Altersarmut und Verteilung der Alterseinkommen
der Abgeordneten Matthias W. Birkwald, Diana Golze, Dr. Martina Bunge, Heidrun Dittrich, Klaus Ernst, Jutta Krellmann, Cornelia Möhring, Harald Weinberg, Sabine Zimmermann und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Laut aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung, über die die „BILD Zeitung“ am 11. und 13. Juni 2013 berichtete, bekommt fast jede/jeder zweite Rentnerin/Rentner eine gesetzliche Rente, die unterhalb von 700 Euro und damit unter dem Niveau des aktuellen Bruttobedarfs der Grundsicherung im Alter bei Erwerbsminderung liegt.
Die Deutsche Rentenversicherung hat dazu erklärt, dass diese Zahlen alleine nicht aussagekräftig seien, weil „geringe Rentenbeträge in der Regel durch das Einkommen des Ehepartners oder aus anderen sozialen Sicherungssystemen ausgeglichen werden“ (Stellungnahme vom 12. Juni 2013). Auch die Bundesregierung weist im Zusammenhang mit geringen Renten immer wieder darauf hin, dass bei vielen andere Einkommen hinzukämen (vgl. Alterssicherungsbericht 2012 auf Bundestagsdrucksache 17/11741). Zur Untermauerung ihres Schlusses, dass die Anzahl geringer Renten nicht auf Altersarmut hindeute, verweist die Bundesregierung immer wieder auf das durchschnittliche Nettoeinkommen im Alter, das bei Ehepaaren im Westen bei über 2 500 Euro und im Osten bei rund 2 000 Euro liegt. Gleiches tut die Deutsche Rentenversicherung in ihrer aktuellen Stellungnahme.
Durchschnittszahlen zum Alterseinkommen sind jedoch problematisch. In sie gehen hohe Alterseinkommen aus Beamtenversorgung und berufsständischer Versorgung ebenso ein, wie zusätzliche Alterssicherungsleistungen und Vermögenseinkommen. Diese sind jedoch innerhalb der Bevölkerung sehr ungleich verteilt. Zur Beantwortung der Frage, wie es wirklich um die Alterseinkommen der Mehrheit der Menschen in diesem Land bestellt ist und wie es gerade bei den unteren Einkommensschichten aussieht, können sie deshalb nichts beitragen. Hierzu bedarf es Daten zur Einkommensschichtung bzw. -verteilung.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen11
Schließt sich die Bundesregierung der Einschätzung der Deutschen Rentenversicherung an, dass die hohe Zahl der Rentenzahlbeträge unterhalb des Grundsicherungsniveaus kein Indikator für Altersarmut bzw. Probleme bei der Absicherung im Alter ist?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zur Höhe und Verteilung der Alterseinkommen in Deutschland, und welche Datenquellen und Studien liegen hierzu vor?
Wie stellt sich aktuell die Verteilung der Einkommen (alle Einkommensarten) der über 65-Jährigen nach Einkommensquintilen und -dezilen für Ehepaare, Alleinstehende sowie Männer und Frauen dar (bitte für Deutschland insgesamt sowie getrennt für Ost und West ausweisen)?
Wie stellt sich aktuell die Verteilung der Alterssicherungsleistungen (aus allen Arten der Alterssicherung) der über 65-Jährigen nach Einkommensquintilen und -dezilen für Ehepaare, Alleinstehende sowie Männer und Frauen dar (bitte für Deutschland insgesamt sowie getrennt für Ost und West ausweisen)?
Wie hoch liegt der Median der Einkommensverteilung der über 65-Jährigen beim gesamten verfügbaren Haushaltseinkommen sowie bei den Alterssicherungsleistungen (bitte wiederum insgesamt sowie nach Haushaltstypen und Ost und West ausweisen)?
Wie viele über 65-Jährige liegen mit ihrem Einkommen unterhalb des durchschnittlichen Bruttobedarfs der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, und wie viele liegen unterhalb der Armutsrisikogrenze (nach EVS – Einkommens- und Verbrauchsstichprobe –, EU-SILC – European Union Statistics on Income and Living Conditions – und SOEP – Sozio-oekonomisches Panel) (bitte wiederum insgesamt, nach Frauen und Männern sowie nach Ost und West ausweisen)?
Über wie viel Einkommen aus staatlich geförderter Altersvorsorge, aus privaten Renten- und Lebensversicherungen, aus betrieblicher Alterssicherung, aus Zinsen, Vermietung und Verpachtung verfügen insgesamt sowie je Einkommensart im Schnitt die jeweiligen Quintile der Einkommensverteilung der über 65-Jährigen (bitte für Ehepaare, Alleinstehende, Männer und Frauen in Deutschland insgesamt sowie in Ost und West ausweisen)?
Über wie viel Einkommen aus staatlich geförderter Altersvorsorge, aus privaten Renten- und Lebensversicherungen, aus betrieblicher Alterssicherung, aus Zinsen, Vermietung und Verpachtung verfügt insgesamt sowie nach Einkommensart der Median der Einkommensverteilung der über 65-Jährigen insgesamt, bei Ehepaaren, Alleinstehenden, Männern und Frauen in Deutschland insgesamt sowie in Ost und West?
Wie hoch ist der Gini-Koeffizient bei den Einkommen in Deutschland insgesamt, wie hoch bei den Einkommen der über 65-Jährigen, wie hoch bei den Einkommen aus Alterssicherungsleistungen, und wie hat er sich über die vergangenen zehn Jahre jeweils entwickelt (bitte für Deutschland insgesamt sowie nach Ost und West ausweisen)?
Wie hoch ist die Quintil-Ratio – ein Ungleichheitsmaß, das das Verhältnis vom unteren zum oberen Quintil der Einkommensverteilung beschreibt – bei den Einkommen in Deutschland insgesamt, wie hoch bei den Einkommen der über 65-Jährigen, wie hoch bei den Einkommen aus Alterssicherungsleistungen, und wie hat sie sich über die vergangenen zehn Jahre jeweils entwickelt (bitte für Deutschland insgesamt sowie nach Ost und West ausweisen)?
Sieht die Bundesregierung die Notwendigkeit, die Datenlage hinsichtlich der Verteilung der Alterseinkommen zu verbessern, und welche konkreten Schritte will sie dazu unternehmen?