[Deutscher Bundestag Drucksache 17/12793
17. Wahlperiode 18. 03. 2013 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Uwe Kekeritz, Ute Koczy, Thilo Hoppe,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 17/12572 –
Projekte von GIZ und GIZ IS zur Verbesserung von Sozialstandards
bei Zulieferbetrieben
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Durch die Brände in den Textilfabriken in Bangladesch und Pakistan sind die oft
katastrophalen Arbeitsbedingungen von Arbeiterinnen und Arbeitern in den
Produktionsstätten auch deutscher Unternehmen in das Licht der Öffentlichkeit
gerückt. Neben fehlenden Sicherheitsvorkehrungen in den Fabriken wurde in
vielen weiteren Punkten gegen Standards der Internationalen
Arbeitsorganisation (ILO) verstoßen: Löhne, die nicht zum Leben reichen, Zwangsüberstunden,
Diskriminierung und permanenter Arbeitsdruck. Zudem sind in vielen Fällen
Gewerkschaften oder Arbeiterversammlungen verboten. Um die Einhaltung
von weltweiten Sozialstandards in den Produzentenländern voranzutreiben, sind
nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit
(GIZ) GmbH unter anderem Investitionen in Aus- und Fortbildungen und der
Aufbau von nationalen Überwachungs- und Kontrollstrukturen notwendig. In
diesem Zusammenhang kooperiert die GIZ auch mit privatwirtschaftlichen
Unternehmen. Daneben arbeitet die GIZ International Services (GIZ IS) als
eigenständig agierender Geschäftsbereich der GIZ direkt im Auftrag und mit der
Finanzierung von Unternehmen daran, Sozialstandards in der globalen
Zulieferkette zu verbessern.
Zum Beispiel betreibt die GIZ IS seit dem Jahr 2008 ein Projekt mit der Lidl
Stiftung & Co. KG (Lidl) zur Verbesserung der Sozialstandards in ihren
Zulieferbetrieben in Bangladesch. Im Rahmen des Projektes werden Trainings- und
Beratungsmaßnahmen für das Management der Zulieferbetriebe, sowie ein
mobiler Gesundheitsdienst für die Arbeiterinnen und Arbeiter in ausgewählten
Betrieben angeboten. Aus einer Studie der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean
Clothes Campaign – CCC) geht hervor, dass die Trainings oft nicht ausreichen,
und dass noch immer schwerwiegende Arbeitsrechtsverletzungen in den
untersuchten Fabriken vorherrschen (
www.saubere-kleidung.de/images/05_pdf/
2012/2012-02-28_studie-im-visier_discounter.pdf). Auch wird kritisiert, dass
Lidl mit Hilfe der GIZ im Oktober 2011 zwar einmalig einen Bonus an die
Angestellten verteilt hätte, dies jedoch grundsätzlich nichts an der viel zu niedrigen
Bezahlung der Beschäftigten ändere. Nach Angaben von Lidl wurden durch die Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung vom 14. März 2013 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/12793 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodemobile Krankenstation schon 25 000 Personen behandelt. Die Näherinnen
berichten jedoch laut der Studie der CCC davon, dass vor allem Vitamintabletten
und Tabletten gegen Blutarmut – typische Mangelerscheinungen aufgrund
unzureichender Ernährung und Armut – verteilt wurden.
Von Nichtregierungsorganisationen (NGO) wird ebenfalls die Zusammenarbeit
von GIZ bzw. GIZ IS mit dem Global Social Compliance Programme (GSCP)
kritisiert. Das GSCP ist eine Plattform von knapp 40 großen Unternehmen, wie
Ikea, C&A, adidas, Walmart oder Woolworths. NGOs oder Gewerkschaften
sind nicht Mitglied.
1. Welche Projekte und Initiativen unterstützt die Bundesregierung im Bereich
Sozialstandards in Entwicklungs- und Schwellenländer, und wie hoch sind
die deutschen ODA-Mittel (ODA = Official Development Assistance) in
diesem Bereich?
Eine Gesamtdarstellung der Projekte im Bereich Sozialstandards innerhalb der
ODA ist nicht möglich, da es für diesen Bereich keinen eigenen
Förderbereichsschlüssel gibt, anhand dessen entsprechende Projekte identifiziert werden
könnten. Beispielhaft werden hier einige Projekte und Initiativen genannt:
• Projekt zur Förderung von Sozial- und Umweltstandards in der Industrie
(Bangladesch), Laufzeit (01/2010 bis 12/2014), 7,16 Mio. Euro inklusive
2,34 Mio. Euro Kombifinanzierung der Europäischen Union (EU).
• Deutsch-Indische CSR-Initiative, Laufzeit 04/2012 bis 06/2014, Indien,
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ) 2,6 Mio. Euro.
• Zu „Wirtschaft und Menschenrechte“ unterstützt das BMZ die Arbeiten des
Instituts für Entwicklung und Frieden (INEF) zu Potenzialen und Grenzen
von Arbeits- und Sozialstandards. Dabei stehen Fragen der
Geschlechtergerechtigkeit oder der Auswirkung privatwirtschaftlicher Qualitäts- und
Sicherheitsstandards auf die soziale und menschenrechtliche Situation von
Kleinproduzenten, aber auch die Verantwortung von Unternehmen innerhalb ihrer
globalen Lieferketten, beispielsweise im Textil- und Bekleidungssektor, im
Vordergrund. Die Ergebnisse sollen unter anderem in die mögliche
Entwicklung von Instrumenten zur menschenrechtlichen Risikofolgenabschätzung
einfließen (sogenannte Human Rights Impact Assessments). Die
Fördersumme beträgt 742 224 Euro (Projektlaufzeit 2008 bis 03/2013).
• Das Projekt „Certification Capacity Enhancement“, CCE (Verbesserung des
Zugangs zu nachhaltiger Zertifizierung im Kakaosektor) ist eine Strategische
Allianz zwischen der GIZ, der internationalen Schokoladen- und
Süßwarenindustrie sowie den Standardsystemen Fairtrade, Rainforest Alliance und
UTZ Certified. Das Projekt wird im Auftrag des BMZ in Ghana, Côte
d’Ivoire und Nigeria im Zeitraum März 2010 bis Februar 2013 durchgeführt.
Das Gesamtbudget beläuft sich auf 1,5 Mio. Euro, wovon der deutsche Anteil
0,55 Mio. Euro beträgt.
• Bisher wurden über 20 000 Kakaoproduzenten mit dem CCE Curriculum
ausgebildet, von denen ca. 85 Prozent die Zertifizierungskriterien erfüllten.
Eine erste Bestandsaufnahme deutet auf ein deutlich besseres Farm-
Management der ausgebildeten Produzenten hin sowie auf eine Sensibilisierung für
den Themenkomplex Kinderarbeit.
• Das BMZ unterstützt bei der ILO unter anderem das Projekt „Combating
Child Labour in Central Asia“ im Zeitraum von 2010 bis 2013 mit Mitteln in
Höhe von 3,05 Mio. Euro.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/12793• Vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) wurden für das
Jahr 2013 freiwillige Leistungen von 600 000 Euro an die Internationale
Arbeitsorganisation (IAO) für den Aufbau von sozialen Basisschutzsystemen
(Social Protection Floors) gezahlt. Weitere 600 000 Euro sind in die aktuellen
Haushaltsverhandlungen eingebracht worden. Darüber hinaus werden vom
BMAS für das Jahr 2013 24,68 Mio. Euro als Mitgliedsbeitrag an die IAO
gezahlt, davon sind 60 Prozent ODA-anrechenbare Leistungen.
2. In welchen Projekten arbeiten GIZ oder GIZ IS mit Unternehmen
zusammen, um zu einer Verbesserung von Sozialstandards in Zulieferbetrieben in
Entwicklungs- und Schwellenländern beizutragen (bitte nach Ländern, Art
der Projekte, Höhe der Kosten und Unternehmen auflisten)?
Das GIZ-Vorhaben zur Förderung von Sozial- und Umweltstandards in
Bangladesch führt derzeit im Rahmen einer „Entwicklungspartnerschaft mit der
Wirtschaft“ mit der University of Warwick, 96 Fabrikbetrieben sowie der
International Finance Corporation (IFC) durch. Das Vorhaben bildet zurzeit rund
500 Arbeiterinnen zu Produktmanagerinnen aus. Die Laufzeit ist von 2011 bis
2013 und das Mittelvolumen beträgt 500 000 Euro, von denen das BMZ 60 000
Euro übernimmt und die übrigen Partner 440 000 Euro.
Derzeit arbeitet die GIZ über GIZ IS in Bangladesch mit Lidl im Rahmen eines
Drittgeschäfts zusammen. Der Zeitraum ist von 2012 bis 2014 und das
Projektvolumen beträgt 4,1 Mio. Euro.
Ebenfalls in Bangladesch und ebenfalls über GIZ IS arbeitet die GIZ mit C&A
im Rahmen eines Drittgeschäfts im Zeitraum von 2011 bis 2013 zusammen mit
Projektkosten von 2,3 Mio. Euro für diese erste Phase.
3. Welche Projekte der GIZ mit der Privatwirtschaft im Bereich der Umsetzung
von Sozialstandards in Betrieben werden vom Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanziert?
Derzeit keine.
4. Nach welchen Kriterien werden Kofinanzierungen des BMZ in diesem
Bereich genehmigt?
Wenn die Privatwirtschaft eine Standardinitiative zu Umwelt- und/oder
Sozialstandards starten möchte, dann legt die Bundesregierung zu deren Förderung
„Strategische Kriterien für die Entwicklungszusammenarbeitsförderung von
Standardinitiativen“ zugrunde. Diese lauten:
• Themenrelevanz – Die Standardinitiative greift Themen auf, die besonders
im EZ Kontext relevant sind oder die in einem Sektor/Land besonders
drängend sind.
• Armutsrelevanz – Förderung der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) stellt
sicher, dass die Standardinitiative armutsrelevante Themen und Ansätze
integriert oder für die EZ relevante Gruppen nicht benachteiligt werden.
• Politische Relevanz – Die Standardinitiative ist von besonderer Bedeutung
für die Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen.
• Wirtschaftsrelevanz – Der Standard ist von Relevanz und Interesse für die
Wirtschaftsakteure in Entwicklungs- und/oder Industrieländern.
Drucksache 17/12793 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode• Relevanz für die Technische Zusammenarbeit (TZ) – Die Standardinitiative
ist von besonderer strategischer Bedeutung für die bilaterale oder
multilaterale TZ.
• Tiefenwirksamkeit – Der Standard hat ökologisch und/oder sozial
anspruchsvolle Kriterien.
• Breitenwirksamkeit – Die Standardinitiative strebt eine großflächige
Verbesserung der Produktionsbedingungen in einem Sektor/Land/Thema an.
• Innovationspotential – Die Standardinitiative enthält innovative Elemente
um die Effizienz, Effektivität, das Wirkungsmonitoring oder die
Verbreiterung und Verbesserung (Upscaling) der Wirkungen von Standardinitiativen
zu verbessern.
Für alle Kofinanzierungen im Rahmen von Entwicklungspartnerschaften mit der
Wirtschaft gelten folgende Kriterien:
• Jede Maßnahme muss mit den entwicklungspolitischen Zielvorgaben der
Bundesregierung vereinbar sein.
• Die öffentlichen und privaten Beiträge müssen sich so ergänzen, dass beide
Partner durch die Kooperation ihre Ziele kostengünstiger, wirksamer und
schneller erreichen (Komplementarität).
• Ein öffentlicher Beitrag wird nur geleistet, wenn der private Partner die
Entwicklungspartnerschaft ohne den öffentlichen Partner nicht durchführen
würde und die Maßnahme nicht gesetzlich erforderlich ist (Subsidiarität).
• Die Wettbewerbsneutralität muss gewährleistet sein. Die Kooperation mit der
GIZ steht allen Unternehmen offen und wird transparent kommuniziert.
• Das Unternehmen muss einen wesentlichen finanziell darstellbaren Beitrag
zur Entwicklungspartnerschaft leisten (Eigenbeitrag der Wirtschaft).
5. Welche Ziele verfolgt die Bundesregierung mit der Zusammenarbeit von
GIZ und GIZ IS mit Unternehmen, und welche Instrumente kommen dabei
zum Einsatz?
Die Bundesregierung hat zum Ziel, verantwortungsvolles unternehmerisches
Handeln in den Kooperationsländern der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit zu fördern. Hierbei nutzt sie die verschiedenen Instrumente der bilateralen
Entwicklungszusammenarbeit, z. B. Regierungsberatung zur Schaffung eines
förderlichen ordnungspolitischen Rahmens oder durch Beratung bei der
Finanzsystementwicklung, um kleinen und mittleren Unternehmen vor Ort Zugang zu
Finanzierung zu ermöglichen.
Darüber hinaus arbeitet das BMZ auf verschiedenen Ebenen erfolgreich mit der
deutschen und internationalen Privatwirtschaft zusammen.
Ein wichtiges Instrument dieser Zusammenarbeit sind die
Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft. Durch die Zusammenarbeit mit privaten
Unternehmen wird nicht nur zusätzliches (privates) Geld, sondern auch
privatwirtschaftliches Know-how für die Entwicklungsländer und entwicklungsrelevante
Projekte gewonnen. Dadurch steigt die Effizienz und Effektivität des deutschen
entwicklungspolitischen Engagements. Zudem wird ein für alle Seiten
gewinnbringender Dialog der Privatwirtschaft und Vertretern von Regierungen und aus
der Zivilgesellschaft vor Ort angeregt.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/127936. Warum kofinanziert die Bundesregierung über die GIZ-Projekte mit dem
Ziel einer Verbesserung von Sozialstandards in Zulieferbetrieben in
Zusammenarbeit mit der Wirtschaft?
Die Erfahrung der Bundesregierung bei der Entwicklung und Förderung von
Sozialstandards der letzten Jahre zeigt, dass Verbesserungen in der Zuliefererkette
am effektivsten in Zusammenarbeit von allen relevanten Akteuren, d. h.
Nichtregierungsorganisationen inkl. Gewerkschaften, Standardinitiativen, staatlichen
Stellen und Unternehmen erreicht werden können. Grund dafür sind die
komplexer und internationaler werdenden Zuliefererketten, über die die Unternehmen
selbst viele notwendige Kenntnisse besitzen sowie entsprechende Instrumente
und Erfahrungen, um in einem fremden kulturellen Kontext auf nachhaltiger
Basis Veränderungen zu erreichen. Sie sind folglich als Akteur im
Verbesserungsprozess notwendig. Wirtschaftliche Zusammenarbeit kann Defizite bei der
Einhaltung von Sozialstandards oft effektiver beseitigen, als dies entweder
Maßnahmen in der bilateralen Zusammenarbeit auf politischer Ebene oder
Unternehmen alleine und ohne Unterstützung könnten. Das BMZ arbeitet deshalb in
verschiedenen Bereichen intensiv und erfolgreich mit der Wirtschaft zusammen.
Die GIZ unterstützt die Privatwirtschaft mit ihrer umfassenden Erfahrung bei
der Ausarbeitung und Einführung von Sozialstandards in ihren
Zulieferbetrieben. Neben der interkulturellen Kompetenz und Erfahrung bietet die GIZ der
Privatwirtschaft bereits erprobte Konzepte zu Sozialstandards. Um
Multiplikatoreffekte vor Ort zu erzielen, bezieht die GIZ bereits vorhandene Kontakte, wie
Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und andere relevante Akteure,
in strukturbildende Prozesse ein und wird dabei von den involvierten Akteuren
als neutraler Moderator angesehen.
Zudem bestehen Regulierungslücken auf globaler Ebene, z. B. bei der
Umsetzung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation. Es gibt
zahlreiche Unternehmen, die an der Schließung dieser Regelungslücke
interessiert sind und hier effektiv wirken können. In einigen Fällen gehen sie die
Probleme auf eigene Initiative an. Diese positiven Absichten und dieses positive
Verhalten fördert die Bundesregierung in ausgewählten Fällen.
7. Welche Aufgaben im Bereich von Sozialstandrads müssen aus Sicht der
Bundesregierung von Unternehmen selber finanziert werden, und welche
können durch öffentliche Mittel kofinanziert werden?
Öffentliche Mittel bedingen u. a. die Entwicklung innovativer Instrumente
gemeinsam durch die GIZ und den privaten Partner. Hat die Zusammenarbeit einen
innovativen Charakter, im Sinne der Entwicklung innovativer Instrumente oder
Partnerschaften, kann eine Kofinanzierung durch die öffentliche Hand
erfolgen, z. B. im Rahmen einer Entwicklungspartnerschaft mit der Wirtschaft
(develoPPP.de).
Handelt es sich bei den geplanten Maßnahmen um gesetzlich vorgegebene
Standards, so werden diese grundsätzlich nicht durch die GIZ kofinanziert, sondern
müssen vom Unternehmen selbst getragen werden.
Handelt es sich um eine Beauftragung der GIZ für bestimmte genau definierte
Leistungen, die aber nicht gemeinsam mit dem Partnerunternehmen neu
entwickelt werden, muss das Unternehmen diese Leistungserbringung durch die
GIZ eigenständig finanzieren. Darunter fallen z. B. Entwicklung und
Umsetzung von Trainings zur Verbesserung der Einhaltung von Sozialstandards und
Verbesserung von Produktivität durch die GIZ in asiatischen Zulieferbetrieben.
Diese werden durch die Unternehmen vollständig selber finanziert.
Drucksache 17/12793 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode8. Nach welchen Kriterien wählen GIZ und GIZ IS die Unternehmen aus,
mit denen sie zur Verbesserung der Sozialstandards kooperiert?
Grundsätzlich soll allen Unternehmen die Möglichkeit gegeben werden, sich
ihrer unternehmerischen Verantwortung zu stellen und eine Verbesserung der
Arbeitsbedingungen zu schaffen. In einem sorgfältigen Prozess wird dabei stets
die Ernsthaftigkeit des Bestrebens seitens der Unternehmen geprüft.
Des Weiteren gelten im Programm develoPPP.de folgende formale
Mindestkriterien:
• Der Umsatz des Unternehmens beträgt mindestens 1 Mio. Euro,
• das Unternehmen beschäftigt mindestens zehn Mitarbeiter,
• das Unternehmen ist seit mindestens drei Jahren am Markt.
Alle Unternehmen, die diese Mindestkriterien erfüllen, können sich in einem
sogenannten Ideenwettbewerb einmal pro Quartal bei der GIZ bewerben. Alle
Bewerbungen werden darüber hinaus auf die inhaltlichen Kriterien (vgl.
Antwort zu Frage 4) geprüft. Die innovativsten Ansätze, die signifikante
entwicklungspolitische Wirkungen versprechen, werden für ein gemeinsames Projekt
im Rahmen von develoPPP.de ausgewählt.
In Bezug auf die GIZ IS, siehe Antwort zu Frage 18.
9. Wie wird die Wirkung dieser Projekte überprüft, und wie wird
sichergestellt, dass sich die Arbeitsbedingungen der in den Fabriken Beschäftigten
nachhaltig verbessern?
Die GIZ folgt einem mit dem BMZ vereinbarten Berichtswesen, das auf einem
Wirkungsmonitoring beruht. In der direkten Beauftragung mit Unternehmen
sind in der Regel Monitoringsysteme vereinbart. Es werden „Key Performance
Indicators“ (KPI) auf Zuliefererebene vereinbart, die in einem regelmäßigen
Zyklus (monatlich) erfasst und berichtet werden. Die KPI umfassen sowohl
produktionsorientierte als auch soziale Indikatoren. Die KPI bilden die Grundlage,
die Wirkung auch auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu bewerten,
um dann ggfs. Kurskorrekturen vornehmen zu können.
10. Inwieweit wurden die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiterinnen
und Arbeiter in den betroffenen Betrieben verbessert, und anhand welcher
Indikatoren wurde dies gemessen?
Generell kann abgeleitet werden, dass mit Hilfe der durch die GIZ und Partner
durchgeführten Trainings und Dialogansätze nachhaltige Verbesserungen in der
Kommunikation zwischen Management und Arbeitern und Arbeiterinnen
geschaffen werden. Dadurch haben sich teilweise die Beziehungen stark verändert,
das Management hört den Arbeitern und Arbeiterinnen zu, akzeptiert deren
Meinung und Einschätzungen, die Arbeiter und Arbeiterinnen trauen sich eher, das
Management zu adressieren und ihre Wahrnehmungen und Wünsche zu
artikulieren. Dies geschieht in einem angstbefreiten Umfeld und durch klar etablierte
Kommunikationswege. Des Weiteren sind Erfolge in der Erhöhung von Löhnen
sichtbar geworden und in der Reduzierung von unbezahlten übermäßigen
Überstunden. Dadurch sind wiederum andere Wirkungen befördert worden, wie die
Reduzierung von unangekündigten Abwesenheiten und Fluktuation. Dies trägt
zu einer kontinuierlichen Leistungsfähigkeit der Betriebe und somit zu einer
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/12793Beschäftigungssicherheit für die Arbeiter und Arbeiterinnen bei. Mögliche
Indikatoren sind i. d. R.:
• Höhe der Gehälter
• Anzahl unbezahlter übermäßiger Überstunden
• Anzahl von Komiteesitzungen
• Anzahl der Frauen in Komitees und Dialogsitzungen
• Anzahl unangekündigter Abwesenheiten
• Anzahl Nutzung der Beschwerdebox
• Anzahl von Arbeitsunfällen.
11. Inwiefern ist die Einbeziehung von Gewerkschaften oder anderen
Arbeitnehmer-/Arbeitnehmerinnenorganisationen Voraussetzung einer
Kooperation von GIZ oder GIZ IS mit privatwirtschaftlichen Unternehmen zur
Verbesserung der Sozialstandards in Produktionsstätten in Entwicklungs- und
Schwellenländern?
Das BMZ-Menschenrechtskonzept ist für die GIZ verbindlich. Entsprechend
des „Leitfadens zur Berücksichtigung von menschenrechtlichen Standards und
Prinzipien einschl. Gender, bei der Erstellung von Programmvorschlägen der
deutschen staatlichen Technischen und Finanziellen Zusammenarbeit“ muss
jedes Vorhaben vorab auf menschenrechtliche Risiken und Wirkungen geprüft
werden. Die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen, u. a. Recht auf
Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen“, ist dabei von zentraler
Bedeutung. Für die GIZ IS dienen BMZ-Menschenrechtskonzept und Leitfaden
als Richtschnur.
Die Einbeziehung von Gewerkschaften oder anderen Arbeitnehmer- und
Arbeitnehmerinnenorganisationen sind zwar keine Voraussetzung, werden aber
folglich geprüft und grundsätzlich angestrebt. Die Anerkennung der
Gewerkschaftslandschaft sowie die Ausübung ihrer Kernfunktionen sind in Entwicklungs- und
Schwellenländern oft noch mangelhaft. Gewerkschaften sind oftmals politisch
instrumentalisiert. Daher strebt die GIZ auch die Förderung von
Gewerkschaften in diesen Ländern an. Die grundsätzliche Arbeitsteilung mit der Friedrich-
Ebert Stiftung ist hierbei auch relevant für den Grad der Zusammenarbeit mit
Gewerkschaften. Eine kulturell und politisch angepasste Förderung und
Einbindung der Gewerkschaften in Prozesse zur Verbesserung von Sozialstandards
findet in der Regel statt, bzw. sollte schlussendlich immer aus den Bemühungen
in den Fabriken zur Förderung der Versammlungsfreiheit und
gemeinschaftlichen Verhandlung folgen.
12. Warum unterstützt die Bundesregierung nicht über die GIZ das von lokalen
Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen in Bangladesch
erarbeitetete und bereits bestehende Brandschutzkonzept?
13. Arbeitet die GIZ im Auftrag des GSCP ein Brandschutzkonzept für
Bangladesch aus, und wenn ja, warum?
14. Wird der Auftrag vom GSCP oder aus Mitteln der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit finanziert?
Die Fragen 12 bis 14 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Drucksache 17/12793 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeDie Bundesregierung begrüßt, dass es gelungen ist, sich zwischen lokalen
Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen auf ein Brandschutzkonzept zu
einigen. Allerdings konnte dieses Konzept nicht die nötige Unterstützung
seitens der Unternehmen gewinnen und ist deshalb bisher nicht in Kraft getreten.
Die Bundesregierung unterstützt deshalb die tripartite Verpflichtungserklärung
zum Feuerschutz zwischen Regierung, Gewerkschaften und
Arbeitgeberverbänden der Textilindustrie in Bangladesch, die am 15. Januar 2013 unter
Moderation der ILO zustande kam. Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass eine
Lösung der Brandschutzproblematik im Textilsektor der Zusammenarbeit aller
Stakeholder bedarf. Eine wichtige Rolle kommt dabei auch dem Privatsektor zu,
insbesondere dem internationalen Bekleidungshandel, der in Bangladesch und
Pakistan beschafft. Die Bundesregierung unterstützt daher mit der GIZ die
Bildung einer umfassenden Sektorinitiative zur Unterstützung und Umsetzung der
o. g. tripartiten Verpflichtungserklärung. Diese Initiative soll alle kleineren,
bereits existierenden Ansätze bündeln. Zur Entwicklung des
Brandschutzumsetzungskonzepts befindet sich die GIZ im engen Dialog mit der ILO, mit
Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und Unternehmen.
Eine Beauftragung der GIZ zur Ausarbeitung eines Brandschutzkonzepts
existiert bisher nicht. Eine Vielzahl von Unternehmen, unter anderem Unternehmen,
die im „Global Social Compliance Programme“ (GSCP) des Global Consumer
Goods Forums vertreten sind, haben großes Interesse an der Initiative und ihre
grundsätzliche Bereitschaft zur Finanzierung erklärt. Die Frage der
Auftragserteilung wird sich in den nächsten Monaten klären, wenn Inhalte des
Umsetzungskonzepts und Kosten konkretisiert wurden.
15. Sieht die Bundesregierung ein Problem darin, dass das GSCP eine
Plattform von knapp 40 Unternehmen ist, darunter auch Unternehmen, die in
der Kritik stehen, Sozialstandards verletzt zu haben, und dass durch das
GSCP keine NGOs oder Gewerkschaften eingebunden werden?
Bei dem GSCP handelt es sich um eine Privatsektorinitiative zur Verbesserung
von Arbeits- und Umweltbedingungen in internationalen Zulieferbetrieben von
weltweitem Einzelhandel. Ziel ist es, eine Harmonisierung von existierenden
Maßnahmen und Codes of Conduct, um einen gemeinsamen globalen
nachhaltigen Ansatz zu erarbeiten. Im Advisory Board befinden sich
Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften.
Die Bundesregierung begrüßt grundsätzlich Initiativen der Privatwirtschaft, die
mit dem Ziel gegründet werden, Sozialstandards in der Lieferkette zu
verbessern, gerade auch, wenn diesen Unternehmen – aus öffentlichen oder nicht
öffentlichen Quellen – bekannt ist, dass Probleme in der Zulieferkette bestehen.
Die Bundesregierung hält die Einbeziehung von anderen Stakeholdern zur
Lösung der bestehenden Probleme für unerlässlich. Die Tatsache, dass
Unternehmen sich in einer Plattform wie dem GSCP zusammenschließen,
widerspricht dem aber nicht.
a) Welche Projekte führt die GIZ mit dem GSCP weltweit durch (bitte
auflisten)?
Keine.
b) Wenn die Bundesregierung ein Problem im Aufbau des GSCP sieht,
warum arbeitet die GIZ dann trotzdem mit dem GSCP zusammen?
c) Wenn nein, warum sieht die Bundesregierung kein Problem?
Siehe Antwort auf Einleitung zu Frage 15.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/1279316. Unterstützt die Bundesregierung über die GIZ die Durchführung von
Sozialaudits im Rahmen ihres Engagements für die Einhaltung von
Sozialstandards in Zulieferbetrieben in Entwicklungs- und Schwellenländern?
a) Wenn ja, von wem werden diese Audits durchgeführt?
b) Inwieweit werden Gewerkschaften und NGOs in die Prüfungen mit
einbezogen?
c) Werden Sozialaudits vorher angekündigt, oder gibt es auch
unangekündigte Audits?
Nein, die Bundesregierung und die GIZ führen keinerlei Sozialaudits durch.
17. Wie schätzt die Bundesregierung die Wirkung solcher Audits ein?
Die starke Zunahme an Standardsystemen, Verhaltenskodizes und Audits mit
jeweils leicht unterschiedlichen Anforderungen (z. B. für die Erfassung und
Dokumentation von Kriterien) führt zu einem immensen Aufwand für die
Produzenten, der existenzbedrohend sein kann. Es ist nicht selten, dass
Produktionsstätten z. B. in China 40 bis 50 Mal im Jahr von unterschiedlichen
Auditteams besucht werden. Diese Kapazitäten bindenden Pflichten können
Unternehmen so stark beanspruchen, dass sie für ihre Kernprozesse und -leistungen
nicht mehr ausreichend Kapazitäten zur Verfügung haben. Eine positive
Entwicklung wird somit u. U. eher gefährdet als gefördert. Erfahrungen belegen,
dass sich durch Kontrollen in Form von Audits zwar sichtbare Verstöße in
Bereichen wie Arbeitsschutz und Sicherheit per Momentaufnahme aufdecken
lassen, die Identifizierung von nicht sichtbaren Abweichungen, z. B.
Diskriminierung oder Verstöße gegen die Gewerkschafts- und Tarifverhandlungsfreiheit,
aber sehr schwierig ist. Dokumentationen sind oft nicht vorhanden, Betroffene
möchten keine Auskünfte geben oder dies wird vom Management verhindert.
Kontrollen alleine führen außerdem nicht automatisch zu nachhaltigen
Verbesserungen in Produktionsbetrieben, da ihre Relevanz oftmals im Betrieb nicht
verinnerlicht ist. Durch Pilotmaßnahmen wurde gezeigt, dass langfristige und
nachhaltige Veränderungen in den Zuliefererbetrieben nur über intensives
Capacity Development in Form eines langfristigen Change Management Ansatzes,
der auf Dialog und Einbindung der Arbeiterinnen und Arbeiter beruht
(Dialogansatz). Der Dialogansatz befähigt Management und Arbeiterschaft von
Betrieben dazu, kontinuierlich zu kommunizieren, gemeinsam die Gründe für
Probleme zu analysieren sowie Lösungsansätze zu erarbeiten und umzusetzen.
Das Selbstvertrauen von Arbeiterinnen und Arbeiter wird hierdurch gestärkt,
ihre Möglichkeiten für sich selbst einzustehen gefestigt und nebenbei die
Einhaltung von Standardsystemen langfristig internalisiert. Die Stärkung der
Arbeiterinnen und Arbeiter durch den Dialogansatz legt ebenso den Grundstein für
gewerkschaftliche Arbeit.
Das Global Social Compliance Programme (GSCP) des Global Consumer Good
Forums, das 80 Prozent der weltweiten Konsumgüterindustrie umfasst, hat es
sich zur Aufgabe gemacht, sowohl die Auditverfahren als auch die Capacity
Development Ansätze der Mitgliedsunternehmen zu harmonisieren und
gemeinsame Minimalkriterien zu etablieren. Es wird damit für die kommenden Jahre
Maßstäbe für die Umsetzung von Sozialstandards setzen.
a) Unterscheidet die Bundesregierung besonders gute Auditverfahren und
weniger gute, und wenn ja, welche sind dies jeweils?
b) Wie tragen die positiv bewerteten Audits zu einer nachhaltigen
Verbesserung von Sozialstandards bei?
Drucksache 17/12793 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodec) Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus negativ
bewerteten Audits?
Die Bundesregierung kann hier mangels Durchführung von Audits nur die o. g.
allgemeine Einschätzung abgeben.
18. Welchen Leitlinien verpflichtet sich die GIZ IS bei der Durchführung von
Projekten zur Verbesserung von Sozialstandards in Zulieferbetrieben?
Projekte, die von der GIZ IS durchgeführt werden, müssen mit dem
entwicklungspolitischen sowie dem außenpolitischen Gesamtkonzept der
Bundesregierung vereinbar sein und bedürfen der vorherigen Zustimmung des BMZ und des
Auswärtiges Amts (AA).
19. Wie werden die Projekte der GIZ IS zur Verbesserung von Sozialstandards
in Zulieferbetrieben evaluiert?
Hierzu berichtet die GIZ, dass zu Beginn einer Projektphase „Key Performance
Indicators“ vereinbart werden, deren Status quo in einer ausführlichen Baseline-
Studie in den am Projekt teilnehmenden Fabriken durch die Projektmitarbeiter
erhoben wird.
In anschließenden Trainingsmodulen und Fabrikbesuchen entwickeln
Fabrikrepräsentanten und Projekttrainer Zielwerte für die einzelnen Indikatoren und
Maßnahmenkataloge, um diese zu erreichen.
Während der gesamten Projektlaufzeit findet ein kontinuierliches Monitoring
der Fortschritte in den einzelnen Indikatoren statt.
Am Ende eines jeden Projektes findet eine Schlussevaluierung statt, deren
Ergebnisse im Abschlussbericht an den Kunden zusammengefasst werden. Bei
Projekten mit einer Laufzeit von mindestens zwei Jahren findet außerdem eine
Zwischenevaluierung statt.
20. Wie setzt die GIZ IS in dem Projekt mit Lidl ihre im Webauftritt deklarierte
Rolle als Vermittler, Berater und Moderator für den Dialog zwischen den
an der Lieferkette Beteiligten aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und
NGOs um?
Dieser Webauftritt ist der GIZ nicht bekannt.
In dem Vorhaben „Supplier Qualification Programme“, das die GIZ IS im
Auftrag der Lidl Stiftung & Co. KG durchführt, ist der Aufbau eines Dialoges
zwischen Management und Arbeiterinnen/Arbeiter integraler Bestandteil des
Programmkonzeptes.
Durch die Stärkung von Dialogmechanismen und Verhaltensänderung innerhalb
der Fabriken werden das Management und die Belegschaft dazu befähigt,
gemeinsam Probleme zu identifizieren und zu lösen.
Dies wird unter der Annahme durchgeführt, dass eine Verbesserung des Dialogs
innerhalb der Fabrik und die Etablierung von Sozialstandards im
Geschäftsbetrieb zu einer Win-Win-Situation für Mitarbeiter und Management führt.
In diesem Kontext wird das Dialogtraining von der GIZ durchgeführt, abzielend
auf eine Implementierung von Arbeitsstandards durch einen „Inhouse“-Dialog
auf Unternehmensebene. Im Rahmen des Dialogtrainings agieren lokale Trainer
als Vermittler und Moderatoren. Anstatt die Fabrikvertreter über
Sozialstandards zu belehren und ihnen schnelle Lösungen anzubieten, vermitteln die Trai-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/12793ner den Managern und Mitarbeitern die nötigen Methoden, um gemeinsam die
existierenden Herausforderungen auf der Fabrikebene zu analysieren und um
ihre eigenen maßgeschneiderten Lösungen zu entwickeln. Fabriken erhalten den
notwendigen methodischen Input, um Aktionspläne mit konkreten Maßnahmen
zur Verbesserung der speziellen Arbeitsbelange (z. B. Sauberkeit des
Arbeitsplatzes, pünktliche Bezahlung von Löhnen, Mitbestimmung der
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Beschwerdemechanismen) zu entwickeln. Manager
und Mitarbeiter der jeweiligen Unternehmen haben die Gelegenheit, ihre
eigenen Ziele zu setzen, Themen zu priorisieren und sich auf Maßnahmen zu
einigen.
21. Werden auch Gewerkschaften in die Trainingsmaßnahmen im Rahmen des
Projektes der GIZ IS und Lidl einbezogen?
Bisher war dies nach Auskunft der GIZ nicht der Fall.
Nach Einschätzung der Bundesregierung ist dies der Tatsache geschuldet, dass
das Gewerkschaftssystem in Bangladesch generell sehr wenig ausgebaut und
politisch aufgeheizt ist, den Gewerkschaften insgesamt die Basis (Austausch
und Verknüpfung mit den Arbeitervertretungen in den Fabriken) fehlt. Der
Mangel an Gewerkschaftsfreiheit und das unzureichende Vorhandensein von
funktionsfähigen Gewerkschaften ist gerade eines der Hauptprobleme, das generell
mit dem Dialogansatz zwischen Management und Belegschaft im Rahmen der
Projekte im Bereich Sozialstandards angegangen werden soll. Liegen diese
Probleme vor, können die Interessen und Probleme von Arbeiterinnen und
Arbeitern nicht ausreichend artikuliert und viele betriebliche Probleme nicht gelöst
werden. Der Dialogansatz hat das Ziel die Arbeiter zu befähigen und eine Basis
für ein funktionierendes Gewerkschaftssystem aufzubauen. Dies kann allerdings
nur schrittweise und sensibel passieren.
22. Was sind die bisherigen Wirkungen des Kooperationsprojektes der GIZ IS
mit Lidl?
a) Wie wurden die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiterinnen
und Arbeiter in den entsprechenden Betrieben verbessert?
An den bislang fünf Projektphasen haben nach Angaben der GIZ 78 Fabriken
teilgenommen. In jeder Phase wurden Vertreterinnen/Vertreter der einzelnen
Zulieferer in Workshops und durch individuelles Coaching bei Fabrikbesuchen als
Multiplikatoren in den Themen Sozial- und Umweltstandards ausgebildet.
Insgesamt hat das Vorhaben bislang 250 Multiplikatoren geschult. Von den
hierdurch erzielten besseren Arbeitsbedingungen haben rund 106 000 Arbeiterinnen
und Arbeiter profitiert. Die lokalen Trainer des Projektes erhielten zu Beginn ein
Training für Trainer, welches kontinuierlich ausgebaut wurde, um Wissen
aufzufrischen, neue Möglichkeiten und Themen zu erschließen, um so zum Aufbau
lokaler Kapazitäten beizutragen.
Beispiele aus der Praxis:
• Mutterschaftsschutz und Mutterschaftsurlaub wird gemäß Gesetz gewährt.
• Die Arbeitssicherheit ist verbessert, z. B. Elektroinstallationen, Feuerschutz,
Maschinen mit Abdeckung oder Einzäunung, Augenschutz bei der Arbeit an
Nähmaschinen (wegen abbrechender Nadeln); Verbreiterung/Neubau von
Treppen und Ausgängen für Notfälle.
• Vergrößerung und verbesserte Ausstattung von Kantinen und
Kinderbetreuungsstätten.
Drucksache 17/12793 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode• In Einzelfällen wurden Fabriken mit einem Warenlift, um Gegenstände mit
großem Gewicht transportieren zu können, ausgestattet.
• Aufbau von Dialogstrukturen zwischen Arbeitern und Management tragen zu
einer besseren innerbetrieblichen Kommunikation bei.
• 18 798 Textilarbeiterinnen/Textilarbeiter erhielten Behandlungen für
verschiedene Krankheiten und Gesundheitsprobleme in 521
Behandlungsterminen durch den mobilen Gesundheitsdienst.
• 553 Patientinnen und Patienten wurden an 10 private Kliniken überwiesen.
Dies geschah gemäß der Vereinbarung zwischen den Kliniken und Fabriken
und den Diagnosezentren, um eine angemessene Behandlung zu
ermöglichen.
• 483 schwangere Patientinnen wurden mit Eisen und Vitaminergänzungen
versorgt und pränatal in 6 Geburtskliniken betreut.
• An den 521 Gesundheitserziehungstrainings nahmen insgesamt 7 920
Textilarbeiterinnen/Textilarbeiter teil.
• 31 Gesundheitscamps wurden abgehalten und 758 Arbeiterinnen/Arbeiter
wurden auf Diabetes getestet.
• 18 116 Arbeiterinnen/Arbeiter wurden gegen Tetanus geimpft.
b) Wurden die Wirkungen des Projektes mit Lidl evaluiert, und wenn ja,
wo sind die Evaluierungen veröffentlicht, bzw. wann werden diese
veröffentlicht?
Siehe hierzu Antwort zu Frage 19. Die GIZ IS stellt projektbezogene
Evaluierungen ausschließlich dem Auftraggeber zur Verfügung. Eine Veröffentlichung
erfolgt nicht.
23. Ist es zutreffend, dass die GIZ IS in einem Projekt mit Lidl
Vitamintabletten und Tabletten gegen Blutarmut ausgegeben hat, um es den
Arbeiterinnen und Arbeitern zu erleichtern, mit den schwierigen
Arbeitsbedingungen zurechtzukommen?
Wenn ja, wie bewertet die Bundesregierung dieses Vorgehen?
Nach Auskunft der GIZ organisiert das Projekt in Zusammenarbeit mit einer
lokalen Nichtregierungsorganisation einen mobilen Gesundheitsdienst, der
Arbeiterinnen und Arbeiter der derzeit am Projekt teilnehmenden sieben Betriebe
während ihrer Arbeitszeit eine kostenlose medizinische Grundversorgung zur
Verfügung stellt. Dazu gehören medizinische Untersuchungen, die kostenfreie
Vergabe von Medikamenten, z. B. gegen Magenbeschwerden und
Atemwegserkrankungen, die kostenfreie Überweisung von Patienten in Krankenhäuser
sowie eine allgemeine Gesundheitserziehung zu Themen wie Körperhygiene,
übertragbare Krankheiten und Schwangerschaftsvorsorge.
Nahrungsergänzungsmittel werden nur schwangeren Patientinnen bereit gestellt, um den bei
Schwangerschaften allgemein verbreiteten erhöhten Eisen- und Vitaminbedarf
zu decken und das Risiko für Mutter und Kind zu verringern.
24. Hält es die Bundesregierung für nachhaltig, mit Bonuszahlungen die
schlechten Gehälter der Arbeiterinnen und Arbeiter aufzubessern, und wie
häufig kommt es in welcher Höhe zu Bonuszahlungen?
Die Zahlung von Boni an Arbeiterinnen und Arbeiter in Entwicklungsländern ist
aus entwicklungspolitischer Sicht grundsätzlich nicht zu beanstanden. Die De-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/12793tailkonzeptionierung des Vorhabens sowie die Sicherstellung der Nachhaltigkeit
der Einzelmaßnahmen des Vorhabens liegen in der Verantwortung des
Auftraggebers und der GIZ.
Die GIZ hat mitgeteilt, dass Löhne große Herausforderungen bei der
Verbesserung der Arbeitsbedingungen darstellen. So entspricht der in den
Zulieferbetrieben ausgezahlte Lohn zwar oft den gesetzlichen Mindestanforderungen in
Bangladesch; zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensbedingungen der
Arbeiterinnen und Arbeiter reicht der gesetzliche Mindestlohn allerdings in aller
Regel nicht aus. Die Firma Lidl hat daher die GIZ 2011 erstmals mit einer
Pilotmaßnahme beauftragt, wonach zwei von der Firma Lidl finanzierte
Bonuszahlungen (Oktober 2011; Februar 2012) an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
eines ausgewählten Zulieferbetriebs direkt ausgezahlt wurde. Da die Maßnahme
in einem Zulieferbetrieb pilotiert wurde, erfolgte eine Ausweitung der von Lidl
finanzierten Bonuszahlungen auf eine zweite Fabrik.
Bisher wurden vier Bonuszahlungen durchgeführt, wovon drei in derselben
Fabrik sattfanden. Seit der ersten Auszahlung im Oktober 2011 wurden
insgesamt 629 877 Euro an insgesamt 21 562 Arbeiterinnen und Arbeiter ausgezahlt,
was ein Durchschnittswert von 29 Euro pro Arbeiter ist. Ein Großteil erhielt die
Auszahlung bereits dreimal.
Lidl hat bewusst entschieden, die Zusatzzahlungen nicht über die Arbeitgeber in
Verbindung mit der Auszahlung des monatlichen Lohns laufen zu lassen, um der
Gefahr einer Lohnkürzung entgegenzuwirken. Das Projekt überwacht zudem
die Lohnstufen unabhängig von den Direktzahlungen durch Lidl. Zudem werden
die Arbeiterinnen und Arbeiter informiert, dass sie zusätzliche Zahlungen zum
Monatslohn erhalten werden.
25. Wie hoch sind die Kosten des Projekts zur Verbesserung von
Sozialstandards, das die GIZ IS für die C&A-Foundation durchführt?
a) Wie hoch ist der Anteil der Kosten, die über die GIZ IS abgewickelt
werden, und wie hoch sind die Kosten der Projekte der C&A-
Foundation insgesamt?
Die Kosten für das Vorhaben Sustainable Supplier Programme (2,3 Mio. Euro)
werden zum Großteil von der C&A Foundation getragen. Der übrige Anteil wird
durch die teilnehmenden Fabriken übernommen. Die GIZ führt das komplette
Vorhaben durch.
b) Mit welchen 35 Zulieferbetrieben in Indien und Bangladesch hat die
GIZ IS im Rahmen dieses Programms zusammengearbeitet (
www.giz.de/
en/downloads/giz2012-sustainable-supplier-ca-foundation- is-en.pdf)?
Bisher nehmen 10 Unternehmen am Programm teil. Hier ist die GIZ vertraglich
zur Verschwiegenheit verpflichtet.
c) Hat die GIZ IS C&A auch in der Zusammenarbeit mit der Tazreen-
Fabrik in Bangladesch beraten?
Nein.
Drucksache 17/12793 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperioded) Unterstützt die Bundesregierung die von der C&A-Stiftung
ausgegebenen Ziele („erhöhter Output pro Beschäftigtem, reduzierte
Zurückweisungsquote der Produkte, bessere Einhaltung von Lieferzeiten […],
die alle zur Zahlung höherer Löhne beitragen“ –
www.c-and-a.com/de/
de/corporate/fileadmin/templates/master/img/fashion_updates/CR_
Report/CR_Report_D.pdf)?
Ziele des Vorhabens sind, wie auch in der genannten Unterlage dargestellt,
neben einer Steigerung der Produktivität die Zahlung höherer Löhne und eine
Erhöhung von Sozialstandards. Die Steigerung der Produktivität ist zunächst ein
unternehmerisches Ziel; die Steigerung der Einkommen der Beschäftigten sowie
Sozialstandards sind Ziele, die die Bundesregierung unterstützt.
e) Liegen Evaluierungen zu den Programmen vor, und wenn ja, wo sind
sie erhältlich?
Zu Beginn des Programmes wurden nach Auskunft der GIZ „Key Performance
Indicators“ vereinbart, deren Status quo in einer ausführlichen Baselinestudie in
den am Programm teilnehmenden Fabriken durch die Programmmitarbeiter
erhoben wird.
In anschließenden Trainingsmodulen und Fabrikbesuchen entwickeln
Fabrikrepräsentanten und Programmtrainer Zielwerte für die einzelnen Indikatoren und
Maßnahmenkataloge um diese zu erreichen.
Während der gesamten Programmlaufzeit findet ein kontinuierliches
Monitoring der Fortschritte in den einzelnen Indikatoren statt und es wird eine
Zwischenevaluierung durchgeführt.
Am Ende des Programmes wird eine Schlussevaluierung stattfinden, deren
Ergebnisse im Abschlussbericht an den Auftraggeber zusammengefasst werden.
26. Inwieweit gibt es Programme der GIZ IS mit Tesco und Walmart zur
Verbesserung von Arbeitsstandards?
Wenn ja,
a) seit wann gibt es diese,
b) wie hoch sind die Kosten für die Programme, die die GIZ IS jeweils
umsetzt,
c) mit welchen Zulieferbetrieben arbeitet die GIZ IS für Tesco und
Walmart zusammen (bitte auflisten),
d) liegen Evaluierungen zu den Programmen vor, und wenn ja, wo sind sie
erhältlich, bzw. wann werden diese veröffentlicht?
Die GIZ IS steht derzeit mit Tesco und Walmart in keinerlei Vertragsverhältnis
und führt somit keine Projekte in deren Auftrag durch.
27. Sind die GIZ oder GIZ IS in die Gespräche der Bundesregierung mit der
indischen Regierung zur Einhaltung der in der indischen Verfassung
gewährleisteten Menschenrechte involviert (vgl. Antwort der
Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 17/11222 zu
Frage 6)?
Wenn ja, wie waren sie beteiligt?
Wenn nein, in welchen „geeigneten Foren“ werden diese Gespräche
geführt?
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 15 – Drucksache 17/12793Die GIZ nimmt im Rahmen ihres Beratungsauftrages für das BMZ gemäß
Generalvertrag an Regierungsgesprächen teil – nicht aber die GIZ IS.
Menschenrechtsthemen werden im politischen Dialog der Bundesregierung mit der
indischen Regierung aufgegriffen sowie im Rahmen des europäisch-indischen
Menschenrechtsdialogs.
28. Waren die GIZ oder GIZ IS involviert, als die Bundesregierung im Rahmen
der am 1. Oktober 2012 abgeschlossenen entwicklungspolitischen
Regierungsverhandlungen die sozialen und gesellschaftlichen Probleme in
Indien thematisierte (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine
Anfrage auf Bundestagsdrucksache 17/11222 zu Frage 6)?
Wenn ja, mit welchem konkreten Beitrag?
Vertreter und Vertreterinnen der GIZ waren Mitglieder der deutschen Delegation
bei den entwicklungspolitischen Regierungsverhandlungen mit Indien am
1. Oktober 2012. Dabei gab es im Rahmen des entwicklungspolitischen Dialogs
keinen eigenen Beitrag der GIZ zu den sozialen und gesellschaftlichen
Problemen in Indien.
29. Sind die GIZ oder GIZ IS in die Unterstützung der Bundesregierung für das
indische Ministry of Corporate Affairs hinsichtlich der Verankerung von
Corporate Social Responsibility (CSR) involviert (vgl. Antwort der
Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 17/11222
zu Frage 6)?
Wenn ja, mit welchem konkreten Beitrag?
Das vom BMZ finanzierte GIZ Projekt „Deutsch-Indische Corporate Social
Responsibility (CSR) Initiative“ unterstützt das „Ministry of Corporate Affairs“
im Bereich CSR/unternehmerische Verantwortung. Im Rahmen dieses
Vorhabens hat die GIZ das im Jahr 2009 vom Bundesministerium gegründete indische
Institut für Unternehmensangelegenheiten (Indian Institute of Corporate
Affairs) bei der Entwicklung eines auf die landesspezifischen Gegebenheiten
abgestimmtes Konzept für verantwortungsvolle Unternehmensführung im Juli
2011 mit dem Namen „National Voluntary Guidelines on Social, Environmental
and Economic Responsibilities of Business (NVG)“ unterstützt. Die GIZ
arbeitet derzeit in einer Steuerungsgruppe aus Vertretern privater und staatlicher
Unternehmen, Regierungsstellen und Nichtregierungsorganisationen mit, die das
Konzept in der Wirtschaft bekannt machen sollen.
30. Welchen konkreten Beitrag leisten die GIZ oder GIZ IS zur Stärkung von
Mädchen und Frauen in Indien im Rahmen der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit mit Indien (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die
Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 17/11222 zu Frage 7)?
Die GIZ thematisiert und analysiert auf Vorgabe des BMZ in jedem Vorhaben
weltweit gender-spezifische Aspekte. Sie erstellt in der Planungsphase eines
jeden Vorhabens eine gender-Analyse und ermittelt, inwiefern das geplante
Vorhaben zur Gleichstellung der Geschlechter beitragen kann. Die konkrete
Ausgestaltung der Vorhaben basiert dann auf dieser Analyse.
Darüber hinaus fördert die GIZ als Arbeitgeber in Indien die Gleichstellung der
Geschlechter.
Die Stärkung von Mädchen und Frauen ist folglich auch in der
Entwicklungszusammenarbeit mit Indien ein wichtiges Querschnittsthema, das in den
Schwerpunktbereichen Energie, Umwelt- und Klimaschutz und nachhaltige Wirtschafts-
Drucksache 17/12793 – 16 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeentwicklung entsprechend berücksichtigt wird. Als Beispiele für Vorhaben mit
Teilkomponenten zur Förderung von Frauen- und Menschenrechten können
genannt werden:
Das „Deutsch-Indische Energieprogramm“
• Da Unternehmerinnen in Indien oft Schwierigkeiten haben, Zugang zum
Markt zu erlangen, zielt das Vorhaben u. a. darauf ab, Frauen im Bereich der
erneuerbaren Energien Marktzugang zu verschaffen, so dass sie als
Unternehmerinnen erfolgreich aktiv werden können.
• Das Projekt fördert die Teilnahme von Frauen an sogenannten Village Energy
Committees in verschiedenen Regionen des Landes und sorgt so für die
Beteiligung von Frauen an der Energieerzeugung.
• Das Vorhaben führt Aufklärungs- und Fortbildungsveranstaltungen für
Frauen zum Thema Energie durch, um ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten
zu verbessern und über energiesparende Techniken wie zum Beispiel
Energiesparherde zu informieren.
Das „Deutsch-indische Umweltprogramm“
• Das Programm unterstützt zum Beispiel die „Association of Lady
Entrepreneurs of Andhra Pradesh“ (ALEAP) bei der Entwicklung besonderer Öko-
Industrieparks, die Unternehmerinnen gezielt die Möglichkeit bieten,
wirtschaftlich aktiv zu werden und gleichzeitig mit anderen Unternehmerinnen
zu kooperieren.
• Das Projekt hat gemeinsam mit dem Vorhaben „Verbesserung der sanitären
Situation in indischen Städten“ eine projektübergreifende Arbeitsgruppe
eingerichtet, um die Förderungen von Frauen- und Menschenrechten zu
verbessern. Hierbei wird vor allem die vielerorts noch prekäre Situation von
Mädchen in Schulen in den Blick genommen. Erste projektübergreifende
Unterstützungsmaßnahmen zur Durchsetzung der „National School
Sanitation Initiative“ sind angelaufen, die auf die bessere Sanitärversorgung von
Schulen abzielen.
Das Programm „Management natürlicher Ressourcen“
Dieses Programm zielt auf die Verbesserung der Lebensverhältnisse armer
Bevölkerungsgruppen in ländlichen Regionen ab. Durch gezielte Beratung konnten
bisher fast 100 000 Menschen ihre Einkommenssituation verbessern, darunter
36 Prozent Frauen.
Das „Deutsch-Indische Programm zur sozialen Sicherung“
Im Rahmen dieses Programms erhalten Frauen aus armen Familien einen
deutlich besseren Gesundheitsschutz: Sie können zum Beispiel Risiko-Geburten im
Krankenhaus unter guter Betreuung durchführen. Familien unterhalb der
Armutsgrenze erhalten eine Versicherungskarte, die sie zu zahlungsfähigen
Patienten macht.
31. Welchen konkreten Beitrag leisten die GIZ oder GIZ IS zur Entwicklung
eines sozialen Sicherungswesens in Indien (vgl. Antwort der
Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 17/11222 zu
Frage 7)?
Eine verbesserte soziale Sicherung ist ein Kernelement von Armutsbekämpfung
und breitenwirksamer wirtschaftlicher Entwicklung in Indien. Die indische
Regierung hat Ende des Jahres 2008 ein Gesetz zur Einführung eines sozialen
Sicherungssystems für den informellen Sektor beschlossen (Unorganised Sector
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 17 – Drucksache 17/12793Workers Act), das sie landesweit umsetzt. Der methodische Ansatz des TZ-
Vorhabens „Deutsch-Indisches Programm zur sozialen Sicherung“ beinhaltet eine
Strategie- und Prozessberatung des indischen Arbeitsministeriums (Ministry of
Labour and Employment, Directorate General Labour Welfare) bei der
Umsetzung des „Unorganised Sector Workers Act“, wobei drei Themen im
Mittelpunkt stehen: Krankenversicherung, Alterssicherung sowie Lebens- und
Unfallversicherung. Neben dem Arbeitsministerium wird zudem das
Finanzministerium unterstützt, in dessen Zuständigkeit Alterssicherung sowie Lebens- und
Unfallversicherung fallen. Bereits erreichte Wirkungen: 27 Millionen
Arbeiterfamilien haben keine Direktzahlungen im Krankheitsfall zu leisten, 800 000
Beitragszahler haben eine Altersversicherung und ca. 40 Millionen Versicherte
sind im Falle eines Unfalls bzw. Todesfalls finanziell abgesichert.
Ein zweites Vorhaben in dem Bereich „Soziales Sicherungswesen im
informellen Sektor in Karnataka“ hat das Ziel, den Zugang zu sozialstaatlichen
Leistungen in ausgewählten Distrikten Karnatakas zu verbessern.
32. Welchen konkreten Beitrag leisten die GIZ oder GIZ IS im Rahmen der
deutsch-indischen Entwicklungszusammenarbeit im Bereich des Umwelt-
und Klimaschutzes (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine
Anfrage auf Bundestagsdrucksache 17/11222 zu Frage 7)?
Die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch gilt als
eine der zentralen Aufgaben der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit
Indien. Zwei der drei Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Indien
widmen sich daher dem Umwelt- und Klimaschutz in besonderem Maße.
Im Schwerpunkt „Umwelt“ widmet sich die technische Zusammenarbeit zum
einen dem städtischen und industriellen Umweltschutz und zum anderen dem
Management natürlicher Ressourcen.
Im städtischen und industriellen Umweltschutz stehen die Vermeidung von
Umweltverschmutzung durch die Industrie und die Verbesserung des Abwasser-
und Abfallmanagements der städtischen Bevölkerung im Vordergrund. Ein
Beispiel für die Zusammenarbeit ist das vom BMZ beauftragte TZ-Vorhaben zur
Verbesserung der Sanitärversorgung in indischen Städten, das darauf abzielt, die
Umweltverschmutzung durch mangelndes Abwassermanagement
einzudämmen und gleichzeitig die Zahl der Durchfallerkrankungen zu verringern.
Im zweiten Teilbereich – Management natürlicher Ressourcen – stehen vor
allem Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels, Erhalt der
Biodiversität und die Nutzung von natürlichen Rohstoffen im Zentrum der Bemühungen.
Als beispielhaft für die Kooperation in diesem Bereich kann das TZ-Vorhaben
zur „Klimaanpassung in ländlichen Gebieten“ genannt werden, das auf Unions-
und Bundesstaatenebene klimaadaptive Handlungsweisen in vom Klimawandel
besonders betroffenen ländlichen Gebieten fördert.
Im Schwerpunkt Energie konzentriert sich die Zusammenarbeit vor allem auf
die Steigerung der Energieeffizienz und die Erschließung erneuerbarer Energien
in Indien. So wird zum einen durch die Einsparung von Energie durch höhere
Effizienz und zum anderen durch die Etablierung klimaneutraler Energiequellen
ein direkter Beitrag zur Einsparung von Treibhausgasemissionen geleistet. Dies
geschieht vor allem durch Beratung der indischen Regierung in Fragen der
Energiepolitik durch das Deutsch-Indische Energieprogramm sowie die direkte
Ausführung von Pilotmaßnahmen. Durch Schulungsangebote und Human-
Capacity-Development-Maßnahmen werden die gewonnenen Erkenntnisse weiter
zugänglich gemacht. Beispiele für solche Pilotmaßnahmen sind die Errichtung
einer Entsalzungsanlage in Lakshadweep, der Bau eines Solarkraftwerkes in
Drucksache 17/12793 – 18 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeRajasthan und die Inbetriebnahme von Trigeneration-Klimaanlagen in Neu
Delhi.
33. Welchen konkreten Beitrag leisten die GIZ oder GIZ IS im Rahmen der
deutsch-indischen Entwicklungszusammenarbeit zur Bekämpfung von
Kinderarbeit, Kinderhandel sowie von sexueller Ausbeutung
Minderjähriger (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 17/11222 zu Frage 7)?
Leisten die GIZ oder GIZ IS im Rahmen dessen auch Unterstützung bei der
Anpassung des indischen Rechts an die ILO-Normen?
Im Schwerpunkt nachhaltige Wirtschaftsentwicklung unterstützt die „Deutsch-
Indische Corporate Social Responsibility (CSR) Initiative“ eine
verantwortungsbewusste Unternehmensführung in Indien. Hierbei hat die GIZ an der
Entwicklung der „National Voluntary Guidelines on Social, Environmental and
Economic Responsibilities of Business“ mitgewirkt, die Vorgaben zu den
Kernprinzipien Arbeitsethik, Good Governance sowie die Rechte und Würde der
Mitarbeiter beinhalten und jede Form der Ausbeutung von Arbeitskräften und
Kinderarbeit untersagen. Das Vorhaben beschäftigt sich auch mit der
Umsetzung von „Corporate Social Responsibility“ in kleinen und mittleren
Unternehmen, wobei die ILO-Normen eine wichtige Rolle spielen.
Die Projekte der sozialen Sicherheit leisten in der Wirkungskette indirekt einen
Beitrag zur Bekämpfung von Kinderarbeit. Durch eine bessere soziale
Absicherung von Arbeiterinnen und Arbeitern im informellen Sektor und deren Familien
müssen etwaige Arbeitskraftausfälle nicht länger durch Kinderarbeit
aufgefangen werden, die zuvor oftmals die einzige Einkommensquelle und
Überlebenschance für Familien darstellten.
Das GIZ IS Programm „Sustainable Supplier Programme“ (C&A Foundation
als Auftraggeber) zielt darauf ab, die Produktivität zu steigern, Löhne zu
erhöhen und die Sozialstandards für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von
Zulieferfabriken in Indien und Bangladesch zu verbessern. Am Programm nehmen
derzeit zehn Zulieferfabriken teil, die ein individuell auf ihre Bedürfnisse
zugeschnittenes Coaching erhalten, um die sozialen Bedingungen zu verbessern.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]