
1. Mit welchen Summen hat die Bundesregierung FuE-Aktivitäten von
Unternehmen in den letzten zehn Jahren unterstützt (bitte nach
Bundesministerien auflisten)?
Die Gesamtausgaben des Bundes zur Unterstützung von FuE-Projekten der
Wirtschaft betrugen im Jahr 2011 rund 2 Mrd. Euro. Dies entspricht 15,1
Prozent der gesamten FuE-Ausgaben des Bundes. Rund 9,36 Mrd. Euro betrugen
hingegen die FuE-Ausgaben des Bundes an Hochschulen, außeruniversitären
Forschungseinrichtungen sowie an Einrichtungen von Bund, Länder und
Gemeinden.*
Der Bund vergibt darüber hinaus Aufträge für Forschung und Entwicklung zur
Wahrnehmung seiner unterschiedlichen originären Ressortaufgaben. Dies gilt
insbesondere für den Geschäftsbereich des Bundesministeriums der
Verteidigung, welches vor allem Beschaffungs-, aber keinerlei Förderziele verfolgt
(vgl. Antwort zu Frage 17). Die Ausgaben für Auftragsforschung des Bundes
an Unternehmen zur Wahrnehmung von Ressortaufgaben im Jahr 2011
summieren sich auf rund 676 Mio. Euro im Bundesministerium der Verteidigung
(BMVg) sowie geschätzt rund 200 Millionen Euro kumuliert über alle anderen
Ressorts.
* Einschließlich Ausgaben an sonstige Einrichtungen ohne Erwerbszweck.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/11595Eine Übersicht über die Gesamtausgaben des Bundes für Forschung und
Entwicklung an Unternehmen aufgeteilt nach Ressorts seit 2002 ist nachfolgende
Tabelle zu entnehmen. Dabei ist zu beachten, dass ein vollständiger Ausweis
der FuE-Ausgaben des Bundes an die Wirtschaft nach Ressorts aus
datentechnischen Gründen lediglich gemeinsam für Zuwendungen und FuE-Aufträge
(Ressortforschung) möglich ist. Das BMVg vergibt keine Zuwendungen zur
Unterstützung von FuE an die Wirtschaft. Die Einzelsummen überzeichnen insofern
die Höhe der Zuwendungen zur Unterstützung von FuE in der Wirtschaft im
Durchschnitt ohne BMVg um rund 11 Prozent.
Gesamtausgaben des Bundes (Zuwendungen und Aufträge) für Forschung und
Entwicklung an Unternehmen gegliedert nach Ressorts1
in Mio. Euro
IST
Ressort2 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Bundeskanzleramt3 0,5 0,2 0,3 0,6 0,1 0,2
Auswärtiges Amt 0,1 0,5 0,7 0,0 0,1
Bundesministerium
des Innern 0,3 1,7 2,5 2,0 2,8 13,3 20,6 21,0 17,2 6,1
Bundesministerium
der Justiz 0,5 0,3 0,4 0,2 0,4 0,3 0,1 0,2 0,1 0,1
Bundesministerium
der Finanzen 0,2 0,2 0,2 0,4 0,3 0,4 0,9 0,3 0,2
Bundesministerium für
Wirtschaft und Technologie 752,1 718,9 660,3 574,9 578,6 685,0 777,3 860,0 817,2 867,2
Bundesministerium
für Arbeit und Soziales 9,5 4,1 3,9 10,6 5,9 7,7 6,7 4,3 6,1 7,0
Bundesministerium für
Ernährung, Landwirtschaft
und Verbraucherschutz 13,5 9,0 8,1 11,0 11,7 14,5 20,8 25,5 29,9 23,4
Bundesministerium
der Verteidigung4 619,5 715,7 732,1 730,1 820,0 942,2 823,5 787,6 749,5 675,6
Bundesministerium für
Familie, Senioren, Frauen
und Jugend 1,1 1,4 1,3 1,7 1,2 2,8 3,5 5,0 5,6 5,0
Bundesministerium
für Gesundheit 1,5 5,1 5,6 2,7 12,5 4,0 5,7 5,6 5,6 1,7
Bundesministerium
für Verkehr, Bau
und Stadtentwicklung 15,4 15,6 18,1 16,3 19,1 19,9 36,6 53,5 83,3 112,3
Bundesministerium
für Umwelt, Naturschutz
und Reaktorsicherheit 64,2 64,1 51,3 60,3 57,9 65,8 70,0 79,0 95,1 93,8
Bundesministerium für
Bildung und Forschung 432,3 418,0 403,6 416,7 425,0 433,8 483,6 540,3 585,0 589,7
Drucksache 17/11595 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode1 Einschließlich der Mittel zur Förderung der Auftragsforschung, einschließlich der Mittel an Gesellschaften und Unternehmen der Wirtschaft im
Ausland. Aufgrund einer anderen Fragestellung stimmen diese Angaben nicht mit den Angaben in der Großen Anfrage auf Bundestagsdrucksache
17/9655 überein. In der vollständigen FuE-Erhebung des Bundes ist eine exakte Aufteilung nach Projektförderung und Ressortforschung nicht
möglich. Für die Schätzung der FuE-Ausgaben für die Projektförderung wurde der in der profi-Datenbank ermittelbare Anteil der Aufträge an den
Gesamtausgaben an Unternehmen zugrunde gelegt.
2 Für Vergleichszwecke wurden bei Ressortumbildung die Ausgaben auf den jeweils aktuellen Ressortzuschnitt rückwirkend umgesetzt.
3 Einschließlich der Ausgaben des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
4 Das BMVg führt FuE Aktivitäten ausschließlich zur Beantwortung eigener Fragestellungen durch. Insofern werden weder FuE-Aktivitäten von
Unternehmen unterstützt (Frage 1) noch erfolgt indirekte Projektförderung (Frage 2).
5 2009 bis 2011 einschließlich Investitions- und Tilgungsfonds ohne Länderzuweisungen im Rahmen des ZuInvG (Konjunkturpaket II), ab 2011
einschließlich Energie- und Klimafonds.
2. Wie hat sich die direkte und indirekte Projektförderung an Unternehmen in
den Jahren seit 2005 entwickelt (bitte nach KMU und anderen
Unternehmen sowie nach Aufträgen und Zuwendungen aufschlüsseln)?
Die nachfolgende Übersicht stellt die Entwicklung der Projektförderung
(Zuwendungen) sowie die Aufträge an Unternehmen getrennt nach KMU
(nationale Norm) und übrigen Unternehmen dar. Nicht enthalten sind die Mittel des
BMVg für FuE bei Unternehmen.
Entwicklung der Projektförderung (Zuwendungen) sowie der Aufträge des
Bundes für Wissenschaft, FuE und Innovation an Unternehmen* (ohne BMVg):
1 Definition KMU Nationale Norm: In den allgemeinen Definitionen werden Unternehmen als KMU gewertet, wenn ihr Umsatz unter 100
Mio. Euro liegt. Sollte eine Umsatzzahl nicht vorliegen, gelten 250 Mitarbeiter als Grenzwert. Unternehmen, die zu mehr als 50 Prozent im Besitz
von Unternehmen sind, die diese Kriterien nicht erfüllen (größere Unternehmen), werden ungeachtet der Umsatz- bzw. Mitarbeiterzahl nicht als
KMU klassifiziert.
Bundesministerium für
wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung 0,1
Allgemeine
Finanzverwaltung5 49,9 351,8 497,3
KMU (<100 Mio. € Umsatz und nicht zu
mehr als 50 % im Besitz von größeren
Unternehmen1 übrige Unternehmen
Jahre
Zuwendungen
in Mio. Euro
Aufträge
in Mio. Euro
Zuwendungen
in Mio. Euro
Aufträge
in Mio. Euro
2005 484,0 58,0 339,3 55,7
2006 513,2 46,4 341,2 76,1
2007 559,2 64,8 367,2 80,1
2008 619,6 87,0 421,1 70,8
2009 784,5 107,1 459,5 81,5
2010 987,5 99,0 610,4 82,1
2011 1157,3 89,6 708,9 70,7
* Abweichungen in den Summenwerten zur Tabelle in Frage 1 aufgrund unterschiedlicher Erhebungsarten, Quellen und erforderlichen
Schätzungen. Die Aufteilung KMU/ übrige Unternehmen und Aufträge/ Zuwendungen wurden näherungsweise vorgenommen, soweit die verfügbaren
Statistiken dies erlaubten. 2009 bis 2011 einschließlich Investitions- und Tilgungsfonds ohne Länderzuweisungen im Rahmen des ZuInvG
(Konjunkturpaket II), ab 2011 einschließlich Energie- und Klimafonds.
IST
Ressort2 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/115953. Wie hoch war der Eigenanteil der Unternehmen bei der Förderung durch
das BMBF im Durchschnitt?
Die Zuwendung auf Kostenbasis stellt den Regelfall der Förderung an
Unternehmen, insbesondere bei Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, dar (vgl.
Nummer 13a VV zu § 44 BHO). Betrachtet wurden alle durch das BMBF
geförderten Projekte mit einer Zuwendung auf Kostenbasis an Unternehmen. Die
nachfolgende Übersicht stellt den durchschnittlichen Eigenanteil nach
Unternehmensgruppen (KMU, übrige Unternehmen und Unternehmen insgesamt) im
jeweiligen Jahr der Bewilligung (Zeitraum von 2005 bis 2011) dar.
Bemessungsgrundlage sind die zuwendungsfähigen Gesamtkosten (100 Prozent).
Förderung von Projekten des BMBF (Zuwendungen auf Kostenbasis) an
Unternehmen; Eigenanteil im Durchschnitt (in Prozent)1:
1 Auswertung aus profi von 18. Oktober 2012
2 Vgl. Fußnote 2
4. Welche war die prozentual höchste bzw. geringste Eigenbeteiligung eines
Unternehmens an einem Förderprojekt?
5. Nach welchen Kriterien wird der Eigenanteil der Unternehmen an den
spezifischen BMBF-Förderprogrammen festgelegt?
Von Zuwendungsempfängern der gewerblichen Wirtschaft wird gemäß Vorwort
zum Epl. 30 eine angemessene Eigenbeteiligung – grundsätzlich mindestens
50 Prozent – vorausgesetzt, was eine Regelobergrenze für Förderquoten von
50 v. H. der zuwendungsfähigen Kosten bedeutet. Bei der Festlegung der
Förderquoten sind unter Beachtung nationaler förderpolitischer und
haushaltsrechtlicher Erwägungen auch die Grenzen der zulässigen Beihilfeintensität auf EU-
Ebene zu beachten. Für die individuelle Bemessung einer angemessenen
Förderquote können folgende Gesichtspunkte in die Bewertung mit einfließen:
technisch-wissenschaftliches Risiko, wirtschaftliches Risiko, wirtschaftliche
Verwertungsnähe der angestrebten FuE-Ergebnisse, Finanzkraft des
Zuwendungsempfängers sowie kommerzielle Verwertbarkeit der FuE-Ergebnisse.
Betrachtet man alle vom BMBF-geförderten Projekte mit einer Zuwendung auf
Kostenbasis an Unternehmen im Zeitraum von 2005 bis 2011, so lag die
Eigenbeteiligung in ausdrücklich begründeten Einzelfällen mit null Prozent am
geringsten (Klassifizierung des Zuwendungsempfängers als KMU) und mit rund
91 Prozent am höchsten (Klassifizierung des Zuwendungsempfängers als nicht
KMU).
Jahr der Bewilligung Eigenanteil KMU2
Eigenanteil übrige
Unternehmen
Eigenanteil Unternehmen
insgesamt
2005 51 % 56 % 54 %
2006 50 % 55 % 53 %
2007 49 % 53 % 51 %
2008 49 % 56 % 53 %
2009 49 % 56 % 53 %
2010 51 % 57 % 54 %
2011 49 % 56 % 53 %
Drucksache 17/11595 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung vor, die belegen, dass
eine öffentliche Förderung von Forschung und Entwicklung unter
Beteiligung von Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen
stärkt?
9. Welche Hebelwirkung konnte aufgrund der Förderung des Bundes in
ausgewählten Forschungsfeldern erzielt werden, und wo blieb diese
Hebelwirkung deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen?
Der Bundesregierung liegen umfassende ökonomische Analysen zur Wirkung
öffentlicher Förderung von Forschung und Entwicklung vor. Die Literatur weist
aus, dass eine öffentliche Förderung von FuE unter Beteiligung von
Unternehmen nicht nur komplementäre private Investitionen in FuE steigert und die
Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen stärkt, sondern
mit großer Sicherheit auch hohe positive Effekte auf Wachstum und
Beschäftigung hat.
• Einen aktuellen Überblick gibt das Gutachten der Expertenkommission
Forschung und Innovation (EFI 2012) sowie die zugrundeliegende Studie zum
deutschen Innovationssystem Nr. 15-2012 (Peters et al. 2012: Ökonomische
Bewertung von staatlichen Investitionen in Forschung und Innovation).
• Bestätigt wird diese Übersicht zum Beispiel durch eine aktuelle Studie des
Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zur
volkswirtschaftlichen Bedeutung der Technologie- und Innovationsförderung im
Mittelstand (Belitz et. al. 2012). Nach Auswertung der vorliegenden Evaluationen
von elf Fördermaßnahmen, darunter KMU-innovativ und ZIM, wird diesen
Maßnahmen durchweg bescheinigt, zusätzliche FuE-Tätigkeiten anzuregen
sowie Beschäftigung, Absatz neuer Produkte und Wettbewerbsfähigkeit der
beteiligten KMU zu steigern.
• Auch belegt eine aktuelle Untersuchung der KfW Bankengruppe (KfW;
Standpunkte 17-2012), dass die Beschäftigtenzahl in innovierenden
Unternehmen schneller wächst als bei nicht-innovierenden Unternehmen.
• Eine aktuelle Studie von Professor Christoph Spengel und dem ehemaligen
Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Professor Wolfgang Wiegard (Ökonomische Effekte
einer steuerlichen Forschungsförderung in Deutschland; 2011) zeigt, dass
die gesamtwirtschaftliche Rendite von FuE-Tätigkeiten erheblich über der
privaten Ertragsrate der FuE-treibenden Unternehmen liegt. Unternehmen,
welche in Forschung und Entwicklung investieren, erzeugen Wissen (z. B. in
Form von Publikationen, Fachaustausch, Kompetenzen bei Mitarbeitern),
welches sie sich nur zum Teil dauerhaft selber aneignen und verwerten
können. Ohne staatliche Unterstützung würde daher volkswirtschaftlich
dauerhaft zu wenig in FuE investiert. Deshalb ist staatliche Förderung zwingend
geboten. Wiegard und Spengel schreiben staatlicher FuE-Förderung einen
erheblichen Wachstumsbeitrag zu.
Die grundsätzlichen Zusammenhänge gelten unabhängig von der Form der
Förderung. Öffentlich finanzierte Forschung und Entwicklung kann durch
indirekte Förderprogramme (z. B. in Form einer steuerlichen FuE-Förderung)
erfolgen. Sie kann aber auch durch die Förderung von Verbünden und
strategischen FuE-Netzwerken in der direkten Projektförderung dazu beitragen, dass
komplexe Herausforderungen gemeinschaftlich gelöst und für den Einzelnen
unrentable Innovationspfade aufgrund fehlender kurzfristiger Renditechancen
gemeinsam erschlossen werden.
Die Frage nach der Hebelwirkung in ausgewählten Forschungsfeldern ist in
dieser Form nicht zu beantworten. Aus methodischen und datentechnischen
Gründen erfolgen Untersuchungen zu den Hebelwirkungen öffentlicher Forschungs-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/11595förderung technologieunspezifisch, d. h. die meisten der
evaluationsökonometrischen Studien gehen nur Frage nach, ob allgemein eine Förderung die
FuE-Intensität stimuliert hat. Eine systematische vergleichende Analyse nach
Forschungsfeldern ist nicht bekannt.
7. In welchen anderen europäischen Ländern wird nach Kenntnis der
Bundesregierung eine vergleichbare Strategie zur Förderung von
Forschungsprojekten mit Unternehmensbeteiligung verfolgt?
Eine umfangreiche öffentliche Förderung von Forschungsprojekten mit
Unternehmensbeteiligung ist weltweit die Regel und wird – vor dem Hintergrund der
o. g. ökonomischen Argumentation – als zentrales Element einer Politik für
Wachstum und Beschäftigung gesehen (vgl. OECD 2012). In Hinblick auf den
Anteil der FuE-Ausgaben im Wirtschaftssektor, die direkt oder indirekt durch
den Staat finanziert werden, belegt Deutschland im internationalen Vergleich
einen der hinteren Plätze.
In den europäischen Ländern existiert ein sehr differenziertes Instrumentarium
der öffentlichen Förderung von Forschung und Entwicklung mit
Unternehmensbeteiligung. Die Instrumente variieren und richten sich primär an den
spezifischen nationalen Rahmenbedingungen aus. Die nationalen Strategien sind
deshalb vielgestaltig und nur in Ansätzen mit den Strategien der
Bundesregierung vergleichbar.
Bei der Förderung von Forschung und Entwicklung mit
Unternehmensbeteiligung ist zwischen einer direkten Förderung – in der Regel durch
Projektförderung z. B. im Rahmen von Verbundprojekten – und einer indirekten
Förderung – in der Regel durch eine steuerliche Förderung – zu unterscheiden. Ein
aktueller Vergleich der OECD (Science, Technology and Industry Outlook
2012, Daten für 2010) zeigt, dass die Höhe der direkten Förderung in
europäischen Staaten in Bezug auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) deutliche
Unterschiede aufweist. Für Deutschland beträgt der Anteil der direkten Förderung
von Forschung und Entwicklung (FuE) in Unternehmen am BIP knapp
0,10 Prozent.
Quelle: OECD. Science, Technology and Industry Outlook 2012, S. 162
Drucksache 17/11595 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeMit Blick auf den Anteil öffentlicher Finanzierung der FuE-Ausgaben im
Wirtschaftssektor weist das jüngste Gutachten der Expertenkommission Forschung
und Innovation (EFI) darauf hin, dass dieser in Deutschland deutlich geringer
ausfällt als in den meisten Vergleichsländern. So erreicht die öffentliche FuE-
Förderung der Wirtschaft in Deutschland ein Drittel des Wertes der USA und
Großbritanniens.
Quelle der Grafik: Expertenkommission Forschung und Innovation. Gutachten 2012. S. 97
8. Sind der Bundesregierung Beispiele aus dem europäischen Ausland
bekannt, bei denen die Rechte an den Ergebnissen öffentlich finanzierter
Forschung und Entwicklung in der öffentlichen Hand verbleiben und
mithin eine Verwertung zugunsten der öffentlichen Haushalte erfolgt?
Dem BMBF sind keine Beispiele aus dem europäischen Ausland bekannt. Die
Refinanzierung öffentlicher Förderung von Forschung und Entwicklung erfolgt
im Rahmen der durch Wachstums- und Beschäftigungseffekte induzierten
Steuermehreinnahmen.
10. Welche Wirtschaftsbranche hat in Deutschland aktuell die geringsten und
welche die höchsten FuE-Ausgaben?
Im Jahr 2010 hatte der Wirtschaftszweig „Bergbau und Gewinnung von Steinen
und Erden“ laut dem Stifterverband Wissenschaftsstatistik (FuE-Facts 02/2012)
mit 28 Mio. Euro die geringsten internen FuE-Ausgaben. Die höchsten internen
FuE-Ausgaben hatte der Wirtschaftszweig „Herstellung von Kraftwagen und
Kraftwagenteilen“ mit FuE-Ausgaben in Höhe von 13 673 Mio. Euro.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/1159511. Wie lassen sich die unterschiedlichen FuE-Quoten von Branchen
erklären, und wie trägt das BMBF diesen Unterschieden bei ihrer
Ausgestaltung der Forschungsförderung Rechnung?
Die Forschungs- und Innovationsförderung des BMBF hat nicht das Ziel, die
Wettbewerbsfähigkeit ausgewählter Branchen und Unternehmen zu stärken,
sondern stellt Forschung und Entwicklung zu Technologien mit breitem,
branchenübergreifenden und interdisziplinären Anwendungspotential in den
Mittelpunkt. Damit wird insbesondere zu Problemlösungen auf den Bedarfsfeldern
der Hightech-Strategie (Klima/Energie, Gesundheit/Ernährung,
Kommunikation, Mobilität und Sicherheit) im öffentlichen Interesse beigetragen.
Unterschiede in den FuE-Quoten von Branchen resultieren aus verschiedenen
Faktoren. Insbesondere technologische Unterschiede, die sich in der
Komplexität der Produktionsprozesse, Dauer von Produktlebenszyklen und
Vorleistungsintensitäten niederschlagen, führen zu höheren bzw. niedrigeren FuE-Quoten in
den verschiedenen Branchen. Auch wettbewerbliche und nachfrageseitige
Dynamiken und unterschiedliche Möglichkeiten der Aneignung der Erträge der
Forschungstätigkeit sind mögliche Einflussfaktoren.
Ein Vergleich der FuE-Quoten lässt aufgrund der Verflechtung der
Volkswirtschaft keine generellen Rückschlüsse auf die Innovationskraft einzelner
Branchen zu. Gleichwohl sind FuE-Quoten eine wichtige Kennzahl, um die
direkte Bedeutung von FuE als Wettbewerbsfaktor einer Branche zu beurteilen.
12. Wie haben sich die Aufwendungen der Wirtschaft für FuE in den letzten
fünf Jahren prozentual und in der Gesamtsumme verändert, und wie
bewertet die Bundesregierung diese Zahlen?
Interne FuE-Ausgaben in der Wirtschaft (Durchführung)
Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik
Im Jahr 2010 hat die deutsche Wirtschaft den Rekordwert von insgesamt
46,9 Mrd. Euro in interne Forschung und Entwicklung (FuE) investiert. Dies
sind über 21 Prozent mehr als im Jahr 2005. Gemeinsam ist es Staat und
Wirtschaft damit seit 2005 gelungen den FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt von
2,5 Prozent auf 2,8 Prozent im Jahr 2010 zu steigern. Die Bundesregierung
bewertet diese Entwicklungen als außerordentlich erfreulich. Die Werte
bestätigen die Hightech-Strategie der Bundesregierung.
13. Wie unterscheiden sich die Förderkriterien von FuE-Aktivitäten
grundsätzlich zwischen dem BMBF und dem BMWi?
Die Förderkriterien unterscheiden sich grundsätzlich nicht zwischen den
Ressorts, sondern orientieren sich an den Zielen der einzelnen Programme. Ein
wichtiger Unterschied besteht zum Beispiel zwischen
technologieübergreifenden KMU-Förderprogrammen und technologiespezifischen Fachprogrammen
der Forschungsförderung.
2005 2006 2007 2008 2009 2010
FuE-Ausgaben in Mio. Euro 38 651 41 148 43 034 46 073 45 275 46 929
Veränderung in Prozent 6,46 4,58 7,06 –1,73 3,65
Drucksache 17/11595 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode14. Welche Mittel zur Förderung von FuE haben die DAX30-Unternehmen
(bitte nach Ressort, Jahr und Höhe der Fördermittel aufschlüsseln) seit
2005 erhalten?
Fördermittel des Bundes1
1 Soweit in der Projektdatenbank „profi“ enthalten. Einschließlich der von den Ressorts im Rahmen des Investitions- und Tilgungsfonds
einschließlich Energie- und Klimafond administrierten Mittel, die in Tabelle 1 unter dem Punkt allgemeine Finanzverwaltung zusammengefasst sind.
2 Auswertung aus „Projektdatenbank“ profi vom 18.10.2012. Zur Auswertung lag die aktuelle DAX-Struktur der 30-DAX-Unternehmen zugrunde.
Die Konzernstruktur wurde auf der Basis öffentlich verfügbarer Informationen berücksichtigt.
Auf die DAX30-Unternehmen entfallen damit 12 Prozent der FuE-Ausgaben
des Bundes an die Wirtschaft in 2011 und 1,82 Prozent der FuE-Ausgaben des
Bundes insgesamt. Auf KMU entfallen im Vergleich weit über 50 Prozent der
FuE-Ausgaben des Bundes an die Wirtschaft (vgl. Antwort zu Frage 2).
Die DAX30-Unternehmen tragen 40 Prozent der Eigenaufwendungen der
deutschen Wirtschaft für Forschung und Entwicklung.* Ca. 15 Prozent der
Eigenaufwendungen der Wirtschaft für FuE werden dagegen durch KMU finanziert.
Größere Unternehmen werden absolut und im Vergleich zu den
Eigenaufwendungen stark unterproportional gefördert. Die FuE-Förderung des Bundes trägt
so zu einer größeren Gleichverteilung in der Durchführung von FuE in der
Wirtschaft bei. Größenbedingte Nachteile von KMU im Innovationswettbewerb
sollen ausgeglichen werden.
Vor diesem Hintergrund ist der Einbezug von größeren
Technologieunternehmen in Netzwerken von Forschungseinrichtungen sowie kleinen und mittleren
Unternehmen gleichwohl zwingend notwendig, um auf zentralen
Technologiefeldern im grundlagennahen, vorwettbewerblichen Bereich für die deutsche
Volkswirtschaft unverzichtbare Technologiekompetenzen zu erarbeiten und zu
erhalten.
15. Welches sind die 20 Unternehmen mit Hauptsitz außerhalb Deutschlands,
die die höchsten Fördermittel für FuE in den Jahren 2005 bis 2011
erhalten haben?
Ein wesentliches Ziel der BMBF-Projektförderung ist die Durchführung der
Vorhaben und die Verwertung der daraus resultierenden Ergebnisse am bzw. mit
positiven Effekten für den Standort Deutschland. Die Gewährung von
Zuwendungen orientiert sich an diesen Grundsätzen, eine systematische Erfassung des
Hauptsitzes der Antragsteller ist hierfür nicht erforderlich und liegt daher nicht
vor.
Fördermittel (Zuwendungen und Aufträge) in Mio. Euro an die DAX30-Unternehmen2
Jahr der
Bewilligung
BMBF BMWi BMU BMELV BMVBS
2005 59,0 16,1 0,2 0,1
2006 55,1 14,0 0,1 0,6
2007 54,9 20,9 0,3 0,8
2008 60,9 31,4 0,3 0,7 1,1
2009 78,1 26,6 8,7 0,3 4,6
2010 99,3 41,0 22,7 0,1 21,8
2011 94,2 51,9 45,2 0,1 50,3
* Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/1159516. Welches sind die 20 am stärksten von der Projektförderung des Bundes
für FuE profitierenden Unternehmen, die in der Informations- und
Kommunikationstechnologie ihren Tätigkeitsschwerpunkt haben?
Ausgewertet wurden die kumulierten Zuwendungen im Forschungs- und
Entwicklungsbereich an Unternehmen mit dem Tätigkeitsschwerpunkt in der
Informations- und Kommunikationstechnologie aus dem Datenbestand profi*
(Zeitraum von 2005 bis 2011). Die 20 am stärksten geförderten Empfänger
werden nachfolgend absteigend aufgeführt.
1. Siemens Aktiengesellschaft
2. Infineon Technologies AG
3. SAP AG
4. GLOBALFOUNDRIES Dresden Module One Limited Liability Company
& Co. KG
5. Qimonda Dresden GmbH & Co. oHG
6. Advanced Mask Technology Center GmbH & Co. KG
7. Carl Zeiss SMT GmbH
8. NXP Semiconductors Germany GmbH
9. IMST GmbH
10. AIXTRON SE
11. SCHOTT Solar AG
12. Telefunken Semiconductors GmbH & Co. KG
13. Deutsche Telekom AG
14. BAXI INNOTECH GmbH
15. XTREME technologies GmbH
16. Thales Air Systems & Electron Devices GmbH
17. GLOBALFOUNDRIES Dresden Module Two GmbH & Co. KG
18. Carl Zeiss Microscopy GmbH
19. Attensity Europe GmbH
20. Applied Materials GmbH & Co. KG.
17. Welche Mittel zur Förderung von FuE in bzw. für militärische Projekte
sind seitens der Bundesministerien seit 2005 an Unternehmen geflossen
(bitte nach Bundesministerien, Summen und Unternehmen
aufschlüsseln)?
Die Bundesregierung betreibt keine Förderung der Wirtschaft für militärische
Projekte. Die FuE-Beauftragung des BMVg erfolgt ausschließlich im Rahmen
der Ressortforschung projektorientiert.
* Profi-nutzende Ressorts: BMI, BMBF, BMWi, BMELV, BMFSFJ, BMU, BMVBS.
Drucksache 17/11595 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode18. Für welche Projekte erhielten die zehn am stärksten geförderten
Zuwendungsempfänger des BMBF ihre Förderung, und welchen
Eigenbeitrag haben die Unternehmen jeweils für diese Projekte geleistet?
Ausgewertet wurden die kumulierten Zuwendungen auf Kostenbasis aller
bewilligten Projekte des BMBF (Zeitraum von 2005 bis 2011). Die zehn am
stärksten geförderten Zuwendungsempfänger (Unternehmen) werden
absteigend aufgeführt (Nummern eins bis zehn). Die Aufzählung der Projekte
(Projektthemen) und die projektbezogene Eigenbeteiligung von Unternehmen
wurden auf die ersten drei Projekte mit dem größten Fördervolumen beschränkt
(Buchstaben a bis c). Ausgewiesen werden die den Unternehmen
zuzurechnende Teilprojekte in übergreifenden Verbund- und Netzwerkvorhaben.
1. Infineon Technologies AG
a) Teilvorhaben*: Programmierbare Plattformen für Multiband-/
Multistandardterminals (Eigenbeitrag: 50 Prozent)
b) Teilvorhaben: Parallelprozessor und CMOS-Kamera mit 3D-integrierter
Merkmalskaskade für Fahrzeugsehsysteme, Advanced Videophones und
Dialogmodems (Eigenbeitrag: 50 Prozent)
c) Teilvorhaben: Erforschung innovativer SiGe:C-Transistoren und
höchstperformanter Gesamttechnologien (Eigenbeitrag: 50 Prozent)
2. Robert Bosch GmbH
a) Teilvorhaben: Erforschung der technologischen und systemischen
Grundlagen für langlebige und leistungsstarke organische Solarzellen
(Eigenbeitrag: 58 Prozent)
b) Höchstmögliche Integration für mobile Kommunikationstechnik
(Eigenbeitrag: 50 Prozent)
c) Teilvorhaben: Modultechnologien (Eigenbeitrag: 57 Prozent)
3. Siemens AG
a) KING – Komponenten für das mobile Internet der nächsten Generation
(Eigenbeitrag: 50 Prozent)
b) Verbundprojekt SPES 2020 – Software Plattform Embedded Systems
(Eigenbeitrag: 50 Prozent)
c) Verbundprojekt: Ganzheitliche Materialkonzepte und Systemlösungen
für Mechatronic-Anwendungen (Eigenbeitrag: 57 Prozent)
4. Alcatel-Lucent Deutschland AG
a) Teilvorhaben: 100 Gbit/s Pakettransportnetze und Technologien
(Eigenbeitrag: 55 Prozent)
b) Teilvorhaben: Schlüsseltechnologien für die Weiterentwicklung von
3GPP LTE (Eigenbeitrag: 58 Prozent)
c) Teilvorhaben: Technologien für heterogene Zugangsnetze
(Eigenbeitrag: 50 Prozent)
5. OSRAM Opto Semiconductors GmbH
a) Teilvorhaben: Transparente Organische Phosphoreszenzbauelemente für
Anwendungen in Lichtsystemen (Eigenbeitrag: 59 Prozent)
b) Teilvorhaben: Erforschung einer integrierten Produktionstechnik zur
Herstellung von organischen LEDs (Eigenbeitrag: 60 Prozent)
* Verbundprojekte bestehen aus mehreren Teilvorhaben verschiedener/mehrerer Zuwendungsempfänger.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/11595c) Teilvorhaben: 500 Lumen Multo OLED Modul (Eigenbeitrag:
59 Prozent)
6. BASF SE
a) Teilvorhaben: High-Band-Gap-Materialien für Organische
Leuchtdioden in nachhaltigen Lichtsystemanwendungen (Eigenbeitrag: 56
Prozent)
b) Verbundprojekt: LiB2015: Helion – Hochenergie-Lithiumionen-
Batterien für die Zukunft (Eigenbeitrag: 59 Prozent)
c) Teilvorhaben: Erforschung hocheffizienter OLED-Materialien für
Anwendungen im Lichtmarkt (Eigenbeitrag: 56 Prozent)
7. GLOBALFOUNDRIES Dresden one Limited Liability Company & Co.
KG
a) Teilvorhaben: Kleinster spezifischer Kupferwiderstand in
Nanoleitbahnen (Eigenbeitrag: 50 Prozent)
b) Teilvorhaben: Simulationskonzept für 32-nm-CMOS-Technologien für
Mikroprozessoren (Eigenbeitrag: 50 Prozent)
c) Teilvorhaben: Innovative Dotandenaktivierung für
Hochgeschwindigkeits-Logiktransistoren (Eigenbeitrag: 50 Prozent)
8. Qimonda Dresden GmbH & Co. offene Handelsgesellschaft (oHG)
a) Teilvorhaben: Neue Devicestrukturen, Strukturierungsvarianten und
Atomlagenabscheidung für Speicherzellen (Eigenbeitrag: 50 Prozent)
b) Teilvorhaben: Logiktransistoren für Datenaustausch > 20 GBytes/s bei
flüchtigen Speichern (Eigenbeitrag: 50 Prozent)
c) Hochdichte NVM-Speicherstrukturen mit dielektrischen
Schichtsystemen für die hochperformante 10-GBit-Bausteingeneration
(Eigenbeitrag: 50 Prozent)
9. Advanced Mask Technology Center GmbH & Co. KG
a) Teilvorhaben: Grundlagen innovativer Maskentechnologien
(Eigenbeitrag: 0 Prozent)
b) Teilvorhaben: Maskenprozesse für sub-40-nm-Technologien
(Eigenbeitrag: 60 Prozent)
c) Teilvorhaben: Grundlagenarbeiten zur Erreichung der 32-nm-Masken
CD und REG Spezifikationen (Eigenbeitrag: 55 Prozent)
10. MERCK Kommanditgesellschaft auf Aktien
a) Teilvorhaben: Lösliche Triplett-Materialien für OLEDs (Eigenbeitrag:
58 Prozent)
b) Teilvorhaben: Grundlegende Erforschung von Beschichtungsverfahren,
Prozessparametern, Bauteildesign, Verkapselung, Subs (Eigenbeitrag:
58 Prozent)
c) Teilvorhaben: Bauteileigenschaften weißer OLED und innovative
Prozessierungstechniken (Eigenbeitrag: 59 Prozent)
Drucksache 17/11595 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode19. Wie hat sich das FuE-Personal in KMU bzw. den restlichen Unternehmen
in den letzten zehn Jahren entwickelt?
Die Entwicklung des FuE-Personals in KMU und den restlichen Unternehmen
in den letzten 10 Jahren ist in der folgenden Tabelle dargestellt.
1 Aufteilung der KMU in die Klassen „unter 250“ und „250 bis 500 Beschäftigte“ für die geraden Jahre bis 2006 nicht möglich.
2 IfG = Institutionen für Gemeinschaftsforschung; aufgrund einer Änderung der Berichterstattung werden die IfG ab 2007 nicht mehr getrennt
geführt.
3 Von der Zahl der Beschäftigten sind IfG im Allgemeinen den KMU zuzurechnen.
Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik
20. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus dem aktuellen
Absturz der Photovoltaikbranche in Deutschland für die zukünftige
Ausgestaltung der öffentlichen Forschungsförderung?
21. Mit Mitteln in welcher Höhe hat der Bund seit 2005 die FuE in der
Photovoltaik unterstützt, und teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass
mangelhafte FuE-Aktivitäten ehemals führender deutscher Unternehmen
der Photovoltaikbranche maßgeblich zu den aktuellen wirtschaftlichen
Problemen dieser Unternehmen beigetragen haben?
Die Fragen 20 und 21 werden gemeinsam beantwortet.
Die schwierige Lage der deutschen Unternehmen ist in erster Linie durch
weltweite Überkapazitäten bedingt. Dadurch ist ein Preiskampf entstanden, der alle
Unternehmen weltweit in Mitleidenschaft gezogen hat. Die Bundesregierung
teilt die Auffassung, dass Wertschöpfung und Beschäftigung in hoch
entwickelten Industrieländern nachhaltig nur dann entstehen können, wenn die
Unternehmen kontinuierlich in Forschung, Entwicklung und Innovation investieren.
Es ist ein vorrangiges Ziel der Forschungsförderung, und insbesondere der
Innovationsallianz Photovoltaik, die FuE-Quote der Photovoltaik-Industrie – auch
bei den PV-Herstellern – zu erhöhen Aus diesem Grund zielt die
Forschungsförderung der Bundesregierung unter anderem darauf ab, die FuE-Aktivitäten der
Unternehmen zu stärken. Ausgehend vom erfolgreichen Konzept der Hightech-
Strategie hat die Bundesregierung der Photovoltaik-Branche 2010 angeboten,
dieses Ziel mit einer die bestehende Forschungsförderung ergänzenden
Innovationsallianz Photovoltaik verstärkt zu verfolgen. Die deutsche Photovoltaik-
Industrie hat dieses Angebot für eine neue Herangehensweise und Form der
Zusammenarbeit aufgegriffen und sich bereit erklärt, ihrerseits ein Mehrfaches an
Investitionen in die Umsetzung der Forschungsergebnisse zu tätigen. Die von
BMBF und BMU gemeinsam getragene Innovationsallianz ist 2010 in kürzester
Zeit umgesetzt worden, die Projekte laufen inzwischen. Die Bundesregierung
wird zu gegebener Zeit prüfen, ob die Ziele erreicht werden und ob eine
Fortsetzung sinnvoll ist.
Beschäftigte 2001 20021 2003 20041 2005 2006 1 2007 2008 2009 2010
unter 250 36 578
51 890
34 333
50 681
39 513
61 780
51 651 53 334 55 929 57 355
250 bis
unter 500
17 615 17 007 20 096 21 897 22 683 21 800 22 550
IfG 2, 3 4 738 4 740 3 695 3 620 3 963 3 955
Summe
unter 500
58 931 56 630 55 035 54 301 63 572 65 735 73 548 76 017 77 729 79 905
500
und mehr
248 326 245 970 243 037 243 716 240 933 246 409 248 305 256 892 254 761 257 306
insgesamt 307 257 302 600 298 072 298 017 304 505 312 144 321 853 332 909 332 490 337 211
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 15 – Drucksache 17/11595Seit 2005 hat die Bundesregierung Forschung und Entwicklung in der
Photovoltaik wie folgt unterstützt:
22. Wie ließe sich aus Sicht der Bundesregierung sicherstellen, dass
öffentlich finanzierte Innovationen – wie im Bereich der Photovoltaik – nicht
durch Insolvenzen bzw. Aufkäufe in Länder mit einer deutlich
schlechteren Innovationsbilanz „abfließen“?
Es ist nicht das Ziel der Bundesregierung, ausländische Direktinvestitionen
einzuschränken, da Deutschland netto Kapital exportiert und davon erheblich
profitiert. Es ist in offenen Märkten auch nicht zu verhindern, dass Insolvenzen und
Übernahmen grenzüberschreitende Auswirkungen haben. Gleichwohl ist es das
Ziel der Bundesregierung, die FuE-Förderung so zu gestalten, dass
nachfolgende Investitionen zunächst und maßgeblich in Deutschland erfolgen. Dieses
Ziel lässt sich am besten mit angebotsseitigen Förderinstrumenten umsetzen. So
ist die Verwertung in Deutschland stets Gegenstand der Zuwendungsbescheide
in der FuE-Projektförderung (sog. Verwertungspläne).
Dieser Ansatz wird mit den Innovationsallianzen noch zusätzlich verstärkt,
indem die FuE-Förderung auf solche Gebiete fokussiert, auf denen Unternehmen
nachfolgend Investitionen in Deutschland vornehmen. Eine zusätzliche
Verwertung der FuE-Ergebnisse im Ausland steht dazu nicht im Widerspruch, sie ist
vielmehr eine zusätzliche, erwünschte Folge einer verstärkten
Wettbewerbsfähigkeit.
23. Wie hoch schätzt die Bundesregierung den Wert der Patente ein, die aus
öffentlich geförderter FuE hervorgehen und die durch
privatwirtschaftliche Unternehmen angemeldet bzw. verwertet werden?
Ein wesentliches Ziel öffentlicher FuE-Förderung ist die Verwertung der
Projektergebnisse durch die Projektnehmer. Zu möglichen Verwertungsformen
zählen unter anderem auch Patentierung und Lizensierung. Der monetäre Wert
einzelner Patente ist vor dem Hintergrund dynamischer Marktentwicklungen in
der Regel nicht eindeutig zu bestimmen und kann daher durch die Fördergeber
nicht generell erfasst werden. Insofern liegt der Bundesregierung auch keine
Schätzung des Gesamtwertes der Patente vor.
24. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung aus der aktuell
diskutierten, neuen Open-Access-Politik im Rahmen des kommenden
Forschungsrahmenprogramms „Horizont 2020“, und welche
Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung hieraus?
Open Access kann zur schnelleren und einfacheren Verbreitung und damit zu
einer besseren Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen beitragen. Ein
ungehinderter Wissensfluss ist Grundvoraussetzung für innovative Forschung, aber
auch für den Transfer der Forschungsergebnisse in Produkte und Dienstleistun-
F&E-Projekte anorganische und organische Photovoltaik
incl. Innovationsallianz Photovoltaik Mio. €
Projektförderung BMBF (Energieforschung) 54,1
Projektförderung BMBF (Photonik) 25,9
Projektförderung BMU 262,4
Summe 342,4
Drucksache 17/11595 – 16 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodegen. Aus Sicht der Bundesregierung ist die gegenüber dem 7.
Forschungsrahmenprogramm erweiterte Open-Access-Politik im Rahmen von Horizont
2020 daher zu begrüßen.
25. Wie hoch war der Prozentsatz der Verlagerung von unternehmerischen
Forschungsstätten aus Deutschland ins Ausland?
Der Prozentsatz der Verlagerung von unternehmerischen Forschungsstätten
kann aus den der Bundesregierung vorliegenden Daten nicht bestimmt werden.
Diese Fragestellung wird von der nationalen FuE-Erhebung nicht abgedeckt.Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]