[Deutscher Bundestag Drucksache 17/12107
17. Wahlperiode 17. 01. 2013 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Yvonne Ploetz, Dorothee Menzner,
Eva Bulling-Schröter, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/11813 –
Geschlechtsspezifische Belastungen und Risiken von Atomkraftwerken
in der Bundesrepublik Deutschland
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
In der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE
LINKE. zu Werk- und Leiharbeit in deutschen Atomkraftwerken (AKW) auf
Bundestagsdrucksache 17/6031 wurde deutlich, dass in deutschen AKW
prekär und atypisch Beschäftigte zur Arbeit herangezogen werden. Die
Betroffenen verdienen nach den gültigen Leiharbeitstarifen deutlich weniger als die
Beschäftigten des Stammpersonals. Außerdem werden sie im Mittel höheren
Strahlendosen ausgesetzt, die zu schweren gesundheitlichen Folgen führen
können. Ähnlichen Risiken ist die Belegschaft in Zwischenlagern ausgesetzt,
aber auch die im Umfeld eines AKW wohnenden Menschen werden belastet.
So hat beispielsweise die Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der
Umgebung von Kernkraftwerken (KiKK-Studie) aus dem Jahr 2007 einen
direkten Zusammenhang zwischen Häufungen von Leukämiefällen zur
Wohnortnähe um atomare Anlagen herstellen können. Die Gefahr durch ionisierende
Strahlung ist für schwangere Frauen und Kinder am größten. Wenn eine
Schwangere einer Belastung mit ionisierender Strahlung ausgesetzt wird, kann
es beim ungeborenen Kind zu Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen
kommen. Zudem besteht für das Kind ein erhöhtes Risiko, an Krebs oder
Leukämie zu erkranken.
Bisher ist insbesondere der differenzierte Blick auf die spezifischen
Belastungen von Mann und Frau sowie durch ihre Beschäftigungslage in AKW und
durch Wohnortnähe entstehende Risiken unterblieben. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit vom 15. Januar 2013 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/12107 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeVo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Angaben zu den beruflich strahlenüberwachten Personen und den
Dosiswerten stammen aus den Meldungen der amtlichen Messwerte an das beim
Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) eingerichtete Strahlenschutzregister und
aus den betrieblichen Messwerten, die der Gesellschaft für Anlagen- und
Reaktorsicherheit (GRS) mbH mitgeteilt wurden. Im Strahlenschutzregister
erfolgt dabei keine Unterscheidung zwischen Eigenpersonal (Stammpersonal)
und Fremdpersonal der Kernkraftwerke. In den Daten der GRS wird zwischen
Eigen- und Fremdpersonal unterschieden, es ist anhand dieser Daten jedoch
keine anlagenübergreifende Erfassung der Strahlenexposition des Personals
möglich.
Eine Vielzahl der Daten, nach denen hier gefragt wird, werden nicht erhoben,
weil sie für den Strahlenschutz unerheblich sind. Die vorliegenden Daten
werden in der Antwort dargestellt.
1. Wie hoch ist die Zahl der beruflich Strahlenbelasteten in deutschen AKW
(bitte nach Jahren von 1980 bis heute, Anlagentyp – Druck- und
Siedewasserreaktoren –, Stammbelegschaft und Fremdpersonal sowie nach
Geschlecht aufschlüsseln)?
In Tabelle 1a sind die Zahlen der beruflich strahlenexponierten Personen in
deutschen Kernkraftwerken aufgeschlüsselt nach den Jahren 1980 bis 2010,
Anlagentyp (Druckwasserreaktoren – DWR – bzw. Siedewasserreaktoren –
SWR), Eigen- und Fremdpersonal zusammengestellt. Die Daten basieren auf
Summenangaben der einzelnen Anlagen. Sie enthalten unvermeidbar
Mehrfachzählungen beim Fremdpersonal, falls dieses überwachte Fremdpersonal
innerhalb eines Jahres in verschiedenen Anlagen tätig war, d. h. summiert wurden
die einzelnen Überwachungsvorgänge von Personen und nicht die natürlichen
Personen. Die Daten eignen sich daher nur bedingt für einen unmittelbaren
Vergleich mit den personenbezogenen Dosisdaten des BfS.
Tabelle 1b enthält die Anzahl der Frauen und Männer für die Jahre 2000 bis
2011, die dem Strahlenschutzregister unter der Betriebskategorie
„Kernkraftwerk“ gemeldet wurden. Diese Betriebskategorie enthält sowohl Eigen- als
auch Fremdpersonal. Die Aufschlüsselung nach Geschlecht ist nur mit den
personenbezogenen Daten des BfS, ohne Unterscheidung nach Druck- und
Siedewasserreaktor und erst ab dem Jahr 2000 möglich.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/12107Tabelle 1a
Quelle: GRS
1 Mehrfachnennung möglich
Jahr
Anlagentyp
Anzahl
Überwachte Personen Anlagentyp Überwachte Personen
gesamt Fremdpersonal1
Eigenpersonal Anzahl gesamt Fremdpersonal1
Eigenpersonal
DWR SWR
1980 6 7105 5793 1312 4 7115 6129 986
1981 7 8122 6603 1519 4 10081 8962 1119
1982 7 9319 7656 1663 4 12341 11149 1192
1983 7 10285 8636 1649 5 12174 10488 1686
1984 8 10808 8291 2517 7 10414 8325 2089
1985 9 9067 7081 1986 7 13213 11187 2026
1986 11 14425 11386 3039 7 12600 10488 2112
1987 11 13653 10633 3020 7 11109 9136 1973
1988 14 17785 14108 3677 7 12802 10732 2070
1989 14 20441 16359 4082 7 12403 10319 2084
1990 14 20877 16643 4234 7 12767 10624 2143
1991 14 21529 17226 4303 7 12854 10659 2195
1992 14 22101 17704 4397 7 13171 10958 2213
1993 14 21577 17222 4355 7 14387 12122 2265
1994 14 21708 17924 4414 7 13707 11493 2214
1995 14 21516 17023 4493 6 9985 8015 1970
1996 14 20581 16363 4218 6 11169 9155 2014
1997 14 19462 15238 4224 6 10132 8156 1976
1998 14 18815 14578 4237 6 10943 9002 1941
1999 14 19596 15516 4080 6 8112 6154 1958
2000 14 18757 14603 4154 6 9425 7436 1989
2001 13 17380 13523 3857 6 9561 7627 1934
2002 13 18146 14322 3824 6 8361 6449 1912
2003 13 17490 13594 3896 6 9353 7432 1921
2004 12 17080 13436 3644 6 10291 8346 1945
2005 11 17255 13774 3481 6 10644 8614 2030
2006 11 17750 14050 3700 6 12399 10372 2027
2007 11 19385 15731 3654 6 12256 10287 1969
2008 11 18334 14779 3555 6 10696 8746 1950
2009 11 19664 16051 3613 6 11932 9866 2066
2010 11 20302 16648 3654 6 12089 9990 2099
Drucksache 17/12107 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeTabelle 1b
Quelle:BfS
2. Hat die Bundesregierung Kenntnisse über die Anzahl deutscher
Staatsangehöriger, die in französischen AKW arbeiten?
a) Wie hoch ist die Anzahl deutscher Staatsangehöriger, die im
französischen AKW Cattenom arbeiten?
b) Wenn der Bundesregierung keine Daten vorliegen, warum erhebt die
Bundesregierung diese nicht, obwohl davon auszugehen ist, dass auch
Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland in
französischen AKW beschäftigt sind?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen über Beschäftigungszahlen
deutscher Staatsangehöriger, die nach französischem Recht in dortigen
Kernkraftwerken beschäftigt sind, vor.
Die Bundesregierung hat nicht die Möglichkeit und sieht auch keinen Anlass,
eine vollständige Erfassung von Beschäftigungszahlen innerhalb französischer
Kernkraftwerke vorzunehmen (s. Antwort zu Frage 4).
3. In welchen Bereichen werden nach Kenntnis der Bundesregierung die im
französischen AKW Cattenom arbeitenden Bürgerinnen und Bürger der
Bundesrepublik Deutschland eingesetzt (bitte auch nach Geschlecht
aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen über Einsatzbereiche
deutscher Staatsangehöriger vor, die in französischen Kernkraftwerken beschäftigt
sind.
Jahr Männliche Überwachte Weibliche Überwachte Alle Überwachten
2000 9832 359 10190
2001 9352 269 9620
2002 9392 280 9675
2003 9492 285 9785
2004 9468 280 9749
2005 9475 301 9779
2006 10675 348 11014
2007 10858 395 11255
2008 11500 472 11983
2009 11844 515 12384
2010 12295 571 12864
2011 11655 584 12262
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/121074. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie hoch die Zahl der beruflich
Strahlenbelasteten im französischen AKW Cattenom ist (bitte nach Jahren
von 1980 bis heute, Stammbelegschaft und Fremdpersonal sowie nach
Geschlecht aufschlüsseln)?
Wenn der Bundesregierung keine Daten vorliegen, warum erhebt sie diese
nicht, wenn davon auszugehen ist, dass auch Bürgerinnen und Bürger der
Bundesrepublik Deutschland im AKW Cattenom beschäftigt sind?
Der Bundesregierung liegen nur Daten über strahlenüberwachte Personen vor,
die im Geltungsbereich der deutschen Strahlenschutzverordnung erhoben
wurden, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit.
Somit werden in Deutschland Dosisermittlungen an Personen, die in
ausländischen Kernkraftwerken tätig sind, nur erfasst, wenn diese Personen nach
deutschem Strahlenschutzrecht überwacht werden.
Informationen, in welchen Anlagen eine Arbeitskraft strahlenexponiert tätig
war, werden dann in den Strahlenpass als persönliches Dokument der
Arbeitskraft als Zusatzinformation der Ergebnisse der betrieblichen Dosimetrie in
fremden Kontrollbereichen eingetragen.
Die Beschäftigten, die in Deutschland strahlenschutzüberwacht werden, sind
verpflichtet, neben dem betrieblichen Dosimeter des Kontrollbereichsbetreibers
ihr amtliches deutsches Strahlendosimeter auch in den Kontrollbereichen
ausländischer Anlagen zu tragen. In ausländischen Kontrollbereichen erhaltene
Dosiswerte werden dann daher in Deutschland durch die amtliche Dosimetrie
erfasst und als kumulierte Monatsdosis zentral im Strahlenschutzregister
gespeichert. Eine zentrale Erfassung der Einträge des Strahlenpasses aus der
betrieblichen Dosimetrie erfolgt nicht und ist aus Sicht der Bundesregierung für
den individuellen Strahlenschutz der überwachten Personen nicht erforderlich.
5. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung bezüglich des Anteils an
Frauen in Führungs- und Leitungspositionen (z. B. Geschäftsführerinnen,
Vorstands- und Aufsichtsratspositionen) in den Betreibergesellschaften
(und gegebenenfalls deren Mutterunternehmen) von AKW in der
Bundesrepublik Deutschland (bitte nach den Betreibern des AKW, Rechtsformen
des Unternehmens usw. aufgliedern; bitte in absoluten Zahlen und Prozent
angeben)?
a) Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche
Gender-Pay-Gap in diesen Führungspositionen?
b) Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche
Gender-Pay-Gap bei den Beschäftigten in deutschen AKW insgesamt in
den vergangenen zehn Jahren entwickelt?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Informationen vor.
6. Wie hat sich die Zahl der Strahlenpässe bei Männern und bei Frauen seit
dem Jahr 1980 entwickelt (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
In Tabelle 2 sind die Zahlen der männlichen und weiblichen
Strahlenpassinhaber für die Jahre 1980 bis 2011 zusammengestellt, wie sie dem
Strahlenschutzregister von den zuständigen Behörden der Länder gemeldet wurden. Die
Zahlen für die Jahre vor 1990 beziehen sich nur auf die alte Bundesrepublik
Deutschland. Die Summe der männlichen und weiblichen Strahlenpassinhaber
ist nicht identisch mit der Gesamtzahl, da die Registrierbehörden der Länder
insbesondere in den früheren Jahren häufig Strahlenpässe ohne Angabe des Ge-
Drucksache 17/12107 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeschlechts registriert haben. Abweichungen zu den auf Bundestagsdrucksache
17/6031 genannten Zahlen erklären sich aus den unterschiedlichen
Datenbankständen.
Tabelle 2
Quelle: BfS
Stand: Jan. 2013
7. Wie hoch ist die durchschnittliche effektive Strahlendosis in deutschen
AKW in Millisievert pro Jahr (mSv/Jahr) sowie nach Stammbelegschaft
und Fremdpersonal, aufgeschlüsselt nach Jahren von 1980 bis heute (bitte
jeweils nach Druckwasser- und Siedewasserreaktoren, insgesamt sowie
nach Geschlecht aufschlüsseln)?
In Tabelle 3a sind die mittleren Dosiswerte für das Fremd- und das
Eigenpersonal getrennt nach Druckwasser- und Siedewasserreaktoren für die Jahre 1980
bis 2010 aufgelistet. Die Daten basieren auf Summenangaben der einzelnen
Anlagen, daher sind für das Fremdpersonal nur Angaben pro Anlage möglich. Eine
Strahlenpassinhaber
Jahr Gesamt Männlich Weiblich
Verhältnis weiblich
zu männlich
1980 19.355 9.018 77 0,9%
1981 25.816 11.828 106 0,9%
1982 34.245 15.827 138 0,9%
1983 40.225 19.041 169 0,9%
1984 45.835 21.952 211 1,0%
1985 52.331 25.140 257 1,0%
1986 59.974 29.760 314 1,1%
1987 67.560 34.872 395 1,1%
1988 73.816 39.866 479 1,2%
1989 75.667 42.734 569 1,3%
1990 80.614 47.362 653 1,4%
1991 83.706 50.855 824 1,6%
1992 85.028 53.011 972 1,8%
1993 83.700 53.615 1.173 2,2%
1994 59.092 43.424 1.144 2,6%
1995 62.549 45.694 1.294 2,8%
1996 65.829 47.863 1.458 3,0%
1997 69.129 50.035 1.667 3,3%
1998 72.367 52.179 1.893 3,6%
1999 75.730 54.616 2.177 4,0%
2000 79.290 57.168 2.447 4,3%
2001 78.673 57.457 2.734 4,8%
2002 76.060 56.367 2.994 5,3%
2003 71.196 53.748 3.148 5,9%
2004 65.285 50.182 3.261 6,5%
2005 62.949 49.357 3.489 7,1%
2006 63.745 50.310 3.736 7,4%
2007 65.304 51.732 3.986 7,7%
2008 66.253 52.487 4.356 8,3%
2009 68.165 53.994 4.797 8,9%
2010 69.580 55.672 5.218 9,4%
2011 69.511 56.245 5.392 9,6%
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/12107Unterscheidung nach dem Geschlecht ist nur mit den personenbezogenen Daten
des BfS und für die Jahre ab 2000 möglich.
Tabelle 3b enthält die mittleren Jahresdosen der Frauen und Männer für die
Jahre 2000 bis 2011, die dem Strahlenschutzregister unter der Betriebskategorie
„Kernkraftwerke“ gemeldet wurden. In dieser Kategorie ist sowohl Eigen- als
auch Fremdpersonal enthalten.
Tabelle 3a
Quelle: GRS
elle 3 a Mittlere Dosis Mittlere Dosis
mSv/Jahr mSv/Jahr
Jahr Fremdpersonal Eigenpersonal Fremdpersonal Eigenpersonal
(pro Anlage) (pro Anlage)
DWR SWR
1980 5,53 6,60 1,53 4,85
1981 4,30 4,47 2,71 4,08
1982 3,38 3,82 4,67 4,14
1983 3,57 4,38 4,02 2,81
1984 2,37 2,39 1,74 2,72
1985 3,15 2,74 1,48 2,83
1986 2,21 1,90 1,54 2,43
1987 2,37 1,81 1,36 2,22
1988 2,11 1,48 1,35 1,89
1989 1,75 1,34 1,42 1,81
1990 1,24 0,84 1,20 1,61
1991 1,61 0,90 1,11 1,51
1992 1,36 0,82 1,08 1,25
1993 1,02 0,62 1,20 1,12
1994 1,58 0,72 1,11 1,04
1995 1,45 0,73 0,81 0,88
1996 1,25 0,68 0,74 0,93
1997 1,17 0,54 0,79 0,76
1998 0,84 0,44 0,85 0,91
1999 0,99 0,46 0,54 0,77
2000 0,95 0,44 0,53 0,67
2001 0,81 0,40 0,65 0,71
2002 1,01 0,41 0,53 0,59
2003 0,90 0,33 0,58 0,65
2004 0,72 0,31 0,61 0,65
2005 0,96 0,35 0,56 0,60
2006 0,60 0,21 0,56 0,53
2007 0,67 0,26 0,48 0,50
2008 0,41 0,19 0,71 0,49
2009 0,67 0,20 0,52 0,44
2010 0,36 0,19 0,45 0,38
Drucksache 17/12107 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeTabelle 3b
Quelle: BfS
8. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung zu der durchschnittlichen
effektiven Strahlendosis in AKW in mSv/Jahr, aufgeschlüsselt nach
Stammbelegschaft und Fremdpersonal, bezüglich des französischen AKW
Cattenom?
Es wird auf die Antwort zu Frage 4 verwiesen.
9. Welche Tätigkeitsfelder in kerntechnischen Anlagen werden nach Kenntnis
der Bundesregierung von Frauen, und in welchem Umfang, ausgeübt (bitte
in absoluten Zahlen und in Relation zu den männlichen Mitarbeitern
angeben)?
In Tabelle 4 ist für das Jahr 2010 die Anzahl der überwachten Personen, die
unter den verschiedenen Tätigkeitskategorien „Kerntechnik“ an das
Strahlenschutzregister gemeldet wurden, aufgeschlüsselt nach Geschlecht angegeben.
Es ist nicht auszuschließen, dass Personal innerhalb eines Jahres die
Tätigkeitskategorie wechselt.
Tabelle 4
Quelle: BfS
mittlere Dosis mSv/a
Jahr alle männlich weiblich
2000 0,48 0,50 0,02
2001 0,45 0,46 0,04
2002 0,47 0,49 0,03
2003 0,45 0,46 0,07
2004 0,43 0,45 0,06
2005 0,47 0,48 0,05
2006 0,41 0,42 0,04
2007 0,45 0,47 0,05
2008 0,40 0,42 0,03
2009 0,43 0,45 0,07
2010 0,39 0,40 0,07
2011 0,30 0,32 0,05
Überwachungsjahr: 2010 Anzahl überwachte Personen
Tätigkeitskategorie männlich weiblich
Verhältnis
Frauen zu Männern]
Kerntechnik Betrieb 4.423 237 5%
Kerntechnik Überwachung 3.285 338 10%
Kerntechnik Instandhaltung 13.737 529 4%
Kerntechnik Reinigung 1.862 176 9%
Kerntechnik Stilllegung 1.717 74 4%
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/1210710. Welchen Kollektivdosen sind die weiblichen Beschäftigten,
aufgeschlüsselt nach Fremd- und Stammpersonal, in den verschiedenen
Tätigkeitsfeldern in kerntechnischen Anlagen in den letzten zehn Jahren ausgesetzt
worden (bitte, wenn möglich, nach Jahren aufschlüsseln und unter
anderem die Daten der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS)
mbH berücksichtigen)?
In Tabelle 5 sind die Kollektivdosen für die weiblichen Beschäftigten für die
verschiedenen Tätigkeitskategorien in der Kerntechnik für die Jahre 2001 bis
2010 zusammengestellt. Eine Aufschlüsselung nach Eigen- und Fremdpersonal
ist mit den vorliegenden Daten nicht möglich. Die Daten der GRS enthalten
keine Aufschlüsselung nach Geschlecht.
Tabelle 5
Kollektivdosis Frauen in Tätigkeitskategorien Kerntechnik in den Jahren 2001 bis 2010
Quelle: BfS
11. Treten nach Kenntnis der Bundesregierung Krebserkrankungen bei
Arbeiterinnen und Arbeitern in deutschen AKW häufiger auf als in anderen
Arbeitsfeldern außerhalb von AKW (bitte nach Stammbelegschaft und
Fremdpersonal sowie nach Geschlecht aufschlüsseln)?
a) Worauf führt die Bundesregierung eventuell bestehende Unterschiede
zurück?
b) Wie begegnet die Bundesregierung eventuell erhöhten Krebsraten von
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in AKW präventiv und reaktiv?
c) Wie viele Frauen, die in einem AKW arbeiten, erkranken nach
Kenntnis der Bundesregierung jährlich neu an Brustkrebs, Blutkrebs,
Knochenkrebs (bitte chronologisch seit 1980 aufschlüsseln), und wie
unterscheidet sich die Krebsrate von der durchschnittlichen
bundesdeutschen Krebsrate?
Welche wissenschaftlichen Untersuchungen gibt es nach Kenntnis der
Bundesregierung hierzu, und zu welchen Erkenntnissen kommen
diese?
d) Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um die in AKW
beschäftigten Frauen vor einem eventuell erhöhten Krebsrisiko zu
schützen?
Jahr /
Tätigkeitskategorie
Kerntechnik
Betrieb
Kerntechnik
Überwachung
Kerntechnik
Instandhaltung
Kerntechnik
Reinigung
Kerntechnik
Stilllegung
Kollektivdosis in mSv
2001 3 4 22 9 2
2002 6 4 42 10 3
2003 4 7 37 15 3
2004 5 6 29 17 3
2005 4 9 27 12 1
2006 2 8 23 6 1
2007 8 11 23 7 5
2008 4 9 29 6 2
2009 4 11 28 15 1
2010 7 8 33 19 13
Drucksache 17/12107 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodee) Wie viele Männer, die in einem AKW arbeiten, erkranken nach
Kenntnis der Bundesregierung jährlich neu an Prostatakrebs, Blutkrebs,
Knochenkrebs (bitte chronologisch seit dem Jahr 1980 aufschlüsseln),
und wie unterscheidet sich die Krebsrate von der durchschnittlichen
bundesdeutschen Krebsrate?
f) Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um die in AKW
beschäftigten Männer vor einem eventuell erhöhten Krebsrisiko zu
schützen?
g) Wie oft wird bei Arbeiterinnen oder Arbeitern eines deutschen AKW
nach Kenntnis der Bundesregierung die akute Strahlenkrankheit
diagnostiziert (bitte nach Geschlecht differenzieren und seit dem Jahr
1980 chronologisch anführen)?
Ein Vergleich der Krebserkrankungen bei Arbeiterinnen und Arbeitern in
deutschen Kernkraftwerken zu anderen Berufsgruppen liegt nicht vor.
Alle Beschäftigten in Kernkraftwerken unterliegen den geltenden
Strahlenschutzbestimmungen. Diese beinhalten u. a. Erfordernisse der
Dosisüberwachung und Registrierung sowie der arbeitsmedizinischen Vorsorge.
Unterschiede der Krebsrate der Beschäftigten in Kernkraftwerken im Vergleich
zur durchschnittlichen Krebsrate in Deutschland wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung bisher in einer Studie zur Krebssterblichkeit bei Beschäftigten
in Kernkraftwerken untersucht (Hammer et al., 2008). Darin wurde gezeigt,
dass Mitglieder der Gruppe der Beschäftigten im Vergleich zu in Alter und
Geschlecht vergleichbaren Gruppen der Allgemeinbevölkerung im Allgemeinen
über einen besseren Gesundheitsstatus verfügen.
Werden Krebserkrankungen als Todesursache betrachtet, so liegt die
Sterblichkeitsrate bei Beschäftigten in Kernkraftwerken bei etwa 66 Prozent derjenigen
in der Allgemeinbevölkerung. Untersuchungen mit Unterscheidung nach
Geschlecht liegen nicht vor.
Die akute Strahlenkrankheit wurde bei Beschäftigten in deutschen
Kernkraftwerken bisher nicht diagnostiziert. Diese Krankheit kann nach akuten
Expositionen mit Strahlendosen von mehr als 250 Millisievert auftreten.
12. Treten nach Kenntnis der Bundesregierung Fehlgeburten,
Unfruchtbarkeit und Fehlentwicklungen bei Neugeborenen von Arbeiterinnen in
deutschen AKW häufiger auf als in Arbeitsfeldern außerhalb von AKW?
a) Wie viele Fehlgeburten gab es nach Kenntnis der Bundesregierung
seit dem Jahr 2000 bei Arbeiterinnen von AKW, und wie unterscheidet
sich diese Rate von der der Gesamtbevölkerung?
b) Wie häufig traten Fehlbildungen nach Kenntnis der Bundesregierung
bei Neugeborenen von Arbeiterinnen eines AKW auf, und wie
unterscheidet sich diese Rate von der der Gesamtbevölkerung?
c) Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um die in AKW
beschäftigten Frauen vor eventuellen Fehlgeburten, Unfruchtbarkeiten
und Fehlentwicklungen bei Neugeborenen zu schützen?
d) Wie häufig wurde nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr
2000 bei Arbeiterinnen und Arbeitern eines AKW Unfruchtbarkeit bei
Männern und Frauen diagnostiziert (bitte nach Geschlecht
differenzieren), und wie unterscheidet sich diese Rate von der der
Gesamtbevölkerung?
e) Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um die in AKW
beschäftigten Männer und Frauen vor eventueller Unfruchtbarkeit zu
schützen?
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/12107f) Wie häufig werden nach Kenntnis der Bundesregierung Jungen und
Mädchen von Arbeiterinnen eines AKW geboren, und wie
unterscheiden sich die Zahlen von denen der Gesamtbevölkerung?
Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit und Fehlentwicklungen bei Neugeborenen
werden in Deutschland nicht erfasst, deshalb liegen keine Informationen darüber
vor, ob bei Arbeiterinnen in deutschen Kernkraftwerken Fehlgeburten,
Unfruchtbarkeit und Fehlentwicklungen bei Neugeborenen häufiger auftreten als
bei Beschäftigten außerhalb von Atomkraftwerken.
Alle Beschäftigten in Kernkraftwerken unterliegen den geltenden
Strahlenschutzbestimmungen. Diese beinhalten u. a. Erfordernisse der
Dosisüberwachung und Registrierung sowie der arbeitsmedizinischen Vorsorge. Dadurch
wird ein ausreichender Schutz der Beschäftigten erreicht. Für beruflich
strahlenexponierte Frauen im gebärfähigen Alter und Schwangere sieht die
Strahlenschutzverordnung besondere Regelungen und Schutzmaßnahmen vor (§§ 41,
43, 55).
13. Mit wie viel Millisievert belasten deutsche Atomanlagen die im
Nahbereich lebende Normalbevölkerung jährlich?
In welchen Fällen wurde die in der deutschen Strahlenschutzverordnung
festgelegte Maximalgrenze von 60 Millirem (30 Millirem über die Abluft
plus 30 Millirem über das Abwasser) überschritten (bitte die Fälle seit
dem Jahr 2000 für die Abstände 5 Kilometer (km), 5 bis 10 km, 10 bis
15 km, 15 bis 20 km, 20 bis 25 km zum jeweiligen AKW anführen)?
Die jährliche Strahlenexposition einer Person der Bevölkerung durch eine
kerntechnische Anlage wird für eine fiktive Referenzperson unter ungünstigsten
Bedingungen berechnet. Es wird angenommen, dass diese Person sich das ganze
Jahr am Punkt der höchsten Strahlenexposition, in der Regel direkt am Zaun
einer Anlage aufhält und alle ihre Lebensmittel vom Punkt maximaler
Lebensmittelkontamination bezieht. Die Strahlenexposition muss aus den Ableitungen
berechnet werden, da sie wegen ihrer geringen Höhe nicht gemessen werden
kann. Für diese Referenzperson lag der höchste Wert über den Luftpfad seit
dem Jahr 2000 an einer Anlage bei 0,006 Millisievert im Kalenderjahr bei
Erwachsenen und 0,010 Millisievert im Kalenderjahr bei Kleinkindern. Der
Dosisbeitrag über Ableitungen mit Wasser ist etwa um einen Faktor 10 kleiner.
Für die Bevölkerung im Nahbereich sind die zu erwartenden tatsächlichen
Dosiswerte auf Grund der o. g. konservativen Annahmen der Dosisberechnung um
mindestens eine Größenordnung kleiner und bewegen sich im Bereich unter
0,001 Millisievert. Der Grenzwert für die Allgemeinbevölkerung aus
Tätigkeiten nach Strahlenschutzverordnung beträgt 1 Millisievert im Kalenderjahr
und für Ableitungen aus einer kerntechnischen Anlage für die Pfade Luft und
Wasser jeweils 0,3 Millisievert im Kalenderjahr. Damit werden die Grenzwerte
der deutschen Strahlenschutzverordnung um etwa zwei Größenordnungen oder
mehr unterschritten.
Nach den der Bundesregierung vorliegenden Informationen wurden die
Grenzwerte der deutschen Strahlenschutzverordnung für Ableitungen aus
kerntechnischen Anlagen für die Pfade Luft und Wasser in Höhe von jeweils 0,3
Millisievert (30 Millirem) im Kalenderjahr in keinem Fall überschritten.
Drucksache 17/12107 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode14. Aus welchen Ländern beziehen nach Kenntnis der Bundesregierung die
Betreiber deutscher AKW das benötigte Uran, wie hoch ist die
Krankheits- und Mortalitätsrate der Arbeiterinnen und Arbeiter in den
entsprechenden Minen, und welche Rolle kommt den Frauen in den Gebieten
beim Urangewinn zu?
Es wird auf die Antworten der Bundesregierung auf die Kleinen Anfragen auf
Bundestagsdrucksache 17/6037 zur Herkunft des Urans in deutschen
Atomkraftwerken und auf Bundestagsdrucksache 17/10573 zu Herkunft und
Transport von Kernbrennstoffen und ihren Ausgangsmaterialien vom 31. Mai 2011
bzw. 23. August 2012 verwiesen.
15. Teilt die Bundesregierung die Ansicht, dass die Grenzwerte der
Strahlenschutzverordnung für Frauen deutlich niedriger angesetzt werden
müssten, und folglich auch keine weiblichen Polizeieinsatzkräfte zur
Sicherung von Castor-Transporten eingesetzt werden sollten?
Wenn nein, warum nicht?
Die Grenzwerte der deutschen Strahlenschutzverordnung wurden so festgelegt,
dass sie grundsätzlich für Männer und Frauen gleichermaßen gelten und bei
Einhaltung sowohl Männer als auch Frauen vor gesundheitlichen Folgen
aufgrund von Strahlenexpositionen schützen. Die Bundesregierung sieht daher
keine Veranlassung für eine Änderung der bestehenden Grenzwerte. Diese
entsprechen den Empfehlungen internationaler Gremien.
Polizeieinsatzkräfte (abgesehen von Strahlenschutzfachkräften) gelten nicht als
beruflich strahlenexponierte Personen; damit gelten für sie die strengeren
Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung wie für Personen der
Allgemeinbevölkerung.
16. Treten nach Kenntnis der Bundesregierung Krebserkrankungen im
Nahbereich von AKW häufiger auf als anderswo?
a) Nimmt nach Kenntnis der Bundesregierung das Risiko, an Krebs zu
erkranken, mit der Nähe des Wohnortes zu AKW zu (negativer
Abstandstrend)?
b) Wie verändert sich das Risiko nach Kenntnis der Bundesregierung für
die Abstände 5 km, 5 bis 10 km, 10 bis 15 km, 15 bis 20 km, 20 bis
25 km zum jeweiligen AKW?
c) Wie viele Frauen erkranken nach Kenntnis der Bundesregierung
jährlich in Deutschland neu an Brustkrebs, Blutkrebs, Knochenkrebs (bitte
chronologisch seit dem Jahr 1980 aufschlüsseln)?
d) Wie viele Frauen, die im Umkreis von 25 km eines AKW leben,
erkranken nach Kenntnis der Bundesregierung jährlich neu an
Brustkrebs, Blutkrebs, Knochenkrebs (bitte chronologisch seit dem Jahr
1980 aufschlüsseln), und wie unterscheidet sich die Krebsrate von der
durchschnittlichen deutschen Krebsrate?
e) Bei wie vielen Kindern unter fünf Jahren und Jugendlichen unter
16 Jahren wurde nach Kenntnis der Bundesregierung im Umkreis von
25 km eines AKW Krebs diagnostiziert (bitte chronologisch seit 1980
– somit auch vor der offiziellen Inbetriebnahme – aufschlüsseln)?
f) Nehmen Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren und
Jugendlichen unter 16 Jahren im Umkreis von 25 km eines AKW nach
Kenntnis der Bundesregierung zu, und wie unterscheidet sich die
Häufigkeit der Erkrankungen von der durchschnittlichen bundesdeutschen
Häufigkeit (bitte jeweils in absoluten Zahlen und relativ zur
Gesamtbevölkerung)?
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/12107Welche wissenschaftlichen Untersuchungen gibt es nach Kenntnis der
Bundesregierung hierzu, und zu welchen Erkenntnissen kommen
diese?
g) Nimmt das Krebsrisiko bei Kindern unter fünf Jahren und
Jugendlichen unter 16 Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung mit der
Nähe zum Standort von AKW zu (bitte jeweils in absoluten Zahlen
und relativ zur Gesamtbevölkerung)?
Gibt es gegebenenfalls Einflussfaktoren, die nach Kenntnis der
Bundesregierung das gefundene Ergebnis erklären können?
Leitet die Bundesregierung aus den Ergebnissen konkrete Maßnahmen
ab?
h) Bei wie vielen Männern wurde nach Kenntnis der Bundesregierung im
Umkreis von 25 km eines AKW Knochenkrebs oder Prostatakrebs
diagnostiziert (bitte chronologisch seit dem Jahr 1980 – somit auch
vor der offiziellen Inbetriebnahme – aufschlüsseln), und wie
unterscheidet sich die Krebsrate von der durchschnittlichen
bundesdeutschen Krebsrate?
i) Wie oft wurde nach Kenntnis der Bundesregierung im Nahbereich
eines deutschen AKW die akute Strahlenkrankheit diagnostiziert (bitte
nach Geschlechtern differenzieren und seit dem Jahr 1980
chronologisch anführen)?
Es gibt für Deutschland keine Hinweise darauf, dass Personen, die älter als
14 Jahre sind, in der Umgebung von Kernkraftwerken häufiger an Krebs
erkranken als in anderen Regionen. Dieser Frage wurde in Bayern in den 80er-
Jahren nachgegangen (Grosche et al., 1987), aber auch in England und Wales
(Cook-Mozaffari et al., 1987). Die letzte große Untersuchung zu diesem Thema
stellt die Norddeutsche Leukämie- und Lymphomstudie dar, die ebenfalls
keinen Hinweis auf erhöhte Risiken für Leukämien oder Lymphome im
Erwachsenenalter in der Umgebung von Kernkraftwerken (hier: die entlang der Elbe)
ergab (Hoffmann et al., 2003).
Aus den Ergebnissen der epidemiologischen Studie zu Kinderkrebs in der
Umgebung von Kernkraftwerken (KiKK-Studie) lässt sich ableiten, dass in dem
Zeitraum 1980 bis 2003 37 Kinder unter fünf Jahren im 5-km-Umkreis der
untersuchten 16 deutschen Kernkraftwerke an einer Leukämie erkrankten. Das
entspricht in etwa einer Verdoppelung des Erkrankungsrisikos.
Im 10-km-Umkreis sind im gleichen Zeitraum 95 Leukämieerkrankungen bei
unter 5-jährigen Kindern beobachtet worden. Dies entspricht einem um
33 Prozent erhöhten Risiko (Kaatsch et al., 2008).
Für die anderen Altersklassen muss auf frühere Auswertungen des Deutschen
Kinderkrebsregisters zurückgegriffen werden, die für die über 5-Jährigen keine
Auffälligkeiten berichteten (Kaletsch et al., 1997).
Es gibt derzeit keine Erklärung für die Ergebnisse der KiKK-Studie. Nach
Bewertungen des BfS und der Strahlenschutzkommission hätte die
Strahlenexposition der Bevölkerung und insbesondere der Kinder aus den Ableitungen
radioaktiver Stoffe aus Kernkraftwerken wenigstens 1 000 mal höher sein müssen,
um als Ursache für die Ergebnisse infrage zu kommen.
Auf Veranlassung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit hat das BfS daher unter Mitwirkung internationaler Experten ein
Forschungskonzept entwickelt, um einen Beitrag zur Ursachenklärung von
Leukämien im Kindesalter zu leisten.
Die akute Strahlenkrankheit wurde im Nahbereich deutscher Kernkraftwerke
nicht diagnostiziert. Diese Krankheit kann nach akuten Expositionen mit
Strahlendosen von mehr als 250 Millisievert auftreten.
Drucksache 17/12107 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode17. Wie häufig treten nach Kenntnis der Bundesregierung
Krebserkrankungen im Nahbereich vom französischen AKW Cattenom auf saarländischer
Seite auf?
a) Wie viele Frauen, die im Umkreis von 25 km des AKW Cattenom auf
saarländischer Seite leben (vgl. Karte der Broschüre „Saarland
Notfallschutz“, S. 25,
www.mettlach.de/documents/notfallschutz-catte-
nom.pdf), erkranken nach Kenntnis der Bundesregierung jährlich neu
an Brustkrebs, Blutkrebs, Knochenkrebs (bitte chronologisch seit dem
Jahr 1980 – somit auch vor der offiziellen Inbetriebnahme des AKW
Cattenom – aufschlüsseln), und wie unterscheidet sich die Krebsrate
von der durchschnittlichen saarländischen Krebsrate?
b) Bei wie vielen Kindern wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
im Umkreis von 25 km des AKW Cattenom auf saarländischer Seite
(vgl. Karte der Broschüre „Saarland Notfallschutz“, S. 25,
www.mett-
lach.de/documents/notfallschutz-cattenom.pdf) Krebs diagnostiziert
(bitte chronologisch seit dem Jahr 1980 – somit auch vor der
offiziellen Inbetriebnahme des AKW Cattenom – aufschlüsseln), und wie
unterscheidet sich die Krebsrate von der durchschnittlichen
saarländischen Krebsrate?
c) Bei wie vielen Männern wurde nach Kenntnis der Bundesregierung im
Umkreis von 25 km des AKW Cattenom auf saarländischer Seite (vgl.
Karte der Broschüre „Saarland Notfallschutz“, S. 25,
www.mett-
lach.de/documents/notfallschutz-cattenom.pdf) Blutkrebs,
Knochenkrebs, Prostatakrebs diagnostiziert (bitte chronologisch seit dem Jahr
1980 – somit auch vor der offiziellen Inbetriebnahme des AKW
Cattenom – aufschlüsseln), und wie unterscheidet sich die Krebsrate von
der durchschnittlichen saarländischen Krebsrate?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
18. Treten nach Kenntnis der Bundesregierung Fehlgeburten,
Unfruchtbarkeit und Fehlbildungen bei Neugeborenen im Nahbereich von deutschen
Kernkraftwerken häufiger auf als anderswo?
a) Wie viele Fehlgeburten gab es nach Kenntnis der Bundesregierung
seit dem Jahr 2000 im Umkreis von 25 km eines AKW, und wie
unterscheidet sich diese Rate von der der Gesamtbevölkerung?
b) Wie häufig traten nach Kenntnis der Bundesregierung Fehlbildungen
bei Neugeborenen im Umkreis von 25 km eines AKW auf, und wie
unterscheidet sich diese Rate von der der Gesamtbevölkerung?
c) Wie häufig wurde nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr
2000 im Umkreis von 25 km eines AKW Unfruchtbarkeit bei
Männern und Frauen diagnostiziert (bitte nach Geschlecht differenzieren),
und wie unterscheidet sich diese Rate von der der
Gesamtbevölkerung?
d) Wie häufig werden nach Kenntnis der Bundesregierung Jungen und
Mädchen im Umkreis von 25 km eines AKW geboren, und wie
unterscheiden sich die Zahlen von denen der Gesamtbevölkerung?
e) Nimmt nach Kenntnis der Bundesregierung das Risiko von
Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit und Fehlbildungen mit der Nähe des Wohnorts zu
den AKW zu (negativer Abstandstrend)?
f) Wie verändert sich nach Kenntnis der Bundesregierung das Risiko von
Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit und Fehlbildungen bei Neugeborenen
mit den Abständen 5 km, 5 bis 10 km, 10 bis 15 km, 15 bis 20 km, 20
bis 25 km zum jeweiligen AKW?
Es wird auf die Antwort zu Frage 12 verwiesen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 15 – Drucksache 17/12107Im Nachgang zur KiKK-Studie wurde eine Untersuchung zur Häufigkeit von
Geburten mit Fehlbildungen in der Umgebung von drei deutschen
Kernkraftwerken durchgeführt. Nach dieser Studie wurde kein Hinweis auf eine erhöhte
Häufigkeit von Fehlbildungen (Queißer-Luft et al., 2011) durch das Wohnen im
Nahbereich der Kernkraftwerke gefunden.
Weitere Daten liegen der Bundesregierung hierzu nicht vor.
19. Treten nach Kenntnis der Bundesregierung Fehlgeburten,
Unfruchtbarkeit und Fehlbildungen bei Neugeborenen im Nahbereich des
französischen AKW Cattenom auf saarländischer Seite häufiger auf als
anderswo?
a) Wie viele Fehlgeburten gab es nach Kenntnis der Bundesregierung
seit dem Jahr 2000 im Umkreis von 25 km des AKW Cattenom auf
saarländischer Seite, und wie unterscheidet sich diese Rate von der der
Gesamtbevölkerung?
b) Wie häufig traten nach Kenntnis der Bundesregierung Fehlbildungen
bei Neugeborenen im Umkreis von 25 km des AKW Cattenom auf
saarländischer Seite auf, und wie unterscheidet sich diese Rate von der
der Gesamtbevölkerung?
c) Wie häufig wurde nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr
2000 im Umkreis von 25 km des AKW Cattenom auf saarländischer
Seite Unfruchtbarkeit bei Männern und Frauen diagnostiziert (bitte
nach Geschlecht differenzieren), und wie unterscheidet sich diese Rate
von der der Gesamtbevölkerung?
d) Wie häufig werden Jungen und Mädchen nach Kenntnis der
Bundesregierung im Umkreis von 25 km des AKW Cattenom auf
saarländischer Seite geboren, und wie unterscheiden sich die Zahlen von
denen der saarländischen Gesamtbevölkerung?
Es wird auf die Antwort zu Frage 12 verwiesen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]